Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 44 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdisches Volksblatt 1. November 19k>1 Wien, Freitag sondere soweit er von der realislischen rzechischen Volkspartei unter. Führung Prof. Masaryt's ansgeht, die Inden verantwortlich. „Tie Realisten bringen durch ihren Hass gegen den KatbolicismnS eine F,erse1;iing ins Volk und das ist eine jüdische Eigcitschast. Tie beschichte zeigt uns, dass das Judentlnun nie vereinigend, stets zersetzend gelvirkt hat." Diese Aeußertingeit des Baron Ricger haben ja, soweit sie das assimilatorische Ittdenlhnm betreffen, bis zu einem gewissen Grade einige Berechtigung, diese Vonvürfe aber gegen die Gesammtheit der Inden zu erbeben, das muss entschieden zurückgewiesen werden. Insbesondere aber geht es nicht gut an, Professor Masaryk und seine Partei mit dieser! zersetzerrden alsimilatorischen Elementen in einen Tops zu werfen, da gerade Professor Masaryk die Inden als eine selbständige nationale Individualität betrachtet. Nicht mit Unrecht antwortet Professor Masaryk im „Eas", dern Organ der realistischen rzechischen Volkspartei in einem offenen Schreiben dem Baron Riegcr: Nicht als ob ich über die ernsten Probleme unseres Volkes, die Sie berühren, discntieren wollte, dazu mangelt es ihnen, wie eben auch ihr Interview beweist, an Oualification. Ich beschränke mich darauf, die Art und Weise ihrer Polemik zu kennzeichnen und diese Art und Weise im Interesse unserer öffentlichen Moral ans das entschiedenste znrückzwveisen. Ihre Art besteht eben darin, dass sie sich beransnehmen, über Dinge und Personen auf Grund unrichtiger Informationen abzuurtheilen. — — „Herr Baron, Sie passen sich der Kirche an und immer haben Sie sich dem angepasst, was jeweilig populär war." — „Sie haben < nicht einmal) die Juden vertheidigt und dieselben für Ihre Partei und die Nation zu gewinnen gesucht. Später und oft rasch Hintereinander Haben Sie sich hem geraden Gegen:heile angepasst. Sievertheidigen Rom und den Antisemitismus gegen die Juden." — Es ist nur bedauerswert, dass der österreichische Staat und insbesondere Deutsch-Oesterreich fast keinen einzigen Mann besitzt, der die Arbeit mit Prof. Masaryk theilen würde, die Massen aufzuklären und die diversen politischen Parteilager zu bekämpfen. Doch darauf allein beschränkt sich Professor Masaryk nicht. Selbst sein Gegner Rieger gesteht zu, dass er ein sehr arbeitsamer Mensch und ein großer Gelehrter ist, dem man es als ein Verdienst anrechnen muss, dass er der ezechischen Jugend die Sehnsucht nach erweiterter Bildung beigebracht hat. Ja, die Unbildung der Massen einerseits, sowie die Popularitätshascheret der meisten Bertlfspolitiker andererseits, die nicht bereit sind, für die Wahrheit ihre Popularität in die Schanze zu schlagen, tragen Schuld daran, wenn die österreichischen Staatskörper und die großen Volksmassen immer mehr und mehr von dem Gifte des nationalen Chauvinismus und Antisemitismus inficiert werden. Unter solchen Umständen bleibt den österreichischen Juden natürlich nichts anderes übrig, als die Vertheidignng ihrer Existenz rmd ihrer bedrohten Rechte selbst in die Hand zu nehmen. * Merki'5, Ihr Aaufleuie! Am 19. v. M. fand eine imposante Versammlung in der Volkshalle des Wiener Rathhauses statt; tausende von Wiener Bürgern protestierten einmüthig gegen die Consumvereine und verlangten die gesetzliche Abschaffung derselben. Der Bürgermeister von Wien unterstützte die Resolution über die Aufhebung der Consumvereiwe, Lebensmittelmagazine und aller