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Jüdisches Volksblatt · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. October 1901 Seite 6 israelitischen Cullusvorstande in Czernowitz soivohl in unserem, als auch im Namen der jüdischen Arbeiter den tiefgefühlten Dank mrssprechen, dass er durch die warme Förderung unseres Unternehmens im vorigen Jahre, ohne die die Curse nicht die geringste Aussicht gehabt hätte», berlvirklicht zu lverden, der st'rd.-akad. Verbindung „Zcphirah" die Möglichkeit geboten hat, int Dienste des jüdischen Volkes wahrhaft thätig zu sc'in, und dass sie den Arbeitern die Mittel an die Hand gegeben, sich zu einem menschenwürdigen Dasein emporznringen. Und hoffen wir auch jetzt, dass die Aennsten unserer Brüder auch -künftighin der einmal genossenen Förderung theilhaftig bleiben. Budapest. (Wahlen.) Die Hauptstadt Budapest hat!i Abgeordnete zn wählen, wovon 3" Juden sind. Diese sind: Dr. Veszi Josef im IM. Bezirke, dessen Rival ein Antisemit ist; im V. Bezirke Sandor Paul gegen den langjährigen Abgeordneten des Bezirkes, ein Jude, Dr. Moriz M e s e i, und die interessantest Wahl war im Vit. Bezirke, wo Herr Dr. Wilhelm B azso ny l gegen den langjährigen nichtjüdischen Abgeordneten Dr. Radocza Janos gewählt wurde mit einer Majorität von 1467 Stimmen. Dr. Veszi Jos. ist durch seine Journalistik berühmt, S a n d o r Paul durch seine allgemeine Humanität bekannt, denn er war es, der im vorigen Jahre die Action der Hilfeleistung der rumänischen Juden in Scene setzte. Doctor V a z s o n y i ist bekannt durch seine Betheiligung an der Criminal- Jornalistik. Agram. (Verein jüdischer Mittelschüler.) Wie bekannt, besteht in Agram ein Verein, gegründet von jüdischen Mittelschülern. Dieser Verein hat sich die edle Aufgabe zur Pflicht gemacht, durch Vorträge, durch Lesen jüdischer Werke die Liebe zum Judenthnm, das Bewusstsein jüdischer Nationalität wachznrufen. Dass der Verein eine rege Thätigkeit entfaltet, geht schon daraus hervor, dass im vorigen Jahre 22 Vorträge abgehalten wurden, denen sich auch die Herren Oberrabbiner Dr. H. Jacoby und Dr. G. Schwarz anschlossen. Der Stoff zu den Vorträgen wird Büchern entnommen, die Eigenthum des Vereines sind. Die Zahl dieser Bücher blieb in den drei Jahren des Vereinsbestandes so gering, dass der Name „Bibliothek" für diese eine Ironie bedeuten würde. Von den monatlichen Beitrügen der Mitglieder werden die Ausgaben gedeckt, daher wir nun auf Bücherspenden angewiesen sind. 91 im richte ich im Namen des Vereines die Bitte an Sie, geehrter Herr Nedacteur, dass Sie uns durch etwaige Spenden nach Möglichkeit, sowie auch durch Ihre gütige Vermittlung gegenüber den geehrten jüdischen Herren Autoren uns je ein Exemplar ihrer Werke, belehrenden oder unterhaltenden Inhaltes, freundlicherweise zukommen zu. lassen und so der nothwendigen Erweiterung unseres Bücherschatzes verhelfen möchten. Damit würde vieles zum Aufblühen des genannten Vereines beigetragen werden. Arrsiarrd. Jassy. (I u d e n c o u g r es s.) Es regt sich in der rumänischen Judenheit. Die nach der Demission des Ministeriums C a r p tvdtgcglaubte Cvmmnnitäts-Frage ist wieder lebendig gewordnu. Die vor 5 Jahren durch den Galatzer Congress; begonnene, von Brociner (Bukarest), Goldenthal (Jassy) fortgesetzte Agitation dauert fort. B r o c i n e r und Dr. F l i t t m a n n haben einen Congress nach Focsani einberufen uno die Rabbiner Dr. B e ck (Bukarest) und Doctor Niemirower (Jassy) predigten für Propaganda dieser Idee. Es ist auch die h ochste Zeit; denn nur einzelne Gemeinden, Gotteshäuser und Institute, wie unser Krankenhaus (dank der Thätigkeit des Herrn G o l d e n t h a l) erfreuen sich der