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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. September 1901 Seite 3 Wirtschaft bildet. Die Bodenreform«, die den Anschauungen Henry George-' huldigen, wollen nun zur Erreichung dieses Zielean der Stelle aller bisherigen Steuern die Einführung einer einzigen progressiv aufsteigenden Grundsteuer, die so lange wächst, bis sie die ganze Grundrente einzieht. B. Friedländer ist nun auch der Meinung, dass die Bodenfrage den Kernpunkt des ganzen socialen Problems bildet und dass eine Bodenreform, respective die eben erwähnte Steuerreform (Single Taxe), die unbedingt nothwendige Ergänzung des staatlichen Arbeiterschutzes, respective des Selbstschutzes der coalitiousmäßig vereinigten Arbeiterschaft, bilden muss. Friedländer sieht es als einen ungeheuren Fortschritt gegenüber Dühring und allen anderen Sociologen an, dass bei Georges Grund und Boden allen anderen Begriffen, namentlich auch dem Capitale, schroff gegenübersteht und nicht mit den anderen Produktionsmitteln als etwas Zusammengehörendes in einem Athem ausgesprochen und gleichwertig behandelt wird. Er hält es für unbedingt nothwendig, scharf zu trennen »den nichtproducierten, unproducierbaren und unzerstörbaren Grund und Bnden, als Vorbedingung aller Production von dem Capital beißenden, producierten, beliebig vermehrbaren, aber in kurzer Zeit der Zerstörung anheimfallenden Mittel zur weiteren Production*. Der Monopolcharakter des Bodeneigenthums tritt scharf hervor, besonders im Gegensätze zum bloßen Capitalseigenthum, denn der Boden ist unvermehrbar und unzerstörbar; das Capital in weiteren Grenzen fast beliebig vermehrbar und dabei vergänglich. Man sieht, dass die Bodenrente gewissermaßen eine Privatsten« darstellt. Arbeit und Capital müffen mit dem vorlieb nehmen, was die Bodenrente übrig lässt... Das Copitalseigenthum ist ja im Gegensatz zum Bodeneigenthum kein natürliches Monopol und das Capital selbst nichts, als ein Product der Arbeit.... Gegenwärtig ist das Capital allerdings Monopol, man sieht aber auch, dass das Capital Monopol ist und bleibt wegen des niedrigen Standes der Arbeitslöhne. Die Erklärung davon ist die, dass die Arbeitslöhne niedriger sind, weniger wegen des Capitalsmonopols, als vielmehr wegen des Bodenmonopols. Wenn man sich aber das Bodenmonopol weggeränmt denkt, so würde die Hauptursoche für die Niebrigkeit der Löhne in Wegfall kommen, und das alsdann eintretende Verhältnis zwischen Capital und Arbeit würde in seinen ganzen Grundlagen verschieden sein von dem, das eben heute besteht/' B. Fr i e d l and e r beurtheilt den Geortzes'scken Vorschlag unter einem doppelten Gesichtspunkte: erstens unter dem einer Confiscation des privaten Grundeigenthums und zweitens unter dem einer bloßen Reform in der staatlichen Besteuerung. Beide Gesichtspunkte ab« laufen nach seiner Auffassung auf dasselbe hinaus: auf eine Aufhebung des Privateigenthums an Grund und Boden. »Diese Art der Besteuerungsform der Single-Taxe, durch welche der Grundwert besteuert wird, ist die vorläufig einzige Form, unter der das gleiche Recht aller zunächst auf den Grund und Boden der Nation erreicht werden kann... Man sicht ein, dass durch eine solche Machtverschiebnng das Lohnsystem' zwar nicht formell; aber in der That schließlich beseitigt werden würde. Die gestiegene Macht der Arbeiter würde sich nicht nur in der Lohnhöhe, sondern auch in den Benützungsbedingungen des Capitols aussprechen, sie würde überall, weun nicht formell, so doch faktisch Mitbesitzer des Capitals werden. Jedes industrielle Unternehmen würde, wenn nicht der Form, so doch der Sache nach, auf eine Affociation herauskommen. Aber noch mehr als das. Die auf ein vielfaches gestiegenen Lohnsätze und das mit dem Wegfall allgemeiner Krisen verminderte Risico würde