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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. September 1901 Seite 5 .Lemberg. (Z u den Land ta0swahlen.) Wie der sich als Angehöriger einerNation offen bekennt, der eilt Ehr- „Dzienink Polski mittheilt, wird unter die ruthemschen Land- ' 4.;r-r o„jr,„ r^.c orV.fi rj_r <cl j gemeindcnlvähler ein dom Bauern-Wahlcomitee Unterzeichneter 6h mp ON i-GtOe hat, bei flltf feilte Abstammung stolz ist tlltb Wahlaufruf verthcilt, welcher die bäuerlichen Wähler auffordert, sie Nicht Nerleugnen iinll, der bom andern Achtung Verlangt darznthnn, dass ftc jetzt ernstlich für die Interessen des Banernstan- und Mich dafür geachtet wird. WeiUt die Polen oder die Ruto» ÄÄ tSSlgp cnifcSn!"S K«.m-tw-S Uomnftatten fd sind chre Sälmit Juden stets kaufen für ein Linsengericht sich, ihre Kinder und die ganze Ge- Ubeisilllt, obivohl sie eutsehen, dass sie Von den Polen Mid meinde. Das Hörigkeitsderhältnis besteht nicht mehr, so heißt es Nuthenen mit Verachtung angeseheit werden, dennoch fehlt in diesem Aufruf, und doch gcrathen Ivir Bancrii durch unser eigees ihneit an Ehrgefühl und sie kommen. Wemt die Judeit ues Zuthun unter das Joch der Herrenleute. Die Gutsbesitzer kau- - ' - fc» für ein Spottgcld unsere Stimmen auf, um dann uns und unsere Gemeinde zugrunde zu richten. Man schindet uns Bauern, und ivir küssen noch die Hand, die ivir so schwer zu fühlen bekommen. Im Landtage beschließen die von uns gewählten Großgrundbesitzer Gesetze, welche darauf abzielcu, alle Lasten auf die Bauern zu ivälzen. Ihr Bestreben geht dahin, den Bauernstand vollständig in Ketten zu legen, und ivir geben ihnen bei den Wahlen noch unsere aber eine Unterhaltung veranstalten, werden zuerst Placate in polnischer Sprache assichiert, mm aber war der Fall, dass ein C h r i st einer j ü d i s ch e n V e r a n st a l t u n g beigelvohnt hatte; dies allein ist schon eilt genügender Beweis, wie gerne die Christen den Judeit haben. Wenn z. B. Inden in einem christlichen Frühstückslocal oder Stimmen Schande und Spott! Wehe uns, Brüder! Blicket nur Kaffeehaus verkehreit, so meiden es die Christeit wie einen ÄfÄuic ÄhBÄ WÄ Tubcrculdsm. H*U -s v« rrfp oc^td wu-d-. Wenn Bauern Verstand haben. Eure Kinder und Enkel werden euch im die Hilden ent ^unkchen Ehrgefühl hatten, so wurden sie Grab fluchen, falls ihr die Sache der Bauern verrathen solltet. Die allein einsehen, dass es kein Glück ist, nur Ntit Christeit ZU VÜNLÄL«ÖKÄ vcrkchr-n. dass cs kein Gwck ist. die Kinder nur nicht füllen zu können, und um für die Grundstücke, die sie dem Lande silbisch zu erziehen, wenn >zhr Euch offen alv Angehörige verkaufen ivcrden, den doppelten Preis zu erhalten. Mit unserem der jüdischen Natioit bekennelt Iverdet, denn unserer Nation Blute haben wir die Herrenleute für die Robottaushebung bezahlt haben ivir uns nicht zu schämen. „Wir sind das unserwählte gemacht. Die Gutsbesitzer haben uns bei der Vertheilung der Walcfo-r*,, .