staatlichen Anerkennung. Einen obligatorischen Religionsunterricht gibt es nicht, wofür jetzt Dr. N i e m ir o w e r (Jassy) und Dr. Nacht (Focsani) eintreten. Für üwalidc Cultnsbeamte, Leürerwitwen rc. müsste erst gesorgt werden, was der Schriftsteller Schwartzfeld (Bukarest), Dr. Niemirower (Jassy) immer hervorheben. Eine Repräsentanz der rumänischen Judenheit nach dem Muster des deutschen Gemeindebundrs will Josef B r o c i u e r schaffen. Israel. Petersburg. (Eine neue russische 3 c c t e.) Diese Tage spielte sich in mehreren goubernementalen Gerichtssälen eine grandiose, für das religiöse Leben der russischen Volksmassen charakteristische Scene ab. Bor dem Gerichte erschienen Hunderte von Anhängern einer geheimen, vielfach verzweiglten religiösen Secte, die sich „Jehobisten" oder „Sabotniki", d. h. Verehrer des Sabbaths, nannten. Die Secte wurde vor etiva 40 Jahre,, von einen, Artillerie-Officier Hjin gegründet, der unter seinen Untergebenen in recht naiver Weise europäische, rationalistische Ideen, gemischt mit heiligen Sprüchen propagierte. Die dunklen Predigten des humanen Osficiers igefielen dem unwissenden und unterdrückten Volke, das ihn bald mit der Aureole des „neuen Propheten" umgab. In einer seiner weit verbreiteten Hanptschriften „Die allgemein menschliche Wakirheit" erklärt er den,entsprechend: So verkündete vor mir der nreivige unsterbliche Jehova 700 Jahre vor seiner Menschwerdung, lvie folgt: Den, der ans den, Osten kam, werde ich „ach Norden führen, und er wird allen Völkern meinen Namen und die allgemein menschliche Wahrheit verkündigen." Hjin wurde nach dem Solwezki-Kloster am Ural auf 20 Jahre verbannt. Hier lernte er andere Sectierer kennen, die ihm mittheilten, dass „ach einem vor dem Urin,kriege circnlierenden Gerüchte von diesem Kloster ans Wundcrthaten verkündet lverden sollten. Es werde eine Hostie erscheinen, an der sich alle Theologen verbluten werden. Hjin erklärte, selbst diese Hostie zn sein, und predigte mit Fanatismus seine neue Religion. Der Behörde erklärte er: Obwohl man mich mit hundert Angen beivacht, konnte man doch nicht den Strahl der Wahrheit während sieben Jahren verlöschen, denn Gott hat mit meiner Hand über 700 Bücher geschrieben und über die ganze Erde, verbreitet. Er gab an, er habe „unuhe Schriften auch an Rothschild geschickt, mit der Bitte, ihn, zn helfen, die Inden zn Jehova znrückznleiten, allein der SatanSrabbi wollte davon nichts wissen. Die Lehre Hjins ergriff die Volksmassen des Uralgebietes, und wuchs zu einer" geschickt organisierten geheimen Mach,. Der Inhalt seiner Lehre besteht etiva in Folgendem: Bei der Schöpfung des Sonnensystems gab es mir zwei Menschen: Jehova und den Satan. Dementsprechend theilen sich die Menschen in Jehovisten und Satanisten. Die Anhänger Hjins halten ihn für den Propheten Elias, der von, Himmel auf die Erde kam. Amsterdam. Die bereits telegraphisch gemeldete Conferenz zur Vorbereitung eines Congresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels hielt am Donnerstag und Freitag vier Sitzungen ab. Wie der „Telegraaf" über die unter Ausschluss der Oeffentlichkeit stattgehabten Verhandlungen erfährt, galten sie vor allem der Durchführung einer genaueren Eontrole der Eisenbahnen und der Dampfer in de>, Ausfuhr- und Landungshäfen; hiezu und zur Ueberivachnng der Grenzen soll eine Verständigung zwischen den Polizeibureaux der verschiedenen Staaten organisiert werden. Geeigenete philanthropische Einrichtungen wurden weiter besprochen, die die jungen Mädchen gegen Vorspiegelungen der Mädchenjäger schützen sollen. Von deutscher Seite waren bei dieser Vorbesprechung die Herren Baron von der Goltz, Pfarrer Burckhardt und Canonicus