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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Vo&sblatt 27. September 1901 Seite 5 Nr. 39 Der Obmann eröffnet die Debatte über denselben. Da sich niemand zum Worte meldet, wird derselbe einstimmig angenommen. Es gelangt sodann die bom Vorstande borgeschlagene Nesolntion über „Lehrermangel und Lchrernoth" znr Sprache. Referent Herr Freund begründet diesen Antrag, für welchen auch die Herren Stein (Radnitz) imb Goldstein (Nimburg) sprechen. Dieselbe wird sodann angenommen. Sie lautet: „In Erwägung der Umstände, dass die Zahl der Lehrer mit pädagogischer Vorbildung durch Entkräftung und Ableben mit jcdein Jahre geringer wird, in Erwägung des Umstandes, dass die öffentlichen Lehrerbildungsanstalten von jüdischen Lehramtszöglingen nicht besucht werden und tit Erwägung des Umstandes, dass für Böhmen keine Bildungsanstalt für israelitische Religionslehrer besteht, ferner dass durch die mangelhafte Ertheilung des Religionsunterrichtes oder gar durch dessen gänzliches Entfallen der Nachwuchs des Jttdettthums einer Degeneration entgegengeht, nimmt die Generalversammlung des israelitischen Landeslehrervereincs den Anlass, unsere Eultusgemeinden sowie alle Corporntioncn, welche die Förderung jüdischer Angelegenheiten zum Ziele haben, auf diese Ucbelstände aufmerksam zu machen und die Errichtung einer Anstalt zur Heranbildung von Rcligionslehrern in Böhmen, sowie Ereierung von Stipendien für die Anstalt besuchende Zöglinge, endlich die Berbefferung der materiellen Stellung der Rcligionslehrer als die einzigen Mittel zur Behebung der erwähnten Uebelstände zu empfehlen." Obmann Springer verliest die eingelanfenen brieflichen und telegraphischen Grütze und Entschuldigungen der Mitglieder und müderer geladenen Eorporationen. Es entschuldigten ihr Fernbleiben die Herren: Brock, Bilin; Lamm, Obcrcantor, Brüx; Bäuml, Nachod; Simon, Teplitz; Neumann, Wottitz; Polesi, Lnbenz; Saar, Lobositz; -Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld; Landesschulrath Jnwald u. a. Cassabericht. Hierzu ertheilte der Obmann Herrn Cassier D. Lötvh, Prag, das Wort. Bericht über die Einnahmen und Ausgaben des Lehrervereincs vom 28. August 1900 bis zum 21; August 1901: Einnahmen: K. 8804.84 Ausgaben „ 2880.01 Bar: K. 1018.28 Eassier Herr Löwy führt eine Zahl säumiger Zahler an, die tuet ihren Beiträgen durch mehrere Jahre im Rückstände sind. Dieselben sind nach wiederholter tmd erfolgloser Einmahnuug auszuschließen. (Angenommen.) Herr Leipeit, Prag, beantragt: Es sei die Mitgliedschaft zur Krankencassa obligatorisch für jedes Bcreiitsmitglied. Herr Abcles, Kuttenberg, bemerkt, dass bereits ein solcher Beschluss gefasst wurde. Der Cassabericht wird unter besonderem Danke an detr Herrn Eassier für dessen Mühewaltung einstimmig altgenommen. . Der Vereinsbeitrag pro 1902 wlirde über Antrag des Vorstandes wie im vorigen Jahre n ieder mit 8 K. d. i. 0 St Vereinstmd 2 K. Krankencassabeitrag von der Geiteratversnmmltntg geitehntigt. lieber Antrag des Revisionscomitees (Referent: Herr Wiestnaier, Prag) ivird die Cassagebarmtg genehmigt und dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. Der Obmann theilt ferner mit: Es habe das Vereinsmitglied Herr Handelsschnldirectoc iWlhelm Wertheimer, Prag, Porte, drei Frciplätze für Söhne von iisraelitischett Lehrern an Privatschulen an seiner Anstalt