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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-20 · 38 (20.9.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
38 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. September 1901 Seite 5 entglückliche jüdische Vedölkerung der Unwissenheit zu reißen, sondern auch einen wahren Schutz für di< bilden. Nach freiten in Teheran und Hamadan ist nunmehr eine Schule in Jspahan eröffnet worden, mit deren Gründung Herr und Frau Confino betraut wurden. Nach einer langen, sehr anstrengenden Reise gelangten «dieselben ans Ziel. Auf dem Wege von Teheran nach Jspahan berührten sie die Stadt Cachan, wo sie von den Juden, welche daselbst eine ansehnliche Gemeinde bilden, jubelnd begrüßt wurden. Herr Confino schreibt darüber freut Central-Comitee der „Alliance": „Wir waren von der Stadt Cachan noch ungefähr vier Wegstunden entfernt, als wir plötzlich von fern einen Haufen Menschen mit großen Schritten auf uns znkommen sahen. Wären wir nicht von «der im Lande herrschenden Sicherheit überzeugt gewesen, hätten wir geglaubt, einer Räuberbande in die Hände zu fallen. Wie groß war unser Erstaunen, als diese lärmende Menge sich unserem Wagen näherte, hebräische Gesänge anstinunte, betete und begeistert uns begrüßte. Es waren die jüdischen Bewohner von Cachan, die, von ihren Glaubensgenossen in Teheran von unserer Abreise unterrichtet, in Scharen uns entgegen kamen, Greise, junge Leute, Kinder, manche auf Eseln, manche auf Maulthiereit (sie dürfen nämlich nicht auf Pferden reiten), manche zu Fuß. Es lvar Mitleid erregend, diese armen Leute zu sehen, außer Athem, keuchend, von «der Sonne verbrannt, wie sie vor Rührung kaum sprechen konnten; Frendenthränen in den Augen, drängten sie sich mn den Wagen, um uns zu unserer Ankunft Glück zu wünschen. Voit diesem aus 600—600 Personen bestehenden Zuge begleitet, zogen wir in Cachan ein. Die ganze Bevölkerung erwartete uns höre der Stadt. Sogar der Gouverneur ließ sich von am einem seiner Beamten vorstellen und hatte ungefähr zehn Polizeiagenten zu unserer Verfügung gestellt. Kaum waren wir vom Wagen gestiegen, als man Schafe opferte, (?) von neuein Gesänge anstimntte und Blumen auf unseren Weg streute. Welche Menschenmasse! Welch' freudige Erregung! Welche Begeisterung! Selbst die Frauen riefen uns freundliche Willkommengrüße zu. Wie sollten wir uns diesen herzlichen Empfang erklären? Die Bewohner von Cachan wussten sehr wohl, «dass wir uns nach Jspahan begaben. Dennoch haben sie uns allerlei vortheilhafte Anerbietungett braucht haben, indem sie „so etwas" an einem Menschen oornaht" men. Der Vorsitzende meinte, dass der Angeklagte wohl nicht die snr viejewen i^sMbende Stelle sei, mn über ein durch verschiedene Gerichtsverhandlungen nicht aufgeklärtes Verbrechen eine endgiltige Entscheidung zu treffen. Der Angeklagte berief sich auf zahlreiche Broschüren, die wörtlich dasselbe enthalten, was die Karte bildlich darstelle und bestritt, Einrichtungen der jüdischen Religionsgcsellschaft beschimpft zu haben. Der Vorsitzende erwiderte, dass die Beschimpfung darin gefunden ioerde, dass die Schächtnng in Verbindung mit der Ermordung eines Menschen gebracht werde. Der als Sachverständige einvcrnommene Professor Dr. Strack gab sein Gutachten dahin ab, dass die Karten Schächtacte darstellcn. Staatsanwalt Kanzoiv führte ans, jeder könne verlangen, dass sein Nock, jeder könne verlangen, dass seine Ehre nicht beschmutzt werde, noch mehr könne jeder beanspruchen, dass fein religiöses Gefühl nicht auf die Gasse und ans die Gosse gezerrt werde. Der Angeklagte, der Geschäftsantiscmit sei, habe die religiösen Gefiihle der