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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. November 1901 Seite 3 die katholischen Gegenden geschleudert, tun das Bußsacrainent, solvie bcffcit Spender zu verunglimpfen. Ganze Fuhren wurden über die schwarzgelben Grenzpfähle verfrachtet." Jetzt wissen wir es. Graßmann, der Verfasser der Liguoribroschüre, war ein Jude, und die Kosten dieser gcmzcn Agitation Haberl wahrscheinlich die Juden getragen. Loisl schlicht diesen Theil seiner Ausführungen mit den Worten : „Es wird eine Treibjagd auf die Kutten angesagt, Iveil der Kaftan in Gefahr ist, ausgeklopft zu werden." Damit krönt er sein ganzes fürstliches Lügengebäude. Wahrlich selten ist der Wahrheit so ins Gesicht geschlagen und die Dinge so auf den Kopf gestellt worden. In Wirklichkeit sucht der Pfaffe und seine Helfershelfer den Unwillen der Menge, der sich immer bedrohlicher gegen die Liguoricompagnie wendet, auf die Juden abzulenken, auf seine betvährten Prügelknaben, wie wir seinerzeit in diesen Blättern sagten. Ein Mann van der Begabung Liechtensteins durchschaut dieses Spiel; aber er hilft mit, weil er, der Repräsentant der modernen Latifnndiemvirtschaft, die Aufmerksainkeit des Volkes von den B o d e n lv u ch e r e r n auf das nwbile Capital, dos lange nicht so schädlich ist, wie das todte Capital der Kirche nnd der Bodemnonopolisten, lenken!vill. Dazu verband sich Prinz Loisl seinerzeit mit den Anarchisten; dazu verbindet sich Loisl jetzt mit dem dummen Kerl von Wien, den Christlich-Socialen, und ihren gescheitem Acteuren, den Jesuiten. Kleine Chronik. Inland. Die „Jüdische Volksbibliothek" wurde am 1. November d. I/ eröffnet und bietet den Mitgliedern des „Jüdischen Volksvereinesfür welche dieselbe zugänglich ist, eine neue Quelle zur Förderung ihrer intellectuellen Interessen. Die Bibliothek ist jeden Sonntag von 9—10 Uhr vormittags und jeden Mittwoch von 6—7 Uhr abends geöffnet. Die weiteren Bestimmungen enthält die im Vereinslocale (II. Bezirk, Leopoldsgaffe 49) erhältliche und aufliegende Bibliotheks- Ordnung. Der „Jüdische Volkverein" an der Arbeit. Nach längeren Vorarbeiten ist am 18. d. M. ein neuer Zweigverein des ,Jüdischen Bolksvereines" für den XVI. und XVII.. Bezirk gegründet worden. Die constituierende General-Versammlung fand in K o h n s Gastwirtschaft,' Hellgaffe 7 statt und wurde vom Proponenten Herrn S. Deutsch mit einer kurzen Änfpräche eröffnet. Hierauf schlug er der Versammlung folgende Herren, die schon bisher als Vertrauensmänner der Jüdischen Volkspärkei sich bewährt hatten, als Ausschuss-Mitglieder vor: Karl B t er, Simon . D e ü t sch,.. Salomon F u ch S, Arthüt U nie r b e r g) S. <5 chi ck l er, .Jakob Ho lzer, Josef W e in b er g e r, Samuel Fischer. Die Anwesenden nahmen per acclämatianem diese Liste an. Nachdem die Herren Beer und S ch i ck l e r im Namen der Gewählten gedankt hatten, schloss der Vorsitzende die Versammlung mit. dem Hinweise, dass in der nächsten Zeit der Verein mit einer Programm-Versammlung an die weite Oeffentlichkcit treten werde. Der , Jüdische Volksverein" kann mit Befriedigung darauf Hinweisen, dass es ihm gelungen ist, zum erstenmale in diesem Bezirke die Fahne der nationalen und wirtschaftlichen Concentration des Judenthums zu entfalten. Anerkennung verdienen auch die wackeren Vertrauensmänner, die auf diesem entlegenen Gebiete sich in den Dienst der jüdischen Sache gestellt haben. Natur aus