gestiftet. Wird unter Dankesbezeugung von der gauzetl Versammlung zur Kenntnis genommen. Bericht über die „Mittheilungen". Referent: Herr Schriftleiter Freund, Bodenbach. Hochverehrte Versammlung! Der Bericht über Ihr Vereinorgan, die „Mittheilungen", kann dicsn.al ein sehn kurzer sein. Die Leitung derselben hat nach Möglichleit utld Maßgabe des Raumes getrachtet, in denselben alles das zu bringen, was bei Grültduilg des Blattes durch dasselbe bezweckt werdet: sollte. Ein Mittel im schweren, ungleichen Kampfe, den wir führen und imnter noch führen müssen, ein Blatt zur Abwehr von Angriffen auf uns rind zum Schuh unserer Interessen, ein Organ, worin ivir die Stimme erheben zur Sanieruilg der traurigen Verhältnisse in den Geuteindeu, eine Zeiturtg, die Mittheiluugen über den Vereiil und dessen Mitglieder bringt. Inwieweit es uns geluiigell, diesem Programme zu eittsprechen, können ivir selbst wohl nicht beitrtheilen, allein die Reelamatiouen, die in solcher Menge erscheinen, wenn der Drucker das Blatt nicht zur rechten Zeit fertigstcllt, lassen vermuthen, dass nran die „Mittheilungen" erwartet, ilebrigeus ist auch noch ein günstiges Zeichen dafür, dass die „Mittheiluugen" in weiteren Kreisen gelesen werden, ja dass sie eingehend geleseir werden, dass auf gewisse Artikel von auswärts reagiert wird ltnd eilte Sanierung der Uebelstände mitrmter erfolgt. Im Latife des Jahres ist eine Aenderung in der Verantlvortlichen Redaction eingetrcten, doch ist das Blatt in demselben Fahrwasser des offenen, sachlichen und mannhaften Auftreteils geblieben. Dass Artikel aus unseren „Mittheilungeu" auch in anderen (irdischen Blätter,:. Eingattg. fanden, dürfte wohl auch ein Beweis sein, hass Ihr Blatt lesenswert gehalten ist und manchen für die weitere Oeffentlichkeit Interesse erregenden Gedanken oder Artikel bringt. Die „Mittheilungen" haben es sich ferner zttr Aufgabe gestellt, alle Vereine, die die jüdische Sache tendenzfrei zu fördern die Aufgabe haben, zu unterstühett. Selbstredend durften wir uns nie auf einen einseitige:: Statldputlkt stellen, da ivir die Interessen aller Mitglieder ztö verfechten haben. Es sei darrnn Dank gesagt allen jenen, die uns durch Entsendung voll Artikeln unterstützt, llicht minder jenen, die solche gesandt, die wir aber aus verschiedenen Gründen zu bringen nicht in der Lage wareit. Es entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an der die Herren Schivarzkopf, .Kahn, Königsberg, Freund und Stein sich betheiligen. Der Bericht ivird sodaitn genehmigt und Hern: Fremtd der Dank Dotiert. Bericht über die beabsichtigte Herausgabe eüter Jugendzeitttng. Der Obntanit leitet die Debatte ent, indem er zur Kenntnis der Versaniinlttiig bringt, dass der Verein „Vrtai Brith" sich für die Herausgabe einer solchen sehr interessiere uttd dieses warme Jnterepe dadurch bekundete, dass ec dieselbe durch eine Subvention von 000 K. sofort mtd atlch in der Zukttttst dieselbe materiell und' inoraralisch tlnterstüheit wolle. Atlch der Centralverein habe seine Gelteigthcit ztl ntaterieller und moralischer Unterstühtlng ausgesprochen. Es sei bereits Material für drei Nttntmern vorhandelt, ttnd ütfolge der Ausschreibtlug in, dett Zcitschrifteit feien zlvei Muster für den Umschlagsbogen eingelangt, von denen jettes des Herrn A. Feder (Arnau) als besonders entsprechend befunden wurde. Die Debatte oarübcr war eilte sehr lebhafte. Herr