Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Wien, Freitag Jftdischef Yolkablatt - 3. Jänner 1902 Seite 3 nicht geschaffen, viele Anregungen, wurden jedoch gebracht zur Arbeit im v o l k s t h ü m l i ch e n Sinne, in ökonomischer und cultupeller Hinsicht. Der Congress selbst begann am 26. December früh. Wie weit die Delegierten jetzt mehr an praktische Ziele denken und allgemeinen Reden und Debatten aus dem Wege gehen, erhellt daraus, dass die Tagesordnung gleich am ersten Tage geändert werden musste, und wurde anstatt des Rechenschaftsberichtes des Actions-Comitees die Debatte über die Colonialbank auf den. zweiten Punkt der Tagesordnung gestellt. Diese Debatte wurde recht lebhaft geführt, denn hierin sah der größte Theil der Delegierten der: Wert des Congresses, aber auch hier wurde kein positiver Entschluss erzielt. Wohl wurde die Bank für arbeitsfähig erklärt, alxw über das „Wann und Wie" wurde von keiner Seite eine nähere Erklärung gegeben. Es wurden weiters Beschlüsse im Sinne der jüdischen ökonomischen und cultuvellen Bestrebungen gefasst, wie jüdischer Arbeitsnachweis, Organisation der jüdischen Handwerker, Errichtung von Vorschusscassen und Invaliditäts- Versicherung. Auch über Hebung der körperlichen Entwicklung des Volkes, über Errichtung von Kindergärten usw. wurde debattiert, worüber Tr. Jeremias (Posen) in sehr instructiver Weise sprach. S o k o l o w (Warschau) sprach über jüdisches Wissen, B u b e r (Lemberg) über jüdische Kunst. Von speciell zionistischen Beschlüssen sei (außer dem über die Bank) noch erwähnt: Die Gründung eines Nationalsonds, wozu jedes Land verpflichtet wurde, mcttelst Verkauf eigens zu diesem Zweck hergestellter Marken 20 000 Francs zu sammeln, bifc Bestimmung, dass die Centrale ihren Sitz in B a s e l oder London hat, und dass die Hälfte der Summe zum Ankauf voll Land in Palästina verwendet werden soll. D r. H e r z l, der über den Plan einer neuen Organisation sprach, schlug vor, den Congress in zwei Theile zu theilen. Jedes zweite Jahr soll abwechselnd ein g r o ß e r a l l g e m e i n e r und ein k l e i n c r Congress (Versammlung des großen Actions-Comitees?) stattfinden, was auch angenommen lvurde. Man beschloss ferner, dass je 50 Vereine das Mcht haben sollen, nach dein Muster der englischen Federation eine „Verbindung" zu bilden. Aus dein Rechenschaftsberichte entnehmen wir, dass die Ausgaben für den vorigen Congress 146 314.60 Fr. betragen, und zwar: Kosten des vierten Congresses 16 000 Francs, Agitation, Reisen, Zeitungen, Circulare 100 000 Francs. Aus den Einnahmen ist ersichtlich, dass die Zahl der eingezahlten „Schekel" 96 626.35 Francs ausmachte. Gewählt wurde das frühere Actions-Conntee. Im großen und ganzen ist dieser fünfte Congress schwächer als die vorigen ausgefallen. Viele Delegierte beklagteir, dass um der schönen Reden und Referate willen viel zu vöele Kosten ausgegeben werden, und dass diese Reden eher in einzelne Versammlungen passen und durch Druck verbreitet werden sollten. Biel bemerkt wurde auch, dass Dr. G a st e r sowie Dr. Ehrenpreis (der sogar ein Referat halten sollte) dem Congressc fernblieben und sich brieflich entschuldigten. Charakteristisch ist, dass bei kn Vorbesprechundas» auf der Bühne da» Judenthum in den Koth gezerrt wird. Ich will nickt darüber sprechen, welche Verachtung dieuns -ei dem Arier einträgt, welche neue Nahrung dies dem Antisemitismus zuführt, nein, nur dawill ich brandmarken, wie tief diefje Schichte der Juden schüft gesunken ist. dassie an ihrer eigenen Carieatur