Müller-Simonis zugegen. Außerdem ivaren Holland, England, Belgien, Italien, Norwegen, Russland, die. Schiveiz, Schiveden und Frankreich durch Senator Berenger vertreten. Aus Rumänien. (Original-Correfpondenz des „Jüdischen Volksblatt".) Ein antisemitischer Minister-Präsident. — Jüdischer Aufstand? — Todte nnd Verwundete. Jassy, Mitte September. Die sogenannte jndenfreundliche Presse Oesterreich- Ungarns hat sich über eine wichtige Debatte, die in der rumänischen Kammer gelegentlich der Verhandlungen über den rumänisch-österreichisch -ungarischen Ausliefernngsvertrag stattfaud, total ausgeschwiegen. Der „Pest er Lloyd" hat zwar einen Artikel aus der Feder seines antisemitischen Correspondenten, des berü— hmten Doctor Hans Kraus, gebracht, darin aber nur hervorgehoben, dass der demokratische Abgeordnete Constantin Mille sich gegen die Auslieferung der Königsmörder aus principiellen Gründen ausgesprochen habe. Dass dieser Abgeordneter aber eine weit wichtigere Frage berührt hat, die bei der jetzigen Zusammensetzung der Kammer kein anderer Abgeordneter den Muth haben kann, zu berühren, dass in Beantwortung dieser Frage der Ministerpräsident Demeter S t u r d z a eine Antwort gegeben hat, die von äußerster Wichtigkeit ist, da sie zeigt, dass man in Rumänien auch nicht mehr daran denkt, zu leugnen, dass man die klare Vorschrift des Berliner Vertrages mit Füßen getreten hat und tritt — darüber brachte der „Pest er Lloyd" kein Sterbenswörtchen. Also müssen wir hier diese Lücke ausfüllen. Herr Mille hob hervor, dass, da „Fremde" in jedem Falle ausgeliesert werden müssen, so könnte der österreichischungarische Staat auch die Auslieferung in Rumänien geborener Juden fordern, ohne dass die rumänische Regierung die Auslieferung dieser ihrer Unterthanen zu verweigern das Recht hätte. Die Frage ist nun, oberfläckilich betrachtet, nicht von Belang, ja es kann Vorkommen, dass ein Jude froh wäre, den österreichischen Richtern überwiesen zu werden —■ aber principiell ist sie von außerordentlicher Wichtigkeit. Dies begriff Herr S t n r d z a, der jetzige Ministerpräsident sofort, denn er benützte die Gelegenheit, um eine Antwort zu geben, die mit einem Schlage die ganze rechtliche Stellung der rumänischen Juden umstürzte. Er meinte: die Juden seien nicht rumänische Bürger, welche nur von der Ausübung politischer Rechte ausgeschlossen sind, wie manche Juristen behaupten; sie seien auch nicht rumänische Unterthanen, sondern nur rumänische Schützlinge (protejat), Leute, die, solange sie sich nicht mucksen, hier ruhig leben können, denen aber jederzeit dieser Schutz entzogen werden kann. Damit werden die Juden außerhalb des Gesetzes gestellt, für vogelfrei erklärt, und es wird ihnen in Rumänien eine Ausnahms- Stellung geschaffen, der im internationalen Rechte keine Kategorie entspricht. Es ist selbstverständlich, dass gegen einer solchen Jnterpretation zu allererst die anfgedungenen Vertreter der rumänischen Judeuschaft hätten protestieren müssen. Weil es aber selbstverständlich ist, thaten es diese Jndenvertreter u i ch t. Dafür haben sie wieder ein paar rebellierende Inden, die eine Agitation gegen sie einleiteten, verhaften lassen. Die Leute scheinen nicht zn begreifen, dass die jüdische Masse doch mit ihnen eines Tages abrcchnen wird. w. In der Ortschaft Dranceni, im Bezirke Faltieeni, hat ein sönnlicher Aufstand der jüdischen Einwohner stattgefunden. Die Verfolgungen des antisemitischen Pächters C. Craescu hatten die Leute aus der Fassung gebracht. Er nahm von jeder jüdischen Familie den letzten Groschen weg, und als er zu guterletzt, da er sie ganz ausgeraubt hatte, noch ihr Vieh gegen Recht mid Gesetz mit Beschlag belegte, zogen die Männer