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Jüdisches Volksblatt · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. Jänner 1902 Nr. Z tung der Cultussteuergelder geradeaus hinzuweisen und dadrrrch einem wirklichem Chillnl Haschern vorznbeugen. In dem verhältnismäßig Fraßen, bereits^ zwei Millionen Kronen überschreitenden Budget der. Cultusgemeinde stellt relativ keine einzige Past solch hohe Anforderungen cm die Sterrergelder der Gemeindemitglieder, als das Rothschildspital, oder wie es im Budget euphemistisch angeführt wird, „das israelitische Spital." Das Geschenk, das die Familie Rothschild mit den: Spitale der Gemeinde gemacht hat, hat sich bald als Danaergeschenk herausgestellt, das, wenn nicht bald radicale Abhilfe geschaffen wird, geeignet ist, langsam aber sicher den Ruin der Cultusgemeinde herbeizuführen. Die Zuschüsse, welche die Cultusgemeinde den: Spitale zur Erhaltung desselben gewähren muss, weisen eine solch erschrecklich steigende Tendenz auf, dass die Steuerträger wohl zur Frage berechtigt sind: Ist die Cultusgemeinde berechtigt, eine Anstalt, die sie nicht selbst ins Leben gerufen, die schon infolge ihrer durchaus verfehlten Anlage nicht geeignet erscheint, dasjenige zu leisten, was von ihr mit Rücksicht auf die enormen Unterhaltungskosten mit Fug und Recht gefordert werderr könnte, auch fernerhin zu Lasten der Steuerträger zu erhalten? Der Zuschuss der Cultusgeineinde zu den Erhaltungskosten des Spitals betrug im Jahre 1900: 100.700,64 Kronen, das Zuschusspräliminare für das Jahr 1902 stellt bereits einen Zuschuss von 260.643,38 Kronen, also mehr als das doppelte in Allssicht. Allerdings ist in deul Gesammtausgabenetat per Kronen 312.120.— eine außerordentliche, durch das Plenum des Cultusvorstandes zu genehmigeirde Ausgabe für Adaptierung des Spitalgebäudes per K. 100.000.— enthalten. Wir werden noch auf diesen Punkt zurückkommen; aber, wenn wir auch von dieser außerordentlichen Post absehen, so zeigt sich noch immer eine Zuschusssteigerung von rund K. 50.000.— gegenüber dem Jahre 1900 und da bleibt es noch fraglich, ob das Präliminare im lalifenden Jahre auch eingehalten oder — was wahrscheinlich ist — überschritten wird. Das Rothschildspital ist seit seiner Uebernahme in das Eigenthum der Cilltusgelneinde unausgesetzt das Schmerzenskind desselben im wahrsten Sine des Wortes geblieben. Die Gemeinde erhielt eine nach jeder Richtung hin unzulängliche, in ihren Zwecken verfehlte Spitalsanlage. Ihre Erhaltung war durch nichts gesichert, sie wllrde eine dauernde Last der Steuerträger. Der Wohlthätigkeitssinn versagt dieser Anstalt seine Gunst und es ist charakteristisch, dass, soweit uns die Daten zur Verfügung stehen, festgestellt werden kann, dass seit zwei Jahren weder beim Aufrufen zur Thora, noch sonst welche freiwillige Spenden dem Spitale zugedacht lvurden. Woher kommt es nun, dass der sollst so ruhmreiche jüdische Wohlthätigkeitssinn dieser so humanen Anstalt so abhold ist? Diese Erscheinung kann nicht in der allgemeillen wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung Wiens allein ihre Erklärung finden. Der gesunde Unterthallenverstand, der nicht in die Mysterien einer Schenkungskomödie einzudringen vermag, denkt nicht an das Rothschildspital, weil er annehmen muss, dass wenn ein Haus lvie das. Rothschild'sche eine Schenkung solcher Natur macht,es gewiss auch derell weitereAusgestaltung und Erhaltung in reichlichem Maße gesichert hat, denn in dieser Voraussetzung überströmt er von Lob und Segeilssprüchen für den Spender, so oft er das Spital betritt. Man konnte sich natürlich auch in der Seitenstettengasse vor der Thatsache nicht verschließen, dass es nicht lange so weltergehen könne und hat nach Mitteln gestlcht, tun dem Uebel abzuhelfen. Als solches Heilmittel für das „kranke Spital" wird mm die — Adaptierung des Spitalgebäudes angekündigt. Zu all den Absurditäten, welche diese ganze Spitalswirtschaft kennzeichnen, gehört nämlich ailch die Einrichtung, dass ein großer Theil dieses theuren „Geschenkes" durch die Verwaltung urtb die anderen Beamten bewohnt wird und so seinem eigentlichen Berufe, Kranken Unterkunft und Heilung zu gewähreil, entzogen wird. Für die Adaptierung dieser Wohnrämne zu Spitalzwecken sind nun in das Präliminare K. 100.000.