Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 40 (4.10.1901)
- Date
- 1901-10-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 4. October 1901 Nr. 40 aus dem Gesetze geholten Gründeu der Statthalterei cmschließt, sondern sein Erkenntnis ans dem Gemeindestatut schöpft. Der angezogenc § 7 bestimmt nämlich, dass die Gemeinde nur berechtigt sei, für die „freiwillige'' Aufnahme in den Heimatsoerband eine Anfnahmsgebür einznheben. Dieser § 7 wurde durch Landtagsbeschlnss in der letzten Session allerdings abgeündert, doch hat das betreffende Gesetz die Sanction noch nicht erhalten; erhält cs diese, so steht es nach der Ministerialentscheidnng allerdings der Gemeinde Wien frei, von Ausländern auch nach der Ersitzung des Heimatsrechtes Taxen einznhcben, falls nicht der Verwaltnngsgerichtshof doch noch anders judiciert. Wie». (Eröffnung des N e i ch s r a t h e s.) Die „Wiener Zeitung" macht heute das folgende kaiserliche Handschreiben an den Ministerpräsidenten kund, durch welches der Reichsrath auf den 17. Oetober einberufen wird: Lieber Dr. v. K o e r b e r! Ich finde Mich bestimmt, den den 17 hiernach M ü r z st e g, am 30. September Franz Joseph m. p. Koerber in. p, (M a s s e n p c t i t i o n gegen d i e genug, um nicht ihr eigenes „Ich" als Folie zu Neclamen rmd Spie gelfechtcreien yerzugeben, und wo sich diese Gemeindevertretung öffentlich zeigt, geschieht es durchaus (licht, um unter allen Umständen obenauf 31t schwimmen, sondern einzig und allein, nm die tvayren Interessen ihrer eigenen Gemeinde nach besten Kräften zu vertreten oder zur Hebung des Indentynins im allgemeinen nach Möglichkeit beizntragen. Die hiesige, wohl „nicht gut fundierte Cnltusgemeindc tvartet nicht erst, bis der Ruf zum Wohlthnn von außen an sie ergeht, sondern sic sucht sich gar häufig Wohlthätigkeits Institutionen von selbst auf, nm selben ihr Scherflein nach Thun liebkeit beizntragen. lind in der Heilanstalt Alland war beim Got tesdienste an den hohen Feiertagen ein vollzähliges Minjan und — dies zur Beruhigung des Kritikers — noch etwas darüber, dieser Gottesdienst hat auf die dortigen Pfleglinge einen solch nachhaltigen Eindruck gemacht, dass sie sich die Abhaltung eines solchen auch für das ^nkkothfest erbaten. Wie sagt doch der weltsluge Vildad: „To lvinn, lvcachec nedaber." Lernet Vernunft, dann wollen wir iveiter reden. I. Krakau. (Wahlen.) Als Candidateil für ho* Mandat des verstorbenen 3>eichsraths-?(bgeordneten Weigel stellt die eorlservative Partei Karl Szukiewicz, Director Stellvertreter der Staatsbahnen, ans. Die demokratische t c n. §§ 59 und 60.) Die Agitation gegen die §§ 59 und 60; schreitet rüstig vorwärts. Täglich lausen beim „Jüdischen Volksverein" Unterschriften gegen diesen verderblichen Gesetzcsvorfchlag ein. Auffallend ist einerseits die große Anzahl von Ariern, die diese Petition unterschreiben; sie recruticren sich aus Bäckern, Drechslern, Kauflcuten und Fabrikanten; andererseits ist auffallend die Indolenz in den Kreisen, die von der Abänderung zunächst betroffen würden, also bei den Wiener Agenten und Hausierern. Wir richten noch einmal einen Appell an diese Berufe, sich doch der eigenen Sache anzunehmen, weniger sich um socialdemokratische Partcipolitik und mehr nm ihre eigenen Interessen zu kümmern. Wien. (Jüdischer V 0 lksverei n.) Wir werden ersucht, bekanntzugebcn, dass Herr M. Pilpel nickn mehr Beamter des Vereines ist und kein Recht hat, in seinem Namen irgendwelche Schritte zu