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Jüdisches Volksblatt · 1901-12-27 · 52 (27.12.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
52 (27.12.1901)
Date
1901-12-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. December 1901 Nr. 52 Zionisten-Congress in Basel. (Telegr. Ber. d. „I. V.") 27. December. Gestern wurde der diesjährige Zionisten-Congress unter dem Vorsitze der Herren Dr. He rzl, Doctor Nord au und Sir Francis Montefiore eröffnet. Dr. Herzl hält die Begrüßungsrede. Er weist auf das Fortschreiten der Bewegung hin, berührt die Eindrücke, die er von der Audienz beim Sultan hatte und proponiert die Schaffung des Nationalfonds, der bei der Colonialbank in London deponiert werden soll. Architekt Oskar Marmorek erstattet hierauf den Bericht des Actions-Comites, aus welchem ersichtlich ist, dass die Bewegung in den überseeischen Ländern im Wachsen begriffen ist. Dem Actions-Comite wird nach längerer Debatte das Absolutorium ertheilt. Kleine Chronik. Inland. Jüdische Volksbibliothek. Der „Jüdische Volksverein" hat seine Bibliothek am 1. December eröffnet und bietet damit seinen Mitgliedern eine neue Quelle der Anregung und Belehrung. Bücherstunden: Mittwoch von 5—6 Uhr nachmittags, Sonntag von 9—10 Uhr vormittags. Näheres ist aus der im Vereinslocale aufliegenden Bibliotheksordnung ersichtlich. Tie Geschichte der Wiedererobernng von Wien. 'Vor allem will ich die lieben Leser darüber beruhigen, dass ich nicht etwa beabsichtige, eine Geschichte ans der Röinerzeit oder den Türkeukriegen i gehet in oder an den zukünftigen assiciell keine zum besten zu geben; das überlasse ich dem „Extrablatt" oder der! Karriere machen lässt. Durch solche .Komödien wird nichts für die „Deutschen Zeitung". Nein, ich Null ein Eapitel aus der .Eric,., gcschichte der neuesten Zeit Euch erzählen. Es war im Frühling,! Männern durch solchen Mcwkeuscherz cvmpromitticrt. Lernt zuerst nach einigen unerwarteten Wahlsiegen der Liberalen, als eine; der E hrli ch keit und Redlichkeit Säule des alten Liberalismus. Eduard Suctz, draußen beim „golde-! c 11 c 11 ö c i, dann habt Ihr das Recht, Elich als Ritter nen Luchsen" die Parole ausgab „von der Wiedererobernng Wiens", j fl^cn zu gccic reu, früher aber nicht. Mau erobert diese Waren eS die mystischen Frühlingsmächte, die Johannistriebe in der * e'^cn vberflächlichen Strebern zum Opfer gewor- Brust des Alten weckten ,odcr war es der Heurige, der in dem Kopfe! i*1.11 itmn es diesen^ Strebern in klingenden, des Abgeordneten der hochverehrten Mitbürger israelitischer Eon-! i'-dilitcn Phraseic gleichzumachcn sucht. Hier gibt lw gemeirien Krankenhauses waren vertreten; jede Klinik, ja jede Abthcilung sah cs als eine Ehrenpflicht an, auf diesem Abende vertreten zu sein. Ich fragte naiv einen Prager Doctor, den ich irr der Gesellschaft der Aerzte bemerkte, ob denn der Liberalismus so krank sei, dass ein so eingehendes Consilium abgehalten werden müsste; und warum denn gerade die Dermatologen so zahlreich zuge zogen werden? Unwirsch gab der verehrte College aus Libussos Gauen mir zur Antwort, dass heute der berühmte Anatom Dr. Toldt sprechen werde, und es daher selbstverständlich sei, dass alle seiner Einladung gefolgt seien. Ich ivollte schon ivciter fragen, ob man vielleicht absichtlich einen Allatomen