entgegcntreten. Nationale Politik treiben heißt, alle ihrer Natur nach einseitige»» und vorübergehenden Zeitströmungen daraufhin prüfen, ob sie in den Rahmen des einheitlichen Volksbewussrseins passen oder ihm entgegenstehen. Nicht sowohl der Unterschied der Sprache als vielmehr die Unterschiedlichkeit in der Auffassung der Ideale einer Gemeinschaft wirken trennend, und die Sprachenfrage hierzulande konnte darum nur so brennend werden, iveil inan die Sprache eben vorher znm nationalen Ideal erhoben hatte. Wollten wir nicht bloß die ruhmreiche Geschichte unseres Volkes anrnfen, wollten lvir es zumindest als fraglich hinstellen, ob ein Volt je aufhören kann, Nation zu sein, ohne in allen Punkten assimitterr zu erscheinen, so dürften wir uns auch auf den Eindruck berufen, den lvir Juden auf die uns umgebenden Völkerschaften nach dieser Richtung hin macheil. Glicht bloß Kant spricht von der Nation seines Freundes Mendelssohn. Nicht bloß Napoleon beruft zur Regelung der politischen iLtelluug der Inden seines Weltreiches ein Shnhedrioil dieser Natiorl; selbst judenfeindliche Beobachter erkennen in unserer Gemeinschaft eine- Nation. So z. B. leistet sich Voltaire an einer Stelle den Ausspruch: „Diese kleine jüdische Nation wagt es, den »»»»- versöhiilichen Hass gegen alle Völker auf seinern Zuge durch die Geschichte mit sich zu tragen". — Und solche Ausführungen ließen sich ins Zahllose vermehren. Doch davoil abgesehen, spricht für die Thatsache, dass das Judellthum eine Nation ist — die unleugbare Einheit des jiidischen Volksüewnsstseins, die ununterbrochcile Folge der Einwirkung der jüdischen Enltur auf alle Bekenner des Jndenthums von den ältesten Zeiteil bis in die Gegenwart. Diese innere Eillheit, die ein Mann erkannt hat, der den Zusammenbruch des jüdischen Staatslvesenü anb des religiöseil Heiligthumes mit angesehen, ein Mann, vor desseil Augen der jüdische König und die Fürsteil »nid alle äußeren N'atioiialgüter fielen »ild dahiiisanken, der Prophet Jeremias, der da ausruft angesichts der ra»iche>lde>l Trümmer Jerusaleins und des gefangen^lveggesührten VolkSrcstes: „Also spricht der Ewige, der bestellt die ^onne zürn Lichte bei Tage, des Mondes lind der Sterne Gesetze znm Lichte in der Nacht, der anftvühlt das Meer, dass seine Wellen brausen, Elviger der Herscharen ist sein Name: Wenn diese Gesetze voll mir lveicheil, so soll auch die Nachkommenschaft Israels aufhören eiil Volt vor mir zu fein alle Tage." Diese innere Einheit uilseres Volkes aus solchem Munde doellmeiltiert, z»l solcher Stuilde beschlvoren, ist ein Zeugnis dafür, dass inan durchaus ilieht in das Judeilthlim darin Nichtenthaltenes hineiilträgt, wenn mau den nationalell Gedanken darin finden »vill, sondern dass er sehr wohl darin enthatieni ist und in der Sittennnd Cultlirgemeinschast unserer Väter zu allen Zeiten uild an allen Orten feine Ausprägung findet. In» Alterthmil, zlir Zeit uilserer natio,lalen Blüte, stand der Jungjüdische Lyrik. Am 20. d. M. fand im Festfactle des Jüdischen Volksvereines eilt Vortrag Adolph Donaths statt. Donath las eigene Gedichte; sie bildeten gleichsam ein Bild seines Entlvickluugsganges. Anfänglich scheint der Dichter der Wucht der auf ihn anstürmenden Gefühle fast zu erliegen; später klärt er sich, imd seine Gedichte zeigen deir Dichter in harmonischer Vollendung. Donath ist einer der ersten, die denk Zuge nach Bodenständigkeit auch auf jüdischen: Gebiete folgten; er sucht nicht nach