unternehmen.!! Wien. (Verein I ü d i s ch e T 0 y n b e e - H a l l e. ); Die Eröffnung findet am 15. October statt. Für den Eröffnungsabend ist der Eintritt nur mir Karten gestattet, welche seirens des! Vorstandes an die Vereinsmirgliedcr versandt werden. Das Pro-! gramm für die erste Woche wird in der nächsten Nummer d.'Bt. bekannt gegeben werden. Anmeldungen für Vorträge und den tische Bewegung erproben kann. Diese Bewegung wurde durch bei: Ausfall der letzten Lmidtagswahlen hervorgerufen; einige bekannte Advocalen stehen an ihrer Spitze. Wir lverden deinnächst Näheres darüber berichten. Krakau. („A ch d n s", V e rein jüdischer Handel Sa n g e ft c l l i e r und Arbeiter.) An die Freunde nuferes Volkes! Die Unterzeichnete Vereinsleitung des „Achdus" (Verein jüdischer Handelsangestellter und Arbeiter) richtet hiermit die ergebenste Bitte an alle edlen Freunde und Gesinnungsgenossen, ihre svärliche Vcreinsbibliothek, die sie am 1. October d. I. eröffnet, dnreb Vüchersvenden verschiedenen und zumeist jüdisch-patriotischen Inhaltes zu bereichern. Wir aber beeilen uns, den edelgesinnten Volksfrennden auch für die geringste Spende unseren innigst-aufrichtigstcn Herzensdank im voraus ansznsprechen. Die gütigen Spender verden ersucht, ihre Bücher an den Verein „Achdus", Krakau, Gertrudvgasse 29 zu senden. Für die Vereinsleitnng: Moritz Horoioitz, Obmannstellvertreter; Ephraim Friedner, Vereinsbibliotbckar. ' Zlwrvw. (B a r 0 n H i r s ch - S ch n l c.) Am 25. d. M. . beehrte der hier bei seinem Schwiegersöhne Herrn Apotheker Adolf! Napvavort zu Besuch kveilende Kaiserliche Rath, k. k. Impfarzt Herr Moritz Hah ans Wien die hiesige Baron Hirsch Stiftnngsschnle mit seinem Besuche, bei welchem Anlasse er die Schüler in sämmtlichen Elasten prüfte. Trotzdem, dass unsere Schule zufolge der hier grassierenden Scharlach-Epidemie bis nun geschlossen ivar und erst vor lvenigcn Tagen geöffnet wurde, befriedigten die Antivorten der Schüler den hochgeehrten Besucher, so dass er seine vollste Zufriedenheit über die Leistungen der Schule solvie seine Bcivnnderung über das prachtvolle Schulgebäude ansdrückte. Beim Verlassen der Schule überreühtc Herr Hat) unserem Schulleiter Herrn Gezelt eine namhafte Alumne zur Vertheilnng unter den armen Schulkindern linse musikalischen Theil werden vom Unterzeichneten entgcgengenoinmen.! rer Schule, wofür dem edlen und hochgeehrten Spender hiemit im Für den Vorstand: Professor Leon Kellner, 9. Vcz., NussdoHer- Namen der armen Beschenkten ein herzliches „Gott vergelte esl" zustratze 75, 2. St. Wien. (E n q u 5 t e der H a n d e l s k a m m e r über die Pensionsversicherung der Privatangestellten). Die Handels- und Gewerbekammer veranstaltet über den Gesetzentwurf, betreffend die PensionsVersicherung der Privatangestellten, am 11. und 12. October eine Enqußte, in welcher folgende Fragen zur Erörterung gelangen: 1. Ist derzeit eine Erweiterung unserer socialen Versicherung anzustreben, und zwar a) auf welche Gebiete der Versicherung? b) auf welche Personenkreise? 2. Ist insbesondere eine Versicherung der Privatangestellten a) von allen anderen Arbeitnehmern, b) durch Schaffung eines eigenen Gesetzes anzustreben? 3. In welcher Weise ist der Kreis der Versicherungs- Pflichtigen Privatangestellten abzugrenzen? 4. Worauf soll sich die Versicherungspflicht erstrecken (Invalidität?-, Alters-, Stellenlosigkeits-, Witwen-, Waisenversorgung, Abfertigungen? 5. Wie sind die Renten zu bemessen? 