zum Referenten geivählt habe, da cs sich darum handle, einen Leichnam, den seligen Fortschritt, künstlich tvieder zu galvanisieren, aber sein finsteres Gesicht nahm mir alleil Muth uild ich schallte mich lleugierig iin Saale mn. Wirk lich eine builtgcschecktc Gesellschaft; neben treliteutschen Jünglingen in seliger Harmonie verschwimmeude Socialpolitiker; neben den geehrten Säulenträgerii israelitischer Confession die Ritter des kornbliilncnblaueil RitlialmordcS; schreiende Socialdemokrateil mit ichreiendrother Cravatte in ungetrübter Eintracht mit Börseanern und goldkettciigegürteten Bourgeois; aber alle verblindeil durch ein Gefühl — dass sie einander nicht ausstehen köililen, pardon —• dass die katholische Universität ein Unglück für Oesterreich sei. Ich ivollte schon einen neben mir stehenden Corlflisionsrath fragen, ob er als Jude durch eine katholische Ulliversität Gefahr laufe? Aber ich bedachte nticl) rechtzeitig; denn ich ahnte, dass der Protest gegen den Katholicismus so tief in der Brnst dieses Herrn tvurzelt, dass er crilstlich den Gedanken crivägt, ob er nicht die Kiilder zum Katholicismus übertreten lassen solle. Die Reden waren kraftlos mrd saftlos, lvic die Sache, die Ulan verfocht; nlan konnte sich zu seinem Erstaunen überzeligen, lvie die besten Männer geistlos Iverden, sobald sie iin Meere der liberalen Zeitllngsmache untertauchen. Eillig waren sie in der Abwehr der katholischeil Universität; dabei aber waren die einen Verfechter einer dcutschnationalen Hochschule, die sich gegen alle ailderen Stationen streng verschlösse, die anderen Anhänger einer Volkshochschule, in der Schuhlneier, Philosophie uild Ncmilann römisches Recht lehren; und den dritten konnte es lvirklich herzlich gleichgiltig sein, ob man ihre Kinder an den bestehenden hiesigen armcrl Schüler der Volks-, Mädchen-Bürgerschule uild Realschule mit kvarmcil Winterkleidern und Schuhcil in höchst discreter Weise, so dass der Vertheilung bloß der Obmarln, Obmailnstcllvertrcter uild Cassier des Vereiilcs miivohnten. Es wurden 23 Schüler mH Schuhen, Winteranzügcn und Wirctermänteln, die Mädchen theils mit Tuchkleidern, thcils mit Wintcrjacken betheilt, tvozu ein Betrag von 450 Kronen verwendet wurde. Die Möglichkeit, einer! so ansehnlichen Betrag zur Bestreitung der Auslagen aufgebracht zu haben, verdanken wir, dass fast alle Glaubensgenossen Mitglieder dieses humanen Vereines sind, sowie den hochherzigen Spenden der austvärtigen Gönner und Wohlthäter unseres Vereines, und erfüllt hienrit dankbaren Herzens die Vereinsleitung die angenehme Pflicht, den nachgenannten edlen Spendern, die uns Noth mildern halfen, Herrn David Ritter von Gnttmann, Herrn Adolf Schramek, Herrn Regierungsrath Michael Kulka, Herrn Moritz Münz, Herrn Salömon Rosenzlveig, Herrn Dr. Sigmund Münz, sämmtliche in Wien, Herrn Lazar Grünberger in Mährisch-Ostrau, im Namen der Armen und Waisen unseren tiefgefühlten Dank abzustatten, mit der Bitte, unserem Verein auch fernerhin die Sympathien zu bewahren, denselben gütigst zi fördern, auf dass er erstarke und gedeihe und so ein Hort der Hilfsbedürftigen sei. Promotivn. Die Mitglieder der Jüd.