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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freiing vielen von ihnen, wie bei Bernstein, das Bedürfnis heraus-- stellt, sicb an Dühring anzulehnen." „Aber nennen F ö it n c rt nnd dürfen sie ihn nicht, da das nämlich mindestens eine Preisgabe der Engels'schen Schrift, ja eine fönnliä)e nicht nur wissenschaftliche, sondern auch moralische Preisgabe des M a r x i s m u s s e i n w ü r d e. Es sind das politische Erwägungen. Eine große Partei kann doch nicht gut mit einemmale erklären, dass ihre Gründer in vielen Beziehungen nicht nur sachlich, sondern auch moralisch unrecht gehabt, ja eigentlich schlecht gehandelt haben, dass sie nun auch einsehcn und dass sie zugesteheir müssen, dass ihreGründer gleichsam einen literarischen Todtschlag auf dem Gewissen haben. Die Uncitierbarkeit Dührings ist durch der: a n t ih e b r ä G ch e n R a s s e n ch a u v i n i s in us mrd die thörichte Furcht gewisser Kreise vor jener Verirrung verstärkt worden." — Alls diesen Auslassungen Friedländers darf mau jedoch keineswegs schließen, dass B. Friedländer ein bedingungsloser Dühringianer, oder gar ein Anhänger des Rassenautisernitislnus sei. Weit entfernt! Er ist vielmehr ein A n h ä n g e r H c u r y (George s, verhält sich in verschiedenen Punkten ablehnend gegenüber dem socialitären System Dührings lind speciell gegen den Antisemitismus. Er schreibt: Der Vorwurf „sectenmäszige Dühringianer" und als solche iricht unparteiisch zu sein, wird uns doch wohl nicht gemacht lverdeu können, im Gegentheil, Nur Verhalten uns zll Dühring äußerst kritisch, viel kritischer als — Hertzka und als Bernsteiir und in entscheidenden Punkten geradezu ablehnend. Es wäre nun ungerechtfertigt, u n s geradezu als Gegner und jene beiden Autoren als heimliche Anhänger Dührings, Hertzka als Anhänger der Schriften zweiter itrtb Bernstein als Anhänger der ersten oder dritten Periode und des allgemeinen Gedankeninhaltes, wenn auch cuin grano falls (besonders soweit die Dühring'sche Kritik des Marxismus in Betracht kommt) zil bezeichnen. Der wesentlichste Unterschied ist der, dass ich mit rückhaltsloser. Offenheit rede, auf die Gefahr hin, selbst der bewussten Sperre anheimzufallen und lnir in manchen Richtungen erheblich „zu schaden". „Wenn nicht alles täuscht, so ist die Socialdemokratie sogar auf den: besten Wege, nach Aufgabe des Marxismus sich den specisisch Dühring'schen Fehlern, natürlich mit Ausnahme seiner Judenfeilidschaft, hinzugeben, wenn schon mit sorgfältiger Verschweigung des Namens. Dühring hat auch nach unserer Ansicht, ganz abgesehen von seinem, besonders g e g e n die Juden gerichteten N a s s e n ch a u v i n i s m u s große und leicht nachweisliche Schwächen; aber die M a r x i st e n, denen gegenüber Dühring fast immer im Rechte war und ist, können sie schon aus dem Grunde nicht n a ch w e is e n, da für sie ja infolge der Unzurechnungsfähigkeits-Erklärung durch den großen Engels, Dühring überhaupt wissenschaftlich tobt ist!" „Kein anderer Umstand hat einen so f a n a t i s ch e n H a s s g e g e n d i e I u d e n erzeugt und zwar gewissermaßen nicht ganz mit Unrecht, als die Fälschung der öffentlichen Meinung vermittels einer f e i l e n P r e s s e u n d e i n e r corrupten Kritik und ganz besonders die Dühringsche Angelegenheit." "Diese Ueberlegilng möchte ich übrigens auch den Marxisten und den h e i in l i ch e n Dühring-Nachahmcrn (Bernstein usw.), d. h. den großentheils jüdischeil Führern der deutschen Socialdeinokratie sehr ernstlich ans Herz' legen.