Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. November 1901 Nr. 47 Die Juden als — Juden. Die kurze Periode des Waffenstillstandes itt dem ationnlitiiteiikninpse unseres „ interessevertretenden" Porlemeiits ist, wie es scheint, zu Ende und wieder stehen Deutsche und Czechen kamfgerüstet qe^eueinonder, wieder ist Böhmen dos interessante Land, aus dein der Lärm zweier kämpfender Nationen in ganz Oesterreich hinausschallt und unwillkürlich taucht für uns eine dritte Nation auf, weiche sich gleichfalls dort befindet, die — j ii b i s ch e N a t i o n. Böhmen ist das Land z w e i e r Sprachen, aber der drei Nationalitäten. Die Juden dortselbst bleiben trotz der älteren Generation, welche bei den Czechen oder den Deutschen ihr Heil sucht, ein besonderes Element der Rasse und der eigenthümlichen Charakterbeschaffenheit nach. Man. kann sich wohl einige Zeit als Pole oder Preuße fühlen, man kann sich momentan für diese oder jene Nation begeistern, die Wahrheit aber ist, dass das jüdische „Ich" doch immer wieder hervortreten muss. Man kann auch zuweilen von diesem oder' jenem Lager, für das man augenblicklich schwärmt, sanfte Liebesworte vernehmen, Worte der Verbrüderung und gegenseitiger Zuneigung, aber nur so lange, als man unserer Mithilfe bedarf. . . Jawohl, das Allertraurigste unserer Lage besteht darin, dass wir als Hilfstruppe für fremde Nationen gebraucht werden, dass wir uns selbst dazu hergeben, a n d e r e n zu gefallen und Nutzen zu bringen, die Kcnnpslaqer anderer Zu verstärken und ihnen Zum Siege Zu verhelfen. Erst unlängst geschah es, dass sämmtliche antisemitischen Blätter hocherfreut waren, weil ein Interviewer horausgebracht hat, dass Baron Ladislaus N i e g e r Antisemit ist und bald darauf freuten sich wiederdie jüdischen Blätter, well der greise Staatsmann in einer Zuschrift an die „Cesky Zidovske Lisch" ehrenwörtlich die Versicherung abgab, „dass er von jeder Rassenfeinschaft gegenüber den Juden frei sei". Tu lieber Himmel! Hängt wirklich unser Schicksal davon ab, ob dieser oder jener, er mag wer immer sein, uns gut oder nicht gut gesinnt ist! Zwar, heißt es, spreche aus Riegers Mund die ganze czechische Nation. Und wenn auch? Ist das Schicksal unserer Nation an die Gunst oder Ungunst eines anderen Volkes gebunden? Und auch der gute alte Rieger ertheilt seine Gunst nicht ohne Bedingung. Er schreibt wörtlich in der genannten Zuschrift: „Ich glaube noch immer, dass sie n. n s e r e politische Stellung stärken würden, wenn sie tvenigstens in dein Maße, in dem'sie durch ihr Talent und mit ihren. Mitteln die Bestrebungen der Deutschen fördern, für n n s e r e N a t i o n a l i t a t eintreten würden ... Wo immerdie Inden bei der Vertheidigung u n s e r e r Nationalität auf unserer Seite stehen werden, werden sie bald zur Ueberzeugung gelangen, : dass sie manches Voruriheil ürrd jede Antipathie verschwinden machen, dass sie vielmehr von uns geliebt und geschäht> sein werden ..." * j Also die Liebe Riegers rick)tet sich, wie die Liebe nran-' chen Bräutigams, nach der Höhe der Mitgift! Wollt ihr! Juden von uns geliebt werden, erklärt Rieger, dann müsst1 Kr für unsere Nationalität eintreten. müsst ihr rmsere ■ Interessen vertheidigen, uns bei Wahlen unterstützen . . .! Tie Frerrde, welche die jüdischen Blätter über diese Be-! drngungen empfanden, ist wahrhaft komisch und trefflich passt zu dieser Situation das Wort des alten lveisen Maimonides: „Es gibt Tinge, über tvelche lvir lachen, bevor