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Jüdisches Volksblatt · 1902-01-03 · 1 (3.1.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
1 (3.1.1902)
Date
1902-01-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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TrtX’ffX1??1-' r~Tv,' Nr. 1 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt A_ 3. Jänner 1902 Seite 6 läuten Sturm. Der Weg zum Frieden geht durch Ströme von Blut! Wehe, Israel, wehe!" „Deutsche Sitte, deutsche Treue" usw. singen die Antisemiten, wenn sie auseinandergehen oder auch wenn sie die Versammlungen anderer Parteien zu stürm beabsichtigen. Dass zur deutschen Sitte auch dos Mordm einer Minderheit des Volkes gehört, lehren uns die Ausführungen des edlm schlesischm Grafen, der Staatsbehörde aber solltm sie Anlass geben, mit diesem gemeingefährlichm Tveibm tabula rasa zu machen ehe es zu spät ist. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 14. ds. Dr. Isaak Heinemann von hier. Sein Thema lautete: „Die Dichter unserer Festgebete". So oft die jüdische Dichtkunst blühte, brachte sie ein Gebetbuch hervor. Die Psalmen, das Gebetbuch der ganzen Welt, haben fast durchweg einen bestimmten Rythmus, theilweise einen Refrain, theilweise sind sie nach den Buchstaben des Alphabetes geordnet. Später fiel jede äußere poetische Form weg. Im Mittelalter dagegen traten die „Paitanim" auf, die „Poeten", Verfasser der Piutim, der Festgebete. Die Begründer dieser Poesie sind Jose ben Jose und Eleasar ha Kalir. Erstercm verdanken wir das Mussafgebet des Neujahres mit dem Refrain 7,51^12; er ist der Begründer des Gebrauches in den Versen Anspielungen auf Bibel und Talmud anzubringen. Kalir, der vcrmnthlich im 0. Jahrhundert gelebt, hat an 160 solcher Gebete verfasst. Er iraudte zuerst richtige Reime an, die nicht nur Uebereinstirmuung im Schlrlssvocal sondern auch in den vorhergehenden Consonanten zeigen (z. B. im S;: -Gebet). Der Reim kommt im Deutschen erst später vor (870), dagegen findet sich bereits 270 ein gereimtes Gedicht eines Kirchenvaters. Kalirs Name ist uns eigentlich nur bekannt durch die von ihm eingeführte Anwendung des Atrosrichons. Seinen Spuren folgten die jüdischen Dichter in Spanien; Salomon ben Gabriel, der im Alter von 29 Jahren gestorbene hochbcrühmte Philosoph, Jehuda ha Levi, Abraham Esra. Aus jener Periode, aber von einem unbekannten Verfasser stammt das Adon Olam, ein Protest gegen die aristotelische Philosophie der ewigen Materie. Das Gedicht hat einen ganz hindurchgebenden Reim und ein ganz bestimmtes Versmaß, dessen Erfindung wir wohl Dunsch, dem Enkel Sadias, der auch das —1 d n mi verfasst hat, zuschreibcn dürfen. Die spanischen Juden hatten ein politisches Vaterland mit allen Rechten, allein ihr geistiges Vaterland war Palästina, das ihnen blieb, als im Jahre 1492 die Vertreibung der Juden aus Spanien erfolgte. Aus dieser Zeit stammt das L'choh dodi des Salomon Halcvi Alkabez, eines Mystikers. Die Mystik, die Kabbalah wird oft weggewocfen kritisiert; allein auch sie hat ihre Verdienste, indem sie das rein verstandcsmätzige Vorgehen ergänz durch die Regungen des Gemüthcs. Während in der spanifchen Poesie gleichsam die Seele zu ihrem Schöpfer spricht, spricht in der deutschen Israel zu seinem Gotte. Noch ehe die schwersten Verfolgungen hereiubrachen, lebte Simon ben Jsaac, Verfasser von Gebeten des 2. Neujahrstages, durchweg aus Bibelversen bestehend. Von Rabbi Gerschom ben Jehuda, demselben, der die Bigamie ausdrücklich verbot, stammt die Selichah am Vortage und im Abendgebet des Vcrsöhnungstages „Gedenke des Bundes mit Abraham" „S'chor b'riß". Dann