Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1901-12-27 · 52 (27.12.1901) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
52 (27.12.1901)
Date
1901-12-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2432763-2432864-2432916--1294-2435036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 52 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. December 1901 Seite 5 schauer redeten. Auf die Gegenwart übergehend, betont der Red-! „Fabrikant Farkas, der durch Jahrzehnte auf das emsigste für die ner, dass die Antheilnahme der Inden an der bildenden .Minst er- Regierungspartei wirkte, hat sich wirklich andern Lohn verdient, als freulicherweise eine immer größere werde, und dass jüdische Gedass seine schon in den Blättern angekündigte Candidatur von der lehrte sich der Pflege der deutschen Kunst widmen. — Herrn Dr. Parteiexecutive abgelehnt wurde." med. Theophil Jaffe iu Frankfurt a. M. ist der Charakter als Alle diese Vorfälle habeu die Juden nicht abgehalten, für die Sanitätsrath verliehen worden. — : Nationalpartei im ganzen Lande auf das eifrigste zu arbeiten und Amcrikann. Die „Deborah" schreibt aus Cincinnati: Die ihr zugunsten in einigen Bezirken den Ausschlag zu geben. Es ist von Rev. Dr. Krauskovf in Philadelphia gegründete Ackerbauschnle ja wahr, kein gesinnungstreuer Jude kann für die coalierte Partei in Doylcstowu. Pa., hat einen neuen glanzenden Erfolg zu verseine Stimme abgeben, so lange in derselben notorische Antisemiten zeichnen. Der Secretär des Ackerbau-Departements, Herr Wilson, wie Dcvecin und Tuskan sitzen.. Gab doch selbst der oppositionelle hat einen der Zöglinge telegraphisch liach Washington berufen uiid > Abgeordnete Barcic erst heute die Erklärung ab, dass er als Libeihii der Tabakbau-Versuchsstation in Connecticut zugethcilt. Der raler nicht dem oppositionellen Abgeordnetenclub beitrete, denn die junge Mann, Harrh Weinberg, erhält einen Anfangsgehalt von Coalition sei ^clerual. .Das kroatische Volk ist nicht antisemitisch, fünfzig Dollars und hat also sowie social sehr ehrenvoll fördcrnng Herrn Simon Wolf in Washington, früherein „berg, erhält einen Anfangsgehalt von iLoaurion lei cwricai. ^>as croanicye ^on i,i mcyr annicmniia,, so eilte Carricrc gemacht, tvelche materiell doch das vollständige Jdentificicren der Juden mit der Nationalist. Nicht zum gerinstcn ist diese Be- ' Partei kann es zu einem solchen machen. Es gibt Abgeordnete in .... _.Polf in Washington, früherem General-! dieser Partei, die für uns Interesse hegen, und für die wir verconsul der Ver. Staaten in Egypten, zu verdanken, der sich in ' Pflichtet sind, warm einzntreten, wie Adamovic, der hochherzige Förderung aller jüdischen Interessen hervorthat. Allerdings läge, - Protektor des Esscgger Tempclbaucomitees, und ebenso gibt es auch wie lvir bei eiitcr früheren Gelegenheit schon hervorgehoben haben,' solche Oppositionelle, wie der Schriftsteller Kumicic, der uns einst der eigentliche eWrt der Anstalt darin, nicht einzelnen jungen i so warm in Schutz nahm und der leider diesmal nicht gewählt lvurde. cLnten zu einer besseren Carricrc zu verhelfen, sondern den Massen : Sonst aber wäre entweder Stimmenthaltung oder Aufstellung