oenn lvir tiefer in sie hineingesehen haben." Wahrlich! öo konüsch diese Freude im ersten Augenblicke sich auslinnnt, umso tragischer erscheint es dann, wemr lvir bedeneii, lvelche Lakaienrolle der gute Baron Rieger dem jüdichen Volke zmnuthet. Wir allein sind null und nichtig, vir können nur etlvas bedeuten, wemr lvir ganz für die Interessen der czechischen Nation einstehen! Nein, lieber Ierr Baron! Wir Juden sind sicherlich keine Deutschen, rber auch keilte Czechen. Wir sind ein eigenes Volk, lvie andere Völker auch, lvir haben auch Interessen, gleichgiltig, ob ihr sie anerkennt oder nicht, wir sind nun einmal schon daran gewöhnt, dass man sie nicht anerkennt, aber sie deslvegen zu verleugnen, lväre nicht nur schändlich, sondern thöricht. S ch ä n d l i ch , lveil wir unsere geschichtliche Tradition verleugnen und uns von unseren Vorfahren lossagen und mit unseren Brüdern in anderen Ländern brechen müssten. Wir würden die Kette, die aus der Vergangenheit in die Zukunft führt, für immer entzlveischneiden. Aber auch thöricht ist es, sich zlvischen zwei kämpfende Stationen mit Gewalt hineinzudrängen, um bald von der einen, bald von der anderen angefeindet und verfolgt zu werden, lvie es die Thatsachen in Böhmen bisher genügend erlviesen haben. Offen und ehrlich erklären lvir allen: Wir bildeil eine eigene Nationalität, gleichgiltig, ob es denr oder jenem missfällt oder nicht. Wir waren, lvir sind und bleiben Juden als — Inden. Der Lügenprlnz. Tie elericale Partei ist durch deil allgemeinen Unwillen, der sich in ganz Europa gegen die ultramontanen Herrschaftsgelüste erhoben hat, ein lvenig ins Gedränge gerathen. Sie schiebt daher ihre bewährtesten Eondittorieri vor, um ihre Reihen, die in Verwirrung gerathen, zu ordnen. Kein Mittel ist ihr zu schlecht, keine Lüge zu gemein, kein Verbrechen zu verwerflich, um ihre Autorität zu schützen. Eines ihrer beliebtesten Mittel ist, Hepp Hepp Zll rufen, wenn das Volk „Los voll Roni" schreit. Besonders gerne spielt Prinz Alois Liechtenstein auf dieser Saite. Dieser Freischärler des Iesuitisnuls gefällt sich in einer Geschichtsklitterung, die so von Lügen lind Verdrehungen strotzt, dass mail sich frageil nmss, ob er benit nicht die Empfindung hat, dass er deil blankeil Schild seines Hauses mit linallslöschlichem chilnpfe bedeckt. Ist es nicht eilte-bödeillose Lüge, weim der Prinz m der Vers a m in l nn g d e s K a t h o l i - sch e n S ch u l v e r e i n e s erklärt: „Es liegt auf der Hand, warlml die Inden gerade jetzt deil ganzen Heerbann ihrer Söldner luld Lehensträger bis auf Seit letzten Trofsknecht mobilisieren. ' Fassen wir doch den Beginn, deil Ausgangspunkt und den Verlauf der, israelitischen Schilderhebung (sic) ins Auge. In Frankreich wurde sie beschlossen und angefangen, sofort nach der Verurtheilung des Capitän Dreyfus. Congregationen von Männern lind Frauen, die sich dein (.Gebete, der Krankenpflege, dent Jugendnnterrichte lveihen, die politisch vollkonunen neutral (!) lmd gänzlich wehrlos (!) finb, wurden von den Tapfererl als Opfer auserlesen, an denen Juda ohne Gefahr sein Mnthchen kühlen möchte." Man höre uild staune, Europa ist also nach Professor Liechtenstein Zeuge einer jüdischeil „Schilderhebung". Die Juden benützten die Affaire Dreyflis, um über die armen Hascherln, als da sind: Jesuiten, Redenlptoristen, Liguovir über sie nachgedacht haben, und über tvelche tvir lveinen.rmner usw., herzufallen. Es ist also nicht tvahr, dass der 'Pere du