die Arbeiter in den Stand setzen, wozu sie gegenwärtig nur theoretisch imstande sind, Productivgenossenschaften zu bilden*... „Es wäre eben dem Capitalsmonopol im wahren Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen entzogen...." Wie aus diesen Citaten ersichtlich, ist Benedikt F r i e dl ä n d e r der festen Üeberzeugung, dass die Hauptursache der Ausbeutung der Volksmassen weniger das mobile Capital, als das Bodenmonopol ist. Es ist dies darum auch bemerkenswert, weil er mit seiner Anschauung nicht allein steht, sondern weil die ganze neuere Richtung, wie O p p e n h e i m e r, N o s s i g rc., darauf Hinweisen, dass die Agrarfrage nicht nur eiueu wesentlichen, sondern fast den wesentlichsten Theil der socialen Frage bildet, d« Grund und Boden aber nur zum geringsten Theile in dem Besitze jüdischer Eigenthümer sich befindet und somit der Nachweis erbracht ist, dass die jüdischen Capitalisten nicht die Hauptrepräsentanten des kapitalistischen Wirtschaftssystems sind. B. Fr tedländer ist ziemlich Pessimist betreffs der gcsammten socialen Bewegung, die seiner Meinung nach in Gefahr steht, einer völligen Versumpfung und Verwässerung anheimzufallen. Er betrachtet es als die Aufgabe agitatorischer Persönlichkeiten, über die Verkehrtheit und Schädlichkeit der marxistischen Dogmen und des zugehörenden kommunistischen Unsinns aufzuklären, dann aber auch den positiv einzuschlagenden Weg zu weisen. Allerdings meint er, dass es für ehrliche und geistig bedeutende Menschen schwer wird, Einfluss zu gewinnen, je mehr die allgemeine Parteicorruption und die politische Cotrnption, an der die Socialdemokratie ihr volles Maßtheil hat, fortgeschritten ist und je mehr das rein routinemäßige und geschäftliche Treiben in allen Parteien vorwiegt, der Glaube an die eigene Sache und jedes höhere menschliche Interesse überhaupt abhanden gekommen ist. Schließlich sei erwähnt, dass Benedikt Friedländer auf die, in der übermäßigen Ungleichheit der Einkommen basierende sociale Spannung alle gesellschaftlichen Schäden, alle verkehrten Parteimeinungen zurückführt. Hebräerhetze. Nationalchauvinismus, Staatscommunismus und Anarchismus, falscher Patriotismus entspringen alle, seiner Meinung nach, der socialen Spannung. B. Friedländers Buch, wie glänzend auch manche Partien darin behandelt sein mögen, beweist neuerdings die Richtigkeit eines Ausspruches von Nossig, das es „kein Theoretiker des Svcialismus bisher mit Erfolg unternommen hat, das Räderwerk der socialen Frage in seiner Totalität zu beleuchtend Aber Friedländer gebürt das unbestreitbare Verdienst, durch eine Zusammenfassung des bisher Geleisteten, durch eine möglichst objektive Kritik der bestehenden Systeme, durch die Trennung des Richtigen vom Falschen in jedem derselben, sowie durch Lieferung neuer Bausteine einen hervorragenden Antheil zu haben an der Herbeischaffung des nothwendigen Materials zur Revision des gesummten Socialismus. Ungarische Streislichter. in. Der Selbstmord Egans wird allgemein besprochen; je nach der Parteistellnng fallen die Urtheile über Egan sehr verschieden ans. Ter Budapester Ilniversitätsclub fattbte einen Kranz mit der Inschrift: „Dem Märtyrer unserer Bestrebungen — tausend ungarische Jünglinge"; Ackcrbauminister Tarauyi sandte ein überaus wann gehaltenes Coudolenzschreiben an die Hinterbliebenen. Nun muss man wissen, dass der Budapester Ilniversitätsclub clcrical- | antisemitisch gesinnt ist, und dass Minister Daranyi, trotzdem er in, eurem „liberalen" Cabinet sitzt und das Wort „Liberalismus" jeden Augenblick in den Mund nimmt, mit allen reactionärcn Bestre-' buugen sympathisiert. Ein großes Armutszeugnis geben sich die Budapester Wähler, dass sie diesen Bahnbrecher der Agrarpartei wieder candidieren; es gibt ja in der Puszta ganz schöne Gegenden,! deren