^ ,~s ' ' o der und Weiden betrogen, für die Wirtshäuser haben sie ebenfalls , , vuch tnt]t.U.t xictttoit und ^diache haben Ivll NN» ~ irrm,r:i|r.5; s™ bedeutende Summen eingesteckt. Für das alles haben die Bauern Nicht zu schameit, wtr können auf Misere Abstammung und fSsäLnnhsÄ aufkommen müssen Von einer, gleichmäßigen Vertheilung der Sprache stolz sein. Wenn Ihr Eure Kinder und Euch selbst ZMteu De^lnteiDräfec^von^Küstendil hat bei dieser GelÄÄ im jüdisch-nationalen Sinne erziehend iverdet, lind wennJhr heit einen Beweis seiner Unfähigkeit und Ungeschicklichkeit gegeben; schen Juden und jüdischen Gassenbuben von antisemitischer Seite das Gerücht verbreitet worden ist, die Juden hätten einen Christenknaben in die Synagoge geschleppt, um ihn dort „zu rituellen Zwecken abzuschlachten". Die Lässigkeit der Behörden bei der Eruierung und Bestrafung der Uebelthäter veranlasste den Abgeordneten Rizoff zu einer Interpellation im Parlament, wobei er sagte: „Das arbeitsame Volk der Israeliten, ein Element des Gedeihens der von ihm bewohnten Länder, ivird überall wegen der Fehler einiger seiner Mitglieder verfolgt. Küstendil wollte anderen Städten nicht nachstehen. Es wollte und es bekam seine antisemitischen Unruhen. Der Unterpräfect, der die Israeliten hätte schützen müssen, hat sich von den Unruhen zurückgezogen. Er hat sogar versucht, sie — (Der Minister des Innern Sarafoff: Das ist nicht wahr!) Es ist wahr und ich werde Ihnen einen officiellen Brief vorlcseu, welcher es bestätigt. (Redner verliest unter lärmenden Unterbrechungen einen Brief des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Küstendil, dass der Unterpräfect sich geweigert hat, irgendivelche Maßregeln gegen die Bande, die sich auf das jüdische Viertel stürzte, zu treffen, und unter Vermittlung des Ivan Staivenkord 300 Frs. von der Gemeinde verlangte). Ich versichere, dass ich persönlich eine Visitenkarte des Unterpräfecten gesehen habe, auf welcher die Worte standen: „Ist diese Sache erledigt oder nicht?" Es handelte sich um die 300 Frcs. (Der Minister des Innern Sarafoff: Er verlangt sie als Anleihe.) Das ist nicht wahr. Dieser Unterpräfect hätte'abgesetzt und nicht eine andere Unterpräfectur erhalten müssen, wie dies geschehen ist. Ihr Gebaren, Herr Minister, steht nicht im Einklänge mit der neuen Acra des Friedens und der Gerechtigkeit, welche einzuführen Sie feierlich erklärt haben." Der Minister des Innern antwortete: Ich verdamme das Betragen der Antisemiten zu Küstendil aus das sind nun auch keine Straßen nöthig. Daran trägt niemand schuld als der Bauer selbst. Wenn es im Landtag mehr bäuerliche Abgeordnete geben lvird, iverden die Herren gezwungen sein, die Steuerlast in gerechter Weise zu repartieren und das Geld auch für die Bedürfnisse des Banernstandes zu verwenden. Seid daher verständig und ivählet nicht Gutsbesitzer, welche es nur auf euren Schaden ab wir nur dort zu verkehreit haben, wo wir gerngesehene Gäste; Annahme einer einfachen Tagesordnung, welche das Verhalten der sind, wo man uns direct mittelst Einladungen oder Placaten ' Regierung billigt, erledigt Dieser Ausgang wird nicht gerade dal! zu beitragen, von einer Erneuerung der Exceste wie m Küstendil * * L 1 wenn schon Nicht ttt der hebräischen, : abzuschrecken. Wir Juden haben überhaupt keinen Anlass, mit der wenigstens tlt der ^zargon-L-prache, entladet, dann iverden : gegenwärtigen Situation sonderlich zufrieden zu sein. Es unterul wir die Achtung der Völker, unter denen wir leben, geniesten.' ÄS ehemalige ruthenischc Reichsraths-Abgeordnete Pater Taniaczkiewicz erst