Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Frei lag .indisches VoLksblatt 25. October 1901 Nr. 43 sammlung versetzt, in der gegen Juden gehetzt wird; und später, über seine Initiative die deutsche Fortschrittspartei die Förnls man den Christen Vvrwirft, dass sie ..blutgierige Mörder" sind derunq der Interessen der Bukowina zugesichert hat. Nun und nach dem Leben des Kaisers trachten, glaubt man den leibbeschränkt sich diese Förderung darauf, dass man deil Abhaftigcn Pater Vergani oder den Redacteuc Dr. Scheicher zu geordneten Leon Rosenzweig und Skedl gnädigst gestattet, die Wünsche zur Sprache zu bringen.". Welche Gros; oder den Redacteuc Dr. hören: Es liegt eine erschütternde Tragik darin, dass die Glaubensgenossen jener ttrchristen ueunzehnhundert Jahre später selbst die Verleumdungen gegen eine religiöse Minorität erheben, die einst gegen sie laut wurde». Einst hies; eS: Bist Du ein Christ? Und eine Bejahung konnte den Betreffenden das Leben oder wenigstens den Verlust der Acmter und seines Hab und Gutes kosten. Ist es heute anders gelvorden? Nein; nur dass die Christen fragen: Bist Du ein Jnd? Einst hieß eS: Kein Mitleid mit ihm, sie sind nur Christen. Hellte hciszt es: Vernadert's ihil, es ist nur eiil JudI Ja, man scheut und schämt sich nicht, daS wahnlvitzigc Märchen des Nitttalmordes auszugraben. So sind in der Kunst 40 Jahre, im Leben zwei Jahrtausende spurlos vorübergerauscht. Die jüdische Nation wird lingestraft beleidigt, verdächtigt und' unterdrückt, ohne dass das öffentliche Gewissen Europas sich regen würde, ncunzehnhundert Jahre, nachdem der Fischer Petrus aus Palästina der Welt das Heil brachte. Doch genug davon. Wir sind überzeugt, dass es dem Director Müller fernegelegen ist, mit diesem Stücke elericale Propaganda zu machell oder deil Jilstineten der Masse zu stöhnen. So etlvas thut der „Bruder" Müller ilicht; er tvollte vielnlehr die Gedankeir bei den Zuhörern erweckeil, die ich im Vorangehcndell schilderte. Jüdisches Mtseum. Das der „Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Jndenthnms" unterstehende „Jiidislche Museum",^Stadt, Rathhausstraße 13, ist vom 19. d. M. an jeden Sramstag von 11—1 Uhr mittags zur freien Besichtigung geöffnet. Borlesung. Am Freitag den 26. October einhalb acht Uhr abends findet im Hörsaale 33 der k. k. Universität eine von der Lese- und Nedehalle jüdischer Hochschüler in Wien veranstaltete Vorlesung des Schriftstellers Dr. Marco Brociner statt, welcher eigene deutsche imd rumänische Scizzen zum Vorfrage bringen lvird. Trauerfeier.. Am 20. d. M. fand in Czeruowih die von der jüd. nat. akad. Verbindung „Hasmonea" ausAnlass des Absterbcns ihres A. H. Alfred Chodrower angekündigte Trauerfeier im kleinen Saale der städtischen Turnhalle statt. In dem schwarz drapieicken Saale, in welchem während der ganzell Feier die Lampen brannten, fand sich die Familie des Verschiedenen, Reichsrathsabgeordneter Dr. Straucher, Oberrabbincr Rosenfeld, Gemeinderath Picker, Jnspector Dr. Weinreb, Dr. Chaies, mehrere Cultusräthe, eine stattliche Anzahl von Studenten und Bekannten des Verstorbenen usw. ein. Nach dem Absingen der Strophe „de brevitate Vitae" durch den „Hasmonaeer-Chor", ergriff stud. jur. Max Covter das Wort zur Trauerrede. Alle, die den Verstorbenen