Lac, der französischen Jesuitenoberste, der intellektuelle Urheber der ganzen Drehfustragödie ist, in der Boisdeffre, Path und Esterhazy nur die Marionetten sind! Es ist also nicht acteninäßig nachgetvicsen, dass die französischen Jesuiten ztir Zeit des ersten Processes Dreyfus ganz Frankreich beherrschten und der Capitän Dreyfus deshalb gestürzt tverden musste, tveil er der e i n z i g e A nticlericale i in fr a n z ö s i s ch e n G e n e r a l - st a b e w a r! Er tvar Jude, in Oesterreich hätte man ihn wahrscheinlich zum Helden eines Ritualmordprocesses gemacht; in Frankreich zieht aber das Mittelalter nicht, um so viel mehr ein Appell an die Gloiresucht uild den Ehauvinismus. (Mall vergleiche die Broschüre: Ront lmd die Lüge. Die Affaire Dreyfus und der Clericalismus v. Dr. E. Michaud, Professor an der Universität Bern. Autoris. Uebersetzung a. d. Revue internationale de Theologie.) Deshalb Nlusste Dreyfus der Held eines Hochverrathsprocesses iverden, in dem von Seite der clericalen Acteure uild R'egisseure mit ebensoviel Perfidie, Nancüne und Verlennldung gearbeitet wurde, >vie in. Oesterreich anlässlich der Polnaer Affaire. Mit einem kräftig eil Handstreiche hat das jetzige Ministeriuiil Waldeck-Rousseau die Bildungsstätte des französischeil Heeres, St. Cyre, den französischen Generalstab uild die französische Marille von den Schwarzen und ihren Schleppträgern gereinigt, die in ihrer Umarmung die ganze Republik zu ersticken drohten. Wir Juden Haben in dieser ganzen Affaire die Rolle des theitnahmsvollen Zuschauers und höchstens des Vertheidigers des Einzelnen gegen eine übermächtige, scrupellose Mehrheit gespielt; nur der „Heu.rigell"-Phantasie des Loisl blieb es Vorbehalten, uns einen, planvolleil Angriff anzudichten. Aber Loisl ist ilicht umsonst bei den Jesuiten in die Schule gegangen; pro pietate mentiri; er geht von dent Gruildsatze aus: lügst du schon, so lüge dick. Je bunter, lunso besser. Sprichst du voll Freiulauern, so bleibe ilicht bei deil Anschlägen gegen Thron und Altar stehen, sondern male den Teufel Bitru an die Wand. Also: bleibe nicht in Frankreich haften, frisch nach Portugal und Spanien. Loisl fährt wörtlich folgendernlaßen fort: „Darum ivurde der Spectakel nach Spanieir lind Portugal verpflanzt, ivo sich derselbe straflos austoben durfte, lveil mein die dortige.Regierung theils verschüchtert, theils conllivent lvusste." . Die Regierungen voll Spanien lind Portugal lvurden also, nach Loisl von Hernals, Geschichte Europas in der Gegenwart,Äom 1, Seite 1 durch die jüdische Revolution in Frankreich'.cmlgeschüchtert, wahrscheinlich durch Ailbröhmig der Kriegserklämug, theils durch Geld connivent gemacht. Hierauf begailnen die Juden in Portugal mrd Spanien.ihre „Schilderhehuilg" gegen die Erzbischöfe von Saragossa, .Barcelona, Madrid, Oport.o usw.; diese Behauptlillgen klingen ja sehr schön; und es bereitet ciuent bei-' nahe Schmerz, diesen Mythus mit der Constatierung zu zerstören, dass die Inden atis Spanien llild Porttigal vor einigen Jahrhunderten vertrieben wurden lind bis jetzt noch nicht dorthin znrückgekehrt sind. Durch diese kleine Excursiou in das Land der Castagnetten und der Stierkämpfe sichtlich gestärkt, schöpft Loisl frischeil Muth, iil seiner Geschichtssalbaderei auf deutsch e in Boden fortzufahren: „Ziemlich gleichzeitig begann es in Deutschland zu rumoren. Ein ekelhaftes Buch eines unlvissenden und gehässigen Antors lvurde int protestantischen 9korddeutschland gedruckt, und