-nat. akad. Verbindung „Zephirah" in Czernolvitz, Max Diamant ilnd Leib Presser, tvurden am 13. December zu Doctoren der Rechte an der Czernolvitzer Universität promoviert. Wochenprograimir der Toynbe-Halle. Sonntag 29. December. Dr. Egon Zweig: Ueber das Duellwesen. Montag den 30. December. Dr. I. W. Frieser: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienstag 31. December. S. Wcrtheimer: Die Fugger. Mittwoch 1. Jänner. Arthur Schwarz: Jüdische Staatsmänner im Mittelalter. Donnerstag Jänner. Primarius Dr. Kornfeld: Aus der Seelenlehre. Freitag 3. Jänner. Dr. Grüll: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag 4. Jänner. Concert: Musik und Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen sind zu richten an Dr. Leopold Kahn, VII., Lindengasse 11. nur eine fession aus der Leopoldstadt kühne Bilder erstehen ließ, wie er au 'der Spitze der liberalen Hcereshaufen, unter der Assistenz der Lieutenante Wrabctz, Dr. Vogler und Dr. Ofner, mit einem kühnen Handstreich die ahnungslosen Christlich-Socialen überrumpelt, Lueger das schartige Fortschrittsschwert in die redselige Gurgel stößt und das Rathhaus sammt den magistrati,^en Bezirksämtern mit seinen Getreuen vom Schottcnring und Ouai besetzt? W.ir wissen es nicht; jedenfalls verstrich ein Mond nach dem anderen und cs war — nischt. Die Wiedererobernng ist verschoben, raunte man sich im Kreise der Getreuen zu; wegen des schlechten Wetters sagten die einen, die anderen sagten, cs stehe nicht dafür, im April Wien zu erobern, da doch im Sommer sowieso der Liberalismus aufs Land zieht; die Oberweiseu aber, die das Gras wachsen hören, erzählten sich verständnisvoll, dass inan bekanntlich zum Kriegsühren Geld. Geld und wiederum Geld brauche. Rothschild ivollte schon eine halbe Million hergcben, um ein Blatt zur Bekämpfung des Antisemitismus zu gründen; da habe ihm aber der Ritter mit dem Helmbuschc, der Herr von Plener, gesagt: „Wozu ein neues Blatt gründen, wir haben ja die „Neue Freie Presse"; die wird den Antisemitismus schon umbringen." Wenn der Plener nichts verstand, den Antisemitismus verstand er aus dem ff; nicht umsonst gicng er mit dem seligen Wurmband beim Meister Stampligins in die Schule; nicht umsonst war er zu Fristen Schmerlings, des Vaters des Antisemitismus, gesessen; seine Nachbeter, die Schmeykals, die Prornbers und die Nitzsches wandelten daher auch im Geiste der durch liberale Phrasen verbrämten und daher umso wirkungsvolleren Judcufeiudschaft. Doch nicht davon wollte ich erzählen; ich wollte nur die Geschichte von der Wiedererobernng Wiens durch die Liberalen erzählen. Es verstrich ein Jahr nach dem anderen; dank der täglichen erfolgreichen Bekämpfung des Antisemitismus durch die „Nene Freie Presse" gedieh derselbe von Tag zu Tag prächtiger. Der „N. F. P." gieng es dabei auch nicht schlecht; so >var beiden geholfen; und das war die Hauptsache. Man vergast ganz an die kriegerischen Pläne des Prof. Tuest, als die Zeit kam, wo die Straßen Wiens aufgerisicn wurden, und fünfunddreistig Millionen in die Erde vergraben wurden, wie eine Bombenphrase eines liberalen Häuptlings lautete; der Anblick dieser Grüben, Erddämine und Barricaden erweckte in der Brnst der „Alten Achtundvierziger", einer im Aussterben befindlichen Menschenrasse, den Wunsch, die günstige strategische Situation benützen, um unter Benützung dieser natürlichen fortificatorischen Objecte den alten Plan der Wiedererobernng Wiens in die That. umzusetzen. Doch