Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdisches Volksblatt Nr. 51 Wien, Freitag 20. December 1901 bringen werden, sonst falle ich vielleicht noch der stetig ivachsenden Erregung ,,um Opfer, und abgesehen von dein unersetzlichen Verluste für Tsingfin, thäic dies auch sehr leid Ihrem Ihnen freundlich mit dem Zopfe zuwinkenden Wnng iVantfi. Der Inifer über Jchuda Cp stein. Der Kaiser erschien MN 80. November nachmittags um 2 Uhr im Künstlerhause in Wieu,^ttm die Ausstellung von Gemälden, Studien und Skizzen Franz v. Defreggers und die Herbstansstellnng zn besichtigen . Bei den Werken Jetzuda Epsteins, der <>5 Oelgeniälde. Bleistift irnd .Höhlenzeichnungen ansgestellt hat, erkundigte sich der Kaiser angelegentlich nach dem vielseitigen Künstler, dessen italienische Motive ihm besonders gefielen. Wien. )A llgc m eine r Bild n ii g s - u lt J> D i s - c u s s i o n s c l u b.) Einladung zu der soanlstag den 21. December, abends halb v Uhr, stattfindeudeu Vercinsversammlniig in dem Bereinslocale Cafe Citp, r>. Bez., Porzeilaugasse Nr. 1. I. Stck. Tagesordnung: ^,2 Kriterien einer modernen Lebensauffassung." Referent: Herr Friedrich Glatz. Gäste (auch Damen) willkommen. Lersammlung des Jüdischen Bolksvereins in Prossnitz am 18. December 1001. Präsident Herr Sigmund Reiner erö ff riete dieselbe mit einer Begnihnng der zahlreich anwesenden Mitglieder und Gäste und stellte Herrn Dr. Leo Sofer aus Wien als Referenten vor. Hieraus nahm Herr Dr. reifer das Wort zu einem Bericht über die politische Lage der Inden Oesterreichs im letzten Jahrzehnt. Redner erörterte zunächst, wie sich die deutschliberale Partei im gedachten Zeiträume gestaltet hat: Die Christen waren deutsch, die Juden liberal, ein unnatürliches Bündnis. Die liberale Partei ist ein Märchen geworden, nachdem von ihr bloß klägliche Ziteste geblieben sind. Der alte Freiheitssinn hat ganz aufgehört, nmmmtlich dorr, wo die Liberalen nicht vom Juden abhängig sind. Wo der Antisemitismus nicht ganz offen gezeigt wird, erstand er in der verschämten Form des Asemitisnrns. Ueberall begegnet uns also die Frage, lvie lange die Inden in der. Gesellschaft es anshalten? Wohl sind Brünn, Olmütz und einige andere Orte noch liberal, allein bloß ans bekannten Gründen, welche näher zn erörtern überflüssig ist. An der Bahre dieser: entarteten Hingeschiedenen Partei standen als Leidtragende die Juden; sie hatten die ganzen Kosten gezahlt und die größten Opfer für die Erhaltung des bisherigen Zustandes gebracht. Die Juden hatten ihre ganze Vergangenheit über Bord geworfen, ihre Eristenz aufs Spiel gesetzt. Es machte sich unter ihnen eine Stimmung geltend, dass nicht die liberale Partei schuldtragend sei, man klagte die Negienmg an, die Zeitverhältmsse, kurz, alle möglichen Umstände wollte man für den gewaltigen Misserfolg verantwortlich machen. In Wirklichkeit hatten die Juden der Partei geschadet, zumindest nicht genützt. Sich selber aber hatten sie Feinde geschaffen, der Elericalismus bekämpft sie nur in ihrer Eigenschaft als Verbündete seines Todfeindes, des Liberalismus, lind ähnlich verhält es sich auch mit dein Socialismus. Durch dcrs Propagieren dieser Richtung ziehen sie sich die Feindschaft der Regierung zu denn zumeist werden Juden an den exponiertesten Posten verwendet. Obwohl von semitischem Gelde und Einfluss äußerst gefördert, zeigt jetzt schon der Socialismus einen latenten Antisemitismus. Dies hat beiin letzten Parteitag in Deutschland offen sich bekundet. Es sollen also — deducierte der Referent — die Juden eine selbständige Partei