Juden in der frivolsten Weise verletzt, er habe es so dargestellt, als ob die Inden sich zu religiösen Opfern Mcnschenblnt durch Morde verschaffen, der religiöse Act des Schächtens sei verungliinpft worden, und der Angeklagte habe sich gleichzeitig der Anreizung zu Geivaltthätigkeiten schuldig gemacht. Er müsse in empfindlicher Weise gestraft werden, gleichzeitig, um andere von derartigen Verhetzungen abzuschrecken. Er beantrage gegen den Angeklagten sechs Monate Gefängnis. Der Vertheidiger Nechtsanlvalt Jüngst hielt es zunächst für zweifellos, dass Ernst Winter geschächtet wurde, denn bei seiner Leiche sei, wie im Polnaer Falle, Blutleere festgestellt ivorden. Er beziehe sich mtf die Acten dieser beiden Processe und berufe sich außerdem auf die Gutachten der Professoren Eckert-Trier und Rohling-Prag, ivelche dem Gutachten des Professors Dr. Strack widersprechen würden. Sowohl Ernst Winter!vie die Agnes Hruza seien geschächtet ivorden, und das Schächten iverde nur von Juden ausgeübt. Es gäbe eine ganze Reihe von Morden, die nach gcivissen Grundsätzen begangen worden seien. Der Vertheidiger führt dann des längeren aus, dass es Nitnalmorde geben inüsse. Gegen die Ausführungen des Vertheidigers, der manche Dinge erwähnten Gründen wird aber das Getreide immer mehr von der Luzerne erseht werden, von welcher jetzt schon einige 3000 Hectar unter Cnltnr stehen. Bei diesen Erwerbsverhältnissen waren denn auch die Colonisten schon die letzten drei Jahre über in der Lage, fast durchgängig ihre Jahresabzahlungen an die Association zu leisten. In der letzten Saison sind hicrmif von den Colonisten nicht weniger als 80,000 Pfund Sterling an die Verwaltung von Mauricio bezahlt worden, was im Durchschnitt einer Abzahlung von 600 Pfnnd Sterling per Contract-Colonist entspricht, von welchen die Colonie 160 zählt. Im ganzen besteht die Bevölkerung von Mauricio ans etwa 220 Familien, rcsp. 1600 Seelen. Den einzigen Uebelstand dieser Colonie bildet, dass das verfügbare Terrain bereits vergeben ist, und der hohe Preis, in welchem heute die umliegenden Estancien stehen, keine Vergrößerung des Coloniebezirkes gestattet, um darauf den ganz gegen den Wunsch der Verwaltung stets andauernden spontanen Nachschub ans Russland, soivie die, wie überall, so auch hier recht zahlreiche junge Heranwachsende Generation in der Nähe unterbringen zu können. Ein besonders charakteristisches Beispiel dieses spontanen Zuzuges mag hier cingeflochten werden: Eines Tages erschien in Mauricio ein hochbetagter Greis und bat um Aufnahme in irgendwelcher Beschäftigung. Er >var seiner Zeit unter Czar Nikolaus 1. zum Militärdienst gepresst und kurzer Hand zwangsiveise zum orthodoxen Christen nmgetauft worden. Einige vierzig Jahre diente er, langsam in der Charge aufrückend, im russischen Heere, verheiratete sich, wurde später pensioniert und lebte ruhig, wenn auch mit einem Stachel im Herzen, mit seiner Familie im Kaukasus. Eines Tages hörte er, dass >veit rillten in der Neuen Wxlt den bedrückten Inden ein neues colonisatorischcs Kanaan erschlossen worden sei. Da fasste den alten Mann ein ungestümes Sehnen nach der Gemeinschaft mit seiner Väter Glaubensgenosse!:. Hätte er es sich in Russland einfallen lassen wollen, zu seinen Landsleuten zurckzukehren, so wäre lebenslängliches Zuchthaus die Strafe für solchen „Abfall" gewesen. So machte er sich denn ganz in der Stille das nothwendigste Geld zur Ueherfahrt bereit und verschwand lautlos aus der ihm aufgedrungenen Umgebung, von dem einzigen Wunsche beseelt, wie er selber sagte. als „zweifellos" yiugestellt habe, die keineswegs zweifellos seien, | „unter Juden sterben zu können". Der