haben wir Piutim von Raschi, R. Meir aus Rothenburg u. a., meist Klagelieder über die entsetzlichen Leiden Israels, dem man sogar sein geistiges Vaterland rauben wollte, indem man seine heiligen Bücher verbrannte. Umso freudiger klingt die Befreiungsfreude in einem Gedicht, das jetzt ertönte, im Moaus zur j'schuossi verfasst in der Technik der spanischen Schule. Es zählt dankbar froh die verschiedenen Erlösungen auf und schließt in seinem letzten, meistens nicht mitgcdruckten Verse mit der Hoffnung auf die endgiltige messianische Erlösung. — Der Redner, der seinen Vortrag mit einer Reihe trefflicher Uebersetzungen von Gedichten durchwirkt hatte, schloss seine von der äußerst zahlreichen Zuhörerschar mit großem Beifall aufgenommenen Worte mit der Aufforderung, an dem Geistesleben unserer Vorfahren ein neues Licht anzuzünden und an unserem Herzen die Altarweihe zu vollziehen. Volkszählung. Aus Berlin wird gemeldet: Die letzte Volkszählung vom 1. December 1900 gibt noch zu einigen interessanten Feststellungen Anlass. Im jchigcn Umfange des preußischen Staatsgebietes hat seit dem 2. December 1895 zugenommen die Zahl der d. i. überhaupt Evangelischm um um %<) 1 466 129 72,04 Katholiken 1 114 165 101,29 Andere Christm 19 882 166,73 Judm 12 006 33,20 Bekcrrner anderer Religionen 4 604 883,85 Das schnellere Anwachsen der Katholiken gegenüber den Evangelischen ist, wie die „Statistische Corresp." schreibt, wohl namentlich dem zwischen Preußen einerseits und den süddeutschen Staaten andererseits stattfindenden Bevölkerungsaustausche zuzuschveiben. Die Zahl der evangelischen Brüdergemeinden ist zurückgegangen, dagegen die der Methodisten, Quäker und Baptisten erheblich gewachsen. Die Zahl der Bekenner anderer Religionen (Japaner, Chinesen, Türken, Zigeuner, Brahmanen, Buddhisten, Mohammedaner, Feueranbeter usw.) ist erheblich gestiegen. Ihre starke Zunahme lässt sich größtentheils aus der wachsenden Erleichterung des Weltverkehrs erklären. Der auf die Juden entfallende Antheil hat sich im Verhältnis auf die Gesammtbevölkerung beständig vermindert. Er betrug 1880 13,33 vom Tausend, 1886 12,94, 1890 12,42, 1896 11,92 und 1900 nur 11,4 vom Tausend. Die auffallend geringe Zunahme der Juden beruht nach der citierten Correspondenz auf Auswanderung, an welcher die pveußischen Juden angeblich von jeher stärker als Personen der christlichen Bekenntnisse betheiligt gewesen sind, sodann auf den zahlreichen Uebertritten aus dem Judenthum zu anderen Bekenntnissen. Wir gestatten uns, anderer Ansicht zu sein. Zunächst ist zu erweisen, dass die preußischen Juden von jeher mehr als die preußischen Christen ausgewandert sind, sodann erreicht auch die Zahl der Taufen, wie jüngst festgestellt wurde, nicht die befürchtete Hohe. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir einen der Hauptgründe der Verminderung der preußischen Juden in dem unleidlichen Zustande suchen, dem Preußens Juden seit mehr als zwei Jahrzehnten unter dem wüsten Judenhasse sich ausgesetzt sehen, sodann in den Ausweisungen zahlreicher Juden, in den Hindernissen, welche neuen Niederlassungen bereitet werden, sowie schließlich in einigen ethischen Momenten. Wäre der öde Antsemitismus nicht so in Preußen in Blüthe, so hätte ja gerade die „wachsende Erleichterung des Weltverkehrs" sich in dem industriellen Deutschland auf die Juden erstrecken sollen. Nein, die Auswanderungen und Taufen allein machen es wahrlich nicht. Die Juden sind nächst der Reichshauptstadt (48,8 v. T.) verhältnismäßig am zahlreichsten im Hessen-Nassau (26,3 v. T.), in Posen (18,7 v. T.), Westpreußen (11,7 v. T.) und Schlesien (10,2 v. T.) vertreten. Während