Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 40 (4.10.1901)
- Date
- 1901-10-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432904--1182-2434912- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
Nr. 40 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 4. October 1901 Seite 5 düngen bei. Endlich lies; der Farmer den Wagen über den Körper des Unglücklichen gehen. Jcssub Aronobici hat einen Schädelbruch erlitten und ist am zweiten Tage im Hospital gestorben. Durch den Sohn des Craescu und die Gutsknechte sind auch die Juden Leiba Avcam Faibesh, Haim Faibesh und Haim Ciuraru misshandelt ivorden. Letzterer ivurde in das Hospital bon Husi gebracht. C. Craescu, Pachter der Ländereien bon Dranccni, sowie Constantincscn, Gutsverwakter, sind auf Befehl der Staatsanwaltschaft verhaftet ivorden. Ein gleiches Verfahren steht denr Sohne des Craescu und den Gutsknechten, tvclche ihren Herrn in der Bcgehurig des Verbrechens unterstützten, bevor. Die Ordnung ist in Dranccni lvicder hergestellt. Heut las ich Folgndcs in einem Localblatte: „Die Handelskammer von Bukarest hat Verfügungen getroffen, dass fortan der Hausierhandel verboten iverde, und hat der Ortspolizei von diesen Verfügungen Kenntnis gegebeii. Die Gcmeindcbeamten erhielten Instructionen, dass sie künftig jede geheim verkaufte Ware beschlagilahmen und die Verkäufer der Polizei überliefern sollen, welche sie vor die Justiz citieren wird." Man weis;, dass Hunderte von Juden vom geduldeten Hausierhandel leben. Odessa. Infolge der in Ihren: Blatte wiederholt besprochenen neuen Beschränkungen sind an der Charkoiver Universität neben 260 Christen nur 8 Juden, an der Kiewer neben 618 Christen nur 82 Juden zur Jmmatriculation zugelassen und 124 abgewiescn worden. Petersburg. In Russland sind 1 033 230 junge Leute im Jahre 1000 zur Gestellung gekommen. 293 131 unter ihnen, d. i. 28 Procent, müssen cinrangiert iverden. Die jüdischen Gestellungspflichtigen betrugen 66 671, welche, das Verhältnis von 28 Procent zugrunde gelegt, dem Heere 16 766 Mann zu liefern hatten. Also, obgleich es förmlich untersagt ist, die fehlenden Rccruten durch israelitische Recruten zu ersetzen, hat man doch statt der 16 766 jüdischen Recruten deren 16 403, d. i. 20,68 Procent genommen. London. (Zur E i n w a n d e r u n g s - F r a g e.) Alle jene, denen das wachsende Zuströmen der Juden nach London sov iel Angst einflößt, können aus der soeben veröffentlichten Statistik ersehen, wie gering die Zahl der Jllderi in London ist. In dein „Jahrbuch für Israeliten in England" finden wir folgende Zahlen: Im gesanunten britischen Reich leben rund eine Viertelmillion Juden, in England selbst 160 000 Juden. In; Verhältnis zur übrigen Bevölkerung weist der: größten Procentsah Juden Manchester mit 4,4 Procent auf, an zweiter Stelle erscheint Leeds mit 2,79 Procent, an dritter Stelle London mit 2,12 Procent (d. i 97 000 Juden).; London. Unter den von Lord Roberts in seinem Berichte an den Kricgsminister hervorgehobenen Soldaten, tvelche sich im südafrikanischen Kriege ausgezeichnet haben, figurieren nicht weniger als einundzwanzig Juden, die sämmtlichen Waffengattungen angehören. — Zu Rösch Haschanah wurden in den 21 provisorischen Betstätten 13 000 Sitze vermietet. In den sechs Gotteshäusern der United Shnagogues beteten 4317, in den übrigen zwölf ständigen Synagogen 8741 Personen. Hinzukommen noch die zahlreichen Minjanim, die Gottesdienste in den Schulen usw. Jerusalem. Die Herstellung der Wasserleitungs-Anlagen geht nur sehr langsam von statten infolge der spärlichen Mittel. Es heißt hier allgemein, dass Baron Rothschild der Stadtgemeinde eine Anleihe von 1 200 000 Francs zu 2 Percent unter der Bedingung angeboten hatte, dass der Bau mit Hilfe der Beamten und Arbeiter seiner palästinensischen Colonien erfolgen solle. Die