berühmten Vorbildern das Judenthum zn überlviikden oder zu verlvindeik, oder gar ilach minbeu berühmten Vorbildern zu ver- Icngiien — nein, er ist sich seines Judenthums bewusst und schöpft aus ihm die Begcistermlg zu seinem Schaffen. Seine Nationalität ist ihm die Qualle seiner Poesie, wie allen, gottbegnadeten Künstlern. Erfreulich war es auch zu sehen, wie das Publicum seinem Dichter immer näher und näher kam, wie der innige geistige Contact zwischen dem Volke nnd seiirem Sprecher entstand, bis schließlich alle Hörer in lauten Jubel ausbrachen. Besonders das formschöne und inhaltstiefe „Nahcl" packte die Anwesenden, und alle bedauerten, dass dieser schöne Abend ein so kurzer war. Wir hoffen., Donath noch oft am. Vorlesetisch zu begrüßen, denn feine sympathische, von jeder Ziererei freie, sonore Stimme drängt ihn förmlich dahin. Also auf Wiedersehen. Die jüdische Feigheit. Man ist auf eine neue Zeitkrankhcit gckonnnen. Die „jüdische Feigheit" muss mau sie nennen, weil sie eine ganz prononcierte Färbung hat m»d an den mnthigsten Herren nnserer glorreichen Zeitcpoche znm Vorscheine kommt. „Feigheit" im engsten Si»»ne des Wortes ist eine Schwäche, keine Krankheit. Den Herren aber, an denci» die neue Krankheit bemerkt wird, ist die Schwäche fremd; sie kaiin ihnen nicht zngemnthct iverden, weil in ihrem Mnndwcrk eine Welt von Kraft steckt, die keiir Znrück- »veichen kennt. Es kann also nnr eine Krankheit sein, welche diese Kraft lähnit, de»» gestählten Arm sinken lässt. Eclatant trat die Krankheit jüngst im Gerichtssaale zutage. Zwei chrcngcscymückte Männer, Träger der goldenen Kette und graduierte Männer der Ehre traten vor die Schranken und bekannten sich zu dieser Krankheit. Der eine zwar nannte sic nicht beim Namen, der andere aber steckte sie imnhig heraus und bekannte, dass er mit ihr behaftet sei. „Weil der Gegner ein Jude sei, habe er sich nicht mit ihm schlagen Ivollcu;" so sagte der zweite Bürgermeister der Haupt- »ind Rcsidc»»zftadt Wien und eick schuldigte dainit den Vorwurf der Feigheit, den ihm ein Soldat, ein hoher Officicr, ins Gesicht schleuderte. Er trug noch inehr. Das Wort „Lüge" brannte ihm derselbe Officicr hocherhobeucn Hauptes auf die Stirne, und der kettengeschmückte Bürgermeister, der graduierte, ehemalige akaidcmischc Bürger,:gieng'mnt/dom 'Brandmal, ruhig fort- . . So verheerend wirkt die. Krankheit, iin menschliche»» Empfinden, macht Heldenzu Memmen,. Volkstribuuei» zu Lügner»» .»»»»d -berüchtigte Raufer zu feigen Schnapp hähgci». . Die Krankheit hat die ganze .wehrhafte Studentenschaft entwaffnet; vor einer truminen Nase nimmt sie Reißaus, vor-einem ^verdächtigen" Main.» ienkt sie lyehr-.^ 'los, de»» ^Schläger; ein. omigöses Riifzeichep.hinter einem. Nachen genügt,- eiste, ganze 'Scharststlä^rbcivafsnetcr Söhne der ’alnuy 'matejr iii die Flucht zu jagen. 'Und die Krankheit wird oft hervorgenifen durch HallnciuationenI Wenn znm Exempel im Processe, den wir obei» citicren, der Gegner erklärt, er sei von christlichen Eltcri» geboren. sei»» Urgroßvater schon wäre Ehrci»bürger voi» Wie»», also keil» Jude gewesen, die Krankheit lässt den Betrofsei»cn doch »»icht ans; die Feigheit ist stärker als die Wahrheit und der von ihr Besessene trägt lieber den entehrende»» Stempel, als dass er sich gegen sie stellt »md das blnrbedreueiide Rapier zur Hand nimmt. Allerdings ist ja in der Zeit des.berühmten Giimdsatzes: „Lieber feig als duinin" die Krankheit leichter zu