Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. September 1901 Nr. 39 Ausland. London. (A n t i s e m i t i s m u s i n E n g l a n d.) Die „Daily Erpress", „Pall Mall Gazette" und „Standard" benützen das anarchistische Attentat von Leo Czolyosz zu antisemitischen Verdächtigungen nach kontinentalem Muster. Sie behaupten, dass die russischen Juden des Eeast End sannnt und sonders Anarchisten seien und Leo Czolgosz ein russischer Jude. Es ist tvohl überflüssig, diese Lügen erst zu widerlegen; die Inden des East End sind tvohl fanatische Marxisten, die infolge ihrer Intoleranz und starren Dogmatismus viel böses Blut machen, aber sicher keine Anarchisten; sie sind höchstens gegen die Herrschaft — Gottes, da der Atheismus unter ihnen in einer oft abstoßenden Form platzgreift. London. (V erschärfnng der E i n w a n d c r u n g s - ge setze in Amerika.) Die „Times" melden aus Ncwyork: Infolge der Entdeckung, dass Anarchisten und andere unliebsame Einwanderer mit gefälschten Pässen nach den Bereinigten Staaten kommen, sollten die Eimvanderungsgesetzc Iveit schärfer als bisher dnrchgcfnhrt werden. Die aus dem Auslande zurückkehrenden Amerikaner müssen imstande sein, sich über ihre Persönlichkeit auszuweiscn. Bei' Ztvischendeckpassagicrcn soll der A'ichtbesih des Passes oder des Ausweises» dass der Inhaber amerikanischer Bürger sei, als genügender Grund zur Zurückseildung angesehen lverdcn. ^Petersburg. (A u f e u t h a l t s r e ch t.) Mehrere neue durch den «enat erlassene Verfügungen gestatten gewissen Kategorien voll Israeliten, in den Ortschaften sich anfzuhalten, welche ihnen bisher durch die Localbehördcn vcrbotcil Ivaren. 1. Obgleich das Gesetz von 1895 den Israeliten deli Aufenthalt in gcivisscn, ail den Grenzen gelegenen Dörfern verbietet, so haben doch diejenigen, welche vor der 'Bekanntmachung des Gesetzes dort wohnten, das Recht, dort zu bleiben. 2. Die Zuwiderhandlungen gegen das Aufenthaltsgesetz können ilicht als Verbrechen betrachtet werden; wenn lmil somit Israeliten in einem bestimmten Zeitpunkte aus Verwaltungsrücksichten in ihre Heimat zurückgeschickt worden sind, so könneil sie, unter _ der Voraussetzung der später erlangten Rechte, eine neue Beloilligung! des Aufenthaltes außerhalb des Territoriums erlangen. 6. Die j Israeliten, welche sich zeitweise auf dem Lande in ihrer Eigeilschaft j als Hüttenarbeiter, als Beamte, als Holzschläger usw. aufhaltcn; müssen, haben das Recht, ihre Familie zu sich zu nchlnen. 4. Die; auf dem Lande wohnenden Israclitcil besitzen das Recht, ihreil Wohnj sitz von einem Dorfe in das andere 31t verlegen, wenn diese zwei - Dörfer in amtlicher Hinsicht als eine und dieselbe Ortschaft ailgesehcil! werden. — Trotz der verschiedenen Senatsvcrfügungcll, welche i>cit j Juden während der Sommerzeit aus Gcsuildhcirsrücksichten den. Laildaufenthalt gestatten, fahreil die Behördcil doch fort, die Israc-' liten in der Sommerfrische zu belästigen. Alle in der Sommerfrische > in den Umgebungen von Kiew weilenden Juden haben den Befehl , erhaltcil, soforr die Ortschafteil, iro sie jetzt sind, zu verlassen. Zw Tatarbnnares (Gouvernement Bessarabien) hat der Stadtrath eine Bekanrmachuirg anschlagcn lassen, welche den