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Jüdisches Volksblatt · 1902-01-03 · 1 (3.1.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
1 (3.1.1902)
Date
1902-01-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. Jänner 1902 Nr. 1 „Ich habe leider schon oftmals angebliche Jugendschriften in die Hand bekommen, deren Knoblauchgeruch mir das tiefste Bedauern abrang." Wahrscheinlich bezieht der Prälat Schcicher auch seine geistige Nahrung durch seine Köchin, die gerade Rostbraten mit Vanille zubereitete; wir rathen ihm, mit seinen Vorwürfen sich daher nicht an das Publikum, sondern an seine Köchin zu wenden, deren sonstige Vorzüge wir nicht bestreiten wollen. Er fährt wörtlich fort: „Ja, geben Sie geistige Nahrung den arischen Wiener Kindern, und bewahren Sie uns vor der Denkungsart, die in den Bezirken Samaria und Jerusalem zuhause ist." Der P. Scheicher hat also die feste Absicht, aus der katholischen Kirche auszutreten» ja, er ist überhaupt kein Christ mehr. Denn wie könnte er als Christ, geschweige denn als katholischer Priester, sich vor der Denkungsart, die in den Bezirken Samaria und Jerusalem zuhause ist, bewahren! Das ist überhaupt seine Privatsache; dass er aber auch die Wiener Kinder zum Abfalle zu bringen sucht, ist nicht schön. Landesausschuss P. Gessmann erklärt sich gerne bereit, die Verbreitung der Zeitschrift zu fördern. Man weiß, dass P. Gessmann; es als seine vornehmste Aufgabe im Landesausschusse ansieht, seine amtliche Stellung zur Propaganda der christlich-socialen Partei zu missbrauchen; wir sind also gefasst, dass er als Landesschulrath allen Schulen Niederösterreichs das Abonnement der Zeitschrift austragen wird. Doch genug von diesem Machwerk; uns kann's recht sein, wenn die „Wiener Kinder" sich von dem Geiste, der im Bezirke Jerusalem zuhause ist, abwenden und die geistigen Abfallsproducte eines Scheicher, Gregorig und Bielohlawek in sich aufnehmen. Es werden aus den „Wiener Kindern" die sattsam bekannten „Wiener Früchteln" werden; nur das eine bitten wir uns aus die jüdischen Kinder verschone man mit diesen unreifen, grünen Heften; sie mögen weiter, wie durch dreitausend Jahre, den Geist Jerusalems in sich aufnehmen. (Wochenprogramm der Toynbee-Halle.) Sonntag, 5. Jänner, Adolf Gelber: Das Richteramt bei Shakespeare. Montag, 6. Jänner, Dr. I. W. Frieser: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienstag, 7. Jänner, Adolf Weisberger: Jüdische Stellenvermittlung. Mittwoch, 8. Jänner, Max Eisler: Jüd. Charaktere: Cyklus 1: Bei Friedrich Hebbel. Donnerstag, 9. Jänner, Dr. Sigmlind Werner: Neber Hygiene. Freitag, 10. Jänner, Arnold Fmnkfurter: Bibel, Erklärung der Sidm. Samstag, 11. Jänner: Concert- Musik, Gesang. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien veranstaltet am 5. Jänner 1902 im Ronachersaale ein Kränzchen zugunsten des Unterstützungs-, Witwen- und Waisenfonds. > Aus Prag wird gemeldet: Nach dreißigjährigem Be-! stehen hat die „Israelitische Gemeindezeitung" am 20. December ihr Erscheinen eingestellt. Todesfall. Aus Podwoloczyska wird gemeldet: Am 23. December. 