eine Riesenauflage tief unter dem Selbstkostenpreise in Und man merkte, lvie die Juden Aengstli ch-sti ll v o rübersch lichen. Das Erinnern an den Weisen War seit langem schon gelvichen. Denn das Ghetto hatte seine Schönste Rahel längst verloren, Weil sie, liebend, einen Frentden Sich zunl Manne auserkoren. Und das Volk der Gasse sagte, Dass deil Glauben sie geschändet, Dass sie bloß aus eitlen Lüsten Ihre Weiblichkeit verpfändet. * Jnnner wenn der Sabbath nahte, An dent Abend, der vom Leide Ein Erlösen bringt mrb Heilung, llnb das Volk im Feierkleide Zum Gebet des Herrn versammelt. Strahlte Licht aus den umflorten Feilfterir des verfluchten Hauses Uild aus allen seinen Pforten- Also feierte die.Rahel Jhlrn Vater, und sie ehrte Seinen Glauben, der in ihrer Seele glühend weiterlvährte. Und alljährlich, lvenn der Frühling In die Waffe war gekommen, Und der letzte Gruß des Tages In den Wolken ttxir verglommen, Pflückte Rahel auf dent Grabe Eilten Grashalnl nach dem atldern. Legte Steinck-erl d'rauf uild ließ die Thrältcn zu dein Tobten lvclndern. Religiojitiit und llationalmmns in Iudknthnn. Sßon Rabbiner Dr. M. Roseirfeld. (Schluss.). So aelangen wir letzten Endes dabei an, dass das Judenthmn wohl nicht einen Nationalgott verehrt, sondern in höchster Entwicklung und Vollendung des Gottesgedankens das Heil der gesammteri Welt mld der Menschheit anstrebt; dass aber dennoch dieser Gott, diese hohe Auffassung des Religiösen Natwnalgut Israels, unseres Volkes, istjDie gegenteilige Auffassung des prophetischen Ideals vom wahren Judenthum, der man gelegentlich bei der Stellurignahme zu dieser Frage öfter begegnen konnte, die slch in den Ansdruck kleidet, dass das, was bei anderen Völkern den nationalen Geist ausmacht, beim Judenthum dessen Jnternationalität sei, ist offenbar nur ein Witz und nicht einmal ein guter.. Und nun noch ein Moment I Die Religion im allgemeinen — und das muss auch in gewissem Sinne vom Judenthum gelten —• bildet überall einen der vornehmsten nationalen Factoren. Ja selbst beim Christenthum trifft dies zu, bei welchem wir doch, da es eine Unzahl von Nationen zu seinen Bekennern zählt, dies nicht voraussetzen sollten, zumal dort seine Entwicklung (Paulinismus) und Verbreitung, wenn irgend etwas, international genannt werden muss. Und nichtsdestoweniger wird man vom Gegensätze, der z. B. zwischen Nord- und Süddeutschland besteht, zwischen Polen und Deutschen der Provinz Posen, zwischen Czechen und Deutschnationalen in Nordböhmen — und ich glaube, die Geschichte der jüngsten Zeit gibt uns hierin auch recht — .nan lvird von diesem Gegensätze der Nationen die religiöse Differenz nicht ohne Verkennung der Wahrheit völlig freisprechen dürfen. Um die beispielsiveise Anführung vielleicht noch zu ergänzen, könnte man die Behauptung wagen, dass die nationale Differenz zwischen dem norddeutschen Protestanten und dem süddeutschen Katholiken größer sei als die Differenz zwischen letzterem und dem österreichischen, vielleicht gar italienischen Katholiken. Wollte man diese Beobachtung mit in Rechnung ziehen, so kennte mau wohl behaupten, dass wenn die Religion schon nicht durchaus nationalisiert, sie zumindest, um naturwissenschaftlich zu sprechen, ein »guter Leiter" für die nationalen Gedanken sei. Dieses allgemeine Argument auf das Judenthuul anclewendet. würde ergeben, dass, wenn das Judenthnm auch ob der Höbe seiner Bollkonr - inenheit in letzter Entfaltung über den nationalen Gedanken hinausragen muss, so muss das Religiöse im Judeilthum seinen VekermerN gegenüber durchaus ein nationales Gepräge haben. Wenden wir uns nun der Darstellung deö Nationalismus im Indenthum zu. so suchen tvir auch hier zunächst den Begriff zu umgrenzen. Was ist eine Nation im allgemeinen, und was macht insbesondere die Juden zu einer Nation? Seheri wir von dem antik-hellenischen Nationalismus ab, dem alles Nichtgricchische barbarisch tvar, so sehen tvir den Nationalismus erst irr neuester Zeit in Verknüpfung mit eineni der glänzendsten Namen der Geschichte in die Erscheinung treten. Das Wort von der „großen Nation" ist es, das. einmal in die Welt geschleudert, den nationalen Stolz Frankreichs wie auch als Reaction den der anderen Völker der civilisierten Welt zur Folge hatte und überraschend schnell alle vorherigen Ideale von Internationalismus und Kosmopolitismus zu stürzen vermochte. Soll dem Nationalismus der vereinheitlichende -^.eruf mit Bewnsssein innewohnen, so sind die Forderungen, die an ihn gestellt werden, gar mannigfacher Art. Die erste und am meisten hinfällige Forderung geht dahin, dass die Abstammung der Bevölkerung eines Landes für deren Nationalität von Ausschlag sei; es ist dies der sogenannte Rassennationalismus. Die Angehörigen desselben Stammes, die Söhne der seit uralter Zeit auf diesem Boden lebenden Völker, in deren Adern das Blut gemeinsamer Ahnen flieht, diese allein nur wären richtige und echte Glieder der Nation. Ist schon die äußere Erscheinung, der diese These abgelanscht sein will, an sich nicht einwandfrei, da doch die Geschichte beinahe für jedes Volk und jedes Jahrhundert, fast für jede Generation Promismität mit fremden Elemenren cvnstatiert; —- zugegeben, es gäbe eine Rasseneinheit innerhalb einer Nation, so ist doch sicherlich die Nation das Primäre und die Rasse secundär. Erst durch jenes einheitliche Wesen, welches den Kern des Nationalen bildet, das sowohl die Politik. Daseins- und Erhaltungsfonnen, Cultlic. Religion und vielleicht auch Sprache gernein hat, durch jenes Wesen, das eine mehr oder minder wichtige Einheit in rnehr oder iveniger langer Zeit erreicht, bilden sich secundär die. sogenannten Rassenclemente heraus. Darum kann, selbst tvenn wir rasseneinheitliche Nationen vorfänden, wohl die Einheit der Nation der Rasseneinheit zrrgrnnde liegen, niemals aber umgekehrt. Als weitere grundlegende Forderung für die Nation tvird von anderer Seite die Einheit der Sprache gefordert. Gerade über diesen Punkt ist in den letzten Jahren die Literatur, speciell in Oesterreich, ins Uferlose angewachsen. so dass lvir unsere Stellung zu dieser Frage in Kürze dahin präcisieren können, dass bei aller Anerkenmlng der Wichtigkeit des sprachlichen Factors, trotz seiner Nothlvendigkeit als Mittel für die Schaffung des einheitlich nationalen Wesens, er doch nicht das Eins und Alles des Nationalismus ist. Vielmehr scheint das Wesen des Nationalen jerie Einheitlichkeit zu sein, ivelchc ans dem Volksbewusstsein beruht, jene Einheitlichkeit. die sich in einer bestimmten Menschengruppe als gemeinsame einheitliche Cultur erweist und welche genügend stark ist, rnn die Untheilbarkeit dieses Volksthums zu schuhen. Sei der Nationalismus in diesem Sirme ein staatenbildendes Princip oder auch nicht, ec ist jedenfalls ein Segen für seine Bekenner, indem er ihnen ihre innere Einheit zum segeusbollen Betmlsstsein bringt. Oder mit anderen Worten: National sein bedeutet, allen Aisimilationsbestrebungen von