Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27 Decetnber 1901 Nr. 52 nasigen preußischen Beamteuthum bis auf gelegentliche > dieselben Aeußerungen, die zum Beispiel im niederöster- Ausiveisungen, bei denen die Juden gnädig als Polen! reichischen Landtage non dem sattsam bekannten Schneider der Machthaber die diese Hilfe missachten. Der einuskan, der eroatische Schneider, polemisierte in einer geborene Pole boycottiert daher den jüdischen Kaufmann, nicht tckederzugebenden Weise gegen den bisherigeil Präsiden jüdischen Advocaten und Arzt, weil er in ihm sowohl denken der „croatischen Rechtspartei", D r. Frank, der lakiewicz mit dem Stadtarzte Herrn Dr. Metall, um sstandes erfreiren. Doch nicht diese Seite der Polenfragc, die dabei zur Schau getragene Passivität der ungarische» das Kind zu untersuchen. Es wurde constatiert, dass in Deutschland interessiert uns. Wir wollen das Factum! Volksvertreter sind ein sichtbares Symptom dafür, dass die rechte Hand des Kindes 14 cm hoch verschwollen sei, constatieren, dass die Juden in Posen Anhänger der! der Antisemitismus ebenso salonfähig int ungarischen ferner dass das Mädchen 15 Schläge mit einen: 7 cm " ' . ~ . dicken Stock auf der: Körper bekommen habe. Der Untersuchungsrichter versicherte, das Nöthige zu veranlassen. Das Mädchen liegt zu Bette ttnb wird von Dr. S. David behandelt." Also ein K i n d wegen feiner Nati onalität barb ari sch in der 3d) ule miss h a nd elt; so wie in Wresch eit; aber von einer P o lin. W resche ll in G al iz ie n. Die Lehrerin wurde hierauf zu 24 Stundeil Arrest verurtheilt. Der Richter verurtheilte aber der: Vater, der sich in begreiflicher Erreguilg feines Killdes arlllahm, und der Lehrerill nicht gerade Schilleichelivorte zurief, zu drei Tagerr Arrest. Das i st polnische G e r e ch t i g k e' Dieser Fall, den rvir alls vielen aubereit herausgreifen, ist bezeichnend für das sittliche Niveau der polnischen Natioil. Irl allen Tonarteil feutn mail in polnischen VersammlungenRedenhören, in polnischen BlätternTiraden lesen über die Uilterdrückung der Polen in Deutschland . . ... r, . liv„r . , und Russland. In Galizien aber, wo sie die umlmschrärlkten oriltet überall dleselben ^rerchte. ^>le werden ln Gllllzleil^ Führer der croatischen Rechtspartei und als Ehefredacteitr Herren sind, wo die Idee einer polnische Adelsrepublik der Schlachta ebenso „erachtet >„ne m Posen von beä ^arieim-flanä. zur Wahrheit wurde sind sie selbst die äraste» Bedrücker ben Preuhcn; sie werden ebeisto „enden Rutheneu nicht Bish« tmr es gerade immer Du Frank, der nicht der jüdischen uild rutheilischeil Nation In Poseil Rajsellsremde, sonderil and) als Verbündete, etiva nur der Wortführer im Kaurpfe gegeil die magyareuschwärmen sie voll Toleranz und dem Rechte der naihrer Uilterdrücker bekäinpft. Wir ivollen nicht die im-j urrd dualisumsfreundliche herrschende eroatische Nationaltionalen Minoritäten; in Galizien treten sie „moskowitisch" '■ oder „preußisch" jede nationale Regung der Müloritäten brüsk zu Boden, wie sie erst kürzlich anlässlich reiht sich würdig ihr Verhalteil in Galizien cm. Dort; tage und in der croatischen Bevölkerung mit seinen Ansind sie die „Factoreil" der Schlachta. Dort, wo ihr ila-! sthauimgeu nicht so gailz isoliert ist, dass die clerical-autitürlicber Vlaü an hm* (3f>itr* hm* 11 tTSmrirp. fttth ftp feint ft Mip ^fnt mtHfi in Tninimrif ni,<u Kt» Wresche föderalistischer Flagge vorbereitet, Mld das elfte Opfer der auch in Croatien anwachseilden clerical-antisemitischen »- mm»*» mm**. isfÄÄsaseafWÄ Verschiedene Vorgänge der letzten Zeit liefern den Bej Socialen in enger Fühlung stehen — ist der Judenstämm- Interessant ist es aber, dass die polnische Fragen kür die von uns wiederholt' vertretene Anschauung, ling Du Frank. . «*• ..