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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Soire 0 Wien. Freitag Jüdisches Voiksblatt 6. September 1901 Nr. 36 jetzt methodisch nach den vorher festgcstcllten Auftheilungsplänen , Dr. L. Vesser. — Die Geburt des Jesus von Nazareth. Von Dr. L. der allmählich neu erworbenen Ländereien vorgenommcn wird, die Verwaltung zu einer unbeschränkten Placierung einer überstürzten Einlvandernng deshalb auch gar nicht in der Lage ist, so empfiehlt es sich dringend, dass mir solche jüdische Familien sich zur Auswanderung nach Argentinien entschließen, die sich vorher betreffs ihrer Annahme mit der Pariser Central-Verwaltung der Jewish Association verständigt haben. Die im Juli vorigen Jahres angekommencu Colonisten haben bereits ihr Land fertig bestellt, und im nächsten Südsommer wird dieser bisher wilde Boden sich zum erstenmal mit junger Saat begrünen. Infolge des trefflichen Erfolgs der gemischten Vieh- und Ackerbauwirtichaft hält die Verwaltung die neuen Ansiedler dazu; an, schon vom ersten Jahre an einen Theil ihres Landes der Luzerne zu widmen, sich so gegen alles Risiko der eigentlichen Getreide-Ernte so gut als möglich sicher zu stellen. Denn der tiefgründige Boden des nördlichen isanta Fe, wie auch derjenige der Provinz Cordoba ist für die Lnzerne besonders geeignet, welche ihre Wurzeln bis zu 10 Metern und darüber in den Boden treibt und dem Grundwasser die nöthigc Feuchtigkeit entnimmt, welche in der hier bereits verhältnismäßig Continental trockenen Zone dem Korn oft gerade in der zu seiner Entivicklung wichtigsten Periode vom Himmel nur unzureichend gespendet wird. Seit Beginn der Colonisation ist deshalb auch der Grundwasserspiegel von Moisesville von früher drei auf 10 bis 15 Meter gesunken, was nebenbei die Gesundheitsverhältnisse der anfangs häufig vom Typhus hcimgesuchten Ansiedlung zu durchaus befriedigenden gestaltet hat. Nach Westen zu erstreckt sich der zu Ehren des Pariser Groß- Rabbincrs „Zadok Kahn" benannte neue Colonisationsbezirk, auf welchem sich erst vor drei Monaten einige 40 Familien aus Bialystok niedergelassen haben. Da nunmehr die Verwaltung bereits ihr praktisch ausgearbeitetes System'für die Neubesiedlung besitzt, so finden solche neue Colonisten auf ihrem rnit Draht umzäunten Land von gewöhnlich 200 Hektaren Fläche bereits das übliche zweizimmerige Colonistenhaus aus Backstein, sowie alle erforderlichen Ackergeräthschaften, Zugthiere u. s. f. zum Gebrauche bereits vor. Die Bezirke Wawelsberg und Zadok Kahn sind nach dem oben erwähnten sogenannten Liniensysteme ausgesteckt, wobei je vier Familien an den zusammenstotzenden Ecken ihrer Concessionen, durch den Weg getrennt, ihre Wohnhäuser haben. Jede Häusergruppe bleibt hiebei von der anderen um ca. 1 Kilometer getrennt und man könnte die ganze Anlage mit einer Postenkette vergleichen. Noch haben die Bialystoker in dem Augenblicke unseres Besuches ihre Arbeit nicht beginnen können, denn der Herbst war sehr trocken und man wartete auf einen stärkeren Regen, der das noch jungfräuliche Land etwas aufweichen würde. Denn das erstmalige Ackern wilden Bodens, auch wenn er, wie hier, nicht erst gerodet zu werden braucht, ist eine harte Arbeit, zu welcher ein Vorspann von 4 bis 6 Ochsen nöthig ist, und auch so kann es nur bei feuchtem Boden geschehen, da sonst die Pflugschar an dem