Kraus (Wodnan) fragt, wieso sich das „Jüdische Gefühl" erhalten kann. Herr Freutld theilt mit, dass der Vorstand geneigt wat, mit dein Herausgeber des „Jüdischen Gefühls" ein Compromisö einzugehen, aber die Verhandlungen hierüber haben sich zerschlagen. Die Generalversammlung beschließt also, an den löblichen Vorstand des „Vnai Brith" heranzutreten, demselben den Dank für die bereits gespendeten 600 5k. abzustatten und in Anbetracht der zu geringen Subvention sei mtser Verein dermalen nicht in der Lage, ar. die Herausgabe derselben zu schreiten, eS wäre denn, dass der Verein hierfür die vorläufig erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen würde mtd die moralische Unterstützung für dieselbe verspreche. (Angenommeil.) Anträge dev Verstandes. Reselutien: 1. Mit Rücksicht auf die traurigen Erfahrungen der Mitglieder des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen fühl tsich die heutige Generalversammlung verpflichtet, dem lebhaften Bedauern Ansdruck zn verleihen, dass die Eultusgemeinden unseres engeren «nd weiteren Vaterlandes nicht durch ein einigendes Band gestärkt, dass weiters der Mangel an einer Oberbchörde zur gemeinsamen Vertretung der Interessen der Gemeinden nach aussen zu beklagen ist, dass ferner infolge dessen die Autonomie der einzelnen Gemeinden Früchte zeitigt, die dcnt Jndcitthnm oft nicht zu Nutz und Ehren gereichen, verleiht die Generalversnututlung des israelitischen Landes lehrervereincs in Böhmeit dem Wunsche Ausdruck, dass die Schaffung einer solchen Veretuignitg angestrebt, das Jnslebentreten einer solchen Behörde in absehbarer Zeit freudigst begrüßt werde. (Angenommen.) 2. In Betreff der Altersversorgung der Privntbeamten, wie sie die Regierung beabsichtigt, ertheilt die Generalversammlung dem ncngewähltcn Borstande die Vollmacht, ein Eomitee cinzusetzen, das sich mit dcu einschlägigen Gesetzentwürfen oer k. k. Regierung befasse, sich durch einen Rechtsfreund cooptiere uttd die nöthigeu Schritte competenten Ortes unternehme, dass eventnell auch die Rabbiner, besonders jene der mittleren nnd kleineren Eultusgenteinden dieser Wohlthat theilhaft werden. (Angenommen.) Fcriter wtirde folgende ssiesolntiolt gefasst: 3. Der Vereinsvorstand wird ermächtigt, in geeigneter Weise Daten zu sammeln, welche Wirknugcn und Erfolge das Gesetz über die Regelung der Rechtsverhältnisse der Cultnsgemeinden in Bezug ans die Eultusgemeindenbeamten in Böhmen seit dem Inkrafttreten des (Gesetzes hervorgebracht und erzielt hat. (Angenommen.) Wahl des Vorstandes, lieber Antrag d.'s Herrn Rabbiner Kraus (Wodnan) findet die Wahl des Vorstandes per Acclamation statt. Da hiergegen kein Einspruch erhoben wird, erfolgt die Wahl einstimmig und besteht der Vorstand wieder ans den Herren: Siegmund Springer, Prag; S. Abeles, Rabbiner, Kuttenberg; M. Freund, Rabbiner, Bodenbach; D. Löwy, Religionslehrer, Prag; S. Hoch, Rabbiner, Czaslau; A. Stein, Rabbiner, Radnitz; I. Schwager, Director des Knabenwcisenhauses, Prag. Zu Revisoren: A. Wiesmeier, Prag; Josef Kraus, Prag und A. Schmolka, Prag. Als Ersatzmänner: L. Rübter, Lehrer, Prag; M. Wantoch, Lehrer, Prag; M. Kraus, Lehrer, Prag. Der Vorsitzende geht mm daran, die 28. ordentliche Generalversammlung zu schließett, da ttiemand mehr zum Worte gemeldet ist. Mit dem Anträge, wie alljährlich, auch Heuer die Generalversammlung mit dem Absenden einer .Huldigungsdepesche