< : .. dass her. Natlonalitatentainvl and dm* 9siitismaitlsnins jede unterdrückte nationale Minorität bei nationalen Juden findet, versagen wir ben Polen so lange jedes Beileid, so lauge sie als Herren dieselbe Barbarei entwickeln, die sie als Sclavell in Deutschlalld ulld Russland erleiben. auch, neben anderen, die ganze politische V e r- Es gehört eben die ganze Kurzsichtigkeit der magyarischen und croatischen „Liberalen" dazll, anzunehmen, dass in einer Zeitperiode, in welcher in Westösterreich der deutsche und slavische „Liberalismus" auf der ganzen Linie dem Cleriealismus, den: llationalon Chauvinismus und dem Antiseillitisums Platz machteil, der Dualismus einen Damm bilde gegeil das Vordringeil der clericalen, nationalistischen und autiseulitischen Ströulungen nach Ungarn, dass der Nationalitätenkampf und der Antisemitismlw, ständnHlofi"gke"H der grölen Mehrheit unte?'den welche Westösterreich imtettvühleir, keinestvegs an der Jlldell doeumentiert. In Poserl sind die Juden die F^ha halt machen, somdern sich vielmehr bereits auch zenerbittertsten Feinde der Poleil, so wie sie in Galeit§ Leitha bedenklich bemerkbar lnachen. Zivei scheinlizien die gefügigstell Sclavell der Schlachta, lvenigstens bar unbedeutende und riiitewander lucht zusammenhäll- bis nun waren; sie befolgen also in diesen Läilderu üende Vorkoulmmsse lm ungarischen und croatischen Landgerade das Gegentheil dessen, was eine bewusste nationale *aSc beweisen es. Politik vorschreibell würde; wir wollen dies näher aus- 1 Als kürzlich im ungarischen Reichstage der außerhalb! einandersetzen. , der bestehenden Parteien sich befindende, deinokratische Ab-! Siebenbürgen und Croatien. Die preußische Regierung verfolgt in Posen eine' geordnete Dr. V a s z o n i der ungarischeil Regierung und I Die ungarländischen und croatischen Juden können rüchsichtslose Germanisierlme-H^-litik die nur den kleinen bem ungarischeil Reichstage ein starkes Sündenregister! aus der Cmtwickluilg der Verhältnisse in ihrer Hoiurat er- Fehler hat, dass sie vollkommen aussichtslos und deplaciert dorhielt und insbesondere beit herrschenden magyarischen sehen, dass ihrer dasselbe Schicksal harrt, das derzeit den ist; sie hat bis jetzt nur den Erfolg aufzuweisell, dass Schemüberalismus geißelte, fiel von Seiten eines Mitgliedie Reaction gegen den Hakatismns einen polnischen des der sogenannten Unabhängigkeitspartei das Wort: M i t t e l st a il d in Posen schuf, wie er weder in Galizien | "ft.r noch in Russland existiert, und zlveitells der: Wert beS j Von einer Rüge seitens des Präsidiums, oder von polnischen Grundbesitzes in Preußen zu einer Höhe einer „sittlichen Entrüstung" von Seiten Her sich so fretheitemporschraubte, den er vor der Action der preußischen lich geberdenden „Liberalen" oder Kossuthianer hörte man Besiedelungscommission nicht entfernt besaß, so dass sich aber nichts. die polnischen Landwirte im Gegensätze zu ihren Standesj Dieser Vorfall, so wie die gefallenen antisemitischen genossen in ganz Deutschland eines fteigenben Wohl- Aeußerungen einzelner volksparteilicher Abgeordneter, und Juden in den cisleithauischen Ländern beschieden ist. 3um Lapiiel der Apostasie. Alljährlich erscheint ein von der Commune Wien herausgegebenes statistisches Jahrbllch, das' eine Fülle wichtiger Daten enthält. Nicht nnr für die communalen Einrichtungen, sondern auch für das staatliche Lebeil im allgemeinen. Wir wollen uns heute nur mit den ganz Oh, Alvaro. sei barmherzig: Denk an meinen alten Vater! Hilf mir; lass uns warten, bis er, bis — und scheu verstummte sie. „Sag's nur: bis er stirbt, der Jude!" Stieß er zitternd durch die Zähue, Lies er knirschend aus dem Garten, Und sie wankte blass ins Haus. Und es kam aus stillen Sohlen Durch die Sommermittagshitze Nach Sevilla ein gefräßig Katzenhaft Gespenst: die Pest. Auf den Gassen, in den Kammern Kauerte sie hin zum Sprunge; Und nun leckte sie die Fänge. Neckte sie zum üppigen Schmaus. lieber tausend, tausend Leiber Spmmte sie ihr bläulich Tischtuch; Und das Freudenmahl zu theilen, Kam ihr Bräutigam, der Tod. Tag und Nacht, wohin sie glotzten, Prasselten