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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-20 · 38 (20.9.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
38 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. September 1901 Seite 3 den ganzen Pelz unmöglich machte. Im Prager Casino musste das Bild Herbsts dem des Dr. Knotz weichen, das dann wieder durch Pleners Bildnis ersetzt wurde. Wer gerade in Mode war, wurde von ihm geliebt; es schien, als wolle er nur für seine Lebenstage seine glanzvolle Stellung erhalten, gleichviel, was nachher geschehen könnte. Zu dieser Ueberzeugung muss man gelangen, wenn man weiß, dass Dr. Schmeykal oft und von verschiedenen Seiten Vorstellungen darüber hören musste, dass eine deutliche Aussprache über diese Frage nothwendig sei, dass es nichts wert sei, eine große Partei mit Elementen zu durchsetzen, die andere Grundsätze haben, dass es gefährlich sei, diese Elemente zu Mitwissern der ganzen Organisation zu machen. „Beschwören Sie nicht Geister herauf, die man besser ruhen lässt" — schrieb er auf solch eine Vorstellung. Das war die damalige Parteitaktik. Sehenden Auges hat man den Wurm einfressen lassen ins Gebälke und schon damals — noch in der vollen Blüte der Partei — nicht den Muth gefunden, sich für oder gegen zu erklären. Die Concessionen an die Anfänge der „Volkspartei": die Wahl des Antisemiten Kindermann im Schluckenauer Wahlbezirk mit Unterstützung der Prager Parteileitung, die Zulassung der Reichenberger Vertreter dieser Partei zu den Prager Vertrauensmänner-Versammlungen, das Aufgeben jeder Unterstützung der Liberalen Reichenbergs, das alles sind Nägel zum Sarge gewesen, in welche man jetzt die einst so mächtige Partei hineinlegt. Wäre Doctor Pickert nicht so früh gestorben, wäre es ganz anders gekommen. Er war der klare Kopf und auch der geschickte fleißige Agitator, um die Partei zusammenzuhalten und zu vergrößern; er halte sich ja auch der Prager Parteileitung zu diesem Zwecke genähert. Als er starb, fehlte den alten Prager Herren jede Auffrischung, man wurschtelte mit den Bezirksobmännern, Bürgermeistern und Gemeindevorstehern so fort, gab den Juden recht und auch jenen recht, die diesen Zustand ungesund fanden. Der Todestag Schmeykals mit seinem Galaaufzug war das letzte stolze Aufflammen der Parteigröße; als der Jubel verrauscht war, begann bereits die Abbröckelung. Auf der einen Seite der angebliche Verrath Pleners, der den Zerfall wahrscheinlich voraussah und sich auf seine sichere Pfründe zurückzog, ehe er sich abtakeln ließ, auf der anderen die in der Partei und außerhalb derselben stehenden Antisemiten, die nun znsammenwirkten, um den „judenliberalen Bonzen" das politische Lebenslichtlein anszublasen. Merkwürdigerweise hatte die augenscheinliche Lehre der Ereignisse nicht gewirkt. Auch Schlesinger behandelte die Krankheit nach demselben Recept. Anlässlich des beginnenden Schuljahres tritt an viele' Eltern die Frage Heran, welche Schule ihre Kinder besuchen sollen und damit verbunden die Erwägung, welchen Beruf sie ergreifen sollen. Uns, denen das Wohl des jüdischen Volkes am Herzen liegt, obliegt cs, unseren Stammesgenossen einen Fingerzeig in dem schwierigen Dilemma zu geben; dieser aber ist sehr nothwendig. Die Erwerbsverhältnisse haben sich in einschneidender Weise geändert, während die Judeir sich von ihren alten Traditionen in Bezug auf Handel und Wandel nicht losreißen können. Eine Aenderung in der socialen. Structur unseres Volkes ist aber ein Gebot der Zeit; diese Aenderung wird sich unaufhaltsam vollziehen; entweder ohne unser Zuthun, dann kann sie die verhängnisvollsten Folgere für unser Volk herauf- Leschwören; oder mit unserem Zuthun, dann kann sich diese