an Se. k. k. apostolische Majestät zu schließen, schließt' derselbe mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät die Sitztntg. Ischl. (Zum Capite 1 P a s s i o n s s p i e 1 e.) Jedes Jahr finden in Oberammergnu, jedes dritte Jahr in Höritz, jedes fünfte Jahr in Vrixlegg Passioitsspiele statt. Ich kenne dieselben nicht, dieser Tage aber hatte ich im Jschler Theater Gelegenheit, eine wandernde Truppe eines Herrn Leopold Peterka zu sehen, die sich auch, wie es auf den Placaten hieß, das Ziel gesetzt, das bittere Leideit und Sterben Christi, soivie seilte Aüferstehnng darzustellen. Ich luiu nur kurz schildern, auf welche Weise mtd mit welcher Absicht dies geschieht. Das Bild, frei nach Rrtbens, stellt das „heilige Abendmahl" dar, und zwar die Scene, wo sich Judas unter dem richtenden Blicke Christi als Verräther hinausschleicht. Obwohl Christi Ji'ntger dantals gewiss keine Ahnung davott hatten, dass eiitst Germanen zu ihren Anhängern gehören werden — wussten sie überhaupt von der Existettz der germanischen Völkergruppe? — hat der Christusdarsteller, Herr Leopold Peterka, doch die famose Idee, alle bis auf Judas mit blond-germanischem Typus auftreten zu kaffen. Judas ist mit einem rothen Kaftan und einem rothen Barte geschmückt. Das. Spiel wirkt so besser! Das merkt man auch in der folgenden Oelberg-Scene. Christus weckt die schlafenden Apostel Petrus und Johannes, da erscheint Judas, die Häscher an seiner Seite. Der berühmte Judaskuss wird mit aller Umständlichkeit gegeben uitd dann cm eine ergreifende Darstellung der Kreuzigung geschritten. Zieht Jesus mit dem Kreuze unter Gcißelhicben einher, so siitd cs beileibe, keilte Juden und Judenkinder, sondern Sprösslinge echt arischer Abkunft, die am Wege betend niedersinkeit! Daitit wird der Tod grausam, packend dargestellt; es folgt die Auferstehuilg und der Einzug in den Himmel. Man kann ruhig sagen: Sollte es einen Flecken geben, wo der religiöse Hass gegen die Judeti noch iticht besteht, so ist so ein Passionsspiel das beste Mittel, ihn in hellen Flammen auflodern zu lasset:, uttd Oesterreichs Akpenthäler, wo die Kuhglocke läutet ttnd die Ochsert frei hernmlaufeit, sind für das phaittasieerhttzende Spiel des Herrtt Peterka das geeignetste Terrain. W. Z. Gorkice. (Zu d e n L a n d t a g s w a h 1 e n.) Bei den am II. ds. Mts. stattgefundenen Landtagswahkeit der dritten Curie zeigte es sich wieder einmal, auf welche Weise die Wahlen in Galizien „gemacht" werden. In unserem Bezirke Gorlice-Jaslo stand dem Demokraten Biechonskt der Conservative Jaworski als Mandatslverber gegenüber. Die öffentliche Meinung nnb fast alle Wähler erklärten sich für die Wahl Biechonskis, und sie schien auch gesichert. Aber da haben wir die Rechnung ohne das Clericnl-Conservativ-Stanczyken-Centrak-Comitee gemacht; dieses erklärte, dass nnier politisches Wohl erheischt, dass nicht Biechonski, soitdern Jaworski uits im L a n d t a g e vertrete. Vergebens sandten wir Deputationen nach Lemberg und Krakau mit der Bitte, uns feinen Candidaten i aufzndrängen, da wir schon einen haben. Xtnfcr Candidat gefiel aber den Herren Mandatsausschreibern nicht, matt ließ die landesüblichen Wahlmittel spielen, und der Gegencandidat drang mit knapper nnd sehr problematischer Majorität durch. Wohin die Wirtschaft dieses nicht die mindeste Daseinsberechtigmtg führenden Centräl-Comitees führen wird, lässt sich