derartigen Unternehmungen, Zimmers zwischen ihm und dem Himmel gewesen, so hätte er gesehen, wie eine weibliche Gestalt herunterschwcbte. Ein mildes und doch erhabenes Lächeln thronte auf ihrem Antlitz, das die verklärten Züge seines Weibes zeigte. Schon war die Gestalt im Zimmer, dessen Decke für sie kein Hindernis bildete. Jetzt stand sie vor Lob, machte gegen ihn mit den Händen das Zeichen des Friedens und schtvebte wieder empor. Löb athmete unruhig. Er sah vor sich ein wogendes Nebelmeer und fühlte, wie er in der Luft schwebte. Ihm war so drückend und angst zumurhe. Das Nebelmeer wogte stärker, er fühlte einen Wind wehen, und plötzlich riss der Nebel vor ihm. Da sah er sich selbst, wie er mir seinem Pack die Straße zog, und die Gasserrbuben verfolgten ihn. Aber gleich war wieder der Nebel da, und die Stelle, wo er gerissen, wanderte weiter. Da sah er irnurec andere Verfolgungen, und bald nur Blut und Feuerschein oder hastig flüchtende Juden. Jinmer undeutlicher ward das Bild, jetzt schloss sich der Nbel ganz und wogte ivieder in unbestimmten Formen vor ihm. Ta plötzlich durchzuckre ein Blitz den Nebel, urrd er verschwand. So weit Löb sehen konnte, sah er fruchtbares, von warmer Sonne beschienenes Land, Gärten, Weinberge, Felder bedeckten es. Oliven, Obst- und Patmenhaine, Wälder und saftige, bltunige Wiesen, auf denen Vieh weidete. An den Hügeln lagen im Schatten von Oliven und Apfelbäumen Häuser. Und Menschen sah Löb in den Gärten und Weinbergen: schöne, starke Männer, auf deren Gesichtern Freude ivohnie, weißhaarige, ehrwürdige Greise, junge, toohlgeivachsene, schwarzhaarige Mädchen, mir Augen voll unecgrüitdlicher, dtinkler Glut und rorhem Korallenmund, und Frauen, die ihre kleinen .Linder an die vollen Brüste legten. Doch bald deckte ivieder der wegende Nebel das herrliche Bild, und Löb fühlte sich von seinent Ort ivcggerragen. Langsam sank er auf die Erde herab, als er sie mit seinen Füßen sühlre, ivar der Nebel ivieder verschwunden. Ec war cutf der Landstraße, in der Ferne sah er eine große Stadt. Noch nie harre er sich so frisch gefühlt, rmr sein Pack drückte etwas schiver. Er ivnnderte der Sradr zu. uub harre sie bald erreicht. In den Straßen tvar ein großes lebhaftes Getvimmel, geschäftig eilten die Leure hin und her, keiner schenkte dem anderen Aufmerksanrkeit. Auch Brücer sab Lob inner den Eilen.den, unb er wäre gar froh gewesen. ebenso die unbedingte Einschränkung der landwirtschaftlicheit Casinos und Lagerhätlser auf ihren eigentlichen fta* tutoiiidfen Zweck, weil alte derartigen Institutionen in ihrer jetzigen Wirksamkeit der Allgemeinheit keinerlei Vortheii bringen, aber den nnansbleiblick-en Ruin der Handels- und H> e) v erb e t re i b en de u he r he i f iih re n. Wer eine Ahnung hat, wie nnfere Stammesgenosien auf den: flachen Lande durch die Evmmrrenz der Evusum- Uereinc bedrängt werden, wird es mit Freuden begrüßen, dass in diesem Falle die Interessen der christlich-socialen Partei nud des jüdischen Mittelstandes parallel gehen. Mit Entrüfttmg wird er aber die Rolle beurtheilen, die Die Wortführern: der Socialdemokratie, die,.Arbeiter-Zeitung", in dieser Angelegenheit spielt. Sie spricht von den Katifleitten als einer Bande von „L e b e tt s mittel w n ch •: - r e r n it it d L e b e n s mittelfälf ch e r tt". Die Eonfnmvereim', rnft sie pathetisch ans, „sind eine nothweudige Abt vehrmaßregel gegen die systematische Verfälschung der Lebensmittel, gegen die Verkürztmg von Maß lind Gereicht, gegen dem Preiswucher". Wahrlich, nichts ist für dem Laien