5 Uhr früh, ist der in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung bekannte und ebenso beliebte Kaufmann Leib Jeczes, Cultusvorstand und Gemeinderath, kaum vier Wochen nach dem Tode seiner Frau, im 41. Lebensjahre verschieden. — Das Leichenbegängnis fand um 1 Uhr nachmittags unter zahlreicher Betheiligung aller Schichten der hiesigen Bevölkerung statt und gab Zeugnis von der großen Beliebtheit und Wertschätzung, jvelche dem Verstorbenen allgemein entgegengebracht wurde. Berei« „Zion", Vrody. In der vierten CH anukan acht am 8. December fand im hiesigen Musikvereinssaale eine vom „Zion-' vereme" veranstaltete Makkadäerfeier statt. Die Feier nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Dieselbe wurde durch eine mark,ge Begrüßungsrede des Herrn Hermann Bloch einaeleitet. Herr sturl. jur M. Pollak brachte hierauf einen Monolog aus Vrchlickys „Bar Kochba" sehr wirkungsvoll zum Bortrage. Es folgte ein Elaviervortrag des Frl. L. Spiro. Frl. Spiro spielte mit großer Verve und erntete für ihre großartige Leistung stürmischen Beifall. Hieraus ergriff der eigens zur Feier hieryergekommene Herr Adolf Stand aus Lemberg zu einer gedankenreichen und formvollendeten Rede das Wort. Er entwarf in kurzen, kräftigen Strichen die Geschichte der glorreichen Makkabäerzeit und feierte dann die Helden, die unter Preisgabe ihres Levens das Volk zum Kampf« und Siege führten. Gr zog dann eine Parallele zwischen der damaligen und jetzigen Zeit und entrollte dabei ein düstere- Bild von der materiellen Lage und der geistigen Verfassung des Judenthums der Gegenwart. Seine Rede klang in emen Hymnus auf den Makkabäergeist in seiner neuzeitlichen Form aus, der allein imstande ist, das jüdische Volk aus dem Moraste materieller Roth und geistigen Verfalles hervorzuziehen. Die glänzenden Ausführungen des hervorragenden Redners weckten Helle Begeisterung, die sich in . brausendem Applaus kundgab. Die Ausführung der ins Programm aufgenommenen GesangSnummern oblag dem gleichfalls aus Lemberg hergekommenen Herrn L. Tendier, der sich seiner Aufgabe mit großer Meisterschaft entledigte. Herr Tendier fang zumeist jüdische Lieder in einer so eindringlichen Weife, dass sich das Publicum daran nicht satt hören konnte, und musste er sich, durch stürmische Zurufe genöthigt, zu manchen Zugaben bereit finden. Die hebrä,sche Sprach« kam an der Feier durch «ine Rede des Herrn Salomon Rothenberg, ferner durch ein sehr stimmungsvoll durch Frl. Rosa W i s ch n i tz e r reeitierteS Gedicht vou E e r n i k o v S k y zur Geltung. Den Abschluss bildete die Aufführung zweier Seenen auS „Dr. Kohn*. bei der sich insbesondere die Herren «tust. jur. O. Teich, L. Jabke und M. Bar dach durch ihr natürliche-, herziges Spiel hervorthaten Die Feier hat im ganzen sowohl durch die Fülle und den köstlichen Gehalt des Gebotenen als auch durch die lebhafte Beteiligung^ des Publikums einen vortrefflichen Eindruck hinterlaffen. W»r wollen hoffen, dass ihre Wirkung eine recht nachhaltige fem möge und dass sie den Anstoß zu einer kräftigen Bethatigung der nationalen Gesinnung unserer Bevölkerung gegeben haben mag. J. D. Aus Galizien. Die T au f wuth hat in den letzten Zeiten bei uns zulcrnde in einem geradezu beängstigenden Maße zugenommen. Aus