selbsteinen Weg aus dem Ghetto und ans der Schlvitzbnde zu zeigen, i ständiger jüdischer Candidateil geboten. Auf dem Compromifs- Villeicbt >vird jüdischen Philanthropen der Wvg gezeigt, wie man ivege ließe sich da leicht ctlvas erlangen, und da tvir schließlich kein diesen Massen unter der Leitung junger Leute, die mit ihnen shm-! Mandat besitzen, können wir auch keines verlieren. So viel unmitpathisieren, Liebe lind Geschick zum'Ackerbau beibringt. Die Neger frage hat auch in der jüdischen Presse eine Erörterung erfahren, die wir bedaueril müssen. Unser Freund und Mitarbeiter, Rev. Max Heller in Netv-Orleans, hat Anlass genommen, sich über den Empfang Booker Washingtons beim Präsidenten abfällig nuszusprechen. Zur Orientierung unserer Leser sei gesagt, dass Washington ein Professor an einer Universität ist und sich als Redner lute als Schriftsteller einen geachteten Namen erworben hat. Der Umstand, dass ihn Präsident Rooscvelt neulich zu Tische geladen hat, lvurde in der südlichen Presse heftig kritisiert. Man nannte Nosevelts Vorgehen eine rPovocation der Gefühle der südlichen Bevölkerung und hätte ihn lvohl am liebsten unter Anklage des Amtsmissbrauches gestellt. So lveit geht die Sache nur Politiker an. Herr Rabbiner Heller hat die Frage auf die Kanzel gebracht und sie ebenfalls im Sinne des im Süden herrschenden Vornrtheils besprochen. Wäre Heller der durchschnittliche Erffccthascher, der,, den, fashionablen _ Sensationspfaffen der amerikanischen Kanzel überbieten lvill, so i würden lvir darüber kein Wort verlieren, das Gcgentheil: er ist ein telbar unter dem Eindruck der Wahlen. L. S. Bevölkerung. Natürlich ist der Percentsatz sehr verschieden vertheilt. Es beträgt z. B. der Precentsatz im Gouvernement Grod n o 17*28, M i it § l 15 77, K omno 13'17, Wolhynie n 13-31, Wilna 12-90, Cherson 12'70, P o d o l i e n 12*15, M ohilelv 11*92, Bessarabien 11-65, Polen 14-01. |as jüdische Weltproletariat*) PelnsbaM tirirf. (Original-Correspondenz des „Jüdischen Volksblatt".) (Inden und die schönen llünste. — Geistliche Vorträge. — Revision der Judengesetze. — Statistisches.) Unter den zwanzig Zöglingen, welche in diesem Jahre die Akademie der fc£)öncn Künste verlassen, befinden sich vier I ll d e n, tvelche ihr Stlldium mit Auszeichnung absolviert haben. Drei, Osias Schlagleit, Hirsch Schach und Moses Slepian, sind Maler, der vierte, Moses Wilkowitsch, ist Bildhauer. Wenn inan in Betracht zieht, Wort verlieren. Heller nt aber gerade! dgss bloß 6—4 Percent Juden an der Anstalt Aufnahme Mann von reifem Urtheile rnid noch dazu. boa-roift nmu imoniof ^listsr imh ^Talent dar,, voii deutscher Bildung. Was er in der Einleitung sagt, ist ganz! h vegrelsl Nkan,^lvlcvlel Hlelst UNO ^alenl r azu richtig. Husarenstückchen, lvie sie auf dem Schlachtfelde oder auf j gehört, dass ilnter 20 Schülern vler ausgezeichnet lverden, der Jagd im Hochgebirge geübt werden, zählen in der Politik nicht,! und es ist hier allgemeüi bekannt, dass die jüdischen und der Präsident hat durch sein sensationelles Auftreten jedenfalls. Schüler, tvelche Aufnahme finden, die fleißigsten und nicht klug aehandelt. Anders aber nt es, tveiin Heller das Rassen- , ' ,, L --- P cm J 