Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 35 (30.8.1901)
- Date
- 1901-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. August 1901 Nr. 35 Demonstration, denn die Herren müssen doch wissen, dass auch die Juden in diesem Falle denselben gesetzmäßigen Anspruch haben wie die Angehörigen anderer Confessionen, aber sie müssen eben ihre Mätzchen machen und scheuen obendrein auch vor einer Gesetzesverletzung nicht zurück. Und eine Gesetzesverletzung ist es, die sich die antisemitische Gemeinderaths-Majorität mit dieser ^That" geleistet hat. — An die Gemeindevertretungen in Madlan, Sobochleben und Wiklitz (im Karbitzer Bezirke) stellte ein Reichsrathsabgeordneter der antisemitischen Partei das Ersuchen, antisemitische Abgeordnete zu Ehrenbürgern (für jede Gemeinde je zwei) zu ernennen. Alle drei Gemeindevertretungen lehnten jedoch die ihnen zugedachte Ehre ab. In Sobochleben, woselbst der antisemitische Abgeordnete Kliemann auch das Amt des Gemeindevorstehers bekleidet, geschah dies mit fünf gegen vier Stimmen, in Wiklitz sprachen sich zehn Gemeinderathsmitglieder gegen den gestellten Antrag aus. In einer dieser Gemeindevertretungs-Sitzungen frng ein Gemeinderath, ob der Vorsitzende ihm auch sagen könne, welche Verdienste sich die zur Ehrung vorgeschlagenen Herren um die Gemeinde erworben, ja, ob der Herr Gemeindevorsteher die Herren kenne. Nur aus die zweite Frage konnte der Herr Gemeindevorsteher die Auskunft geben, dass er den einen der Vorgeschlagenen überhaupt nicht kenne, dagegen die anderen einmal am Bahnhofe zu Karbitz — gesehen habe. Diese Angelegenheit bedarf wohl kaum eines weiteren Commentars und zeigt zur Genüge, auf welche Weise für die antisemitische Partei Stimmung gemacht wird. Krakau. (Jüdischer Advocat und christlicher Staatsanwalt.) Ein unerhörter scandalöser Fall hat sich hier in Krakau zugetragen. Aus einem Dorfe bei Wieliczka haben Bauern ein 14 jähriges jüdisches Mädchen ins Kloster entführt, um es zu taufen; es wurde auch thatjächlrch getauft. Die betrübten Eltern überreichten beim competenten Gerichte eine Klage gegen die Bauern und auch der Staatsanwalt vertrat die Anklage. Demgemäß wären die Kindesräuber voraussichtlich bestraft worden, und die Kunde davon hätte als abschreckendes Beispiel gedient. Allein es traf sich ein nicht getaufter jüdischer, wohlgemerkt, ein jüdischer Advocat, der die Vertheidigung der Räuber des jüdischen Mädchens übernahm, und begeistert von den 25 fl., die er dafür erhielt, führte er die Vertheidigung beim Krakauer Strafgerichte so meisterhaft, dass die Bauern von der Anklage, die auf Entführung lautete, freigesprochen wurden. Der christliche Staatsanwalt aber hat gegen den Freispruch appelliert, und so ist es noch möglich, dass die Verbrecher, die jüdischen Eltern ihr Kind geraubt, ihre wohlverdiente Strafe erhalten werden. Immerhin sei der Name des netten Advocaten festgenagelt: er heißt Dr. Bader. Möge ihm die Ehre zutheil werden, die er für fein empörendes Vorgehen verdient . Die hiesigen antisemitischen Zeitungen schroten diesen Scandal weidlich aus, und das ist ganz natürlich. Lemberg. (Zu den Landtagswahlen.) In Galizien hat das polnische Central-Wahlcomito einen von Friedfertigkeit und Wohlwollen gegen alle Kreise und Classen triefenden Wahlaufruf veröffentlicht. Keine Gesellschaftsclaffe soll von der Wahlbewegung ausgeschlossen sein, niemandem wird ein Candidat aufgenöthigt, dem „ruthenischen Bruderslamme" werden die Arme geöffnet zum einträchtigen Zusammenleben. Das hindert jedoch nicht, dass in den ländlichen Wahlbezirken die Agitatoren einander die Rippen zerbrechen, wie neulich aus Samoluskowce gemeldet wurde, und dass nach einem Ukas des Central-Wahlcomitös keiner von den ruthenischen