Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 42 (18.10.1901)
- Date
- 1901-10-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. October 1901 Seite 9 cher nicht mit der Autonomie der Nationen, mit der Gleichberechtigung derselbe sich begnügt, welcher die Unterdrückung anderer Völker', anderer Nassen fordert, für ben ein Hindernis des nationalen Friedens, der cultnrellen und wirtschaftlichen Entwicklung der österreichischen Völker, sondern er endet mit logischer Notwendigkeit beim — Antisemitismus, auch, wenn Juden ihm Frohndienste leisten. Darum muss immer wieder durch alle Theile Oesterreichs der Nus erschallen: Keine jüdische Stimme all diesen Parteien. Inland. Wien. (Beim Grabdenkmale Heinrich Heines.) Trotz Wrabetz mrd Frauenberger beschloss ich, das Grabdenkmal Heinrich Heines in der Rotunde zu besichtigen. Was man zu Ehren eines Genies thut, ist wohlgcthan, unbeschadet der Motive; die Freisinnigen Wiens haben sehr viel gesündigt, aber um dieses Grabdenkmals willen sei ihnen manches verziehen. In der elektrischen Tramway saßen mehrere Gäste, von denen ich kraft meiner divinatorischen Gabe voraussetzte, dass sie das gleiche Ziel, wie ich, die Rotunde, haben; cs war die Blüte des Schottenrings, Männlein und Weiblein, die die ganze Bedeutung Heines darin erblicken, dass er getauft war, und in dieser Richtung für den ganzen Schottenring bahnbrechend gewirkt hat. Sei's drum; ein Genie ist nicht verantwortlich für seine Feinde, aber auch nicht für seine — Freunde. Im Prater angelangt, wanderte die ganze Karawane zur Rotunde. Von weitem sieht man die Büste Heines, die auf ein ein schlanken Postamente thront. Ja, das i st H e i n e, mein Heine; nicht der witzelnde, fnvole Liebling der Mondainen, sondern der Dichter, der trotz einer Nachtigall das Lied der Liebe sang, die stärker als der Tod ist, der über die tiefsten Fragen der Menschheit am Strande des Meeres oder auf dem Martcrbette in der Mansarde nachsann, der Jude, der das ganze Elend seines Volkes mit seiner ganzen Seele empfand und nicht den Judenschmerz überwinden konnte. Das i st dieser Mann, mit den ernsten, leidendurchfurchten' Mienen und mit dein gesenkten Blick, das ist der Jude Heine, über dessen jüdisch-nationales Empfinden heute Wohl kein Zweifel mehr herrscht. Die Büste steht auf einein Stativ, das vorne eine Leier trägt, die mit Rosen bekränzt ist; die Dörmen hat der Künstler vergessen, lieber der Leier ist ein Schmetterling, das Symbol der Seelenwanderung. An der Basis sind vier Todtenlampen angebracht, der ernsten Hingebung des Denkmals harmonisch angepasst. An der Stirnseite steht geschrieben: Heinrich Heine und Frau Heine, da e i n Grab ein so verschiedenes Paar umschließt. Am Steine, der das Grab deckt, sind Palmenblätter, Lotosblüten und ein Pinienzapfen angebracht, die Motive, die am häufigsten in seinen Liedern wiederkehren. Ein Stundenglas, das Sinnbild der Vergänglichkeit, hält den Straus; zusammen. Borne liegt der viel citierte Kranz mit der frisch vergoldeten Aufschrift: Das freisinnige Wien dein Andenken Heines. Das ist das einzig Störende am Denkmal; aber Schnee und Regen werden diese protzige und unwahre Inschrift auslöschen, und die Zeit wird die kleinlichen Motive der kleinj hin eine Sache der Möglichkeit gewesen. Aber heute, wo der Unterschied zwischen alt-orthodoxer und neu-reformaiorischer Richtung-ebenso groß ist wie etwa zwischen Wilna und New-Uork, wo selbst die modernen Orthodoxen in Deutschland sich mit den gemäßigten Reformen in den Haaren liegen, wie ist heute eine Organisation, welche alle diese Elemente zusammenfasst, möglich? Welche Brücken gibt es zwischen dein tiefen Abgrund, welcher sie scheidet? Und wie kann unter solchen Umständen von einein