6. Von welchen Voraussetzungen ist der Bezug einer Jnvalidiläts-Rente abhängig zu machen? 7. Von welchen Voraussetzungen ist der Bezug einer Altersrente abhängig zu machen? 8. Von welchen Voraussetzungen ist der Bezug einer Stellenlosigkeits-Unterstützung abhängig zu machen? 9. Von welchen Voraussetzungen ist der Bezug von Witwen- und Waisenrenten oder Abfertigungen abhängig zu machen? 10. Welcher Anspruch ist bei vorzeitigem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht zu gewähren a) bei zeitweiligem, b) bei dauerndem? 11. Von wem und in welchem Verhältnisse sind die für die Sicherstellung der gesetzlichen Anwartschaft nöthigen Mittel beizntragen? 12. Nach welchem System soll diese Sicherstellung erfolgen? 13. In welcher Weise ist der Betrieb der Versicherung zu organisieren? 14. Welche sonstigen Anregungen sind hinsichtlich des vorliegenden Gesetze ckwurfes zu geben? Wien. (E r st e r H e r b st - V e r g n ü g u n g s-A b e n d.) Der humanit. Geselligkeits-Verein „Freundschaftsbund", gegründet 1895, zur Bekleidung arnier Schulkinder ohne Unterschied der Confession, veranstaltet am 5. October l. I. im großen Festsaale des Hotel Cerckral, 2. Bezirk, Taborstraße 8, einen heiteren Vortragsabend (^simchas-Thora-Fest), verbunden mit einem Tanzkränzchen, unter Mitwirkung namhafter hiesiger Knnstkräfte. In Anbetracht des wohlthätigen Zweckes haben in besonderer Liebenswncdigkeit u. a. Frl. Marie Zwerenz, Soubrette des k. k. priv. Carltheaters, Frl. P. Teloni, Soubrette des Jantschtheatcrs, die Herren Louis Trcumann vom k. k. priv. Carltheater, E. und A. Golz I. Sachs vom Janrschtheater, ihre Mitwirkung bestimmt zugesagt Die Tanzmusik besorgt die beliebte Salonkapelle Herlinger. Da der Eintrittspreis pro Person ein minimaler ist — 1 jtzrone 20 Heller im Vorverkauf — dürste sich der erste Herbst-Vergnügungs-Abend des genannten Vereines eines sehr lebhaften Besuches erfreuen. Wien. (Jubiläum.) Samstag den 5. October l. I. findet im Tempel 15. Bez.. Turnergasse 22, ans Anlass des 25jährigen Vorstands-Jubiläums des Herrn Cnltusvorstehers Gottlieb Taussig und deSTempelvorstehers Samuel Steiner ein feierlicher Fest-Gottesdienst statt. Beginn des Mussaph-Gottesdienstes 0 Uhr Baden. (Z n r E i n w e i h u n g e i n c s B e t l 0 c a l e s i n Aland.) Die Einweihungskosten des Bethauscs in der Heilanstalt Alland trug nicht die Badener, sondern die Wiener israelitische Cultusgemeinde. Ist aber auch dieCnltusgemeinde inBaden nicht reich genug fundiert, so scheut sie dennoch keinerlei Opfer an Geld und Mühe dort, tvo es gilt, den Namen Gottes zu heiligen und das Ansehen des Judenthums zu verherrlichen, und hofft, mit Gottes Hilfe, es immer so halten zu können. Aufs strengste jedoch verwahrt sich der Vorstand der Badener Cultusgemeinde dagegen, dass die Einweihung des Bethauscs in der Heilanstalt Alland, welche auf alle bei dem Weiheacte Anwesende einen unberloschlichen Eindruck machte, „als eine Reclame, als eine ganz gewöhnliche Spiegelfechterei und als eine Staffage für 10 Personen, die bei jeder Gelegenheit und unter allen Umständen obenauf schwimmen wollen", der Oeffentlichkeit preiszugeben. Jede einzelne dieser 10 Personen, welche die Badener israelitische Cultusgemeinde zu vertreten die Ehre haben, ist sich ihrer jüdischen Ehre und Manneswürde bewusst! gerufen wird. Juda Labinew Budapest. (W a h l b e w e g u n g.) Im dritten hauptstädtischen Bezirke stehen sich Josef V5s;i (liberal) und Desider Nagy (Antisemit) gegenüber. Der letztere entfesselt eine förmliche antisemitische Bewegung. Der aufgehetzte Pöbel stört die Aufzüge und Zusammenkünfte der Väszi-Partei durch Steinwürfe und unflätige Rufe. Vorgestern wurden die Fenster des Arnstein'schen Gasthauses eingeschlagen, wo die Partei Vöszi versammelt war und gestern im Mersch'schen Gasthause bei einem Souper der Vöszi-Partei. Temcsonr. Am 28. v. M. fand in der orth.