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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 29. November 1901 Seite Mitglieder und Gönner des Vereines nicht nngehvrt verhallen, sondern jeder nach bester, Kräften sein Scherflein zur Erreichung dieser unserer Aufgabe beitragen. Für die Vereinsleitling Berta Kohl», Präsidentin, Lina Weiß, Schriftführerin. jüdischer Volksverein für den 8.,!)., 18. und 1». Bezirk. Am 23. d. M. hielt der Jüd. Volksverein im Restaurant Wendlinger eine allgemein zugängliche öfferrtliche Vereinsversammlung ab. Dr. Köllner eröffnete'die zahlreich besuchte Versammlung und ertheilte Dr. Sofer das Wort zum Referate: „Juden einst und jetzt". Der Vortragende entwarf in knappen Zügen ein Bild der altjüdischen Familie im Gegensätze zur modernen und unterstützte seine Ausführungen durch psychologische Streiflichter auf das Innenleben der Juden? Es knüpfte sich an den Bortrag eine lebhafte Dnsussion, an der Dr. Weisengrün, «inger, Dr. Fischl, Dr. Kohn, Jakob und Prediger Grün lebhaften Antheil nahmen. Biclitz-Bialaer Jüdischer Turnverein. Bei der am I I. November d. I. unter zahlreicher Betheiligung zum Zwecke der Er gänzungswahl des Vorstandes abgehaltenen außerordentlichen Ge neralve'rsammlung wurde zum Obmanne Herr Dr. Julius Haas und zum Cassierstellvertrcter Herr Magister E. Silberbusch gewählt. Herr Haas entwickelte bei dieser Gelegenheit seine Anschauungen über das Wesen des jüd. Turnvereines. Dieselben wurden von dem untr Leitung eines arischen Redacteurs stehenden Localblatte „Ostschlesische Deutsche Zeitung" vollinhaltlich wiedergegeben, von dem jüd. Herausgeber des „Bielitz-Aialaer Anzeigers", Herrn Tobias, aber gänzlich, wahrscheinlich als zu unbequem verschwiegen, obzwar sie, wie folgt, ungefährlich war«,. Der Jüdische Turnverein werde den Frieden zwischen der jüd. Gemeinde und seinen eigenen Mitgliedern suchen, ohne darum auch nur das mindeste von seinen überkommenen Grundsätzen aufzugeben. Er müsse bleiben, was er war. Eine Schule für diejenigen, welche bereits der Schule entwachsen, sich aber bewusst sind, noch immer etwas Neues und Schönes lernen zu können, ein Sammelpunkt makelloser Juden jeglicher Parteirichtung. Spott und Hohn werde ihn nicht bekümmern, denn beide seien morsche Waffen ohnmächtiger Schwächlinge. Das Recht auf die Oeffentlichkeit tverde »ich diese Körperschaft keinesfalls verkürzen lassen, da kein Grund vorhanden fei, die Blicke eines großen Publicums zu scheuen. Dieses Princip dürfe nicht ab Aufdringlichkeit gedeutet ivcrden, weil dann jedwede strebsame Ge sellschaftsclasse, welcher politischen Gesinnung immer, in ihrem Rin gen nach Geltung dieser Vorwurf treffen müsste. Allein mich als Sucht nach Differenzierung sei solches Gebaren nicht auszulegen, da ja Turner jüdischer Abkunft abgesondert wurden, aber nicht sich absondern. Die Selbstachtung gepicte es logischerweise, nur dort riuzukehren, wo man als gleichwertig erkannt werde und andererseits auch Gleichwertige fände. Todesfall. Aus Linz wird uns gemeldet: Am 19. November wurde hier Frau Negine Abcles, die Gattin des k. k. Landesgerichtsrathcü Dr. Rudolf Abeles des hiesigen Lnndcsgerichtes, welche in noch jugendlichem Alter einem tückischen Leiden nach kurzem Krankenlager zum Opfer gefallen war, zu Grabe getragen; an der Bahre der Verblichenen, welche ein geradezu musterhaftes Familienleben geführt hatte, trauern nebst zwei Brüdern und entfernten Verwandten der schwergeprüfte Gatte und drei Kinder im zartesten Alter. Akad. Berbindung „Haömonaea", Czernowitz. Die akademische Verbindung „Hasnwnaea" veranstaltet aus Anlass des zehnjährigen Jnbiläums der Verbindung Samsag den 30. d. M. im Musikvereinssache einen Fest-Commers. Dr. Schmierer, Obm. des A.