Abgeordneten, welche in der letzten Session den Landtag verließen, wiedergewählt werden darf. Trotzdem gilt in Galizien der Wahlsieg des polnischen Central-Wahlcomittzs auf der ganzen Linie als todte Gewissheit, denn die Indolenz und Theilnahmslosigkeit der Wühler schließt jeden Widerstand aus. — Nirgends treffen wir unabhängige jüdische Candidaturen. Da muss man sich wirklich fragen: Gibt es in Galizien überhaupt jüdische Organisationen? Oder halten die bestehenden Organisationen die Landtagswahlen nicht für genug wichtig, um irgend eine Stellungnahme zu der politischen Situation zu treffen? Jedenfalls erweisen die Führer in Juda bewusst oder unbewusst durch diese Passivität den jetzigen Machthabern, der Schlachta, dieser Feindin des Judenthums und jeglicher nationalen Regung, wirksame Borspannsdienste. Lemberg. (Berichtigung.) In dem unter der Spitzmarke „Umbau des jüdischen Waisenhauses" erschienenen Artikel soll es nach dem Passus: „Sie kennt keine Ruhe noch Rast, wenn es sich um ihr Kind handelt", richtig heißen: „Es ist dies Frau Fanni Stroh." Kolomea. (Zu den Landtags wähle n.) Da die Landtagswahlen schon vor der Thüre stehen, so beginnt es auch in unserer Stadt sehr rege zu werden, überall sieht man Gruppen, jede über die bevorstehenden Wahlen mit anderen Meinungen. Die „Guten Jungen "-Clique (ein Club reicher Juden) empfahl der hiesigen jüdischen Bevölkerung bisher entweder Candidaten, die ihr Wohlgefallen erweckten, oder Candidaten, deren Anwesenheit sie an der Füllung ihrer eigenen Taschen hindern. Unseren Bürgermeister Herrn Bronislaw W i t o s l a w s ki, der unser Geld redlich verwaltete und keine Unregelmäßigkeiten duldete, verschickten sie als Abgeordnetn zum Landtag. Den Bürgermeister Herrn W itos l a w s k i will die hiesige jüdische Bevölkerung unbedingt zur Hintanhaltung der unreellen Vorkommnisse im hiesigen Magistrate hier haben, dagegen empfiehlt man uns als würdigen Candidaten Herrn Jan K l e s k i, Gutsbesitzer aus Wierbiaz bei Kolomea, dem Rufe nach soll derselbe ein Judenfreund sein. Unser bisheriger Abgeordneter von der ruthenischen Partei, Dr. O k u n i e w s k i, verzichtete zugunsten des Ruthenen Dr. T r y l o w s k i auf seine hiesige Candidatur, meldete aber seine Candidatur in Horodenka bei Kolomea an. Gegner des Dr. T r h l o w s k i ist Dr. D u d y k i e w i c z, Advocat hier. Die Chancen des Dr. Tr y low sk i sind ungünstige, auch find die Chancen unseres Bürgermeisters W i t o s l a w s k i günstiger, als die Chancen des Jan Kleski. Wunder nimmt es, warum die hiesige jüdische Bevölkerung bisher keinen jüdischen Candidaten ausstellke, wir dürfen doch nicht vergeffen, dass die Inden hrer in einer sehr großen Majorität vertreten sind, und dass einem jüdischen Abgeordneten wir uns eher anvertranen können, da unsere Schmerzen auch die seinigen sind, als einem K l e s k i i u. s. w., die jetzt jndenfreundlich geworden sind. Wann werden die Inden politisch reif werden? Birovitica, Slavonien. (F e st go t t e sd i e n ft.) Anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs fand am 18. Augug in unserer Synagoge ein Festgottesdienst statt. Eingeleitet wurde derselbe mit einem „Ma tauwu", welches unser Obereantor Herr Simon Trompeter mit Begleitung der Orgel und des hiesigen DanienchorS vortrug, worauf dann „Sen Scheurim" von Naumburg sehr exaet vom gesammten Chor gesungen wurde. Dann bestieg unser hochgeschätzter Rabbiner Herr Dr. E. H. Kaufmann die Kanzel und vielt eine glanzvolle Festrede, ivelche bei den zahlreich erschienenen Festgästen enthusiastischen Beifall fand. Herr Dr. Kaufmann wurde auch vom diesigen Ojsicierscorps des lO.H nsarenregtmentes, welches unter Führung ihres Regimentscominandanten Herrn Generalmajor Anton Kyü Edler von K o ii y a der F.