^Sie dienen durch ihr würdeloses, ungerechtes und komisch-ängstliches Gebaren in der Dühring-Angelegenheit w e d e r sich selbst, n o ch a u ch i h r e m j ü d i s ch en V o l k e, noch etwa gar den Emancipationsbestrebnngen der Arbeiter." lieber den Antisemitisnms im allgemeinen und speciell über den Dühring'schen Antisemitismus sagt Friedländer: „Man kann den Antisemitismus kein Programm nennen, da selbst ein totales Verschwindeil des Judeneinflusses, ja der Juden selbst, als wesentliche Missstände vollkommen unverändert lassen wi'rrde. Der Antisemitismus ist vielmehr so recht ein Antiprogramm, nämlich ein Hindernis für das Zustandekonnnen, oder die Wirksamkeit eines sonst etwa vorhandenen ökonomisch-politischen Programmes." „Es kann wohl kaum geleugnet werden, dass es die Juden in Westeuropa zu einer durchschnittlich etwas besseren Stellung gebracht Haben, als ihrer Zahl entspricht — obwohl die Sache natürlich nicht so arg ist, wie sie von den Parteien dargestellt wird lind obwohl die Inden noch inmler in zahlreicheil Beziehungen im Widerspruche nicht nur mit der V e r f a s s u n g, s o n d e r n a u ch d e r Ge r e ch t i gk e i t i m Verwaltungswege zurückgesetzt w e r d e n, gar nicht zu reden von rein socialen Beeinträchtigungen. Wenn es gar keine Juden gäbe, so würden die Allsbeiltungspositionen im Wesentlichen auch bestehen und nur von anderen Personen eingenomnien werden. Dass die Judeil, wo sie nicht künstlich und ungerecht unterdrückt werden, fast übel-all einigermaßen zu den ökonomisch mrd auch geistig herrschenden Classen werden, das spricht ebenso für, tvie gegen sie. Ein Blick auf Amerika genügt ferner, um die verhältnismäßige Gleichgiltigkeit des Nassenuntcrschiedes zu beweisen; denn unter dm dortigm Millionären und Milliardären befinden sich unseres Wissens, wenn überhaupt, so doch nur wellige Juden."-- Droh dieser Abweisung des Antisenlitismus verurtheilt Beiledikt Friedländer das Vorgehen der Marxisten gegen Dühring wie folgt: „Was aber noch die geheime Ausnützung Dührings seitens einiger socialdemokratischer Schriftsteller anbelangt, so mag immerhin zugegeben werden, dass die enorme Verbreitung plagiatorischer Gewohnheiten für den einzelnen, der sich eines solcherl Verhaltms schuldig macht, ich will keineswegs sagen eine Entschuldigung, Wohl aber in gewissenl Sinne einm nüldernden Umstand, dargestellt . . . Gegenwätig kommt, was die JMkehe* VeBuhlatt 13. September 1901 Nr. 37 Ausnützung Dühring' scherGedankcn betrifft, bei den Social-- demokraten bekanntlich in erster Lillie E. B e r n st e i n in Betracht. Ich verkemre null nicht, dass diesem Herrn Bernstein ganz besonders mildernde Umstände zukonnilen, wenn er Erfolge haben sollte, so konilte er seine Sache nicht anders als eigenes Eigenthum oder doch iileinetwegeil als das irgendwelcher anderer Personen, jedoch offenbar mit alleiniger Äusnahme des wahren Eigenthümers d. h. also Eugen Dührings auf ben Markt bringen. Nun aber hat er danlit einen so erheblichen E r f o l g g e h a b t, dass die nl a r x i st i s ch e r s e i t s sonst beliebte und ü bl i ch e A b s ä g u n g n i ch t in ehr nl ö g l i ch ist, ohne die P a r t e i s e l b st z u s p a