kannten, wissen, welch liebenswürdiger und charakterfester Mann er war. Sein garrzeS Leben widmete er seinem, dem jüdischen Volke, sein ganzes Sehnen gieng dahin, ihm zu helfen und in den Reiheil der jüdischen Studenten war er einer der ersten Kämpfer. Sein Tod hat in diesen Reihe eine Lücke zurückgelassen, die wohl schlver zu ersetzen sein wird. Einen solchen Bundesbruder könne man nie vergessen, treu und hingebungsvoll wird das Angedenken sein, das die gesammte jüdische Sttldentenschaft ihm wahren, wird. Die formvollendete, von edler Begeisterung durchwehte Rede machte' auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck. Mit dem Absingen des Choralgcsanges „Abschied" schloss diese Trauerfeier, die die „Hasmonea" einem ihrer edelsten Mitglieder gewidmet hat. Tie Stützen der deutschen Culttrr in der Bukowina, das sind offenbar die selbstbewussten Träger des echten, unverfälschten, einzig wahren Dentschthnms: die christlichen Deutschen. Das bilden sich die Herren ein und leiten davon das Recht zu so manchem Vorrechte ab. Wie sieht es aber in Wirklichkeit damit mrs? Die deutsche Literatur ist doch gewiss eine der herrlichsten Blüten der deutschen Cultnr, mit ihrer Hilfe erobert man die ganze geistige Welt. Aber die christlichen Deutschen haben vor dieser Dame, welche eine ihrer vornehmsten Protectorinnen vorstellt, eine eigene Scheu. Sie meiden jeden intimen Verkehr mit ihr, sie weichen ihr aus, fast schon demonstrativ. Feiern alle Deutschen in Oesterreich imd mich drangen im Reiche ein Dichterfest, ehren sie einen deutschen Poeten, so hat man bisher noch nie gehört, dass unsere christlichen Deutscherl mit in diesem Culttlvreigen wären, dass sie solch einen Anlass benützt hätten, das Wirken und die Bedeutung eineZ solchen hervorragenden Mannes ihren Genossen näher zu bringen, ihre Cultnrträgerschar mit den besten Culturträgern bekannt zu machen und das Interesse für bedeutende deutsche Männer zu wecken.. Aber cm Kegel- und geselligen Abenden fehlt eS im deutschen Heim llicht. Das Werk eines der beachtenstvertesten modernen deutschen Dichter: „Flachsmann als Erzieher" von Otto Ernst wird im deutschen Siadttheatcr in Czernowitz anfgeführt. Die ganze gebildete deutsche Welt steht unter dem Eindrücke dieses in seiner Art die Geister revoltierenden Stückes, eines Dramas, welches das geistige Niveau der deutschen Schule und des deutschen Lehrers zu heben allstrebt. Da umssten doch die Stützen der deutschen Cliltur in der Bukowina, die christlichen Deutscherl, in Massen ins Theater eilen, um sich an dem schönen Werke deutschen Geistes zu ersrellen und denlonstrativ darzuthun, dass sie den Producten deiltschen Geistes auch in der fernen Bukowina zum siegreichen Eingang verhelfen, sie bekannt machen den Naiionalgenossen und den arlderen Bewohnern des Landes. Das wäre eille wirksame natiollale Propagallda der That, die obendrein den Vorzug hat, dass sie den Theaterbesuchern einen Genuss bringt. Das Theater war auch am Mittwoch mlsnehmcnd gut besucht, mit lebhaftem Interesse folgte daS Publicum der Ausführung von „Flachsmann als Erzieher" und der Contact zwischen Dichter und Zuschauer war bald durch eine vor- Aber lver aufmerksam im Theater mutt) imb dabei auch eilt Trost. Um etwas zur Sprache zu bringen, muss ruau ja die Sprache