gründen. Die Juden haben sich stets für die Deutschen aufgeopferk, ohne Erfolg, die Slaven haben sie gegen sich erbittert. Redner bespricht weiters das Programm des jüdischen Nationalismus in Oesterreich, das einzige, loelches niemand schädigt. Alle Völker haben das Recht, sich voll und ganz auszuleben: Polen, Rnthenen, Italiener, Slaven, folglich auch die Juden. Diesem Programm also sollten wir uns anschließen; das Um und Auf unserer Politik bedeutet: gleiches Recht, gleiche Autonomie für alle Nationen. Dies ist auch für Oesterreich das Wichtigste; jedem Volke müssten dann seine Schulen gegeben werden, es müsste selbst für dieselben sorgen. Ein weiterer Punkt ist auch die eigene Cult n r. Wir Juden suchen nur bei freniüen Culturen Anleihen zu machen, doch könnten wir unschwer im eigenen Gebiet Selbständiges leisten. Dies ist der rohe, äußere Umfang unseres Programms. Durch die Asimilation hat sich indes auch das Familienleben verändert. Hiermit schloss Herr Dr. Sofer seine geistvollen glänzenden Ausfühnmgen unter lautesten Beifalls- und Zustimmungskundgebungen der Zuhörer. Wir haben lediglich den Inhalt der schwungvoll, feurig vorgebrachten Rede skizziert und eonstatieren, dass dieselbe eine nachhal- , tige Wirkung erzielt hat. Nunmehr ergriff das verdienstvolle Ausschussmitglied Herr Dr. Heinrich Lasus das WoA und stellte fest, dass der Besuch der Versammlung , ein günstiger sei und das Interesse ein reges, obwohl tags j zuvor bis in späten Nachtstunden hinein ebenfalls eine : solche ähnliche stattfand. In ähnlicher Weise, wie Dr. | Sofer, schilderte Redner, auf welche elende Stufe das Jndenthnm gelangt ist, dass hingegen die Mitglieder der großen deutschliberalen Partei es wohl verstanden haben, - sich und ihren 'Angehörigen gute Stellungen zu verschafsim.! Kein einziger jedoch fand sich, der dem Antisemitismus f offen emgegengetreten wäre. Weiters beweist Herr Dr. > Lasus, dass die Juden von keiner PaAei wohlgetitteu sind j und dies sei jedes einzelnen von uns mea culpa marima j cutyxt. Anschließend an seinen zündenden Sermon beani tragte Herr Lasus folgende Resolution: Die Parteileitung i der Indischen Volkspartei wird aufgefordert, an die Ab- ,! fassung eines breiten Programms zn schreiten und aus i Grund desselben die Organisation der Judenschaft in | Oesterreich in Angriff zu nehmen. Die Resolution wurde > unter Acclmnation angenommen. Herr Dr. Sofer erklärte,; er sei gerne bereit, die Wiener Parteileitung in Kenntnis i 's zu setzen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und die Versammlnug für geschlossen erklärt. A. F. Wien. (C o u f i e tu n t i o tt.) Unter den Confirmandcn des letzten Samstag im Tempel der Leopoldstadt befand sich auch der ^2obn Ludwig des k. k. Regicrungsrathes Herrn Dr. Schlag, welch erste rer die .Hafthora mit Präcision und richtiger Poitierung ‘ fci3. Obercantor Herr Bela Gnttmann versetzte die zahlreiche, andächtige Gemeinde mit dem meisterhaften Vortrag eines von ihn: selbst verfassten Mischebernch in eine gehobene, weihevolle Stimmung. Der greise Rabbiner Dr. Adolf Schiniedl hielt eine Exhorte von nachhaltiger Wirkung. Der Familie des Regiernngsrathes Dr. Schlag ginngen ans weitesten Bevölkernngskreiscn Glückwünsche zn. Ancder Provinz. Man denkt in der Residenzstadt, dass es in der Provinz still und öde ist. Das ist aber ein Jrrthnm; cs geschehen da dranszen Dinge und Sachen, von denen wir in Wien keine Ahnung haben. Man siebt Mcgalographen, Bismarckplätze, lebende Photographien, Natnrtirolcr mit* „Dentschlibcrale". Ja, es leben »och in