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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag vatlMbgeor.dnetc und Gcmeindoräche t hei lneh melk. Irr dieser äußerst wichtigen Versainmllmg wird ein höchst interessantes Referat erstattet, welches den ausfülirlichen Bericht über die Audienzen, ferner begründete Beschwerden über das Vorgehen verschiedener Magistratsbeamten, über einen Wiener Advocaten, über den Unfug unserer- Winkelschreiber rind schließlich gründliche Belehrungen zrnn Schuhe gegen alle Benachtheiligungen umfaffcit lvird. Deshalb soll jeder Betheiligte erscheirren. Vom rnassenhaften Besuche hängt alles ab. Die gedrucUen Petitionen sind irr der Buchhandlung Bruno Thiel, 7. Bez., Mariahilferstr. 12 zu kaufen. Intimes aus dem Parlamente. Bekainttlicki ist man allerorts im Zweifel, ob Ehreu-Sckmeidcr ins Z.uchthaus oder ins Tollhaus gehört. Jeder ästhetische Riensch ivendet sich aber jedenfalls mit Abscheu Nun dein Anblicke dieses Individuums ab, das seine grauen Haare durch ein beispiellos unwürdiges Benehmen schändet; mit rollenden Augen und schäumendem Munde stößt er Töne aus, die jeder Vrantweinboutique zur Zierde gereichen ivürden. Doch es hieße Meister Stampiglius zu biel Ehre anthuu, lvollten lv i r uns noch weiter mit ihm beschäftigen. Rein, nicht von ihm tvill ich reden, aber schildern tvill ich den Anblick des ParlanrenteS, tvenn die süsze Cognäcstimme des ehrcntverten Debütierten von Rudolfsheim und Umgebung ertönr. Ihr glaubt tvohl, dass die „Edelstein Treibeit Jüdisches Volksblatt bessere Tbeil der Tapferkeit ist die Vorsicht! Wir wollen ihn aber doch an fein Gelöbnis erinnern, unparteiisch seines Amtes zu walten. Denn ein Bruch dieses Gelöbnisses wäre viel infamer als der Bruch des Ehrenwortes, das Kaiser seinerzeit Schönerer gab. Köstlich war ein Intermezzo, das sich nach Schluss der Rede ereignete, Zu den andächtigsten Zuhörern gehören eitrige feiste Pfäfflein, die zur besseren Verdauung ihres bescheidenen Früh stücks zuhören, tvie Schneider mit gleicher Virtuosität Judengüter rind Kirchengüter verschlingt und mit gleicher Grazie Päpste und Rabbiner beschimpft. Run tvar ihr Appetit tvieder rege geworden und Pater Kühschelm und Pater Axmann wollten sich in die Schwemme begeben, um den Geschmack nach den Juden von der Zunge hiitlvegznschtveiitmen. Axmann stieg gewandt die Wendel treppe hinab, er ist eben an Wandeln und Windungen gewöhnt Rieht so P. Kühschelm. Der Schlverpunkt seines Bauches gerieth be deutlich nach vorn und er wäre — man verzeihe bei einem Katholiken das barte Worr — unfehlbar gestürzt, wenn nicht ein Journalist der timt folgte, ihn heimtückisch am Genicke gepackt und vor dem Sturze bewahrt hätte. Wenn das der Schneider gesehen hätte, sagt darauf P. Kühschclm dankend. denn der Netter war ein Jude. 29. November 1901 Nr. 43 der Nation" sich mit Abscheu von diesem wahnsinnigen _ . . abwcnden oder mit edler Entrüstung ihm Schweigen gebieten [ Reihe an emen Relrgtonslehrer als würden. Da schätzt Ihr die Intelligenz dieser Herren viel zu hoch! jn der Voraussetzung, dass „Petites" ein; in hellen scharen strömen sie aus der Schwemme und dein Buffet herbei: alle ohne Unterschied der Partei stehen brüderlich beieinander, die Deutschfortschritllichen und die