-H.-V. Cand. jur. Stroh, dz. Präses. Beginn halb 9 Uhr abends. Die Musik besorgt die Kapelle des 41. Jnf.-Reg. Den P. T. Damen werden Logen reserviert und wird ersucht, sich rechtzeitig im Verbiudungs- Locale (Herrcngasse Nr. 29, 1. Stock) vormerken zu lassen. Die Wahlen der Handelsgehilfen — sistiert. Die theilweise blutigen Exesse, die anlässlich der Wahlen der Functiouäre für den Gehilfenausschuss' und für die Krankencassa des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Sonntag den 24. in Wien stattfanden, sind mehr als nach einer Seite für die jüdische Bevölkerung bemertenswert. Sic beweisen einerseits, dass die Intensität des Antisemitismus noch lange nicht sich abzuschwächen beginnt, und dass andererseits Christlich-Sociale und Deutschnationale, mit den Alldeutschen an der Spitze) unbeschadet ihrer gegenseitigen Beschimpfungen im Parlamente, in Versammlung und in der Presse, sich im Zeichen des Antisemitismus solidarisch zusammenfindcu. Die „Ostd. Rundschau", das':Organ der Alldeutschen) inderewAugen sonst die Christlich-Socialem die verächtlichste Partei sind, äußerst in ihrem Bericht iiber die stattgehabten Exessc keinerlei Bedauern über die Allianz der alldeutschen Handelsangestellten' mit' den christlichsocialen. sondern strotzt mir von Beschimpfungen gegen die „Judenjüngels", gegen den „Terrorismus der Socialdcmokraten", deren „jüdischer. Parteileitung", die Schuld cm diesen Excessen beigemessen wird. Andererseits liegen sich die Christlich-Socialen diese Allianz der von ihnen als landesverrätherisch benamsten Alldeutschen gefallen und freuten sich über die arische Gemeinbürgschaft gegen die Juden. Und thaifächlich wurde der Kmnpf gegen die soialdemokratischen Handelsangeftcllten, welche diesmal durch die liberalen und ziomsticheu Standcsgenöfsen Succurs erhielt, fast ausschließlich unter antisemitischer Flagge geführt, was nicht schwer wurde, da die überwiegende Majorität der Socialdemokraten und Alliierten aus Juden bestand. So zeigt denn dieser Wahlkampf der Handelsangestellten untereinander und ihr Ansgang das alte Schauspiel, dass trotz aller Vermummungen und Maskeraden, sowie trotz aller Spaltungen, sich im entscheidenden Momente doch tvieder die antisemitischen Gruppen einerseits und nothgedrungen die jüdischen resp. „verjudeten" Gruppen zusammenfindcn, dass aber die maßgebenden Factoren — in diesem Falle wieder die Statthalterei durch Gestaltung der Sistierung der Wahlen —_ die Sache des Antisemitismus fördert. Beweist also nicht die immer sich erneuernde antisemitische Gemeinbürgschaft die Nothwendigkeit einer Gemeinbürgschaft aller österreichischen Juden auf jüdisch-volklischer Basis? dass dieser chassidische Hochstapler einen Schandfleck in der Muntäcser orthodoxen Gemeinde bildet, lieber die Qualität des „Juden" Barta haben wir seinerzeit in diesen Blättern ausführlich berichtet. Er war es, der im ungarischen Parlament die gesetzestreuen Inden als Gegner des ungarischen Staates stigmatisierte. Vor nicht lmrger Zeit hat sich in einem Familienleben folgende charakteristische Episode zugetragen. Dieser „indische" Deputierte hat bekanntlich alle seine Kinder selbst zur Taufe geführt. Nun hatte er eine heirathsfähige Tochter, die sich mit einem Vudapester Adbocaten verlobte. Bei Vorlage der Heiratsdocinnente war der zukünftige Schwager ganz erstaunt, zu erfahren, dass sein präsnmiver Eidam Jude sei. Der Bräutigam hingegen hielt cs als selbstverständlich, dass auch seine .... .. Braut, die Tochter eines „jüdischen" Advocaten, ganz bestimmt verschiedensten Lteuerpächtern gut zu stellen wiysten. aber mit dem ---- -- - ' ' - " Ucbergang der Rothsichld'schen Colonicn an die „I. C. A." ist. wie Bedrückung der jüdischen Bauern in Palästina. Die in beständigen Gcldnöthcn sich befindende türkische Regierung sieht sich fett einigen Jahren genöthigt, die Steuerschraube etwas stärker anznziehen. Da das ganze türkische Eücuersystcm auf veralteter agrarischer Grundlage beruht und der Bauer nahezu die ganze Stuerlast zu tragen hak. tvährcnd die griechischen und arinenisclM Händler und Fabrikanten fast ganz stenersrei nnsgehen. so lastet auch der jetzt verstärkte Steuerdruck vornehmlich ans den schwacheil Schultern des unglücklichen Landmannes. So lange die jüdischen Coloitien in Palästina unter Rothschild'schcr Hegemonie standen, haben die jüdischen Bauern jedoch von dem verstärkten Steuerdrücke wenig zu spüren bekommen, da die Rothschild'schen Beamten sich mit den Jüdin sei. Der junge Mann verlangte mm, dass seine Braut znm Judenthnm zurücktrete. Der im Religionswechsel geübte Schwiegervater war aber ganz anderer Meinung. Die Kirche trug auch den Sieg davon. Der Heiratscandidat ließ sich vor der Hochzeit taufen. Gegen die jüdischen Auswanderer. Von ungarischer halbmit vielen anderen Dingen, auch darin eine Acnderung cingetreten, itnd mm lastet die Hand des türkischen Stcuerpächters schwer auf ' den armen jüdischen Bauern des heiligen Landes. Der „Zehnte", welcher schon längst und officiell nicht mehr 10, sondern 12 Pcrcent beträgt, ist in diesem Jahre ans 20 Percent und mehr gesteigert Sette wird Folgendes kundaege^ MiMenum ^rd?n. 'In Sichron Jakob, wo sich die Reblaus cingenistet hat, des v'Omnu hat, nachdem d e Er fahr ung ge m a cht wurde, dass ( 1IU^ welches infolge dessen gesetzlich gänzliche Steuerfreiheit gettoüKm,nmaT\ ^"r10' uießen sollte, wurden dennoch E-teueru und zwar in erhöhtem Maße, und »^/^^Aufsung erhoben. Ebenso lvurden die Steuern in Rischon-Lezion gegen davollstandlg Mlttelloser Personen *ut Lande sinvohl vom staats Vorjahr wesentlich erhöht. Schlimmer noch als in diesen beiden polizeilichen als auch vo»n wirtschaftlichen Gesichtspunkte gefährlich ^vc^cn Colonien hat der Steuererheber in bim kleineren Colonien erscheint, eme Verfügung getroffen, wonach die Niederlassung, be- Chederah, Gadrah und Kastinjeh gehaust. So hat in Gadrah ein ziehungswetse der längere Aufenthalt solcher rumarnscher Aus- Colonist, welcher von 2 Hectaren für 120 Frcs. Weizen geerntet wanderer verhütet werden soll. Zu diesem Behufs wurde em hat, 09 Francs „Zehnten", d. h. 00 Pcrcent zahlen müssen. In Ministerial-Beamter nach der Grenze abgeseudet, um an Ort und Kastinjeh haben die Colonisten bei einem Bruttoertrag von 28 000 Stelle Studien zu machen. Ferner wurde constatiert, dass die Francs 7000 Francs als Oscher an den Pächter abführen müssen. Auswanderer mit ungenügenden Reisemitteln versehen sind und jgu dieser (Monte sowie in Chederah wurden überdies die