— eingesetzt worden. Ist nun der Cultusvorstaild wirklich so naiv, dass er sich von dieser Maßnahme eine Beseitigung der Spitalskrisc verspricht? Wird dadurch die Administration, die sich jetzt per Tag und Kopf auf 6 Kronen gegenüber 3—4 Kronen in anderen Spitälern steht, billiger werden? Wird das Spital durch diese neuerlichen Kosten seinem wirklichen Berufe, ein jüdisches Spital zll sein, das deil Bedürfnissen der Juden Wiens Rechnung trägt, auch wirklich zugeführt werden? Ungefähr 4000 jüdische Personeil stehen jährlich im Allgemeinen Kraukeuhause allein in Behandlung; man kann die Zahl der jüdischen Kranken in den übrigen Krankenhällsern getrost mit 300 jährlich ailnehmeu. Wie nichtssagend, geradezu verschwindend stehen demgegenüber dm Leistungen des Rotschildspitates da! Und welche ungeheuere Anklage schreit aus diesen Ziffern gegen die Cultnsgemeindc, die sich durch die Annahme dieses Geschenkes der Verpflichtung, ein den thatsächlicheu Bedürfnissen entsprechendes jüdisches — nicht israelitisches . Spital zu errichten enthoben fühlt und anstatt dessen mit bis zur Unerschwinglichkeit progressiv steigendeil Kosten ein „israelitisches Spital" — lueus a non lueonrio — erhält, das kaum einem winzigen Bruchtheile der jüdischen Bevölkerung zugute kommt! Es gibt unseres Erachtens mir ein Mittel zur Sanierung dieses das Budget der Cultusgemeinde in immer erschrecklicher^ Weise bedrohenden Nebels: Hat der Culüisvorstand nicht den Mlüh, deur Repräselltanteir des Hauses Rothschild die gerechte Vorstellung zll maäjeil, dass es nicht gut angeht, ein Kind in die Welt zu setzen, ohne für dessen Existenz entsprechend zu sorgen, dass, wenlr mau beii Ruhm eines wohlthätigen Speilders einheimseir will, man auch darauf bedacht seiir nruss, dass die Spende and) thatsächlich eine Wohlthat sei, wenn sich, wie gesagt, der Vorstand zu einer solch muthigen That nicht auszuraffen vermag und selbst ein modernes, jüdisches Spital zll errichtell nicht ül der Lage ist, so möge er den Spellderil das Geschenk in allen Ehren zurückerstatten. Deiln lvenn die Cullusgemeinde alle die Kranken, die im Rothschildspital Aufnahnle gefunden, im Zahlstock des Allgemeinen Krankenhauses unterbrillgt und durch den bestehenden Wohlthätigkeitsverem mit Koscherkost versehen lässt, so werden die Krankeil befriedigt mrd das Budget der Cultlisgemeinde nicht in mrgerechtfertigter Weise belastet werden. Kleine Chronik. Inland. Jüdische Volksbibliothek. Die Volksbibliothek (Vereinslocal 2. Bez., Leopoldsgasse 49; Brbliothekstunden für Bücherausleiher: Jeden Mittwoch 6—7 Uhr Abends, Sonntag 9—10 Uhr Morgens) hat dllrch nmnificeilte Spenden einen bedeutenden Zuwachs erfahren. Eine Allzahl vorhandeiler Werke, Inden und Jlidenthum betreffend, ist geeignet, unter unseren Volksgenossen Sinn und Verständilis für die historische lmd geistige Größe unseres Volkes zu erwecken und empfehleil wir aufs Wärmste die fleißige Benützung unserer Bibliothek. Bücherspenden für dieselbe Inerben dankend entgegengenommen und auf Verlangen abgeholt. Volksgenossell: Fördert die Vereinsbibliothek durch fleißige Beilützung und durch Spendeil. Das jüdische Creditinstitut. Dieses Institut, dessen