Elericalen, die Jungczechen und die Alldeutschen, und lauschen den übelriechenden Offenbarungen, die aus dem Munde dcö neuen InquisitionSapostels strömen; unmittelbar zu seinen Fügen sitzen Prvchazka und Wohlmehcr, seine Jünger. Hie und da hält Stampiglius in seiner Rede inne. sein getrübtes Auge sucht etwas — etwas fehlt ihm; ach, seine gelehrigsten Schüler Bielohlawe! und Gregorig sind nicht mehr da. Aber, wie gesagt, an Zuhörern mangelt es ihm nicht, und seine Schlager, Schussgeld, Ersäufen usw. werden mit allgemeiner Heiterkeit belohnt, die er dankenb guittiert; die Alldeutschen, die Lausbuben des Herrn Schneider, und die Partei des „Rabbi" Treuinfels sind die eifrigsten Klatscher, Lueger und Eonsvrten sind natürlich hors concours. Die Dentschfortschrittlichcn stecken vorsichtig die Hände in die Tasche und klatschen insgeheim. Eine. Schande ist aber das Benehmen einiger jüdischer^Abgeordnetcr aus Galizien. Diese haben doch den Ausweg, den Laal zu verlassen, wenn sie nicht den Muth haben, diese unflätigen Beschimpfungen sofort mit den gebührenden Ohrfeigen zu belohnen. Doch nichts von alledem ist der Fall. Diese entarteten Söhne unseres Volkes schlürfen mit Behagen diese Phantasie einer Bestie ein. Sic lachen und amüsieren sich — das ist ehrlos. Oder sind Sie anderer Meinung, Herr Tr. Kolischer. Einen letzten Gruß wollen wir noch dem Herrn Rittmeister auf dem Präsidentenstuhle senden; er scheint sich bei dieser Gattung von Witzen sehr gut zu unterhalten. Unterhaltung isr bei ihm Lebeusprincip; er suchte und fand Unterhaltung bei Herrn von Taussig, er unterhielt sich seinerzeit sehr gilt im Spital auf der ghnäkologischen Abteilung, er unterhält sich auch jetzt sehr czut im Parlamente. Aber das Parlament ist nicht dazu da, dmnil sich der Herr Graf unterhält und nur aus seiner Ruhe aufschreckr. wenn Herr Eisenkolü etwas zu sehr ins Feuer gcräth. Sie haben auch außerdem Pflichten, Herr Graf, und hoffentlich tonnen Sie, wenn Sie auch nicht der Vetter der Bourbons sind, so viel französisch, um zu verstehen: Noblesse oblige et fonetion oblige! Würdig steht ihm zur Seite sein Adlatris, der Viccpräsidcnt Kaiser. Bekanntlich wurde er deshalb zu dieser Würde erhoben, weil die Deutschen ihn für den Ungefährlichsten hielten und die Slaven hofften, dass er als Repräsentant der deutschen Nation diese unsterblich blcnnieren werde. Und diese Hofnfung täuscht er nicht; wie der berühmte Greis, der sich nicht zu helfen weiß, sitzt er auf dem Präsidentenstuhle; nur dann, wenn er einem Einzelnen,Isolierten wie dem Abg. Dr. Byk gegenübersteht, regt sich der germanische Heldenmuth. Die Erinnerung an seine Bravour im Falle Pollitzer lässt ihn nicht ruhen, und muthig lässt er von dem sicheren curnlischen Stuhle aus' seinen antisemitischen Instincten freien Lauf, getreu der Maxime seiner Gesinnungsfreunde, der Christlich-Socialen. Der WaS find „PetiteS"? Diese Frage beschäftigte in jüngster Zeit ein hiesiges Gericht. Ein jüdischer Kaufmann warf einem anderen vor, dass er nur „Petites" kaufe. Der Richter, dem die hieraus entstandene Ehrenbeleidigungsklage zur Beurtheilung vorlag, war in nicht geringer Verlegenheit, was er mit diesen „Petites" eigentlich anfangen solle. Er wandte sich in erster »Sachverständigen", gewiss ein