Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 38 (20.9.1901)
- Date
- 1901-09-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. September 1901 Nr. 38 Juda hat allen Grund, sich über den Debacle der polnisch-jüdischen Assimilation zu freuen. Es ist höchste Zeit, an dre Gründung einer unabhängigen jüdischen Partei zu schreiten; denn wenn die letzten Wahlen nicht der Judenschaft die Augen geöffnet haben, dann ist ihr überhaupt nicht zu helfen. Dnrch die Schaffung neuer Curien und durch die Erweiterung des Wahlrechtes hat sich die Zahl der jüdischen Wähler besonders in den Städten vergrößert: Jn Koloinea, Sniatyn, Buczacz, Zloczow und Brody haben die Juden die absolute Majorität; in Lemberg und Krakau können sie im Wege eines ehrlichen Compromisses sicher wenigstens je einen Candidaten durchbringen, in anderen Bezirken bilden sie gegenüber den Ruthenen das Zünglein an der Wage. In rührender Eintracht haben diesmal die Demokraten, die gemäßigte Linke und Confervativen die Juden verrathen; das alte Bündnis zwischen Schlachta und Kahal ist tobt; es lebe die neue unabhündige jüdische Partei! 3» den Laudtagrwahien in Böhmen. Die Wahlaufrufe der verschiedenen deutschen und czechischen Fractionen anlässlich der Wahlen für die böhmische Laudflube, zeigen wieder einmal den ganzen politischen Jammer Oesterreichs, die beispiellose Verlogenheit und Verlotterung der bestehenden Parteien, denen cs sich nicht um Realisierung gewisser Programme, sondern um die Ergatteruug von Mandaten handelt. Wieder sind es es die alten Schlagworte von deutscher Staatssprache einerseits und dem böhmischen Staatsrechte andererseits, die schon seit zwanzig Jahren ununterbrochen als nationaler Zankapfel in die Menge geschleudert werden, an deren Realisierung unter den heutigen Verhältnissen diejenigen am wenigsten glauben, die diese Forderungen am lautesten erheben. Die deutsche Staatssprache kann ebensowenig gegen die Majorität der Nichtdeutschen, als das böhmische Staatsrecht gegen den Willen der Deutschen realisiert werden. Nur wenn die Gleichberechtigung aller Nationalitäten Oesterreichs in Amt und Schule durchgeführt wird, würden die nichtdeutschen Nationalitäten im Interesse des österreichischen Gesammtstaates der deutschen Vermittlungssprache innerhalb eng umschriebener Grenzen zustimmen. Alle Völker haben wohl gleichmäßig dos Recht, vom österreichischen Staate zu fordern, dass xv ihre freie nationale Entwicklung nicht hemme, andererseits aber dürfen sie keinerlei Forderungen aufsiellen, die die Existenz des Staates und in weiterer Folge ihre eigene nationale Existenz gefährden. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, entpuppen sich die meisten Wahlmanifeste auf deutscher und czechischer Seite, insbesondere aber das alldeutsche Schönerer-Wolf-Programm und das czechisch-radicale staatsrechtliche Wahlmauiseft der Baxa-Fraction, als die unverhüllteste Demagogie. Es zeugt von einem ungeheuren Größenwahn und doch zugleich von einer unglaublichen Kurzsichtigkeit, wenn bei Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, in welchem das Nationalgefühl aller Völker den Höhepunkt erreicht hat, die alldeutsche Fraction mit der ebenso wahnwitzigen, wie unverschämten Forderung nach einer Germanisirung der Czechen auftritt. Dieser Forderung würdig zur Seite steht die Provocation aller übrigen Völker Oesterreichs, nicht in letzter Linie der Juden, deren vollständige politische Entrechtung und wirtschaftliche Boycottierung