dann Wird mait uns als Menschen atich betrachteit unds tzeschurw Aiitiscmitmmu^. an Boden gewinnt, ohne dasv die Behorgegen VarwinSki, nachdem der Bauer Nhczaj und der Notar Gromnicti auf die Maudatsbewcrbung verzichtet haben. Graf Adam Skrzynski, der früher einen tvestgalizischen Landgemeinden-Bezirk im Landtage vertrat, muss sich jetzt in den Gorlicer Großgrundbesitz zurückziehen. Im Landgcmeinden-Bezirk Limanowa, ivo sich der bisherige Abgeordnete Gras Anton Wodziecki um die Wiederwahl betvirbt, sollen, dem „Slovo Polskie" zufolge, die Wahlmännerivahlcn zugunsten des von der polnischen Volkspartei aufgestellten Candidaten Landesgerichtsrathes Podgorski ausgefallen sein. Im Landgemeinden-Bezirke Neu-Sandec candidiert der Krynicaer Bürgermeister Znamirowski (Demokrat) gegen den bisherigen Abg. Potoczek (polnischer Bauernbund) und irn Landgemeinden-Bezirke Neumarkt der Arzt Dr. Chramiec aus Zakopane (Demokrat) gegen den vom polnischen Central-Comitee unterstützten Arzt Dr. Vednarsli, welcher bisher diesen Wahlbezirk im Landtage vertreten hat. behcutdelu. . i der Dank dafür, dass die Juden bei den letzten Sobranje-Wahlen Czernowitz. (Der Dank der Gewerbetreiben-; abermals getreu für die Negierung stimmten und sich dadurch den den.) In der letzten Landtagssession erlebte man das seltsame Hass der Opposition zuzogen Die Erklärung ist Wohl darin zu Schauspiel, dass der Abgeordnete Dr. Straucher, der in warmen und suchen, dass es der gegenwärtig am Ruder befindliche Mimsterberedten Worten für eine Erhöhung der Subvention für Kleinge- Präsident Karawelow war, der, als er sich noch Ni der Opposition bewerbetreibende eintrat, gar in der Person des Präsidenten der Han-; fand, von der Parlamcntstribune herab gegen die Juden donnerte dels- und Gewerbekammer, kaiserlicher Rath Langenhan, einen —' und die Drohung aus,prach, ihnen, wenn er erst, einmal Minister Opponenten hatte. Der Fall ist in der Gewerbewelt gewiss einzig. ' ^worden sei, das Wahlrecht zu entziehen. Die antisemitischen Nun fand sich demzufolge die Genossenschaftsgruppe 16 in Czerno- >. Blätter werden nicht müde, ihn an dieses Versprechen zu erinnern Witz veranlasst, an den Dr. Straucher folgendes Dankschreiben zu und aiis seinem früheren Verhalten die Berechtigung ihrer eigenen richten: „Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr Reichsraths- Hetzthätigkeit herznlmten, was von, ihrem Standpunkte aus gar und Landtags-Abgeordneter! Die gefertigte Genossenschaftsgruppe nicht so unklug, ist. Diese tournallstischen Wortführer des bulgari- 16 hat in ihrer Sitzung vom 24. d. M. beschlossen, Ihnen, hochverscheu Antisemltismiis, „Golgof in Burgas und „Postund Ostl)n rn ehrter Herr Doctor, für die neulich im Landtage im Interesse des Sofia, ,md Revolverblatter schlimmster Sorte, welche durch Droh- Gcwerbestandes so warm und in geradezu aufopferungsvoller Weise! Briefe auch schreckhafte Juden zu einem Abonnement auf 30 Jahre Kolomea. (R a u b d u r ch k. u. k. S o l d a t e n.) Am gehaltenen Reden den ergebensten Dank hiemit zum Ausdruck zu ' zwangen; ihre Redacteure sind so dumme Kerle, dass sie nach Erlass 23. August gieug das hiesige 3. Bataillait des k. k. Landwehr-Jusanterie-Negiments zum Manöver ab. Bei diesem Anlasse standen beim hiesigen Bahnhof-Magazin