l t e n. Hieraus folgt aber unnlittelbar, dass die mildernden Umstände Herrn Bernstein nur eillstweilen zukmllmeu oder zukamen, später aber nicht inchr..." „Wer sich dafür interessiert, wie sichDühriug selbst zll ben neuesten heimlichen Anzehrungen des Herrn E. Bernstein stellt, der mag die in Nr. 3 und 14 seiner Zeitschrift: „Persolwlist und Emcillcipator" Nachlesen. (Nowa- Wcs-Ncuendorf bei Berlin). Jnsbesonders mögen sich die Führer der Socialdemokratie für jene Artikel wie für das gailze Blatt iiltcressieren, sie werden dann vielleicht auch begreifen, wie durch jenes mrehrliche literarische Gebaren ein f a il a t i s ch e r I u d e n h a s s g e r a d e z u k ü n stlichgez ü chtet >vird." Mit Dühring stinunt Benedikt Friedländer vorwiegmd in der Kritik des Mar-xisnlus und Allarchisnlus überein, welch letztere er als Brüder, wenn auch als feindliche, bezeichnet. „Es wird die Zeit konunen und es ist zu wünscheir, dass sie recht bald koinme, wo inan über sie so denkeil wird, wie die Socialdemokratie nnb speciell schon Marx über dm ihm vorausgegangcilcn utopistischeir Socialismus. Es siild nämlich bei näherer BesichtiglNlg Marxisnius itub Allarchismus der Theorie nach nichts lveiter als Utopien, die zwar nicht ohne Gedailkcn von bleibendem Werte, aber doch mit allzu viel Jrrthum versetzt sind. In ökonomischer Hinsicht ist dasjenige, was sich als Anarchismus bezeichnet, durchaus von Marx abhängig und ignoriert, um mit Dühring zu sprechen, die moderne Wissenschaft genau so, wie die autoritären Marxisten. Diese haben sich in die Lehren und Jrrthümer eines Mannes, die im wesentlichen spätestens in den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts feststanden gleichsam festgebissen und ivollen sich und anderen lloch jetzt einreden, dass über jene Lehren hinaus ein grundlegender Fortschritt der Theorie und der praktischen Vertretung des Arbeiterinteresses nicht gemacht worden, ja wohl gar nicht möglich sei. Was an der Socialdemokratie zu loben ist, das ist im wesentlichsten nur die allgemeinste, nämlich arbeiterfreundliche Tendenz, und die Kritik der bestehenden ökonomischen Verfassung. Was jedoch den feindlichen und ungeberdigen Bruder des Marxismus, den A n a r ch i s m u s betrifft, so hat er das unleugbare Verdienst, einer treffenden Kritik der specifischen Schwächen eben jenes Marxismus mit seinen: Ideal der A l l e s v e r st a a t l i ch u n g, dem er aber seinerseits das noch unmöglichere Traumbild einer sogenannten A bschafsung des Staates und eines völlig confusen Communismus entgegensetzt. Von einem w e i t e r v o r g e s ch r i t t e n en Standpunkte aus, muss man schon heute beide Richtungen so beurtheilen, Unc der von sichselbst so titulierte wissmschaftliche Socialismus auf den utopischen Socialisinus zurück — und herabblickt. (Schluss folgt.) Chronik des Judenthums. K«iand. Wien. (Jüdischer V o l k s t> c c c i n.) In dem Festsaale des Jüdischen VolkSvcreiues wird während der hohen Feiertage ein Jugendgottcsdicnst abgchaltcu. Wien. (K a i s e r i:: E l i s a b e t h u n d d a 8 K o l-N i d r e.) Wenn die wehmüthigen ergreifenden Klänge des uralten Klagegesanges, des Kol-Nidre, die Räume der Synagoge durchfluten und alle Zuhörer mächtig ergreifen, wie immer, wenn dieses Juwel uralter, sich in den grauen Nebel der Urzeit verlierender Kunst zum Vorschein kommt, erinnere ich mich auch daran, dass