tragen, als eine entkräftende Blntabzapfung; trotzden» aber bleibt es »»»»begreiflich, dass die Krankheit solche Massen »mgehi»»dert ergreifen kann. Die allerstolzeste Jugend des stolze»» Dcutschvolkes ist verse»icht von der Krankheit. Nationalis»»n»s iin Jndenthum nicht höher u»»d »»icht »»iedriger als zn allen Zeiten. Und ob er auch durch d»e Diaspora immer mehr an Begrenzung durch objective Merkmale, durch äußere natürliche Anhaltspuukte ei »»gebüßt hat, so ist doch sei»» Wesen, die »»ationale Einheit, durch geistige That u»»d historisches Lebe»» erhallen und durch gen»cii»sa»nes ethisches Wollen auf religiöser Basis stets erneue»! ivordei». Dieser ideale Nationalismus wurde jedoch nicht etwa in Israel gezüchtet, so,»den» war »in Volke vorhanden n»»d entwickelte sich a»»s diesen»'heraus. Die vielfachen Beeinflussungen aber, die er durch die Thora und die Religion Israels erfahren hat, zeugen höchstens von feiner Uebermacht und dem Bestreben, ihn »»iernals i»»s schädliche Extrem ausarte»» zu lassen. In Israel entwickelte sich der eingeborene Nativnalisinus gleichwie in jeden» anderen Bolle, sowie erwa Zorn, Hass, Rachsucht allgemein menschliche Faetore»» sind, denen jedes Jndividinnn unterließt. So wie diese aber durch die Ethik gezügelt nnd geregelt werden, so zügelte und regelte die Religion den Nationalismus in Israel. Darum war hier kein Boden für nationalen Ehmlviuismus. Ja, »nai» könnte »»och »veiter ge»,en r»nd nicht bloß das ethische Moment in der Ei>»schräl»tung des Nationalismus erblicken, welche die Thora vornimmt. indein sie den Israeliten im Hi»»weis ans seine Vergangenheit in Aegypten vor Chauvinismus schützt; inan dürste vielleicht auch behaupten, dass die scheinbar kosmopolitische Missio»», welche die Propheten als veredelndes Pfropfreis an den Stamrn dos Nationalismus gefügt, einen weser»tlichen Antheil habe ai» den» llmftnnbe, dass Israel seine großen nationalen Krisen so glücklich überstandcn hat. Als letzte»', hervorragendster. Beweis für den Nationalismus im Judenthum sei noch die erstarniliche Conti,mität des iüdischei» Geistes angeführt. Diese ist bei den Juden z»» allen Zeiten sehr groß gewesen. Wie die ganze Literatlir und das Leben derselbe» dies. l>eweist, das vern»ag und brmicht hier nicht lveiter erörtert ziy werde»». Es ge»»üge, ans einzel»»e Thatsachen als Beispiel hinzulveise»». In allen Synagogen »vird die Ge»nei»»de heute noch mit denselben Worten gesegnet, ivelcye in ältester Zeit yierz»» proklamiert »uurdei», in jebem jüdischen Hause »vird heute noch jedes Kind von feinem Vater mit den Worte»» gesegnet, deren sich Jacob dereinst bedient hat. Und welches Gelvicht legten in nachprophetischer Zeit die Rabbiner» und Schriftgclchrtci» auf die Eoutiiruität des Geistes. ,,Mau^) darf vielleicht ohne alle Uebertreibnng sage»»: In der Eo»»tinnität des Geistes liegt die Lösr»ng des RäthselS, dass der kleine Volksstnmrn der Inden sich an» Leben erhalten hat, wührc»»d alle die großen und »nächtigen Nationen des Alterthnms zugrunde gegangen sind." „N'icht genug kann dieser historische U»»terschied deS jüdischen gege»» andere *) Lazarus, Ethik deS Judenthums. Wc»»u ein deutscher Farbe,»student von nationaler Schärfe eine Hcrairsfordeniiig erhält, beleidigt oder ai»gere»npelt »vird, befällt »hi» die Krcu»kheit. Er rennt dann in die jüdischen Matrikelämter, schlägt^ in allen Kirchenbücher»» nach, und »venu vor mehr als hundert xzahrcu ein Vorfahre des Gegners