wichtige Umwälzung ohne jede Katastrophe vollziehen; sie wird entweder über unsere Köpfe gehen, oder nach unseren Köpfen/ So herrscht bei den vermögenden jüdischen Familien die alte Tradition, die Söhne womöglich in die G y tu it a f i e n zu schickeir und sie dann dem Advocaten- oder Aerztestande sich zuwenden zu lassen. So ehrend dieser Zug für unser Volk ist, so gebieterisch ist die Nothwendigkeit, mit ihn: möglichst zu brechen. Sowohl der Aerzteals auch der Advocatenstand klagt, und zwar mit Recht, über die Ungunst ihrer Lage und über die Ueberfüllung ihres Berufes; im „I. V." sind in mehreren Artikeln die Gründe dafür auseinandergesetzt worden, dass speciell die Juden in diesen Berufen ain meisten leiben. Hier ergibt sich praktisch der Rath, die Söhne, ihre Lust und Begabung dazu vorausgesetzt, in die Reals ch ulen und Gewerbeschule n zu schicken. Diese sind unter unsereiT Schulen aur ehesten in der Lage, in o d e r n e Menschen heranzubilden. Ihren Absolventen eröffnet sich das reiche Feld der technischen Berufe, in denen in: großen und ganzen der Jude viel weniger Anfeindungen wegen seiner Abstammung ausgesctzt ist. Bei den technischen Fächern tritt die Person hinter dein Werke zurück, bei den humanistischen bedeutet die Person alles. Die Technik ist ferner eine Tochter unserer Zeit rmd Tlicht mit all den Clauselt: und Vorurthcilen belastet wie die humanistischen Berufe. Zudem erobert sich die Technik mit jedem Tage ein reicheres Feld und leidet daher nicht in der Art an der Ueberfüllung, wie die Berufe mit Gymnasialvorbildung; es ist auch nur eine Frage der Zeit, waun das Gymnasium mit all seinen Privilegien gestürzt werden wird. Doch TÜcht alle Eltern sind in der Lage, ihre Kinder nach der Volksschule noch in eine Mittelschule oder Fachschule zu schicken; der größte Theil unseres Volkes muss seine Kinder früh in den Kampf ums Dasein entlassen. Bis jetzt füllten die Juden nun in sehr großer Zahl die verschiedensten k a u f m ä n n i s ch e n Berufe; in ihrer Hand war großentheils der Z w i s ch e n h a n d e l. Dieser Beruf ist sicher Tun nichts schlechter als jeder andere, unleugbar ist es, dass der ganze Zug der modernen Gesetzgebung dahin gerichtet ist, diesen Zwischenhandel zu beschränken, ja in manchen Fächern ganz 31t verdrängen. Bekannt ist aus der letzten Zeit der Gesetzentwurf betreffs der Aufhebung der 60 und 60. Vielleicht gelingt cs einer lebhaftenAgitation, dieseir Gesetzentwurf zu begraben. Sicher aber ist es, dass mtf die Dauer dieser gehässige Zug gegen de it Zwischenhandel nicht aufgehalten werden kann und dass er noch die Grenzen überschreiten wird, die ihm selbst in diesem famosen Entwürfe gesteckt sind. Die Tendenz ist unverkennbar; man will auf diesem Wege eilt gut Theil unseres Volkes expropriieren und zur Auswanderung zwingen. Dem müsset: wir Vorbeugen. Erstens dadurch, dass wir diesen Zeitpunkt möglichst herausschieben, und dies geschieht durch die Ueberreichung einer Massenpetition gegen die Abänderung der 88 69 rmd 60, und wir legen die im Gange befindliche Agitation jedem Stammesgenossen ans Herz; und zweitens dadurch, dass wir beizeiten die Masse unseres Volkes einen: anderen Erwerbe zu führen, und zwar dem H a n d w e r k e und in beschränkter Weise der F a b r i k s a r b e i t. Dies ist sicher keilte Chinäre. Hat doch unser Volk schon mehrere tiefgreifende Untwälzungcn in seinen: Wirtschaftsleben überdauert ohne Schadet: an Leib m:d Seele. Wir wäret: ursprünglich Nomaden am Euphrat und Tigris; dam: bildeten wir, um modern 51t rede::, in Aegypten ein industrielles Proletariat. Hierauf bildeten wir in Palästina durch Jahrhunderte ein vorzugsweise ackerbautreibendes Volk. Durch ben Golus wurden wir im Laufe des