Gefallen findet, dassie gröhlt und jouchtt wenn Personen, mit Masken au» ihren Kreisen au-gestattet, mit den ekelhaftesten und gemeinsten Manieren und Gesinnungen vor ihnen ihre Possen treiben. Jede- Volk hat soviel Anstand und Reinlichkeit-gefühl, dassie diese Rolle einem Fremduotionalen aufhalst; der Deutsche verspottet den Czechen oder Magyaren, und dieser zahlt ihm mit gleicher Münze zurück. Nur diese Inden haben es in der Selbst- Verachtung und Würdelosigkeit so weit gebracht, dassie an ihrer eigenen Verhöhnung und Erniedrigung Gefallen finden. Solche Zusiände könne« «ur zur Taufe führen. Wenn Sie. meine Damen und Herren, dnrch die Geschäft-Viertel der Stadt schreiten und die prachtvollen Auslagen und großen LontorS mit den jüdisch klingenden Firmentaf'ln betroch«en, dann erfüllt sie wohl ein gewisser Stolz und ein gewisse- Kraft- -ewus-tsein. Aber dies ist nicht berechtigt. Ueber vielen dieser Namen steht sichtbar oder unsichtbar da- Zeichen de- Kreuzet. In allen diesen Familien spielt man mit dem Gedanken de» UebertritteS; ebedarf nur ein äußeren Anstöße-, der Aussicht auf Orden und Titel, der Sorge für die Carr,öre der Kinder, eineantisemitische« Excesse-, der die feigen Herzen erzittern macht, oder irgend einer Laune und Erregung und der Abfall geschieht. Alwürdige Vorbereitung für diesen Schritt wird in solchen Familien über da- Judenthum tn solch frivoler und la-civer Weise gesprochen, wie es Arier überhaupt nicht fertig bringen. Doch dieser CyniSmuS und diese Frivolität überträgt sich auf die sonstigen Sitten und Gewohnheiten. Eine Sittenverdrrbni» der Frauen geht mit der Verrohung und Verfluchung der geistigen Functionen ihrer Männer Hand in Hand. Man braucht nur die Milieubilder, zum Beispi l Hirsch, selb-, aujüdischen Kreisen auf der Bühne zu sehen, und man kann sich ein Uriheil bilden, wa- Sckriftstellrr und Künstler sich heute unter einer jüdischen Bvurgeoi-familie vorstellen. Und inzwischen tobt der wirtschaftliche Kampf gegen die armen Juden, die treu an ihrem Judenthnm fefkhaUen. Jeder von ihnen must den Kampf um seine Existenz allein füdren, und wie vrele erliegen in diesem ungleichen Kampfe. Wie viele Tragödien spielen sich da ab, die doch niemanden zu Thronen rühren, weil dieser Kampf still mit aufeinander gebissenen gen der russischen Delegierten, welche am 24. December abgehalten wurde, Dr. Kohan-Bern stein sich erlaubt hat zu sagen: „Kurzsichtig sind jene, welche glauben, dass die ganze zionistische Bewegung auf der Person H e r z l s ruht. Wir müssen uns auf das Volk stützen, nicht auf die Gefälligkeit des Sultans. Herzl wird mit allen seinen Audienzen nichts erreichen, wenn er nicht das Volk hinter sich hat." Diese Bemerkungen wurden mit Händeklatschen ausgenommen, was immerhin auf eineAenderung der Stimmung hinweist.-Vielleicht finde ich noch Gelegenhell, Einiges über den Congress nachzutragen. Dr. S.... r. Kleine Chronik. Ini«nd. Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte. Dem Sicherstellungsfonds wurden in jüngster Zeit von zwei Förderern je 2000 Kronen gewidmet. Jüdische Bolksbibliothck. Der „Jüdische Volksverem" hat seine Bibliothek eröffnet und bietet dadurch seinen Mitgliedern eine neue Quelle der Anregung und Belchrung. Jeden Mittwoch von 6—7 Uhr abends und Sonntag von 9—10 Uhr vormittags können Bücher entlehnt werden. Alles Nähere ist aus der im Vereinslocale aufliegenden Bibliotheksordnung ersichtlich. Jüdischer Bolksverein für den 8., 9., 18. und 19. Bezirk. Bei dem gestern abgehaltenen Vortragsabende herrschte