besitzen, und gottlob! Leon Nosenzlveig scheint sie lviedergefuudeu zu haben! In der letzten Session lvar dies nicht der Fall. Hilfsverein für Galizien. Alls Krakau wird geschriebcu: Wie bekannt, hat der Wiener Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien tu seinen Statuten sich Vorbehalten, in allen Städten der österreichischen Neichshälfte Ortsgruppen (Zwcigvercine) zu gründen. Jil Krakau trat mm eine solche Ortsgruppe zusammen uild hielt bereits am 17. v. M. unter Vorsitz des Herrn Dr. Hermann Brumer, Präses der Bnei Bris-Loge, die consritiliereude Versammlung ab. Der Vorsitzende erörterte eingehend deil Zweck der Versammlung und verlas einen Bericht der Centrale in Wien. Aus diesem für die ctvmeu Juden in Galizien hoffnungsvollen Berichte entnehmen wir Folgendes: Der Vorstand des Hilssvereins in Wien ist zur »uumstössticheu Erkenntnis gelangt, dass nur die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit durch Hausindustrien das Wichtigste zur Linderung deS jüdischen Elendes in Galizien tvärc. Der Vorstand bemüht sich daher, um Exporteure namhaft zn machen, welche grosteu Warenbedarf haben und deren Erzeugnisse lediglich aus der Hausindustrie hervorgehcn. Und es fand sich glücklicherweise ein Exporteur in Wien, der in grosteu Massen Haar- und ■ Seideuuctze in viele Länder verschickt, bisher in Niederösterreich, Böhmen und Mähren Factorcieu besitzt und einige tausend Familien durch die Ertheilung von Arbeit (die Ausarbeitung von Netzeil) beschäftigt und in der Lage ist, weitere 10 000 Arbeiter »n^ Arbeiterinnen dauernd zu beschäftigen. Dieser Exporteur schickte vor zwei Monaten seinen Obersactor, Herrn Lewith, nach galizischen kleinen Orten mit 11 Lehrerinnen, um jüdische Mädchen und Knaben im Arbeiten von Netzen zu unterrichten. Der Unterricht gieng sehr leicht vonstnttcn; es versammelten sich Jung und Alt zur Erlernung der Arbeit, und anfangs vorigen Monats waren bereits in dem Städtchen Donwroiva 72, Rosvadow 78, Wischnitze 20, Mielez 52, Dnkla 50, Chrzanow 42, Jagielniza 80, Serloschtschik GO und Tlnste 42 Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem Ausarbeiten von Haar- und Seidenuetzen beschäftigt, die im Verhältnisse ihrer Lcistnnassähigkeit 00 Heller bis 1 Krone 60 Heller täglich verdienen. Die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt m Galizien eine Riesenznknnst hat mrd dass der Vorstand de Hilfsvereins bemüht sein wird, eine große Zahl von Exporteuren aller Branchen der Hausindustrie zn gewinnen, um in allen nothwendigen galizischen Ortschaften genügend Arbeitsgelegenheit zn schaffen. Der Ortsgruppe des Hilfsvereins kann jedermann, auch Damen, üeirreten. Der Jahresbeitrag beträgt blos 4 Kronen. Jedes Mitglied hat das Wahlrecht bei der Generalversammlung, ansterdem unterstützt dieses mit den vier Kronen ein ökonomischhumanitäres Werk, das dem Judenthnm zur wahren Zierde gereicht. Einschreibungen nimmt vorläufig der Obmann Herr Dr Brumer in Krakau entgegen. Der Wunderrabbi von Feldmann. Ans Krakau lvird uns geschrieben: Vor,.kurzem wurde im Lemberger Stadttheater „Der Wunderrabbi" von Wilhelm Feldmann aufgeführt, welcher sich keiner besonders günstigen Aufnahme solvohl seitens des PnblicumS als der Theaterkreise erfreute. sEinige Tage hierauf erschien im „Wschod" ein