Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 38 (20.9.1901)
- Date
- 1901-09-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432902--1163-2434891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Nr. 38 20. September 1901 cand. ing. I. Auerbach, Schriftführer (XXX). Dies allen jüd. Verbindungen und Vereinen zur gefl. Kenntnisnahme. Miskolcz. (D i e M i s k o l c z e r G e nr e i n d e) begieng an: 2. d. M. einen seltenen Festtag. Unter Entfaltung entsprechender Feierlichkeiten wurde die in der Paloczygasse nenerbante Synagoge, sowie das neue Heim der nach der verstorbenen Königin benannten Gemeindeschnle eingeweiht. Die neue Synagoge repräsentiert sich trotz ihrer geschmackvollen Einfachheit als monumentaler Van. Sehr gefällig nimmt sich die innere Ausschmückung aus, die Bogen und Pfeiler, Säulen und die himmelblaue mit Goldsternen geschmückte Malerei 'des Plafonds ergänzen sich zu einem harmonischen Bilde. Aufseher: erregten die Worte, mit welchen der reformierte Bischof B. Kur: den Hammerschlag begleitete. Der hohe kirchliche Funetionär sprach den Wrmsch aus, dass zwischen den im ungarischen Vaterlande lebenden Confessionen die Eintracht, der Friede rnrd die Liebe niemals aufhören nröge. Stürmische Eljen-Rufe begleiteten diese Worte des Kirchenfürsten. Auch 'der Vicegefpan des Borsoder Comitats Julius Tarnay sprach die Hoffnung aus, dass es nicht gelingen werde, zwischen die Confessionen Zwietracht zu säen. Das neue zweistöckige Gebäude der „Elisabeth"-Volksschule, wurde mit Aufwand grosser Kosten den mobcmfteit Altforderungen der Hygiene entspreckiend erbaut und der: neuesten pädagogischen Errungenschaften gemäss eingerichtet. Die Räumlichkeiten, insbesondere der 800 Personen fassende Prunksaal, sind mit größtem Comfort eingerichtet. Die Kosten dieser Eiurichtungsgegenstünde wurden im Sammlungswege aufgebracht. Jnsgesamntt liefen an Spenden 18.000 Kronen ein. ArrsiKNÄ. Berlin. (Jüdische A r b e i t e r e o l o n i e n.) Einer der größten Missstünde, die das heutige Judenthum verunzieren ,ist der Wanderbettel, von dem zahlreiche deutsche, österreichische mrd russische Stammesgenossen leben. Nicht nur werden durch ihn sehr beträchtliche Geldinittel in unzweckinäßiger Weise, zum großen Theile für Beschaffung von Eisenbahnfahrten, verzettelt, tioch schlimmer sind die moralischen Schäden, >vie sich als nothwendige Folgen dieses unsteten Lebens für sehr viele der Betheiligten ergeben. Auf Veranlassung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat sich aus den Vertrauensmännern der bedeutendsten israelitischen Gemeinschaften Deutschlands eine Commission gebildet, die in wiederholten Berathungen ein System von Abwehrmaßregeln gegen den Wanderbettel aufgestellt hat. Als erste und wichtigste dieser Maßnahmen erschien «die Einrichtung^ einer „Jüdischen Arbeitercolonie", die dazu bestimmt ist, eine Entlastung des durch die zwecklosen Reisen her Wanderbettler übermäßig und vor allen Dingen nutzlos in Anspruch genommenen öffentlichen und privaten WoHlthätigkeits-Etats herbeizuführen. Die Arbeitercolonie soll die inländischen und ausländischen arbeitsfähigen Elemente unter diesen Wan'derbettlern aufnehmen; sie.gibt ihnen Gelegenheit zur Arbeit, sie wird die Aufgenommenen aus dem Stande der Almosenempfänger in den der sich selbst erhaltenden Arbeiter überführen und auf diese Weise sie zu moralischen, tüchtigen und arbeitsfreudigen Mitgliedern der menschlichen und im besonderen 'der jüdischen Gemeinschaft erziehen. Gleiche Zwecke verfolgen