der allerjüngsten Zeit haben besonders drei Fälle großes Aufsehen und noch größere Erbitterung hervorgerufen. Der Professor der Biologie an der Lemberger Universität, Dr. Jos. Nußbamn, Sohn eines bekannten Warschauer jüdischen Schriftstellers, namens Hilarius (eigentlich Hillel) Nußbamn, der eine sechsbändige Geschichte der Juden in polnischer Sprache geschrieben und auch sonst einige Schriften über Juden und Judenthum verfasst hat, ist mit seiner ganzen Familie zum Christenthum übergetreten. Desgleichen der Professor der Physik an der Krakauer Universität, Dr. Wladislaw Natansohn, Sohn des früheren Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Warschau, Dr. Ludwig Natansohn, ferner Landgerichtsrath August Wolf in Kolomea, Sohn des im Alter von 87 Jahren verstorbenen Lemberger Religionslehrers und Hilfspredigers der dortigen „fortgeschrittenen" Gemeinde, Michael Wolf. Eine traurige, ja beinahe tragische Seite dieser ganzen Frage inuss noch betont werden. Wir Juden bleiben nämlich für das Thun und Lassen der Renegaten verantwortlich, wie wenn sie Juden wären. Alle Paöeien werfen uns die getauften Juden an den Kopf, mit denen sie unzufrieden sind. Die Clericalen und Conservativen nennen beispielsweise die Socialdemokraten ^„jüdisch", weil einer ihrer Anführer, Victor Adler, vor 26 Jahren Jude, d. h. Jude de mNamen nach, gewesen ist. Dabei vergessen die Herren, dass in ihren eigenen Reihen eine Menge von Größen blühen, die gleichfalls nur einem Tropfen Wasser ihr Christenthum verdanken, z. B. der saubere Dr. Porzer, ein leiblicher Neffe des Dr. Ludwig August Frankl, oder der Herr Dr. Ritter von Halban, Director der Kanzlei des Reichsrathes, ehemals Blumenstock mit Namen, oder Dr. von Hahn, eine der Stützen des früheren Ministeriums Baden:, oder Dr. Nosner, der Director der Präsidialkanzlei des Ministeriums. In der Krakauer conservativen Stcmczyken-Partet wimmelt es von getauften Juden und Jüdinnen, und Kenner behaupten, dass dieser Umstand der Grund dafür ist, dass in dieser Partei der Antisemitismus so sehr floriert! „I." Der Jüdische Bolksvcrein in Czernowitz hielt am 28. d. M. in einem Saale der isr. deutschen Volksschule unter dem Vorsitze des Abg. Dr. Siraucher eine überaus zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher nach den beifällig aufgenommenen Ausführungen des Vorsitzenden und der Herren Stecher, Dr. M. Ebner, H. Schächner, GR. M. Salier,. Trichter und Dr. Reisch Goldhacker folgende Resolution gefasst wurde: „Tie heutige Versammlung des jüd. Volksvereins spricht den Einbcmscrn der zugunsten des deutschpolitischen Vereins für Sonntag den 29. d. M. stattfindenden Versammlung das Recht ab, Namens der Juderrselbstverständlich dafür war. Den Vorsitz in der Versammlung führte Regierungsrath Dr. Weiß, gewiss in der Erwägung, dass, wenn Skedl den Verein anstrebe, ihn die Regierung wünsche, und da — muss ein Regierungsrath selbstverständlich zu Diensten sein. Zum Schlüsse sei erwähnt, dass dann an zwanzig Anwesende die Beitrittserklärungen wirklich unterfertigt haben sollen. Jedenfalls eine sehr imposante Majorität. Borstandswahl bei der Pester israelitischen Gemeinde. Die aus 