gegen ihn, um ihr Vieh zu befreien. Aber Craescu und seine Diener griffen mit Gewalt die Leute an, als dieselben noch in Güte ihr gutes Recht zu erreichen versuchten, und in feiger Weise schlug der Pächter mit einer Wagendeichsel den Juden Josef A r o n o.v i c i t o d t. Ein anderer Jude Chaim Ein rar in wurde" ebenfalls schwer verwundet, so dajs er, ins Krankenhaus überführt, seinen Wunden erlag. Äußerdenk wurden noch verwundet Leib, Abraham und Chajm F a i b i s ch. Darauf entstand ein wüstes Handgemenge, so dass nur nach Dazwischenknnft der Behörden die Ruhe wieder hergestellt werden konnte. Andere Einzelheiten fehlen noch. Der Pächter nnd einige Inden sind verhaftet. Man trachtet aber, die ganze Sache 511 vertuschen. Daraus kommen wir noch zurück. —yz. (Jüdische Namen als Avancementshindernis — Handelstag in Krakau. — Polnische Bolkspartei. Akademikertag.) Folgendes sehr bezeichnendes Factum hat sich in Lemberg zngetragen, welches ein grelles Streifkicht ans die judenfeindliche Haltung militärischer Kreise wirft. Der letzte Prüsnngstermin für die Qnalisication der Einjahrig-Freiwilligen brachte auch eine Anzahl jüdischer Candidaten vor die betreffende Prüfnngscommission. Ein jüdischer Techniker hatte eben alle Prüfungen mit ausgezeichnetem Erfolge theoretisch sowohl wie praktisch abgelegt. Die Beförderung in den Officiersrang stand nunmehr bei dem gegebenen Resultate außer Frage, allein dieses so einfache Rechenexempel wurde aber, wie wir hören, gemacht ohne den . . . Stabsofsicier. Der betreffende, in dessen Händen das Schicksal der jüdischen Officiersaspiranten gelegt ist, und dessen Name uns verschwiegen wurde, erkundigte sich nach dem Namen des Examinierten, und erfuhr zum Schrecken seines christlichen Jchs, dass derselbe Aspirant „Chaim Her sch" benamst wird. Diesen jüdischen Namen — soll ein ein k. k. Porte-epee zieren — Nein! — sagt's und der Herr Aspirant fiel. Zwei Fragen richten wir an die hohen Behörden und militärischen Commissionen. Zunächst ob in der Schlacht das Herzblut des Combattanten Chaim Hersch Mosche Josef nicht dem des Pawel Fedko, Adolf Franz oder gar Abduha Sulciman als gleichwertig für Kaiser und Staat fließt? Ob das Heer, welches noch der einzige sichtbare Vertreter des Einheitsstaates ist, durch clericale und antisemitische Anwandlungen auch dieses kostbare Staatsgut verlieren soll? Jeder christliche Staat kann die antike Geschichte Israels nicht entbehren, aus der der Beweis zu schöpfen ist, welche gewaltige Helden Judäa vor 3000 Jahren aufwies — damals aber gab es Stabsofficiere, wie Abner, Asael und Makkabi. Der Sieg des polnischen Elementes über die Juden und Ruthenen, stachelt den siegreichen Volksstamm zu neuen Heldenthaten, welche Brod und Sineeüren verheißen. Schon tagte und nachtete ein Handels- und Gewerbetag in Krakau. Schon wird unter der patriotischesten Miene die Errichtung von Industrien verlangt; der hohe Landtag soll das Patronat übernehmen und das nöthige Klein- und Großgeld beschaffen. Wir wollen diesmal nur kurz darauf Hinweisen, dass unser Volk in Galizien abermals vor einem gewaltigen Attentate auf den letzten Erwerb steht. Neue „Kolka fabriczne“ werden da mit auch jüdischem Gelde ins Leben gerufen, um den jüdischen Gebern das Leben unmöglich zu machen. Und wir Juden in Galizien ziehen die assimilatorische Schlafmütze tief über die Augen, damit wir das nahende Verderben nicht merken. Wachet denn doch einmal auf, die Philister kommen, die Philister sind schon da. Es wird nun fleißig die Trommel der Publicistik gerührt, um eine große polnische Demokratenpartei in Galizien zu organisieren. Wir, welche die liberale Volkspartei — die demokracyja polska — seit Jahren