für die Allgemeinheit zahlreiche schon bestehende Anstalten innerhalb und außerhalb des Deutschen Reiches. Allein die besonderen Bedürfnisse und Verhältnisse der jüdischen Wanderer, insbesondere in ritueller Beziehung, erfordern die Herstellung einer speciell jüdischen Anstalt 'dieser Art. Wir dürfen hinzufügen, dass die Staatsbehörden dies vollkommen anerkannt haben und die Errichtung eines jüdischen Arbeiterheims in jeder Weise fördern. Die hochherzige Gabe des Herrn Rittergutsbesitzer Ludwig M e y e r hat für diesen Zweck ein in jeder Beziehung geeignetes Terrain in Weißensee bei Berlin zur Verfügung gestellt, tlnd die Jewish Colonization Association (Baron Hirsch'sches Comitee) hat den Nutzen mrd die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt dadurch erkannt, dass sie uns die Baugelder mit dem geringen Zinssätze von einem Percent vorgestreckt hat. Der'Bau' der Anstalt ist in einer allen Anforderungen der hygienischen Wissenschaft sowie den besonderen Aufgaben der Anstalt genügenden Weise vollendet. Zur Errichtrwg, Leitung :md Verwaltung 'der „Jüdischen Arbeitercolonie", mit der ein Asyl für kranke und schwache Auswanderer verbunden sein wird, ist am 0. Juni d. I. unser Verein gebildet worden, dem der Deutsch-Jsrae- . litische Gemeindebund Grundstück und Gebäude pachtweise überlassen wir'd. Wenn schon nun die Bauten vollendet sind, bedarf unser Verein zur Beschaffung der einmaligen Einrichtung einer Suunue von 26.000 Mark; ferner ist zu den laufenden Unterhaltungskosten einschließlich Verzinsung und Amortisation des Darlehens ein jährlicher Zuschuss von 18.760 Mark zum Arbeitserträge erforderlich. Diese Summen müssen durch Bewilliguitg von einmaligen imb jährlichen Beiträgen gedeckt sein, ehe wir unsere Thätigkeit eröffnen können. Wir bitten Sie, unserein Vereine beizutreten, sei es durch einen einmaligen Capitalsbeitrag, sei es durch regelmäßige jährliche Beisteuer. Schon wartet eine größere Zahl von arbeitslustigelt, darbenden Glaubensgenossen auf die Eröffnung der Anstalt. Es handelt sich hier nicht um einen Act lait'dläufiger Wohlthätigkeit, sondern tun die bleibende Abstellung eiites schreienden socialeit Missstaitdes, um die Rettung und Verbessertmg zahlreicher Menschen, um ineilte That, die für die gesanunte jüdische Gesellschaft tmd für ihre sociale Geltung von Wichtigkeit ist. Sie werden solchem Ultterirehmen ihre hochherzige Mitwirkung gewiss nicht entziehen. Der Vorstand des Vereines „Jüdische Arbeitercolonie tmd Asyl in Weißensee bei Berlin": Eugen Rosenstiel, 1. Vorsitzender, Moritz Rosenotv, L tl st i g, Handelsrichter, Schatzineistcr. L i l i e n t h a l, Vorsteher der jüdischen liit, Dr. Paul N a t h a n, Schriftsteller S i m o n, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde ztt Berlin, Hermann Ster rr 1, Jllstizrath. Für Geldsendungen und Beitrittserklärungen lvolle man sich gefälligst der Adresse: Alt den Deutsch-israelitilchen Gemeindebund, Berliit W., Steglitzerstr. 86, bedienen. Petersburg. (Karobka.) Die Regierung trägt sich mit denr Gedairken, die unter dem Namen „Karobka" in Russland bestehenden schweren indirecteir „Jtideitsteuern" auf die unentbehrlichsten Lebensmittel, auf Fleisch und Licht, abzuschaffen. Der Plan einer völligeit Beseitigung wurde jedoch schließlich fallen gelassen, uitd zlvar bezeichnenderweise «deshalb, weil die Einkünfte aus der Stetler nicht ltzineistcr. Rechtsanwalt politischer Gefangener, der Edelntaitir P e t v Aschen Gemeinde zu Ber- und fragte mich, weshalb ich geschrieen