jüdisch-religiöser oder vielleicht gar ein dogmatischer Ausdruck sei. Was kann man wissen? Der Herr Religionslehrer war der maßgeblichen Ansicht, „Petites" müsse vom lateinischen „vsrbum pstsrs" „anstreben", „zu erreichen suchen",also auch „auf unreellem Wege sein Ziel erreichen wollen", stammen. Andere herangezogene Sachverständige äußerten mehr Sympathie für die französische Sprache und verfochten den Standpunkt, der ominöse Ausdruck muffe mit dem französischenWorte ..pstitskO', Kleinigkeiten, wertlose Sachen, gleichbedeutend sein. Keines dieser Gutachten konnte die Befriedigung des mit diesem Processe heimgesuchten Richter? finden. Dieser fasste nun den ebenso geistreichen wie — originellen Entschluss: Eisenbach n'sum tsnoatis — Eisenbach, der Star der Budapester Orpheumgesellschaft, der Cultivator der ältesten jüdischen Lozelecher, muss heran und sein Gutachten abgeben. Eisenbach kam, sah sich im Saale um und besiegte die Zweifel des Richters: „Petites stammt weder aus dem Lateinischen, noch aus dem Französischen," entschied Gisenbach mit dem ihm innewohnenden Ernste. Petites sind eben Petites und Petites kaufen heiße unreelle Sachen kaufen. Der Angeklagte wurde hierauf freigesprochen, „weil" — wie es in der Begründung heißt — „er sich hinsichtlich der Bedeutung des Wortes in einem strafausschließenden Thatirrtum befand! Wir wollen nun die Herren „Sachverständigen" aus denselben Gründen ebenfalls nicht verurtheilen und es viel mehr in Folgendem versuchen, den wirklichen Ursprung des Wortes „Petites" nachzuweisen, ohne dadurch die res jucföcata tangieren zu wollen. Wenn jemand bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, hauptsächlich in Ungarn in der sogenannten lateinischen Aera, sein Recht suchen wollte, so musste / er bei der betreffenden Gerichtsstelle eine „petitura11, d. h. ein Gesuch um Aufnahme seines Processes, einbringen. Es gab auch damals schon viele, die durch ihre unzähligen Petita aus den geringfügigsten Anlässen oder um die Verschleppung der betreffenden Streitfrage zu erzielen, geradezu der Schrecken der Kaufmannswelt und der Gerichte wurden. Einen solchen nannte man einen „Petita-Mann" oder „Petita-Macher" zu deutsch: Processhansl. Man kann auch heute noch von manchen ungarischen oder galiüschen Juden hören, dass X. oder ein „Petite-Mann" sei, vor dem man sich hüten müsse, I ch : Ich darf also nach meiner Ueberzeugung und offen sprechen? P r ä s i d e u t : Gewiss t I ch : Nun denn! Nach meiner innersten Ueberzeugung ist dieser ganze Process ein großartig angelegtes Lügengewebe! Präsident (mich unterbrechend): Bedenken Sie doch, was Sie hier behaupten! Es kann doch nicht geduldet werden, dass Sie so viele ehrenwerte Fachmänner, einen ganzen Lehrkörper und so viele Zeugen falscher Aussagen bezichtigen. I ch Ich bitte, Herr Präsident, ich fühle wohl, wie schwierig meine Lage ist, indem ich eine Klage erhebe gegen etwa HO Zeugen. Präsident: Nehmen Sie Ihre Zunge wohl in acht! Ich: Und wenn ich das alles beweise? Präsident: Also sprechen Sie! I ch : Fürs Erste haben beide Herren Aerzte, oder wenigstens einer von ihnen, cs mit der Wahrheit und ihrem Gewissen nicht genau genonunen —; während der eine angibt, er habe dem Patienten eine Taschenuhr an das rechte Ohr gehalten und der Patient