1. „ ' 01 «. vornrtheil tm rPiiicip rechtfertigen lvill und offenbar vergisst, dass begabteften filtd. Wav wir aber vom jüdlschen Standganz dasselbe sich auf die Inden antvcnden lässt und thatsächlich punkte bedauern müssen, ist blC Thatsache, dass nicht ciucr almnd, damit inemaiid sage, mein Vater war größer als der j Antwort darauf ist traurig gentlg. Der junge jüdische Blatt Nativismus ausspielt. So sagte er ganz neulich, dass wir uns von < Die christliche Welt wendet sich von ihm ab, und die dein aiU'ländisthen Einflns!c> emancipieien iiiüsscii, der die echt ainci'^ieben ^end'Ui baben iritn auch keine Vorliebe für jüdische rikanische Rabbiner durch die Prahlerei ei» schüchtert, genau zu ^N'ON navenuult auufnuic ^orkieor zur juoiiajc wissen, auf welcher Seite eines längst verschollenen rabbinischeu Bilder . . . Ter judljche Künstler wird also gegen seme Werkes eine dumme Bemerkung eines längst verschollenen Idioten ' Neigung gezwungen, auf frenlden Gebieten sich auszusteht Wen.i der Herr nicht so naivistisch wäre, dass ihn eiii „Dntch > loben, 'nicht mm lv eil lasten mm Schaden stiller Kllllst. poet ivahrichemlich nicht mehr imponiert, als ein alter nidncher;? tu f . ' c , .., rr <4. „Idiot" von de nt Schlage Maimonides', so würde ich ihm Goethe s wohin mcux slch I Miller lveildet, überall dle citiercn, der sagt: Verachte iinr eVrnunft und Wissenschaft, des leidige Judensrage. Menscheii allerhöchste r.staft," aber unserem Freunde Heller dürfen s * lvir wohl ans desselben Dutchmans Worte verlveiscn: „Es thnt mir I , , lang schon lvch, dass ich dich in der Gesellschaft sch'."! Der „Verein zur Verbreitung voll Aufklärung! unter den Juden ill Russland" veranstaltet allch in diesem Winter öffentliche Vorträge. Bis jetzt failden , bereits drei statt. Alll 10. October sprach Herr H. I. Hess e n (Original-Correspondenz des „Jüdischen Volksblatt".)! über „Die Juden lllld die Freimaurer" lllld zeigte, welche Agram, im November 1601.! Rolle die Inden in diesem Orden seit jeher gespielt Die Wahlen sind vorüber und für weitere fünf Jahre hat' haben lllld wie groß ihr Einfluss ill denlselben bis heute Banus Graf stchncn-Hcdervarh deni von ihm vertretenen Systemgeblieben ist. Am 14. November sprach Herr H. M. eine groge Acaiorikat un Landtage verschafft. Von den bisher i O - r ••< cc ± ■ Ir -= r r ■ r 1 < inncgehabten 25 Mandaten hat die koalierte Opposition 14 an pie l^el^d o iv kt sch llber ,,^le Elltlvlülullgvgcschlchte der Regierungspartei verloren, und ein großer Theil ihrer ange-! rllssischell Gesetzgebung mit Bezug aus die Jlkdeil" Ulld scheusten Mitglieder wird demneuen Landtage nicht mehr angegab an der Hand voll Dovumenten lvertvolle Alkfhvren. Mit grol;em Jubel berknndeli die Agramcr und Bnoapester ' Volke mit Rath und zum lveiligsten rührt es in Rechtssachen gar glieder der Partei, an der Wahl überhaupt nicht theilnahm. Aust mllvissend ist. Herr M. Kalis ch e r hielt nill 28. NodersmtS lvar dlirch die vorzeitig erfolgte Auflösung des Landtages «Im-tren über Die ^irbMi in Ain^rika" und die sofort darauf folgenden Neuwahlen die Opposition ganz ircmL’U st'^n Uvcr „^le ^nocn m Rmnira . unvorbereitet, inid da es bei iiiiS noch liach dem Bach'scheu Patente öer .Haild hlstorlscher uild statlsilscher Tateil bot er aus den Sechzigerjahren verboten ist, politische Vereine zu grüiiden, ein Bild der Elltlvicklling des dortigen jüdischen Gemeindewar dw Opposttzon der Nationalpartei, die, wie ich schon das, letztelebelis ulld zeigte, dass noch heute Amerika das beste mal bewies, fair Uber die Hälfte der Stimmen verfugt und in den c x..