mehrere Jünglinge mit Gebäck, welches der Mannschaft zum Kaufe angebotcn wurde. Ein Zugsführer namens Kanzwan, oii. rW. „„ von der 9. Compagnie diesesBataillons, kam auf einen jüdi- Heinrich Gratz, Eduard Podgorski, Franz Kublczek. schen Jüngling namens Atoses Bernhatlt zu, und verlangte, bringen und Ihnen die Versicherung auszusprechen, dass die Geferi des Gesetzes, dass der verantwortliche Herausgeber einer politischen tigten, sowie die Gewerbsinhaber nach wie vor mit Ihnen sympathi-! Zeitung ein gewisses Maß von Bildung Nachweisen müsse, ihre Blatsieren, Ihnen ihr vollstes Vertrauen schenken und Sie bitten, veri ter eingehen lassen mussten; aber nichtsdestoweniger finden sie, ehrter Herr Doctor, auch fernerhin um geneigte Förderung ihrer! namentlich auf dem flachen Lande, Leser und nähren so antisemiti- Jnteressen. Czernowitz, am 29. Juli 1901. Hochachtungsvoll Der-schen Geist, dessen Wirkungen sich auf allen Gebieten des Lebens Vorstehercher Genosseiischafisgruppe 18: Isidor Walzer. Lambert, bemerkbar machen. ' " ' . ". Odessa. (Au swandec u n g.) Die Auswanderung nach Südafrika nimmt immerfort zu, trotzdem das Ende Gebäck auf Credit, als derselbe ihm bemerkte, dass er als; Gehilfe nicht berechtigt ist, Ware auf Credit zu geben, wurde! .. PJ r . nr. rp r geuanuter Zugsführer darüber, sehr erbost ttnb comman-' ^erlm. udtsche Kttnstler.) Adolf Htrscheldierte Sturm,'mehrere Infanteristen kamen auf den Zugs- Hlrenv, der sich gegenwärtig m Nom aufhält, errang auf führer zil, inachten ihit aufmerksam, dass es gesetzlvidrig ist. berliner Kulsitausstellung dte goldene Medaille, hier Sturm zu commandiereu, looraitf derselbe ihneit zum; Paris. lZ u r C z a r e n r e i s c.) Ganz Frankreich zweitenntale Sturm commandierte, die Maunschaft gebereitet sich jetzt zum Empfange „seines treuen Freundes horchte, matt überiel den ganzen Korb Gebäck, und in einent und Bundesgenossen", des russischen Kaisers, Var. Die Zei- Nll wao er entleert; als der Verkäufer sich zur Gegenwehr tungen verösfentlicheit spalteulange Artikel, in denen der setzen wollte, überfiel ihn das Bcilitär und lynchte ihn, so Zweibund in überschwenglichen Phrasen als die treueste dass es ein Glück ist, dass er noch mit dem Lebelt davon kam. f und sicherste Garantie des Weltfriedens gefeiert wird. Wenn Als derselbe sich seines ganzen Gutes, welches ihm auver-' alle diese Vorbereitungen und Zeitungsartikel auf die niedtraut tvar, beraubt sah, lief er zuut Hauptmanu Sztefuer rigsten Jnstincte, nämlich Chauvinismus imb Byzantisdieser Compagnie zu, der allem von der Ferne gemüthlich mus, speculieren, so suchen die französischen Nationalisten lachend zusnh, und wenn er sich nicht geniert hätte, hätte er imd Antisemiten sich des bevorstehenden Czarenbesuches zu „dem tapfereit Zugsführer" eine Belobung gegeben. Dass. bedienen, um die gegenwärtige Regierung zu einer Handdieser arme Junge während seines Ganges zuut Haupt-; luiig zu bewegen, gegen welche die frei und republikanisch mann auch beschiinpst ivurde, ist selbstredend. Als derselbe; denkenden Männer, und vor allen Dingen auch die französiseineBeschwerde genanntemHauptntann unter herzzerreisien-; schen Juden, zu protestieren ein lebhaftes Interesse haben. demWeinen vorbrachte,zuckte dieser mit