Juden verbietet, sich in dem See Sofik (ohne besondere Genehmigung des Gouvcneurs) zu! baden. Zu Britchanc in Odessa ist den Iudeil der Spaziergang in . dem der Kirche benachbarten Garten untersagt worden. Zu Warschau - haben die Aufseher den Befehl erhalten, den Juden unter keinerlei. Vorwand dcil Eintritt in die ösfentlicheil Gärten zu gestatten. Das, Journal von Tiflis erzählt, dass der Präfcct dieser Stadt, ilachdem; er bemerkt hatte, dass die dort wohnenden jüdischen Handwerker: sich nicht allein mit der Arbeit ihres Gewerbes beschäftigen, sondern! aiuch-eineil, offenen Laden haben, in welchen sie die von ihnen herge-; stellten Artikel verkaufen, angeordnet hat, das Aufenthaltsrecht der j Israeliten von Tiflis zu revidieren und den jüdischen HandiverkerN! ciligeschärft hat, ihren Handel aufzugeben. Der Befehl des Präfecten l wurde unmittelbar durch eine Reihe von Austreibungen befolgt, und bis jetzt find 120 Juden gegen die betreffende Verwaltung klagbar ' geworden. Streitigkeiten haben sich gleichfalls zwischen den Local-, behörden und der jüdischen Bevölkerung in Betreff der neuen Se-; natsverfügung, welche die Juden berechtigt, Gcmeindeländercien, außerhalb der Städte zu pachten, erhoben. So hat der Gouverneur, von Chersoir den Israeliten verboteil, in dem Weichbild der Stadt Elisabethgräd gelegene Ländereien 31t bewohnen und in Pacht zu nehmen, obgleich dieses Weichbild einen Theil städtischen Eigenthums bildet. Dieser Gouverneurbefehl wurde allen Notaren des Gouvernements von Cherson kundgegeben. Indesseil hat ein Notar aus Elisabcihgrad (wie wir bereits kurz berichtet) dem Gouverneur, ge-" antwortet, dass er nicht das Recht habe, diesem Befehle nachzukommen, und dass er sich verpflichtet glaube, den Bestimmungen des Gesetzes und den Auslegungen des Senats zu folgen. Dlirch diese Haltung ist der Streit stark zugcspitzt worden, uild der Fall wird dein Minister des Jnnerll vorgelegt lverdcn. Zu Kielv ist derselbe Fall wegell dieses Gesetzes ausgcbrochen. Wie man sieht, ist oft die höchste Justizgewalt ohilmächtig, gegen die llnterbeamtcn zu kämpfen, welche immer in der gegen die Israeliten speciell erlassenen Gesetzgebung einen Vorwaild findeil, um die jüdische Bevölkerung zu verfolgen.! Bücher-Einlaus. pbn •nirnm rmbir. : C"ap) Trizy .'""i'y “ICD “iVCI “i“D “Karo cnin-n rrrnp. : (Tap) . ' . . rc—T" rvrr.n -jtsp pbu*. Der Verlag „Tuschijah" ist fleißig an der Arbeit in der Zuführung hebräischer Werke. Außer deil zahlreichen Lehrlind Lesebüchern für die mehr oder minder reife Jugend, außer einer großen Anzahl von Originalwcrken uild Uebersetzuilgen, erscheint regelmäßig die „Hebräische Bibliothek", lvelche 200 nützliche Eiilzclarbeiteu enthalten soll. Tie letzten zwei Nummeril (148—144), welche uns heute vorliegen, die „Geschichte der Religion" voll Prof. Mcnsis, übersetzt ins Hebräische von Frankl, eine Monographie über Persien, siild ebenso lehrreich und interessant lvie die früher erschienen Nummern. Prof. Mensis' „Geschichte der Religioneil" ist genugsam bekannt, uild wir wollen bloß hinzufügen, dass die Nebersetzung trefflich gelungen ist liild in Berücksichtigung des eben nicht leichten Gegenstandes die Sprache sehr geläufig und verständlich