nicht Vorhersagen. Eines jedoch steht fest, dass die Erbitterung im Lande über die vorgekommenen Wahlvergewaltignngen enorm groß ist und noch zunimmt, je mehr von den Wahllnissbräuchen an den Tag tretest.'"' Gorlice. (Eine j n b c n r c i n e A c t i e n g e s e 11 - s ch a f t.) Wenn jemand glaubte, dass nur die Regiernngs- und Landesämter dett Jttden in Galizien verschlossen sind, so würde er im Jrcthnm seilt; es gibt vielmehr auch industrielle Unternehmungen, Ivelche das Wort „judenrein" auf ihr Programm schrieben, und eine solche jndenreine Actiengesellschaft haben Ivir hier aufzuweisen. Ich »teilte die „Galizische Karpathen-Petrolenm-Actiengesellschaft. vocntals Bergheim L Mac Garvey nt Glinnik Mariampolski bei Gorliee. Dieses Unterttehnten — das größte in der Branche in Galizien — - beschäftigt an Arbeitern mtd Bearntett ca. 1000 Personen, und kein entAger Jude findet sich darunter; das erste, Ivas man dort von beu Bewerbern um eilte Stelle verlangt, ist, dass sie feilte Juden feien, und vor allen Schuluttd sonstigen. Qualificationszengnissen wird das Taufzetigttis verlangt. Als vor einigen Jahren dort die Stelle eines Portiers zu besetzet: war, contpetierte für sie ein Jude, welcher von der Judenfeiitdschaft der Gesellschaft ltichts wusste. Seine lattge Nase verrieth seine „Rasse", uttd sein Gesuch wurde abschlägig beschiedett. Ein Freund entdeckte ihm aber „privatim", dass er deshalb die Portierstelle nicht krieget: kamt, weil er an einem Geburtsfehler leide, der aber glücklicherweise noch gut gemacht werden kmtn. Der Mantt ließ sich beweget:, und schott itt einigen Tagen war er der glückliche Besitzer eines Taufscheines. Das bisschen Wasser wirkte Wunder, die krümmet: Beine wurden gerade, die Nase wurde kürzer, tntd man sah ein, dass der Mann für die Portierstelle vollkontmet: geeiaitet sei. Und doch wurde dieses Unternehmen mit jüdischem Capital gegründet (dettn der finanzielle Begründer der Firma ist Jude). Und doch sitzen nebst dem jüdischen Mitbegründer noch drei Juden im Verwaltungsrathe. Und doch sind der größte Theil der GeschäftSkimden Juden. Wie sollte man es den christlicheti Uttternehmungen übel nehmen, dass sie Jttden ausschließen, wenn es Juden selber thun. ’ Kolomea. (Eine antisemitische Gründung.) In Krakau begann am 16. d. M. ein tägliches polnisches Blatt unter dem Namen „tümz Glos“ zu erscheinen, welches sich offen zum Antisemitismus bekennt. Die Nedacteure sind dieselben, wie im antisemitischen Blatte „Glos bknrocku“; nachdem das Blatt von keinen besseren Christen gelesen wird, so gibt man dem Blatte j einen anderen Titel, um. vielleicht dadurch Abonnenten zu gewinnen. Aber auch das wird den Redacteuren nicht helfen. Denn solche unanständige Blätter werden von besseren Ehristen nicht einmal in die Hand genommen, geschweige denn gelesen. In der ersten Nummer finden wir schon in einem Artikel angefragt, „ob die Juden zur Annahme eines Reichsrathsmandates berechtigt sind". Wenn diese Anfrage nicht von einem solchen Schundblatre ausgienge, wir fänden vielleicht Anlass, darauf zu erwidern, um das Gegentheil zu beweisen; aus eilten Artikel aber in einem solchen Blatte ztt reagieren, dazu steht uns der „Nasz Glos“ viel zu niedrig. Dann finden wir in derselben Nummer mit fetter Aufschrift eine Notiz „Zy<1-cl6frao<lmti,ern“. Bevor das anständige Blalt aber jüdische Fehler tmtersucht, bringen wir ihm den