habe, s steller, Bangmer Martin auf, mich zu schlagen, itnb ich wurde ins Com schlägt wich!" Auf memen Schrei kam ein ' ' u s ch, hinaus Da hörte man - . Comptoir geführt, Ioü tch dtirchsucht tind inir die Stiefel abgenommcn lvurden. Atis den: Comptoir schickte der Atifseher die Soldaten weg und sagte ihnen, dass ein Gendariit sofort kommen lvürde, tun mich mit Ruthen, zu peitschen. Von dort führte er ich in das Besuchszimmer hineilt, schickte alle übrigen Ulte bi na ns.!il'9 mir ätb'Oi'tt imS Sott ofitF- ^'llenz zu sprechen?" (Ich hatte den Tag vorher beim Jntlnd welche Summen für dieselben cm die Staatscasse ge-? gen — so laitge, bis ich wieder besinnungslos blieb. So hat zahlt werden? 2. Welche Ausgaben aus den Karobka- > er es mit mir einigemale wiederholt, imb Zweifellos hätte Geldern bestritten werden, wobei diejenigen für speciell jüdische Zwecke voit denen für allgemeine Zwecke getrennt aufgeführt werden müssen. Endlich 3. Wie hoch der Betrag der auf den jüdischen Gemeinheit lastenden Schulden mtd rückständigen Steuern ist. Das Comitee mich der Aufseher zutode gefoltert, was er mir die ganze Zeit wiederholte, wobei er aus der Scheide seilten Säbel hervorzog, wenn nicht ztl dieser Zeit «der Schriftführer in das Zimmer hineingekommen wäre (das erfuhr ich nachher)' und den Aufseher in seiner Absicht gestört hätte. Kattm Petersburg. Das Comitee zur Beförderung von lebendig Nmrde ich in die Zelle geführt, wo das Fenster Handwerk und Ackerbau unter den Juden in Russland hat! gänzlich verschlagen wurde; man gab mir kein Wasser, lies; im abgelanfencn Jahre 14130 Rubel vereinnahmt (davon! nnch nuht hinaus, man nahm mir meine Bücher weg usw. 12983 Rubel aus Zinsen und ztirückgezahlten Darlehen)! Auch die Gefangener, die ntich in halbtodtem Zustande ge- und 11441 Rubel verausgabt! when haben, haben es dem Landpolizeichef mitgetheilt. Die- Kiew. Von den 276 619 Einwohnern Kiews waren! war bei mir und hat mich in meinem jetzigen Zustande am 1. Januar d. I. 24 208 9 pCt. Juden (11 923:^11. Was daraus werden wird, weiß tch noch nicht. Männer, 12 376 Frauen). Dartmter befanden sich 351!selbst habe noch nichts unternommen, Werl tch furchter- „Ehrenbürger", 2402 5kaufleute, 831 bei den Innungen llchttank lvar. ^etzt tst ev mrr etwa.^ besser, aber rch leide eingetragene Handwerker, 1078 ehemalige Soldateit und > svrtwahrend an Schwindel, und oft verliere lchdie oestn- 19 491 mtn-aer"! nm& N. Machow. „° ö , . 1 Den 8./21. Juli 1901. Wilna. Das Gouvernement Wilna zahlte am 1. ^za-j Dorf Ushur, Kreis nurar d. I. insgesammt 1 608 166 Einwohner, darunter j Gouvernement Jenisseisk 244 000 (d. h. 14,4 pCt.) Juden.! 97. Machow ist ein Weber aus Jwano Wosnesensk, von Bukarest. (Zu r I itb enfrag e.) Vom Maij Ivo er nach Charkow verschickt und unter Polizeiaufsicht ge- 1899 bis Januar 1901 hat die „Alliance Jsr." allein für! stellt lvurde; arretiert wtirde er im Mai 1899, saß mehr als die Unterstützung der nothleidenden Juden in Rulnänien; ein Jahr im Gefängnis und ist auf administrativem Wege 600 000 Francs ausgegeben. Heute gibt es in den verauf fünf Jahre nach Sibirien, nach dem Gouvernement schiedenen Städten des Landes 26 jüdische^Bolksküchen, Jenisseisk verbannt worden. ~ ~ Smyrna. Mit dem Dampfer „Athen" sind vorgestern ni russisch-jüdische Emigranten itach Alexandrien abfür die Unterstützung der Emigranten verwendeten Sumgereist, mn sich in Aegypten ttie'derzulasseit. men belaufen sich auf 460 000 Francs. Der Bericht der j Jerusalem. Herr Gustav Plaut in