dasselbe eine hohe Bewunderin hatte. Es ist nämlich eine bekannte Thatsache, dass dieser Gesang voll mystischer Kraft und Weihe, aus welchem eine tiefe Himmelssehnsucht spricht und den ein englischer Dichter mit den Worten bezeichncte: „Ein brechend Herz, das fleht in Melodien — ein Glaube, der den Sieg errang." nicht nur auf die Bekenner der mosaischen Religion, sondern auch auf Kunstfreunde, die anderen Confcssionen angchören» einen tiefen Eindruck macht, so dass am Vorabende des Versohnungstagcs, an welchem allein dieser Klagegesang angestimt wird, der Tempel stets auch von zahlreichen Nichtjuden besucht wird. Eine Bewunderiu dieses uralten, herrlichen Sanges war auch die verewigte Kaiserin von Oesterreich, die in Wien am Vorabende des Versöhnungstages öfter die Synagoge zu besuchen und das Kol-Nidre anzuhörcn Pflegte. Dieses melodische Klagelied bewegte die Kaiserin imb errgte ihr Wohlgefallen in solchem Maße, dass sie sich dasselbe auch außerhalb der Synagoge öfters vom verewigten Wiener Obercantor Sulzer Vorsingen ließ. In jener Zeit wurde das Kol-Nidre in daL Programm der vornehmsten Concerte in Wien und dann auch in das anderer Städte ausgenommen. Wie sich die erhabene Frau für die althebräischc Poesie interessierte, erhellt auch daraus, dass sie einmal den Oberrabbiner von Budapest zu sich befahl und ihn bannt beauftragte, ihr die Klagelieder Halevys zu verschaffen, welche dieser über die Zerstörung Jerusalems geschrieben hat, und die Heinrich Heine bekanntlich als das Vollkommenste in der Poesie bezeichnet hatte. Der Oberrabbiner von Budapest war zu jener Zeit Dr. Meisel, welchem es trotz seiner literarischen Verbindungen schwer wurde, eine gute Uebersetzung von Halevys unsterblichen Poesien zu verschaffen. Endlich gelang es demselben, eine solche aus dem vergangenen Jahrhundert zu bekommen, die jedoch in Sprache nnd Nusdrucksweise so veraltet war, dass er sie umarbeiten und neu drucken lassen musste. Die Kaiserin freute sich über das Buch ganz außerordentlich nnb gab ihrer Befriedigung darüber in ihrer huldvollen Weise schmeichelhafen Ausdruck. Wien. (Amtsantritt eines Rabbiners.) Der Bethaus-Verein „Montefiore" feierte am 0. d. M. den Amtsantritt seines ersten Rabbiners Dr. Moriz R o s e n f e l d. Die festlich beleuchteten Veträume waren von zahlreichen Andächtigen besucht. Nach einer herzlich tvarmen Begrüßung durch das Vorstandsmitglied Herrn Jacob Winter betrat Dr. Rosenfeld die Kanzel, um in einer geistvollen wohldurchdachten Rede seinen Pflichtenkreis vor seiner Gemeinde zu umschreiben, seine programmatischen Aufgaben zu erläutern. In beredten Worten schilderte er seinen Entwicklungsgang, gedachte er seiner Vorbilder und bezeichnete cs als seine oberste und wichtigste Pflicht, die jüdische Bildung unserer I n g e u d, insbesondere der Jünglinge, zu heben, 31t fördern und zu stärken. Dr. Rosenfeld keunzeichnete den Wert und die hohe Bedeutung der jüdischen Predigt als Band zlvischen Familie und Bethaus und betonte, dass immer und jederzeit N e l i g i 0 s i - t ä t und Nationalismus im Judenthume einander ergänzen, aus welcher Erkenntnis allein nur die wahrhaft jüdische Welt- und Lcbeusanschauung hervortvachscn kann. — Unter den Anwesenden bemerkten wir Cultusrath Dr. Marcus Spitzer, Rabbiner Kramer, Obercantor Schorr, Vertreter der Schiffschulgemeinde, des „Jüdischen Volksvereines" und