jo noblen Betrüger int Talare M a n d y r o s i e. w i e z in Erinnerung. — Vor einigen Tagen wurde gcnteldet, dass als Ableger des Krakauer Antisemitenblattes „Glos Narociu“ dort eit: Coneurrenzblatt unter dem Titel „Nasz Glos“ gegründet wurde. Chefredaeteur ist der gewesene Leiter des alten „Glos" Kasimir Ehrenberg, ein bekannter Antisemitenfübrer, der als.Hauptmitarbeiter seinen Schtvager Ladislatts Stanö engagierte. Mittwoch abends wurde mm Ladislaus Stano unter der Beschuldigung des Berbrechetls der .Schändung, das er an einem unmündigen Mädcben begangen habe, dent hiesigen Landesgerichte eingeliefert. Die Verhaftung, die in Krakau begreifliches Aussehen erregt, hat folgende Vorgeschichte: S t a t: o war wegen dieses Verbrechens schon entmal m den Händen der Polizei Es wurde ein Protokoll mit ihm ausgenommen und die Sache dem Landesgerichte abgetreten. Von der Arretierung des S t a n o wurde Abstand genommen, da der Chefredaeteur des „Nasz Glos“ Kasimir Ehrende r g zugunsten seines Schwagers mit Erfolg intervenierte. Das Vertrauen der Polizei erwies sich jedoch als wenig angebracht, da Stano einen Fluchtversuch unternahm. Mit einem falschen ^tzasse versehen, wollte er Montag die russische Grenze bei Bibiee überschreiten, wurde aber von der Grenzgendarmerie abgefasst und auf einem Wagen nach Krakau zurückescortiert. Hier wurde er Mittwoch ins Gefängnis überstellt. Kolomea. (Zu den L a t: d t a g s w ä h 1 e n). Am 11. d. M. fand hier die Wahl der Städtecurie statt, die Candidatur des Jan Klesko wurde fallen gelassen. Dem Vernehmen nach lehnte er die Canoidatur ab, 1. weil er als Judenfreund gekennzeichnet wttrde, 2. weil er überzeugt war, dass seine Caudidatur mit Rücksicht daraus, dass der „Guten- . Jungen-Club" für den Bürgermeister W i t o s 1 a w s k i war, von j feinem Erfolg gekrönt wäre. Die Aufstellung eines jüdischen | Candidaten wurde von den hiesigen jüdischen Bürgern nicht an- , geregt, nnd so war bei bei der Wahl „alleiniger Candidat" unser Bürgermeister Witoslawski. Dass bei der Wahl in ider! ganzen Stadt jüdische Agitatoren herumliefen, um die Wähler zur Wahlurne zu schleppen, und für den Bürgermeister die Stimme abzugeben, ist leider elbstverständlich, mit Gottes Hilfe, wie auch mit Hilfe den Juden, hatte die hiesige Bevölkerung den Sieg errungen, und der Herr Bürgermeister Witoslawski wurde mit 880 Stimmen gewählt; davon tvaren circa 800 Stimmen von den Juden abgegeben worden. Der Herr Bürgermeister Witoslawski, der der hiesigen jüdischen Bevölkerung für seine Wiederwahl Dank schuldete, ließ, anstatt den Juden zuerst mittelst jüdischen Placaten den Dank auszusprechen, Placate in polnischer und ruthenischer Sprache affichieren, den Juden mittelst Placaten in ihrer Jargonsprache zu danken, fiel ihm nicht ein. Neutra. (Jüdische W ä h 1 e r v e r s a m m 1 u n g.) Unter dem Vorsitze des Parteipräsidenten Bacskady Karoly versammelten! sich am 16. zahlreiche Wähler der liberalen Partei, um den Rechen-! schaftsbericht des gewesenen Abgeordneten Dr. Janics Jmre anzuz hören und um die Partei mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen .'zu organisieren. — Am 17. berief das Präsidium der isr. Cultus-! gemeinde die Repräsentanz zu einer Sitzung ein, welche beschloss, j dabin zu wirke::, dass die jüdischen Wahkbürger tmr einem sol-! ckien Candidaten. ihre Stimme gebet:, der sich zu dem