-.er in der Synagoge beiivohnte, wie auch von den Spitzen der Behörden zu seiner Glanzleistung herzlich beglückwünscht. Ausland. Berlin. Der Rector der technischen Hochschule in Charlvttenburg hat die Grüiidung eines Vereines jüdischer Stndenteii (des 5. int „Bund jüdischer Corporationen") aii dieser Aiistalt genehmigt. Zuschriften sind au stud. chem. I. G r ü n b e r g in Charlotteuburg, Gectheskraße 32, zu richten. München. Die unisangreiche, auf einschlägigen Ouellciistndieii aufgebaute Abhandlung, ivelche Dr. Wilh. Held über „die Vers eli i e b u n g der Confessionen in Bayern und B a - d e u u n d ihre Ursa ch e n" veröffentlicht hat (Leipzig, Krüger & Co.), ist bereits au dieser Stelle erwähnt imb zutreffend darauf hiugewiescn worden, dass der iins von speciell jüdischem Stand- Pnukte aus interessierende Theil des Inhaltes ein sehr ivenig erfreuliches Bild bietet. In Bayern befindet sich nach der Feststellung des Verfassers der Antheil unserer Glaubensgenossen an der Gesammtbevölkernng in fortgesetzt absteigender Richtung; ja noch mehr, derselbe ist nicht allein procentual, sondern auch absolut znrnckgegangcu. Die Gesammtzahl der Juden Bayerns betrug i. I. 1895 53 750, während i. I. 18-10 59 288 gezählt wurden! Ans je 100 Einwohner kamen Inden: 1818 1,45; 1840 1,38; 1807 1,03; 1871 1,04; 1875 1,02; 1880 1,01; 1885 0 99; 1890 0.90; 1895 0,92. Das sind Ziffern, die gewiss eine sehr traurige Sprache reden, sticht ganz so schlimm, aber trotzdem sehr ungünstig ist es in Baden bestellt. Hier ist im Zeitraum von vier Decennien zwar keine absolute Abnahme, aber nur eine sehr minimale Zunahme der Juden zu constatieren. Man zählte i. I. 1852 23 099, 1895 25 903 Inden. Procentual entwickelte sich das Verhältnis folgendermaßen: Es kamen auf je 100 Einwohner Juden: 1853 1,75; 1865 1,78; 1801 1,70; 1807 1,78; 1871 1,70; 1875 1,70; 1880 1,74; 1885 1,70; 1890 1,01; 1895 1,50. In beiden Staaten waren während der behandelten Zeitperiode (Bayern 1818—1895, Baden 1852 bis 1895) die Katholiken und Juden der verlierende, die Protestanten der gewinnende Theil. Die Katholiken verminderten sich in Bayern von 72,10 auf 70,68 Proc., die Juden von 1,45 auf 0,92 Proe., während die Protestanten von 25,78 auf 28,19 stiegen. Dem nach ergibt sich für die Katholiken ein procentualer Verlust von 1,42, für die Juden ein solcher von 0,53, dagegen für die Protesten,- ten ein Zuwachs von 2,41. Aehnlich liegt es in Baden. Hier gierigen während der Jahre 1852—1895 die Katholiken von 66,27 auf 01,28, die Juden von 1,75 auf 1,50 zurück, demnach erstere um 5,01, letztere 0,25 Proc., während die Protestanten von 31,38 auf 36,95, dernnach um 6,12 Proc. sich vermehrten. Aus den Schlussfolgerungen der vom Verfasser ausgestellten confessionellen Berufsstatistik ergibt sich, dass die Katholiken eine vorwiegend agrarische, die Protestanten eine vorwiegend industrielle und die Juden eine vorwiegend handeltreibende Bevölkerung sind. Was die Arbeiterberhültnisse anbelangt, so überwiegerr demgemäß in der Landwirtschaft die Katholiken, in der Industrie die Protestanten und irn Handel die Juden. Juden und Protestanten nehmen auch stärkeren Antheil an den sogenannten „liberalen Berufen" (Kunst, Wissenschafl usw.) als die Katholiken — was Dr. Held als eine Folge ihrer besseren wirtschaftlichen und socialen Stellung betrachtet. Eine andere, aber sehr ungünstige Folge der stärkeren Theilnahme der Juden und Protestanten an den aufreibenden Berufsarten stellt sich in der Thatsaeche dar, dass die verhältnismäßig meisten Insassen von Siechen- und Irrenhäusern diesen beiden Confessionen angehören. Hinsichtlich des Verhältnisses der Geburten zu den Sterbefüllen siellr der Verfasser fest, dass bei Juden und Protestanten die