würdiger Vertreter Herr Daranyi wäre; dass aber die Budapcster Großstadtjuden keinen würdigeren Vertreter finden als den Vorkämpfer der agrarischen Bewegung, nimmt eilten Wunder. Die jüdische Leopoldstadt ist der Schauplatz eines interessanten Wahlkampfcs; gegen den jüdischen Advocatcn Moriz Mezei candidiert: Ulan dort unter liberaler Flagge den Christen Paul Sandor. Der Präsident des Landcscxecutiv-Comitces Baron Friedrich Podma-> niczky schrieb jedoch an die Sandorpartei, dass sich das Exccutiv- Comitce für Mezei erklärt habe und diese Kraft nicht gut im Abgeordnetcnhausc entbehren könne. | Die kommenden Wahlen sollen „rein" sein. Der Kenner der; Verhältnisse hat nur ein mitleidiges Lächeln für diese kühne Be-' Häuptling. Fast jedes Mandat war in Ungarn käuflich; die Gesin-1 nugstrcu der einzelnen Comitate äußerte sich nur in der Höhe des ’ Preises für die verschiedenen politischen Parteien. Das heißt: Jedes Comitat hat seinen bestimmten und im Kreise der Wahlmacher auch bekannten Tarif; für die Kossuthpartci ist das Mandat um 20 000 fl. beispielsweise zu haben, für die selige Apponyipartei um 40 000 fl. uud für die Regierungspartei um 60 000 fl. Es kommt [ also nur darauf an, dass sich ein Capitalist findet, dem ein Mandat so viel Inert ist. Die einzigen Wahlen, die nicht mit Geld gemacht, werden, sind die Wahlen der Volkspartei; das muss offen gesagt werden. Sind auch die Triebfedern bei Volkspartcilcrn nicht die * reinsten, nämlich religiöser Fanatismus, Neid, Hass und crasse! Bildungslosigkeit, so muss man doch eonstaticrcn, dass die Wahl j nicht durch Geld verfälscht werdest. I Die Volkspartei hat sichere Äjanccn, dass sie um zwanzig bis dreißig Mandate verstärkt in das neue Parlament entziehen wird. Interessant sind die Verhältnisse im Neutraer Bezirke. In Neutra hielt der gewesene Abgeordnete Dr. Enterich Janits am 16. d. seinen Rechenschaftsbericht. Ihm gegenüber candidiert der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins Josef Emödy mit regierungsfreundlichem Agrarprogramm. Der Kampf wird umso heftiger sein, als die Volkspartei in einer gestern stattgehabten Confercnz den Beschluss fasste, die Wahl Emödys mit allen Kräften zu unterstützen, obgleich der in der Confercnz anwesende Domherr Graf Wilhelm Batthyany gegen diesen Beschluss Einspruch erhob. In Nagy-Tapolcsany dürfte der gewesene Abgeordnete Desider Szulyovßky wiedergewählt werden, obgleich ihm die Volkspartei in der Person Poltam Zmcskals einen eigenen Candidaten gegenübergestellt hat. In Zsambokret sind Stefan Rakovßky (Volkspartei) und der Badearzt Dr. Koloman Fodor, in Galgocz Bela Rndui'anßky (liberal) und Baron Gagern (Volkspartei), im Szakolczacr Bezirk der Domherr Johann Csernoch (Volkspartei) und der gewesene Abgeordnete Thimothcus Fridcczky (liberal), in Erzsekujvar Paul Kovas (Volkspartei) und Akos Timon (liberal) die Candidaten. In Bagvecse , dürfte Kornel Emmer einstimmig gewählt werden. In Czenicz candidiert dem Liberalen Ivan Zmcrtych gegenüber der Anhänger der Nationaliräten-Polkspartei Johann Patasek, desgleichen hat in Vag-Uihely der Liberale Nikolaus Victoriß in der Person des von den Nationalitäten candidierten Krupccz einen Gegencandidatcn erhalten. In Bcrbo stehen zwei liberale Candidaten einander gegenüber, Ludivig Boroczy und Gustav Szulyovßky, der Candidat der Volkspartei ist Ritter Alexander Chalibogorßki. Die Volkspartei rechnet im Comitate ans sechs Mandate. lieber die Candidatur des Baron Gagern berichtet die Neutraer Zeitung: Die Volkspartei hat eine unbekannte Größe in der Person eines Herrn Baron Max Gagern candidiert, den der Pfarrer Brücker Agoston von Dorf zu Dorf mit sich führt uud der an Stelle des Candidaten die Programmreden hält, weil der Candidat ungarisch nur wenig, slovakisch hingegen gar nicht spricht. Uebrigens