Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. September 1901 Nr. 39 Seite 4 Sümcgis Ahnen I Tic haben verinuthlich mit Hascnfellcn und Hadern hausiert, und in ihren Gebetbüchern liest inan von rechts nach links. Wilhelm Sümegi härte nämlich vordem auf den Namen Kolm — nach der jüdischen Matrikel von Sümeg: Wolf Kohn — aber seit er Administrator des elericalen „Riagpa roszag" ist, hat er sich um» llrmagvaren und Antisemiten gemausert. Er gebärt zu den widerlichsten Tbpen, die jede antisemitische Bewegung begleiten, zu den jüdischen Autiseuütei». Da tauchen Kortcschc ans, die früher Weiinvnrm hieße»» uut* jetzt als Boros, Voros nslv. gegen Inden Hetzen. Die soeinldemokratische Partei, die auch in Ungarn nntcr jüdiseber Leitung steht, bar ihren Wahlanrfnf erlassen, in dcnr folgende Forderungen anfgestcllt ivcrden: Allgemeines, gleiches, geheimes, directcs Wahlrecht: Aufhebung des Maguatenhauses; volle Freiheit der Meinungsäußerung in Wort und Schrift; vollkommene Pressfreihcit; Aufhebung sämmtlieher Ansnahmsgesetze und Verordnungen; Verstaatlichung des Schul- und Unterrichtslvesens; Atifhebnng des stehenden Heeres und Schaffung eines Volksheeres nach Art der Miliz; unentgeltliche Rechtsprechung durch vom Volke gewählte Richler; vollständige politische und lvirtschaftliche Unabhängigkeit von Oesterreich; Arbeiterschntzgesetze; gesetzliche Feststellung des Achtstundentages und Geivährnng einer tlnunterbrochenen scchsnnddreiszigsrültdigen Arbeirspanse einmal per Woche: Verstaatlichung der Kranken- und Unfallversicherung; Aufhebung der Diennboteitgesetze; Aufhebung des Tabakmonopols, der Fideicommissgüter; Confiscarion der Kirchengütcr und die Antononiie der Nationalitäten. Dieses Auftreten der Socialdemokratie ist sehr wichtig, tvenn sie auch wahrscheinlich keinen einzigen Vertreter in den Reichstag bringen tvird. Sic sind die einzige Partei, die ein modernes, europäisches Programm bringen, auf dessen Basis sich auch das Judenthum einst in befriedigender Weise mit den übrigen Nationalitäten auseinandersctzen wird. Arvah. O AnLamÄ. Wien. (Jüdischer Schulverein). Die Statuten des „Jüdischen Schulvereines für den IX. Bezirk" sind von der Statthalterei genehmigt morden; der Verein wird sich nächste Woche constituieren. Wien. (Verein zur unentgeltlichen Pflege jüdischer Bru st leidender auf dem Lande.) Zu unserer vorwöchentlichen Notiz schreibt man uns aus Leserkreisen: Sie haben betreff des „Vereines zur unentgeltlichen Pflege jüdischer Brust leiden der auf dem L and e" der allergrößten Mehrzahl unserer Stammesgenossen aus dem Herzen gesprochen. Es ist wahrlib ein öffentbcher Scandal, dass es dieser Verein nach einer mehr als dreißigjährigen erfolgreichen und ersprießlichen Thäligkeit noch nicht dahin gebracht hat, ein eigenes Heim gründen zu können. Die vielen hunderte von Pfleglingen, die in der Obhut dieses Vereines sich befinden, sind zu ihrem allergrößten Leidwesen und zu ihrem tiefsten Schmerze darauf angewiesen, während der Pflegezeit ritueller Kost zu entbehren. Dass schon dieser Umstand allein auf die Pfleglinge von nachtheiligster Wirkung fein muss, und dass hierdurch der wesentlichste Zweck des Vereines, den Pfleglingen die Gesundheit zu verschaffen, beeinträchtigt wird, ist selbstverständlich. Dagegen ist der generalisierende Anwurf auf die Wiener Seelsorger^nicht zu billigen. Zumindest uiuss in dieser Richtung bei dem Senior der Wiener Rabbiner — dem hochverdienten Herrn Dr. Adolf S ch m i e d l — eine Ausnahme gemacht werden. Ich erinnere mich selbst, dass, als vor nicht