> .'.ck, st:..... c.i ...er-... Bcaniten eine feste, nie versagende Organisation besitzt, schon im ^tzlli. srtl jur lschc EllllvalldeiNllg sei. „^.ie eisten ^tldeil, vorhinein stanz sicher unterlegen. Dass man daher von einem dle' de'Nl Eoilllllblls bc'l )eilten Entdeckungsfahrten bclidjtcU bcbcHtot Zn einer Aenderrmg dürstte es diesbezüglich nicht qvünbcn wollte. „Es gelang ihm nicht, beim er begann früher in Croatceii tommen, so lange das Verhalteii Ungarns Cro- ."u . ' m . atien und deii N'atioiialitäteii gegenüber unverändert bleibt. Etlvas Gllllldung Nllt der Erlauung eurer 9ersldellzstadt, hat allerdings die Regierungspartei erreicht: Der neue Landwenn er aber Mlt eurer großen Coloillsation den Anfang dalnr wäre er vielleicht zu einem Resultat Partei Feindseligkeiten bei der übrigeii Bevölkerung erworben haben, trotzdeni die Inden einen großen Theil der Intelligenz niid deü bvltSlvirtschaftlichcn Fortschrittes des Lande bisherige einzige jüdische Abgeordnete Dr. Ludwig Mandat verlieren, eroberte, sondern die oppositionelle! keh Wie die „Russk. Wiedomosti" illittheileil, lvurde s bllde'n? musste der jotzt eitle Conlnrissivlr im Miliister-ium des Jilneril unter ldivig Schwarz sein dem Vorsitz des Sellatvrs P. N. Drirllülvo in mit der . . r s v Mandat Aufgabe betraut, eiue Revision sämmtlicher Judengesetze oberte, sondern die Nationalpartei candldierte ihn rn dem ganz ........ . or re... -c-.- < r J r r ctn r J Positionellen Samvbor, wo er auch natürlich unterlag. Umge- 1 c.znnchmtn. ^U der Kommission befinden sich ^»elegieite hrt ioar wieder der serbische Abgeordnete Gjnrkovie in seinem Bevon sämmtlichen Mmisterien. Wie bekannt, sind der- Nationalpartei den Inden gegenüber erhellt auch ans der Wahl in diesmal! Krnpina. Die dortigeii Anhänger der Nntioitalpartei candidiorten > den jüdischen Fabrikanten Farkas, der im Orte geboren, eine ange- : sehene Person dortselbst ist. Die Parteiexecutive bestätigte jedoch' osficietle statistische Bureau veröffentlicht *) Ainsste wegen Raummangelö znrückbl'eiben. befinden sich 5,180.000 Juden, d. i. 4*13°/„ der gesammten Als wir diese Llbhandlniig begannen, wussten wir, dass es nrine Judeii gab; dass diese Juden über ganz Europa, Amerika nnd einen kleinen Theil?lfrikas verbreitet waren; dass sie hauptsächlich nach der neuen Welt arlslvandcrten undstass man in gcloissen Ländern Ausnahmegesetze gegen sic erlassen hatte. Nichtsdestoivcnigcr hatten tvir das Recht, jenen Bchanptnngcn und Erzählungen, die auf die Inden, die der Gegenstand eines besonderen Hasses sind, sich beziehen, Misstraueii cntgcgenzubringen. Der antisemitischs- Hass musste eine entgegengesetzte Wkirkung hervorbringcn nnd eher Mitleid oder sogar Bewnilderung erregen. ^liiii, tvir müssen sagen, dass tvir, nachdem tvir die Frage sehr aufmerksam