kennen, wissen ein Lied von deren Principientreue zu singen. Ein polnisches Husarenstückchen möge hier erzählt werden. Es dürfte in den Jahren 71—72 gewesen sein. Lemberg rüstete zu den Landtagswahlen. — Der „Schomer Jsr ael" stand wohl in der Blüte und zog gewöhnlich Notable der jüdischen Gemeinde zu Wahlctuaren ins Vertranen. Dazumal bestand ein polnischer Demokraten-Club von echt freiheitlichen Grundsätzen. Diese Fraction hatte den Advocaten Doctor Zbyszewski zum Präsidenten ferner die Redacteure des „Dziennik polski", Lamm und Rewakowicz. Der Fundamentalsatz ihrer demokratischen Heilsverkündung lautet: Gleichheit aller Mitglieder ohne Unterschied des Glaubens. Nun stellte das Schicksal die Creme des demokratischen Clubs auf die harte Probe der Thatsachen. Es stand die Wahl von vier Landtags-Abgeordneten auf der Tagesordnung. Unsere Demokraten ballotierten zunächst über den einen Candidaten, einen gesinnungstüchtigen Demokraten, natürlich einen Polen, hierauf der Reihe nach bis zur Höhe von drei. Der vierte sollte zumindest ein Jude sein. Die Wahl dieses Candidaten wurde aber vertagt bis zum letzten Wahltage. Der vierte Candidat sollte der Präses der Lemberger Cultusgemeinde, der sel. Dr. Clemens Kolischer, sein. Dieser jüdische Candidat übertraf alle drei christlichen an Adel der Gesinnung, wie an Vornehmheit des Charakters. Die Sitzung eröffnete der Präsident des demokratischen Wahlcomites unter folgenden Schraubenwindungen: „M eineHerren! Wir wollen unsere vier Candidaten auf Grund unserer Clubgrundsätze wählen. Wir kennen keinerlei Unterschied zwischen Anhängern des einen vder des anderen Glaubens und der Nationalität. Niemand von uns wird es daher missverstehen, so wir von diesem Gesichtspunkte aus unseren geliebten Präsidenten Dr. Z b y s z e w s r i als Popel wählen", was einstimmig acceptiert wurde. Es gibt noch einen Ohrenzeugen dieses feierlichen politischen Jntrigantenstückes. Es muss nur wunder nehmen, dass jene Opferung unseres politischen Jsak denn doch so rasch ans dem Gedächtnisse des Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. Emil Byk verschwand, der damals schon politisch thätig war. Dr. Clemens Kolischer war das Opfer derselben demokratischen und liberalen Partei, die heute alle Mannen in die Schlachtreihe ruft gegen die Schlachta. Was würde Heine zu diesen Wackeren sagen? „Mir will es schier bedünken . . Diese Remiriseenz und die demselben Herrn, wie allen anderen Juden ertheilte Lehre sollten doch unsere verschleierten und verträumten Augen öffnen. — Wer gibt uns eine gewaltige Posaune, um den 800.000 schnarchenden galizischen Juden znzurufen: Stehe auf, mein Volk schon hat man Dich zn den Todten geworfen, schon wird das polnische zermalmende Rad über Deine Leiber rollen. Wir fordern jeden vernünftig denkenden Inden in Galizien auf, sein eigener politischer und ökonomischer Wächter zu sein, wieder in Reih und Glied seines allumfassenden Volksvereines „Schomer Israel" sich zu organisieren. In diesem wollen wir sowohl für die jüdischen Landesintereffen wie für die nationaljüdische Idee arbeiten. Wir freuen uns mitzutheilen, dass der akademischzionistische Verein „Emunah" die Einberufung eines galizischen Akademikertagcs veranlasst, an welchem die Solidarität aller jüdischen Akademiker zum Ausdruck gebracht werden soll. Neben diesem soll das projectierte jüdische Studentenheim und die Gründungeiner akademischen Turnhalle zur Berathung gelangen. Dürfte Ihr Correspondent als Alter Herr ein bescheidenes Wörtchen den jungen Akademikern zur Anregung geben, so wäre es die Gründung eines akademisch-jüdischen Gesang-, eventuell Musikvereines.

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