gemeinsamen Comitee die Rede sein, dessen Aussprüche für das ganze Judenthum maßgebend sein sollen! Anders ist die Sache bei einer jüdisch-nationalen Organisation. Wenn wir auch gegen die Assimilation Krieg führen müssen, wenn mir auch gegen verschiedene Anschauungen zufelde ziehen, gegen Polen, Russen, Deutsche ufw. „mosaischer Konfession" auftrctem, eine Grundidee ist uns jedoch allen gemeinsam, ein Gedanke, zu dein alle Inden früher oder später Zuflucht nehnren werden. Die Macht der' Thatsachen treibt unser Volk zur gemeinsamen Abwehr, und eine solche Organisation besteht und trägt Früchte. Aber auch nach außen kann eine nationale Organisation auf keine Hindernisse stoßen. Die Taktik „getrennt marschieren und vereint schlagen" bietet sich unserer gegenwärtigen Lage von selbst an. Die Jüdisch-Nationalen vereinigen sich in den einzelnen Ländern als besondere Organisation, sie bestehen nach den Gesetzen und Gewohnheiten der betreffenden Länder, gegen den allgemeinen jüdischen Feind, gedoehkämpfenc siegelneijlsain, wie ein.Volk, . -tpie': eine Nation. Wir wiederholen: Es ist ein Zeichen der Zeit, eine in der' Luft liegende Wahrheit, eine in alle Herzen dringende Idee, dass dein jüdischen Volke eine allgemeine, ganze Organisation fehlt und wir begrüßen diese Idee, in welcher Form sie auch immer zum Ausdruck gelangt, abergleichzeitig können wir nicht genug betonen, dass die einzig richtige Organisation für das Judenthlun nur auf nationaler Basis entstehen frmn. Die Vereinigung imfereä Volkes im Volksthum ist die einzige Quelle, ans der unser Volk Kraft und Heil schöpfen kann. B. lichen Menschen vergessen machen; der Stein jedoch wird bleiben, ein schuldiger Tribut, dargebracht dem Dichter Heine. L. B. S. Wien. (I ü d i s ch e r V o l k s v e r e i n für den 8., 9., 18. und 19. Bezirk.) Der Jüdische Volksverein fiir diese Bezirke veranstaltete am 2. d. M. im Stroblhofe eine Versammlung, welche äußerst gut besucht lvar und sehr anregend verlief. Dr. Meisengrün referierte über „Wirtschaftliche Strömungen im Judenthum" und betonte die Eigenart der national-jüdischen Richtung, lvelche nicht bloß dem Proletarier, vielmehr auch dem Mittelstände zur Seite stehen will. Die Juden müssen hinarbeiten auf die Vermengung des nationalen und des socialen Gedankens und die bisherige Ghettopolitik, lvelche bei anderen die Hilfe erwartet, aufgeben. Ingenieur Lölvenbein sprach hieraus über die „Ziele der Jüdischen Volkspartei" und zeigte in überzeugender Weise die Wege, welche eine jüdische Partei gehen muss, um das Judenthum zu retten. Der dritte Punkt der Tagesordnung bestand in dem Referate des Dr. .Kadisch über „Judenthum und die Nationalitätenfrage". „Indem wir den nationalen Gedanken, geläutert vom nationalen Chauvinismus, vertreten, indem mir den socialen Gedanken als den Gedanken der wirtschaftlichn Lage aller' producierenden Stände vertreten — nicht bloß vom Classenstandpunkte — haben wir das frohe Bewusstsein, nicht nur für unser Volk gearbeitet zu haben, sondern anderen Völkern das Beispiel einer Musterorganisation gegeben zu haben." An der Debatte betheiligten sich die Herren Richard Nappaport, I. Kraus, Dr. Bloch, sowie die Referenten. Wien (•■ii e t ein jüdischer Mädchen „M o r i a") Sonntag d"i> 13. d. M. fand im Ixt. Geselligkeits-Verein indischer Mädchen „Moria" der erste Vorkrag in diesem Semester statt. Ueberans zahlreich versammelte Mitglieder und Gäste lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit dem interessanten Vortrage des Herrn Dr. Jacob Kohn, der über die Frauenfrage und Erwerbsibätigkeit der Frauen sprach. Reichlicher Beifall lohnte dem Redner. Dem Vortrage folgte eine lebhafte Discussion, an der sich viele der anwesenden Damen