habe ihr Ticken nicht gehört, bei dem änderen Ohr, nämlich dem linken, habe er dieses Experiment wiederholt und gesunden, dass das linke Ohr das Ticken in einer Entscrining von mehreren Schritten deutlich gehört habe. —• Der zweite Herr Doctor hat demselben Patienten in das linke Ohr Wasser eingegossen und es sei ihm durch den Mund herausgeflossen. während das rechte Ohr gar nicht daraus reagierte. Welcher von beiden Herren spricht also die Wahrheit? Der Herr Präsident zeigt den anderen Beisitzern diese Widersprüche. Diese können sich eines Lächelns nicht enthalten. Präsident: Also die beiden ärztlichen Documente beweisen fast nichts. Aber die Zeugnisse der Lehrkörper von O. und T. werden Sie doch nicht bemängeln rvollen, da Sie doch mit Ihnen übereinstimmtcn. Ich: Nur so weit sie auf Wahrheit berlihen, denn der L. hört noch heute so, wie er vor Jahren gehört hat — mit dem einen ' Ohre! (Verblüffung der Richter und des Ptiblictims.) Ich muss es ferner sehr schmerzlich bedauern, dass sännntliche Lehrer der Volksschule in O. und der Bürgerschule in T. aus bloßer Parteilichkeit der Wahrheit ins Gesicht schlagen. Alle wissen sie so gut, wie ich,^ ivie es sich verhält - Nur ein eigenthümliches Schicksal hat dieser Process dass derjenige, welcher ihn durch seine Provoeation herausbeschworen hat, durch dieses Schicksal selbst zur Lösuitg dieses Rärhsels bestimmt ist. (Lautlose Stille und Staunen im Saale.) Präsid e tt t : Wen meinen Sie? i Während ich das Blatt aus dern Notizbuche deuc Herrn Präsidenten hinreiche, tvoriic auch die Bitte stand, an den betreffenden Schüler zur geeigneten Zeit die Frage zu stellen:) Ist es wahr? l I ch : Ich meine den Blass, welcher der Urheber der Sch ln-' gerei ist und zugleich dieses rntseligen Processes. Er selbst hat zu * 1 mir in Gegenwart sämintlicher Avcndschüler gesagt, dass alle Schüler der betreffenden Elasten nicht bei L. sitzen wollen, weil ihrn immer eine übelriechende Flüssigkeit auS dem Ohre fließt, und in mehreren Jahrgängen mussten ihm deshalb die Lehrer einen isolierten Platz anweisen. i Präsident (zu Blass): Ist es wahr? ' In der ersten Ueberraschung hatte der Schüler die ihm vorn Advocaten zum Einstudieren gegebene Antwort ganz vergeben und platzte heraus: Ja, es ist lv a h r I tt n b I h r wisset es doch a u ch! Kein einziger meiner Schüler hatte cs gewagt, mir gegenüber eine lügenhafte Antwort zu geben, und sie siengen an, die Schuld von sich selbst auf den anderen zu schieben. — Die Entlarvung war gelungen.^ Die acht Väter der verführten Kinder machten eine echte Armesündermiene; denn diese Ueberraschung stand nicht im Recepte, tvelches der Advocat fünf Monate gebraut hatte (Das Gmurmel dauerte so lange, bis der Herr Präsident Schweigen gebot.) Ich fuhr unaufgefordert fort: Ich kann es zwar nicht begreifen, wie es möglich ist, dass so viele Lehrer ihren Schülern mit einem solchen Beispiele vorangehen können. Der Grund ist einleuchtend. P r ä s i d e n t : Vergessen Sie sich mir nicht! Habeli Sie noch clivas auf dem Herzen? I ch : Noch diese Zeugin hier muss ich anklagen. Sie hat den L. jahrelang curiert lind es hier verletignet, trotzdem sie von G. Geld genommen hat. damit sie hier die Wahrheit bezeuge. Das haben auch sämmtliche Schüler schon früher bei rnir gesagt. So sank das ganze Lügengewebe in ein Nichts zusammen. 