-isr. Gemeinde Josefstadr, die feierliche Installation des neugewählten bisherigen Stuhlweistenburger Oberrabbiners Dr. Bernat Schück statt. Zur selben waren n. a. auch erschienen: die Oberrabbiner von Karczag, Va palota, Nagvßombat, Török-Szr.-MikoS und Vuzias Szepesvaralja. Hier wurde am 28. v. M. der neugewählte Rabbiner Dr. Schick Mano feierlich installiert. Zn den Jnftalla tionsseierliehkeiren entsendeten die Gemeinden Lücse» Iglo Szepesolast, Kesmarr, Poprad, Lnblo und Ofalu Deputationen. Die Antrittsrede des Rabbiners fand nngetheilten Beifall. Schlau (Todesfall.) Ein Jude in der edelsten Bedeutung des Wortes, ein seltener Biedermann, gieng plötzlich und un erwartet heim. Herr Leopold L ö tv n e r , vieljähriger Cultns- und Tempelvorstcher unserer Nachbargemeinde N e u st r a s ch i tz , zu gleich Präses der dortigen Beerdigungsbrüderschaft, schied aus die sein Leben, während er sich in alter frommer Weise für den Ver söhnungStag vorbereitete. Ruhig, tvie er gelebt, verließ er diese Welt im Alter von 84 Jahren bei körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Tief betrauert seine Cultusgemeinde ihren treuen Führer, der ihr sein ganzes Können und Wissen in aufopfernder selbstloser Weise widmete. Ein wahrhaft frommes Herz, ein gottergebener Sinn, ein selten freundliches Wesen zeichneten ihn mis, und so gewann er die Herzen aller, die mit Verehrung und Liebe zu ihm anfblickten. Er ivar noch einer der wenigen, die im Studium unserer heil. Lehre ihre Freude finden. Wie sein Schaffen und Wirken anerkannt wurde, davon zeugte sein Leichenbegängnis, das gestern stattfand. Nach Hunderten zählte man die ihm das letzte Geleite Gebenden und bon iveiter Ferne kamen sie herbei, um ihm den letzten BciveiS der Achinng 31t zollen. Auch alle Stände der christlichen Bevölkerung ivaren zahlreich vertreten und jeder rühmte die Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit des Heimgegangenen, und von vielen der anwesenden Christen hörte man den Ausspruch: Ec hatte seinesgleichen nicht. Als Jude streng gegen sich selber, nachsichtig gegen andere, ivar er stets zur Hilfe bereit, tvann und Ivo es die Nothivendigkeit erheischte, und tvie er gelebt hat, so starb er: ruhig und im Beivusstsein treu erfüllter Pflicht. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes bleiben! Czernowitz. (Die P a r t e i v e r h ü l t n i s s e in der Bukowina.) Bereits vor den letzten Neichsrathswahlen sonderten sich die jüngeren Elemente — bis dahin Jnngrurnänen genannt — unter Führung des Landtags abgeordneten Dr. Jancu Flondor und des ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Georg Popovici vom rumänischen Centraltvahlcomitee ab und gründeten die rumänische Volkspartei. Nach heftigem Wahlkainpfe unterlag bekanntlich der Candidat dieser Partei, Dr. Popobici, gegen den Candidaten des rumänischen Centralwahlcomitees, Schulrath Jssopescul. Nach den Wahlen schien es, als ob sich ein CompromisS ztvischen der VolkSpartei und der conservativen rumänischen Partei, deren Führer Reichsrathsabgeordneter Georg Freiherr von Wassilko ist, anbahne. Der