Hamburg hat dein nach Rumänien gesan'dten Delegierten der „All. ,>Zr. verj fjiefigen Franen-Verein „Esrath Naschim" aus der Hinterlangt von der „Alliance" einen monatlichen Credit von 60 > lassenschaft seines Bruders Herrn Jakob Plaut eine bis 80 000 Fratres. j Gabe von 1440 Mark überwieseil, welche für den Bau des Jassy. (C o n g r e s s der israelitischen! dem wackeren Vereine unterstehenden „Asyls für Unheilbare C u l t u s a e m e i n d e n in 3t u m ä n i e n.) lieber i und Geisteskranke" bestimmt ist. — Der griechisch-ortho- - ... t-Lt ' ic .! c r» I ’ V . ™ " ist treten Auf diesem Congresse sollen die Maßregeln zur Sa-! gelegenheiten Ztl conferieren. Die Lage des Patriarchates nieruirg der absolut arro'rmalen.und unhaltbar gewordenen! Jerusalem hat sich infolge der Agitation der „Russischen Pa- Situation dieser Gemeinden berathen werden, deren cul-! lästina-Gesellschaft" bei den Arabern gegen die Griechen turelle und Wohlthätigkeitsinstitute in ihrer Existenz schwer j verschlilnntert. Rtisslan'd lvill offenbar eine Complication bedroht erscheinen.! herbciführen, damit dmtn die russische Diplomatie inter- Genf. (DcrFoltcrbrief eines politisch!vemcrcn kann. V r b n n t c n.) Es sind cuft drei Moimte her, als die Mclboiirnk. E i n w an deri, „ g s g es e tz qefammtc onftöiöiqc westeuropäische Presse mit Schauder Im Bundcsparlamcut wurde cm Äcscheutwurf berathen. und Entrüstunq über zwei Opfer des czarischcn Rcgimcs s nach welchcin die Eiuwauderuny eunieschraukt loerdcn soll. hrrMM hat: ' über den lettischen Gwuuasiastcn Robert I und zwar besonders dadurch, dafS v.e Emwauder,Iden einer werden ein an 800 den Arbeiter Ewald mit eigenen Händen erdrosselt the «teile der enxsihchcn ^pwche cmc bc- — und dem Gendarmerieoberst K l a'd o so entsetzlich ge-! licbige aiidere europäische Sprache treten tonne. Der Profoltert wurde, dass er, um den, langsamen Tode zu enti »"-rm.m.tcr crtlartc s.ch mit d,cs«r Aband-mna emvcrstam gehen, seinem Leben am 24. Mai ein rasches Ende gemacht i den nackd-m bereit» vorher der ^i, tizmimster beui-rkt hat; frcner über den jüdischen Arbeiter Jakob P a l t i „,: hatte, dass die Regiccnng IN keiner Leise Deutsche. Skandiser im ersten Lodzer Polizeirevier am U Mai zn Tode ge-! natner und andere Weihe von gleich hohem L,ldiii,g»slande prügelt wurde Schon müsse,l loir über einen neuen Fall. ivw diese von der Einwanderung auszuschliehen beabsichtige, russischer ltzcfängnistortnr berichten. In der Nummer 31 Christin»!». Seit zehn Jahren besteht hier unter dem der in Genf unter der Ncdaction des Ansländischen Comij Namen „D e t M o s a i s k e T r o c s s a III f n n d' tees b scheinend der Brief veröffentlicht: „Ich .. „• „ 1PI , - . n ra ,, or .T. . . Gotteshaus zu errichten, wen- und Aufrufe an eme Folter begann nach der Controle, unge. , abends. Es famen ztt mir in die Zelle und holteli mich: der Aufseher, der Aelteste, der Subälteste und drei Convoisoldaten; es lvurde nur befohlen, unter dem Geleite der Soldaten ins Coinptoir zu gehen, wo, wie der Atifseher tnir sagte, auf mich eilt Gerldarm wartete. Nicht gehen — unter der Drohung derBajonnette — war unmöglich. Mail führte ungefähr'um'6 Uhr ersten in Norwegen, dttrch Gewährung von Spenden zu ermöglichen. Beiträge nimmt Herr John Nathan, Jerbanetolvvet, entgegen. Jspahan. (I it b e u i n Persie n.) Seit drei Jahren ist die „Alliance Jsraelite" bemüht, in den bedeutendsten Gemeinden Persiens Schulen ztl errichten, welche in dem Lande des Schah nicht nur «daztl dienen, die un-