reuten, unver-; fälschten Liberalismus bekennt und die einseitigen agrarischen Bestrebungen zurückweist; des feriteren wurde beschlossen, eine allgemeiite Wählerversamlung der jüdischen Wähler dieses Wahlbezirkes für den 25. September in den Prachtsaal des Schulgebäudes einzubcrufen. Munkacs. (D e r A r g o n a tt t e n z u g d e s M u n k a c s e r Rösch hakohl.) Bekanntlich tritt im Felvideker Wahlbezirk (Bereger Comitat) der rühmlichst bekannte Director der Ngyvarader orth. Bürgerschule, Jakob Gabel, mit liberalem Programme als Abgeordnetettcattdidat auf. Diesen Bezirk vertritt bis mm der dent Namen nach noch Jude, Edmund Barta, der —■ wie es heißt — der eigentliche Urheber der Egan'schen antisemitischen Wirtschaft war. Herr Barta machte sich seinerzeit das Vergnügen, vor der! Vertretmtg des Landes jene Juden, von denen er von Haus zu Haus! seit: Mandat erbettelte, mit den Wortett: „Ja, die orth. Juden des .Landes sind Feinde aller. Cultttr, aller ttationalen und patriotischen Bestrebungen" zu verletimden. Doch als Gabel in jenem Bezirke condidiert wurde, wusste es der agile Barta so zu arrangieren, dass der Rösch hakohl der Munkacser orth. Gemeiitde für ihn „warm entpfinden" soll. Wie er dieses Wunder zustande gebracht, davon wollen böse Zunge:: gar so manches wissen. Herr Ludwig Hartstein, dies der Name des Munkacser „Weisen", machte auch ein gewisses Prottnuciamento für Barta: behauptete von selbem, dass er, der seine Kinder taufen lässt, der selbst mit dem Judenthume in losestem Zusammenhänge steht — mikadesch Haschen: berabbin: gewesen. Dieses Pronunciamento machte auch uttgehenret: Effect auf die Lachmuskeln aller klardenkenden Menschen ni:d tnachte womöglich noch die Stellung Bartas unsicherer, umsomehr, da die aufrichtig denkenden Christen sich ebenfalls der Fahne Gabels anschlossen. Herr Ed-, niund Barta krönte übrigens seine antijüdische Gesinnung jüngstens auch damit, dass er am Rösch haschonoh-Tage inehrere Gemeinden seines Bezirkes— zum Aerger der jüdischen Bevölkermtg — besuchte. Diese Großthat musste Herr Hartstein, der orth. Rosch hakohl von Mutckacs — dem mau seine Sympathien für den Advocatet: Barta. nebst mlderen Motiven auch darauf zurückführt, dass auch er großes Interesse für Crimittalfälle hat — damit honorieren, dass er chn am 17. d. nach Bilke begleitete, woselbst Barta seilte Programmrede halten sollte. Nun aber kam der gesinnungstüchtige Rosch hakohl arg davon, denn die Juden in Bilke wollten der: übereifrigen Munkacser Vorsteher geradezu durchprügeln, warfen ihn: vor, dass er es ja war, der vor einigen Jahren die jüdische Welt damit alarmierte, dass der Antisemitismus.Egons eigentlich ein Geisteskitid Bartas fei. Wenn die besonneneren Elemente der Bilkeer Juden sich nicht ins Mittel gelegt hätten, würde Herr Hartstein mit vielfarbigem Rücken von hier ziehen, so aber konnte er sich unter Deckung der ruhigeren 5-reise zurückziehen und in Munkacs seine 40tägige Raft dazu benützen, darüber nachzudenken, wie man AlttisemitismuS mit Zftdnsch haschem berabbim vereirten könne. Zur Steuer der historischen Wahrheit sei hier erlvähnt, dass Herr Hartsteiu den Argonautenzug nach Bilke in Gesellschaft eines Herrn Fullmann, ebenfalls orth. Repräsentmtt, angetreten, den wir aber durchaus nicht wert finden, ihn aus dem Dunkel seiner Unbekmmtheit hervorzr^iehen. E. B.

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