jüdischen deshalb von fremden Staaten abgeschafft werden, woraus für die Dorfschulzen bou den Steuereinnehmern misshandelt, als wenn sie ungarische Staatscasse unbegründete Mehrausgaben entstehen, gewöhnliche Fellachen wären. Die Erhöhungen der Steuern und die Dies veranlasste die Negierung, im Wege des Ministeriums des dabei entstandenen Streitigkeiten mit den Pächtern haben in man- Aeußern mit den interessierten Staaten Verhandlungen einzuleiten chen Colonien überdies die Auödreschung des Getreides verzögert, zwecks Feststellung der Bedingungen, unter welchen die rumänischen da die Pächter das Getreide nicht eher von den Feldern herunter- Juden ohne Hindernis das Gebiet der betreffenden Staaten führen ließen, bis die Steuer bezahlt war. Bezeichnend ist es, dass passieren dürfen. Auf Grund des Ergebnisses dieser'Verhandlundie deutschen Colonisten von derartigen Erpressungen vollkommen gen verordnete der Minister des Innern, dass bloß diejenigen verschont bleiben. rumänischen Auswanderer über die Grenze gelassen werden und; Darlebensbanken. Aus Jassy wird gemeldet: In Rumänien das Land passieren dürfen, welche zur Deckung ihrer Reisekosten sollen Darlchensbanken für jüdische Handwerker und Arbeiter be- — wenn sie das zehnte Lebensjahr uberschrttten haben wenigstens gründet werden, die den Handwerkern beit Erwerb von Werkzeugen 400 Kronen, wenn sie im Alter von zwei bts zehn Jahren stehen, und Material, den Dorfbewohnern den Ankauf vott .Kühen crmög- 200 Kronen mitführen oder über eine von irgendeinem Transportlichen sollen. Andertvärts haben solche Bankinstitute sehr segens- Unternehmen ausgestellte Fahrkarte verfügen, welche auch für ihre reich gewirkt, und für Rnmänieit ist die Situatioir augenblicklich gesammten Verpflegs- und eventuellen Heil- und Begräbniskosten günstig, weil eben jetzt angemessene Leitung und Aufsicht für solche Garantie bietet. („Allg. jüd. Zrg.") Banken vorhanden sind und die schlechte Geschäftslage eine tvirk- Das Andenken des jüdischen Dichters. Zum Andenken an Emil same Unterstützung der armen Jitden erfordert, Für den Anfang Makai veranstaltete der Selbstbildmrgsverein der Landes-Rabbinersind nach deutschem Gelbe nur 80 000 Mark erforderlich. Davon schule —- deren Zögling der verstorbene Dichter einst gewesen —• gibt die „Alliance Jsraelite Universelle" 10 000 Mart; weitere, eine pietätvolle Traucrfeier. Im großen Jnstitutssaale. der aus 10 000 Mark sind in Frankfurt a. M. aufgebracht wordeu, imb die diesem Anlasse mit dem umflorten Bilde Makais geschmückt war, dritten 10 000 Mark tvill Herr Claude Montefiore in London flüssig hatte sich ein distinguiertes ' Publicum eingefunden. Dr. Isidor machen. In der letzten Sitzung der „Anglo Jewish Association" in Goldberger hielt die 'Gedenkrede. Moritz Braun las die hebräische London, deren Präsident er ist. sagte Herr Clcnck>e Montefiore. in- Uebersetzung eines schönen Gedichtes Makais vor und Benjamin dcnt er zu Beitragen für diesen guten Zweck aufforderte: „Die Schwarz und Morst; Adler trugen Gedichte vor. Führer der eiigllscheti Juden haben. im vergangenen Jahre am Aus, Budapest. Das Abgeordiietenhans hielt am 0. ds. eure lautesten gegen die regellose und unvernünftige Auswanderung der Sitzung, in welcher die Aussckmsswahlen verkündet wurden. Ge- ^oteskert. an chnen nt es auch, der „AllE wählt wurden: In der 4. Section der Reichsrathsabgeordnete Dr. Itnben behilflich zu fein, den darbelwen Jiiden Marcel Beck ztim Schriftführer; in den Jilstiz-Ausschuss Dr. Sa- »» ihrer rununnichen Hetmat ein menschenwürdiges Däfern zu muel Bakonyi, Dr. Paul Mandel, Hosrath Dr. Armiri Neummrn; ja sehr fchon, wenn wir über boj traurig der in den Volkswirtschaftlichen Ausschuss Dr Franz Heltai, Großhänd-; '^ir hlJh?