6. _ Die Situation hatte sich also ivie mit einem Zauberschlage zugunsten des Angeklagten geändert. Die meisten und wichtigsten Belastungszeugen waren aus ihrer cinstudierten Rolle gefallen, harten ihre srüheren Aussagen toiderrufen uild klagten auch die Quacksalbertu der falschen Zeugenschaft an. Die ganze Bcrsanunlling glich nun einem ausgestörten Bienenschwarm. Das Gesticulicren tmd Murnielil nahm erst daiili ein Ende, als der Präsident rviederholt zur Rlihe ermahilte und an die Eltern sowie an die Quacksalberin eine derbe Strafrede hielt und hinzufügte, dass es ihm unbegreiflich scheine, dass auf ein verabredetes Zeichen so viele Lehrer mld beide Aerzte sich betvogen fühlten, die Hauptsache zu verschweigen. Dann sagte er i» gleich strengem Tone: Bisher hat es sich mn eine schlvere körperliche Beschädigung gehandelt, welche für den Vetreffendeil von unberechenbaren Folgen für dessen Zukunft ist. Nuil stellt eS sich dar. dass hier nur eine leichte körperliche Verletzung vorliegt. — Der Angeklagte G. wurde zur Tragung sämmtlicher Gerichtstoscen vernrtheilt und ihm bedeutet, dass ihm gegen setice Gegner der Rechtsweg freistche. Die Statioir O. genießt die Begünstigung, dass ihr immer ein. Waggon zur Verfügung steht, daher kamen alle Betheiligten am der Rückfahrt wieder zusammen. Die Unterhaltung tvar für mich leine ailgeitehme. Alle warfen mir giftige Blicke zu. Einer sagte bloß: Es tvar vorauszusehett, dass ein Jude bei dem andern halten wird. G. hatte eine Station tveniger zu fahren und entschlüpfte, toährerid ich geztvutlgen war, bis zu Ende mit meinen nunmehrigen Feinden die Fahrt fortznsetzen. An der Endstation flüchtete ich mich in ein Kohlenmagazin, tvelches ein Bekannter inne Hane. In der Dmnmenlng gieng ich auf eircern Umwege nachhatise. da er bei jedem Geschäfte gleich an eine „Petite", d. h. an eine Hinterthüre denke, durch welche er im Wege eines Processes seinen Verpflichtungen entschlüpfen könnte. „Petites kaufen" ist nun die Zusammensetzung dieses Wortes. Jn dieser Satzbildung habe ich dieses Wort übrigens bis jetzt nur in Wien gehört. Wer sich jedoch mit Etymologie befasst und hauptsächlich dem Ursprünge mancher Jargonwörter nachgesortsch hat, wird sich nicht wundern» hier eine jener philologischen Erscheinungen wiederzusinden, wo der Sinn für die Sache genommen und zum selbständigen Begriff wurde. So gestaltete sich mit der Zeit im Volksmunde die unreelle Absicht des Petite-Maitnes zu einem unreellen Geschäfte in „Petites" selbst, welche nicht gekauft werden dürfen. Jakob Krauß. Wochen-Programm der Toynbee-Halle. Sonntag den 1. December: Dr. Heinz Kobn: Ueber Schuld und Strafe. Montag den ‘■l. December: Dr. Hermann Engländer: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienstag den 3. December : Adolf Steinschneider: DiejüdischenWohlthätigkeitsanstalten in Wien. IV. Das israelitische Mävchenwaisenbaus. Mittwoch den 4. December: 9t. S ch e r b a k: Römische Charakterbilder mit Rücksicht auf die jüdische Geschichte. Donnerstag den k». December: Dr. S. §kornfeld: Aus der Seeleulehre. Freitag den 6. December: Dr. Grüll: Bibelerklnrnng der Sidra. Samstag den 7. December: Concert: Musik, Gesang. Die Consnmsteiker im Reichörathe und Justizministerium. Aus Mähr.