die beste Stimmung. Schriftsteller Adolph Donath las seine sceleiwollen Judenlieder, sowie Gedichte aus seinem neuesten Buche „Mensch mrd Liebe". Wir haben die suggestive Kraft, welche die Vortragsweise Donaths auszeichnet, bereits bei einem anderen Anlasse gewürdigt. Sie bahnte auch diesmal dein Dichter den Weg in die Herzen der Hörer. Dem Vortrage folgte stürmischer Beifall. Hierauf wurde die Constituierung einer Losgesellschaft beschlossen, deren vorbereitendem Ausschnsse die Herren Peter Geiger, Armenrath Horzehky, Dr. Wolfram und Bela Fried angehören. Im gemächlichen Theile des Abends fand Herr Gärtner für seinen gelungenen Vortrag vielen Beifall. Auch Herr Löwenbein sorgte für animierte Stimmung. Jüdischer Schulverein für den 9. Bezirk. Am 12. Jänner, vormittags 10 Uhr findet die feierliche Einweihung und darauf der Beginn des Unterrichtes statt. Bortrag. Am 8. d. M. hält Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Hein im Festsaale des Jüdischen Volksvereines eilten Vortrag über „Das Heimatsrecht". Gäste willkommen. Die Freilesehalle des jüdischen Bolksvercincs, 2. Bez., Leopoldsgasse 49 wurde seit ihrem achtmonatlichen Bestände von circa 30 000 Lesern besucht. Wiener Kinder. Eine der widerwärtigsten Erscheinungen des Wiener öffentlichen Lebens ist die Gründung des „Vereines der Lehrer und Schulfreunde" in Men. Jedem Wiener Lehrer ist, wenn auch spät, die Erkenntnis aufgegangen. dass die Christlich-Socialen nichts anderes sind als die Bettwärmer der Cleri- Zähnen geführt wird '.und die Opfer sang- und klanglos in die Gruft fallen. Einem neuen Baattdienste gleich, zieht der Antisemitismus durch die Lande, Opfer heischend. Opfer fallen hier. Weder Lamm noch Stier, Aber Menschenopfer unerhört. (Goethe.) Und die, welche da- Judetttbum zu leiten nnd zu lehren verpflichtet gewesen wären, die Männer der Cultu-gemeinde und die Rabbiner, sehen diesem Trerben mit verschränkten Armen zu. Wo ist hier Glauben? Ihre eigenen Söhne lassen sich taufen. WaS nennen sie Politik? Aengstlich nach jedem Bortheile zu spähen und fleißig den Mantel nach dem herrschenden Winde zu drehen. Wa» verstehen sie unter Kraft und Mnth? Servil nach oben sich lief -u bücken nnd roh nach unten zu treten und zu drücken. Wahrlich, die Sünden dieser Schriftgelehrten und falschen Führer stinken zum Himmel. Unwillkürlich fallen einem die Warte Heineaus dem „Rabbi von Bacharach" ein. „Sieh', schöne Sarah, wie schlecht geschützt ist Israel! Falsche Freunde hüten seine Thore van außen, und drinnen sind seine Hüter „Narrheit* und „Furcht". In diesem Zustande haben die Jüdisch-Nationalen das jüdische Volk übernommen, und wie hot e» sich in der kurzen Zeit geändert! Folgende Thesen stellten wir auf: Willst Du, dass andere Dich achten, achte Dich selbst! Die These der Selbstachtung. Ferner: Wenn Du nicht für Dich bist, wer soll für Dich sein? Die Tbese der Selbsthilfe. Dritten»: Je größer die Verantwortlichkeit deeinzelnen, umso höher sein Kraftgefühl und sein Können; daheißt, in allen Körperschaften, wo Juden die Majorität haben, die Mandate nur Juden anzuvertrauev: die These der Verantwortlichkeit. Und vierten-: dabeste Mittel gegen den Egoi-mudeeinzelnen rst der Egoismus für sein Volt die These denationalen Egoi-mu». Auf diesen Grundsätzen fußend, hat die Bolk-partei ihre Erfolge errungen und wird weitere anstreben. Der Nationalismus hat also einen magischen Ring geschaffen, dessen Mittelglied fehlt, und der trotzdem jedem Streben, ihn auöein anderzureißen, unbesiegbaren Widerstand entgegensetzt. Er