das alldeutsche Ideal ist. Dass eine solche Partei, und noch dazu mit Aussicht auf Erfolg bei den bevorstehenden Wahlen, austreten kann, ist das traurigste Verdienst des Prager Casinos der vereinigten „Deutschen Volksparteiler" der Deutsch- Fortschrittler und ihres jüdischen Anhanges. Durch Jahrzehnte hindurch hat das Prager Casino alle Bestrebungen zur Beilegung des deutsch-czechischen Streites vereitelt, und heute, wo es am Platze wäre, energisch den Wahlkamps gegen die Alldeutschen aufzunehmen, für das alte, so oft im Munde geführte Programm der Staatseinheit und Freiheit, da zeigt sich die Deutsche Fortschrittspartei als der würdige Bruder des lendenlahmen Wiener Altliberalismus und mit Beiseitestellung seines Programmpunktes der „Gleichberechtigung der Confessionen" pactiert die Deutsche sogenannte Fortschrittspartei mit der antisemitischen Deutschen Volksparteigegen die Alldeutschen. Was nun den Kamps dieser beiden feindlichen, aber einander ebenbürtigen Brüder, der Alldeutschen und der Deutschen Volkspartei, betrifft, so fällt uns das Wort Mimes in „Siegfried" ein: „O Siegfried! o Fafner! o war ich Ench beide los!" Der ganze Kampf zwischen der Deutschen Volkspartei und den Alldeutschen, der unter der fälschen „Flagge hie Zweitheilung Böhmens hie Landes einheit" geführt wird, ist ein Kampf zweier mandatshungriger antisemitischer Coterien um das Fell des noch nicht erlegten böhmischen Löwen. Die Frage der Zweitheilung Böhmens ist so lange eine rein akademische, als sie die Czechen perhorreseieren, und die Czechen werden eine Zweitheiluug verwerfcn, so lange sie an ihrem böhmischen Saatsrechte festhalteu. Dieses böhmische Staatsrecht aber wird von der uational-chauvinistischen Baxa-Partei geradezu als Antwort auf die Germanisationsforderuugen der Alldeutschen prvclamiert und mit Rücksicht auf die Aggresivpolitik der Alldeutschen die Ersetzung der Jungezechen durch radicale czechische Staatsrechtler gefordert, welche von der Vertheidigung zum Angriff übergehen. Gegenüber diesen Ausbrüchen nationaler Tollheit der deutschradicalen und czechisch-radicalen Antisemiten wirkt wahrhaft wohlthuend ein Passus in dem Wahlaufruf der unter der Führung des Abgeordneten Dr. Choc stehenden czechischen National-Socialen. Es heißt darin unter anderem: „Es ist nöthig, dass in unserem politischen Leben eine Wendung eintrete, man muss einen anderen Weg einschlagen und wirksamere Mittel anwendeu, wenn der kulturelle und wirtschaftliche Verfall unserer Völker nicht bis zur Hoffnungslosigkeit fortschreiten soll. Zu diesem Zwecke meldet sich unsere kr.mpslußige national-sociale Bewegung zum Worte und bew-rbt sich um das Vertrauen der Volker, oder richtiger um den B-'fehl derselben, ein frischeres nationales, politisches und sociales Element in unser öffentliches Leben zu bringen." .Aedanernswerterwme sieht auch die czechisch-nationalsvciale Partei nicht ein, dass dir von ihr erstrebte Erweiterung der Länd-rantonvmie nicht durch einen neuen staatsrechtlichen Kampf erlangt werden kann, sondern dass die Erweiterung der Länderautonomie nur Hand in Hand mit der Autonomie und Gleichberechtigung aller Nationen gehen kann. All die besprochenen Wahlmanifeste, die den einseitigst nationalen Standpunkt eiunehmcu und zum Thcile den offenen oder verkappten Antisemitismus zur Schau tragen, sind ein ernster Mahnruf an die Juden Böhmens, Gewehr bei Fuß zu sichen und sich in drn Kampf der nationalen Parteien, der Deutschen und Czechen, nicht