geprüft habeit, nachdem wir die amtlichen Schriftstücke der fremden Regierungen, die Bücher der Specialisten, die Broschürcii der Polemiker, die Reden der Stantsmäinter. die consnlaren ultd diplomatischeii Corrspondcnzeit eiiter genauen Durchsicht unterzogen haben, die Gewissheit erlangt haben, dass nicht nur ein bedeutendes jüdisches Proletariat existiert, soitdern dass es ailch mehr als jedes andere von dem Capital und dem Stveatiugshstem atlsgebcutet iind niedergedrückt wird. Das'mag den Leuten, die von dem antisemitischen Fanatismus beseelt sind und die über ihren eitgcn Gesichtskreis^ nicht hinauskotnrncn, tvohl cttvas widersinnig erscheinen, doch lassen wir die Thatsacheii sprechen. I u dl u »i änie n. Nach der Volkszählung von 1866 gibt es in Rumänien ungefähr 266 000 Juden, die auf 67 größere und kleinere Städte vcrtheilt sind. Die meisten boil ihnen sind Handtverker, Schneider, Klempner, Bortenivirker nsw. Sie ii&en auch die mühseligsten und verschiedenartigsten Berufe aus. Was ihr Elend anbetriffi, so führen wir hier das Zeugnis des judenfeindlichen Schriftstellers Rudolf Bcrgner an: „Auf unserer Reise kamen wir auch durch Targuli-Frumos nnd Podn-Hoci, elende Löcher ohne einen einzigen Baum. Hier hausen zusammengepfercht die Juden in der Nachbarschaft von Krähen. Das Innere von Jassy sieht aus wie die Wohnung von zahllosen Vampyren, die durch nichts, was wir bisher gesehen haben, an Elend nnd Jammer übertrofsen tverden können (Rumänien)." Die schlechte Ernte vom Jahre 1866 hat das Elend der rumänischen Inden bis zlim höchsten Grade'gesteigert. Im Moldcmbczirk, der besonders von der landwirtschaftlichen Krisis betroffen wurde, müssen tausende von Juden ihr Brot erbetteln^ Zu dieser tvirischaftlichen Noth tritt die Feindseligkeit der Negierung und der Gesetze. Der Berliner Vertrag bestätigte die rumänische Nationalität" der Inden. Das Parlament hat jedoch bestimmt, dass jede 3katilralisation dem Senat und der Dcputiertenkammer unterbreitet werden muss. Auf diese Weise werden alle ihre Forderungen systematisch unbeachtet gelassen. In Rnmänien kann kein Jude Rechtsanwalt (Verfügung vom Jahre 1864), oder Apotheker (1869), oder Eisenbahnbeamter (1871) oder Tabakshändler (1872) tverden. Er darf sich nicht bei der Bewerbung um öffentliche Arbeiten betheiligen (1868) oder vom Staate ve jtz Ländereien erstehen (1869). Ein Gesetz vom Jahre 1881 untersagt jedem Fremden den Beruf als Handelsagenten. Am 15. März des Jahres 1884 beraubte ein Gesetz, das den Hmlsierhmidel untersagte, m'it einem Schlage 20 000 Juden ihres Lebensunterhaltes. Ein Gesetz vom 12. März 1887 schloss die Inden von der Verwaltung der öffentlichen Cigarrenfabriken aus. Im Jahre 1863 verschloss eine Reihe von Gesetzen den Inden die öffentlichen Schulen. Schließlich schrieb noch ein Gesetz jüngeren Datums vor, dass auf jedem Bauplatz, in jedem Bergwerk nnd in jeder Fabrik 75 Percent der Arbeiter nnd Beamten rumänischer Nationalität sein müssen. Dieses Gesetz ist gegen die jüdischen Arbeiter gerichtet. Alle diese tvirtschaftlichcn, politischen nnd socialen Calamitüten lnrtten tausende von Inden in solche Verztveiflung versetzt, dass im Monat April ein großer Auszug nach Deutschland, Holland und Belgien vorbereitet wurde. Unterstützungen wurden von dem Centralcomitee der Alliance Jsraelite vcrtheilt. Zu jener Zeit mussten ungefähr 100 000 Personen unterstützt tverden.