verblüffender, als die Lobpreisungen der dnrch und durch capitalistischen Wiener Eouftliiwereiire durch den Eato der Wiener Zeitungen; der Kundige weiß, tvelche realen Interessen er dabei vertheidigt. Es muss einmal offen gesagt werden. dass die WienerEoiisimwereine heute nur Mittel zu dem Zwecke sind, dass sich einige wenige Eapitalisten in utwe"rschänuer Weise bereichern; der Wiener Coltstmtverein tmd der mit großem Applomb gegründete Niederösterreichische Consiimvereiu sind irr der Hand von zwei oder drei Capitalicken, deren Wille Gesetz ist. Dass diese Herren zttfällig Juden sind, kann uns nicht tu nuferer Aufgabe, die Rechte des jüdischen Volkes 31t vertreten, beirren. Wir werden auch, wenn es nothtvendig ist, noch deutlicher werden. Wir wollen heute nur dieser heuchlerischen „Arbeiter-Zeitung" die Maske vom Gesichte reißen. Das ganze Vorgeheit der Socialdemocratie ist allein darauf gerichtet, den jüdischen mittleren Handelsstand zu niinieren. Es war nach den vorletzten Reichstaczswablen, als die Socialdemokraten durch die X1!uttlemitcn aufs Haupt geschlagen wurden; die Socis schnoben Rache und gründeten 'lngs einige Coitsumvereine; also, nur sich an den Antiemiten zu rächen, suchten sie vor allem die jüdischen Kanflc-nte zu ruinieren. Diese socialdemokrati.schen Consnmvereine verkrachten natürlich infolge der völligen Nnsahiqkeit der Verwalter in kürzester Zeit; aber dieses Vorgeben zeigte die eigentlichen Absichten der Partei, die ihr znm größten Schtnerze nicht gelangen. Ilird da haben die Socialdemokraten noch die eiserne Stirne, Vereine von Kanflenten und Kleingeiverbetreibendeli zn gründen. Wahrlich, nie ist B a n e r n f ü n g c r e i in so unverschämter Weise betrieben worden! Und wie tief muss die Intelligenz dieser jüdischen Kanstente beben, die den Lockrufen dieser Rattenfänger von Wim folgen! Sie brauchen doch nur die Sonntagsnnmmer der „Arbeiter-Jeitnng" in die Hand zu nehmen, um über die wahren Absichten der.Socialdeinokratie in untrüglichster Weise sich zu unterrichten. O, über diese Kälber, die ihren eigenen Mebgeru noch znjnbeln. Dr. Ellenbogen wirkte sehr erheiternd. Als im Parlamente die Dringlichkeit der Refornr der Gewerbenovelle berathen wurde, blieb er ruhig sitzen. Aber jetzt, nachdem Hoffnung vorhanden ist, dass'das Herrenhaus dnrch den Massenpetitionssturm ztlr Ablehnung der 88 69 und 00 bewogen werden wird, fntdet er den Mtckh, in einem Leopoldstädter Wirtshaus gegen diese berüchtigten Paragraphen zu wetteru. Da ntöchten wir ihn doch offen frawenn ihm einer von ihnen den schweren Pack, wenn auch nur für kurze Zeit, abgenommen häike. Aber in ihrer Eile konnten sie ihn nicht bemerken. Da sah Löb durch die Eilerrden einen jungen Mann suchenden Blickes sich drängen. Er staunte den kraftvollen, schönen Jüngling an. Vor einer Weile, als er in der Luft schtvebte, hatte er ihn gesehen. Unter einem Apelbaum, übersäet mit rosigen Blüten, um die die Bienen schwärmen, saß er, in seinen Armen hielt er das herrlichste Mädchen und schien ihr süße Liebesworte zu sagen; denn um ihren Korallenmund spielte das lieblichste Lächeln, und ihre Augen voll unergründlicher dunkler Glut leuchteten ihm zu. Wie kam der Jüngling hierher, in diese große Stadt? Doch . . . Löb stockte das Herz ... der Jüngling ... das waren die Züge seines verstorbenen WeibesI . . . Da hatte ihn der Jüngling erblickt, und mit dem jubelnden Ruse: Vater I stürzte er auf Löb zu, umarmte, küsste und herzte ihn. Und Löb fühlte, wie die Freude sein Herz und seine Seele ergriff, und er wunderte sich gar nicht