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Jüdisches Volksblatt · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Date
1901-08-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. August 1901 Seite Der Fall Fried. Es gehört die eiserne Stirne des „Deutschen Volksblatt" dazu, um selbst die Erinnerung an den Fall Fried heraufzubeschwören. Berthold Fried wurde bekanntlich verdächtigt, ein Mitschuldiger Hilsners zu sein. Mehrere Zeugen gaben unter E i d au, dass Berthold Fried am Tage der Ermordung der Agnes Hruza zur kritischen Zeit mit Leopold Hilsner und einem hinkenden Inden in den Brezinawald geeilt ist, wo später die Leiche der Hruza gefunden wurde. Die diesbezüglichen Zeugenaussagen im Kuttenberger Processe erregten unter den Bluthunden a la Schwer wahre Begeisterung. Da machte ihnen der Beschuldigte einen Strich durch die Rechnung, indem er nachwies, dass er erst am 3. April aus dem Kraukenhause in Humpolec entlassen wurde. (Der Mord geschah am 29. März.) Trotz dieses von dem leitenden Arzte geleisteten Alibinachweises deponierte der Schuster Skareda unter Eid, dass er den Fried am kritischen Tage in Gesellschaft Hilsners in Polua gesehen habe. Der genannte Zeuge gab sogar an, dass der Schuhmacher Wvruda dem Fried zur kritischen Zeit die Stiefel gesohlt habe. Braucht es also noch eines Docnmentes, dass in der kritischen Zeit Meineide bei den ehrenwerten Polnaern billig wie Brombeeren waren? Fried hatte das Glück, in Humpolec krank zu liegen, und konnte so alle Meineide der biederen Skareda und Woruda entkräften. Hilsner hatte das Unglück, gesund in Polna zu weilen; folglich war Peschak ein Ehrenmann und sein Eid kein Meinem. Wir fragen aber: Schreien diese Meineide nicht zum Himmel? Hat der geehrte Staatsanwalt gar keine Veranlassung, einzuschrciB',? Braucht es noch weiterer Beweise, dass die biederen Polnaer zu jener Zeit im Banne des blinden Fanatismus bereit waren, die größten Lügen zu bemeineiden? Wir werden nicht müde werden zu rufen: in Pangraz sitzt ein Unschuldiger, das Opfer eines mittelalterlichen Relrgions- und Rassenhasses. Der Stadtrath als Erzieher. Dass die Christlich-Socialen im allgemeinen die Erzieher des christlichen Volkes sind, weiß man; ihre Führer vervvllständigen dieses Erziehungsmaxime indem sie mit leuchtendem Beispiele in den christlichen Tugenden voranmarschieren. Eine solche sittliche Leuchtkugel ist Herr Dr. Wähne r, der städtische Tramway-Referent und Erbauer des goldenen Palastes zu Wien. Wo sein Blatt kann, verleumdet es, und klopft man den unsauberen Tintenklexern auf die Finger, machen sie vor Zorn wahre Affensprünge. Wir haben dem Blatte eine Berichtigung geschickt, weil es die Mär in die Welt setzen wollte, der kürzlich von uns abgedruckte Brief Hilsners wäre redactio nelle Erfindung! Das Blatt druckt nun die Berichtigung ab und macht dazu folgende Bemerkung: „Da wir nicht felsenfest glauben, was man munkelt, gestehen wir gerne zu, dass alle Zeichen der Blödheit, die wir in dem angezogenen Schreiben Hilsners für redactionelle Mache des „I. Bolsblattes" hielten, ganz gut auch von dem wirklichen Autor der Polnaer Blutmvrdc herrühreu können. Maseltoff!" Man sieht, die „D. Ztg." kann nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Unanständigkeit allen liberalen Blättern eins vorgeben. Und dabei gebt Dr. W ä h n e r mit seiner Butter auf dem Kopfe in die Sonne. Wenn man alles glauben sollte, was über ihn „gemnnkclt" wird, müsste man ihn für ein ganz anderes Haus „einzugsfäyig" erklären, als für seinen goldenen Käfig. Und der Unterschied zwischen ihm und uns ist, das man von dem felsenfest überzeugt ist, was man von i h m munkelt! — Auch Maseltoff! Gemeinsames ein jeder von ihnen war nur ein Glied geworden eines ungeheuren, von einer mächtigen Triebkraft erfüllten Körpers. Hoch über dieser dichten, durch Erbitterung fest