**) Die Emigranten wurden durch zionistische Agitatoren veranlasst, sich nach Palästina zu wenden, doch die ottomanische Regierung versagte ihnen den Zutritt zu diesem Lande. Die Emigranten wandten sich nun nach Anatolien, um sich hier dem Ackerbau zu widmen. Doch dies war ein beklagenswerter Schritt. Fieber, Hungersnoth und verschiedene Krankheiten decimierten die Ausgewanderten. Der Sultan selbst halte Mitleid mit ihnen nnd ließ Lebensmittel unter sie vertheilen. Am 28. Mai schrieb Astrnc, der Leiter der Schule in Rustschul, von Galatz Folgendes: „Ich mache mir keine Illusionen über die Folgen einer ivirtschaftlichen Krisis ohnegleichen, aber in Galatz übertrifft die Wirklichkeit alles, was man sich an Erschütterndem nnd Herzzerreißendem denken kann. Es sind nicht Arme, dlrbeitslvse oder Müßiggänger, die ich im Auge habe, sondern Unglückliche, die buchstäblich „Hunger" schreien, Kinder, die ans Mmigel an Brot nmkünnnen, ja selbst, man kann es fast nicht glauben, ans Mangel an Wasser. Eine der ersten Gruppen der Elenden, die ich besucht habe, ist diejenige, die in einigen Tägen nach Cypern abreist. Sie setzt sich ans 52 Familien zusammen und besteht aus 220 Personen., Alan hat sie in einem ekelhaften Hofe eingepfercht nnd sic befinden sich dort zusammengcdrängt schon seit zehn Tagen. Sie werderl wahrscheinlich noch eine W'vche dort bleiben müssen." Herr Astrnc schrieb über Jassy am 12 Juni 1860: „In dieser Stadt, die mehr als 35 000 Juden in ihren Mauern birgt, müssten wenigstens 20 000 unterstützt werden. Die nn Entkräftung gestorbenen Personen zählen nach Dutzenden, nnd onf dem Friedhof hat die Zahl der Gräber in diesem Winter eine erschreckliche Höhe erreicht. Tritt man in das erste beliebige Haus ein, so hört man, dass das Brot seit mehreren Tagen auf dem Tische fehle, nnd dass die Eintvohner sich seit zwei Wochen von den unreifen Früchten nähren, die sie in der Umgegend der Stadt gesammelt haben. Steigt man die wurmstichige Treppe, die verdächtig knurrt, hinauf, so trifft man unbewegliche, stumpfsinnige, abgezehrte Greise an, die unseren Worten zuhören, ohne etwas zil verstehen, nnd die Thränen vergießen, Ivenn sie einen Laib Brot erhalten. Kommt man in den Keller hinab, tvo an den Mauern das Wasser herabsickert, tvo die Athmung unmöglich erscheint, tvo die Athmosphäre dumpf nnd stinkend ist, so muss man sich der Thränen ertvühren beim Anblick der zahlreichen Kinder, die zu verschiedenen Familien gehören nnd die nur mit einem einfachen, erdfarbenen Hemd bekleidet sind, magere, durchscheinende, fast leblose Geschöpfe, die fgrttvährend jammern und klagen nnd sich erst beruhigen, wenn sie ein Stück Brot in ihren Fingern fühlen." (Forts, folgt.) *) Ans einem auf dein neuesten statistischen Material beruhenden statistischen Artikel von Henri Dagan in der „Revue blanche" (zweites Octoberheft). **) Von Mai bis Februar 1901 hat die Alliance Jsraelite in Rumänien ettva 500 000 Fr. ausgegeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.