einzelnen zerstreuten Wigwams die lctzteir Mohikaner: es geht ihnen meistens recht gut; ivenn inan aber ihnen zn ihrem Wohlergehen gratuliert, so seufzen sie, und gedenken der Zeiten Tchmetzkals, Prombers und PlenerS, die uns Jilden das Menschen-, pardon, das StaatSbürgerrecht geschenkt hätten, und denen lvir einige Dankbarkeit zollen müssten. Es sind, wie gesagt, die letzten Mohikaner; die Jagdgründc sind abgegrast, niid sie ftitb auf den Aussterbeetat gesetzt. Eine drollige Species Menschen sind die alldeutschen Inden, noch drolliger, wenn sic im Programin für Cultnswcchlcn die Pflege niid Ausbreitung der deutschen Sprache im jüdischen Gottcsdieiiste verlangen. Einige fittb aber auf eine derbe Weise bekehrt ivvrden. Sie gchörtcil irgendeiiiem Bunde der Deutschen an und zahlten »ilverdrossen seit Jahren ihre Beiträge. Das war nämlich die einzige Ehre, die sie von Seite ihrer arischen „Stannnes"brüder genossen, und die einzige Gelegeliheit, bei der mall sich ihrer erinnerte. Eines schöllen Tages lies; aber der -Obergermane die Juden vor sich bescheiden und eröffnest' ihnen, dass ihre Ziigebörigkeit zn einem dentschnationalen Verbände viel böses Blut mache, Ivenn sie also ivirklich dem Dentschthnin nützeil wollten, so iömitt-u sie ihm keinen besseren Dienst criveisen, als ans dem Bunde - a n s z >i iret e n. „Sie köiniten", meinte dann der gcivaltige Sprecher, halb tröstend und halb malitiös, „unter den Inden delitsche Vereine gründen." Das ivar zn starker Tabak; mib die Betroffenen sind pon ihrem Dentschrhnm grüiidlich cnriert. Denn dieses Denisckühnm in sich und für sich ist nicht »lach dem Geschmncke der Inden; sie lassen sich lange vonl Michel nasführen; schenkt er ihnen aber in seiner groben Weise einmal reinen Wein ein, so haben sie die Sache satt und erinnern sich ihrer ilationaten Pstichtcn gegen das Jndenthnm. Langsam — aber sicher. Dagegen haben unsere Brüder in Libussas Gauen größentheils ' die Schm ose re i zum Princip erhoben; dort blühen allerorten die ezechisch-jüdischen Bcseden, tn denen sich die Inden gegenseitig mit verdächtigeill Eifer ihre nativilate Zugehörigkeit zum Ezechcnthum garantieren und mit komischem Pathos die wahren Söhne Libussas im Chanvsilismus zn überbieten sncheil. Dann gehen sie gekräsrigr nachhanie, nachdem ne noch einmal sich ihre Abstaminung von Czech bescheinigt haben. Geräth aber eiiiinal doch in ihren harten Schädeln dieser Glauben ins Wanken, so berufen sie rasch irgcildeinc liberale Koryphäe, die ihnen feierlich versichert, dass die bösen Buben in der Gasse und im Landtage nilrecht habeil, dass sie Ivirklich Czcchen — Pardon, Böhmen seien. Damit fühlen sie sich für ein Jahr wieder jeden Nachdenkens enthoben; dann wiederholt sich wieder das liebliche Spiel. Zlvischen all diesem Unkraut sprosst und blüht der jüdisch-nationale Gedanke allerorten; hie und da ist er etwas wild nnd struppig gerathen, »nd eine Beschncidung lvürde ihm sehr nützen, z'lber alles in allem berechtigt er zn den besten Hoffnungen. Wochenprogramm der Toynbe-Halle. Sonntag, den 22. b. M.: Tr. Egon Zweig: Ueber den Zweikampf. Montag, Den 2.8.: Dr. Sadger: Alis dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienstag, Den 28.: Dr. Hahn: Das Jargon-Feuilleton. Mittwoch, den 28.: Mar Eisler: Eigene und fremde Dichitmgeu. Donnerstag, den 20.: Dr. Werner: lieber Hygiene. Freitag, den 27.: Dr. Grill: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag, den 28.: Eoucert: Musik und Gesang. Anmeldungen für Vorträge sind zu richten an Dr. Leop. Kahn, 7. Bez., Lindengasse 11. S . . jud, Du musst hin werden! Aus Salzburg lvirD vom 0. December gemeldet: Vorgestern abends wurde der 21jährige Sohn eines israelitischen Kaufmannes ans dem Heimweg vom Theater, vom einem fremden Judivi- 1)1111111 angefalleu und ohne jeden vorausgegaugeueu Wortwechsel mit dem Rufe: „Saujtid, Du musst hin werden!" niedergeschlagen. Der Angegriffene, der sofort bewusstlos zusamme-itzrach, wlirde von Passanten iu die nahe elterliche Wohmmg gebracht, während der Angreifer mit einem Edmplieeu flüchtete. Der Thäter konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Der Verletzte befindet sich auf dem Wege der Besserung. Die Repräsentantenwahlen in der Pester israelitischen Cnltusgeineinde Huben um 17. d. M. stattgcfnnden und wurden erst ubends >1 Uhr beendet. Dr. Will). Grüner dunkle um Schlüsse der Wühl dem Wahlpräsidenten Paul Tencer für seine Müheivaltniig. Das Scrntininm dauerte bis spät in die Nacht. Die officicllc Candidutenliste ist vollständig dnrchgedrnngen. Als Ersntzmitglieder Huben die meisten Stimmen erhalten: Armin Fröhlich, Max Ehrlich, Jakob Roth und Joseph Goldmann. Makknbiierfeier in Prag. Sonntag den 8. ds. fand in Heines Wintergurten die Makkubäerfeier des „Indischen VolkspereineS", des .Hochschülervereines „Bur Kochba" nnd der anderen hiesigen zionistischen Vereine stntt. Das Fest ist als sehr gelungen zll bezeichnen. Es Hut gezeigt, wie die Jugend sich wieder znsummenfindet, wo eS gilt, das Jndenthnm zn verherrlichen, und dass der ulte Geist der Makkabäer noch nicht ansgestorben ist. Lange vor 8 Uhr füllte bereits ein ansehnliches Publicum, darunter ein Kranz junger Damen, den Festsaal, welcher eigens zn dieser Feier schön deeoriert tvar. An der Estrade stand die Menorah, welche vor Beginn des Festes von einem älteren Mitgliede des jüdischen Volks- Vereines, dein Abend entsprechend, entzündet wurde, worauf die Onbertnre ans „Nebnkadiiezar" intoniert wurde. Nach Absiiignng des "Moans zur Jeschnosi" vorn Männerchor bestieg Herr Dr. Aladar Deutsch die Tribüne nnd hielt die Festrede, welche, ein Meisterstück der Rhetorik, ans alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck ausübte. Abwechselnde Männerchöre und Musik vervollständigten das Festprogramm. Den Clou des Abends bildete die Darstellung von lebenden Bildern aus der Zeit der Makkabäerkämpfe mit beglei- > tcnder Dichtung von I. U. Hugo Lölv, Mitglied der „Bar Kochb«". Das erste Bild'zeigte die Knechtung Israels, das zweite Mathatias am Altar, das dritte Schwur in der Grotte, das vierte Sieg der r Makkabäer, das fünfte Heimkehr der Sieger, das sechste Krönung. : das siebente Ahasvers Erlösung. Diese Bilder waren naturgetreu . dargcstellt und übten eine mächtige Wirkung auf die Zuschauer i aus. Hiermit tvar nach Absingnng eines Chorals das schölle Fest : beendet, und die junge Welt huldigte dem Tanze bis spät in die : Nacht hinein. S. L. Versammlung der israelitischen Districtspräsidenten. Die israelitischen Districtspräsideuteu hielten am 18. November im Sihuugssaaile der P e st e r i s r a e l i t i s ch e n, C u l t u s g e nt c i u b c ihre Jahresversammlung. Anwesend waren: Beni. Polizcr-Nvzsahcgh, kön. Rath Martin Schweiger-Budapest, kön. Ratli Gnttinanil de Gelse-Gr.-Kauizsa, Alex. Leopold-Szcgszard, Armin Wertheim-Szekesfehervar, Dr. PH. Pfeiffer-Raab, köni. Tafelrichter W. Lippe-Szolnok, Dr. Fr. Bcrkovits-N.