-Ostrau, den 21. November wird uns berichtet: Gestern hat hier neuerlich eine von nahezu 300 Personen besuchte Versammlung der vereinigten Gastlvirte und Kaufletlte des Bezirkes Mähr.- Ostrau tu Angelegenheit der Coltsumsteuerabgabe stattgefmtden. Nachdem mehrere Rcdrier gegeit die dermalen hier und in anderen Städten übliche Handhabung der Consumsteuereüchebuitg Stellung genommen und die Durchführung der Einhebuug ttach dem Muster von Wien und Bri'utrt gefordert hatten, wurden folgende Beschlüsse mit Stimmeueiithelligkeit gefasst: I.Es sei mr das Justizministerium eine Eingabe zu richten dahingehend, dass den von der Consuurstcncrpachtung mtgestellten Aufsehem die Rechte eines Amtsorgartes nicht zuerkaunt werden, wie es jetzt der Fall ist, nachdem die Con- 'teuerpächter Privatunternehmer und daher mich die von ihnelt rngcstellten Personen lediglich als Privatpersonen zu betrachten ind. 2. Eilte dasselbe Ziel verfolgende Petition ist durch den ReichsrathSabgeordnetcn Herrn Dr. Mar Menger dem Neichsrathe überreicheit zu lassen tmb soll in dieser Petition gleichzeitig atrch die Schaffung eines einheitlichen Regulativs bezüglich Einhebung der Consumstener für Mähren und Schlesien angesprochen werden, nachdem die Vollzugsborschciften für jede Stadt andere tmd den heutigen Verhältnissen nicht angepasst sind. 3. sollen die consumlteucrpflichtigen Unternehmer aller Gemeindeit von Mähren und Schlesien durch Circularschreibett aufgefvrdert tverden, gleiche oder ähnliche Petitionen a,n den Reichsrath zu richten. Endlich wurde noch beschlossett, gegen die letzte Elttscheidtmg der Stadtgemeitrde bezüglich einer die Abstelluitg verschicdetter llebelstände bezweckendert Eiltgabe der Gaftivirtegeitossenschaft den Recurs an ben Landesausschuss zu ergreifen. Mit der Durchführung der vorstehenden Beschlüsse wltrde ein ans dem Ausschüsse der Gastwirtegenossenschaft und drei Vertretern der Genossenschaft freier und confessionierter Gewerbe bestehendes Comitee betraut, und wurde zur Bestreitung der damit verbundenen Auslagen ein eigener Fonds gebildet. Gemeindeleben. Retz. (Or.-Corr.) Zu dem Berichte „Retz, 15. d. M." in der Nuntmer 40 Ihres geschätzten Blattes geltatten Sie mir die Bemerkting, dass die Schilderung der Berhältnisse ihrem Inhalte nach das Gepräge der reinen urrd vollett Wahrheit trägt, ja, dass sich noch viel mehr sagen ließe. — Herr Religio ns lehre r T. hat durch seine vielseitigen Mühen so manches gebärende Verdienst um urtser internes Gemeindewesen sich erworbert. In erster Richtung ist derselbe stets bestrebt, Ruhe und Ordnung in unserem Tempel herbeizuführcn, um so die Andacht zu heben und tt fördern und den stark herrschenden Jndifferentismus theilweise inzuengen. Solches findet aber nur getheilte Zustimmung, und so wird er von den wenigen „Friedensstörer" genannt! Eine Mzeichnung, die ganz ungebürlich ist und mit aller Energie zurückgewiesen werden muss! Wo und wann immer schroffe Gegensätze auSzngleichen waren, tvar es immer Herr T. in erster Richtung, der dieselben beizulegen bemüht war, waS zum großen Theite auch stets gelang. Besonderes Lob sei ihm gewidmet für seine steten Anregungen zur Anschaffung von silbernen usw. usw. Im Wege von Spettdert und Santntlttttgen, um