Stadtgemeine hat jedoch dieses Angebot abgelehnt, angeblich, weil ein Befehl des Sultans vorliegt, dass die Wasserleitung nur von türkischen Unterthanen errichtet werden darf. Der Sultan selbst soll eine Beisteuer von 200 000 Francs zugesagt haben. Haifa. (Beschwerden syrischer Colonisten.) Neuerdings wird durch ein neues Gesetz von dem Platze, auf dem auf früherem Mireland (Mireland ist Ackerland, das als der Negierung gehörig und nur zu Lehen gegeben angesehen wird) erbaute Häuser stehen, der sogenannte verlorene Z e h n t e (d. h. der Zehnte in dem Betrage, den das Land liefern könnte, wenn es nicht überbaut, sondern mit Getreide bebaut wäre) erhoben. Um aber diesen Betrag festzustellen, macht die Regierung sich sonderbarer- und ungerechterweise die Sache sehr bequem, indem sie den Zehnten von dem Werte der auf dem 'Platze befindlichen Gebäude erhebt. Und dazu erhebt sie den Zehnten nicht von jetzt an, sondern von der Zeit, wo die Gebäude errichtet wurden. Die Regierung macht überhaupt den Europäern bei jedem Kauf oder Bau die größten Schwierigkeiten. So wurde vom Wali von Beirut angeordnet, dass, wenn Europäer in Haifa irgendwelche Liegenschaften von türkischen Unterthanen kaufen, sie die E laubnis zur Ueberschreibung auf ihren Namen in Beirut einholen sollen. Da dies von den türkischen Unterthanen nicht verlangt wird, so stimmt das nicht zu den mit den Mächten abgeschlossenen Verträgen. Srief aus Prag. (Original-Correspondenz des «Jüdischen Volksblatt".) Die assimilatorischen Blätter verschwiegen Ihnen sorgfältig, dass auf dein letzten jungczechischen Vertrauensmännertage der Advocat Dr. Rocek eine antisemitische Brandrede vom St.apel ließ und insbesondere gegen die einzige jüdische Candidatur des sattsan; bekannten Dr. Scharf zu Felde zog. Dr. Zalnd wurde geopfert, weil er der anständigere tvar, Dr. Scharf wird dafür, dass er die Auflösung von 60 jüdischen Schulen auf dem. Gewissen hat, mit der Candidatur belohnt; aber eines ist sicher: Wird er diesesmal noch getvählt, so gewiss das letztomal. Denn lasser: ihn die Czechen bis zu den lkächsteu Wahlen nicht > fallen, so werden die Juden bis dahiir so weit politisch reif sein, dass sie sich sagen, besser feilt Jude als ein Renegat. j Wie unaufrichtig diese Candidatur von den Jungczechen gemeint ist, das zeigt der llmstand, dass sie Dr. i Scharf zusammenkoppeln mit einem enragierten Antisemii tat, dem Gewerbetreibenden Filip — für dasselbe Mandat, j Wahrlich, eine Politische Komödie, die zun: Lachen wäre, j wenn nicht unsere Stankmesgenossen die Betroffenen wären, j Ist es ferner lkicht eilte Komödie, dass die „freisinnige." > Nationalpartei geetninsame Suche macht mit Dr. Baxa, , diesen: Gespenste, das ans den: fiufterften Mittelalter zu! stammen scheint? | In Polna-Dentsch-Brod wiederum candidiereir die j Jimgczcchen ben Dr. Schubert, der dei: Ritnalinordgläubi-! gen ein Dorn im Arige ist, weil er der Wahrheit gemäß dem Ängekalgtei: Beran in: Hilsner-Processe das Krankheitsattest ans den: Deutsch - Broder - Krankenhause ausstellte. Lächerlich, sagt die Riimalmord-Compagnie, einem ehrlichen Czcchen darf es niefjt auf einen kleinen Meineid ankomntei:, wein: es ztlr größeren Ehre der Natioli nothwcndig ist. Sie candidierett daher den Bratler Bondola, der das Kleingewerbe mittelft des Ritnalmordmärchens zu retten verspricht; Ehren-Sadil, der Bürgermeister von Polna, unterstützt ihlk. Fürwahr, traurig ist die Lage des jüdischen Volkes; draußen riisten die Feinde zum Alkgriffe und im eigenen Lager herrscht Verwirrung und Zwietracht. Kaizl ist tobt, dafür herrschen Brzeznowsky und Bara, Leute, die auf derselben Stufe der Gesittung stehe::, wie Mechanikus Schneider in Wien; das ist das Ende des stolzen Anlaufes, den die Jungczechen einst genommen haben. Stransky. Aus Rumänien. (Ong.