201 Mitgliedern bestehende Repräsentanz der Pester isr. Gemeinde hielt am 22. d. M., vormittags 10 Uhr, eine Versammlung, in welcher die Wahl des Präsidiums, der Vorsteher und des Ausschusses vorgenommen wurde. Mt überwiegender Majorität wurden gewählt: zum Präsidenten Sigmund Kohner, zum Vorstand der rituellen Scction Ludwig Adler, der Schulsection k.Rath Dr. Philipp Weinmann, der Wohlthätigkeitssection Sigmund L. Bveitner, d der Cassensecti'on Ludwig Baumgarten, der ökonomischen Section M. Grünbaum. Wahlpräses Paul Tewcer begrüßte die Gewählten aufs herzlichste und gedenkt der Verdienste zweier gewesener Vorsteher, der Herren Samuel Deutsch und Martin Schweiger, die viele Jahre lpndurch im Interesse der Gemeinde eifrig thätig waren. Schließlich dankt Dr. Weinmann dem Wahlpräsidenten Tencer für seine Thätigkeit und erbittet die Sympathien und Unterstützung der Repräsentanz. Aus Neutra wird gemeldet: Die Wahlen für die isr. Gemeinderepräsmtanz wurden am 26. December vollzogen und für die Jntensivität des Wahlganges mag als Beweis gelten, dass von 309 stimmberechtigten Mitgliedern nicht weniger als 299 Stimmberechtigte ihr Wahlrecht thatsächlich ausübten. Die meisten der abgegebenen Stimmen — 282 — vereinigte der gegenwärtige Gemeindepräses Herr Josef Engel auf sich, der letztgewählte Herr Josef Link erhielt 146 Stimmen. Das Wahlergebnis ist folgendes: Engel Jozsef 282, Friedländer I. 272, Freund Salamon 242, Arpassy Jmce 246, Frischer Lipot 200, Ehrenfeld Adolf 198, Felsner Jonas 189, ifj. Krauß Vilmos 183, Dr. Munels Lajos 180, Szeiner Armin 177, Klein Lipot 171, Kohn Miksa 166, Morton Jozsef 160, Hirsch Mor 160, Dr. Jellinek schaft Bmsammümam cmzuberufm und Beschlüsse zu Miksa 188, Boxhorn VilmoS 15«, Dr. Kürch David 188, pctiwwfciett dm Bntntt von Juden zum Torischz^er Adolf 155, ii>. Krauß Bi,mos 154, Kohn Rekso ' Ä 161, Pollak Miksa 161, Hirsch Nathan 149, Neumann politischen Vereine" und empfiehlt den „JüdischenVolksverein" als die einzige politische Sammelstätte der Bukowinaer Judenschaft." Emil 148, Hofs Zsigmond 148, NeumannJonas 147,Weiß Armin (Perbete) 147, Dirnfeld Israel 146, VerL Zsiga Ersatzmitglieder: Edinger Frauen-Wohlthätigkeits-Verein im 8. Bezirke der Staat 140, Link Josef 146 145. Wien. Am 4. Jänner 1902 findet unter dem Protectorate Ihrer Dr «ihai Lävv Karolv Dr Excellenz Gräfin Anastasia Kielmansegg im Großen Musik- "W0' ^lraUZry •vSlOT, 4J5CJB upat, U)DI) ««mg, at. Vereinssaale unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte eine Ungar SaiNU, Komg Lipot, Steiner Jg., Kohn Miksa große Wvhlthätigkeits-Vorftelluntz mit Ball statt. Ihre Mit- > (Holzh.), Hecht Jonas, Richter S. Wirkung haben nachbenannte Künstler zugesagi: Frau Elice Elizza, ~ ~ .r k. k. Hofopernsängcrin, Frau Hansi Niese, Frl. Valentin, Mitglied > Aus der Neutraer Gemeinde. Herr Emil Neumann erde-'. Deutschen Volkstheaters. Herr Philipp Beran. Claviervirtuose, lässt folgende Erklärung: „Zur Zeit der rumänisch-jüdischen Herr Leopold Demuth, k. k. Hofopern- und Kammersänger, Herr Massenemiaration als im aanren Lande Sammlungen für Leopold Natzler, Mtglied des k. k. priv. Theaters an der Wien Es jenem, granon, ms