des Bethaus-Vereines „Marpe Lanefesch". Wien. (Verein zur Wahrung der Interessen des 0 r t h 0 d 0 x e n Indent h ums in Wien nnd Nied e r ö st e r r c i ch.) Wir beehren uns, unseren geehrten Gesinnungsgenossen anzuzeigen, dass die Statuteil unseres Vereines von der hohen k. k. Statthalterei genehmigt wurden, und dass tvir demnächst die (Konstituierung des Vereines vornehmen Iverdcn. Wir ersuchen, den Beitritt ehestens anzumclde», damit Ivir sofort nach den hoher: Feiertagen unsere Thätigkeit beginnen können. Für die Proponenten: Bernhard Hofbauer, Moriz Felseuburg, Wolf Pappeuheim. Wien. (Verciu Adass Jisroel.) Das Wiutersemester an unserer israelitischen Rcligionsschule für Kuaberr und DNidchen begimrt Sorrntag den 13. Octobcr l. I. Die Schule, unter Leitung Sr. Ehrlv. des Herrn Rabbirrers S. Fürst, besteht ans drei Abtheilungen für Kinder von 8 bis 14 Jahren. Der Unterricht wird au Soinrtagcn und schulfreier: Nachnüttngen ertheilt. Die Eir:schreibuugeu firrder: täglich von 6—7 Uhr abends ii: der Bethaus-Kauzlei, 2. Bez., Große Schiffgasse 8, statt. Schüleraufuahme nur, so lauge Raum verfügbar ist. Der Vorstaild. Wien. (A u s z e i ch n u n q d u r ch d e n S u l t a n.) Der Sultan hat dem Vorsteher der türkisch-israelitlschen Gemeinde in Wien, Licco L. Adutt, in Anerkeituung seiner Verdienste den Großcordon des Medschidie-Ordens verliehen. Wien. (Jubiläum.) Am Samstag den 6. October d. I. (Schemini-azereth) wird im Gemeir:de-Tempel, 15. Bezirk, Turnergasse 22, das sünfundzwai:zigjährige Jubiläum der verdier:stlichen Thätigkeit des Herrn Cultusvorstehers Gottlieb T a u ß i g und des Herrn Obmannes, des Tempelvorstehers Samuel Steiner, in besonders feierlicher Weise begangen werden. Wien. (Theologische Lehranstalt.) In der israel.- thcologischen Lehranstalt begirnü das Schuljahr am 13. October. Näheres finden unsere Leser in: Anzeigeiüheil dieser Nummer. Wien. (F a m i l i e n f e st.) Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich die Beschneiduug des erstgeborenen Sohnes des Herr:: Oberrabbiners Dr. Kaminka, Secretär der Israelitischen Allimiz. Es fanden sich zum Feste ein die Herren Rabbiner Fürst von der Schiffschul, Dr. Tag licht, Rabbiner Dr. Löwy, Rabbiner S 0 r und in Vertretung des Vorstandes der Allianz Herr Wilh. Pappenheim, ferner Herr Dr. Phil. Meitner, Vorstandsmitglied der Oesterreichisch-israelitischen Union. Zahlreiche Glückwünsche liefen ein, darunter von Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann, der am Erscheinen verhindert war, vom Präsidenten der isralitischen Cultnsgcmeinde Herrn'kaiserlichen Rath Klinger, vo:: Herrn David Ritter von Gntmann und Herrn Theodor Ritter voi: Goldschmidt, sowie von Rabbiner Dr. Maybaum in Berlin u. a. hervorragenden Persönlichkeiten. Dr. Herzfeld waltete seines Amtes mit gewohnter Meisterschaft, daS Kind erhielt den Namen Felix David (hebräisch und zahlreiche Toaste wurden^ von den anlveseuden Rabbinern, sowie von Herrn Pappenhenn im Namen der Allianz auf das Wohl des jungen Weltbürgers und Glaubensbruders sowie auf die Eltern desselben ausgebracht. Wien. (S y u a g 0 g e n - C h 0 r - V e r b a u d „Sulzerb u n d".) Unter Betheiligung von fast allen Tempelsängeru Wiens fand Dienstag abends im Saale des Jüdischen Volksvereins eine Vorbesprechung behufs Kenntnisnahme des von einem zehugliedrigen Comitee mit aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ausgearbeiteten Statnten-Eutwurfes statt. Der in Gründung begriffene Verband beziueckt nach 8 2 dieser Satzungen: Die Hebung und Förderung der Staudes-Jnteressen der Tempelsänger, die Unterstützung verarmter und eriverbsuufähig gewordener Mitglieder, die Hebung des allgemeinen und fachlichen Bildungs-Niveaus und die künstlerische Pflege des Syuagogeu-Gesanges. Es soll cnis den Beiträgen von unterstützenden N^itgliedcrn nnd Gründern, sowie aus den Erträgnissen der künstlerischen Veranstaltungen des „Sulzcrbund" ein Fonds geschaffen werden, aus welchem zeitivcilig in ihrem Berufe gestörten Mitgliedern eine eii:malige, im Falle der gänzlichen Berufsunfähigkeil aber eine dauernde Unterstützung gewährt werde:: soll. Für die geistigen Interessen der Tempelsänger sollen unentgeltliche Vorträge, eine anzulegende Bibliothek nnd ein zu gründendes Organ sorgen. Nach kurzer Debatte, an ivelcher sich die Herren Dr. Lemport, Thieinann und Redlich betheiligteu, wurden die Statuten mit geringfügigen Aenderungen einstimmig angenommen und dem aus den Herreu Löwit, Lemberger, Zellnik, Heyiuanu, Goldenberg, Porth, Stricks, Schivager, Meuthe, Lubetzky und Edelmauu bestehendcu vorbereitenden Comitee auf Antrag des Herrn Kreisler der Dank der Versamiulung für ihre bisherigen mit dem besten Erfolge gekrönten Bemühungen votiert. Baden. (Ein israelitisches Bethans in der Heilanstalt All and.) Vor einiger Zeit ergieng von der Dircction der Heilanstalt dllland ai: den Vorstand der israelitischen Cultusgemeiude Wien das Ersuchen, dieselbe möge das schon im Banplaue vorgesehene Local für ein israelitisches Betha:>S nach israelitischen: Ritus einrichteu. Nachdem diese Anstalt im Sprengel der israelitischen Culüisgeineinde Baden liegt, so hatte in Vertretung des Wiener Eultusvorstandes Herr Dr. Alfred Berger bei dem Vice-Präses der Cultusgemeiude Baden, Herrn: Aut. Schneider, die Anregung behufs Einrichtung und Verivaltung dieses Bethanses gegeben. Infolge dessen richtete das Präsidium der israelitischen Cultusgemeiude Baden im Vereine mit Herrn Dr. Berger dieses Bethaus sofort ein nnd stattete cs niit allen nöthigcn tltensilieu ans. Es haben sich dabei als Vertreter der Wiener Cnltnsgeineinde Herr Dr. Alfred Berger und als Vertreter der Badener CultuSgemeinde der Präses Herr Moriz Leitner und der Vice-Präses Herr?luton Schneider besonders verdieiü gemacht. Bei der am si. d. M. stattgehabteu Einlveihung waren anwesend: Der Director der Anstalt Regierungsrnth Dr. v. Weißinaher, soivie der Verwalter Krcek und die be:den Hausärzte; in Vertretung der Wiener Cultusgemeiude Ober-Rabbiner Dr. Güdemann und Vorsteher- Herr Dr. Alfred Berger; für die Badener israelitische Cultusgemeinde der Präses Herr Moriz Leitner. der Vice-Präses Herr Anton Schneider, die Beiräthe Herr S. Klauber und Herr Dr. Raab, ferner die Vorstandsmitglieder Dr. Joseph Schivarz, M. Daniel und H. Flaschner, ferner eine große Anzahl von Gäste::. Rabbiner Wilhelm Reich aus Baden hielt die Weihepredigt. Mit einem Gebet für den Kaiser und das Kalserhans schloss diese Feier. In der Anstalt sind derzeit 164 Kranke nnteraebracht und 800 miß Oesterreich- Ungarn zur Aufnahme vorgemerkt. Präs. (Zu den La n d ta gs tvahl e n.) Die czechischradicale Partei hielt unter dem Vorsitze Dr. Baxas, des Helden von

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