Artikel, in welchem der „Wunderrabbi" einer abfälligen Kritik unterzogen wurde, Diese über den „Wunderrabbi" des Wilhelm Feldmann» eines socialistischen Parteimannes, geübte Kritik gab dem hiesigen socialistischen Tagblatt „Naprzod" Anlass zu einer» gegen die Zionisten gÄnchteten und von gemeinen Beschimpfungen strotzenden Artikel. Der Autor dieses Artikels zerrte den Zionismus einfach in den Koth und schloss mit einem angeblichen Ausspruchs von Zetterbanm: „Ich spucke auf Eure Ideale." Die Krakauer Nationalen, höchst entrüstet darüber, beschlossen gelegentlich einer Versammlung im Vereine „Achtzus" eine wie folgt lmttende Resolutton: „Die am 19. 10. 1901 im Locale des Vereins „Achdns" versammelten zionistischen Handelsangestellten, Arbeiter und Hochschüler drücken ihre Entrüstung und Verachtung dem Tagblatt „Naprzod" für dessen unbegründete. Angriffe ans den Zionismus ans. Indem dies Blatt rücksichtslos den Zivnismrls verdammt und die Ansichten des Recensenten des „Wschod" über dieses Schauspiel mit dem zionistischen Programm identificiert, legt die Redaction des „Naprzod" ihre mala fide cm den Tag, und thut dies auf eine Weise, die wohl eines Revolverblättchens mrd nicht eines socialistischen Tagblatics würdig ist. Die Versammelten erklären und bringen dies zur Kenntnis des „Naprzod", dass sie die ihrer würdige Aufgabe bloß in 'der Arbeit erblicken, die die cnltnrelle und ökonomische Hebung der jüdischen Nation bezweckt, dass sie dagegen die kriecherische Liebedienerei in fremden Parteien verwerfen und dass erst dann die.arbeitenden Classen des jüdischen Volks werden Hand in Hand gehen können mit den arbeitenden Massen anderer Nationen, Ivenn es den erstcren gelungen sein wird, die Gleichwertigkeit und die Ebenbürtigkeit der jüdischen Nation zu erkämpfen und zur allgemeinen Anerkennung zu bringen." P. R. Tempelbrand. In Teltsch brach am 7. d. M. im israelitischen Tempel ein Feuer aus, welches das ganze Ge bände mit den inneren Einrichtungen total einäscherte. Nur die Thorarollen lvurden durch den Commis I. Lauer gerettet. Die Entstehungsursache des Brandes konnte noch nicht erniittelt werden. Entführung eines Judenmädchens. Ans Lemberg lvird uns geschrieben: Das Erkenntnisgericht in Neu- Scmdec bat den Grundbesitzerssohn Josef Hnjdak wegen Entführung des siebzehnjährigen Judenmävchens Nahe! Ring, die er nach Krakau in das Felicianerimten-Kloster brachte, lvo sie sich jetzt noch zur Vorbereitung für die Taufe aushält, zu 1 Monat schweren, durch Fasten verschärften treffliche Aufführung hergestellt um sich blickte, der musste die für die christlich-deutschen Culturträger höchst beschämende Thatsache constatieren, dass ihrer kaum . zehn im Theater, an diesem Siegesabende deutschen Geistes, nrr- Kerkers verurtheilt. wesend waren!! DaS ist die Art,!vie hierzulande die christlichen! .rt Deutschen die deutsche Literatur und das derttsche Theater fördern, s . ® 3s Ungarn, ßowt cuiuit soeben ilt Pi t Politisch, da stellen die Herren ihren Mann, die Besorgung der. erschienen Ausweis smd IN Ungarn wahrend der letzten 34 Cnlturanfgaben Culturträgern in ist nicht das einz im Interesse der deutschen Culttrrtr uns. Die deutsche politisches Streberthum. Das wollten wir hiermit deutschen Culttrr —- constaiiert haben. Die Wünsche der