langer Zeit in einem hiesigen jüdischen Blatte ein Appell an die Seelsorger Wiens gerichtet war, für den „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" von der Kanzel Propaganda zu machen, Herr Rabbiner Dr. Schmied! schon an dem nächsten Samstage dieses Thema zum Gegenstände seiner Predigt gemacht hat, allerdings ganz vereinzelt. Wien. (Ein L e h r st e l l e n t au s ch.) Im Amtsblatts der Stadt Wien vom 17. d. findet sich nachstehendes Stadtrath- Referat: „Stadtrath Tomola referiert über die Note des Wiener Beziiksschulrathes vom 14. August 1901, Z. 6706, betreffend den Diensttausch des Oberlehrers Andreas Nzehaczek mir dem Oberlehrer der Knaben-Volksschule XVIII., Klettenhofergasse 3, und beantragt die Kenntnisnahme. (Angenommen.) In einer Zuschrift aus Lehrerkreisen werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass Herr Oberlehrer Rz e h a ezek gegenwärtig im 75. Lebensjahre steht, und dass naturgemäß seine Pensionierung eine Frage nicht allzu ferner Zukunft bilden würde. Hält man damit zusammen, dass die Schule in der Werderthorgasse zu jenen gehört, die der Schulnovelle von 1883 gemäß, von einen Oberlehrer israelitischer Eonfession geleitet werden sollte, so liegt die Bernmthung nahe, dass bei diesem, vom Bezirksschulrathe genehmigten Diensttausck die Absicht vorhanden war, eine Ausschreibung dieser Stelle rn ebenso sinniger als einfacher Weise zu verhindern. Wien. (Der Magi st rat gegen das Schächten.) Unier dem Vorsitze des Magistratsdirectors P r e y e r hat gestern das Magistratsgremium in a u ß e r o r d e n t I i ch e r Sitzung das « ch l a ch t u n g s v e r f a h r e n im allgemeinen und das Schächten der Thiere im Besonderen einer eingehenden mehrstündigen B e r a t h u n g unterzogen. Auf der Basis wissenschaftlichen, fachmännischen, literarischen Materiales als Gutachten, Resolutionen usw. gelangte das Gremium in dieser Frage zu nachstehenden Grundsätzen: 1. Das Schlachten ohne vorausgehenden Betäubungsschlag ist ein im hohen Grade thierquälerischer Vorgang. 2. Als schmerzloseste und daher beste Schlachtungsmethode muss jene erklärt werden, welche in erster Linie durch einen Schlag auf den Kopf vollständige Vewusslosigkeit und während deren Dauer in zweiter Linie durch Verblutung den Tod herbeiführt. 3. Bei Vornahme der Tödtung der zur menschlichen Nahrung dienenden Thiere hat in jedem Falle die Vetäubmlg der eigentlichen Tödtung durch Blutentziehung voranszngehcn. Hierauf stützen sich die ziemlich umfangreichen Anträge des Magistrates, welche nunmehr dem Stadtrathe vorgelegt werden. Wie man sieht, wendet sich der Wiener Magistrat, nachdem er das Kleingewerbe gerettet hat und dem scandalöseir Zustande in der Vertretung der Wiener kaufmännischen Gehilfen ein Ende gemacht hat, anderen wichtigen Dingen zu. nämlich der Rettung der Thiere. Das Ganze ist nichts als ein Vorstoß des Antisemitismus; daran wird das wiffenschaftliche Mäntelchen, das man seinen Instinkten umhängt, nichts ändern. Glücklicherweise ist dafür gesorgt, dass die antisemitischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Meine Herren! Wir dürften auf die Erfolge der Stellenvermittlung stolz sein, denn diese beweist, dass Ihrem Verein ein solches Vertrauen entgegengcbracht wird, dass die Vercinsleitnng womöglich den passenden Mann an die passende Stelle zu setzen bestrebt ist. Nicht bloß die Gemeinden Böhmens sind es, die uns mit ihrem Vertrauen beehrten und die den von uns nach reiflicher Prüfung vorgcschlagcncn Mann acceptieren und in vielen Fällen durch unsere Intervention ein