denAchselnundgieng Der Figaro, der auch im Auslande viel gelesen ivird, ein davon. Dieser arme Junge, dem die Rückerstattung des ge-, Blatt, das jetzt immerzu mit der Rechten liebäugelt und in habteit Schadens von. fl. 6.60 sehr schwer fällt, da er letzter Zeit sehr viel von seiner früheren Bedeutung eingewüchcntlich nur fl. 1.23 verdient, wovon er sich und seine. biisit hat, hat vor einigen Tagen einen offenen Brief an den arnre kranke .Mutter zu ernähren hat, sieht sich veranlasst, i Präsidenten der Republik veröffeittlicht, worin Herr Loubet dies dein löbl. Corps-Coututaudo zur Mittheilung zu brin-! aufgefordert wird, aus Anlass des Czarenbesuches Derougeu, ersuchend, dein Zugsführer Kazwan zur Rückerstattung lebe ttnb Hubert zu begnadigen und ihnen dadurch die Rückvou fl. 3.30 zu verurtheilen. Beschäntend ist es, dass ein! kehr nach Frankreich zu ermöglichen. Die Freude über den solcher llnfug von einem, der uns zu schützen hat, ausgeht, j Czarenbesuch, meinte der „Figaro", wäre nicht vollständig, Die Entrüstung bei der hiesigen Bevölkerung wegen dieses wenn zwei so glühende Patrioten, die den französisch-russides Krieges noch iticht abzusehen ist. Der weitaus größte Theil der Emigranten sind Juden aus Russland, Palen und den Balkanstaaten. Am letzten Dienstag allein giengen nicht weniger als 450 Personen, darunter zwei Drittel russische Juden, an Bord des Schiffes Salmir nach Capstadt ab. Die Mehrzahl derselben ist arm, fasst pennyless, während manche wohlversorgt schienen. Alle blickten natürlich hoffnungsvoll in die Zukunft, aber angesichts der traurigen Kriegslage scheinen die Hoffnungen kaum berechtigt. Wilna. (Verhaftungen.) In Wilna wurden eine Reihe von Hausdurchsuchiutgen abgehalten und Verhaftungeit vorgenommen. Es wurden 40 Personen, jüdische Arbeiter und Jntellectuelle, wahrscheinlich Mitglieder des „Jüdischen Arbeiterbundes" verhaftet. Auch in Minsk und in Wilkonischky wurden Arbeiter verhaftet. In Libau wurde Ende des vorigen Monates attf den berüchtigten Gefängnishenker, Geitdarmerieoberst Wonsjatzky, ein Attentat verübt. Raubes ist unbeschreibbar, weshalb wir zur Beruhigung das! scheu Bund gewünscht und in gewisser Beziehung auch vorlöbl. Corps-Commando ersucheu, genanuteu Zugsführer der gerechten Strafe zuzuführen. Sogar bekannte hiesige Antisemiten stellten dem genannteit Zugsführer, wegen seiner Roheit zur R'ede. Kolomea. (Polen und Juden.) Am 1. d. gab im hiesigen Sparcassa-Saal ein gewisser Jan Galt ein polnisches National-Coucert. Der Saal, der mehrere tausend Personen fasste, war zuut Erdrücken voll, größtentheils Iva reit die Judeit vertreten, obivohl man sie weder mittelst Einladungen, die man an die polnische Bevölkeruitg versendete, noch mittelst Placaten zurTheilnahme ansuchte, dennoch kamen sie, um die Polen mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Die Anzeige wie auch die Einladungen waren in polnischer Sprache verfasst, sontit iticht für die Judeit bestimmt. Wenn ein Rsiithene gefragt wurde, ob er zum Concert geht, erwiderte er: Ja, hat matt mich denn geladeu, hat man die Abhaltung eines Concertes mir. in meiner Sprache augezeigt? Da hier dies llicht der Fall ist, so will ich kein ungebetener Gast sein, denn ungebetene Gäste werden vor die Thür gestellt. Dies ist die