Kindersterblichkeit geringer und demzufolge der Neberschnss der Geburten über die Sterbefälle größer sei, als bei den Katholiken. Paris. Mit migetheilter Freude Ivird cs über die Grenzen Frankreichs hinaus vernommen werden, dass Herr Oberrabbiner Zadoc Kahn zum Officier der Ehrenlegion ernannt ivorden ist, nachdem er das Ritterkreuz desselben Ordens bereits i. I. 1877 erhalten hatte. Diese verspätete Auszeichnung, auf welche das allberehrte geistliche Oberhaupt der französischen Judenheit schon längst ein wohlbegründetes Anrecht hatte, erfolgte auf Vorschlag des Minister- Präsidenten Waldeck-Rousseau, tvelcher damit offenbart hat, dass er. unbeirrt durch das Gezeter der antisemitischen Presse, die ihre giftigsten Pfeile gerade gegen Zadoc Kahn richtet, die Verdienste des ausgezeichneten Mannes der höchsten Ehrung, die das französische Volk zu vergeben hat, würdig erachtet und theilhaftig werden lässt. Die Schimpfblätter vom Schlage der „Libre Parole", des „Petit Journal" usw. schäumen denn auch vor Wuth und ergehen sich in dclirienhafrem Gepolter gegen den „Jndensöldling" Waldeck-Rousseau und seinen „Soldgeber" Zadoc Kahn. Dagegen gibt die gesummte anständige Presse der Genngthunng über die Decorierung lebhaften Ausdruck und begleidet die betreffende Mittheilung mit Worten warmer Anerkennung der Person und der Wirksamkeit des Herrn Obcrrabbiners. So z. B. der „Figaro": „Der Oberrabbiner von Frankreich verwaltet sein hohes schwieriges Amt seit nunmehr elf Jahren gleich ausgezeichnet, wie zuvor das des Oberrabbiners von Paris. Die Physiognomie ist bekannt: ein kleiner, hagerer Mann mit ausgeprägt jüdischem Profil, sehr einfach und fast scheu in seinem Auftreten; das von einem sehr spärlichen grauen Bart umrahnltc Gesicht, durchleuchtet von einem Blick, zugleich durchdringend und überaus inild hinter den Brillengläsern. Sehr beliebt und aufrichtig verehrt nicht nur von den Angehörigen seiner Glaubensgenossen, sondern von den Anständigen aller Bekeirntnisse, welche Gelegenheit hatten, au seiner seltenen Gelehrsamkeit sich zu ergötzen, seirie hervorragende Beredsamkeit zu betvnndern und zumal in diesem ganz ausgezeichnetem Manne den Zauber einer Toleranz, einer Güte, eines Scharfsinns keimen zu lerne», deren Spuren jede Bethätigung dieser schönen Earriere der Rechtschaffenheit, des Patriotismus irnd der Arbeit an sich trägt. Deshalb darf Herr Zadoc Kahn nicht überrascht sein, dass er unter den Glückwunschschreiben, kvelche in die Rue St. Georges niederregnen, eine große Anzahl von Namen finden wird, deren Träger nicht seine Glaubensgenossen sind. A!pn weiß, dass Herr Zadoc Kahn namentlich innerhalb der hohen katholischen Geistlichkeit sehr aufrichtige Bewunderer besitzt. Kein Ordenskrenz konnte mit größerer Berechtigung verliehen werden." In gleicher Weise änßerii sich „Temps", »Matin" usw., welche übereinstimmend den demonstrativen Charakter der Auszeichnung hervorheben und betonen, dass in ihrem obersten Vertreter zugleich die ganze französische Judenheit geehrt iverdc. — Das soeben erschienene zweite Heft der von dem Ccntral-Comitee der Alliance israelite universelle heransgegcbenen Vierteljahrsschrift Revue des ecoles zeichnet sich, lvie das erste, durch Reichhaltigkeit und Gediegenheit des Inhaltes aus- und bestätigt die hervorragende Verdienstlichkeit dieser Publication, Ivelche, zunächst zur Besprechung von llnterrichtsfragen, namentlich soweit sic das iLchnltverk der Alliance betreffen, bestimmt, zugleich Beiträge zur Geschichte, zu dem Gemeindeleben, der socialen Stellung ufiv. der Inden des Orients liefert, deren Wert dadurch gesteigert tvird, dass sie von den in jenen Strichen wirkenden Schul- Leitern und -Lehrern herrnyren, somit ans unmittelbarer Beobachtung oder