£>r ler Paul Saudor, Fabrrkmit Verrhold Weiß; rn den Verwaltungsmisschuss Dr. Alexander Fischer; in den Communirations-Ausschiiss Dr. Eugen Molnar; in den Finanz-Ausschuss Dr. Ambros Nemenvi; in den Wehr-Ausschuss Schriftsteller Josef Veszi und Fabrikant Theodor Wolfner; in den Schlussrechnungs-'Ausschuss Tr. Alerander Nagy. Ausland. Die „Kinder Israels" vor Gericht. Wir haben seinerzeit über die Aufführung des antiseinitischeu Machwerkes „Für wieviel sind Sie betrübt?" Herrn Claude Montefiore sind bereits verschiedene Beiträge für seine Sammlung zugegangeu. Brief aus Petersburg. (Orig.-Correspondenz des „Jüd. Volksblatt".) Anfang November 1901. Eilte allgemeine Bewegung zur Orgmusation — so weit es die Gesetze des Landes znlaffen — macht sich in letzter Zeit in der - „ , , , rr r „ jüdischen Bevölkerung in ganz Russland bemerkbar. Sei es des- DlC Kinder Israels oder „Die Contrebandeschmnggier halb, weil die j ü d i s ch - n a t i o n a l c I d e e imnter mehr Verin Petersburg, welche große «Lcandale und Schlägereien breiwng im jüdischen Volke findet und immer tiefer in alle Schichliernoraenümi bat beliebtet Dasselbe Schicksal m-lebta das len öcc ludifchen Gesellschaft bringt, oder sei cs, Werl die Beschrän- ,15, ,7 * v ° e sai CTIcDIL^OCI^ klingen, denen dte5indl>,i ans allcn Gl'vi^si'n dt'A^i'bl'7,6 kn'apani'n. inn Stuck auch IN der Provinz, und überall, wo es zur Aufftchkungen, denen dieJudett auf allen Gebieten desLeberrs begegnen, im mer unerträglicher werden, vielleicht auch ist es der Geist der Zeit, welcher auf die Juden einwirkt. Wie es auch immer sein mag, genug» die Thchsache verdient verzeichnet zu werden, dass die Juden Russlmrds sich allmählich zur Erkeirntnis durchringen, dass sie von. nirgends Hilfe als von sich selbst zu erwarten haben und in erster Reihe durch eine starke, gesetzlich zulässige Organisation. Der Aiisang geschah, wie es nun einmal im Charakter des und A cs i, 8 o l a k i Omfrfrn bchebnldiat m.rivn sich her jüdischen Volkes liegt, mit der Schule. Zuerst entstanden in vielen UNO Jl.Jt it 0 l l Ci U , wagt loauil, OCI OCI, Städten Vereine und Verbi.idungen, um den alten „Cheder" zu re rung gelangte, lvurde es mit Pfeifen und Johlen niederge ischt. Jetzt berichten russische Blätter über: eine Gerichtsverhandlung in K u t a i s (Kaukasus), welche mit dieser Angelegenheit znsammenhängt. Als Angeklagte befanden sich die Studenten Fürst L u r d k i p v n d s e , K. K i n i d s e am o. Mai d. I. im Kntaiser Stadttheatcr stattgehabten Aufführung der „Kinder: Israels" sich gröblich gegen die Ruhe vergangen und gegen Polizeiliche Verfügungen anfgelehnt zu haben. Fürst Lnrdkipondse soll nämlich gleich zu Beginn der Vorstellung laut ausgerufen haben: „Im Namen der Studentenschaft ersuche ich das Publicum, das Theater zu verlassen. Kein anständiger Mensch darf der Aufführung eines abscheulichen Machwerkes beiwohnen, fvelches nnsere Literatur herabwürdigt und beschmutzt, indem es gegen eine ganze Nation die niedrigsten Verlemndungen richtet. Nur Lumpen bleiben hier!" Diese Ansprache verursachte einen Sturm im