die sich besonders Herr König urtd Herr Max >Kurz bemühten, gelang es, den Anschaffungstvert voit ca. 200 Kr. herbcizuschaffen, ohne auch nur einen Heller der Cultuscasse zu cnttiehmeu. Aber auch nach außehin sucht Herr T. das Ansehen unserer Gemeinde zu hebe«. Beweis hierfür, dass aus Anlass eines patriotischen Festes der Herr k. Bezirkshauptmann dort Oberhollabrunn, sowie andere Corpoatwncn unseren Tempel besuchten, sich sehr lobertd und mterkeunend cmssprachen, ein Ereignis, daS in Retz niemals geschehen. Atax Kurz, Tempelvorsteher. Die Leitung des Leopoldstädter jüdischen Frauen-Wohlthätigteits-Vereins und Kaiserin Elisabeth-LehrmädchenhorteS in Wien hat in der letzten Vorstaudssitzung den Beschluss gefasst, in der henrigelt Saison von der Abhaltung einer Wohlthätigkeitsvecaitstaltmtg # abzusehen. Dieser Entschluss mag für den Augenblick tvohl befremdend erscheilt, insbesottdcrs wenn bedacht tvird, dass die bisherigert Veranstalttlugeit sich nicht m\x großer Theilnahme seitens des PubltcumS erfretlien, sondertt attch ttichi utüvesentliche Erträgltisse für die Vereiitszlvecke abwarfen. Die Freunde des Vereines weroert aber diesett Entschluss gewiss billigen, wenn sie den Grrmd kemmt lernett, der zu demselben Vcraitlasstutg gegeben hat. Wie bekannt, hat der Verein Vor einigert Jahren den Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort inS Lebeit gerttfen und sich hiermit die Aufgabe gestellt, anrtc, hauptsächlich vertvaiste jüdische Mädchen getverblicheu Berufeit zuzusührcn und diesen Mädchen währettd der ganzen Dauer ihrer Lehrzeit mteittgeltlich Unterkuttft, Kleidung und gänzliche Berpflegnug tut Horte zu gewähren. Die Anforderungen, welche in Sinne des Wortes segensreich wirkende Jttstitukion zu schreiten. Soll diese Arbeit von Erfolg begleitet sein, so bedcncf es der vollen, durch nichts beeinträchtigten Thätigteit; dass aber die Abhaltung einer Wuhlthntigkeitsveranstaltung die Kräfte des Vereines zersplittern und von der auf die Festigtmg tmd Ausgestaltung des .Hortes geriehtetett intensivett Thättgkeii ablenken müsste, bedarf wohl teiiter lveiteren Erörteruitg. Es ist zkveisellos, dass die Mitgliedelc und Gönner, die ja gctvisü mit regstem Interesse das Wirken deV Vereiites verfolgen utid an der Verivirtlichung der Humanelt Bestrebttttgeu regsten Antheil nehmen, den vorerwähnten Entschluss gntheißen lverden und man darf rvohl der sichern Hoffnung sein, dass buvd) den Entfall einer Beranstattultg die Opferwillrgkeit der verehrten Freunde des Vereiites fcittcn Abbruch erleiden wird, sondem dass die Mitglieder und Gönner anstatt durch Abnahme von starten lieber durch Zuivendtiitg von Spenden, welche daS „Jüdische Volksblatt" zu übernehnten und auöznweisen sich bereit erklärt, daS Aufblühen des Vereines nach besten Kräften zu fördern bestrebt sein werdeit. Ist cS ja doch ein Ziel, das alle verfolgen, dem alle von Herzen zustrebcit: die irattrige Lage der armen, unglücklichen Wittven ltnd deren Kinder und den bedauernswerten, oft dem grössteit Elertde preisgegebenen Lehrmädchen zu ehrlicher Arbeit herartzuziehen und ihrteit 'hierdurch den Weg zum selbstältdigen, ehrsamen Erwerbe zu erösfnelk. - - Möge der Appell au daS edle Herz der

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