gehaltell ist. — Das zweite uns vorliegende Werk ist die „Geschichte der Iudeil in Rom" von A. Kahane. Der Verfasser hat ben Gegenstand erschöpfend bearbeitet. Außer allen nichtjüdischcn Qllellen standen ihm auch die talmudischen Belegstellen zur Verfüguilg. Freilich hat er in Dr. A. V e r l i il e r eineil sehr bedeutenden Vorarbeiter gefunden, allein der Verfasser verstand es, feinem Thema ausführlich und in selbständiger Art gerecht zu werden. — Die neue Ausgabe der illustrierten Jugendzeitschrift „Olam Katall" erscheint wie bisher regelmäßig wöchentlich, und die Redacteure verstehen es, zu gleicher Zeit der Jugend ebenso lehrreiches wie interessantes Material zu bieten. Als besonders gelungen erscheinen die Feiertags-Nummern, in dencil ben Kindern in Text uild Bild die Bedeutung der Feste, sowie Sceilen aus dem jüdischen Leben in populärer uild geschmackvoller Art vorgcführt werdeil. Tie Alisstattuiig, die, nebenbei gesagt, hier in Wien in der Buchdruckerei „Industrie" besorgt wird, ist vortrefflich gelnngeil und aller Anerkennung wert. Wir haben beini Erscheineil der erstell Hefte ausführlich über diese Jugendzeitung geschriebeil und können heute mit Gi'ilNgthuung constatiercll, wie schön sich dieses Unternehmen cnt wickelt hat. » nxa mrrj?a trans (!) rcon pnira jnästn ik sprm, ♦CK*onn outsdk1?;) "p«*ip3rtK“i jaru mc?b aa-vira (?) rn/b^a Die Molicr'sche Coinödie „Tartüfsc", welche uitscrcm modcr l'.en Gcschmacke lange ilicht mehr zusagt und im übrigen auch zu Lebzeiten des Dichters lvcilig Aliklang gefunden hat, hat bereits zwei jüdische Nachahmer gefuildcn. Ztvei versuchten es. das Thema jüdisch zu macheil und an Stelle des Tartüffe einen jüdische!'. Scheinbcili geil darzustellcn. In Jassy erschien vor ungefähr 20 Jahren da Werk bar von Wechsle r und später besuchte es der Dircctor des jüdischen Theaters H 0 r 0 w i tz, dieselbe Gestalt als '2Ü Tp® auf der Bühne populär zu machen. Aber die beiden Parodien erschienen allzu übertrieben und fanden keinen rechten Anklang. Der junge llcbcrsetzer, der von all dem keine Ahnung zu haben scheint, vcrsircht es nun mit einer wörtlichen Uebersetzuug. Das Werk ist init einer Widmirng an die Eltern des Ilebersetzers versehen, hierauf folgt ein Brief seines hebräischen Lehrers, welcher die njrVa seines Schülers lobt, und schließlich ein Gedicht von I. Fcrnhof, derzeit Lehrer an der Baron Hirsch-Schule in Zloczow. Allein diese Ucbersülle an Widmungen und Empfehlungen ist nicht geeignet, über die kindliche Maclw dieses „Werkes" hinwegzutänschen. Die Sprache, die ein modernes Hebräisch sein will, erscheint höchst abgeschmackt und hilflos. Der Ucberfetzer hat alle Eigennamen in die rnodcrnc Orthographie ohne Vocal-Buchstaben transponiert, bei seinem eigenen Namen jedoch begnügt er sich mit der alten Methode. Altjiidische Romane und Novellen in griechischer Sprache. Eine neue Theorie zur Erklärung der erzählenden Apogryphcn des Alten Testamentes von Dr. M. Rosenmann, Bezirks-Rabbiner in Floridsdorf. Der Autor versucht es, die viclumstrittenc und in der Gclchrtcuwelt viel aufgeworfene Frage der Apokrhphen-Bücher mit einer neuen Hypothese zu lösen.' Er mcillt, die Apokryphen, welche in die griechische