-Varad, Dr. Jzso Rosa dc Varhelh-Szeged, Dr. V.'Schul-Szaszbliros. Ihr Fernbleiben enk schuldigten kön. Rath Jgn. Schreiber, ^alomon Stcrnthal-Temes var» E. Doiiäth-Trencsin nnd Dr. Szilasi-Szabadka. Kön. Ratl, Martin Schweiger wurde znm Vorsitzenden der Versammlung, fer ner znm Präsidenten der Landeskanzlei, zum Stellvertreter des erstcrcn Dr. Jzso v. Rosa, des letzteren Will). Gntmann de Gelse gewählt. Nach der Begrüsznng des Präsidenten verlas kön. Rath Dr. Josef Simon den Jahresbericht der Landeskanzlei, dem folgcndc wichtige Daten zngrnnde liegen. Die Congrnagesnche sind höherenorts berits meritorisch erledigt ivorden. Das Einkommen von 37 Rabbinaten wurde, je nach ihrer Onalification, ans 600, beziehungs iveise 1200 Kronen ^ergänzt, bei 21 Rabbinaten erfolgt diese Er gänznng, sobald die stellen besetzt sein werden. Die Summe dieser Ergänzniigcn beträgt 7018 K. Wie gering dieser Betrag ist geht ans Folgendem Herbor: Pro 1001 wurde» für die Congrua 1200009 K. präliminiert. Den Seelsorgern der Evang. A. Confessio» wurden 70 000 K., der Reformierten ll 13 000 St, der llnitarier 07 000 K., der (8r.-Oricnt-Serbische11 l>0 000 K., der Israeliten 7600 K. zuge wiesen. Im Vergleiche zn den übrigen ist die den Rabbinern zuge wandte Summe eine verschwindend geringe. Das Ansuchen um Er Höhung der staatlichen Subvention für israelitische CnltnSzlvccke müsste daher so lange erneuert werden, bis sie die Höhe von circa 100 000 K. erreicht. Bezüglich der Einheitlichkeit des Rcligionsnnterrichies hat die Repräsentanz des sechsten Gemeindedistrictes Lehrpläne nnsgearbeitct, welche den übrigen Districten mitgetheili ivorden sind. Eine ans Delegierten sämmtlicher Districte bestehende Landescommission soll die Lehrpläne cndgiltig feststellen. Das ausschlieszliche Trannngsrechr des Rabbiners auf dem Gebiete seines Rabbinats ist durch eine Verordnung des'CultuSministers neuerlich , festgestellt ivorden. Infolge anfgctanchter Differenzen hat der Cnlriisminister entschieden, dass staatliche Beamte nnd Professoren israelitischer Confessio» die Cnltnsstener zn entrichten haben und dascsie sich mit ihren diesbezüglichen Rcclamationen nur an die competente confessionellc Behörde wenden können. Nach mehreren Angelegenheiten geringen Belanges kommt der Bericht ans die ivicderholt nrgierte Einberufung eines neuerlichen israelitischen. Landescvngresses zn sprechen, der die jüdische Autonomie endgiltig regeln lvürde. Die Regierung hat in dieser Angelegenheit beruhigende Erklärungen abgegeben, doch will der Cultusminister, so lange die katholische Autonomie nicht geregelt ist, nicht an die Erledigung ähnlicper Angelegenheiten anderer Confessionen schreiten. Der Bericht beantragt, die Versammlung möge auch bei dieser Gelegenheit beim Cnliusminister die Erledigung der noch im Jahre 1806 an ihn gerichteten Eingabe wegen Einberufung des israelitischen Congrcffcs nachdrücklich nrgieren. Die Versammlung nahm den Bericht beifällig zur Kenntnis und acceptiecte sämmtliche Anträge desselben. Präsident theilt mit, dass seines Wissens schon int nächsten Budget präliminare die Congrria der Rabbiner um 100, beziehungsweise um 60 Kronen erhöht werden wird, in jedem weiteren Jahre soll eine ähnliche Erhöhung stattfinden, bis die Dotation die volle Höhe erreicht. Hinsichtlich des neuerlichen Congresses wurde noch beschlossen, dass die Landeslanzlei für die ehebaldigste Constitnierung der noch nicht constituierten Districte Sorge tragen möge, daniit die Vorbereitung des Congresses seinerzeit ungehindert vor sich gehen könne. Nach Erledigung mehrerer Schul- und Gabella-Angelegenhciten wurde die Versammlung geschlossen. Gleichzeitig hielt der llngarisch-israclitische Landesfonds eine Versammlung ab, in tvclcher der Seerctär Dr. Franz Rkezeh den Bericht erstattete. Demselben entnehmen lvir, dass von den gezeichneten 888 182 K. bisher 632 006_M. eingeflossen sind, bei einzelnen Vereinen werden 101 206 Kl als Stiftungen verwaltet. 