Antwort eines Mannes, der bereitet haben, in derFremde schmachten inüssten. Die ganze nationalistisch-antisemitische Presse hat diesen Begnadigungsvorschlag mit Enthusiasmus ausgenommen. Für die französischen Judeit wäre die Rückkehr eines so gewissenlosen Demagogen, Ivie Deroulede, der in der Dreyfus-Affaire eine so tutselige Rolle gespielt hat, mehr als unaugenehm. stcicht etlva, als ob die französischen Juden oder die Republik von diesem einen Manne große Gefahren zu befürchten hätten. Aber Frankreich steht jetzt vor den Wahlen zur Deputierteukautmer, und um durch diese Wahleit nicht uitangenehln überrascht zu werden, muss die Hauptsorge der gegenwärtigen Regierting die Aufrechterhaltung des socialen und religiösen Friedens sein. Die Rückkehr Derouledes, dieses Ivüthenden Antisemiten, könnte aut Vorabend der Wahlen diesen Frieden gefährden und daher recht unangettehme Folgen nach sich ziehen. Hoffentlich Ivird es sowohl Loubet als auch Waldeck-Rousseau einsehen. Sofili. (Juden in B u l g a r i e u.) Wie seinerzeit berichtet ivurde, haben Ostern d. I. in Küstendil ernste Atlsschreitnngen gegen unsere Glaubensgenossen stattgefnnden, für ivelche der Vorivand darin gesucht ivurde, dass infolge eines Streites zwischen bulgarineu neu. ITI. Buenos Ayres, Ende Juni. Etivas nördlich von der erwähnten Section der im Jahre 1896 gekonimenen Ansiedler liegt der auf den Namen des russischen Philanthropen Wawelsberg betaimte Bezirk der Colonie, welcher erst im Vorjahre, und zwar gleichfalls mit Grodnoer Familien, besiedelt worden ist. Diese, wie die früher erivähntcn Familien waren von dem Colonisten Katschoivitsch ins Land gebracht worden, ivelcher sich als ungemein tüchtiger Mann eriviesen hat. Im Vorjahre hatte man ihn deshalb neuerdings nach Russland reisen lassen,, um dort die jetzt auf der Section Wawelsberg angesiedelten Familien an Ort und Stelle anSznwäylen, und damit er ihnen mit Rath und That besser an die Hand gehen könne, vertauschte er seine alte Concession mit anderen 200 Hektaren Land auf der neuen Section. Sein Hans ist das erste der Section, und als primus inter pares hat er sich als eine Art Portal zu seinem Vorgarten zwei dicke Backsteinpfeiler geleistet. Wir treffen aber nur seine Familie, welche zur Zeit von einem 16jährigen Burschen als männliches Oberhaupt repräsentiert wird, denn mit Znstimmnng der Verwaltung und irn Auftrag der bereits ansässigen Colonisten, ivelche ihm unterdessen auch in Gemeinschaft mit seinen Knaben die Feldarbeiten seiner Concession erledigen helfen werden, ist er neuerdings, nach Russland gereist, um dort diesmal hundert ausgesuchte Familien, meist Verwandte ilnd Bekannte der bereits vorhandenen Colonisten,, zum Theil aris Grodno, zum Theil ans Podolien, nach Moisesville zu bringen. Nach den Erfahrungen der früheren Jahre iverden jetzt auf den Coloiiien der Association nur noch solche Familien zugelassen, deren europäische Antecedentien bekannt, resp. die. von den dortigen Vertretern der Jeivish Association empfohlen sind; solche, welche auf eigene Faust kommen, Ivcrden eventuell als Taglöhner angenoiumen, zu dem contractlichen Erwerb von Land aber nur nach vorgängigen Erkundigungen zugelassen. Da die Colonisation außerdem

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