größeres Entgegenkommen zeigten, sondern auch aus Mähren und Schlesien lagen uns viele Anträge vor. Allein diese Angelegenheit lässt uns, verehrte Herren Collegen, eine traurige Zukunft fcfjaucu. Eben weil luir uns bei der Stellenvermittlung mit dein vorhandenen ständigen oder vacicrendeii LehrerstatnS zu befasseli hatten, iveil Ivir die Anforderniigen und die Angebote der Gemeinde zu prüfen hatteii, gewannen wir in doppelter Hinsicht die traurigsten Crfahrungcii. Die Zahl der staatlich geprüften Lehrkräfte mit absolvierter Präparandie nimmt stäiidig ab, vbiie dass auf einen Nachwuchs gerechnet werden kann. Die Anforderungen der Gemeiliden werden täglich größer, deren Aiigebvte — wenn cs eine diesbezügliche Möglichkeit noch gibt — kleiner. Fürwahr, der eine Punkt — der Lehrermangel — das Lehrerelend reichte als Programliipnnkt hiii, die Berathungen der Generalversammlniig ganz ansznsüllcn. Wir haben versucht, auch dieser Frage näherzn« trcten, allein der feste Pniikt, der dem Archimedes fehlte, um die Welt ans den Angeln zu heben, bei dem auch wir hätten ansetzen könne»», fehlte Uiis. Der Gemeindebnnd hat unser Gesuch um Errichtung einer Bilduugsanstalt für israelitische Lehrer nicht beantwortet, nur bei persönlichen Niicksprachen erfuhren wir, dass derselbe seiner Pflicht angeblich uachkoniiiie, indem er das Wietier Seimr.ar und die daiiiit verbundöne Religionslehrer-Bildungsanstalt subventioniere. Nun haben Ivir in Erfahrung gebracht, dass ein anderer —. rühmlichst bekannter und auch thatkräftiger Verein sich auch für diese das Judenthum besonders berührende Frage interessiere und werdeir wir zur Zeit tmsere diesbezüglichen Ansichten und Erfahrungen gewiss gerne zur Verfügung stellen, wenn an uns, Ivas ivir gewiss voranssetzen, herangetreten ivcrden sollte. Was soll ans unseren Kindern werden, Ivciin sie keine oder schlechte und j unbefähigte Lehrer erhalten? Dass wir diese Frage in unserem Be- , „ . , ..... - rr , . P1 „ s richt ausführlicher betonen, ohne Ihnen greifbare Erfolge unserer zirlcs, Dr. Baxa, keu» inugczechlicher Candidat eutgegengestcllt werde I Thäligkeit auf diesem Gebiete mittheilen zu können, beweist die uiu; dnjs dw dortigen Iungczcchen ihre ^timmei^aiff Dr. Baxa vcr- : Wichtigkeit derselben, die so lauge auch nicht mehr aus unseren Be- ' . ‘.^ .- - .. c ciAhungen verschwinden wird, bis sie gelöst ist. Welche Erfolge können alle die jüdischen Vereine, erzielen, wenn ihre Zukunft dadurch in Frage gestellt ist, dass die künftige Generation, ivie die Zukunft vorausblicken lässt, ohne jüdische Lehrer? Wer soll sich einem Berufe widmen, der die traun oder, deutlicher gesprochen, von vornherein nur Wie»». (Israelitischer Bethaus - Verein B r i g i t t e n a u.) Ain 1. Oktober d. I., präcise 5 Uhr abends, findet im Tempel, XX., Kluckygasse 11, die Einrveihung beider von den Vorstandsmitgliedrn Herrn Jacob Goldner und Herrn Josef Wünsch gespendeten Sefer Thoras statt. Programm: 1. Ma Toivu; 2. Mincha; 3. Einzitg der Thoras; Psalm 21, 7. Vers: Besis Scheorim Roschechem; 4. Sos Hatoro; 5. Deutsches Lied (Die Thora Gottes labet uns); 6. Uvucho Jomar; 7. Festpredigt von Sr. Ehrwürden Herrn Dr. I. M. Bach; 8. O(enn. Der Schriftführer : Dr. Max W e i ß e n ft e i n. Der Obmann : Hermann E l t b o g e n. Koruculuug. Ei» Belveis, dass in der hiesigen Gemcindevertretnng unter dem Bürgermeister Herrn Dr. Josef Iesch sowie in dem OrlSschulrath die Gleichberechtigung der Juden anerkannt wird, halte sich bei Gelegenheit der am 18. d. Ai. hier jtattgefuudenen Einircihnng der von der Commune