macht die Volkspartei mit ihren alten Korteskniffen neue Versuche und kü'nmert sich blutwenig um dcu „Kanzelparagraphcn", denn in vielen Kirchen, so z. B. in der Vittenczcr wurden Sonntag gelegentlich des Gottesdienstes vormittags und nachmittags drei „Vaterunser" und drei „Ave Maria" für den Sieg der Volkspartei gebetet. Außerdem sprengen sic aus, dass die Galgoezcr gräfl. Erdödy'sche Herrschaft sich ebenfalls für die Volkspartei einsetzt und den Candidaten derselben kräftigst unterstützt. Natürlich sind all diese Dinge erlogen und erfunden; bloß zur Irreführung des Volkes nusgeheckt. Die liberale Sache steht in unserem Bezirke ausgezeichnet, trotzdem der Kampf mit ungleichen Waffen ausgefochten wird. Wenn man den einlangenden Berichten vollkommen Glauben schenken darf, so sind dem Berboer Bezirke sogar vier Candidaten bcschicden. Als erster — der das Feld unzweifelhaft behaupten wird — ist der bisherige Abgeordnete Szulyovßky Gustav, dem nun in der Person von Boroczy Lajos ein Gegencandidat mit liberalem Programme entstanden sein soll. Der Candidat der Volkspartei ist Herr Chwalibogovßky. In den: Vagujhclyer Wahlbezirke ist dem bisherigen langjährigen Abgeordneten Victoriß Miklos ein Gegencandidat in der Pt.tson des Gutsbesitzers Krupccz Rczsö entstanden, der in seiner Person das Programm der Volkspartei und gleichzeitig das Progranim der Nationalitäten zu vereinigen bestrebt ist. Unter Mitwirkung dieser beiden Elemente, welche einander naturgemäß ausschließeu sollten, hofft der Gegencandidat, die liberale Partei dort zu Falle zu bringen. Ter Mangel einer rechtzeitigen strammen Parteiorganisation macht sich auch bei der liberalen Partei des obengenannten Wahlbezirkes fühlbar, uud ist cs fraglich, ob angesichts der seit Monaten vollzogenen Organisation der gegnerischen Parteien, Herr Victoriß stark genug sein wird, den Bezirk zu behaupten. Am günstigsten stehen die Chancen der liberalen Partei im Vag-Vecscr Wahlbezirke, Ivo Tr. Kornel Emmer in förmlichem Triumphe die einzelnen Gemeinden des Wahlbezirkes bereist. Gelegentlich der in Vag-Scllye gehaltenen Pcogrammrcde schon wurden dem Candidaten besonders ehrende Ovationen zuthcil, die sich von Gemeinde zu Gemeinde steigerten. Im N.-Tapolcsanyer Bezirk bemüht sich die Volkspartei noch immer, dem Candidaten der liberalen Partei Herr Dr. Szulyovßky Dezsö einen Gcgeucandidaten aus den Reihen der Volkspartei entgegcuzustellcn oder doch zumindest die liberale Partei zu theilen, cs ist jedoch der Liebe Mühe umsonst. Es hat sich bisher niemand gefunden, der angesichts der ausgezeichneten Chancen, welche Dr. Szulyovßky hat, geneigt wäre, unter bestimmtesten Aussichten einer schmählichen Niederlage sich in den Wahlkampf einznlasscn und hiefür Geld und Zeit zu opfern. Im Ersekujvarer Bezirk haben sich die Chancen der liberalen Partei mit einem Schlage erheblich gebessert. Unter dem Vorsitze des Partcipräsidcntcn k. Notars Laucsik Mathe hielt jüngst die Partei eine Confercnz ab, in welcher mit großer Begeisterung Dr. Timon Akos, Rechtslehrer an der Budapester Universität, zum Candidatcn der liberalen Partei proclamicrt wurde und hat Dr. Timon sich bereit erklärt, die ihm auf telegraphischem Wege augcbotene Candidatur anzunchmcn. Tr. Timon ist Mitglied des Katholikencongrcsses und des 27er Ausschusses und war mehrere Jahre hindurch Rcchtslchrer des Erzherzogs Josef Agost, hat demnach sehr eingehende Verbindungen zur Eßtcrgomcr Aula und ist bei Hofe sehe gut angeschrieben. Hoffentlich wird die Volkspartei unter Berücksichtigung dieser Umstände den Kampf cinstcllen. j Ziemlich trostlos stehen die Chancen in dem Szakolczaer Wahlbezirke. Gelegentlich der vor 5 Jahren vollzogenen Wahlen war cs bekanntlich nur unter den äußersten Anstrengungen und nur unter Anwendung ziemlich drastischer Mittel