Publicum und es kam vH >. d"^U"«spr8ses.. Jln Bereger Conutat ist bekaimtilt heftigen Schlägereien. Nach Einvernehmen mehrerer . it liberalem Programm als Abgeordncteu-Candidat ^ngen verurtheilte das Gericht s die drei Stiidenten zu kob Gabel nnt ausgetreten. Sein Gegner war der „jüdische" Advoeat Edmund Barta, ein Anhänger der Koffuthpartei. Gabel, der mich die Unterstützung der Regierung hatte, ist vor der Wahl zttrückgetreten. Obwohl er nun sein Vorgehen in einer von ihm veröffentlichten Kundgebung rechtfertigte, hat matt es doch in vielen Kreisen verübelt, dass er seinem Gegner das Feld geräumt. Niin stellt cs sich heraus, dass er vollkommen corrcct gehandelt. Es fand sich itämlich ein jüdischer Cultiisvorsteher, der Mit der gefährlichsten antiscmitisckien Waffe die jüdischen Wühler zugmisten des zur traurigen Berühmtheit gelangten Advocaten einschüchterte. Es ist dies der famose Vieeprüses der großen Munkacser jüdischeli Gemeinde, der an den Bilkeer Rabbiner ein Schreiben richtete, in welchem es unter anderem schwarz auf weiß geschrieben steht: „Ich — Gott sei Dank — bin seit meiner Jugend daran gewohnt, den göttlicyeit Kampf zu käinpseu imd mein Herz empfand nie das Gefühl der Elitnuithigung. Aber diesmal zerfloss auch mein Herz, als ich gestern und auch heute von mehreren christlichen Seelsorgern vernahm, dass in Ihrem Bezirke jüdisches Bürt in Strömen fließen wird. Von denselben hörte ich mich, dass die Felvideker Juden sich deshalb einen Inden (Gabel) ariS enffeniter Gegend nahmen, weil sie zu ritliellen Zweckeii Christenbliit gewinnen wollen. Was wird daraus werden? Abschlachüing, Mord und Plünderung." Leib Hartenstein heißt dieser saubere Roschc- Aol^l, der diese Drohung an den Rabbiner schrieb. Diese Schandfdjrift befindet sich im Original — der Brief ist hebräisch geschrieben — im Besitze des gewesenen Abgevrdnetencandidaten Jacob Gabel. Leib Hartenstein geriert sich sonst als Chasstd; auch die Ge- Mkindemitglieder in Muukacö sind ztlineisl Cassidim. Wir ivollen mich keineswegs die Chassidimrichtung für die politisck>e Ausschreitung KueS ihrer Parteigänger Veranilvvrilich machen.?!ber gewiss ist es. kleinen Geldstrafen wegen Ruhestörung. Die Juden in Argentinien. Vor 40 Jahren gab es in ganz Argentinien weniger denn 100 jüdische Familien, welche zerstreut lebend und vom Gros des Jndenthums getrennt, zum größten Theil sehr bald voit anderen Religionen verschlungen wurden. Jetzt zählt Argentinien bereits über 20.000 Judeti, von denen ca. 8000 in Bnenos-Aires leben. Die Hauptstadt Argentiniens iveist fünf sephardische und neunzehn aschkenasische Gemeinden mit einer sephardischen Synagoge, einer gemieteten Bethalle, nebst einer Anzahl von Minjanim ans. Daneben gibt es in Bnenos-Aires zwei jüdische BegräbiiiSplätze, ein modernes koscheres Restaurant, einige jüdische Wohlthätigkeitövereitte, eine Talmud-Thoraschule unb einen jüdischen Arbeiterclnb. Den ersten Anstoß zur Einwandertmg von Inden in Argcmtinien hat Baron Hirsch durch die Gründtmg der jüdischen Colonien gegeben. Seitdem kommen die Jiiden bon Smyrna. Korfu, Italien, >Nusslatid, Galizien und Rumänien in großen Scharen auf eigene Faust nach Argentinien; zu den europäischen und asiatischen Inden traten bald Einwattderer mis Marokko und jüdische Flüchtlinge mis Algier. Das babyloiiische Sprachengewirr, das infolge einer derartigen gemischteit Emigration anfangs geherrscht hatte, machte