-Correspondcnz des „Jüd. Volksblatt".) Bukarest, Ende September 1001. Gedrückten Gemüthes und verbittert kehre ich von der großen Parade bei der Enthüklnng des Denkmals für die Freiheitskämpfer des Jahres 1848 zurück. Die Parade selbst war ja schön und hatte stellenweise einen Zug ins Erhabene, aber eine kleine Ncbenscenc, die vom großen Publicum fast unbemerkt blieb, ließ einen bitteren Niederschlag in mir zurück. Der weite Platz war dicht besetzt, alle Augen richteten sich auf das schön modellierte Denkmal für die Artilleristen und Feuerleute, welche gegen die türkische Uebermacht gekämpft haben, und alle Ohren horchten gespannt auf die flaunncnden Reden Robeskos, des Obmannes des Comitces, BubiceSkos, des Stellvertreters des Bukacester Bürgermeisters, des Ministerpräsidenten Stourdza, des Kriegsministers und der anderen Festredner. Aber inmitten all dieser hochtrabenden Reden und begeisterte Zurufe der Menge drang an meine Ohren eine dumpfe, verschleierte Stimme, die mir so bekannt war und meinem Herzen so uahcgieng und gleichzeitig so erschütternd tönte, dass ich mich unwillkürlich umwandte, um zu sehen, woher die Stimme kann Ich vergaß meine Umgebung, all die rauschende Festlichkeit, die mich umgab, und vor inir ftanb eine kleine Schar ergrauter Veteraueu, die gleichfalls gekämpft hatten, die aber zu den Festlichkeiten nicht geladen tvurdeu, weil sie Juden sind. Wo sind die alten guten Zeiten? rief einer von ihnen. Was ist mit all jenen süßen Reden von damals? Welch eine Zukunft hat uns Brattanu, der Führer der Revolution, in Aussicht gestellt! Wir mürben als Brüder apostrophiert, ein gemeinscm:cs Interesse hätten wir alle, und brüderlich vereint sollten wir uns die Freiheit erkämpfen. Xtnb wer hätte gedacht, dass unsere „Briider" uns mehr peinigen ivürden als die „Arnauten" und die anderen Bedrücker! „Ich erinnere niich noch ganz genau daran, begann ein zweiter. Es ioar an einem Freitag-Abend, die nationale Garde und Miliz bildeten die Wache in der Stadt. Brarianu inspicierte die Straßen und bemerkte einen alten Juden i:n Schabbes-Costüm. mit Pelzmütze und mit Seitenlocken, der mit dem Gewehr in der Hand auf- und abpatrouillierte. Bratiauu betrachtete ihn eine Weile, dann rief er: „Er sieht mir wie der Patriarch Abraham aus!" „In der That," bemerkte ein zweiter mit einem tiefen Seufzer, ..es scheint der Patriarch Abraham gewesen zu sein, aber in den: Momente, als der Herrgott ihm gebot: Geh von deinem Lande, voi: deinem Vaterhause und von deinem Geburtsorte . . ." Ich tvar ganz hingerissen. Ich sah lange auf die kleine Gruppe. Da waren alle Männer mit gebeugten Rücken, mit tiefen Furchen im Antlitz und mir trüben Augen. Manche trugen noch die Auszeichnungen aus jener Zeit auf ihrer Brust. Jetzt aber standen sie von der Ferne. Ihre christlichen College:: standen mitten unter den Rednern, sie aber blieben ausgeschlossen . . . Und nmvillkürlich zog durch die Köpfe aller der Vergleich zwischen einst :n:d jetzt. Das rulnänische Volk tvar nie judenfeindlich, nahm einer von ihnen von neuem das Wort, das Volk war gutmükhig und lebte mit den Juden in Frieden. Aber die Regierung, derselbe Bratianu schleuderte in der Mitte der Sechzigerjahre die Brandfackel des Judenhasses unter das Volk, um die Missstände im Lande verschleiern zu können, als wären die Juden die Ursache all dieser Missverhältnisse und so verbreitete sich von oben herab der Judenhass immer tiefer in: Volke, bis selbst ein Minister tvie C a r p die finsteren Geister nicht mehr bannen ko:n:te, weil das Gemüth des Volkes bis ins Innerste vergiftet ist. Mit trübselige,: Gedanken und feuchten Augen verließ ich den Festplatz und eine andere Parade tauchte vor mir ans. Eine Gedanken-Association, möchte ich sagen, führte mich nach Athen, wo die Verbrüderung der rumänischen und griechischen Studentenschaft