auch dieser Plan, der vom rein militärischen Standpunkte viel für sich hatte, lvie ich als alter Rcserveofficicr zugeben muss, hatte nicht den gewünschten Erfolg; trotz GasiverkSdebatlen, und trotz der hingebendsten und detailliertesten Schilderungen des jammervollen Zustandes der Wiener Strasten in den „tonangebenden" Wiener Blättern, tvurde Lueger nicht gestürzt, ja er brach sich nicht einmal den Hals, tvelches Schicksal ihm R c t t u n g und nur e i n M i t t c l, die Herrschaft über die verlorenen Seelen wiederzugetvinnen und dieses lautet: Rücksichtslose Wahrheit. warnend die Schaumschläger und Wettennacher im liberalen Lager einmüthig prophezeiten. Und er herrschte iveirer über die Donaustadt, beinahe so unumschränkt und beinahe so beschränkt, tvie einst die Concordiapresse. Nun rührt es sich wieder im „freiheitlichen" Lager. Die alten Fähnlein iverden neu beinalt. die rostigeit Schwerter iverdeit frisch geputzt, ivenn auch mancher böser Fleck schwer weggeht, nnd die alte Werbetrommel frisch gerührt. Niir die Melodie ist eine neue. Die alte Strategie ivird zu den Todten geworfen; alle Schuld des Misserfolges schiebt inan auf sie. Man will die moderne Taktik verfolgen, zuerst das feindliche Terrain „aufzuklären". So versammelten sich dieser Tage in einem Alsen- Hotel die Eclaireure des neuen Fortschritts. Alle Aerzte des All- Jüdischer Bolksverein für den VIII., IX., XVIII. und XIX. Bezirk. Die gemächlichen Abende, welche an jedem Donnerstag in Wendlingers Kegelbahn, IX., Seegasse 7, stattfinden, h:ben dem jungen Vereine zahlreiche Anhänger geworben, ein wesentliches Verdienst des Vicepräfidenten Dr. Paul W e i s e n g r ü n, welcher in der liebenswürdigsten Weise namens des Vereines den Hausherrn spielt und auf die Zusammenstellung eines ebenso anregenden als amüsanten Programmes allwöchentlich bedacht ist. Am 12. hielt er einen fein durchdachten Vortrag über Dostojewski, am 19. plauderte Cheftedacteur Munk über „Knust und Leben". -Wesentlich zum Gelingen beider Abende trugen bei: Frau Clara Reich, welche einige Lieder mit entzückender Stimme und vornehmer Porntierung sang, Herr Jakob Kraus, der einige Beobachtungen von der Makkabäer-Feier des Vereines zum Besten gab, Herr Walter Nagel stock, welcher eigene Gedichte und Skizzen las, uud der junge Cowponift Herr Leo Asche r, welcher seine Meisterschaft am Clavier neuerdings bekundete. An den nächsten Abenden stehen Vorträge der Herren Doctor Gelber, Jakob Krauß, Adolf Donath, Max Eisler, Dr. K a d i s ch und Anderer bevor. Ein Abend ist für rein musikalische Darbietungen bestimmt, für einem anderen wird! ein Vortrag über ,Palästina, Land und Leute" mit Skioptikon- Demonstrationen geplant. Ball der Lesem»d Redehalle jüdischer Hochschüler. Die Vorbereitungen für den „Jüdischen Studentenball" schreiten rüstig vorwärts. Die rührige Executive, an deren Spitze die Herren stud. Robert Glesinger und stad. T. Zo lisch an stehen, hat ein aus 40 Personen bestehendes Ehren-Comite angeworben, in dem sich Professoren, Künstler und Schriftsteller befinden. Diesem reiht sich ein großes Danten- und Hercen- Coniito an. Der erste Comile-Abend, der gestern im „Hotel de France" abgehalten wurde, verlief sehr anregend und war von einem vornehmen Publicum besucht, welches durch die gelungenen Vorträge