ncucrbaiiten Kuabeu-Volks- und Bürgerschule gezeigt. Es wurde auch officicll unser allberehrter ehr- Ivürdiger Bezirks-Rabbiner Herr Dr. M. R o s e n m a n n aus Flolidsdorf geladen, und kam derselbe auch dieser Eiutaduug nach. Vom hiesigen Religionslehrcr Herrn Zclinka empfangen, wurde Se. Ehrlvürden mit besonderer Freundlichkeit vom Herrn ^tatkhaltereirath Bezirkshanptmann Nagl und dem Herrn Bürgermeister begrüßt, und wurde derselbe unter die officicttcn Festredner cingcreiht. Prng. (Zu den L a n d t a g s tv a h l c n.) Die Iungczcchen giengcn also auch mit den radical-czcchischen Alitisclintcu in die Laube. Die Besorgnis der Inngczcchen, in den Landgeincinden-Bezirkcn die Mehrzahl der Mandate an die Agrarier zu verlieren, ivar der Grund für das mit den Altezechen abgeschlossene Eombromiss und gab auch zu Coinproinissversuchcu mit den Radicalcn, an deren Spitze Dr. Baxa steht, Anlass. Die letzteren Verhandlungen wurden heute nachmittags zu Ende geführt und führten zu cinein positiven Ergebnis. An den Verhandlungen nahmen theil von juugczechischer Seite Dr. Herold, Dr. Skardä und Dr. Ladislaus Dborzak, von radicaler Seite Dr. Baxa, Dr. Iandac und Karl Stanislaus Sokol. Mau einigte sich im Princip für ein Eoinpromiss, und es wurde vereinbart, dass dem bisherigen Abgcgrdneten des Koliner Städtobe einigen. Außerdem wurde beschlossen, in den Smichower Landge nieindcn den Radicalen Dr. Sobotka dem Führer der Agrarier, Kubr, enlgegenzustellen. Auch dort werden die Inngczechen für den Radiealen stiinmeu. Ferner verpflichten sich die Jungezecheu, im Landgemcinden-Bezirk Pilgram den radicalen Candidaten Dr. Iandac - und im Landgerneinden-Bezirk Ncu-Pnka den Radicalen Dr. Hlinar .'^iissichtl-'i zu wählen. Außerdem wird von radicaler Seite ohne Rücksicht auf: £;{}/.. ,',s ...l - •„ ,. •* .3 Erccutw-Eonntecs Dr. ^kardn cm d dicreu, denn dre Radrcalm Kitt ,,„h angelangt. Schmit um Euch und gegen den Radicalen Dr. Sobotka, als auch gegen den Agrarier Kubr i fVV';! n , t trHrihi, -Vv candidicrcn. Ueberdies bewirbt sich um dieses Mandat der Führer ^uizclnfall, wenn die Allgemelnheck hieran nicht t -irtmipiert. der czcchischen Sociald Arbeiterschaft betrifft, »m Adie Träger und als auch von dcu Agrariern der Landwirt Kozmin, der bisher als i rn’ , V„cr ^eyre> jln.gczechischer Abgeordneter für diesen Bezirk fungierte, candidiert.! 2i)ir hofften auf den Gemenidebund, der die Gemeinden eiiii- Die Agrarier beabsichtigen, eiiiige ihrer Anhänger dopvclt, das heißt i ticn. führen, ihnen rathcn, durch Vcreiiiigniig der Kräfte den Schivai» zlvei Wahlbezirken zugleich als Candidaten'aufznstcllen, so u. a. i wen helfen werde; der Gemciiidebniid konnte nicht tagen, weil tenr den Reichsraths-Abgeordneten Hruby. Die Chancen der Agrarier Vertrauen zu ihm besteht Dass ivir auch in dieser Augelegenbeit sind infolge der von dcii Juiigczechcu abgeschlossenen Compromisse ’• imfcx Möglichstes gethau, ja, Ivie iiiis der Vorwurf geworden, mehr bedeutend'herabgedrückt. Nichtsdestoweniger erklären die Agrarier,! als vielleicht die zurückhaltende Klugheit geboten, dürfen wer nicht dass sic ctloa 35 Mandate gewinnen werden. — Was sagen die! verschweigen. Allem es reut uns diese Thätigkeit mcht, auch wenn czechisch-jüdischeii Bcsedeu dazu? Wollen sie weiter ihren Feinden! wir »nanchmal nach oben anstoßen, wir thun cs ja stets nur ans rern- Sclavendiciiste leisteli? Wir glauben, dass es höchste Zeit sei. dass; stcm. idealstem Intereffe für das Iudenthinn, dem wir un,ere Kräfte , sie sich mit ihren Brüdern deutscher Zunge zu