Wunsch wurde ihm denn auch erklärte sich kurz der Staatsanwalt. — Professor Dr. Strack trat - in Mauricro erfüllt, nach dem er noch die letzten Jahre als Wärter in längerer Rede den Behauptungen des Vertheidigers, die sich auf! in dein kleinen Spital sich nützlich gemacht hatte, den Ritualmord und angebliche Vorschriften des Talmud, die zuur j Nachdem in Vorstehendem die beiden zu normalen und blühen- Christenmorde verleiten können, beziehen, entgegen. Der Sachver-j den Verhältnissen herausentwickclten Colonien Moisesville und Mauständige bekämpfte in sehr scharfer Weise die von dem Vertheidiger! ricio geschildert wurden, verlangt cs nicht nur die Unparteilichkeit^ angezogcnen Gutachten des Professors Eckert-Trier und insbesondere - sondern auch das Interesse an diesem großartigen Unternehmen ds Professors Rohling-Prag, den er einen meineidigen und unj selbst, auch noch des durch rein äußere Umstände, nämlich eine Reihe wissenden Mann nannte. Im übrigen erklärte er, es gäbe innerhalb : von Missernten, bedingten geringen Erfolgs zu gedenken, den die in des Judenthums keinerlei Geheimlehrc, es gäbe nichts, was ein sach-; der Provinz Entre R i o s belegenen Colonien der Association kundiger Christ nicht wüsste oder wovon er sich nicht Kenntnis ver- ' bisher aufzuweisen gehabt haben. Eine solche Besprechung der Verschaffen könnte. — Rabbiner Dr. Weiße bestätigte dies auf Grund , hältnisse in dieser letzten Provinz ist umso nothwcndiger, als sowohl seiner achtzehnjährigen Rabbinerthätigkeit. Er erkläre unter seinem j der Fläche nach das dort von der Association zur Colonisation erwor- Eide, dass es inuerhalb des Judenthums einen Ritualmord nie ge-! bene Land, wie auch die hierauf bisher aufgesetzte Zahl von Cologeben habe und dass er nie auf Secten gestoßen sei, welche einen! nisten diejenige der beide:: ersterwähnten Colonien, sogar beide zu- . , . ,, solchei: Ritualmord verüben. Er würde der erste sein, der aus dem sammengenommen, noch erheblich übertrifft. Denn von den 310,000 gemacht, um uns zu bewegen, in ihrer Sta!dt zu bleiben; Jndenthum austrätc, wenir dasselbe zu rituellen Zwecken vor dem . Hectaren Land, welche die Association bisher in Argentinien zu Cosie baten inständig um eine Schule, und wir mussten ihnen; Morde nicht zurückschreckte, — Der Vertheidiger wunderte sich, wie; lonisationszwecken erworben hat, entfallen leider nicht weniger als LvthwvW rc,mfiv,r rLmiW ,,»p für kW h.M*- lemand derartiges beschworen Ivolle, und der Staatsanwalt warf > 176,000 Hectare auf dre Provinz Entre Rws, und..auf.den hrerbon versprechen, bei dem Eenrrat-Eomttee uns für sie gU vor- Einerseits die Bemerkung ein: „Für jeden gebildeten Menschen gibt. dort bisher besiedelten 93/100 Hectaren sitzt eine Bevölkerung von Wenden. Wir svollten die Nacht IN einem „Acenzil zuj es überhaupt keinen RitualnwrdI" Der Vertheidiger trat dieser An-; etwa 4600 Seelen. bringen und am folgenden Morgen früh wieder abreisen, > sicht entgegen. — Der Angeklagte versicherte zum Schlüsse, dass er j Hatten wir schon zwischen Moisesville und Mauricio gewisse nfii'r hrr rrirTifip und aueu'si'baufte Mann dar Gaiuaiude nic^ Absicht gehabt habe, die jüdische Religion zu verunglimpfen, - Unterschiede in den Wirtschaftsbedingungen hervorheben müssen, so aber der rentzsw und angrseyrnsre wcann DU rni tcmoc b(tf§ ev bidmc{)V mtr bic jüMfd-jC Rasse bekämpfe. j ist dies noch viel mehr bei den etrerianischen Colonien im Gegensatz hatte uns so herzlich zu sich emgeladen, dasv es UNv umnog- Nach anderthalbstündiger Berathung verkündete der Vorsitzende . zu den beiden ersteren der Fall. Entre Rios, das spanische Wort lich war, ihm die