aus Quellen geschöpft wurden, die nur an Ort und Stelle zugänglich sind. Indem wir uns eine eingehende Besprechung einzelner Artikel Vorbehalten, seien heute nur die Titelüberschriften der behandelten Themata genannt: 1. Zum Unterricht in der jüdischen Geschichte (von Julien W e i l l); 2. Der Unterricht des Türki scheu (von S.); 3. Die Beerdigung von Gcnizah (von Esther Ai o s c o >v i tz-Rnststhnk); Die bulgarische Königin Theodora (von M. C o h c n - Philippopel); 4. Die pädagogischen Cnrse in der „Ccole orientale"; 5. lieber das Lehrprogramm dieser Schule; 0. Die internationale Schnlinäimer-Eorrespondenz (von S. D. L e v y - Casablanca); 7. Die spagnolische Sprache in Marokko (von I. Bensch i m o l - Colonie Manrizio in Argentinien); 8. Der hebräische Unterricht (von I. S c m a ch-Bagdad); 9.' Legendarisches aus Safed (von F^r a n k o-Schnmln); 10. Der Purim-Saragossa (von M a t a l o n-«alonichi); 11. Sitten, Bräuche imd Aberglauben der tripolltaiiifchen Juden (von T. S n t t o u - Tripolis); 12. LaS biienas ho ras lDämonenglmibcii der Inden in Uamboli); 13. Notizen über die Inden in Teheran (von F. A b i b-Teheran); 11. Die Reinlichkeit in der Schule; 15. Verschiedenes. Herausgeber der vortrefflichen Zeitschrift ist Herr B i g n r t, Gencral-Secretär der „Alliance israelite". Der Aboiniementspreis beträgt nur 8 Francs (0,10 Mark) jährlich. Kischiniew. (D a s E n d e d c r N o t h st a n d s c a in p a g n e.) Wie seinerzeit berichtet tvnrde, hat daS Kischiniewer Coiniiee den Beschluss gefasst, falls ihm keine neuen Mittel zur Verfügung gestellt werden sollten, seine Thätigkcit eiiizusrellen. DaS Comitee hielt Ende Juni in der That seine letzte Sitzung ab, der auch der von seiner letzten Jnspectionsreise zurückgekehrte Vertreter des Counters veiivohnte. Derselbe berichtete, dass Zn den größeren Plätzen infolge der giilistigen ErnteauSsichten sich der Verkehr bereits etwas gehoben habe, so dass einige jüdische Handwerker daselbst bereits etwas Arbeit erhielten. Das Comitee beschloss darauf, diese Handwerker bon der ferneren Unterstützung anszuschließen. Da jedoch die dadurch erzielten Ersparnisse viel zu gering wären (das Comitee har die Handwerker überhaupt wenig unterstützt), so wurde beschlossen, auch in den kleineren Plätzen allen denjenigen die Unterstützung zu entziehen, welche fähig sind, bei den beginnenden Erntearbeiten irgendwie etwas zu verdienen. Durch solche Ersparnisse sowie mit Hilfe einiger jüngst ans Petersburg und Moskau eiitgegangenelt neuen Beiträge ist das Comitee in den Stand gesetzt, die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung atif dein flachen Lande, resp. in den jüdischen Cvlonien genügend zu unterstützen, damit diese sich gehörig satt essen könne und arbeitskräftig und fähig bleibe, die begonnenen Ertenrbeiten zu beenden. Das Comitee ist imstande, diese Gruppe nothleidender Juden, tvcini nothwendig, noch bis Mitte August zu unterstützen. So hak das Kischiniewer Comitee die von ihm emgeleitete NvthstandScampagne zu einem halbwegs glücklichen Ende geführt. Möge der Wächter Israels sein vielgeplagtes Volk in Südrnssland vor fernerem Ungemach schützen. Eine dritte Hungersnoth tvürden die südrussischen Inden gewiss nicht mehr überstehcn tonnen, ohne dass viele tausende von Menschenleben ihr zum Opfer fielen. Jernsalem. (Bitte um Hilfe.) Der Oberrabbiner der askenasischen Gemeinde Samuel S a l a i> t sendet an die europäischen Hilfscomitüs ein Schreiben, worin er berichiet, dass in Jerusalem große Nvth und Arbeitslosigkeit herrsche. Er bittet um Hilfe. Jaffa. (Das Schulwesen in P a l ä st i n a.) Da nirgends das politische und gesellschaft'iche Leben mehr durch das religiöse Moment beeinflusst wird als im Morgenlande, so ist es leicht