einer nnabhäiigigen; weihen, für die Gemeinden, in deren Dienst wir stehen, für die jüdischen Partei bcrciiiigen. Eilt Dr. Bara, dieses lebendige Stück Jmlend, die wir über alles licben, der wir unseren Lebeiisberuf ge- Miltclalter, wird von der jimgczechischen Partei acccpticrt; ein Brczweiht. Unsere Jugend — gehört die Jugend denn noch uns, sind wir iivwsky führt das große Wort, Kaizl ist todt. Wcnii die böhmischen Juden etwas Selsstbelvusstsein und Ehre iin Leibe haben, so können sie nicht mehr mit den Inngczechen gehen. .Prag. (28. ordentliche G c n e r a l - V e r- [ a m mlung des i s r. L a n d e s l e h r e r - V e reines in B o h m e n.) Anwesend laut Präsenzliste -13 wirkliche Mitglieder. Obniann Herr Springer begrüßt die erschienen 42 Mitglieder, coibtniicut die Beschlussfähigkeit, in feinem Rückblicke auf das abgelaufene Vereinsjahr erwähnt er des Verlustes, den der Verein durch den Tod zweier Mitglieder erlitten, Herr S. Anael, Prag, ein sehr eifriges und thätiges Mitglied, das sich besonders die Stärkung der Darlehens- und Krankencassa angelegen sein ließ, der selbst in seinem Testamente unseres Vereines dachte. Ehre seinem Andenken! Er beantragt, dass das Beileid über den Verlust dieses Mitgliedes durch Erheben von den Sitzen und Bekanntmachung im Protokolle geschehe. (Die Mitglieder erheben sich.) Ein zweites wirkli.ches Mitglied, Herr Rabbiner Joachim Lainm in Bischofteinitz, starb kurz nach der letzten General-Versammlung in Prag im k. k. allgemeinen Krankenbanie. nnch da erheben sich die Mitglieder zum Zeichen der Trauer und wird selbe gleicherweise im Protokolle ansgedrückt. Der Obmann dankt ferner den Vereinsmitgliedcrn für die freundliche Theilnahme, die ihm allerseits ans Anlass d r Vermählung j seiner Tochter zum Ausdrucke gebracht Ivnrde. Für die nächste General-Versammlung wurde folgendes Thema bestimmt: „Wie kann der Religionsunterricht das Interesse für das Judenthum erkvecken?" Zum nächsten Gegenstände der Tagesordnung: Geschäftsbericht pro 1901 ertheilt der Obmann Herrn Schriftführer Freund-Bödenbach das Wort. Hochgeehrte Versammlung! Liebwerte Collegen! Namens des Vereinsaussrhusies habe ich die Ehre, Ihnen den Bericht über unsere Thätigkeit im abgelaufenen 88. Vereinsjahre zu erstatten. Uriser Bericht mnss, da über die Thätigkeit des Ausschnsies das Vereinsorgan pünktlich Mittheilnng bringt, der Würze des Neuer», des Sensationellen entbehren, er rann nur registrieren, dass auf ollen Gebieten der Vereinsthätigkeit ein Weiterschreiten stattgefundeu hat. Der Ausschuss hat in allen Fällen, wo er in Action trat,stich stets von dem Gedanken leiten lassen, das Interesse seiner Vereinsmitglieder zu wahren, die Achtung des LehrerstandcS zu. wahren, dessen rnaterielle Förderung zu erstreben, alle Mittel und Wege anznwenden, mn Uebelstände zu beseitigen, Auswüchse und Unregel- »uäßigkeiten abzustellen, jede Ungerechtigkeit, die dein Vorstände zur Kenntnis kam, zu sühnen. Der Lehrervereiu ist im Laufe der Zeit ein Verein gewordei», der sich bereits eines bedeutenden Einflusses erfreut, der ob seines Strebens geachtet, ob seiner E»»crgie von gewisser Seite gefürchtet ist. Der Verein wird von tveit und breit angegangen, Lehrkräfte beiznstellen. nicht fast auf den Ansgedingtheil in der religiösen Erziehung derselben gesetzt? Sind wir noch wie früher einmal das Um mrd Aus der Erzieher, Lehrer, Freunde und Berather? Die Zeiten sind vorüber. Künstlich, wie alles heutzutage, und mit großer Kunst muss die zarte Pflanze „Religiosität, Sinn für das Jildenthnm" aufgezogen werden, in