die Zahl der Juden in allen Landestheilen verhältnismäßig geringer geworden ist, ist sie allein in der Provinz Brandenburg von 5,4 v. T. am 1. December 1890 auf 8,3 v. T. der ortsanwcsenden Bevölkerung am 1. Deceniber 1900 gestiegen, entsprechend der stärkeren Zunahme der Zahl der in den Vororten und der weiteren Umgebung Berlins wohnenden Juden. Die Niederlassung von Fremden in den Landgemeinden. Aus Bucarest wird gemeldet: Unter den im Parlamente Eingebrachten Gesetzentwürfen befindet sich ein Projekt zur Reform der Nuralpolizei. Dass die bisher von den Bauern als eine Art Frohne in sehr lässiger Weise ausgeübte Polizei dringend einer Reform bedarf, kommt nicht _ in Frage. Leider scheinen aber bei Ausarbeitung dieses Gesetzentwurfes außer der Sorge um die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit in den Landgemeinden auch andere Einflüsse geltend gewesen zu sein, da die Verfügung des bisherigen Spirituosenlicenzgesetzes, welches die Berechtigung zum Ausschank von Spirituosen zu einem Privilegium der rumänischen Staatsbürger gemacht hat, in der Weise ausgedehnt zu werden, dass in Hinkunft kein fremder oder nichtnaturalisierter einheimischer Israelit ein öffentliches Verkaufslocal, welcher Art immer, halten darf. Tritt diese vorgeschlagene Gesetzesbestimmung wirklich in Kraft, so werden durch sie hunderte von israelitischen Familien, welche bis jetzt in den Dörfern Rumäniens als Colonial- oder Schnittwarenkrämer gelebt haben, mit einem Schlage brotlos gemacht. — Was die Niederlassung von Fremden und nicht naturalisierten einheimischen Israeliten in den Landgemeinden Rumäniens betrifft, so bleibt die Bestimmung aufrecht, nach welcher jeder Fremde um Niederlassung in den Dörfern erst der Genehmigung des betreffenden Gemeinderathes bedarf und im Falle der Abweisung ihm der Recurs an das Ministerium des Innern offensteht. Doch wird dadurch, dass nach dem neuen Gesetze jede Niederlasiungserlaubnis der Bestätigung durch das Ministerium bedarf, die einmal erlangte Erlaubnis zu einem vom Ministerium garantierten Rechte, das nicht mehr, wie es bisher leider oft der Fall war, ohne alle Ursachen wieder aufgehoben werden kann. Von Dr. Mayer Ebner. Czernowitz, Ende December. Als ich im Sommer einen Epilog zu der von den christlichen Deutschen aufgeführten Komödie „Deutsche und Juden." schrieb, bildete ich mir ein, dass die Idee des Abg. Prof. Dr. Skedl, die Bukowknaer Juden im „deutsch-politischen Verein" vor den deutschen Karren zu spannen, endgiltig eingesargt sei. Alle äußere Anzeichen sprachen dafür, dass der Zeitungsfrieden ein dauernder werden wird. Auf unserer Seite wurde die Friedensschalmei, auf Seite der christlichen Deutschen der Schofar geblasen, allgemein wurden als die stillschweigend angenommenen Friedensbedingungen angesehen: ein klang- und sangloses Begräbnis des deutsch-politischen Vereines einerseits und eine Verständigung zwischen Juden und Deutschen auf Grundlage des gegenseitigen Interesses und zweier gleichwertiger und in gleichem Maße anerkannter volklicher Organisationen andererseits. Die christlchien Deutschen aber wollen die Komödie weiter spielen. Prächtige Phrasen werden in das Publicum geschmettert: Erhaltung und Förderung des Deutschthmns und der deutschen Cültur im Lande, Wahrung des deutschen Charakters der Landeshauptstadt. Mittel: der deutsch-politische Verein im ganzen Lande, der „Arbcitsclub" im Gemeinderathe von Czernowitz. In beiden finden Juden' ohne Unterschied der Gesinnung, der Nation und Confesston — denn es gibt auch beispielsweise christlich-deutsche Juden mit polnisch-nationaler Färbung — offene Arme! Da