bald zwei Hauptspracheri, dem Spanischeii iind dem Jargon Platz. Erstere Sprache ist die Sprache der asiatischen und afrikanischeti Einlvanderer, sowie der gebildeten oder gebildet fein »vollenden Jiiden aus allen Länderli. Letztere ist die Sprache der polnischen Judeii, so lange sie noch fein Spanisch gelernt haben. Ein Ghetto besteht in Bnenos-Aires nicht, daaegen existiert schon jetzt ein jüdisches Theater, in welchem unter stürmischem Beifall aller Jargon redenden Jtldeii die bekmtnten Goldfaden'schen Stücke gegeben werden. formieren, mehr Leven tmb Ordnung in demselben zu schaffen und aus ihm »venigstcns eine halbmoderne jüdische Volksschule zu macheii. Auch der „Verein zur Verbreitung von Aufkläruiig unter ben Judeti in Russland" hat in letzter Zeit seine Statuteii dahin erlveirert, dass es ihm möglich gemacht »vurde, Volksschulen in den Provinzstädten zu grüiiden. Die neuen Staüitcn sind vom Ministerniin bereits genehmigt und man hofft, mit Beginn des iiächsten Schuljahres au die Arbeit schreiten zu könner». Auch die Katrsleute in den größeren Hmtdelscentren, wie Wilna, Minsk, Bialystok, Lodz il. a. haben sich zusammengethmt, um mit cigeiten Mitteln Handelsschulen ins Leben zu rufen und auch ihnen wird die GenehmigunK der Rcgieruiig zutheil, wenn auch nicht in allen Punkten, die zur Erreichung des Zieles ausgestellt »vitrden. Und alle diese Bestrebungen führen von selbst dazu, dass auch andere Ziele mtb Zwecke, die außerhalb der Schule lieben, in Artgriff genommen Werben können. Solche organisatorische Belvegung kamt selbstverständlich bei der Schule allein nicht stehen bleiben. Unter den Arbcitenr mtb Handwerkern werden in letzter Zeit Vorbereitrrngen getroffen, um einen „Verband der Tischler und Drechsler" in Minsk ntS Lebert zu rufen. Auch dieses Statut dürfte die Genehmigung der Negieruiig erhalteii mtd dürste musterbildend für ähnliche Verbände anderer Brauchen lverden. Die „Budilschtschnoftj" bringt über diese Statuten folgerideEmzelheitcn: In Minsk finb ungefähr 900 Tischleru.Drechsler-Arbeiter, deren Lage eine sehr traurige ist. Bis zum vorigen Jahre »uussteii sie 14 Stuiideit täglich ohne Ruhepause um einen Spottlohn arbeiten. Sie vereinigten sich deshalb und brachteii es ztlstarrde, dcüs die Arbeitszeit auf 12 Stunden herabgesetzt ivurde. Der Verbano, beffen Gründung jetzt in Aussicht genommen lvurde, soll einen dreifachen Zweck verfolgen: 1. Uni gemeinsame Schritte zu unternehmen in allen Angelegenheiten, welche das materielle Wohl betreffen. 2. Um diirch Verträge und atidere Bildungsmittel den Bilduiigsgrad der Mitglieder zu erhöhen. 3. Um freigesprocheuen Gehilfen die Mittel zr» bieten, sich selbstäiidig etablieren zu können. Bevor noch die Genehmigmig des Statuts von der Centratbchörde herabgelatigt ist, erhielten sie iltztoischen von der Localbchörde die Betvilligung. von Zeit zu Zeit Versammlungen m einem fremden Locale abhalten zil dürfen, und bis nun haben bereits drei solck»e Versammlrnigeii ftattgefunden, bei betten Vorträge über populär-wissenschaftliche Themen, über Hygiene usw. gehalten wurden. Von den in letzter Zeit iits Leben gerufeiten Vereinen verdient hervorgehoben zt» werden der Vereiti „Bruder-Hilfe" in Warschau, welcher auch eine Abtheiümg für Waisen-Unterstützullg geschaffen hat. um arnte Waisen je nam ihren Anlagen ztt rüchügm Menschen zti erziehe»».

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