eine hervorragende Nase iiiitlt nuithig verlcugnete, »vein» er sic auch nr»r mit Tauftvasser »misch sv trägt der j»»»ge Recke allen entwürdigenden Schimpf, de" entehrenden Vorwurf der Feigheit und bleibt ein »»ugeschlageucr „teutscher Held". Dass Gott erbarm'! Was doch diese Juden für Unheil stiftcnl Nicht nur da? Mark, auch die' Ehre saugen sie den» arincu deutschen Volle a»»s der Brust; eine der sieben Krankheiten Aegyptens haben sic über Wotans Kinder hcrabgefleht! Wohin soll es kommen, »vein» das so fortgcht! Wie viele Meuschcn gibt es auf der Welt, die in ihren» Stmumbaum nicht einen kleinen gelben Fleck zi» entdecke», vcrn»ögen? Seit den» »»»»lvidcrsprochcnen Missgeschicke ii» der o'a»»»ilie des Roseua»»cr Do>»»»ar ist »vohl kan»»» daran zu glauben, dass die eifrige Forschung nach dem Judeup»l»ikt nicht allgemach acht Nc»u»tel des deutschesten Volkes höchst „uusicherer" Abkunft erscheine»» lässt; dann ist das restliche Neuntel der furchtbarcn Krankheit ausgeliefertl Wo pflanzt dann Wotan seine Haine, wo übt das deutsche Edclvolk seine ritterlichen Künste? Seine besten Söhne haben die fnrchtbare Krankheit eingeschlcppt; feine entarteten. die frommen Augcnverdrcher haben sie verbreitet, »veil sie ihrem körperlichen Wohlbefinden zustatten kam. Beleidigt ein Wotanjünger heute einen Knappen des schönen Karl —: „Du bist ein Jud', mit Dir schlag ich »»»ich nichtI" tönt es ihm dröhnend entgegen ..Ringsum Juden" hat die fürchterliche Krankheit geschaffen. Man ist seines Christcnthnms kei»»e Stunde sicher, m»ch »veni» der Urahne gegen die Saracenen ausgezogen ist. Er kam» ja zufällig mit einer Saraceneninaid ei», „Gspusi" gehabt haben und das iindcutsche Blut ist eingcschleppt in den reinen Stamrn, der mu» »»icht inehr zu arten ist. Eigentlich ein granenvolles Schicksal, das ■ die liebenden Söhne der Gerinania ihrer Mama bereitet haben; aus lauter Liebe! Mutter Germania »vird selbst bald einen Taufschein brauchen, nu» vor de», Kampfgeirosseu der Porzer, Max Löws,' Tacharis und Schmnl Leb Koh»»S ihre Reiirheit zu vertheidigeu; ,»icmaud ist hcrlte mehr seines Deutschthums sicher, »veil bekanntlich das Anti-J»identhilm keine Glaubeirs-, sonder», Rassenfrage ist, und weil dies Herumziehcr» in den Ländern der gl»»tvollen Somre und der glutvollen Frauen die deutsche», Kreuzfahrer z»» sehr — „ent- »»ationalisicrt" hat. Die „jüdische Feigheit" droht das ganze Edelvolk zu verwüsten: „Wotan, schütze eö vor deine», beste», Söh»»enl" Aus dem Herrenhause. Das Schicksal der Gewerbenovelle ist so ziemlich entschieden. Die volkswirtschaftliche Commission des Herrenhauses hat beschlossen, entgegen den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses den Hausierhandel mit Blumen zu gestatten. Damit sind sicher nicht speciell unsere Wunsche erfüllt, die darauf hinaus giengen, die §§ 59 und 60 zu stürzen; wenigstens ist aber die Annahme der Vorlage. hinausgeschoben, da, sie an das Abgeordnetenhaus zurück muss. Vielleicht bedeutet diesmal : aufgeschoben ist aufgehoben; denn die Fortexistenz des Abgeordnetenhauses hängt nur an einem. Faden. Das. Damoklesschwert des § 14 droht wieder dem Parlamente; überall spricht .man von Auflösung, und Beginn, einer absoluten Aera. Veäeremo., .J.J' Vortrag Lueian. Bruuner. Am Mittwoch den 27. d.' M. 8 Ühr abends findet im großen Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" ein Vortrag des Herrn Lueian Brunner über „Judenthum und