darüber, dass sein todter Sohn stark und herrlich vor ihm stünde. Hat der Herr nicht noch größere Wunder an seinem Volke vollbracht? sagte er sich. Der Jüngling aber nahm den schweren Pack seines VaterS nud spielend warf er ihn über seine starke Schulter. Daun reichte er seinem Vater die Hand, und sie gieugen eine breite Straße dahin, die voll war von Eilenden. Löb, besten ganzes Inneres seliges Ahnen war, hörte feineu Sohn eine Melodie, die ihm so bekannt dünire, stimmen. Immer lauter, und jetzt erkannte Löb den Gesang: „Ma tanwu anholccho jaakauwl" — Und da drang aus des Sohnes mächtiger Brust der Gesang klar und deutlich hervor, dass er weithin hörbar war. Aufhorchend blieben die Brüder unter den Eilenden stehen. Selig sah Löb zu dem herrlichen Jüngling, seinem Sohne, auf, der unbeirrt weiter gieng und immer mächtiger den Sang ertönen ließ. Jetzt waren es aber die Worte der Keduschah: „Kodausch, kodansch, todansch". Und Löb sah die aufhorchenden Brüder, wie die Zerstreutheit und Sorge in ihren Gesichtern erst einer kindlichen Sehnsucht rmd dann einer leuchterrden Begeisterung wich, sie plötzlich alles, was sie in Händerr hielten, fallen ließen, und mit dem Jubelrus: Juda, mein Vvlkl sich zri dem Jüngling drängten, so dass bald ein großer Hanfe rim ihn war. Uird als der Jüngling eirreir neuen Gesang cmhub, ertönte es im brausenden Chor: Junta ach Adonaj elauchajich zijaurr, ledaur tvodaur, hallelujohl" Und Nr. 44 gen: Was hat die Svcialdemvkratie iitzwischen gethan, um die Bevölkerung über diese Novelle anszuklären? Warum bat sie sich ganz passiv verhalten, als von einem anonymen Eomitee in ganz Oesterreich eine Agitation gegen dieses verderbliche Gesetz entfacht wurde? Wenn ^dieses Gesetz fällt, so ist es wahrlich nicht Pie Schuld der Socialdemokratie; wir werden mit ihr auch über diesei: Punkt Abrechnung halten. DteIuden in derSocialdemokf alle. Atich iltnerhalb der deutschen Soeialdemokratie, dieser altbetvährten, kampferprobten, groß angelegten Organisation, ist ittm die antisemitische Krankheit ansgebrochen. — Wer hätte das vor einem Decemtinm noch gedacht! Schien doch die Soeialdemokratie dentscher Zunge wie burd) eine innere chinesische Mauer von dem antisemitischen Orkane geschützt, welcher mit seltenem llngestüm über das scheinbar confessionell rmd national indifferente Europa hereinbrach. Die geringe Anzahl jüdischer Proletarier in Deutschland, die Überalls große ntllnerische Kraft arischer Intelligenz innerhalb der soeialistischen Strömung, der altgeerbte Hang des Detckschen znm Kosmopolitismns, die wahre Theoretikernattlr des Germamm — das schienen lauter echte Bürgschaften gegen ein Eindringett ankisemitischert Geistes in diese Reihen zu sein. Warum ist es dennoch anders gekommen? Warum ertönten ans den: Lübecker Parteitage vom Genossemmmde so liebliche Rnfe: „wie russische Juden!" V Warum sprach Heine die Worte ans: „Manche, russische Inden könnten einen znm Antisemitismns treiben"? nsw. — Daran müssen die Jndeit nur selbst schuld sein, und iit der Thai, diesen Umschwung hadert Parvtls, Rosa Luxemburg und Genossen dnrch ihr Benehnten bewirkt. Die große Anzahl polnischer unb russischer Inden, tvelche im lebten Jahrzehnt die marxistische Socialdemokratie überfluteten, führten alle schlechten Eigenschaften des entarteten Jndenthnms mit sich. Bar aller Bodenständigkeit, dnrch eine innere Kluft von den natiortal denkenden unb sühleitden Volksgenossen getrennt, in allen geistigen Dingen, wie Kantsky selbst mit einer nicht unfeinen Wendung andeutete, ungeschickt, plump