verständlich, dass auch die Schulen des heiligen Landes ganz im Bereiche der geistlichen Häupter der Religionsgemeinschaften stehen, dass sie daher fast ausschließlich eoirfessionellesind, islamitische, christliche und jüdische. Wo christliche Religivnsgesellschaften sich ansiedelten, da haben sie auch, um das Heranwachsende Geschlecht zu gewinnen, Confessionsschnlen errichtet. Die erste Schulgründung geschah durch Bischof Gobat. Ihm folgte im Jahre 1860 in der Schulgründung der Waisenvater I. L. Schneller, der das Syrische Waisenhaus in Jernsalem und Bethlehem ins Leven rief, das, um die Erziehung seiner Zöglinge ganz in Händen zu haben, als Internat eingerichtet wurde. .Katholische Kirchengemeinschaften überzogen dann das ganze Land mit einem Retz von höheren und niederen Schulen. Auch die Russen haben gut ausgestattete Schulen gegründet, an denen 50 Lehrkräfte thätig sind. Gegenüber diesen Vorgängen wollten Griechen und Armenier nicht Zurückbleiben, aber auch der Islam raffte sich auf und eröffnete in fast allen Städten und Dörfern Schulen für die männliche Jugend. Die mohammedanischen Schulen sind Negierungsschulen, die Negierung trägt die Kosten, wozu auch die Christen durch Abgaben herangezogen werden. Seitdem diese Einrichtungen getroffen, dürfen Nichtmoslims Schulen nur nach vorher eingeholter ministerieller Erlaubnis ins Leben rufen; jedes Schulbuch muss zur Prüfung und Billigung vorgelegt werden, und die türkische Regierung führt auch über die christlichen Schulen die Aussicht, die aber nicht allzu streng ist. Sie hindert es nicht, wenn Mohammedaner christliche Schulen besuchen. Nicht selten besuchen auch Christenkinder mohammedanische Schulen, um die türkische Sprache zu erlernen oder sich mir irgend einem anderen Unlerrichtszweige vertrant zu machen. Hochschulen unterhalten die Mohammedaner in Palästina nicht, dagegen haben sie neben den Elementarschulen mehrere Mittelschulen, so in Jerusalem, Gaza, Hebron und Jaffa. Eine Art höherer Realschule findet man in Beirut, Damaskus und Jerusalem. Neben den Realien werden dort verschiedene Sprachen, besonders Arabisch, Türkisch und Französisch gelehrt. E-n Theil dieser Schulen sind als Internate eingerichtet, deren Zöglinge eine ziemlich hohe Pension zu entrichten haben und militärisch uniformiert sind. Die Voll, schulen, deren eine in jedem Dorfe bestehen soll, sind m Bezug ans Einrichtung, Lehrmittel und Leistungen unbedeutend. Die Schüler lernen iivthdürftig lesen und schreiben. Die Suren des Korans werden so lange gelesen, bis sie jeder Schüler genau auswendig kann. Beim Schreiven bedienen sich die Schüler einer Holztafel, die mit Papier überzogen ist, ein dünnes Rohrstäbchen dient als Schreibstift. In manchen Schulen schreiben die Schüler mit angeseuchtetem Kalk aus Blechtafeln. Die Besoldung der Lehrer durch die Regierung ist so dürftig, dass die Wohlthätigkeit der Dorfbewohner in Anspruch genommen werden n»uss. Jeder Schüler besucht die Tagesschule, so lange es dem Bater gilt dünkt. Gleich niedrig sind die Leistungen der armenischen und griechischen Schulen mit Ausnahme der höhereil Schule im Kreuzkloster in Jerusalem, deren Leiter sich in Deutschland akademische Bildung erworben und seine Anstalt zu hoher Blüte gebracht hat. Die Lehrer ihrer Volksschulen zeichnen sich durch große Unwissenheit und pädagogisches Ungeschick ans. Die Juden naben in ihren Niederlassungen Volksschulen, theiliveise auch Anstalten, in denen die Schüler auch mit dem Ackerbau und der Industrie vertrant ge,nacht werden. Die Schulen der Christen, tatholischen wie protestantischen Bekenntnisses, umfassen Elementar-, Mittel- und Hochschulen, in denen sowohl Knaben als Mädchen unterrichtet werden. In deü Mittekschüttn werden eine oder zwei