Gründung vom Jüdischen Volksverein angeregt und durchgeführt wurde, hat eine ganz selbständige Verwaltllng mrd ist von der Parteipolitik völlig uilabhängig, da es r e i n w r t s ch a f t l i ch e n Zwecken dient. Wir constatiereil mit besonderer Genugthuullg, dass sich die Erkenntnis von der Nützlichkeit und Nothwendigkeit des jüdischen Creditinstitutes in imwer weiteren Kreisen Bahn bricht. Nicht nur Creditwerber treten dem Vereine als Mitglieder bei, sondern auch bei mlseren Financiers begegnet man demselben mit wachsendenl Interesse, was durch die in jüngster Zeit erfolgten größeren Widmungeil zu unserem Sicherstellungsfonds erfreulich illustriert wird. Wenn jeder Stammesgenosse nach seinen Verhältnissen dieses Institut fördert, wird es sich zu einem mächtigen Factor ausbilden, der der Verarmung zu begegnen llnd den wirtschaftlich schwachen Elementen als einem'ächtige Stütze zu dienen fähig ist, was au chwieder -der G e s a m m t. h e i t großen Vortheile gereichen wird. Der Tanz um den Wurstkessel. Die christlich-sociale Partei Hai es nicht verabsäumt, auch uns zu ihrer Faschingsparade einzuladen. Unser ff-Correspondent sendet uns folgenden Bericht: Sehr geehrter Herr Chefredacteur! Vor altem mache ich Sie höflichst aufmerksam, dass Sie für diesen Bericht nicht den gewöhnlichen Zonentarif rechnen dürfen, sondern einen höheren; denn ich schwebte jede Zeile in Gefahr, als Nichtchristlich-Socialer entdeckt zu werden, und da ist 10 Heiler für die Zeile zu wenig. (Hierauf folgt eine längere Auseinandersetzung, dass der -fk-Correspondent daS letzte Honorar verspätet erhalten habe, dass er sich an den Vorschuss, den wir in Abzug brachten, nicht erinnern könne usw. Wir glauben im Interesse unserer Leser zu handeln, wenn wir diese Stellen unterdrücken. Anm. d. Red.) Verzeihen Sie diese kleine Abschweifung, aber das Gedränge im Buffet war wirklich lebensgefährlich. Rührend war es auch anzuschen, wie die biederen Bäuerlein ans deir schwarzen Vierteln ob und unter dem Mcmnhartsberge durch ihre geistlichen Hirten wie Schäflein dirigiert wurden. P. Axmann war so freundlich, mir mitzutheilen, dass den ländlichen Theiluehmern die schwerste Aufgabe zufalle, nämlich allen Reden bis zum Schlüsse ruhig zuzuhören und dann noch aus Leibeskräften zu klatschen. Es sei ihnen strenge verboten. Pfui Deixel oder Bravo während der Reden zu rufen, denn es habe sich auf der vorletzten Versammlung wiederholt ereignet, dass sie beides an verkehrter Stelle gethan hätten; woran wahrscheinlich ihr Most- resp. Heurigenschädel schuld sei; bei dieser Versammlung hätten nur die Rathhausdiener das Recht zu Ztvischeurufen. „Irren sich denn diese nicht," wagte ich schüchtern eiiizuiveudeu. „Kn Spur," erwiderte P. Axmann jovial, „die kennen ja alle Reden auswendig." Außer den Bauern sah ich in der Versammlung s ä m m t l i ch e Abgeordnete, Gemeinderäthe, Vezirksvorsteher', Armenräthe und gewöhnliche Einwohner von Wien und IE itt - gebung — soweit sie nämlich der christlich-socialen Partei angehören. Den Vorsitz im großen Musiwvreiussaale führte mrtürlich „unser Karl", im kleinen unser Vicefettfleek. PL Axmann, der, wie ich schon einmal bemerkte, in liebenswürdigster Weise den Cicerone machte, wofür ich ihm mutz die Ehre anthcrt, mit ihm eine Lachens.) Hierauf ergreift der Loisl das Wort. Er schimpfte diesmal ausnahmsweise nicht über die Juden; man sagte mir, dass er seit seiner Blamage am Katholikentage sich nicht mehr recht getrmre, über die von ihm entdeckte jüdische Schilderhebung in Europa zu sprechen. P. Abel soll nämlich nach dieser humorvollen Rede auf ihn zugetretcn sein und ihm in seiner derben Weise gesagt haben: Ich habe schon lange keinen so gelungenen Vierschwefel gehört. Er sprach