im ganzen j.cnu>c ^amrmungm und andere hervorragende Kunstkraftc haben ihre Mitwirkung in die Auswanderer emgeleüet wurden, entsandte auch die Aussicht gestellt. Karten lFamilienkarten. giltig für zwei Damen Repräsentanz der Neutraer isr. Cultusgemcinde zwei acht- und einen Herren 12 Kronen. Einzelkarten, geltig für eine Person bare Herren aus ihrer Mitte behufs Einsarmnlung der 5 Kronen) sind zu haben der der Berems-Prasidentin, Frau Amalre diosiaon ^„dmisckiast Das Gfmrfmi* hpr Beck, 8. Bez., Langegasse 1 und durch Anmeldung bei Alex. Rose, ^pLNd^p oer yiesigell >M0enfaiasi. ^rgevNlv oer l. Bez., Kärntnerring 11. sowie bei sämmtlichcn Comitee-Mit- , Sammlung, 8—900 Kronen etwa, wurde Nicht an das gliedern. Budapester Hilfscomitee gesandt (dieses hatte inzwischen Zur Kanitz-Feier. In besonders erhebender Weise fand seine Action beendigt)wurde nicht den rumänischen Juden Samstag, den 21. d. M. im Restaurant Kühner. 1. Bez.. Adlergasse, gegeben, als sich deren Elend durch die gezwungene Reprad,e Kanch-Feier statt. Ihre besondere Weihe erhielt sie durch die tterrebnfackt batte' wird auck iesit nicht an eines Anwesenheit des gesummten Vorstands-Präsidiums der isr. Culrrnevung verzeyNsawr yarm, wiro auaj Mi ma>i cm ane* tusgemcinde und zwar des Herrn Präses kaiserl. Rath Heinrich ber rumamsch-judlsck)cn Hllsscomitees gesandt, trvtzdelN Klinger und der beiden Präses-Stellvertreter Dr. Alfred Stern (Wenn Wir auch den rumänischen Vorgängen gegenüber und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn. Ferner betheiligten sich ‘ .. an derselben die Vorstandsmitglieder Herr Dr. Marcus Spitzer, Dr. Alfred Berger und Dr. Simon, kais. Rath Dr. Lieben, Secretär Dr. Adler, Herr Julius Braun, sowie auch mehrere Religions- Professoren der Mittelschulen, geführt von dem Obmann des Mittelschul-Religionsverbandcs Dr. Ad. Weiß, Dr. Jül. Schlag, Regierungscath, u. a. m. Der Obmann des Festcomitees, Herr Benjamin Fuchs, begrüßte die Fcstgäste rcamens der Religionslehrer der Volks- und Bürgerschulen, worauf der Religionsinspector Herr Dr. Leopold Langfelder in begeisterter, formblind lväven) uns der bekannte Ministerialerlass bezüglich des Durchzugsverbotes rumänischer Auslvanderer die Augen hätte öffnen müssen. Hingegen wurden von der gesammelten Summe, entgegen den Intentionen der Spender, je 100 Kronen dem Frauenvevcine und der Volksküche zur Erhöhung ihrer Spareinlagen zugcwendet und 200 Kronen wurden zu einer „confessionslosen" Holzvertheilung ver- SSÄffc äSSfaSSHSfc rn »faSrfWta«. («bvr auch die U. M^vlt^g-mvind-, dargebrachte Ovation, betonte aber, dass er diese Ehrung nicht auf stehen auf der Basis des talmudlschen Rechtes. Laut diesem sich beziehe, sondern auf den heiligen Gegenstand, in dessen Diensten begeht derjenige, der eine für den einen Wohlthäiigen Zweck er stehe. Hierauf überreichte ihm der Schriftführer des Berj n-ssimmte Summe einem andern ivenn vielleicht auck WÜrsorgungs- und Unterstühungsvereines der Religionslehrer „Palme" t vesiimmre ^»mme einem anoeoi, wenn uieuuu/i «uu; iuui das Diplom der Ehrenmitgliedschaft des Vereins. Herr Religionslchrer Rotter trug ein von ihm selbst verfasstes Gelegenheitsgedicht