und ungraziös, instinctnnsicher, in allen Farben schillernd urrd schielend, in allen Empfindungssachen schwankend, so sind die Herren unb Damen beschaffen, die itach Deutschland kamen, mn wirklich hochcultivierten Elementen in Agitation unb Organisation eine Stütze 31t sein. Ihre innere Unsicherheit verbargen sie dnrch eilt nmso lauteres Hernmpoltern, ihre Jnstinctnnsicherheit fuchtelt sie durchs eine weitgehende Ungezogenheit zu verstecken. Marxistischer als Marx, dogmatischer als die „reinsten" Theoretiker unter ben Deutschen, nach rechts und links persönlich werdertd, mit schmutzigen Gc'berden nach den höchsten Idealer! greifend, machten sie sich überall in Preußen-Deutschland lulangeilehnt bevlerkbar; man lächelte zuerst über sie, nran begann sie damt zn bemitleideit — man beginnt sie jetzt zn Hasselt —• die Zeit bricht alt, wo man sie Verachtelt wird. Schon protestiert selbst Kantsky gegen die schlechte Form ihrer Aetißernngen, gegen das allzu Derbe, Ungraziöse ihres Benehmeils; sogar der nnsylllpathischeste Doginatiker der detckschen Marxisten nimmt sich ihrer katmt mehr an. Aber lvas ihiten am nteisten schadet, ist, dass sie wie alle national zerklüfteten und decadenten Juden auch nicht einmal das „halbe Natiottakbewnsstsein" bei anderen irgendwie achtelt. So wagte es der Jude Parvtls den geschickteften, gemäßigtesten Politiker der deutschen Socialüberall antworteten begeistert die Brüder, so dass alle Eilenden anfhorchend stehen blieben. Die Schar zog aber singend und den Herni preisend zur Stadt hinaus, immer weiter, sie erreichten das Meer, wie damals vor den Ausziehenden, wich es jetzt vor beti Heirnkehrenden zurück, dass sie trockenen Fußes hinüberkamen: Im jenseitigen Land erhob sich ein hoher Berg, und auf ihm war ein großer Tri'ninnerhanfen. Und wie sich die Schar dem jenseitigen Ufer näherte, da wurde eS lebendig in dem Trnnunerhmlfen, Mauern wuchsen empor, und als die Schar das jenseitige Ufer erreichte, leuchtete mit goldeneu Kuppeln der wiedererstaudeue Tempel des Herrn ins Land hinein. Die Mgnner aber warfen sich nieder, weinend und schluchznd küssten sie die heilige Erde. Und dann brauste ein Jclbet znm Himmel empor, dass er den Donner des rückkehreirden Meeres verschlang. Löb fühlte sich von der ungeheuren Woge deS Jubels emporgerissen, und bald schwebte er hoch in der Lust, da sah er wüstes Land sich in Gärten und Weinberge wandeln. Und ec sah die Könige ihren Purpur abwerfe-u, sich uirter das Volk mengen uub mit ihm den Herrn preisen. Er sah die Krieger ihre Waffen abiverfen, die Neichen mit den Armen theileri, und alles, was eine Stimme hatte, pries den Herrn. Löb flog immer weiter austvärts, immer stärker wurde die Wog-> des Jlwels. Bald veniahm er nicht mehr Worte und Gesang, nur die Harmonie fühlte er, imnrer reiner. Von oben ergoss sich eine Flut, von Licht ihrn tvar als flöge er in die Sonne . . . Grün, der Hausierer, Lobs Freund, hatte diesen am Freitag in seine Wohnung gehen sehen, er fehlte aber in: Tempel. Grün vernnithete daher, dass Löb krank sei, und wollte ihn Samstag früh besuchen. Als auf langes Pochen die iThür nicht geöffnet tvnrde, erbrachen sie die herbeigerufenen Hausleute. Erstickender Kohlendnnst wehte ihnen entgegen. Rasch tvnrde das Fenster eingeschlagen, dass der Dunst enttvich. Da saß Löb in seinem Sessel, den Kopf leicht ans die Brust geneigt, überirdischen Friedeil in seinein häss- Ucheil, dllrchsllrchten Leiderlsgeswichte. Drallßell tvar eiil klarer Frvstinvrgen, und die eben ausgehende Svrliw tvars rosigen Scheiic auf ihn.