Mittelalters eit: Handelsvolk. Aber wir haben seit der Emancipation gezeigt, dass Nur aus jedem Felde unsere:: Mann stellen können; zudem gibt es it: Russland und Galizien Striche, wo Juden ausschließlich seit Jahrzehnte:: vom Handwerke lebet:. ... Wir müsset: aber, wenn Nur dieses große Heer von Agenten, Hausiereri:, Factoren, Maklern und Zwischenhändlern aller Art und jeglicher Sorte den: Handwerke zusührcir wollen, Folgendes beachten. Bei der ungelernten Handarbeit, also bei der Erdarbeit, Canal- und Deichgräberei, Lastenträgerei, dann in dem schweren Handwerk, so in der Maurerei, Bauschlosserei, Zimmerei usw. kann der Jude mit den: Arier nicht concurrieren, da derselbe robuster, anspruchsloser und bedürfnisloser ist. Vollzieht sich doch selbst unter den Ariern der Process, dass der deutsche Arbeiter von dem slavischen und dieser wieder von dem italienischen in diesen Erwerbet: verdrängt wird. Dagegen kann das l e i ch t e H a n d w e r k, z. B. die Schuhmacherei, die Schneiderei, die Bäckerei, die Fleischhauerei, die Zuckerbäckerei, das Friseur- und Uhrmachergewerbe usw. einen großen Theil unseres Volkes aufnehmet:, dem seine bisherigen Erwerbsquellen entzöget: werden. Wir glauben auch nicht, dass das Handwerk in ben genannten Fächern, wie manche Doctrinäre lehren, dem Untergänge geweiht ist; die neuen Statistiken sprechen wenigstens nicht dafür. Einet: goldenen Boden hat allerdings das Handwerk nicht, :tnd wird es auch nicht bei staatlicher Unterstützung durch Beistellung von Maschine:: und Arbeitsbehelsen oder bei eigetter gewerkschaftlicher Organisation gewinnen; jedenfalls aber wird es seinen Trägern das M i n i::: u::: f it r eine m e n s ch e n w ü r d i g e E x i st c:: 5 bieten, jetzt und auch in Zukunft, das heute ein großer Theil unseres Volkes, der vom Zwischenhandel lebt, n i ch t hat und in Zukunft gewiss nicht haben wird. Soweit die letztgenaimte:: Berufe fabriksmäßig betrieben werden, würdet: sich auch die Juden sicher als Fabriksarbeiter bewähret:. Eilte besottdere Eignung zum Fabriksarbeiter hat allerdings der Jude nicht, dazu ist sein Streben nach Selbständigkeit und Aussteiget: in eine höhere Classe zu stark; aber Noch lehrt beten. So sind in Russland und auch Galizien eine Reihe von Gerbereien, Baumwollspinnereien, Webereien und Holzsäget:, die f a ft n u r jüdi - s ch e Arbeiter beschäftigen. Die Ueberführung der Juden hierzulattde zum Ackerbau in großer Masse ist sehr schwierig; Versuche in dieser Richtung werdet: vot: der Baron Hirsch-Stiftung in Galizien und neuerdings von der ungarischen Negierung in Ober- Ungarn gemacht. So vielversprechend die Resultate in Palästina und Argentinien finb, so vorsichtig muss man bei der Lage der österreichischen Agricultur bei uns an diese Frage heraiüreten. Selbstverständlich wird-es, diese nationale Fürsorge vorausgesetzt, trotzdem schiffbrüchige Existenzen it: allen Berufen gebe::; diesem Rest bleibt nicht anderes als Auswanderung übrig. Ich will it: diesem Artikel die Frage der Auswanderung und Colonisation nicht weiter berühren, da sie einer speciellen breiteren Bearbeitung bedarf. Ich habe im Vorausgehenden in großen Umrissen die Lage des Arbeitsmarktes nach seiner speciell jüdischet: Seite gekennzeichnet. Genauere Details könnte nur eine jüdische Centralstelle für Arbeitsnachweis liefert:, wie sie von Doctor H. it: Nr. 2 des „I. V." dieses Jahres gefordert wurde. Es finb zwar in W i e::, Prag und Brünn nach dem Muster von Frankfurt und Berlin Ansätze zur Lösung dieser Frage vorhanden; aber diese Keime harren noch der weiteren Entwicklung. Vielleicht haben diese Zeilen den Erfolg, dass an eine Centralisierung und Ausgestaltung des jüdischen Arbeitsnachweises geschritten