Bitte zu verweigern. Bei der Abreise > Landgerichtsdirector Kaellcr: Der Gerichtshof ist ohne weitere Be-l Aeqüivalent von Mesopotamien, d. h. Zwischenstromland, bildet die wickerbolte sich diese Scene, wie bei der Ankunft, aber auf - Weisaufnahme zur Verurtheilung des Angeklagten gekommen, aber , südliche Hälfte der großen, von dem Parana und Uruguay begrenzten „:m„ ,iTTnmitStturfm-Mmn siftna fnTT irfi! er — m Abweichung von der Anklage — ihn lucht der Be- § Landzunge, wie man in dem vorliegenden Falle sich Wohl ausdrücken die Freude folgte eine allgemnne -oesturgUNg. Wa^soll ich ^schimpwng von Einrichtungen der tödlichen Rellgwnsgeselljchaft,! dürfte. Der größte Landcomplex der Association liegt auf 32 Grad jetzt noch voit dem Empfang berichten, der uns m jspahan j sondern der Beschimpfuiig einer im Jnlaiide mit Corporations-! südl. Breite, nahe dem Städtchen Villaguay, in dem geographisch bereitet wurde? Er war noch inniger, als derjenige in'^^-^-- - . Cachan. Man sah bei uitserer Ankunft nicht nur Lehrer, sondern auch andere angesehelte Mitglieder der Gemeinde. Folgende charakteristische Einzelheit wird die Scelenstimmung unserer Glaubeitsgenossen kennzeichnen. Einer der Vornehmsten der Stadt, ein Greis von 86 Jahren, ergriff iveinenid nnsere Hände mit den Worten: „Jetzt, mein Gott, kann ich sterben." Diese Stimmung, diese Begeisterung erklärt sich, weint man weiß, welchen unglücklichen Leute fest langer Zeit wisseit Wohl, dass die Vertreter der bei dent Schah und den Hoheit Beamten für sie wirken, mn ihnen nachdrücklichen Schutz gegeit die Gewaltthätigkeiten, die Ungerechtigkeiten und die ivillkürlichen Gesetze zu verschaffen. Wir werden alle unser Pflicht thmt und bemüht sein, des uns entgegengebrachten Vertrauens svürdig zu zeigeit." Washington. Mr. T. V. Powderlnh, der Generalcommissar für Einwanderung, sagt in einem Interview, er werde eine A b ä n d e r u it g d e r E i it iv a nde - r u n g s g e s e tz e beantragen dahingehend, dass kein Einwanderer in die Vereinigten Staateit zugelassen werden solle, der nicht durch ein Zeugnis aus seinem Heimatsorte sich als friedfertig, unbescholten und dent Anarchismus fern stehend ausiveisen könne. Länderit bestellt werden, um danach zu sehen, dass die Zeugnisse in gehöriger Form ausgefertigt werden. der jüdischen Religioiisgesellschaft sei nnd diese dadurch beschimpft.! ist in'dieser Gegend dem anch^ dort den Untergrund bildenden kalk- Ware die Behauptung des Aiigekkagten wahr, dass der Bliitmord halngen Löß eine :nehrere Meter dicke Schicht sehr fetter, humus- Ausschreitungen diese ausgesetzt sind. Sie , Alliance" thatkräftig ist. Der Angeklagte hat sicher das Belvnsstsein der Beschimpfnlig Kilon'.etcr gehabt und war deshalb zu bestrafen. Bei der Abfassung der Strafe ivird b geklagte wegen Beleidigung niit 3 Monaten ist, ferner die ganze Art iind Weise seine Strafe verdiene. Es sei ganz etwas anderes, wenn die Frage de Ritnalmordes wissenschaftlich erörtert werde, als hier karten. Der Gerichtshof hat den Angeklagten zu s e ch s N'älzt sich der Urngnahstrom dort dein Qceaii entgegen, . ‘ " " ächst durch wervon e f ä n g n i s vernrtheilt. Die jüdischen AckerbÄurolonien IV. B u e n o s A h r e s, Ende Juni. Alles in allem ist hiernach die Lage der Colonie Mauricio als kinleter (also nur ein Drittel) ui:d noch :nehr höher ist, als in den | gleichweit von der Küste abliegenden Gegenden der Pampa von! Buenos AI:res nnd Santa Fe. j Die eben skizzierten geographischen Momente erklären vieles j von dem Misserfolg-' der im östlichen Entre Rios angelegten Acker- : ban-Cokonie», ein Misserfolg, de r ganZ derselbe auf den nichtjüdischen \ Colonien