also nur über die politische Lage, in der wir uns befinden. Vor dem Auftreten der Christlich-Socialen haben cs nur drei Parteien gegeben. Die Socialdemokraten, die schönerianische Rebellion und die Anarchisten unter Führung des Peukert und eines gewissen Prinz Alois Lichtenstein. (Die Bauern fangen an, unruhig zu tverden, man beruhigt sie aber damit, dass dem Loisl das nur so ausgerutscht sei; er sei jetzt ein guter Christ.) Jetzt sei dies anders geworden; es gebe jetzt keine Anarchisten mehr, dafür aber Christlich-Sociale. Der Steiner, der immer sich auf den Sachlichen hinausspielen will, war natürlich sehr langweilig. Interessanter Ivar der Kunschak, k. u. k. christlich-socialer Renommierarbeiter. Er sagte ungefähr Folgendes: Man wirft uns christlichsocialen Arbeitern vor, dass wir uns organisieren, eigene Wege tvandcln und selbständige Absicht haben. Aber wir sind jetzt unter uns, und so kann ich's Ihnen sagen, dass unsere ganze Organisation nur Pflanz ist, um dem dummen Arbeiter was vorzumachen und ihm deu rothen Adler abzufangen. Dmm kam der L i st, der Vertreter der dummen Kerle vom Land, im Gegensätze zu den dummen Kerlen in der Stadt. Er sprach von den Leuten, die ernten, aber nicht säen, fügte aber hinzu, dass er darunter nicht die hochwürdige Geistlichkeit meine, die er nach Gebür schätze. Der Weiskirchner und der Schneider waren sehr fad. Dann folgte der geehrte Stadtrath Bielohlawek. P. Axmann erzählte mir, dass man ursprünglich ihm nicht das Referat iiber die Presse geben wollte; er habe aber darauf bestanden, um den bösen Gerüchten, dass er nichtvlesen könne, ein Ende zu machen. In wahrhaft glänzender Weise bewies er durch seine Rede, dass er tvirklich "Judenblätter" lese.. Er sagte wörtlich: „Man fragte mich: Lesen Sie denn keine Zeitung? Jawohl, sagte ich, eben weil ich auch Zeitungen lese, kann ich mir ein richtiges Urtheil bilden." Mit den Worten: „Nieder mit den liberalen Zeitungsstempeldieben", „Hoch die christlich-socialen Zeitungsstempeldiebe", in den die Versammlung begeistert cinstimmte, schloss er seine Ausführungen; hoffentlich ivird mm. niemand mehr behaupten, dass Bielohlawek von den Affen abstanpne oder nicht lesen könne. Ueber meinen Freund Axmann breit«; ich den Mantel der christlichen Nächstenliebe. Dr. Scheicher, der.,..nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, lvie ihr . -. -Correspondent in der letzten Nummer behauptet, sprach über den , südafrikanischen Krieg. Gessmann klagte darüber, dass die Schulen gar so viel Geld kosten, das man doch viel besser für Kircheiibauten verwenden könne. Hierauf erhielt Dr. Lueger das Schlusswort. Ich lvill ein Stück aus seiner Rede wörtlich citieren, da Di. Lueger oft als Antisemit verschrien wird. Er sagte: U nvev'ständlich ist es mir, wie ein deutscher Mann in der jetzigen zmn > Zeitwin der konfessionellen Hetze einen Erfolg für das ' deutsche Volk sehen kann. Man braucht doch nur nach Deutschland zu sehen, das unter den religiösen Kriegen viel zu leiden hatte; solche Leute, die einen Abfall von Glauben und Religion predigen/müssen der öffentlichen Verachtung überantivortet werden. (Pummerer ruft!■' Aufhängen, Hochverräther sind sie I) Wir haben nichts gegen die Religion des einen oder des anderen, sondern verlangen vollständige Religionsfreiheit. Wir sind immer für Gleichberechtigung eingetreten." P. Abel drückte ihm nach dieser! Flasche „Cabiuet Lueger" auszustechen, erklärte mir, dass man ursprünglich fürchtete, dass der kleine Musikvrreinsfaal für Strvbach zu klein sei; aber es gieng doch nicht an, den Lueger im kleinen und Strobach im großen Saale auszustelüm^ dmm Lueger sei. noch von seiner Vicebürgcrmeisterei her auf den damaligen Ober eifersüchtig, Unser Karl iourde