wird. L. S. Chronik des Judenlhums. Inland. Wien. (Kritisches zur Einweihung eines Bettz a:: s l 0 c a l e s in der H e il an stalt Alland.) Wie gemeldet wird, „ist es verschiedenen Anregungen gelungen, die menschenfreundliche Leitung der Heilanstalt Alland zu bestimmen, wie für die christliche auch für die jüdische Consession ein Local für die Gottesandacht zu reservieren". Die Einweihung dieses Locals ist am 0. d. M. unter dem gewöhnlichen Pomp vor sich gegangen. Assistenz leistete der Oberrabbiner Dr. Güdemann in Begleitung seiner Gattin und Dr. Alfred Berger namens der Cultusgemcinde Wien. Tie israelitische Cultusgemcinde Baden war Vertreter: durch ihren Rabbiner Dr. Reich, den Präses der Cultusgemcinde Moriz Lettner, Dr. Schwarz u. v. a. Dass die Verwaltung der Heilanstalt Alland einen Raum zu diesem Betlocale für jüdische Kranke gewährt, ist wohl nur recht und billig, denn ein sehr namhafter Beitrag zur Creierung dieser Heilanstalt ist vor: Mitteln jüdischer Spender geflossen. Weniger einleuchtend ist aber, dass — wie gemeldet wird —- die Cultnsgemeinde Bader: sich zur Bestreitung der Kosten dieses jüdischer: Bethauslocales verstandcr: hat. Wern: die Verwaltung der Heilanstalt Alland die Errichtung der für Christter: bestimmten Kapelle zu bestreiten vermochte, so musste sie auch folgerichtig den viel geringeren Aufivand für dies relativ viel kleinere jüdische Bethauslocale bestrciter: können. Die Cuktnsgcrneinde Baden ist rächt so reich fundiert und hätte die Auslagen in anderer Weise viel besser zu verwenden vermocht. Ganz und gar unbegreiflich aber ist die Nothwendigkeit und Nützlichkeit eines jüdischer: Bethauses ir: Alland. Gottesdienstliche Räume in eurer Heilanstalt qualificieren sich in der Regel mehr oder mirrder als Seelensängerei. Selbstverständlich geht der Fang rächt nach katholischer: Seelen aus, denn diese hat mar: schor: — sondern auf die Insassen anderer Confesstonen. Nun könnte man sich allerdings mit einem Bethauslocal ir: der Heilanstalt Allarrd befreunden, wenn für dasselbe eine Nothwendigkeit vorhanden wäre. Bekanntlich ist eir: jüdischer Gottesdienst nur darn: möglich, wenn 10 Individuen, die das dreizehnte Lebensjahr überschritten haben, airwesend sind — ein sogenanntes Minjarr. Nun ist die Frage: Sind derzeit irr der Heilanstalt Allarrd zehn jüdische Kranke männlichen Geschlechts vorhanden? Und eine weitere Frage: Wird cs je vorkomrnerr, dass in dieser Heilanstalt zehn jüdische Kranke männlichen Geschlechtes, die das dreizehnte Lebensjahr überschritten haben, vorhanden seir: tverden? Wir sirrd nicht in der Lage, diese Fragen stricte beantworten zu können. Uräer den angegebenen Verhältnissen erweist sich daher die mit der Einweihung dieses jüdischen Vethauslocales ir: Allarrd betriebene Reclarne als eine garrz gewöhnliche Spiegelfechterei und als eine Staffage für 10 Personen, die bei jeder Gelegenheit und unter allen Umständen obenauf schwimme^: wollen. Warum tvir eigentlich aus die ganze Sache zurückzukornmci: für nothwendig erachten, ist der Umstand, dass wir Juden schon über 30 Jahre einer: Verein „zur unentgeltlicher: Pflege jüdischerBrustleidender auf demLande" besitzen, der trotze aller Mühe und Anstrengung cs noch nicht dazu gebracht hat, eir: eigenes Heim zu errichten und in der Zwangslage ist, die vielen hunderte und hunderte brustkranker Glaubensgenossen in exterrre Pflege zu geben. Keiner von den jüdischer: Allerweltsmenschen rührt für dieser: Verein die Finger, denn bei diesem Verein ist keine Reclarne zu holen und mar: kann sich vor räederen und hohen Arierr: nicht schönthun. Wir unterlassen absichtlich, die Äfsaire weiter auszuspinnen, denn wir wollen rricht im eigener: Fleische wühlen, aber wir finden es endlich