in die beste Stimmung versetzt wurde. Herr sind. Glogau als humorvoller Pro- und Epilogus, Frl. Adler, die Herren G l e s i n g e r, W e i n t r a u b. Fleischer und Brill fanden vielen Beifall. Schließlich wurde bis in die Morgenstunde getanzt. Auskünfte in Ballangelegenheiten ertheilt der Schriftführer des Comiles Herr stad. Arthur Brill, IX., Hahngasse 8. Lese- und Nedehalle jüdischer Hochschüler. Am 19. d. hielt cand. jur. C. Schaechter im Vereinslokale der „Lese- und Redehalle" jüdischer Hochschüler vor einem zahlreichen Auditorium einen äußerst beifällig aufgenommenen Vortrag-über „Der akademische Beruf und seine Abhängigkeit von den ökonomischen Gesetzen", der zu einer höchst Purgftall. (Todesfall.) Donnerst, den 19.d. M. früh verschied hier Frau Regina Schulz, die hochbetagte Mutter unseres allverehrten Cultusvorstehers Herrn Emanuel Schulz, im Altex von 78 Jahren. Die Verblichene entstammte einer frommen Familie aus Triesch in Mähren und lebte in glücklicher Ehe mir ihrem — vor 15 Jahren ihr in den Tod vorausgegangenen — edlen nnd wahrhaft frommen Gatten Reb Chaim Schul; s. A. Nach ihr trauern nicht nur drei ehrenwerte Söhne, denen die Verblichene ""’.w "TT Mr%rv leine liebevolle, aufopfernde Mutter war. sondern auch viele Arme geweinien, die beite reiche!mu trotz icn beiten j,en)cjucn;n ihr eine edle, gutherzige nnd freigebige Glaubensschwester. — Geduldig und gottergeben ertrug sie, besonders in letzter Zeit, ibr schweres Leiden, und war es rührend anzusehen, wie sie ihren hingebungsvollen Kindern gegenüber ihre fast unerträglichen Schmerzen zu verheimlichen suchte. Nach oer Beerdigung verrichtete der älteste Sohn der Vorstorbenen — Herr Tempelvorsteher David Schulz aus Pirniz in Mähren — das Mincha-Gebet. Sarajevo. (U n t e r h a l t u n g s a b e n d.) Mit Bezug auf den jüngst in Ihrem werten Blatte über die hiesige israelitische Jugend freundlichst gebrachten Artikel dürfte Sie, glaube ich, meine Mittheilung nicht ohne Interesse lassen, und zwar, wie es der löblichen Redaction bekannt sein dürfte, vereinigte sich ein Theil der hiesigen israelitischen Jugend zur Hebung des Nationalgefühles, zur Hebung der Geselligkeit unter den Glaubensgenossen, zu einer Gesellschaft, welche sich später zu eiuem Vereine bilden soll Diese Gesellschaft hielt nun am 14. d. M., nachdem für Mitglieder allwöchentlich einmal wissenschaftliche Vorträge abwechselnd von Mitgliedern abgehalten werden, seinen ersten öffentlichen „Geselligen Abend", verbunden mit einem Vortrage seines Protectors Sr. Ehrw. des Rabbiners Herrn Doctor Sz. Wessel. Zu meiner größten Freude kann ich nun über das wirklich gute Gelingen des Abends berichten: Die vier Säle des hiesigen Vereinshauses wurden bereits eine halbe Stunde vor angegebener Zeit von den geladenen Gästen überfüllt, circa 600 Personen versammelten sich an dem Abende. Eröffnet wurde er mit einem Marsch, ausgeführt von unserem Dilettanten - Chor, dessen Mitglieder unter Leitung des Musiklehrers Herrn F S ch w a r tz, der übrigens auch sonst sehr viel zum Erfolge des Abends beitrug, standen. Hierauf folgte ein höchst interessanter Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners über die „Spanischjüdische Dichterschule". Darauf erzielte der Dilettanten-Chor mit der Aufführung eines Concertstückes abermals