unlängst gefeiert tvurde. G r i e ch e n l a >: d u n d R u m ä :: i e n . . . Beide Staaten si>:d mit Hilfe Europas von der Türkei losgerissen worden, beide habe,: als Bedingung ihrer Selbständigkeit die Gleichberechtigung aller Confessivnen und Nationen anerkannt. Hauptsächlich handelte es sich um die Inder: und siehe: dem griechischen Volke ist der Judenhass sozusagen traditionell geworden. Selbst in fremden Ländern verunstalten sie Kratvalle gegen die Juden. Odessa und Corfu sind die lautesten Zeugen hierfür, und doch hat die Regierung in Griechenland die Gleichberechtigung der Juden bei sich durchgcführt, dem Gesetze nach haben die Juden alle bürgerlichen und politischci: Rechte, während es die ruinänische Regierung verstand, die Juden auf Umtvcgci: von alle,: Rechten auszuschließen, trotz des Willens Europas. Aber „cs gibt kein Europa mehr!" köuucu lvir ,ursrufcu. Zum Schutze unserer Brüder in Rumäniei: rührt sich keine Hand, erschallt nirgends ein kräftiges Wort. Als im vorige,: Jahre die Massen-Emigratioi: der Juden einiges Aufsehen erregte und mehrere große europäische Blätter Protest-Artikel brachten, konnte mau vermeine», dass irgend etlvas im Anzuge sei. Aber wir täuschten uns! In diesem Jahre tvar die Emigration dank den: Eingreifen der„Jca" und der Pariser„Alliai:ee", tveniger auffallel:d, aber unsere Lage ist destvegen nicht um ein Jota besser gctvordeu. Die Volksküchen und die Hilfsaction der Allianz für die arme,: Handwerker mag vielleicht einige hungrige Mägen gefüllt haben, aber bon einer wirklichen Hilfe für unsere Lage ist noch sehr tveik. Der letzte Ausweis der Allianz zeigte allerdings, dass 26 Volksküchen in: Laude mit einen: Budget boi: 26 000 Francs nwnatlich erhalten werden und dass die Actiou für die Auslvaudercr die Summe von 450 000 Francs verschlang, aber kam: damit einen: Volke geholfen Iverden? Herunter die Maske! Der nachfolgende Artikel der „Bnkowinaer Post" stammt aus der Feder eines Mannes, der seit einer Reihe von Jahren im öffentlichen Leben der Bukowina steht, mit den politischen Verhältnissen vollkommen vertrant und activer Theilnehmer an der Landespolittk i't. Wir übergeben daher dieser: Artikel der Oefsentlichkeit in der Ueberzeugung, dass die scharfe Beleuchtung der Zustände und die Aufhellung gewisser discreter Vorgänge dazu beitrage«: wird, einigermaßen Klarheit in die verwormne Situation zu bringen. Geehrte Redaction! Herr Felix Br. Fürth hat die Maske abgcworfci: und die „Buk. Nachrichten" predigen einen Krcuzzug, besudeln jeden, der nicht in ihr Horn stößt, drohen den Juden, lügen, verschweigen und entstellen Thatsachen. Und ivährend sie die Kluft, die ja schon durch den christlich-deutschen Verein und sein aggressives Vorgehen zwischen den Christlich-Deutschen und den Juden geschaffen würde, zu einer fast unüberbrückbaren erweitern, verdrehen sie heuchlerisch die Augen und beschuldigen die Juden, denen sie brutale Fußtritte versetzt haben, der Separation. Das heißt christlich-deutsch gesprochen: versöhnend, aufklärcnd wirken, die deutsch sprechende:? jüdischen Mitbürger an sich ziehen. Der in der Nummer 3886 bon Donnerstag den 19. September d. I. in den „Buk. Nachrichten" an erster Stelle prangende Artikel 111: „Die Deutschen und die Juden" ist geradezu ein Attentat auf den Frieden im Lande, tvcil er die directe Hetze gegen die Juden inauguriert und sich in diesem Artikel die unerhörte Undankbarkeit der christlichen Deutschen in der Bukowina gegen die Juden erschreckend documentiert. Mit der rücksichtslosesten Offenheit bekennen die „Buk. Nachrichten" in der Nummer vom 16. September d. I. Nr. 3882, „dass der Antisemitismus unter den Deutschen des Landes in erschreckendem Maße zunimmt". Hört Ihr es, Ihr vertrauensseligen Juden? Kennt Ihr nun die Gesinnungen jener, denen Ihr Jahrzehnte die