harten, ausgetrockneten Grund zerbrechen könnte. Die neuen Colonisten beschäftigen sich mittlerweile mit Fuhren von Holz, das sie weiter im Norden, wo in der Richtung nach der inzwischen von der Association gleichfalls erworbenen Estancia Monigotes bereits die Chaco-Vegetation beginnt, schlagen und als Brenn- oder Pfostenholz nach der Colonie zum Verkauf bringen. Wir treten in eines der vier ersten Häuser ein, in welchem zwei Familien, der bereits bejahrte Vater, ein verheirateter Sohn und zwei ledige erwachsene Söhne wohnen. Ein großer, aus dunklem Holze schön geschnitzter Schrank mit silbernem Beschlag, offenbar ein Erbstück, saubere Vorhänge, ein Kanapee u. s. f. lassen sofort erkennen, dass wir es hier mit dem Hausrath einer guten bürgerlichen Existenz zu thun haben. In der That sind die Mitglieder dieser Familie, wie die meisten Bialystoker, in Russland Kleinl industrielle und Kaufleute, speciell der Textilbranche, gewesen; in- I folge schlechter Zeiten haben sie sich zur Auswanderung entschlossen j und durch die Nachrichten über das gute Fortkommen der Ansiedler j von Moisesville ermuthigt, haben sie, nach Vorgänger Verhandlung mit der Pariser Direction, es unternommen, hier zum Bauern «umzusatteln". Es ist eine bemerkenswerte Thatsache, die ich auf allen diesen Kolonien der Association in der verschiedensten Form bestätigt ge- , funden habe, dass nämlich diesen russischen Juden ein wahrer Drang ' Aufnahmen Gregorovius. — Religion und Volksschule. Von Freih. v. Zucco Cuccagna. — Wilhelm Raabe. Von Alfred Semecau. — Splitter aus dem Koran. — Vüchertisch. Briefkasten. Nacher. Konnte wegen Platzmangel nicht erscheinen. M. H. K. Leider nicht geeignet, weil zu allgemein gehalten. Wir erwarten einen Artikel speciell über die Lage der Juden. R. H., Netschetin. Wir danken Ihnen für Ihre Arbeit im Dienste des Judenthums. Ihre Notiz werden wir bei Gelegenheit bringen. Mit jüdisch-nationalem Gruße Die Red. Grosser Saal 400 Personen fassend, im Centrum der Leopoldstadt gelegen, sehr elegant ausgestattet, ist noch für einen Tag der Woche zu vergeben. Anfragen: II., Leopoldsgasse Nr. 49. BrncMeidende begehen ein Verbrechen an ihrer Gesundheit, wenn sie sich nicht sofort mit meiner Erfindung bekannt machen! Erhielt goldene Medaille! Habe vor Herrn Professor Gussenbauer demonstriert. Prospect discret gratis! Karl Tiesel, Specialist, Wien, XV!., Lerchenfeldergürtel 19a. Schönstes Festgeschenk für . Israeliten! Durch jede Buchhandlung zu beziehen, eventuell auch direct vom Verleger: Aei-ütziyte israelitische 9» 9» 9» f» m & ßf m Mäyyer ui)d flauer» in der Culturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Ein Handbuch für Haus und Familie. Mit zahlreichen Porträts und sonstigen Illustration von Dr. Adolph Kohut. ... In diesem Werke wird aller Welt klar und deutlich nachgewiesen, dass, so wie der Jude sich nach seiner eigenthümlichen psychischen und physischen Anlage acclimatisirt, ebenso auch der jüdische Geist in der ganzen Welt und auf allen Gebieten geistiger und moralischer Thätigkeit Bedeutendes zu leisten instande ist . . . Meinen Glaubensgenossen, vor allen den jüdischen Familienvätern, möchte ich rathen, in dem Buche mit allen Mitgliedern der Familie jede Woche ein Gapitel zu studieren und den Inhalt sich einzuprägen etc. etc. Köln, am Rüsttage des Versöhnungstages 5661 (1900). Dr. Frank, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde. 2 Bände, prachtvoll mit Goldschnitt gebunden, 20 Mk. Verlag von A. H. Payne in Leipzig-Reudnitz. CODIS fBDHWIRTH zum Leben auf eigener Scholle innewohnt, ein Wunsch, der hier umso stürmischer, und fügen wir gleich hinzu, auch umso opfermuthij ger sich nach Erfüllung drängt, je unmöglicher es ihnen drüben ge-! macht worden war, demselben zu genügen. Zahlreich sind die Fälle,! wo Ansiedler, welche unter den Schwierigkeiten der ersten Jahre den! Muth verloren hatten und nach der Stadt gezogen waren, auf die! Colonie zurückkehrten; die Colonisten Gutmann und Horwitz, welche ' in Moisesville zusammen mit dem früher erwähnten Alcrinitzer den Gemeindevorstand bilden, waren, wie manche andere, überhaupt nicht direct infolge der Hirsch'schen Colonisation nach Arw "ika gekommen, sondern hatten erst nach Gründung der letzteren ihr städtisches Geschäft, in diesem Falle eine Tapisserie-Handlung in wuenos- Ayres, aufgegeben, um Landwirte zu werden, die fict; heute nach der Stadt überhaupt nicht mehr zurücksehnen. Bei dieser Liebe für das Landleben klang vielfach ein religiöser Grundton mit. Hier in Amerika, wo kein Machtspruch des Czaren sie von heute auf morgen wieder in die Städte rumsperren vertnag; wo niemand sich um ihren Glauben kümmerr uno sie dem Nachbar nur eben Russen sind, eine Nuance mehr n der bunten Musterkarte, der hier zusammenströmenden Nation.n,raren; hier in der endlosen j Pampa, welche sich unter einem selbst im Winter noch milden Him-! mel ausdehnr dem Mesopotamien grauer Vorzeit so ähnlich, dessen patriarchalißyes Hirtenlei en die älteste Volkssage in so plastischen Gestalten mir 'wigsriscben Farben uns überliefert hat, hier konnte der fromme J'.oe den Murh fassen, wieder zu dem von der Erzväter Vorbild verklä'"n Landleberr zurückzukehren, welches ihm in jahr- > tausendlanger Verbannung der religiöse Hass, die politische Ausschließung und die wirtschaftliche Eifersucht der fremden Völker versperrt hatte. Und als in den ersten Jahren des schweren Anfangs sich mehr als einmal die Muthlosigkeit auch der Tapfersten bemächi tigen wollte, da hat oft der Zuspruch des einen oder anderen dieser 1 strenggläubigen Leute gewirkt: „Wir wollen der Welt zeigen, dass wir Juden nicht bloße Handelsleute sein können; wir wollen wieder i zurückkehren zu unserer Erzväter Weise, und Hirten werden, wie sie es waren." Nicht alle freilich besaßen die moralische Energie, um bis zum endgültigen Erfolg auszuharren; cs musste sich die Spreu vom Weizen sondern; aber die Colonisten, welche geblieben sind und hellte sick) schoil die (Grundlage zu eiliem erfreulichen Wohlstand geschaffen haben, sind nicht nur die Väter einer neuell Generation geworden, welche schoil hon klein auf mit dem Landleben unzertrennlich verwachsen ist, sondern sie dienen auch den nachkommenden Ansiedlern als allsporilelides Beispiel, sich die Mühe des Veginlis nicht verdrießeil zu lassen. Photograph Wien, XVI., Peyerlgasse 5. von Architekturen, Oelgemälden, sowie von kunstgewerblichen Photographien. — Künstlerische Portraits in jedem Format und in jeder Ausführung. :■■■■ - Ansichts-Postkarten in Lichtdruck. ■ 1 ■■■■ Schönste Ausführung und billigste Preise. Erster Wiener Jüdischer Turnverein WIEN. Tumabeade finden statt: für Herren: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 71/*—9; für Damen: Mittwoch, Samstag von 6‘/2—8'/,. „Zur Franz Josephs-Bahn“ IX., Althanplatz 4. Telephon Nr. 12245. — V°rnehmes, in modernstem. Stil eingerichtetes Caf6. — Vorzügliche Getränke. — Reichste Auswahl der gelegensten :--in- und ausländischen Journale, r.:- A. Zell’s Cafe Aufmerksamste Bedienung. — Massige Preise. Bücher-Einlaus. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 48. Heft des 10. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Der Opportunismus in der Praxis. Von Parvus. 3. Die Taktik Bollmar. 4. Der Auer'sche Prakticisnnis. — Was ist der ökonomische Materialismus? Von Dr. Casimir v. Kelles - Kranz. (Schluss.) — Elsass-Lothringen und das Reich. Von Georg Weil. '(Schluss.) — Notizen: Die socialistische Einigung in Frankreich. —■ Feuilleton: Wie die Heimat stirbt! Bilder aus dem Osten von Fritz Skowronek. (Fortsetzung.) „Das Freie Wort", herausgegeben von CarlSaenger, Frankfurt am Main. — Inhalt: Die Aussichten des deutschen ZolltarifeS. Von Dr. I. Jastrow. — Antipsychologisches. II. Von der Materie. Von Zu den hohen Feiertagen -1122 an njwi twn sind Sitze II., Große Schiffgasse 24 von Samstag den 8. d. M. und zwar den ganzen Tag, zu haben. , Demnächst rrfcheink: Dir Dirm Dischr Küche. Mn Kochbuch für das jüdische Haus von Ernestine Wilhelm. Enthaltend über 60« Necepte der beliebtesten Speisen unter strengster Beobachtung der jüdisch-rituellen Mche. Da ein Aochbuch dieser Art noch Nicht existiert, ist das Werk für jüdische grauen und Mädchen iidersus nützlich. Der j)reis des Buches wird sich auf circa 3 Kronen stellen. (Gebunden in Leinenband 6 Kronen.) Bestellungen auf das Buch werden jetzt schon entgegengenommen in der Administration des „Jüdischen Volksblatkes" und bei Frau Ernestine Wilhelm, Srlrriststellerin, Wien, viiim Lenaugaffe 6. Erklärung. Jene großen Unwahrheiten, die über mich anlässlich der Geschäfts Übernahme des Cafö Pirus bezüglich meiner politischen Gesinnung böswilligerweise in Umlauf gesetzt wurden, veranlassen mich, öffentlich zu erklären, dass ich mich sowohl von politischer Agitation als auch solchem Getriebe stets ferne gehallen habe und mein einziges Bestreben dahin gerichtet war, meine verehrten Stammgäste und Gäste, ob sie nun dieser oder jener Partei angehörten, zufriedenzustellen und durch unparteiische Gesinnung als Geschäftsmann ihre Geneigheit zu erwerben gesucht habe. Ich werde meiner unparteiischen Gesinnung als Wirt und Cafötier nach wie vor unentwegt treu bleiben, und glaube ich auch jenen paar Widersachern, die aus egoistischen, unedlen Motiven mich in meinem ehrlichen Geschäftsbetrieb schädigen wollten, die schändlichste aller Waffen, die Verleumdung, nun entzogen zu haben. August Brückner» Tiroler Weinstube — Caf6 Pirus. Wien, am 4. September 1901. Kaufet Schulbücher für Volks- und Bürgerschulen, Gymnasien, Real- und Handelsschulen, sowie für Privatunterricht nnr bei HöHk, Buchhandlung und Antiquariat Wien I., Rothenthurmstrasse 22. Gebrauchte, noch verwendbare Schulbücher werden zu bostmöglichen Preisen in Umtausch genommen. Aufträge aus der Provinz werden aufs sorgültigste und geführt, Anfragen sofort beantwortet. MM in bekannt bester Art. Billigste Preise. ga‘T%&gp Auch auf Raten. Zahn-Atelier J. LÖBL, IX. Alserstr. 44 (Eingang Hebragasae 2). — Sprechstunden bis 6 Uhr abends. Kais und königl. ansschl. prtd. 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