cinzunüscheu, vielmehr an die Schaffung einer jndisch-volklichen Organisation herauzntrctcu. Allzu fern ist ja die Zeit nicht rnehr, wo unter dem Drucke der wirtschaftlichen Nvth und des anwachseuden Clericalismus der Chauvinismus im deutschen und czechischen Lager an seiner inneren Haltlosigkeit zusauuueubrechen wird. In diesem Sinne ist es überaus bemerkenswert, dass bereits bei den gegenwärtigen Landtagswahlen eine starke agrarische Strömung unter Deutschen und Czechen sich bemerkbar macht, welche die ersten Anzeichen der Rebellion der Wählerschaft gegen die nur-nationale Politik bildet. Hat nur die nationale Ernüchterung einmal platzgegrlffen, dann wird sich eine vollkommene Neugestaltung des Parteiwesens vollziehen, und rcur von der Stärke und Zielbewusstheit der bis dorthin vollzogenen jüdischen Organisation wird es abhängen, ob die Juden in der Lage sein werden, ein entscheidendes Wort mitznsprechen — in der großen österreichischen Volkspartci der Zukunft und bei der Neugestaltung Gesammt-Ocsterreichs. Voycoti. Im alldeutschen Blätterwald war ein lautes Rauschen wegen der Berurtheiluug eines katholischen Prie derselbe hatte in slovenischen Blattern gegen di hetzt und die Slovenen zum Boycort der deutschen Kanfleute n Pettau aufgefordert. Die deutschen Blätter cvustatiereu nun mit Befriedigung, dass dieser Hetzkaplan zu mehrwöcheutlichem Arreste verurtheilt wurde, und ergehen sich in allerlei moralischen Betrachtungen, besonders Wolf spricht mit einer solchen Begeisterung, wie er sie sonst nur in Anhvffnng einer gefüllten Cassette aufbriugt. auffällig gewesen wäre, da ja im Wahljahre 91 von Leitmeritz her noch ohne Gewissensbisse die Candidatur Friedjungs für Nordböhmen befürwortet wurde, um das oben ausgesprochene scheinbare Paradoxon zu begreifen und zu glauben. Dr. Schmeykal meinte damals: „Es ist schade, dass er ein Jude ist!" Und höher als bis zur „liberalen" Anschauung dieser „antisemitelnden" Entschuldigung hat sich die liberale Partei nie aufgeschwungen. Das wäre nun am Ende keine fluchwürdige That gewesen; wenn sie nur den Muth gehabt hätte, ihrer Ueberzeugung offenen Ausdruck zu geben. Die Juden waren damals so voll hündischer Ergebenheit gegenüber den leitenden Göttern, dass sie es mit Tausenden bezahlten, am Stammtisch des Prager Casino sitzen zu dürfen. Sie hätten die weise Verfügung des „allverehrten" Parteichefs: „Inden haben in allen „gesetzgebenden" Corporationen nur die active Zahlpflicht, aber kein passives Commando", acceptiert, sich schweifwedelnd an ihre Eunuchenrolle gewöhnt und der Partei wären viele Unannehmlichkeiten erspart geblieben. Doctor Schmeykal aber, der das Geld, das ihm „sein Volk" nie gab, wenn er es brauchte, nahm, wo er eine jüdische Wurzen damit antraf, fürchtete Gefahren für seine Partei und suchte im steten Ausgleich der Gegensätze den Cement für seine feste Burg. Inden sind aber bekanntlich alles, nur nicht bescheiden; sie fassten mit dem kleinen Finger der Duldung gleich die beiden Hände der Parteileitung, besetzten die Ehrenämter des Casino, der Vereine und Vertrauenscollegien und verjudeten so die Partei mehr, als es einige jüdische Mandatsinhaber imstande gewesen wären. Denn Prag war nun einmal das Centrum; was nützte es, wenn die Provinz im ganzen und großen „judenrein" war. Man brauchte nur auf Prag hinzuweisen, und der Schimpf „Judenknecht", der nachmals zum Kampfruf wurde, war begründet. _ J So wurde die eigentlich niemals wirklich liberale csiers in Pettau; i