160 000 St wurden für Stiftnngsplätze in der Ludovica-Militär-Akademie verwendet, in Körosmez» wurde eine Schule gegründet, nnd arme Gemeinden erhielten «ubpentionen. Nur die Zinsen des Fonds dürfen verwendet werden. Im Budget für das Jahr 1002 wurden 10 100 K. als Ansgaben und 26 000 Kl als Einnahmen präliminiert. Der Bricht wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört nnd mit Bcifallsbezeugnngcn. belohnt. Tie Versainnilniig votierte sodann dem hingebcnden Wirken der Gcsammtleitung ihren Dank. Die Abdankung deS Vicepräsidenten Generaldirectors S. Kornfeld wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen nnd an seine Stelle Dr. Moriz Mezei, an Stelle des verstorbenen Controlors Alex. Wahrmann, Dr. Adolf Kohncr gelvählt. Die isrnelitische ung. literarische Gesellschaft hielt am 10. November unter dem Vorsitze des kön. Raths Dr. Philipp Weinmmm eine Nnsschnsssitzung, in welcher Seerctär Dr. Joses Banoczh zunächst über die Wirksamkeit der Gesellschaft im verflossenen Jahre Bericht erstattete. Der Seerctär meldete, dass ans die 2000 Kroneii-Preisaiisschreibiing für die Abfassung einer israelitischen Literaturgeschichte zwei Arbeiten einlangten, keine jedoch des Preises würdig befunden wurde. Die Concurrenz Ivird abermals ausgeschrieben. Paul Tencer sammelte einen Preis von 2600 Kronen für die „Geschichte der Inden von der Zerstörung des zlveiten Tempels bis zur Gegenwart". Proben der Coucurreiizarbeiteu sind bis znm 16. September 1002 der Gesellschaft einzusenden. Nachdem diese Berichte zur Kenntnis genommen wurden, wurde das Cvmitee der RechinmgSrePisvreii durch L. M. Breitner ergänzt. Es folgte unter dein Vorsitze Adolf AgaiS eine Vortragssitznng, zn der sich ein zahlreiches distinguiertes Publicum eiugefuudeu hatte. Dr. Bernhard Singer las unter dem Titel „Auf der Bühne des Lebens" über die dem Christenthum vorangehenden judnisierenden Bewegungen. Sodann trug Dr. K'arl Sebesthen sein wirkungsvolles Gedicht „Hpinnns" vor. Schließlich las der bekannte Schriftsteller Thomas Kobor seine pointenreiche Humoreske „Carneval in der Königsgasse" vor nnd erzielte einen riesigen .Heiterkeitserfolg. AuS Lemberg wird uns geschrieben: Die Inauguration des Wintersemesters brachte uns in Lemberg ^eine Anzahl von neuen Aeusterungen des jüdischen Willens in nationaljüdische ,n, respective zionistischem Sinne. Wir wollen versuchen, eine kleine Uebersicht über die Gedankengänge, welche in den respectiven Versammlungen zum Ausdrucke kamen, zu geben. Zunächst wurden wir angenehm berührt, den als todtgeglaubten „Syon"wieder erstehen zu sehen mit deinaltenJnventar. Wir sahen da eine Anzahl von Akademikern, welche in der heiligen nationalen . . . polnischen Sprache den Abend erösfneten und fortführten - lven wir aber leider nicht sahen, die unbedingte Folie von nichtakademischen Juden. Die Inauguration hielt Herr Segel, mit dem Hinweise auf die schiefe Ebene, auf der sich das Judenthum, gegängelt von der Assimilation, befindet und plaidierte für ein einiges Zusammengehen und Abwehr des Gojismus, für unbedingt nothwendige, Erhebung der heiligen Spache zur National- und Eultursprache. An der Discussion betbeiliglen sich Dr. Bauer, niucl. phil. Schiller, Treger (Geschäftsmann), Frau Stand — sonst sprachen alle zustimmend zu den Ansichten des Redners. Erwähnen wir noch des ausgezeichneten Vortrages über