iuzivischen eingetretene Tod deS Reichsrathsabgeordneten Jssopescul, um dessen Mandat sich der conservative Rumäne, Landesculturrathspräsident Theodor Ritter von Flondor, eine der populärsten Persönlichkeicen bei den rumänischen Bauern, bewirbt, hat die Reihen der rumänischen VolkSpartei gelichtet, da der Führer derselben, Dr. Jancu Flondor, das Mandat für sich in Anspruch nimmt, während der größte Theil der Volks- Partei zugunsten des Candidaten des Candidaten, Theodor von Flondor, gegen die eigene Parteileitung Stellung nimmt. In einem an die „Bnkowinacr Post" gerichteten offenen Schreiben perhorresciert Abg. Georg Baron Wassilko namens seiner Partei jedes CompromisS mit der Volkspartei, so dass deren Wahlchancen in Frage gestellt sind. Dies umsomehr, als die rumänische Volkspartci sich in dem publieistischcn Kampfe zwischen den Christlichdeutschen unter Führung des Abg. Dr. Skedl und den jüdischen Demokraten unter Führung des Abg. Dr. Straucher auf Seite der erstcren stellt und so große Wählerkreise auf dem Lande begreiflicheriveisc abstößt. Czernowih. (Der jüdische Volksverein in Cze r nowitz) hielt am 29. September 4 Uhr nachmittags in einem Saale der israelitischen deutschen Volksschule eine von circa 300 Personen besuchte Versammlung mit der Tagesordnung : „Die Lage der Juden in Oesterreich und der jüdische Volksverein" unter dem Vorsitze des Reichsraths-Abgcordneten Dr. Straucher ab. Der erste Referent Advocat Dr. R e i s ch - G 0 l d h a ck e r erbrachte an der Hand der österreichischen Verfassungsgeschichte der letzten Jahrzehnte den Nachweis, dass die Inden noch bei keiner Partei aufrichtige Freundschaft und Förderung gefunden haben. Zur Illustration verwies Redner ans die Wahlaufrufe der ..Alldeutschen" und der deutschen „Voltspartei", deren erster Programmpunkt der Antisemitismus ist. Die Inden in Oesterreich würden noch am besten thun, wenn sie in ihrer eigenen keineswegs zu unterschätzenden Kraft ihre dauernde Stütze suchen wollten. Redner bespricht in eingehender Weise die Aufgaben und Ziele des Jüdischen Volksvereines, der ein Sammelpunkt aller Inden des Landes werden soll und in einem eigenen Rechtsschutzbittemt die Interessen der jüdischen Masse wahren soll. Redner betonte, dass der jüdische Volksverein den Frieden mit allen anderen nationalen Organisationen anstrebt und dass er nur in der Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung seine eigentliche Aufgabe sieht. Zum Schlüsse -ordert Redner zum massenhaften Beitritte auf. Der zweite Referent Dr. Mayer Ebner führte ungefähr Folgendes aus: Der Antisemitismus, von Osten nach Westen vorwärtsschreitend, nimmt je nach dem Culturgrade der Länder und Völker verschiedene, mitunter complicierte Formen an. In Russland und Rumänien roher Brachial-Antisemismns, in Oesterreich, einem , ortgeschrittenen Cultur- und Rechtsstaate wissenschaftlicher Anti- 'emitismus und eine Art asemitischer Gesetzgebung, in Deutschland gesellschaftlicher Antisemitismus, in Frankreich Militär-Antisemitismus und selbst bei den freiheitlichsten. Völkern der Erde, den Engländern und Amerikanern, Immigrations-Antisemitismus. Diese constante Thatsache arbeitet an dem Untergange des jüdischen Volkes. Die Assimilation erwies sich als ein verfehltes und unwürdiges Mittel. Antisemitismus, sowie äußere und innere Judennolh haben in den besten jüdischen. Patrioten die Ueberzeugung gefestigt, dass nur eine eigene jüdische Heimatsstätte die rad'icalste Lösung der Judenfrage