einmal an der Zeit, dieses Streberthun: ::ud diese Reclarnenracherei gebürerrd zu geißeln. Wir finden uns bemüßigt, an die jüdischer: Seelsorger Wiens mit dem Appell heranzutrcten, ir: ihrem Wirkungskreise für der: „Verein zur untentgeltlichen Pflege jüdischer Brustleiderrder auf dem Lande" ir: geeigneter Weise eine propagatorische Thätigkeit zu entfalten und nicht zu ruhen und nicht zu rasterr, bis ihnen eir: voller Erfolg zur Seite gestanden haben wird. Das ist nur ihre Pflicht und Schuldigkeit, denn andere kirchliche Functionen Haber: sie ja nicht zu erfüllen, und die, welche ihr:en staatlicherseits Übertrager: worden sirrd, lasser: sie von Hilfskräften vcrrichterr, es wäre denrr, dass dieselbe!: mit reichen Sporteln verbunden sind. Lemberg. fOrig.-Corr.j (Die Socialistenund die Hausiere r.) Wir haben schon in einer früheren Arbeit gezeigt, welcher: schädlichen Einfluss die jüdischen Soeialisten auf die ärmere jüdische Bevölkerung Lembergs ausüben. Zur Charakteristik dieser Komödianten möge vorangeschickt werden, dass unter ihnen die geistig und materiell rückständigsten Leute sich befinden. Diese Geistesrückständigkeit, verbunden mit leiblicher Dürftigkeit, lässt sie alles glauben, was von einem überschnappter: Söldner aus der demokratischen Hilfsarrnee ihnen vorgemacht wird. Zwei oder drei besoldete Menschen lassen ihre schreilustigen Kehlen überall dort tönen, wo es gerade unnöthig ist. Aehnlich exploitieren sie die armen Hausierer, welche veranlasst wurden, sich zu politischen Demonstrationen herzugeben. Die vorgestrige Versau: m l u n g erhob ein derartiges Geheul gegen Byk K a h a l und dergleichen. Es versteht sich von selbst, dass diese armen Hausierer ihrer Sache mehr schaden als nützen. Die in unsere Hand gelangten Protestbogen wurden ihnen zur Ausfüllung übergeben. Schwer ist den kleinen Mann zu helfen, so sich derselbe groß dünkt. Zur gliechen Zeit marschierten Mädchen in das Sitzungslocal; der Anmarsch dieser Mädchen ließ in uns den Gedanken an die Blumenmädchen von Wien aufkommen. Plötzlich erfuhren wir, dass dieselben strikende Sch neider Mädchen sind, welche eine kürzere Arbeitsdauer und Bezahlung der Ueberstunden verlangten. Der Mädchenstrike dauerte nur kurze Zeit; denn nach dreitägigem Strike traten sie wieder in die Arbeit ein, unter etwas besseren Conditionen. Czernowitz. (H e l d e n nt u t h ein c s I ü n gli 1: gs.) Vor einigen Tagen badete in: Prnth bei Ludi- Horecza ein zehnjähriger Knabe namens Vetter mit seinen Eltern. Der Knabe wagte sich zu weit in den Strom und eine größere Welle riss ihn mit sich, er verlor den Boden und versank ni ben Flutet:. Trotz Schreien und Bitten der Elten: lvagte niemand, den Knaben zu rette::. Die Panik der Elten: und der Zuschauer war eine grässliche. In dieser höchsten Noch stürzte sich ein Jüngling nameits Osias Deutsch, Abiturient der gr.-orth.Oberrealschule, in das Wasser, um den Knaben zu retten. Trotz zweimalige:: Untertauchens konnte er den Kleinen nicht erlvischen; hierauf verschwand auch der kühlte Schwimnter — nun gab man die beiden auf — aber nach einigen Augenblicken kam der heldenmüthige Jüngling sanunt den: Knaben wieder zur Oberfläche und mat: sah denselben nüt seiner Last zum Ufer heranschwimmet:. Der Knabe war schon bewusstlos, nur durch das rasche Eingreifet: einer Doctorsfrau gelang es, den Kleinen zum Leben zu bringen. Dem muthigen Jüngling wuvde die vollste At:erkem:ung für diese heldenmüthige That zutheil. Czernowitz. (I ü d. - a k a d. Ve r b i n d u n g „H ebronia".) Die am 12. d. M. erfolgte Chargenwahl ergab folgendes Resultat: cat:d. ing. D. Mifales, Präses (X), cand. ing. I. Hartning, Vicepräses (XX),

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