Uebersetzuug der Heiligen Schrift ausgenommen sind, seien ursprünglich in A l e x a n d r i c n als Romane in g r i cch l s ch c r Sprache geschrieben und hätten niemals einen höheren Zweck besessen Und seien daher auch in Palästina niemals bekannt gewesen. Nur durch die Unwissenheit der ersten Heidcn-Christcn seien sie mit der Bibel verquickt worden. Diese Hypothese ist jedoch nicht cinlvandfrci. Dass viele Bücher auS dem Canon ausgeschlossen wurden und unter der Bezeichnung crac im Talmud genannt lverdcn, ist ja nicht zu bezweifeln, und nicht minder zweifellos ist, dass viele der Apokryphen,, lvie „Die Makkabäer", „Ben Sirach" usw.» in Palästina in hebräischer oder syrischer Sprache verfasst wurden, und die Hypothese kann sich höchstens auf die wenigen erzählenden Bücher stützen, und cs verbleibt die Frage, weshalb die Bücher moralischen Inhalts mit den epischen oder mit den Romanen und Novellen, wie der Autor sie nennt, zusalnmcngcnommen werden. Allenfalls ist die Hypothese interessant und erscheint einer Discussion lvcrt. R. A. B. Von Hctober d. I. ab erscheinen im Verlage der Socialistischen Monatshefte: „Tocumente des-Socialismus", Hesrc für Geschichte, Urkunden und Bibliographie des Socialismus, Herausgcgebcrl von Ed. Beriljtcin. Aufgabe der Zeirschrift ist, ein leicht zugängliches, übersichtliches Archiv für alle wichtigen Docnmente des Socralismus zu bilden. Das Bedürfnis nach einer solchen Sammelskcllc hat sich schon oft früher fühlbar gemacht, und cs wächst in dem Maße, als die socialistische Belvcgung und Literatur ml Umfang zunimmt. Ehedem war das Suchen nach wichtigeren Docnmentcn (Aufrlstpil,. Manifesten^ .dcr.vsoeialistischcu. Belvegung eine verhältnismäßig einfache Säche,Jo)^aV^ina)Oölv 'betreffenden' Organe zur Hand hatte. Heute, wo die. Cezttralorganc der socialistischen Bewegung große politische TagcsbUttcr geworden sind, verschwinden selbst Manifeste von größerer Bedeutung bald unter dem übrigen Lesestoff, und es ist eine sehr zeitraubende Arbeit geworden, sic hcrauszufiudcn. Ebenso fehlt cs noch einer laufenden, schnell Bericht gebenden Jnforniaiionsstclle für die neuen Erscheinungen der socialistischcn und den Socialisnuis behandelnden Literatur des In- und Auslandes. Ferner enthält die ältere Literatur des Socialismus noch viel ungchobene Schätze, ausgespeichert in Büchern, die heute nur lvenigcn zugänglich sind und als Sondcrpublicationen wieder in der Masse der Tageserscheinungen verschlvinden lvürden. Das Wertvollste von ihnen herauszuhebcn und zur Würdigung zu bringen, wird ebenfalls eine der Aufgaben der Tocumente des Socialismus bilden. Es ist dabei lnlter anderem auch an Biographien vergessener oder ungenügend bekannter Vertreter des Socialismus gedacht, an Leute, die, obwohl, nicht an fester'Stelle stehend, doch Hervorragendes für den L-ociälismus geleistet haben. Schließlich, aber nicht zum wenigsten, sollen die Documcnte des Socialismus auch der Schildenmg und kritischen Beleuchtung wichtiger Vorgänge in der Geschichte des Socialismus gewidmet sein, seiner inneren Kämpfe und ihrer Rücklvirkung auf die Alisbildung der socialistischen Parteien und der socialistischen Theorie.. Kurzum, die Documentc des Socialismus sollen