ohne . wirklichen Grund und doch durch eigene >ie Deutschen ge--schuld zur „judenliberalen". Es ist bekannt, dass woht ..rv— der nationale Dr. Knotz, nie aber Dr. Schmeykal einen jüdischen Concipienten hatte; dass nie ein Jude eine Partei-Sinecure erhielt, nie auch nur eine bezahlte Bureaustellr von Parteiwegen erhalten konnte. Aengftlich aber war man in der Scheu, das offen zu bekennen oder auch nur zuzugeben. Ob aus Charakter st är k e oder -Schwäche, das bleibe dahingestellt; wir wollen einem tobten Ehren- Dabei zeigt sich wieder die verlogene Kampfesweise der! manne, wie es Dr. Schmeykal war, nicht nahetreten. Deutschradicalen, die wir schon, einmal annagelten. Wirft man^^r zum offenen Bekenntnis entschloss man sich auch einen Blick in die alldeutschen Blättchen, die jetzt wie Pilze in j nicht, als die beginnende volkliche Bewegung den Schimpf Böhmen und Mähren ausichießen, in die „Saazer National-j ^ei' Judenknechtschaft auf die liberalen Häupter herabzeitung", „Anffig-Karbitzer Zeitung", „Deutsche Wacht",! regnen ließ. Der erste Führer der Prager Volklichen, ein „Deutsches Nordmährerblatt" und wie all diese Sudelblatter heißen mögen, so sieht man, dass in der frechsten und unverschämtesten Weise zum Bvycott der Inden ausgefordert wird; Lügen über Lügen werden den Lesern im Vertrauen auf ihre Uncontrolierbarkeit ansgetischt, wie sie nicht einmal Wolf oder Vergani zu bringen sich traut, da in Wien ihnen zu scharf auf die Finger gesehen wird. Doch da rührt sich keine Staatsanwaltschaft; herrscht wirklich zweierlei Recht in Oesterreich? Cigarrenhändler, dann der Herausgeber des „Volksboten", namens Kießlich, hatte den Liberalen drastisch gezeigt, wie man das „Judenjoch" abschüttelt. Ein Jahr vorher hatte er noch unter dem Commando des jüdischen Sprechwartes Dr. Salz mit Juden in jüdischen Weinkellern umgetaufte Weine getrunken; ein Jahr darauf war er raffenreiner Antisemit. Die liberalen Häupter aber ließen sich von ihm nach volklichen Noten beschimpfen und warteten In den slavischen Theilen von Mähren und Schlesien die „reinigende Kraft des gesunden Menschenverstandes" besorgt diese Hetzarbeit natürlich die kalhvlische Geistlichkeit; ab. Ihre Taktik war immer das „Herüberziehen" der wir versprechen, in Zukunft dein unwürdigen Treiben dieser Gegner; ihr Standpunkt aber war so schwach, dass sie Pfaffen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Der „Jüdische hinübergezogen wurden! Volksverein" geht den betroffenen jüdischen Kaufleuten gerne mit Rath an die Hand, wie sie sich dieser Agitation erwehren können. Wie weit diese Agitationen greifen, beweist die Nachricht, dass sich vom „Verein reisender Kanfleute", der seit Jahren in zielbewusster Weise für seine Mitglieder sorgt, ein antisemitischer „Reformverein" christlicher Handelsangestellter" abgezweigt hat; seine Mitglieder entblöden sich nicht, bei den Kaufleuten Stimmung dafür zu machen, nur bei christlichsocialen Reisenden Bestellungen zu machen; dabei haben diese Herren noch die eiserne Stirne, weiter die humanitären Institutionen des „Vereines reisender Kanfleute" zu benützen. Ja, Charakter ist nicht jedermanns Sache. Die liberalen Antisemiten. (Zur Geschichte der deutsch-liberalen Partei.) In der Wiener „Ertrapost" veröffentlicht ein augenscheinlicher Kenner der Verhältnisse eben eine Artikelserie, worin die Ursache des Niederganges der liberalen Partei erzählt wird. Das Cäpitel, welches dem Antisemitismus gewidmet ist, ist auch für unsere