zwei wöchentlichen Neligionsstunden, die zum Theil noch durch Ermahnungen, die die Disciplin betreffen, verkürzt werden, bei den Exhorten und vielleicht noch bei religiösen Anlässen haben wir Gelegenheit, Einfüiss ans die Jugend zu nehmen. Müssen wir, wenn wir es mit unseren Pflichten ernst nehmen, uns nicht fragen, ob dies genügt, ob wir nicht doch noch auf andere Art uns belnühen sollen, zu unseren Kindern zu sprechen, die Geschichte unseres Volkes ihnen beizubringen, die herrlichen Lehren der Religion in angenehmer Weise ihnen mitznthcilen, sie für die großen Männer des Iudenthmns, die für dasselbe geblutet, gestritten, gelebt und gestorben, zu begeistern, »nüssen Ivir nicht trachten, unserer Jugend, die heute weder als Deutsche noch als C,zechen tu gesellschaftlicher Hinsicht sich eine Geltung berschaffen können, jüdisches Bewusstsein, Stolz auf das Judenthum einznimpfcn. Wir müssen es. und sei das Mittel auch noch so schwach, wir dürfen es nicht unversucht lassen. Und darum haben wir uns eingesetzt, ein Blatt für unsere Jugend ins Leben zu rufen, darin wir^ all das ergänzen müsse»», wozu »»ns im Unterricht die physische Zeit fehlt. Dass die Jugendzeiülng,*) die mit 1. September l. I. erscheint, nur dann wird bestehen können, wenn alle unsere Collegen »nithelfen, dieselbe zu verbreiten, wenn alle Interesse für dieses neue Schr»»erzenskind zeigen. Dieser»» Unternehmen hat der ilüistre Hmnanitäts-Vereii» „Bnai Verith" als Angebinde K. 600 gespendet in Erkei»nti»is, dass eine Zeitschrift für die jüdische Jugend ein treffliches Mittels zur Stähtin»g und Stärkung des religiösen »ind natioi»alen Bew»>sstsei»»s ist; cs sei an dieser Stelle den» geehrte»» Verein für seine hochherzige Spe»»de »niser Dank dargebracht. Im Aufträge des Ausschusses ersuche ich Sie, hochverehrte Versamrnlung, diesen Dank durch Erheben vor» de»» Sitzen zu documeirtieren. Wir waren stets dara»»f bedacht, lvo u»»s von Collegen Mittheilung gemacht wurde, derrselben bei Streitigkeiten mit ihren Gel»»eii»dei» beiz»lstehen, andererseits haben wir leider auch von U»»z»lköri»inlichkeite»».Ke»»nti»is erhalten, die College»» den Gerneinden gegenüber sich zu schulden kourmen ließen, oder Uebergriffen, die College»» gegen College»» selbst »richt unterließen. Alle diese drei Fälle der Intervention, die leider im Jahre öfters eintratc»», sind schwer zu beklagen. Nach außerrhin haben wir, so oft es nöthig war, de»» Verein repräseirtiert, wir haben jüdische Vereilre materiell »md moralisch gefördert, die besteherrden Vereirrsinstitutionen erhalten »n»d erweitert. Wem» wir »richt auf alle»» Gebiete»» rühmenswerte Erfolge anfzilweisei» haben, wenn »vir, hochverehrte Versamrrrlrrng, bis heute erst die Hälfte der sich in der Praxis trefflich bewährenden Lesemaschinen abgesetzt haben, wenn wir nicht irrnner allen Darlehenswerbern die mrgesuchte Darlehenssurnrne in ihrer ganze Höhe getvähren konnten — es wurden an mehrere Darlehenswerber 2106 Kronen geliehen — wenn wir. was »ms herzlichst wehe that, den Aernrsten »rnserer armen Collegen, den kranken »nrd bittenden, nicht solche Spenden schenken konnten, als wir gewü»»scht hätten — an 3 Mitglieder 120 Kronen Spenden gegeben — an uns, den Mitgliedern des Ausschusses, hat es nicht gefehlt. Wir haben stets das Beste gewollt, nach Kräften erfüllt, nicht irnmer aber haben es die Vereinsrnitglieder gethm». Sind Sie mit diesen unseren geringen Leistungen eir»versta»»- den, dann b»rten wir urn Genehinigung »mseres Thätigkeitsberichtes. (Bravo.) *) Bildet einen Gegenstand weiterer Berathuug.