zugleich Matcrialiensammlung, Chronik der Tagesliteratur und Hilfsmittel, sowie Ergänzmlg der zusammeufassenden socialistischen Geschichtsschreibung sein. Socialistische Monatshefte. Das soeben erschienene 9. Heft des 7. Jahrgangs enthält u. a.: Antpn Fendrich: Zur Frage der Budgetbewilllgung. Wolfgang Heine: Wie ist wissenschaftlicher Socialismus möglich? Conrad Schmidt: Zur Theorie der Handelslrisen und der ßeberproduction. Eduard Bernsteill: Zum Kmnpf gegen die Zollschraube. Max Schippel: Die Agrarbewegung und das Centrum. Richard Calwer: Die socialdemokratische Presse. Paul Kampfmcyer: Zum Wohnungsprogralnm der deutschen Socialdcmokratic. Adolph von Elnn Durch Gährung.zur 5AärungI Eduard David: Die Hamburger Accordmaurer vor dem Parteigcricht. Eugenie Mcirr': Maxim Gorkij. Rundschau. Portrait von Maxim Gorkij. Stimmen der Prcffe über Vocrrics Freiherr von Münchhausen. (1896—1900.) F. A. Lattmann, Goslar. J»l dem soeben' erschienenen 12. Hefte der „Tocumente der Frauen", hcrausgegeben von M. Lang, schildert A. Wittelstacdt das ganze Elend, die zahllosen heimlichen Leiden unversorgter Officierstöchter. Diese Skizze entrollt ein Bild von verborgenem Harm, der einem zu .Herzen geht. Die Existenz dieser Mädchen, die immer freundlich lächeln und standesgemäß die Dehors bewahren, sind beklagenswerte Opfer alter gesellschaftlicher Vorurthcile, die nun allmählich der nenen Zeit gegenüber schwinden lvcrden. Gustav Bunzl erläutert in treffendster Weise, wie die eriveitcrte Frauenbildllng eben die Frauen erst viel tauglicher zur Ehe machen würde, als sie cs heute in ihrer Zurückgebliebenheit sind. Eine Darlegung über die Frauen iii der communalen Armenpflege Deutschlands von Alice Salomon dürfte lebhaftes Interesse erivccken. Frau Lily Braun erwidert schneidig auf den im letzten Hefte der „Documcnte der Frauen" von Henriette Fürth gegen ihr Project „Wirtschaftsgenossenschaften" veröffentlichten Angriff. Den Schluss bildet eine ernste Skizze von Maitre Corbeau, aus dem Holländischen übertragen von Rosa Speyer. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dich' Verlag) ist soeben das 51. Heft des 19. Jahrganges erschienen. Aus dem Jnbalte heben wir hervor: Brotwucher und Verwandtes. — Zum Parteitag in Lübeck. Von A. Bebel. — Unmaßgebliche Betrachtungen. Von Victor Adler. — Wilhelm Raabe. Ein Nachwort zu seine« siebzlgsten Geburtstage. Von D. Bach. — Wie soll daS Christenthum bekämpft werden? Von Dr. Eugen LosinSky. — Der Opportunismus in der Praxis. Von ParvuS. 6. Die Leistungen des Opportunismus. - Bürgermeister und Minister. Bon K. Kautsky. — Literarische Rundschau: Max Winter, Von der Jser zur Neisse. Dr. Julius Wolf, Das deutsche Reich und der Weltmarkt. — Feuilleton: Schlafwandlernächte am hellen Tage. Von August Strmdberg. Klimmen aus dem Unbiienm. Der Nestor der Wiener Sprachlehrer, der bekannte Philantrop, Herr Prof. Simon H 0 f f m a n n, errichtet einen Sammelcurs für englische Sprache, dessen gesammtes Erträgnis derselbe dem humanitären Vereine „Thorath-Chesed" widmet. Herr Prof. Simon So ffm a nn erfüllt damit den ooppelten Zweck, jungen Leute» elegenheit zu geben, die so wichtige englische Sprache gegen ein mrmmes Honorar bei einem Mecster zu lernen und Wohlthätigkeit zu fördern. Anmeldungen werden erbeten an Herrn Leopold Rosenbaum, Vorstand des „Thorath-Chesed*, Wien, II., Gr. Pfarrgasse 11. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, II., T a b 0 r st r a ß e 59 (Telephon Nr. 13920) bietet den P. T. Arbeitgebern feine kostenfreie» Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualificierte Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 21. September standen in Vormerkung: I. Classe: Manuelle Arbeiter. 6 Anstreicher und Lackierer. — 6 Aufpapper und Lederzurichter. — 3 Bäcker und Zuckerbäcker. — 2 Bildhauer und Steinmetze. — 1 Bronzearbeiter. — 4 Buchbinder. — 2 Buchdrucker. — 5 Bureaudiener. — 0 Drechsler. — 3 Eiseudreher. — 8 Elektromonteure. — 2 Fleischhauer. — 3 Friseure. — 3!) Geschäftsdiener. — 3 Glaser. — 7 Gold- und Silberarbeiter. — 10 Hausknechte und Hausbesorger. — 9 Installateure. — 4 Maschinisten und Heizer. — 25 Hilfsarbeiter. — 2 Hntmacher. — 4 Kellermeister und Kellerbarschen. — 4 Kellner. — 9 Kutscher. — 10 Laufburschen und Lehrlinge. — 10 Magazineure. — 4 Mechaniker. — (5 Metalldrehcr, Gießer und Schleifer. — 22 Schlosser für Bau und Maschinen. — 1 Schmied. — 17 Schneider für Herren und Damen. — 7 Schriftsetzer. — 12 Schuhmacher. — 10 Spengler.— 3 Tapezierer. — 5 Taschner, Riemer und Sattler. — 7 Tischler. — 7 Uhrmacher. — 3 Zeichner für Bau und Construction. — 2 Zimmermaler. II. Classe: Kaufmännische Angestellte. 13 Brantweinverschleißer. — 25 Buchhalter und Correspoudenten. — 87 Commis diverser Brauchen. — 47 Comptoiristen und Strazzisteu. — 12 Jucasfauten. — 6 Manipulanten und Expedienten. 40 Praktikanten. — 17 Reisende, Platzvertreter und Agenten. Weibliche Abtheilung. 6 Bonnen und Kindergärtnerinnen. — 54 Comptoiristmnen. — 2 Dienstmädchen und Stubenmädchen. — 2 Empfangsdamen. — 8 Expedienlinnen und Manipulantinnon. — 2 KanzUstinneu. und Stenographinnen. — 2 Cassasräulein. — 2 Hilfsarbeiterinnen. — 1 Hutstaffiererin. — 2 t Praktikantinnen. — 1 Schirmnäherin. - 38 Verkäuferinnen und Verschleißerinneil. — 7 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Classe: Geistige Arbeit. 29 Hauslehrer und Hofmeister. Das B'nreau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 18w9 bis inclusive 21. September 1901 2694 Vermittlungen durch geführt, und zwar: 1135 Vermittlungen in der I. Classe. (manuelle Arbeiter) 683 „ „ „ ][ „ (Handelsangestellte) 806 „ „ „ weiblichen Abtheilung 70 „ „ „ III. Classe (geistige Arbeit). Der Pest-Saal im steht dem P. T. Publicum zur Veranstaltung von Banketten, Hochzeiten und Familien-Soupers zur Verfügung. Hochachtungsvoll Alphons Herold\ Restaurateur. Conditorei Eduard Becker Wien, I , Franz Josefs-Quai 25 vis-ä-vis der Stefaniebrücke. Filiale: Wien, II., Praterstrasse 13. Bestcll»n>;r» für Feiertage, Hr-bzeitcii und Sudes werden eii'gcgeilgciiomiiicn und mit Service ins Hnus gestellt. Eistonen, Crümc une Thecgebäck wie auch die feinsten Bonbons und Dessert zu jeder Zeit frisch zil haben. 12568. Telephon 12568. Kais »tub königl. a«Sscht. priv. - ■ Schuhwerk - ■ .. aus Leder gef (echt. Einziger hygienischer Schuh. Gesetzlich geschützt. Aerztlich empfohlen. 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