sei. So entstand der politische Zionismus, der machtvoll und mit sittlichem Ernste an der Verwirklichung seiner Aufgaben arbeitet. An der Wiege des Zionismus stand die jüdisch-nationale Idee, die in die assimilatorische Partei bereits tüchtig Bresche geschlagen hat und nun speciell in Oesterreich daran geht, ihre gegenwärtigen Aufgaben politischer und wirtschaftlicher Natur zu verwirklichen. Nach einem berühmten Aussprnche Spinozas hat jeder so viel Recht, als er Macht hat. Die Inden in Oesterreich und ganz besonders die Juden in der Bukowina haben mit ihren 100.000 Seelen ('/r der Gesammtbevölkerung), mit ihrer Intelligenz und ihren sonstigen Hilfsmitteln M a ch t, folglich auch Recht, das sie mit allen anständigen Mitteln erkämpfen wollen. Zum Schlüsse bespricht Redner die Zeitnngsfehde, die das Verhalten der Inden zu den Deutschen behandelte, und beleuchtet die Drohung der Christlich-Deutschen, dass sie sich eventuell im Zeichen des Kreuzes vereinigen werden, an der Hand interessanter historischer Thatsachen. Vorsitzender Dr.Straucher schloss mij einem warmen Appell an die Anwesenden, dem „Jüdischen Volksvereine" beizuzutreten. Die Ausführungen aller Redner wurden mit stürmischem Beifalle ausgenommen. Bukarest. (Die rumänische Socialdemokratie.) Einen ganz eigenartigen, höchst lehrreichen Process hat die rumänische Socialdemokratie durchgemacht. Dieselbe hatte einen starken Anhang im Lande, besaß ein eigenes Tageblatt, und mehrere Deputierte standen ihrem Programme sehr nahe. Sehr zahlreich waren die Juden in der Partei, und daran gieng sie zugrunde. Die antisemitische Strömung im Lande ist von unheimlicher Macht; ihr anschließen konnten sich die Socialdemokraten nicht, einerseits wegen ihres Programmes, andererseits wegen ihres starken jüdischen Anhanges; sie zu bekämpfen, spürte sie keine Lust. So that sie ein Drittes, sie löste sich einfach auf; ihre Mitglieder schlossen sich der sogenannten „liberalen" Partei an. und die Juden werden wohl oder übel eine jüdische Partei bilden müssen. Jaffy. Aus Rumänien hat das C e 11 t r a l e 0 m i t e e der Al l i a u c c von Herrn Astrur, den es nach Rumänien delegiert hat, folgende Mittheilung erhalten: Dranceni am Prnth zählt unter einer Bevölkerung von 500 Einwohnern 40 jüdische Familien. Unter einem nichtigen Vorwand hat die christliche Bevölkerung die jüdische grausam misshandelt und mehrere Personen wurden von der einen und anderen Seite verwundet. Ein Israelit, namens Josub Arvnovici ist umgekonunen, andere sind im Hospital von Husi in Behandlung. Ich hatte die Absicht, mich nach Dranceni zu begeben, um dort den meist leidenden Familien Hilfe zu bringen; ich that es aber nicht, weil ich befürchtete, dass meine Anlvesenheit am Orte der Unruhen der antisenlitischen Presse, die den Vorfall benützt, um auszuschreien, dass die Bauern am Ende ihrer Geduld, dass die. Inden die Veranlasser wären nsw. nstv., iveitere Gelegenheit zu Angriffen geben würde. Diese Sache spielte sich schon im Juli ab. Der Procnrator von Falcin hat eine Untersuchung angestcllt, um die Verantwortlichkeit derjenigen festzustellen, welche den Aufruhr von Dranceni und den Tod eines Juden hervorgernfen haben. Aus den vom Ministermm des Innern angekomme-- nen Bericht geht hervor, dass Josub Aronovici mit einer Wagendeichsel des Pächters von C. Craescu ans den Kopf geschlagen wurde und nachher der Sohn des Eigenthümers. Joan Constantmesru stürzte sich ans den erstgenannten und brachte ihm neue Vecwun-