treueste Gefolgschaft geleistet? Das sind die christlich Deutschen, deren offene Führer Skedl, Fürth und Noschman sind, hinter denen aber die wahren Führer aus dem Stande der Universitäts- und Mittelschul-Professoren, sowie aus dem der Staatsbeamten stehen. Welcher Jude ist nun noch so blöde, nach diesem Artikel das Janusgesicht der Herren christlichen Deutschen ir: Czernowitz zu verkennen? Dieser Artikel der „Buk. Nachrichten" strotzt aber auch von Unwahrheiten und Entstellungen, denn es ist e:ne dreiste Lüge und Entstellung und muss als eine gewissenlose Verhetzung und Verleumdung bezeichnet werden, wenn die „Nachrichten" behaupten, die Juden wünschen, dass ihnen die Deutschen Gefolgschaft leisten! Es ist eine Lüge und Entstellung, dass das nach Dr. Nott freigewordene Landtagsmandat der Landeshauptstadt Czernowitz ein sogenanntes christliches Mandat war, und dass die Juden dieses Mandat durch Dr. Straucher usurpiert haben. Es ist eine Entstellung, indem die „Nachrichten" den wahren Sachverhalt verschweigen, wem: sic behaupten, die Deutschen hätten ein Opfer gebracht, indem sie dem Dr. Straucher keinen deutschen Mandatstverber entgegengestellt haben. Es ist wahrhaft beschämend und charakterisiert die Kampfesart der Herren aus dem christlich-deutschen Verein und der Redaction der „Nachrichten", wem: sie solche Entstellungen aufzutischen wagen. Es sei mir daher gestattet, diesfalls ewiges vorzubringen, wobei ich an die Thatsache erinnere, die allerdings die Herren christlichen Deutschen so ungerne hören, dass nämlich unter den 136 000 Deutschen der Bukowina zwei Drittel Juden sind, dass dem Großgrundbesitze, der etwa 126 Wahlberechtigte zählt, beiläufig 36 Juden angehören, dass die Stadt «ereth zu drei Viertel jüdisch ist, in Radautz die Juden die Majorität der Bevölkerung bilden und auch in Suczawa ein namhafter Theil der Bevölkerung jüdisch ist. Nichtsdestoweniger haben alle diese drei Städte drei unverfälschte christlich-deutsche Laudtagsabgeordnete und auch zum Reichsrathsabgeordneten den christlich-deutschen Dr. Skedl gewählt; im Großgrundbesitz, welcher bloß drei christlich-deutsche Wähler zählt, tvurde gleichfalls ein christlich-deutscher Landtagsabgeordneter gewählt, und auch die Bnkowinaer Handels- und Gewerbekammer hat einen Christlich-Deutschen in den Landtag entsendet. Keine der drei jüdische,: Städte hat also einen Abgeordneten jüdischer Confessio:: getvählt; der Großgrundbesitz hat keinen Juden in den Landtag entsendet, und zählt überhaupt der Landtag derzeit bloß zwei jüdische, hingegen nicht weniger als fünf christlichdeutsche Abgeordnete, von denen vier mit ausschließlich jüdischen Stimmen getvählt worden finb. Wer bringt also Opfer und wendet auf eigene Kosten dei: Deutschen Mandate zu? Die Juden sind es — sie schwiegen und erhoben keine Vorwürfe. Wie benehmen sich dem gegenüber die christlichen Deutschen? Bei der Vergebung des eii:zigen den Juden zugefallenen Landtagsmandates. nämlich bei der Wahl des Dr. Straucher in Czernotvitz — beobachten sie Passivität! Das ist Gerechtigkeit! Die Handelskammer hat in den früheren Jahren zwei Abgeordnete mosmschcr Confessio:: in den Landtag gewählt; als vor drei Jahren der ehemalige Abgeordnete Kohn auf keine Wiederwahl rcsleetierte, tvählte bte in ihrer Majorität jüdische Kcnnmer widerspruchslos den christlichen Langenhan, allerdings einen fortschritt lichen Deutschen, einen Mann des Friedens und sichtbarer Arbeit, zum Laudtagsabgeordnete:: —• da sprach man von keinem jüdischen Besitzstände! In den früheren Jahren war die Stadt Czernowitz im Landtage zumeist durch einen Abgeordneten christlicher und durch einen Abgeordneten mosaischer Confessio:: vertreten. Ich erinnere da an die ehernaligen Abgeordneten Dr. Fechner und Dr. Poras. In der Folge haben die Juden in ihrem Liberalismus, in ihrer