Leser interessant, weil darin nachgewiesen wird, was wir schon oft in unserem Blatte betonten : dass auch die liberale Partei antisemitisch war. Wir drucken deshalb das Capitel hier ab: „Der Antisemitismus spielte in der liberalen Partei Böhmens eine leitende Nolle. Sowohl Schmeykal, als die nachmaligen führenden Persönlichkeiten räumten ihm, sozusagen instinctiv, aus rasseneigenthümlicher Abneigung gegen jüdisches Wesen, die oberste Leitung gewisser Aktionen und Beschlüsse ein. Schon als Alfred Klar, der Verfasser aller bedeutsamen Partei-Enunciationei-, die „rechte Hand" der parteiführerlichen Weisheit und Strategie, der ja zudem dem „Geburtsfehler", so weit es in seiner Macht lag, Abhilfe geschaffen hatte, als Alfred Klar das Mandat des damals durch und durch liberalen Schö ulin der Wahlbezirkes haben wollte, verweigerte Schmeykal die Ausstellung der Candidatur mit dem Hinweis auf die „Agitationen", die solch eine Candidatur zur Folge haben könnte. Man muss den Geist jener Zeit im Gedächtnis haben, wissen, dass solch eine Candidatur zur Zeit des Taaffe'schen Regime-Beginnes absolut un- Man wende nicht ein, dass man in Prag die Gefahr des antisemitischen Gedankens nicht erkannt hätte. Schon gelegentlich der Sprengung des „Deutschen Clubs" durch Steinwender und Knotz wurden die Herren darüber aufgeklärt, und zwar von Dr. Pickert, der als kluger Mensch die ganze Komödie durchschaut hatte. In einem Briefe vom Februar 1887, der Schmeykal zur Kenntnis gebracht wurde, schreibt dieser Folgendes: „Wir bangten stets vor dem Gedanken, dass derAntis e m i t i s m u s unseren Club einst sprengen könnte. Leider i st es so gekommen. Ich weiß sehr wohl, dass nicht alle Ausgetretenen Antisemiten sind, sondern dass einzelne nur durch lands mannschaftliche gesellige Bestechung nntgeriffen wurden; allein das Dynamit war doch der Antisemitismus. Wir hatten schon vom Anfänge an mit der Hinneigung einzelner Clubmitglieder zu Schönerer zu kämpfen und seitdem letzterer seinem wüthenden Hasse gegen unseren Club und gegen den „Deutschen Schulverein" die Zügel schießen ließ, sollten wir uns dazu bekennen, die Schünererianer von den übrigen Antisemiten zu unterscheiden und letztere, die angeblich vielfach auch dentschnational seien und dereinst eine uns nahestehende Partei — ohne Schönerer — bilden werden, zu berücksichtigen. Insbesondere aber wurde immer und immer wieder der Versuch gemacht, den „D. Cl." zu einer Stellungnahme für den Antisemitismus zu bewegen. Die Mehrheit des Clubs hielt aber stets an der Ansicht fest, dass wir als Club weder für noch gegen den Antisemitismus Stellung nehmen können, weil derselbe als politisches Princip, als Programmpunkt einer politischen oder nationalen Partei unbrauchbar ist, dass dagegen dein Club sowohl Antisemiten als Gegner des Antisemitismus angehören können, dass jedes Clubinitglied in seinem privaten, geselligen und geschäftlichen Verkehr sich zu den Juden und zur Judensrage nach seinem Belieben verhalten kann. Da wir an diesem Grundsätze noch immer festhalten, so ist es auch u n w a h r, dass wir d ie Bekämp fun g d es An tisemitismus zu einem P r o g r a m m p u n k t e gemacht haben. Die Wahrheit ist, dass wir uns als Club um den Antisemitismus nicht kümmern, weil wir mit ihm als politisches Princip nichts anzufangen wissen." Diesen Standpunkt kannte Schemykal, aber er folgte nach wie vor seiner Politik, mit allen gut zu bleiben, und setzt sich selbst so die Laus in den Pelz, die nachmals