betheiligten. B. H. Wien. (K u n dmach un g.) Die konstituierende G e n er al- V er s a m m l nn g des „B e rei ns z u r W ahrung d e x I n te r ess e n d e s o rth o d o x en I u d en t h n ms in Wien und N i e d e r ö ft e r r e i ch" findet Sonntag den 20. October 3 Uhr nachmittags, ini ist e st a u r a n t Wiener, I., S t e r n g a s s e 2, statt. Tagesordnung: I.Constidie genannter Verein verfolgt, haben die hervorragendsten Theater- Kunstkräfte ihre Mitwirkung bei der an diesem Abende stattfindenden Akademie zngesagt und ist cs ein Gebot reinster Humanität, das Unternehmen dieses jungen Vereines zu fördern. — Karten zu 2 Kronen sind im Cafe Kraus, 9. Bez., Rothe Löwengasse 10, sowie bei Herrn I. Löffler, 9. Bez., Hahngasse Nr. 34, erhältlich. Wien. (G e s e tz e s v o r l a g e n.) Wie verlautet, wird die Regierung dem Abgeordnetenhause ein neues Trunkenheitsgesetz und einen Entwurf zur neuerlichen Regelung der Stellung der Handelsgehilfen vorlegen. Bodenbach. Zinn ersteumalc trat der neugegründcte Tem-- pelbauverein als Veranstalter eines S i m ch a s - T h o r a - A b e n d s am 0. d. M. in Seene. Das Programm des musikalischdeelamatvrischen Theiles unter der uns Bodenbachern bekannten uixd bewährten Leitung, hatte eine graste Zahl von Zuhörern vortrefflich angeregt und in seiner rasch hillrerciilarrder stattfindeuden Folge bis zum letzten Punkte in vollster Aufmerksamkeit erhalten. Wie ein Wandelbild folgte auf ein vierhändig von den Damen Frl. Frankl (Bodenbach) und Frl. Fischer (Tetschen) vorgetragene Clavierpiece eine temperamentvolle Declamation des Frl. Herschmann (Bodenbach), tvoranf der Gesang ztoeier Lieder seitens des stimmbegabten Frl. Lederer (Teplitz) und der Vortrag trefflicher Couplets durch Herrn Kraus (Aussig) die Lachmuskeln erregte. Den Schluss der ersten Abtheilung bildete ein Duo des Frl. Lederer (Libachowitz) . und Herrn Adjunkten Wertheim (Nestomitz)- welches als Glanzleistung allgcrnein bezcichiiet wurde. Nach kurzer Pause folgte die zweite Abtheilung. Ein Duo, Clavier, Violin und Gesang, abermals Declamation von Frl. Lederer (Teplitz), Liedervortrag von Frl. Hanne Lederer (Libochowitz), komische Solovorträge Herr Kraus (Aussig) und als Schluss ein Einarter von den Fräulein Frankl, Martha und Jda Herschmann, Henriette Pick, sämmtliche aus Bodenbach und Frl. Fischer aus Tetschen in trefflichster tadellosester Weise aufgeführt. Trotz der Reichhaltigkeit des Programms hatte das Publicum bis zum Schluss vollste Ausuahmsfrische und Freudigkeit sich bewahrt. Nun folgte die Abwicklung des Programms. Krakau. (Zur Reichsrathswah l.) Die Reichsrathswahl an Stelle des verstorbenen Dr. Weigel wurde unter beispielloser Agitation am 10. d. M. durchgkführt mit dem Siege des demokratischen Candidatem Schulprofessor Jgnacy Petelenz, welcher 2498 Stimmen erhielt gegen 1689, die auf seinen Gegencandidaten, den Bicedirecwr der Staatsbahn Herrn Szukiewicz entfielen. Ausschlaggebend waren die 1800 Stinllneil der von den Clericalen heißumworbenen jüdischen Wähler, welche gegen die Beeinflussung des mit den Conservativen stimmenden israelitischen Eultusvorstandes mit großer Festigkeit kämpften. Ausschlaggebend für den Erfolg war eine Jntcrpellaiion, welche der Redacteur der Krakauer jüdischen Zeitung, tuierung des'Vereines % Wohl von 21 Vorstandsmitgliedern.' Herr Ahrons Marcus, an die conservativen Candidaten 3. Wahl dreier Revisoren. 