das große jüdische Publicum sich in der localen „Politik" nur wenig aus.ennt, will ich die christlichen Deutschen, sowie ihre jüdischen Handlanger bei ihrer Arbeit hinter den Coulissen zeigen. Wer keine starken Nerven hat, möge sich lieber die Lectüre der folgenden Zeilen versagen. Wer aber die Politik kennt, der wird durch einige rücksichtslose Enthüllungen nicht überrascht werden. Also in aller Kürze: Das Regiment tn der Landeshauptstadt soll christlich-deutsch werden. Jeder hat so viel Recht, als er Macht hat — sagt Spinoza — folglich müssen die christlichen Deutschen, die anscheinend bestorganisierte Partei im Lande, vorerst zur Macht gelangen, um daraus ein Recht auf die Herrschaft zu deducieren. Um die Macht des Wetterwinkels, im Gemeinderathe zu brechen, wird der Arbeitsclub gegründet, dem alle christlichenDeutschen, einige Rumänen, zwei Ruthenen und einige „gebliebene" Juden angehören sollen — im ganzen 25 Männer, somit, da der Bürgermeister in den Sitzungen des Gemeinderathes nicht mitstimmt, die absolute Majorität desselben. Ein mit zwei Drittel Majorität, somit von 17 Mitgliedern Clubs gefasster Beschluss, zwingt die 26, geschlossen für den Clubbeschluss im Plenum des Gemeinderathes zu stimmen. Diese 17 recrutieren sich aus den christlichen Deutschen, welche untereinander einen engeren Verband bilden und gleichfalls bindende Beschlüsse — sagen wir ebenfalls mit zwei Drittel Majorität — fassen, somit 12 Stimmen. Ein einfaches Rechenexempel ergibt sonach, dass zwölf Leute einer Gruppe von 17, diese 17 einer Gruppe von 25, diese 26 dem ganzen Gemeinderathe und dieser natürlich der ganzen Stadt einen bestimmten Willen aufdrängen, diese 12Leute— miteinander festverbundeneChristlich-Deutsche— sind sonach in der Lage, die ganze Stadt zu beherrschen. Der Arbeitsclub produciert einm christlich-deutschen Bürgermeister, einen christlich-deutschen Magiftratsdivector. Die Abfassung der Wählerlisten sowie der ganze Wahlapparat gerathen in die Hände der christlichen Deutschen, so dass alle politischen Mandate nur aus christlich-deutschen Händen zu nehmen oder zu reißen sind. Das ist der eine Weg zur Macht. Die christlichen Deutschen haben sich mit den Rumänen liiert — oder genauer gesagt — seitdem Dr. Johann Flondor einige freundliche Phrasen für die deutsche Tricolore gebraucht, besteht zwischen Deutschen und Rumänen eine politische, platonische Liaison, woher die Bereitwilligkeit herrührt, mit der sich die Rumänen im Gemcinderatbe dem christlich-deutschen Arbcitsclub angeschlassen haben. Aber die einsichtigen Köpfe unter den christlichen Deutschen sind sich dessen stark beNmsst, dass eine Allianz zwischen Deutschen und Rumänen auf die Dauer unmöglich und unhaltbar ist, aus dem einfachen Grunde, weil beide divergierende sprachliche und nationale Interessen haben. Die einsichtigen christlichen Deutschen sehen es ein, dass die natürlichsten und verlässlichsten Bundesgenossen der Deutschen doch nur die Juden sein können. Da ihnen aber die Bundesgenossenschaft einer selbständigen jüdisch-nationalen Organisation, die einen eigenen Kopf und eigene Sonderbestrebungen hat, nicht schmeckt, so sind sie auf den Skedlschen Vorschlag eingcgangen und haben den. deutsch-politischen Verein gegründet. Dieser Verein soll die Hinterthüre sein, durch die den Juden der Wiedereintritt in die Nebengemächer des Deutschthums ermöglicht werden soll. Hier im deutschpolitischen Verein sollen die Juden von den Deutschen gegängelt werden, hier sollen die Juden für die christlich-deutschen Aspirationen und Herrschgelüste empfänglich und gefügig gemacht werden. Hier und im gemeinderäth- Mjtn