hat die erste und dritte Generation z« einander geführt, obwohl die -weite der Assimilation verfallen ist; er hat dageleistet, wadie Religion allein nicht lösten konnte, nämlich die Eigenart de« Judenthumunter allen modernen Strömungen zu erhalten. calen; Lueger, den die Lehrer selbst im Anfänge seiner Laufbahn in kurzsichtiger Verblerrdung auf ihre Schulter gehobelt hatten, har sich als geschworener Feind der modernen Schule entpuppt, zugleich aber lichtete er durch eine schamlose Tyrannei die Reihen der freisinnigen Lchrervereine. Jeder freiheitliche Lehrer wurde gleich den jüdischen Lehrern beim Avancement übergangen; und nur die Vetterschaft mit einem christlich-socialen Gemeinderath oder die Mitgliedschaft in einer heiligen Betbrudergesellschaft sicherte das Fortkommen. Die Wiener Lehrer stehen einer großen Macht gegenüber, und jeder objektive Beobachter hätte ihr — Schweigen verstanden. Das Schweigen ist die Ehre des Sklaven. Aber die Schwachen im Geiste und Charakter begnügten sich nicht mit stiller Resignation, sondern sie schlichen sich in die Reihen ihrer geschworenen Feinde hinüber und so entstand der «Verein der Streber und Schulfeinde." Sein erstes Lebenszeichen, abgesehen von seiner geheimen Conttolle über die „Gesinnungstüchtigkeit" der Lehrer, ist die Herausgabe einer Mnatsschrift „Wiener Kinder" für die deutsche Jugend.. Die erste Nummer, die vor uns liegt, ist ein unschätzbares Dokument des Tiefstandes christlich-socialer Cultur. Das Titelblatt schmückt das Bildnis „unseres Karl". Angethan mit allen Orden und mit der goldenen Vürgermeistcrkette blickt er swlz den Beschauer an, als wollte er sagen: „Seht's, so weit Hab' ich's gebracht; lang genug Hab' ich gestrebt, aber jetzt bin i der Burgermaster und Orden Hab' i a." Hieranf^eine kurze Lebensbeschreibung, aus der selbst die ungläubigsten Thomasse ersehen können, dass Lueger mir gutem Erfolge eine Volksschule absolviert hat. Schon damals konnte er von sich behaupten: Bitt' schön, Herr Lehrer, ich kann alles lesen, was in der Fibel steht, und das Einmaleins kann ich auch, vorwärts und rückwärts, eine Behauptung, die auch heute ihre Berechtigung hat. JBit erfahren, dass er diese Borkenntniffe seinem Vater verdankt, der das Amt eines «k. k. Cabinetsaufsehrs am Polytechnikmn" bekleidete; obwohl „ihn sein. Amr vollauf in Anspruch nahm", prägte er dem kleinen Karl eine Menge guter Lehren ein, z>B. „Karl, das ist ein A-B-C-Täfelchen, und die schwarzen Mvnderl darauf sind die Soldaten, mit denen man heutzutage die Welt erobert." Man sieht daraus, dass der Vater Luegers durchaus kein Christlich-Socialer war. hat doch einer ihrer Führer, der biedere „Fachschriftsteller" Bielohlawek in offener Sitzung seinem Hass gegen alle Bücher Ausdruck gegeben. „Das Gedruckte ko mm t ales von die Juden," meinte er damals in seinem klassischen böhmisch-wienerischen Dialcct. Auch in einem anderen Punkte ist Karlchen den Lehren seines Vaters untreu geworden; dieser pflegte niemals den Fleiß und das Streben Karlchens eigens zu belohnen, sondern hielt ihm vor Augen, dass er damit nur sein eigenes Glück schmiede. Als Karlchen aber groß wurde und endlich die Bürgrmeisrcrwürde erreichte, hielt er sich an praktischere Lehren, die er wahrscheinlich im eifrigen Umgänge mit dem Jesuitenpater Abel sich angceignet hatte, er belohnte den Fleiß und die Streberei seiner Jünger „mit Silbersrücklein urrd süßen Mehlspeisen", das heißt mit Mandaten, Sinccüren. Acmtern und raschem Avancerncnt; in keiner Partei feiert die Aemtcrcumulierung