die Leichenfeuer, Ihres brünstigen Liebesfestes Hochzeitsfackeln, Tag und Nacht. Und der geile Vurcd ward frrcchtbar; Aus dem Schoß der dürren Lkatze Kroch ans Licht ein giftgeschtvollnes Blindes Bmnphrzivillingspaar. Und das hob sich in die Lüfte, Hakte sich in alle Ohren, Kroch durch alle Christenherzeu: Blinde Angst und blinder Hass. Düster durch ganz Spanien flog es, Und es zischelten die Priester. Und es murrten auch die Fürsten, Und es drohte laut das Volk: Schlagt sie todt, die Judenpestbrut, Sie vergiften uns die Brunnen! Die den Heiland einst gekreuzigt, Wollen nun auch uns zuleibl Gieriger immer fraß die Pest noch; Unter Christen, unter Juden Wüthete ihr großer Hunger, Fraß und fraß und ivard nicht satt. Hielt im Baien die Wuth der Christen, Hielt im Bann dos Gold der Juden; Feder floh die Haicd des andern. Freund den Freund, und Feind den Feind. .Kind verschloss sich vor dein Vater, Weib verschloss sich vor dem Manne; Nur die Leichenknechte karrten Beutelüstem durch die Stadt. Denn drerch alle Schlösser langte, Durch die Bretterthür der Hütte, Durch das Eisenthor der Steinburg, Mit der Krallenfaust die Pest; Langte durch die rissige Lehmwand, Laiigte durch die Marmormauer. Und der große Tov Manasse War a u ch eiiier, den sie griff. In dem hohen Prunkgeucache Auf den seid'neii Polsterpfühlen Wälzte sich in Fieberschauerii Einsam Spaniens reichster Mann. Sein Gesinde all verbarg sich, Seit es schlvül den Pesthauch spürte; Seinem Kind befahl er selber. Fern zu bleiben seinem Leib. Nur der alte treue Asser Langte manchmal durch decc Thürspalt. Reichte seinem Herrn au langer Stange hastig Wdin und Brot. Sieben Tage schon in Qnalerc .Krümmte sich der greise Jude. Sieben Tage schon in Aengsten Um sein einzig, schutzlos Kind. Jinmer in den tvilden Träumen Sah er in ein großes Feccer Sein gehetztes Täubchen flattern Vor der Wut des Christenvolks. Nein, o Oual: das Feuer brannte In ihm selber! immer Ivilder! Nagte heiß an allen Knochen, Züngelte schon um sein Herz. Wehe, wie es fraß und glühte! „Weh' mir, tveh': mein Kind verbrennt drin! Herr, du bist ein (hott der Inden, Herr, und bist der Christen Gott! Herr, o Herr, du siehst das Herz nur! Herr, sie ist mein einzig Kleinod! Ich. Herr, bin dir treu getvesen! Herr, mein Gott, berzeihe mir: Asser! — Herr, verzeih' mir — Asserl Asser, hörst dn'C Gvtt, ich sterbe. Asser! Aber nicht herein hier: Asser, rufe mir — mein Kind!" Vor dem höhere Prunkgemache Lehicte bleich in dmnpfer Wirrsal, Ihres Vaters Tod belauschend. Margarita Sulamith. War er nicht sehr alt, ihr Vater?! War denn sie nicht jung und liebte?! War er nicht ein starrer Jude?! War Albaro nicht ihr Glück?! Aber, Jammer, wie er stöhnte! Wie er winn.n.ernd drinnen raste, Wie er auf den Känen rutschte. Röchelte zcc seinem Gott! Da: >vas war das? Heilige Jungfrmc, Für sie selber schrie er Gott an! Da, iver rief das: Ja. Jehobah. Du bist auch der Christen Gott! Und, o Heiland, o Gott Vater, Jetzt ein Scharr'n dicht an der Schivelle: Sulancith, du sollst nicht sterben! Sulamith. berninnnst du mich? Sulamith, die Christen kommen! Sulamith, mein schutzlos Täubchen, Sulamith — geh — lass dich — taufen! Herr, verzeih' mir! räche nicht! Da stieß taumelnd sie die Thür auf. Taumelnd weg den alten Diener, Stürzte nieder zu dem Inden: „Vater, Vater, oh vergib! Wen» ich's gleich nicht tvert bin, Vater! Ach, er bat so! Don Alvaro! Christin bin ich! O evrgib mir, Vater, dass ich dich betrog!" Christiic?! Fluch! mein Kind betrog mich! O Jehovah. deine Rache! „Vater. Vater, meilce Thräneu! Meine Reue! Segne mich!" Und in heißer Kindesliebe Weinte, rang sie mit dem Vater. Küsste die geballten Fäuste. Küsste den verzerrten Mund. Bis die pestzerfressneu Finger Segnend um ihr Haupt sich legten. Bis er mit den blauen Lippen Segen hauchte — und Perschied. Vor der Schivelle Don Alvaros Bückte sich der alte Asser: „.Herr — das Mädchen, daS Euch auhäugt. Ruft nach Euch. Sie hat die Pest."