Arbeitsclub sollen die Juden Verständnis für die Segnungen der von der hohen k. k. Regierung gewünschten Staatspolizei und des neuen Gemeindestatutes bekommen. Der deutsch-politische Verein soll der zweite Weg zur Befestigung der christlich-deutscher Macht sein. Wenn man den christlichen Deutschen auch nicht helfen Null, anerkennen müsste man, dass dieser Volks-EgoismuS 1 in ethisches Moment hat — ja, wenn nicht kleinliche Stveberei und Stellenjägerei das treibende Motiv zu dm große'.: Haupt- und Staatsactionen wären. Aber die Spatzm am Dache pfeifen bereits, wer dereinst Bürgermeister in Czernowitz werden w i l l und wer Magistratsdirector werden s 0 l l . . . und wer Polizei-Jnspector zu Werdm strebt... Wie werden nun die Judm in dm deutsch-politischen Verein hineingenarrt? Natürlich wird dieses Liebeswerk durch Juden selbst besorgt und zlvar durch ein Triumvirat: Adolf Wallstein, Dr. Friedrich Billig und A. M. Brunstein. Wir wollen die geheimen Triebfedern des neuerwachmden jüdischen Deutschthums bloßlegm. Herr Adolf Wallstein, emeritierter deutsch-liberaler Redacteur, beabsichtigt die Gründung eines Tagblattes in Czernowitz, um seine journalistische Thätigkeit wieder auszunehmm. Da er aber auch Eigentümer eines Badobassins (Mi'kwe) für koschere Jüdinnen ist und für dm Betrieb dieses Bassins der Consecration desselben seitens des orthodoxen Rabbiners bedurfte, so hat er als kluger Kopf sein bei der unter Führung des Dr. Straucher stehenden Cultusgemeinde etwas anrüchiges Deutschthum bis zur endgiltigen Ritualisierung seines Bades zurückgestellt. Das war die Bedenkzeit, die sich Herr Wallstein seinerzeit in einer bei Dr. Skedl abgchaltenen Versammlung erbeten hat. Nun die Consecration vollzogen und die Rechte des Herrn Wallstekn notariell und grundbücherlich besiegelt sind, kehrt Herr Wallstein zum eigentlichm geschäftlichen Unternehmen, zu seiner Druckerei und der projektierten Zeitung und auch — zum Deutschthum zurück. Die Druckerei soll eine Climtel, das neue Blatt soll eine Partei hinter sich habm — die deutsch-jüdisch-christliche Partei. Herr Wallstein ist ein sehr gelehrter Mann, er verfügt über ein stupendes Wissm, er hat sicher in dm Büchern gefunden, dass die Lösung der Judmfrage am bestm geschehm kann, wenn die Judm des Landes allesamnrt treue Abonnenten seiner Zeitung, die dmr dmtsch-politischen Vereine und vonwegerr der Concession auch der Regierung dienm wird, werden solltm. Da Herr Wallstein bei allem Geschäftsgeist auch ettvas auf idmle Gesinnung hält, so kann ich, ohne hiezu ermächtigt zu sein, versichem, dass Herr Wallstein ehrlich überzeugt ist: sein Borthcil bedinge das Wohl des ganzen Judentums. Nun sind wir von den kleinm Ursachen zu dm großen Wirkungm giekommen. Man sieht, von der Mikwe bis zur Lösung dar Judensrage ist nur ein Schritt. Dr. Friedrich Billig, den die Muße einer modernen Advocaturskanzlei zum Betreten des politischen Moorbodens veranlasst hat, ist der einzige, bei dem man chrliche Ueberzmgung mit politischer Kurzsichtigkeit und umgekehrt entschuldigen kann. Herr Wallstein, der bei Dr. Rott und Wazl in die Schule gegangen ist, weiß, was er will -- wir wissen es auch — Herr Dr. Billig, ein homo novus in der Politik, weiß leider nicht, was er soll. Es thut wir leid, diesem liebmswürdigen Mmschen öffentlich die Meinung der mit mir Gleichderckendm sagen zu müssen. Und nun Herr A. M. Brunstein! Warum lasten Sie, ein kluger, praktischer Kaufmann, sich vom politischen Geschästsdeutschthum in dm Sack narren? Unterstützm Sie lieber Ihre wahrlich verehrungswürdige Frau Gemahlin

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