4. Etwaige Anträge. Um zahlreiches j in der am 8. d. M. ausgeschriebenen Wählerversammlung Erscheinen wird ersucht Wien, NN October 1901. Für die Proporichte, ob derselbe, wie sein Vorgänger, den Mannesmutb „„„ . Bernhar Hofbauer.! finden werde, bet eventuell auftretenden Ritualmordbeschnldigungen, dieselben als das zu stigmatisieren, was sie sind: schändliche Verleumdungen, angestiftet von einer verbrechsrischen internationalen Maffia, zu dem Zwecke, um die 'auf dein Papiere bestehende Gleichstellung der Juden lvieder zu vernichten. Es sei traurig, bei elektrischem Lichte solche mittelalterliche Schmach aufgraben zu müssen, aber angesichts des Hilsner- und Winter-Processes müsse man auf die Traditionen der alten polnischen Könige ihre Toleranz und Gerechtigkeitsliebe zurückgreifen, die diese Verleumdungen als Verbrechen mit den schwersten Strafen belegten. nenten Wien. (P e r s o n a l n a ch r i ch t.) Am 7. October fand die Trauung des Herrn Isidor Schlesinger mit Frau Regine Schlesinger (verw. Schwarz) stakt. Wien. (Statistisches.) Der Religion nach waren von je 1000 Civilpersonen 1800 1900 Römisch-katholisch . . . 877 874 Mosaisch ... . . . . 68 89 Evangelisch . yfl 32 Angehörige anderer Religionen 6 6 Wien. (Die L e s e - n n d R e d e h a l l e j ü d i s ch e r Hochschüler), ein Verein, der sich nach innen und nutzen stete bitten wir unsere Freunde, falls sie über Doubletten oder sonstige Bücher verfügen, die sie unserem Vereine spenden würden, uns dies entweder per Correspondcnzkartc anznzeigcn, worauf unser Diener die bezeichncten Bücher holen ^vird, oder uns dieselben direct zu übersenden. Die Namen der «pender ivcrden in unserem Jahresberichte veröffentlicht. Wien. (I ü d i s ch e r V e r e i n j u g e n d l i ch e x A r beiterinWie n , 20. Bezirk, Traunfelsls a s s e 1.) Diese rührige Organisation, die auf strammer national-socialer Grundlage im August d. I. gegründet wurde, zählt derzeit ca. 70 Mitglieder. Dieselben gehören nachstehenden Bernsen an: Buchbinder, Tapezierer, Friseure, Photographen, Schlosser, Modezeichner, Goldarbeiter, Tischler, Bettwarenerzenger, Posamentierer, Uhrmacher, Metallarbeiter, Commis, Comptoünsten, Lager- und Comptoirpraktikanten ufw. Der Verein bildet also eine gemischte Gewerkschaft, ist aber gleichzeitig ein Bildungsverein. Ordentliches Mitglied kann jeder jüdische Arbeiter' im Alter von 14—24 Jahren werden. Monatsbeitrag 20 Heller. Einmalige Einschreibgebür 20 Heller. Jeden Sonntag 7 Uhr abends findet im Vereinslocale ein Vortrag oder eine Discussion statt. Bücherausgabe jeden Mittwoch und Sonntag abends. Karten für die Sonntagnachmittagsvorstellnngen im k. k. Hofbürgtheater zn bedeutend ermäßigten Preisen sind im Vereinslocale Samstag abends zu beheben. Vorinerkungen für Sitzplätze zu 60 Heller, Stehplätze zu 20 Heller lverden täglich von 8—9 Uhr abends entgegengenommen. Alle Zuschriften sind an die obige Adresse zn richten. Spenden für die Bibliothek übernimmt auch die Administration deS „Jüdischen Volksblatt", Wien, 8. Bezirk. Wien. HW o ch e u - P rogra m m der Toynbe e - Halle, 20. B e g:, Karajangasse 20.) Samsta g 19. : Dr. Fischel: „Die Bedeutung der Rechtspflege im modernen Staatsleben." — Sonntag 20.: Coneert, Musik, Gesang. — M o n - t a g 21.: Dr. Martin Engländer: „Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften", Ctzklus 1: „Das geistige Sehen". —Dienstag 22.: Uprimnh: Josefus Flavins. — Mittwo ch 23.: Adolf Steinschneider: Chklns: „Jüdische Wohlfahrtsanstalten in Wien", 1. „Das Altersversorgungshaus". — Donnerstag 24.: Primarius Dr. Sigmund Kornfeld. Cvklns: „Ans dein Seelenleben". — Freitag 25.: Dr. Gruft: Bibel, Erklärung der Sedra. — Samstag 20.: Dr. I. W. Frieser: Hygiene. Chklns 1: „Prophp- Päpste kderselbe hatte sie nicht erlvähnt) als Katholikmicht daran glauben dürfe, und übrigens persönlich dieselbe als bajka und glupymysl, Fabel und Aberglauben betrachte. Die aus conservativen Parteimännern bestehende Vefiamnilung fand die Antwort unbefriedigend. Somit lvar der Gegenpartei der