Cultusver- »valtung" statt.' Makkabüer-Feier. Der „Jüdische Volksverein" für den VIII., IX., XVIII. und XIX. Bezirk veranstaltet im December eine Makkabäer-Feier im großen Stile, welche, nach den getroffenen Vorbereitungen zu schließen, zu einem von echt jüdischem Geiste getragenen Feste zu werden verspricht. Der Reinertrag des Abends, bei »velchem hervorragende Kunstkräfte Mitwirken, wird dem „Jüdischen Schulverein für den IX. Bezirk" zur Bekleidung armer jüdischer Kinder überwiesen. Das Arrange- Völker hcrvorgehoben iverden. Ueberall sehen wir ^— dasern die Nationen nicht ganz und gar aufgelöst, »veil ihre Glieder von der» siegreichen Völker», aufgesoge»» tverden —1 wie dem» die späteren und heutigen Griechen keine Griechen, die Rö»ner keine Römer »nehr si»»d, überall sehen »vir, dass der Zerfall des Staatslebens die Völker zum Jirdividualismus führt. Bei de», Juden allen» tritt eine »»eue Art geistig - sittlicher und religiös - »vissenschaftlicher Einheit, ein eigenartiges sociologischcs Moment hervor: Das durch die geistige Contilmiint bedingte Festhalten am eigenen Gesetz, an den überlieferten Priucipien der Lebensführung, anstatt mit der geistigen Invasion des Siegers zu pactieren." Die Fortenttvicklung und der Ausbau des Ueberkornmenen im historischer» Geiste ist ebenso eine nationaljüdlsche Eigenart als umgekehrt eine f»»ndamei»tale Stütze des Nationalismus im Jndenthum. Diese Contiuuität des jüdischen Geistes ist ein Bottrverk gegen alle Assimilatiousgelüste und bient somit in, vollste»» Sinne dem Nationalismus. Sie erzeugt jenen ideale», Nationalismus, dessei» Wert nicht in uatioiialen Aeußerlichkeiten liegt. Er ist »»ichtsdestolveniger so hervorstecherid, dass ein Mominsen darin auch die Religion des Judenthnins findet und an einer Stelle den Ausspruch thut: „Ihre (der Juden) Nationalität oder, was auf dasselbe hiuauskommt, ihre Religion". 1l»»d in der That, was das Jude»»thum letzten E»»des nicht assimilierbar »»»acht, ist und bleibt doch seine Religion. Das hat es betvieseu, als es sich unter stammverioaudter» Völkerschaften be- »vegte, nicht »ni»»der wie in der überreichen Geschichte seiner Martyrologie unter arisch-christlichen »»nd heidnischen Völkern. Religion und Naiiv»»alism»»s stehen in» Jildenthu»»» i», einer gewissen Recipcocität, und nnr durch ihre Hannonische Verbindung und Verschnn'Iznng kann das Judenthnn» sich entwickeln und fortscyreiten. Weder ist unsere Religion antinational oder ii»ter»»atio»»al, »eie die einen behaupten, welche in Vecnachlässigung des Nationalismus der hcreindreehenden Assi»»»ilation den Weg bahnen, noch ist der ^c'ationalisnnis im Judenthn»»» unabhängig von der jüdischen Religio»», »vie die anderer» beharipten, sondern der Baum der Religion des Judenthums schickt seine Wurzeln tief in das fruchtbare Erdreich der Nationalität hinein, »vährend die Kroire sich weit über die Grenzen desselben hinansbreitet. Der nationale Geist »vird durch die Religion nicht bloß nicht verflacht, trotz der höchsten Entlvicklung, welche das Religiöse im Jndenthum genommen hat, sondern geheiligt und geweiht. . So ist denn das lviederertvachtc natioiral-jüdische Beivnsst»e»n ebensowohl historisch begründet ii» der Religion »vie in» Volksthmn Israels, als es u»»s von auszen anfgedrnngt »vird durch die unleugbare Thatsache, dass wir nicht assimilierbar sind. Das Nationaljuder»thmn »vill ihn», den» Wahnbefangenen, der sich für

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