dieser Zone rvar. Der fette Boden gestattet zirnächst nicht l den Lnzeri:enban im großen; dies Fnttergras gedeiht dort nur bei i besonders sorgfältiger Pflege, :nit Düngung nnd häufiger Auslüftung; deS Bodens durch Eggen oder Neilpflügen, wie sie in der extensiven! amerikanischen Wirtschaft für ein Massenprodnct im großen nicht anfgeloeiidet iverden kann. Ji: einigermaßen regnerischen Jahren erstickt auch das Getreide in de:n schwer durchlässigen Boden, der! eine durchaus günstige zu bezeichnen, ivenn auch vielleicht in Moises . .; vilte, dank der besseren Ergiebigkeit der Luzerne, der durchschnittliche ..v — —.. ... ..... ... Bundesnc>eIlken follten tlt ollen j Ivohlstand der Colonisten noch etlvas größer ist. Mauricio besitzt zwar! zudem noch, in weitgedehntem, sanftem Dünenznge gewellt,.in seinen " . i ,l0C|j keine eigentliche Synagoge; ihre Stelle vertritt theils die Schule,! Atuldei: doppelt schwer trocknet. In trockenen Jährei: endlich sind die theiks die Privativohnnng der Schochets; dagegen wurde gerade zur > subtropischen Wälder des Chaco und von Corrientes nahe genug, Zeit meines Besuches eine neue Mikwe erbaut imd die Gemeiilde! um a::ch hier die Plage der Heuschrecken in vollem Maße verspüren hat a:is eigenen Mitteln auch vor kilrzem einen geräumigen Fried-' zu lassen. Thatsächkich brachten denn auch die letzten Jahre für Entre Hof mit Todtenhaus neu anlegen lassen. Derselbe befindet sich nicht; Rios eine trostlose Reihe verlorener>Ernten, infolge deren auch auf weit voüd dem Verwaltungsgebäude auf einem kleinen Hügel, der: den Colonien der Associatioi: eine große Muthlosigkeit platzgegriffen steil in einen ziemlich großen See abfällt. Dieser strategische Punkt hat. Leider erreichte diese Denioralisierung nach dem neuen Fehllvar seinerzeit z::r Anlage eines Forts gegen die Indianer benützt. schlag der letzten Ernte, die manchem Bauern noch nicht die Kosten ivorden und ein Theil der Friedhofslnauer wird durch den alten der Drcschniaschine bezahlte, einen solchen Grad, dass eine Anzahl Wall dieses Forts Algarroba gebildet. In seiner Nähe sind auch gerade der besten jüdischei: Colonisten Entre Rios verließen, um schon Kanoneiikngeln gefunden worden, welche an die hier noch gab im Süden der Provinz Biienos Ayres von den höhen, aber nicht liicht so lange zurückliegende Zeit erinnerm, als das Land noch mit ■ lange vorhaltenden Erträgnissen des dortigen wilden Champs an- Waffengewalt den Wilden streitig gemacht werden musste. Zur! gelockt, ihr Glück mtf eigene Faust zu versuchen Deutsche Richter über das Blutmärcheu. Der Berliner V e r l a g s b: i ch Händler Gnst. Ad. Dewald hatte sich ivegei: Beschinipfnng von Einrichtungen und Gebräuchen der jüdischen Rekigioiisgenossenschaft :n:d liebertretnng presspolizeikicher Vorschriftei: vor dein Berliner Landgerichte zn verantivorten, weil er sogenannte „Schächtpostkarten" in lluilanf gesetzt hatte. Die eine Ansichtspostkarte hat Bezug auf die Ermordung des Gyniuasiastei: Winter und enthält die Worte: „Gedeistet des 11. Atärz 1900!?(n diesen: Tage fiel der Gyninasiast Winter in Könitz dem Schächtinesser zum Opfer." Auf der Postkarte war ferner ein Bild abgedrnckt, das folgeiidei: Inhalt hat: J>: einem Keller befinden sich zeh>: jüdische Leute, von denen Ernst Winter, dessen Hände durch Stricke festgehaltei: iverde», hingenrordet ivird. Der in der Atitte stehende Mann hat ih:n einen Schächtschintt beigebracht und das Blut ans der Halsivunde fließt in Strömen in einen Ei»:er, über den er in der Schivebe gehaltei: ivird. Die ziveite Karte trägt über den: Bilde, ivelches die Abschlachtnlig eines Mädchens durch drei jüdische Männer