Angriffspunkt geboten, den dieselbe am anderen Tage in einer schnell unberufenen Versammlung ausnützte, um von 1800 jüdischen Wahlstinnnen 1600 auf ihre Seite zu ziehen. Triest. (Z n m C a p i l c l W o fj l r h ä r i g tc it.) Aus Triest wird uns geschrieben: Es dürften Sie vielleicht die Verhaltniste^ der Juden in dem einzigen grotzen österrischen Handelshafen Triest interessieren, und so erlaube ich mir, da ich keine Lügen leiden kann, dieselben der ganzen Welt in die Ohren zu schreien. Also hier in Triest sind ca. 6000 Juden, grötztcntheils wohlhabende, darunter, wie man sagt, au chinehrcre Millionäre; allerdings mangelt es au von Almosen lebenden auch nicht. Nun, wie Sie wissen.- ist es bei uns Inden Sitte, hier, sarvie auch anderwärts, dass roenn ein Jude oder auch Nichtstide stirbt, Freunde und Bekannte dieses Verstorbenen^ zu Ehren des Andenkens desselben viele Spenden machen für öffentliches Wohlthätigkeitszwecke. Also auch wenn ein Christ stirbt, so spendieren alle, ivenn er Juden als Freunde und Bekannte hatte, gelviss zn Ehren seines Andenkens, selten aber umgekehrt. Natürlich sind diese öffentliche Wohlthätigkeitsanstalten sehr veAchiedenaetig, christliche, jüdische und interconfessionelle. Von den speeifisch christlichen sind Juden ausgeschlossen, umgekehrt nicht. Auf diese Art fliesten hier jährlich in die Hunderttansende von Kronen den öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten zu, und die Spenden sind merkwürdigerlveise grötztentheils von Juden, trotzdem dieselben kaum 5 Percent der hiesigen Bevölkerung ausmachen. Nun, das Ganze iväre ja löblich, ivenn nicht die jüdische Verstocktheit, das geradezu niedrig-kriechende, feige, sich nicht zu erkennengebende jüdische Wesen gar so auffallend lväre. Ist es noch halblvegs annehmbar, wenn ein Christ stirbt, dass die Herren Juden zu Ehren seines Andenkens für alle mögliche Wohlthätigkeitsanstalten spenden, nur fiir jüdische nicht, so ist es geradezu empörend, dass selbst, ivenn der Verstorbene ein Jude war, die Herren Jliden auch grötztentheils für christliche Wohlthätigkeitsanstalten spenden. Bei alledem sollte man glauben, dass die Juden, welche für andere so reichlich sorgen, selbst persorgt sind, aber weit gefehlt. In den eigenen jüdischen Institutionen herrscht eine geradezu erschreckende orientalische Armut, die jeder Beschreibung spottet. So z.B. gibt es hier eine über 100 Jahre bestehende Talmud-Thora- Schule, die von über 100 Kindern freguennert wird, und da sollen Sie sehen, in welchem Zustande sich die Schule befindet; in einem alten, feuchten, finsteren, an einen Berg und einen altenFriedhof gelehnten Hanse, mehr einem Kerker als einer Schule ähnlich,'und die Lehrer in derselben, obtvohl Universitätshörer mit Doetor- oder laxe der .Nervenkrankheiten . sPA!ft^Pngen zn Vortragen wolle i Nabbinrtitel, blotz mit einem 61ehalt von 5—600 Gulden (keine «(}•' an4 ol1'' rr 11' "iid Gerichts- Pension) jährlich; da können Sie sich einen Begriff von dieserSchule advocat, V. ien, 7. Bez., Lmdengasse 11. j (mit Oeffentlichkeitsrecht) machen. Vom Spital, Kinderasyl und Wien. Der allgemciue Kranken-Ilnterstützungs-Vereiu ' soriftigeu Anstalten tvill ich Ihnen gar nicht reden, denn ich biri „Menschenliebe" in Wien, v. Bez., Rothe Löwengasse Nr. 10 überzeugt, dass die Juden iti Peilien, Marokko oder China in dieser (Cafe Kraus) feiert am 19. d. M., 8 Uhr gbends, im Saale des Beziehung besser versorgt sind als in Triest. Doch jetzt kommt die Hotel „zum Bayerischen Hof", 2. Bez., Taborstratze, sein erstes Hauptsache und der Schluss: Wir haben hier vier Tempel, alle in Gründungsfest. — In Anbetracht der eminent humanitären Zwecke, der Altstadt, dem ehemaligen Ghetto, von Bedürfnisanstalten und