vor. An den ofticiellen Theil der Feier schloss sich ein gemüthlicher Abend an, zu dessen Verherrlichung die Damen Helene Ascher, Frl. Anna Faltit^chek durch ihre ausgezeichneten Claviervorträge, digeven Zwecke zuwendet, einen „Gescl Amim", zu deutsch er macht sich einer Defraudation an Armeugeldern schuldig. (Laut westeuropäischer Rechtsauffassung ist es übrigens auch nicht erlaubt, Spenden, Legate usw. anders als laut die Herren Hermann?lscher und Rudolfs Kohn durch ihren schönen! den Intentionen des Spenders zu verwenden.) Aus der Gesang nicht wenig beitrugen. Die Zwischerrpausen wurden durch' Basis des talmudischen Rechtes stehend klage ich die Repräzahlreiche Toaste auf den Jubilar und dessen Gemahlin ausgefüllt ... ~ und erst in später Nachtstunde schieden die Gäste, denen dieser Abend unvergesslich bleiben wird. Aus Czernowitz. Dein deutsch-politischen Verein suchte man am 29. d. bei verschlossenen Thürcn Daseinsberechtigung einzuveden. Damit nun die drei Förderer dieser Skedllaune die wahre Stiinmung der Judenschaft über dieselbe kennen lernen sollen, hat inan sorgsam jeden auch nur muthmaßlichen Gegner dieser Bereinsmissgeburt von der Versammlung ferne zu halten gesucht. Gegenargumente durften nicht zu Worte kommen. Das nennt man — Objektivität. Brunstein eröffnete die Versanimlung, ohne eine Ansicht zu präcisieren; Wallstein fühlte sich „angegriffen" und Dr. Billig führte das Referat, in welchein er das Schveckgespenst des slavischen Einflusses cm die Wand malte und der „Buk. Post" ebenso wie dem Dr. Straucher das Recht absprach, nanrens des Judenthmns zu sprechen. Wahrscheinlich, weil nur der Mikwahbesitzer sich so etwas erlauben darf. Trotz sorgsamster Auswahl der Eingeladenen fanden sich doch zwei Männer: Dr. Leo Kiesler und Baumeister Papst, welche ganz entschiedeir gegen die Gründung eines deutsch-politischen Vereines Stellung nahmen, »vährend der Entdecker seines eigenen Judenthums, Leon Rosenzweig, smtanz des Nmtraer isr. Cultusgemeinde der Entweirdung von Armengeldern an." Mcse Kritik zu nben habe ich als einer der Spender volles Recht und übte ich dieses Recht im Namen von mehr als fünfzig Gesinnungsgeiwssen aus, die ihr Scherflein zu jener Summe beigetvagen haben in dem Glauben, dadurch ihren unglücklichen rumänischen Brüdern das Los zu erleichtern und die es nun ansehen müssen, wie ihr Geld nach den Launen einer ihrer Aufgabe nicht gewachsenen Körperschaft verzettelt wird. Und dies ist unser Standpunkt auch heute! Avsland. Der Schutz der deutschen Arbeit beschäftigte am 13. December eine antisemitische Versammlmig in der Berliner Tonhalle. Es wurde eine Resolution zugunsten des Zolltarifs angenommen. Dann trat der bekannte Gras Pückler in seiner Sensationsnmnmer auf, selbstverständlich mit iämtenbem Beifall begrüßt. Wie gewöhnlich schilderte er die gegenwärtigen Zustände als unhaltbare, verjudete und schrie in pathetischer Weise: „Der Tag der blutigen Vergeltung für die Juden sei bald gekommen. Er sehe das rothe Blut rieseln, von den Palästen, von den Theatern, von dm Börsenhallen. Die Glocken schlagen dumpf zusammen, sie

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