besonderen Erfolg, ebenso fand der Einacter ..Die Jnstruetionsstnnde", von den Herren H o f b a u e r, Klein, R o n b i t s ch e k und H o s f e r vorzüglich gespielt, großen Beifall. Dasselbe kann auch von Herrn Straßberger mit seinem „Röntgen-Slrahlen-Couplet" gesagt werden, welcher hierbei von Frl. Sophie P e c f i vorzüglich begleitet wurde. Nun kam die Verlesung der Tombola-Gewmnste, worauf das Tanzkränzchen folgte, wobei sich die Jugend bis zum Morgen amüsierte. Schließlich bemerke ich noch, dass das Comitü aus folgenden Herren bestand: Herren Strassberger, 51 oller, Neu manch Kraus z, Kasztl, Hofser, Roubitschek, Hofbauvr, Becker, Klein. L. Martvn und meiner Wenigkeit. Weiters sei constatiert, dass das „Jüdische Volksblatt", welches stets für die Nationalität so offen und kühn auftritt, auch zur Gründung dieses Vereines, folglich auch zum Gelingen des Abendes beigetragen hat, denn einige Mitglieder des Comitäs haben aus demselben die Begeisterung und das jüdische Nationalitätsgesühl geschöpft. Jüdische .Kunst. In den vereinigten Berliner 11. O. B. -B. Logen in Berlin sprach der Schriftsteller Fritz Stahl über die Beziehungen der bildenden .Kunst zu dem Judeulhum. _ Der Redner gieng von der bekannten Thatsache ans, dass es eine jüdische. .Knnst irn eigentlichen Sinne nicht gebe nnd ans Grund des Gesetzes Moses nicht geben tonne, das zivar nicht knnstfeindlich sei, aber den Götzendienst durch das Gebot „Du sollst dir keinerlei Bildnis machen uslv." habe verhindern wollen. Es könne sich also nur um die Beautworinng der beiden Fragen handeln, welche Stoffe nnd welche Atiinjtfer das Jndenthum der bildenden .Kunst der Welt gegeben habe. Eine überraschende/ Fülle von Material trete bei Untersuchung dieser Frage zutage. In allen Ländern nnd zu allen Zeiten hätten hervorragende christliche .Künstler jljre Stoffe der jüdischen Geschichte entlehnt, ja, der biblische Stoffkreis der Inden hätte sich sogar Rom, den Vatiean und die sixtinische .Kapelle erobert. Von einem Mitbewerb jüdischer.Künstler habe natürlich erst von der Zeit an die Rede sein können, als die Bahn frei geworden sei für die Betheiligung der Inden am Enlturleben im allgemeinen. Redner nennt unter den.Koryphäen der.Knnst, von ebnen allein in dem engen Rahmen eines Bortrages natürlich mir die Rede sein könne, Philipp Veil, einen Enkel Moses Mendelssohns, Munkacsy, Israels, Berufe zahlreiche ihnen geschaffenen hervorragenden .Kunstwerke, die ihnen rn£ ,m7n!ü.f0?fC£eä 'einen bleibenden Nanum in der Geschichte der .Kunst sichern. Viele r bon diesen .Kunsttverken seien erst ganz verständlich, tvenn man die Borurtheile nnmer mehr corlumprert wrrd^ Erst^ spät m der Nacht '.st,gehörigkeit der .Künstler zuin jüdischen Glauben kenne. Denn verließ die Versammlung nach beendeter Discussion den Saal. | deui Nationalitütsgefühl heraus, dem Gefühl der unbelvussten Der Verein zur Betteidnnn, armer jüdischer Schulkinder Sehnsucht und dem Gefühl, bedrückt, unterdrückt, verfolgt und-ge- „Malbisch Arumim" in Leipnit beschenkte, tvie alljährlich beim quält zu sein, hätten sie uameutlich bei Motiven aus dem jüdischen Heraimaheu der strengen Winterszeir, Sonntag den 8. December die Leben Typen geschaffen, die eine ergreifende Sprache zu dem Be-

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