Bukowina. Die' „B. P." schreibt: Lieb' Bukowina magst ruhig sein, Roscnztveig und Skedl denken dein, beim die beiden — vernehmt staunend die Wllndermär — „meldeten im Club der Deutschen Fortschrittspartei an, dass sie bei der Budgetdebatte die Wünsche der Bukowina zur Sprache bringen tverden." So die „Nachrichten". Wir aber entsinnen uns, dass in der letzten Session Dr. Skedl dem Lande die als Rettung desselben ausposmmie Botschaft zu kund und zu wissen gethan hat, dass rungszeit der verschiedenen Minister-Präsidenten tvie folgt: Graf Julius Anöra.ssy 7 Juden, 40 Nicht-Juden. Graf Melchior L o n y a y l Jude, 8 Nicht-Juden. Josef S l a v l) 2 Juden, 3 Nicht-Juden. Graf B. W e n ck - h e i tu l Jude, l Nicht-Jude. Stefan B i t t a u kein Jude, 3 Nicht-Juden. Koloman Tisza 30 Juden, 260 Nicht-Juden. Graf Julius S z a p a r l) 3 Juden, 52 Nicht-Juden. Alexander Weke r l e l Jude, 40 Nicht- Juden. Baron Desider Ba n ffy 19 Juden. 133 Nicht- Juden. Kolotnan S z e l l 9 Juden, 47 Nicht-Juden. Azrslttrrd. Juden in den Schulen. Die 12 städtischen Realschulen Berlins wurden im ersten Halbjahr 1901 von 6320 Schülern besticht, 4603 evangelischen, 203 katholischen, 433 jüdischen, 21 Dissidenten. Von je 1000 Schülern waren 1. in den Gymnasien Berlins: 702 evangelische, 61 katholische, 246 jüdische, 1 dissidentischer; 2. in deir Realgymnasien: 793 evang., 86 kath., 170 jüd., 1 dissid.; in den Realschulen 872 evang., 39 kath., 81 jüd., 4 dissid. Bekamttlich bilden die Juden nur 5 Percent der Bevölkerung Berlins. Statistisches ans Württemberg. Nach der letzten am 1. October 1900 vorgenommenen Volkszählung beträgt die Bevölkerungszahl 1 407 176 Protestanten, 001 794 Katholiken und 12 039 Juden (0.02 Percent der Bevölkerung). Unter den 1897 Inhaftierten befanden sich 1130 Protestanten, (69 Percent), 707 Katholiken (40 Percent) und 4 Juden (0.2 Percent). Das jüdische Löcltproletariat. Unter diesem Titel veröffentlicht die Octobermnnmer der Pariser „Revue Blanche" einen Artikel von Henri Dayan, der init der Legende aufraumt, als schwämmen dieJuden imlleberflusse, als bestände unter ihnen die beit Christen abgehende Solidarität, als verabscheuten sie Handwerk uitd Ackerbau. An der Hand von staUsUscheu Berichten aus Rumänien, Russland, Persien, Marokko, Algerien, Nelv-Aork, London und Paris lvird die große Noth, die zu 7/a (0 ungefähr arm sind, geschildert. In Paris gibt cs 60 000 Juden, darunter mtudestens 30 000 Proletarier, Arbeiter und Hairdwerker; mir eine Handvoll beschäftigt sich mit Börsengeschäften. Im Uebrigen ist der jüdische Arbeiter, zumal in London, mehr das Opfer des Schlvitzsystems als der christliche. Ein neues Hospital. Ans Jerusalem wird uns gemeldet: Das neue Spital in Jerusalem, Schaare Zedek, das unter den Auspicien des Ceutralcomitees in Frankfurt errichtet wurde, ist fertig, es lvird feierlich eingeweiht lverden in Gcgertlvart einiger Mitglieher des Centralcvmitees. Jüdische Frauen in geistigen Berufen. Ein englisches Blatt berichtet über jüdische Aerztinnen und Advocatinnen in Amerika. Unter den jüdischen Aerztinnm sind in New- Bvrk die Damen Josefine Wolters, Dr. Bertha P. L u b i tz und Dr. Sarah W o l t hervorragend. In Chicago practicrert mit großem Erfolg Dr. Rosa Engelm a it tt, in Baltimore Dr. Rebecca Fleischer,^ in Phimadelphia die Doctoriunen E. L e w y , Anna W i l ln e r und Annabel Kons sowie Dr. P o r r a s. Manche von diesen jüdischen Aerztinnen verdienen 6—10 000 Dollars jährlich. In dein Blatte werden weiters 8 jüdische lveibliche Advocaten, darunter Frau Rosalie Löw, Vorsitzende des New-Uorker Clubs der weiblichen Advocaten, angeführt. Ferner sind 27 jüdische weibliche Journalisten, 3 Chemiker und 18 Zahnärztinnen namhaft gemacht. Endlich fangen die jüdischen Frauen in Amerika an, sich auch als Malerinnen und Bildhauerinnen zu betheiligen. Frau Käthe C o h e n hat von der Stadt Philadelphia den besonders ehrenvollen Auftrag zur Anfertigung eines öffentlichen Denkmals erhalten, . während Amne Salomons eine bekannte Malerin ist, lvelche als Vorsitzende des Künstlervereines zu Washington fungiert. Merkwürdig ist es, dass der überwiegende Theil dieser Damen russische Jüdinnen sind, die bei der größten Arniuth sich zu einer solchen hohen gesellschaftlichen Stellung emporgearbeitet haben. Es steckt doch eine gewaltige Summe von Intelligenz und Kraft int jüdischen Volke, welche durch keine Bedrückung und Gewaltthätigkeit auf die Dauer niedergehalten tverden kann. Juden im Heere. Wie die „Jetvish Chronicle" aus gttter Quelle erfährt, belief sich die Zahl der in den Reihen des russischen Heeres in China kgntpsenden jüdischen Soldaten auf mehr als 6000. Eine einzige Brigade zählte 680 Juden, von betten im Laufe der Campagne 18 gefallen und sehr viele verwimdet worden sind. Während des Passahfestes gab General Stößel, tvelchec datnals in der Nähe von Tietttsin operierte, seinen jüdischen Soldaten, welche in einer Stärke von 800 Mann unter seinem Commando standen, die beiden ersten, solvie die beiden letztet: Feiertage frei. Auch ließ er für diese Zeit für seine jüdischen Soldaten ztvei große Zelte errichten, von denen das eine als Synagoge, das attdere als rituelles Vorrathshaus wrd Mazzothbäckerei diente. Am ersten Tage des. Passahfestes besuchte General Stößel in Begleitung des Oberst Orodnikow imd des Oberstlieutenant Rabinen diese improvisierte Syttagvge tmd spendete für dieselbe 26 Rubel. Auch unter dem englischen Contingent in China befanden sich sehr viele Inden, namentlich dienen zahlreiche Juden in der englischen Marine, wo es über 100 jüdische Matrosen gibt. Sehr zahlreich ivaren die Juden in dem australischen Contütgcnt, das in Südafrika gekämpft hat, ( vertreten. Namentlich zählt die Abtheilung vott 9keu-Südwcrles so viele Juden in ihrer Mitte, dass ntan sie in Südafrika scherztveise das Netv-South-Wales'sche Kohntingetit trarmte. Der Aufenthalt fremder Juden in Palästina. Wie atts Cottstantitwpel genreldet tvird, hat der Sultan am 4. October eilte Ordre erlassen, durch welches der Aufenthalt fremder' Jtiden iit Palästina aufs nette erschwertwird. Der Aufenthalt darf unter keinen Ilmständen länger als drei Monate dauern. Rnssnr und Franzosm ln Palästina. Aus Jaffa wird uns flentetbet: Seit Ludtvig XIV. hat Frankreich ein besonderes Schutz r e ch t ü b e r P a l ä st i n a tmd die kathw lischen Christen im Oricntt beansprucht, tmd selbst wenn in der Heimat ein antielericaler Geist wehte, fand sich stnmer eine Mehrheit, die dir Gelder zur Unterstützung der geistlichen Schulen und Anstalten in der Levante bewilligte. Wer