zusammengekitteten Meuscheumasse stand auf dem Dache des Hauses beim Schornstein ein langer hagerer Jude. Er riss mit den Fingern Ziegel vom Schornsteine los, schleuderte sie herunter und rief etwas mit einer scharfen Stimme, die wie das Geschrei einer Möve klang. Sein langer weißer Bart zitterte auf seiner Brust, die weißen Unterhosen waren mit rotheu Flecken bedeckt . . . Wütheude Rufe flogen zu ihm hinauf: „Schießt auf ihn!" „Schleppt eine Flinte her! Werft auf ihn mit Steinen!" „Steigt zu ihm hinauf!" In den Fenstern erschienen ab und zu dunkle Gestalten, sie brachen die Fensterrahmen heraus und warfen verschiedene Gegenstände in den Hof. Die Scheiben klirrten. Jetzt trat ein Bursche mit breiter» Gesichte und gelockten Haaren, einen Spiegel haltend, ans Fenster; er schob ihn heraus und rief: „He, aufgepassr!" Und glitzernd in den Strahlen der Sonne flog der Spiegel zu Boden. Der Bursche bog sich, ihm nachschauend, aus dem Fenster heraus. Irr dem anderen Fenster erschien ein schwarzbärtiger Mann, ein Polster tragend. Er rii's es auf — und eine dichte, weiße Federwolke zerstreute sich in der Luft. „Es füllt Schnee, habt acht, dass Eure Nasen nicht erfrieren!" rief lachend ein Bauer. In dem Hofe heulten sie: „Hierher! Ich habe die Judenbrut in einem Fasse gefunden ..." „Schlage sie!" „Haue ihnen die Köpfe an die Wand!" „He, Du, alter Jude! Steig'herunter, wir haben Deine Enkel gefunden!" „Herunter vom Dache, sonst tödten wir Deine Brut!"! (Schluss folgt.) I Eine freche Lüge ist es ferner, wenn die „D. Z." von einem geständigen Mörder spricht. Hilsner hat nichts gestanden — weil er nichts zu gestehen hat. Die liberalen Blätter als Protestanten. Anlässlich der in Leitmeritz und Kremsier abgehaltenen Katholikentage ergehen sich die Wiener liberalen Blätter in Recriminationen darüber, welch gefährlichen Weg die Regierung wandelt, wenn sie dem Freiheitsgedanken der „Los von Rom "-Bewegung entgegentritt und die Katholikentage ungestört verlaufen lässt. Wie jener Hausierer, der nach seinem Hinauswurf gleich wieder erschien mit der Frage, ob mau vielleicht etwas anderes wünsche — kriechen diese Blätter, gleich nach den Fußtritten der Schönerianer, wieder zu ihnen hin und bieten ihre Hilfe an. Und wenn sie es noch anständig thäten. Wenn sie wirklich die Freiheit vertheidigen würden, und statt zu fraget', ob der Protestantismus vielleicht keine staatlich anerkannte Religion ist, fragen würden: Warum man die staatlich anerkannte jüdische Religion nicht schützt, wie die katholische? — Nein, die Herren Schmücke vergessen ganz, dass sie heute nicht einmal in einen Turnverein ausgenommen werden, und kreuzen die satisfactionsuufähigen Schwerter für Wolf und Eisenkolb, als wollten sie mit ihrem Blute die heiligen Leiber decken. Es ist kein Wunder, wenn durch solche „Juden" das Judenthum in der Achtung der Antisemiten immer tiefer sinkt, j Angespuckt werden und einfach abwischen, das geht noch an;! den Auswurf aber noch ab lecken und sich „freimüthig" als! Spucknapf anbieten, das wirkt ekelerregend. [ zu verlassen geuöthigt war, herrschte bereits ein unangenehmes Gefühl labilen Gleichgewichts vor. Diese Stimmung möge man ja nicht als den Ausfluss irgend einer Voreingenommenheit gegen die herrschende Classe halten, vielmehr gilt hier, was der Moralist Job so unsterblich intuitiv für alle Zeit festgestellt: Aus meinem eigenen Leben schaue ich die Göttlichkeit. Wir hatten Zeit genug, die Göttlichkeit und Vortrefflichkeit der Handhabung der Verfassung zu beurtheilen. Unser Volk begann sich vor 33 Jahren zu sonnen an den Strahlen der Gerechtigkeit, der Weisheit und des Aufstieges, nunmehr brach die Nacht über alle unsere Hoffnungen herein. Wir sind gezwungen, uns selbst, durch unsere Kraft, Licht und Wärme zu verschaffen. Darin liegt der Geist und das Ziel des „Schomer Israel". Von Dr. Vierer. III. Das