mit .ijroßeiil Jubel begrüßt. Pum merer gab, lvie gewöhnlich, das Signal und nickte sehr beifällig,, ivas tvar das Klatschen: der armen Hascherln, dev Anfjöhcr, Rath. Hausdiener nnd Schuldiener gegen das Klatschein der schwieligen: Baneriifäustei Unser Karl dankte sehr gerührt und erklärte, dasser immer dagegen sei,, dass man Land' und Stallt' trenne, und er habe dies auch glücklich verhindert. Dir Städter gvhen im Sommer aufs Land und dir Laiidleute im Winter äc die Siadi. (Pmnmerer gibt das Zeichen zmn Lachen. Allgemeine Heiterkeit.) Die Reden werden zuerst im großen Saale gehalben, daun im kleinen; ich. wollte zuerst einen' Pornographen, pnrdou einen' Phonographen ausstellen, der macht seine Scrck-e schließlich ebenso gut wie der von/echt freiheitlichem Geiste durchlvehten Rede krokodilthränenden Auges die Hand: „Ich hätt's auch nicht besser machen können," meinte er bewundernd. Ich verließ sehr befriedigt die Versammlung';'' ich hatte für denselben Abend eine Freikarte für das Orphentzi -gehabt, aber ich bereute es nicht, dass ich die Karte um die Hälfte -ihres Preises an einen Freund verkauft hatte, denn schöner hätte e's auch nicht im Orpheum sein können. Ich hoffe aber, sehr geehrter Herr Chefredacteur, dass Sie bei Bemessung des' Honorars in Betracht ziehen lvcrdeu, dass ich für die Frelkarte nicht den vollen Preis erzieken konnte. Ihr ergebenster f"f-Correspondent. 'Ein jüdisches Creditinsttnt. Wir vorbildlich das „Credit mstitut für jüdische Gewerbetreibende llnd Beamte" wirkt,-zeigt der Brief, der dem Mainzer „Israelit" von Herrn Henri Cahn-Dreyfus, BaluMvolllvareu-Manufaetnr „Die Errichtung eines solchen in Straßburg zugeht: Jnsttillts lväre der Errichtung mancher Wohlthätigkeits-Anstalt vorzuziehen, denn, nicht allein, dass viele HaNdlverker den nöthigen Credit fänden, lim ihr Geschäft zll Ibergrößern unb zu verbessern, sondern auch manchen ehrlichen, kleinen Geschäftsleliten könnte durch ein derartiges Institut zum Wohlstand verhokfen werden. Die Sachen ist auch ausführbar, es würde sich nur darum handeln, ein gelotstes Capital zusaminenzubrmgen; es braucht nicht allzlt groß sein und eine Gesellschaft müsste gegründet tverden, deren Hallptsitz z. B. in Frankfurt a. M. wäre. Dann müsste man Filialen'in allen größeren Provinzimb Industrie-Städten errichten, z. B. für Elsafs inlStraßbnrg, Colmar und Mülhcmsen; und tvenn einmal dieieSache ihren Anfang genommen, würde sie sich schon vM'st'lbst weiter entwiMn." Bortrag Hofrath Kareis. Am Mittwoch den 16. d. M. hält Herr Hofrath I. Äareis im großen Festsaale des Jüdischen Volksvereins einen Bortrag iiber „Die WundeA'öer Nellzeit". Gäste willkommen. 3 >'An1ifemitensPiel«l. Dns- „Tmutenuuer Wochrnblait" vrroffl'ütvicht folgende Darstellm^ der A f f a i r e W o l f - S e i d l: Memorandum, welches winerzeit von der Hnuptleitnng der Alldentschen Partei dem Alldeutschen Club im Abgeordnetenhnnse 'unrerüreitet wurde und' den Rücktritt Wolfs zur Folge Hatte, lnm »teto'i ungefähr folgendermaßen: Wolf hatte im Jahre 1898 enr ^München, um das er sich lauge' Zeit bemüht hatte, unter Missfbranch von dessen Enthusiasmus und dessen Begeisterung für dcur igefeierten Vorkämpfer für die Ideale des deutschen Volkes ver-!fühlt: Wolf tvar damals schon' verheiratet. Das Mädchen tvar iditz Tochter eines Parteige"vssen Wolfs, dessen Gnstfi undschaft er zgenohF',,' und dessen Credit er wiederholt in Anspruch genommen- .iharte^ um zu seinem Ziele zu gelaugett. Er hatte dem Mädchen jbAheuert, dass feine Ehr eine nnglücklichL sei und dass er sich von Bürlohlatvek. (Pummerer gibt zum ztuortenmale das Zeichen jjfeiüet' Frau scheiden lassen müsse. Als das Midchen wegen der.

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