gelungen, den damaligen Obersrnhlrichtcr Fridcczky Timot durchzubringen. Besonders stark ist die , liberale Partei in jenem Großbczirkc nie gewesen und nachdem man während der verflossenen fünf Jahre verabsäumt hat, in unserem Con::tate der liberalen Partei eine bezirksweise gefestigte Organisation zu geben, wohingegen die Volkspartei den Bezirk außerordentlich : emsig cultivierte, darf cs nicht wundcrnchmen, wenn die Volks- I parrci, die dort einen leibhaftigen Domherrn ins Treffen schickt, sich in voller Siegeszuversicht wiegt, und dass die liberale Partei dort nur mehr um die Fahnenchre kämpft. Thatsache übrigens ist, dass das Volk der von Seite mancher Geistlichen verübten Hetzereien sart ist und sich gerne der Führung der zur liberalen Partei gehörenden Intelligenz überlässt, natürlich wo die Intelligenz sich aus rafft und activ eingrcift. Im Privigyer Bezirk hat Tr. Markhot Aladar, dem Drängen seiner dortigen Parteifreunde solgclcistcnd, die ihm am 10. d. aus einer zahlreich besuchten Wählerconfcrcnz angebotene Candidatur angenommen und hat bereits seine Rundfahrten in den einzelnen Gemeinden des Bezirks begonnen. — Seine bisherigen Wähler halben unentwegt bei ihm aus und wenn das Executiv-Comitce der liberalen Partei nicht wieder in jene Fehler verfällt, welche ge-! legentlich der vorigen Wahl verübt wurden und etwas mehr Rüh-! rigkcit zeigt, so ist an dem Sieg der liberalen Partei dort gar nicht zu zweifeln. Trotzdem die Privigyeer Langgäßler alle ihre' Arbeiten vernachlässigen und scharenweise im Interesse des Herrn Dr. Ernst die einzelnen Dörfer belagern, steht die Sache der liberalen Partei sehr gut. Für den Fanatismus, welcher sich der dortigen Bevölkerung — besonders der Weiber — bemächtigt hat, ist ein sprechender Beweis, dass jedermann insultiert wird, der nicht zur Volkspartei zählt. So wurde uulängst Graf.Palffy Janos mit Abzugrufeu empfangen, zwei Geistliche hingegen derart mit Koth beworfen, dass ihnen Hören und Sehen vergieng. Die Saat, welche die Volkspartei ausgesäet, schießt sehr rasch in die Halme. Im Szcniczcr Wahlbezirke, wo man lange Zeit hindurch gar keinen Candidaten harte und, mehr der Noth gehorchend als dem eigenen Trieb, den ehemaligen Abgeordneten Zmertych Ivan nunmehr neuerdings candidierte, hat sich auch der Ableger der Volkspartei eingestellt. Der N.-Szomüater Advocat Weßelovßky Fercncz, ein incarnierter Panslave tritt dort mit dem Programm der Nationalitätenpartci auf und wird natürlich von der Nolkspartci unterstützt. Natürlich, der Volkspartei ist jede Waffenbrüdcrschaft recht, wenn es nur möglich ist, dem liberalen Princip etwas am Zeug zu flicken. Patriotismus und andere derartige Begriffe scheinen für diese Partei nicht zu existieren — darum wird in Szcniez Weßelovtzky und in Vcrbo Valasek unterstützt. Der nagelneue Candidat der clericalen Achtundvierziger- Ngron-Fraction ist Wilhelm Sümegi, ein wüthender Deutschenfresser, magyarischer Chauvinist, der bei der bloßen Nennung Oesterreichs Gift und Galle speit. Er wendet sich in Versen an seine Wähler, an Inhalt und Ausstattung ähnlich jenen Literaturerzeugnisscn, die den Vermerk tragen: „Gedruckt in diesem Jahre" und auf Jahrmärkten verkauft werden. Hier in deutscher Uebersetzung ein Pröbchen, wie Herr Sümegi das politische Verständnis der Wähler zu wecken versucht: Was nur mochte meines Pferdchens Sinn berücken? Sich den Kopf mit Oesterreichs Farben wollt' cs schmücken. Liebes Pferdchen, wirst doch von mir nicht gehen I Närrisch wärst du, wollt'st als Esel du einstehcn. Oder: In Sümegis Gebetbuch, geschmückt mit Silberspangen Sieht auf dem ersten Blatt man dieses Sprüchlein prangen: Gott segne unsere Fahne, die glorreiche, die hehre, Darunter meine Ahnen gekämpft für Ungarns Ehre. •!

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