darstellt, die lteberschrift: „Der Blutmord ai: der christlichen Jungfrau Agnes Hruza an: 29. März 1899 im Breziua-Wnlde bei Polna." Unter den Figuren der drei Juden stehen die Worte: „Der Schächter der alljährlichen Sühnopfer", „Leopold Hülsner, der Beschaffer des Opfers" und „Ein Cnltusbeauiter der Hebräer". Nach Ansicht der Anklage enthalten die Karten eine Beschiinpfung der jüdischen Religion, iveil die Schächtuiig eine auf religionsgesetzlichen Vorschriftei: beruhende Einrichtung des Jndenthuins sei. Der Angeklajjte bestritt, dass das Schächten eine gottesdienstliche Handlung sei. Er behaupte, dass die Juden ihre Gebräuche mißgrößeren Bequeuilichkeit des Arztes ist auch das kleine Spital nur jveinge hundert Meter von dem Friedhofe eingerichtet worden. Für den Unterricht der Heranwachsenden Jugend bestehen in Mauricio zlvei Schulen, deren Dienst von marokkanischen Lehrern versehen wird. Der eine derselben, Herr Benschimol aus Tanger, führte mir auch drei 10—12jährige, besonders gut veranlagte Colonistensöhne vor, die er dafür vorbereitet hatte, später in ein Lehrerseminar in Buenos Ayres einzetreten, n:n nach Absolvierung des Cursus auf den Colonien als Lehrer verivendet zu werden. Sowohl bei diesen Jilngen, ivelche bereits einige Elemente der Geometrie erlernt hatten, als bei den Schülern im allgemeinen, tvar namentlich die gute Veranlagung für das Rechnen bemerkensivert. Wie auf allen andere,: Colonien der Association ist auch auf Mauricio in Verbindung mit der früher erwähnten skandinavischen Gesellschaft eine Fabrik zur Sahncgewinnung errichtet ivorden, die dei: Colonisten besonders im Sommer einen beträchtlichen Nebenverdienst ermöglicht. Es werden dort oft bis 10,000 Liter Milch im Tage verarbeitet. Trotz des in Aussicht geiiommenen successiven Ueberganges zur Viehwirtschaft ist bisher die dein Ackerbau geividinete Fläche in Mauricio nicht unbedeutend gebliebei:. J:n letzten Sommer hatten 6000 Hectar unter Weizen r:nd 3200 Hectar unter Mais gestanden, deren Erträgnis (durchschnittlich 600 Kilo Weizen und 1000 Kilo Mais per Hectar) nicht schlecht geivesen ist. Aus vor- Zu diesen üilßeren Gründen traten noch einige interne Mängel der localen Verivaltung der Colonie, welche der Reorganisation und bei ihrem großen, auf eiue Zone von über 100 Kilometer Längenachse vertheilten Landbesitz nainentlich auch der Decentralisierung dieser Verlvaltung bedarf. Die Colonien von Entre Rios machen gegenwärtig eine Krisisperiode durch, wie sie auch Mauricio und Moisesville seinerzeit nicht erspart gebliebei: ist, aber dort nuiniiehr schon seit mehreren Jahren glücklich und eudgiltig überlvuudel: werden konnte. Die^ Grundlage des Prosperierens der erstgenannten Colonien bildete, wie wir gesehen haben, die consequente Einführung einer gemischten Vieh- und Ackerbau-Wirtschaft, eine Entlvickelung, die in Entre Rios sich leider verzögert hat, weil für ben Luzernenbau, die Goldgrube der ganzen westlichen und ceiitralen, aus lockerem Grund bestehenden Pmnpa, in Entre Rios die 'Bodenverhältnisse sied.!rie schon bemerkt, weniger eignen. Es ist hier liicht der Ort, näher ailszuführen, in ivelcher Weise diese Sanierung der 'Wirtschaftsverhältniise der entrerianischei: Colou'ien im einzelnen befördert werden kann; imr das eine mag >:och bemerkt iverden, dass zu dem gedachten Zwecke einer ratioiiellei: gemischten Wirtschaft unter anderem auch die im allgelneiiiei: viel zu kleine Fläche des in Entre Rios dem Colonisten ziigetheiltei: Ackerloses (uieist nur 50 Hectar) ivird vergrößert werde>: müssen, da sie trotz der beträchtlichen Allmendiveiden für exten-

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