solche Orgien wie in der christlich-socialen. Wir verlassen nun die Erzählung „Ein Wiener Äinbl", die den künftigen Hof- und Leibbiographen Luegers kostbare Details bietet, und übergehen die folgende Erzählung vom heiligen Josef mit gebärender Ehrfurcht; wir geben nur der geehrten Schriftlcituug den kollegialen Wink, in den künftigen 9fuirancrn nicht so sparsam zu sein mit den Heiligengeschichten: bei 305 Heiligen, deren sich die katholische Kirche erfreut, findet man für mehrere Jahre in einer Monatsschrift das Auslangen. W.ir kommen gleich zu dem herzinnigen Märchen von der „hüpfenden Schlafhaube"; ich gestehe offen, dass mir die Deutung etwas Kopfzerbrechen machte, bis ich durch eine plötzliche Eingebung in ihm eine der gelungensten synwolischen Dichtungen erkannte. Die „hüpfende Schlafhaube" ist niemand anders als die christlich-sociale Partei; man wird mir zugebcn. dass ein besseres Symbol für diese Partei nicht gefunden lverden konnte. Der Prinz in der Prinz Loisl von Hernals; und der Jude ist der bekannte Jude des „Deutschen Bolksblattes". Doch lassen wir das Märchen selbst sprechen: „Als sich der Prinz verlassen sah, fieng er an zu weinen. Währenddem kam eine weiße Schlafhaube auf den Bändern dahcrgehüpft und fragte ihn: „Warum weinst Du denn?" Er erzählte ihr nun die ganze Angelegenheit haarklein. Da sagte die Schlafhaubc: „Sei mir getrost, komm' mit mir, ich werde Dir hclfen." . Sie tupfte dann mit einem Bande an einen großen Baum» und allsoglcich stand ein herrliches Schloss da. Das ganze Schloss schien ausgestorbcn, man sah nichts als lauter steinerne Figuren, welche mrssahen. als ob sie Menschen gewesen wären. Sie führte ihn in einen großen Saal; dort waren die kostbarsten Teppiche und Tücher, die er sich auswählcn konnte. Erstaunt wusste er anfangs nicht, welches er nehmen sollte, da alle so schön waren. Endlich nahm er sich eins, bedankte sich bei der Schlafhaube. und diese hüpfte wieder über die Treppe hinab." Die Deutung wird den lieben Lesern nicht schwer fallen. Prinz Loisl sicht lvcinend in dem Hartberger Walde; „Hab' ich nu alles versucht, die Clcrisei und die Anarchistcrei, und sehe ein, dass sie mir nicht helfen können. Selbst meine Hartbergcr Bauern lachen mich auö." Er weint bitterlich, gibt cs denn etwas dümmeres als die Hartberger Bauern? Verzweifelnd fährt er nach Wien; da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen; der „dumme Kerl von Wien" ist der dümmste auf der Welt. Der „dumme Kerl von Wien" erscheint ihm also in Gestalt einer weißen Schlafhaube, und sagt ihm: „Sei gettost, komm mit mir, ich werde Dir helfen." Sie tupfte dann mit einem Bande an einen großen Baum, und allfogleich stand eilt herrliches Schloss da, das Wiener Rathhaus. „Man sah nichtals lauter steinerne Figuren, welche aussahen, als ob sie Menschen gewesen wären, die Gemeindcrathsmajorität. sonst auch Barrierestöcke genannt. Sie führte ihn in einen großen Saal, dort waren die kostbarsten Teppiche, die er auswählen konnte. Erst.mnt wusste er anfangs nicht, welches er nehmen sollte, da alle so schön waren. Endlich nahm er sich eines — das Hernalser Mandat. Ich tvill nicht weiter in der Deutung des Märchens fortfahren, da ich sollst dem Scharfsinn der christlich-socialen Leser vorgressen würde. Aber neckisch ist der Versuch, den Kindern in Form eines Märchendie Geschichte der christlich-socialen Pattei zu erzählen. Rur einige Motte über die beigednlckten Uttheile der chttstlich-socialen Partei? großen. Sehr interessant ist die Zuschrift des Dr. Josef Scheicher: