Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432909--1229-2434964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 45 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. November 1901 Seite 5 Unter den vielen Ursachen, die solche Zustände herbeisühren, nimmt die mangelhafte Vorsorge für den Religionsunterricht seitens der Cultusgemeinde die vornehmste Stelle ein. So steht eine Schule, die von zahlreicher: jüdischen Mädchen besucht wird, vollständig ohne einen Religionslehrer da. Es mag unglaublich klingen, allein es ist buchstäblich wahr. Und damit es nicht den Anschein hat, als würden Anschuldigungen nur so hingeworfen, soll hier das Factum verzeichnet und die Schule genannt werden. Es ist die Mädchenschule bei den sogenannter: errglischer: Fräulein auf der Kleinseite. Hier w:rrde in dieser:: Jahre noch feine einzige Religionsstunde gegeben. Solche Fahrlässigkeit rächt sich auf die oben beschriebene Weise. L. Frankfurter Srief. (Original-Eorrcspondenz des „Jüdischen Volksblatt".) Frankfurt a. M., im October. Urrter sammtlichen großer: Städten Deutschlands, in denen sich größere jüdische Gemeinde!: finden, ist Frankfurt vielleicht diejenige, von der die jüdische Presse am wenigsten spricht. Und wollte jemand behaupten, dass der Grund dieses Schweigens den guter: Zuständer: zuzuschreiben ist, deren sich die Frankfurter Judenheit erfreut, so wäre dies meiner Ansicht nach ein Jrrthum. Denn sowohl die inneren Verhältnisse der hiesigen Juden, als auch ihre Stellung nach außen lassen viel zu wünschen übrig. Welcher: Einfluss die hiesigen Juden auf die Oeffentlichkeit auszuüben vermöge::, lässt sich aus dern famosen Karnpf geger: die Sonntagsruhe schließe::, wobei sie trotz Aufbietung aller Kraft, um eine kleine Verlängerung der Arbeitszeit für die hiesigen jüdischen Bank- und großen Warenhäuser zu erlangen, ausgezischt wurden, als sic diesen Vorschlag, zu den: sie sich schweren Herzens entschlossen haben, in einer öffentlichen Versammlung zun: Ausdruck brachten. Und das ist nicht der einzige Fall, der für ihre Machtlosigkeit das beredteste Zeugnis gibt, obwohl die Frankfurter Juden diejenigen sind, die bei jeden: Unternehmen für das allgemeine Wohl die größter: Beiträge liefern und in allen anderen Beziehungen den nichtjüdischer: Mitbürgern nicht nachstehe::. Und diese geringe Stellung, die die hiesigen Juden in: öffentlichen Leben einnchmen, entspricht den inneren Verhältnissen ganz genau, ja sie ist vielleicht die unmittelbare Folge davon. Die hiesige jüdische Gemeinde oder besser gesagt Gemeinden — denn bekanntlich besteht die hiesige Judenheit aus den Genreinden — besitzen sociale und intellectuelle Mittel genug, um eine große, segensreiche Thätigkcit entfalten zu können, nur eines fehlt ihnen: der alles beseelende, alles vereinigende Geist des. nationalen Selbstbewusstseins. Die hiesigen Juden sind nicht deutsche Juderr, sondern „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens". Ir: der: hiesigen vornehmeren jüdischen Gesellschaftskreisen spricht mar: lieber von der chinesischer: Literatur, von der man doch in: Grunde genommen weniger weiß, als von der jüdischen, von der man allerdings noch weniger versteht. Ir: jedem jüdischen Hause findet mar: hier zwei, in manchen auch drei allgemeine Tageszeitungen und sicherlich wird man drei bis vier jüdische Häuser durchsuchen rnüssen, bis inan eine jüdische Zeitung finden wird. Und ist cs nicht geradezu beschärnend, dass ir: einer solchen Stadt fein einziges jüdisches Blatt sich erhalten kann. So viele Versuche schon hier gemacht wurden, ein jüdisches Blatt herauszugeben, sie musste:: alle ausgegeben werde::, weil die Frankfurter Juden alle Blätter der Welt lesen, nur die jüdischer: nicht. — Die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur geben sich Mühe, den Mitgliedern viel Schönes und Interessantes zu bieten, um sie mit der jüdischen Literatur vertraut zu machen, allein sie sind doch nicht irnstande, alles, was mar: während des ganzen lieben Sarnrners durch Landpartien, Sommerfrischen und die interessante Lectüre der „Jugend", des „Simplicissirnus" vergessen kann, zu ersetzen. So geräth die hiesige Judenheit immer mehr in eine geistige Stagnation und diejenige::, welche diesen: abzuhelfen suchen, Haber: mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Dein: es fehlt den hiesigen Inder: au einen: Funken wahrer Begeisterung für das Judenthum. Alles wird geschäftsmäßig und mit einer conventionellen, peinlichen Genauigkeit erledigt und entbehrt jener wahren, überzeugenden inneren Begeisterung, von der jede That begleitet feilt muss, wenn sie eine Herzenspflicht und nicht eine leere Formalität ist. Es fehlt die Schwungkraft, die in das fast verrostete Räderwerk der hiesiger: Judenheit neue Bewegung bringen soll. Und woher soll die mächtige, anregend lvirkeude Kraft kommen? Etwa vor: der: hiesigen Rabbinern? — Das wäre doch ein bisschen zu viel verlangt. Man kam: froh sein, wenn man eimnal in vier Wochen oder eimnal in zwei Wochen eine fette, gut präparierte Predigt zu hören bekommt. Eigentlich wollte ich von der: hiesigen Rabbinern nicht sprechen, denn dieses Thema kann Stoff für zwei ganz große Briefe geben, wollte mar: darüber ausführlich sprechen, denn nicht etwa über ihre Thätigkcit, sondern über das, was sie thun sollten und konnten, wäre vorerst zu sprechen, und da gibt es gar viel. — Da ich aber den geehrten Lesern nur das sage, was der Wahrheit entspricht, will ich gleich bemerken, dass das eber: Gesagte sich nicht auf alle hiesigen Rabbiner bezieht. Denn es muss anerkannt werde::, dass die mittlere, die sogenannte Neue Synagogengemeinde, eine segensreiche Thätigkeit entfaltet. Derm während auf der einen Seite der alleinseligmachende Hirschianismus und das Ghetto- Judenthun: gepredigt wird und auf der anderen Seite ein stilles, allmählich verstechendes, der Assimilatior: entgegengehendes Jnderrthnm zu erblicken ist, schreitet die erwähnte neue Synagogengemeinde in der schönsten, den: religiösen und historischen Judenthun: entsprechenden Entwicklung immer weiter fort. Dass dem so ist, beweist die allgemeine Beliebtheit und Verehrung, deren sich der an der Spitze steherrde Rabbiner dieser Gemeinde erfreut und der Umstand, dass die vor 26 Jahren aus 26 Mitgliedern bestehende Gemeinde heute mehrere hurrdert Mitglieder zählt. — Diese Wahrnehmungen, die ich nur oberflächlich berührt habe und über welche man sich außerhalb Frankfurt wundern wird, zeiger: zur Genüge, welche Zustände hier ir: den jüdischen Kreisen herrschen und dass sie nicht so sehr erfreulich sind, tüte man vielleicht im allgemeinen glauber: mag. Mer wir wollen hoffen, dass der jetzt im Osten wie auch zum Theile im Westen mit einer elementaren unwiderstehlichen Kraft auftretende jüdisch-nationale Geist auch hier eindringen und neues Leben in die alten Formen einhauchen wird. Und nun möchte ich am Schlüsse dieses Briefes noch etwas erwähnen, was die Wiener Leser dieses Blattes besonders interessieren mag. Man wird sich noch des Sorrna- Gastspiels in Wien erinnern. Die Neue Presse hatte damals die große Künstlerin verkannt und wollte ihr ihre Lorbeern streitig machen. Die antisernitische Presse gab sich damals Mühe, daraus für sich Capital zu schlagen, wobei sie aber vergaß, dass die Sorma eine Jüdin ist, was an dieser Stelle damals besprochen wurde. Dieselbe göttliche deutsche Düse gab nur: vor kurzem hier ein fünfmaliges Gastspiel und errang sich hier den größten Beifall. Die Presse wie das Publicum war für ihre große, mächtig wirkende Kunst sehr begeistert. So schreibt ein hiesiges sehr verbreitetes Blatt: „Wer sich so in die Herzen jubeln, lächeln, schluchzen, singen, träurnen kann, wie ihr (Sormas) Rautendelein, wer aus märchentiefen Kinderaugen Liebe und Glück und Angst hervorbrecher: zu lasserr vermag, wer weisen, weil man das Große nicht gleich bekommen kann. Es ist eine Frage, die man schwer bejahen kann, ob die Regierung sich dadurch würde gezwungen sehen, den Entwurf auf die allgemeine Pensionsversicherung auszudehnen. Sie wird wohl späterhin dem unabweislich drängenden Bedürfnisse nachgeben müssen. Aber vorderhand ist es dringend nothwendig, den ersten Theil dieser bedeutsamen soeialpolitischen Reform ins Leben treten zu lassen. Die österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft hat sich aus den betrübenden Zuständen der letzten Jahre allmählich wieder hervorgezogen. Die diesjährige Bilanz weist einen Reingewinn von 780.143 Kronen aus, von welchem 462.000 Kronen als Vpercentige Dividende an die Aetionäre zur Bertheilung gelangen. Herr v. T a u s s i g hat da wieder einmal sein finanztechnisches Genie bewiesen und gezeigt, wie man aus weniger als nichts etwas macht. Ein recht bezeichnendes Bild für die Lage unserer Industrie gibt das Scheitern der geplanten Bereinigung der österreichischen Papierfabriken. Lange Zeit hat sich die Ereditanstalt um das Zustandekommen dieser Fusion bemüht, hat aber den Plan schließlich fallen lassen, weil sie eingesehen hat, dass bei der horrenden Besteuerung diese Transaclion von vornherein mit einem Deficit arbeiten müsste. Man sieht, unsere Steuerschraube arbeitet präcis und kümmert sich um Ministerversprechungen von „Schutz der Industrie" gar wenig. Der Finanzminister und der Ministerpräsident liegen einander in den Haaren, aber der dritte freut sich durchaus nicht, denn er bekommt meistentheils — Hiebe. Tribüne. (Diese Rubrik ist Zuschriften aus dem Lesekreise geöffnet, mit denen sich die Redaction nur theilweise identificieren kann.) Line brennende Frage. Der akademisch graduierte Rabbiner, welcher in den westlichen Lehranstalten geformt wird, ist der Repräsenso als lerbbaftiae Roesie die Jabre und d e Umaebuna ver^ tcmt "be§ l^nces l'igrmrances", der Rabbi, welcher aus aessen macht der verdient auch der: Sturm der Begeisterung >ben galizischen, ungarischen oder russischen Jeschiboths herder uS!vorgcht, repräsentiert l'igrmrant des sciencesR Die akaman fast in Streifet, ob die RE der Elfe von Hauptmann oder von Sorma gedichtet :st usw. Auch auf die hiesigen Künstler machte sie einen großen Eindruck. Das beweist der mächtige Lorbeerkranz, den das hiesige -Schauspiel-Personal, das aus durchweg bedeutenden Kräften besteht, der Sorma in ihrer Abschieds-Vorstellung überreichte. —r. ViWvirtMMitzes. Durch den herrschenden Kleingeldmangel hat sich d-ie Oesterreichisch-ungarische Bank veranlasst gesehen, dem Verkehre mit Goldstücken zu zehn Kronen zubilfe zu kommen. Ob es gerade zweckmäßig ist, das Gold so in Umlauf zu setzen, lassen wir dahingestellt sein. Aber eine andere sehr wichtige Frage drängt sich jetzt bei der erhöhten Goldausgabe auf. Bekanntlich sind Zollzahlungen in Gold zu leisten und wird andere Münze nur mit einem Aufschläge von 19 bis 20 Percent entgegengenommen. An Goldmünzen besaßen wir bisher nur den Ducaten und das Achtguldenstück. Diese Münzen wurden zum Nominalwerte für die Zollzahlung entgegengenommen, standen aber im Course so hoch, dass der Ueberwert dem 19'/,percentigen Agio gleichkam. Nun haben wir eigene Goldmünzen, entsprechend der Goldgrundlage unserer derzeitigen Valuta. Diese Goldmünzen haben ihr jüdisches Unwissen, ihre absolute Ignorierung des jüdischen Gefühls und Denkens zur Methode gemacht, und es genügt, einen Blick auf das fast unübersehbare Feld der sogenannten Judaica-Literatur zu werfen, auf jenes mit Verlogenheiten aller Art vollgesäte Gebiet, das noch jeder Rabbiner mit einigen Bänden zu vergrößern sich verpflichtet gefühlt hat, um zu erkennen, dass die Herren „Mehrer der jüdischen Wissenschaft" weder hebräisch können, noch die Bibel oder den Talmud verstehen und von der ganzen in Betracht kommenden Literatur überhaupt eine sehr geringe Ahnung haben. Wie oft empört sich unser jüdisches Gefühl, wenn wir sehen, wie jeder neugebackene Doctor-Rabbiner mit der Miene eines ernsten Herrschers, dem die Wissenschaft über alles geht, bereit ist, jede Bibel- und Talmudstelle erbarmungslos ZU secieren und zu verunstalten, aus keinem anderen Grunde, als um „ein Mehrer der jüdischen Wissenschaft" zu werden. Denn soviel akademische Disciplin haben schon die Herren, um das wissenschaftliche Rüstzeug in einer Weise klappern: zu lassen, dass naive, unschuldige Seelen vermeinen, es handle sich um ernste Forschung, während eigentlich nichts weiter geschieht, als dass mit Hilfe einer dunklen Terminologie dunkle Andeutungen wurden jedoch als vollgiltig bei Zollzahlungen nicht acceptiert und muss auf dieselben ebenfalls das Agio aufgezahlt werden.' gemacht werden von Dingen, von denen man keine Ahnung Es ergibt sich also der merkwürdige Widerspruch zwischen Währung und dem Werte, der aus dieser Währung entnommenen, } ' ™ r <^. e ctn rs. Münzen. Es ist selbstverständlich, dass das Agio für die gesammte .. dieser Oefrnrtron des Rabbmcr-^octors erg:bt sich Geschäftswelt einen bedeutenden Verlust und eine große Mehr-! die Definition des Rabbrs ohne Doctor von selbst.. Hier ausgabe bedeutet, und man hätte doch erwarten sollen, dass die gründliche Unkenntnis der rabbinischen Literatur, verbrämt neue Valutaregulierung unsere Goldmünze dem französischen mit moderner akademisch-wissenschaftlicher Methode, dort 20 Francs-Stück (dasselbe wird bei Zollzahlungen ohne Agio angenommen) zumindest gleichstellen werde. Wir erlauben uns daher an das hohe k. k. Finanzministerium die ergebene Bitte zu richten, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. * Lange Zeit nach der bezüglichen Enquote beginnt der tiefste Kenntnis jüdischen Wissens, gehemmt durch barbarisch-disciplinlose Behandlung. Ich gebe beide Definitionen ohne jede Voreingenommenheit, ohr:e mich für die eine oder andere Kategorie zu entscheiden, ich will nur beide scharf voneinander halten, gestehe jedoch, dass das nicht Terminhandel mit Getreide wieder die gesetzgebenden Körperimmer möglich ist, denn schon gibt es Ungraduierte Rabbeschäftigen. Ohne auf die moralische Qualität dieses Wirrer, die es in der Ignoranz jüdischer: Wissens mit jedem ”k-92!^S5S,fö^»SI!, Doctor-Rabbiner (welch eine .Doppelwiirde!) aufnetjmen können. selben näher eingehen zu wollen, muss man es immerhin begrüßen, dass die Regierung daran geht, für diesen Geschäftszweig gesetzliche Normen zu schaffen, wenn dieselben auch — wie man erfährt — nur in einer Reform der bisherigen Gepflogenheiten bestehen sollen. * Jeder brave Oesterreicher kommt bekanntlich immer um fünf Minuten zu spät; und wenn schon nicht zu spät, so doch! wenii,stens später als jeder andere. So hat sich denn auch unsere : Regierung endlich entschlossen, einen Entwurf über die Pensionsversicherung der Privatangestellte:: einzubringen, nachdem eine derartige Institution in Deutschland, England, Frankreich, ja selbst in Holland bereits seit langer Zeit besteht. Das ist an und für sich merkwürdig genug; noch merkwürdiger ist es aber, dass sich eine große Anzahl gewerblicher und industrieller Corporatiouen gegen die geplante Neuerung ausgesprochen hat. Es wäre wohl begreiflich, wenn man sich gegen den Regierungsentwurf wendet, weil derselbe thatsächlich schlecht und den Bedürfnissen durchaus nicht entsprechend ist. Aber dass man sich principiell gegen die Sache selbst stellt, zeigt, wie wenig reif man in Oesterreich für soeialpolitische Einrichtungen ist, ibie wenig Verständnis man hier bei uns für die Noth und das Elend des Tages hat. Ohne den Staatsbeamten nahe zu treten, kann man doch ruhig behaupten, dass die Privatangestellten ihnen an ehrlicher Arbeit, an hingebungsvoller Treue und Pflichteifer nichts nachgeben. Warum also den einen verweigern. was den anderen selbstverständlich ist? Hat so ein Privatbeamter, der zufällig nicht einem Institute angehört, das für seine Beamten eine Pension auszahlt, seine vierzig Jahre ehrlich gedient und ist sechzig Jahre alt geworden, so hat er immerhin das Bedürfnis, sich zur Ruhe zu setzen. Wovon soll er aber leben, wennn das kärgliche Einkommen es ihm nicht gestattet hat, Ersparnisse zu machen? Wie oft muss in einem solchen Falle — wie ein Redner in einer diesbezügliche:: Discussion im Gewerbevereine richtig ausführte — der Chef, der ein fühlendes Herz besitzt, diesem alten Manne, der schon §u müde und zu schwach ist, seine gewöhnliche Arbeit durchzufuhren, irgendeine leichte Arbeit geben, um ihn nicht auf die Straße zu setzen. Die Herren haben ja alle ganz recht, wenn sie behaupten, eine derartige Institution müsse allen Angestellten, auch den Arbeitern zugute kommen; aber warum das Kleinere von der Hand weg- , Eine solche, wie mar: sieht, ziemlich interessante Rabbinerausgabe besitzt gegenwärtig die Wiener Cultusgemeinde in der Person des Herrn Rabbi Maycrsohn, Rabbiners im polnischen Tempel und „Rosch beth din" im Wiener Rabbinat. Die Persönlichkeit des Herrn: Mayersohr: interessiert mich nicht in: geringster:, und ich nenne nur deswegen seiner: Namen hier öffentlich, weil ich damit am besten die gegenwärtigen Verhältnisse der Wiener Cultusgemeinde charakterisieren kann, und nur darum handelt es sich für heute. Schreiber dieser Zeilen besitzt einer: Brief von der Hand des Herrn Mayersohn, aus dem man vorzüglich ersehen kann, wie weit ein „Rosch beth dir:" im Wiener Rabbinat die hebräische Sprache beherrscht. Der Brief beginnt ir: hebräischer Sprache und setzt sich — dem ehrwürdigen „Rosch beth din" scheint sein hebräischer Sprachschatz ausgegangen zu sein — in einfachem Jargon fort. Die wenigen hebräischen Worte jedoch enthalten mehr Fehler als Buchstaben, orthographische sowohl als auch grammatische, je nach Bedarf und Geschmack. Weshalb nun gerade Herr Mayersohr: „Rosch beth din" im Wiener Rabbinat geworden ist, ist nicht uninteressant und vielleicht komme ich gelegentlich eimnal darauf zurück, inzwischen begnüge ich mich mit der Constatrerung, dass ein Wiener „Rosch beth din" und Rabbiner in: polnischer: Tempel, der auf ausdrückliche Empfehlung des Hern: Oberrabbiners Dr. Güdernanr: angestellt wurde kein Hebräisch versteht, noch viel weniger als ein graduierter, modermer Theologie-Jüngling! Nun, Herr Mayersohn wird diese Thatsache einfach bestreiten, ich verlange deshalb, dass er mich in der: Genchtssaal citieren und mir gestatten soll, ihm einen beliebiger: Satz zu dictreren, den er in das Hebräische übersetzen möge, und wenn es