Genrebild jener Zeit zu vollenden, welche uns zur Gründung des ersten jüdisch-politischen Vereines „Schomer Israel" aufforderte, müssen wir noch Umschau unter den umgebenden Völkerschaften Galiziens halten; nicht minder aber auch die regierenden Kreise, denen das Wohl und Wehe unserer Brüder anvertrant wäre, prüfen. Die Polen standen mit offenen Händen oben an und erhielten das zanberthätige Palladium, Freiheit, alle Hilfsquellen des Staates und des Landes ausznbeutcn, Gleichheit ihrer nationalen Sprache mit der großen deutschen Cultursprache, ja noch mehr, Verdrängung der Reichssprache Mid ihrer Träger zugunsten des Eintrittes des polnischen Elementes in Staat und Schule. Die Polen kannten nur die Brüderlichkeit, welche mit den eigenen Connationalen beginnt und mit ihnen aufhört, die Brüderlichkeit, welche durch Gegenseitrgeit im Protegieren der Einzelnen besteht. Die Ueberzeugung, dass luijer Volk in Galizien auch zum österreichischen Staatsbürgerthum gehört, dass auch unser Volk mit seinem Blute seine Bürgerrechte erkauft hatte, konnte schon damals. nicht zum Durchbruche gelangen. # Ein unüberwindlicher Hass gegen die „Zydy ernancypowany“ forderte den Straßenpöbel zu verschiedenen Zurufen heraus. Von Jan Dobrzanski rührt die natnrhistorische Eintheilung der galizijchen Inden in „Lapserdaki“ (Zizithtragende) und „Koscherteutonski“ (Koscherdeutsche Juden) in Fcack und Cylinder her. G a l izie n und nur dem pvluis ch en E l e su e u i gebürt der Ruhm, die erster Rufer und Wecker der bestialischen Triebe im Cnltnrinenschen des neunzehnten Jahrhunderts zu sein. Lemberg und Krakau sind die Cultnrstätlen der wahnsinnigen Verfolgung der Nebenmenscheu; die polnische Journalistik ist mit mir ganz geringer Ausnahme die Ablagesiätte dieses pesiileuteu Schmutzes. Wir wollen gleich hinznfügen, wie sehr diese Mistbeete erziehliche Kraft producierten und in ihren Pfühlen eine gewaltige Quelle der Verworfenheit abgaben, welche dann unseren Kaijerstaat und weit über seine Gemarkungen Europa insicrerte. Der zweite Stamui. >> i c R u t b e n e u, empfanden wenig Lust, iu das Wuthgehenl gegen die Juden zugunsten der polnischen Desperados ciuzustunmeu. Das ruthenische Baueruvolk hielt zumeist mit feinem Mo sch ko, dem Freunde und Geldgeber in schweren Nöthen. Niemals missgönnten diese bäuerlichen Elemente den; jüdischen Nachbar:! den Erwerb von Grund und Boden. Die höhere Intelligenz der Rnlhcnen niusste selbst beu Daseinskampf gegen die Schlacht» führen. Das dritte Bolkselcmcnt, das d e n t s ch e, welches heute nur noch auf dem stachen Laude anzrltreffen ist, hat, a!S es zu staatlichen Functionen in Amt und Schule berufen war, stets in humaner und wohlwollender Weise seines Amtes gewaltet. Aus dem Laude, wo dasselbe fett einem Jahrhundert Mnsterfaemen einrichtete, blieben die Colonisten in freunduachbarlichem Verhältnisse mit ihren jüdischen Nachbarn — in gleich biederer Weife betreibe« sic stets den Handel mit den Juden. Diese wohlwollende Haltung, diese gerechte Handhabung vor: Gesetz und Recht settens des staatlichen Beamtenlörpers bleibt der cülTin: Generation stets iu angenehmer Ettuncruug. Ein Gr fühl unbeugsamer Gerechtigkeit bestärkte bas Vertrauen der Juden in Galizien rn die Stabilität der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Sicherheit unserer Person und des Eigenthums in eineui so hohen Maße, dass wir nur in einem neutralen — nicht national einseitigen — Ghetto zn leben glaubten. Der jüdische Vvlkskörper, dem eine nennzehnhnndertjährige Leidens- und Zmangsschnle mit iljveu eisernen und feurigen Ruthen seine Empfiudlichkeit für moralische und materielle Misshandlungen noch nicht zu benehmen vermochte, dieser wnride Organismus bildet eine sichere Scala, auf welcher die wichtigen Tagesbegebeuheiten von selber sich einzeichnen. Genug davon! Iu den Siebzigerjahren, in denen das n e n t r a l e B e a m teilt h n m die galizischen Gemarkungen Chronik des Judenthums. Aniarrd. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender.) Die Vereinsleitung versendet eben den Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1900: „Auch in diesem Vereinsjahr 1900, in welchem sich die Verhältnisse für unsere Glaubensbrüder nicht gebessert hatten, und tn welchem sich auch die Vereinsleitung bemnssigt sah, für Krankenunterstützungen, Trauer- und Nothfälle gegenüber dem Jahre 1899 circa 900 Kr. mehr zu verausgaben, ist der Cassaausweis dennoch als günstig anzusehen. Im Vereinsjahre 1900 konnte — durch die säumigen Darlehensrückzahler behindert — die Vereinslertung den zahlreichen Darlehenswerbern leider nur theilweise entgrgenkommen. In diesem Jahre sah sich die Vereinsleitung zu ihrem Bedauern sogar gezwungen, gegen mehrere Darlehensschuldner im Klagewege vorzugehen. Dies geschah aber erst, nachdem wiederholte, eirdringliche Mahnungen seitens der Vereinsleitung einerseits und seitens des Rechtsanwaltes derselben an die betreffenden Schuldner fruchtlos ergangen waren. Allen Gönnern, Förderern und unterstützenden Mitgliedern des Vereines sei hiermit für ihr Wohlwollen gedankt, und hoffen wir, das dieselben auch fürderhin unseren Humanitären Bestrebungen ihre Symvathien zuwenden werden. Den Vereinsärzten Herren Dr. Jsak Reiß b erg und Dr. Clemens Rochmes wird für deren pslichtgetreues, humanitäres und ersprießliches Wirken der Dank ausgesprochen. Unser Bethaus wurde im Jahre 1900 durch einen kostbaren Schmuck, einen neuen „Sefer Thora" bereichert. Allen jenen, die durch ihre Opserwilligkeit, Mühe und Bestrebungen zur feierlichen Weihe dieses altehrwürdigen Symbols der Glaubenstreue beigetragen haben, sei hiermit herzlich gedankt." Wicu. (G r ü n d e n d e V e r s a m m l u n g.) Am Samstag den 24. August l. I. fand im Festsaals dos „Jüdischen Volksvereins" die gründende Versammlung des Vereines der Tempelsänger Wiens statt. Der neue Verein soll die Hebung der Standesinteressen, die Schaffung eines Kranken- und Unterstütznngsfonds und die Pflege elassischen Gesanges zum Zwecke habeu. Dem vorbereitenden Comit« gehören die Herren L e w r t, S i l b e r m a n n, Strichs und L e m b e r g e r an. Die Versammlung nahm einen äußerst anregenden Verlaus und sprach sich einhellig für die Gründung der Vereines aus. Brünn. (Eine Reminiscenz an den Hilsuer- Process.) Der Kronzeuge im Process gegen Hilsner, Peter Peschak, klagte den Jakob Schiller, Privaten in Polna, wegen Eh ren b e l e iü i g ung, da dieser sich geäußert habe, Peschak werde wegen falscher Zeugenaussage in den Arrest kommen. Der Loealaugenschein habe nämlich ergeben, dass Peschak in einer Entfernung von 800 Schritten nichts unterscheiden könne, während er iü seiner Zeugenaussage das Gegentheil behauptet hatte. Bei der über diese Ehrenbeleidigungsktage geführten Verhandlung verlangte der Advocat Dr. Schwarz aus Jglau, der Vertreter des geklagten Schiller, zur Durchführung des von ihm angebotenen Wahrheils- oder Wahrscheinlichkeitsbeweises die Requisition der Protokolle aus dem Hilsner-Processe, betreffend die Zeugenaussage Pesch aks und den Localaugenschein. Diesen Antrag wies der Richter zurück, ebenso wurde auch die von Schiller erhobene Beschwerde bei der zweiten Instanz abgewiesen. Bei der zweiten Verhandlung erklärte Dr. Schwarz, die Verantwortung für die Beschwerdeschrist persönlich zu übernehmen, da er dieselbe verfasst und sich dabei an die Verhandlungsprotokolle aus dem Hilsner-Process gehalten habe. Peschak behauptete nämlich, dass die Beschwerde neuerliche Beleidigungen enthalte, und dehnte die Anklage auf Dr. Schwarz aus. Dttser wurde nun zu einer Geldstrafe von einer Krone verurtheilt, da der Schlusspas'sus der Eingabe thatsächlich eine Beleidigung enthalte. Dr. Schiller brachte die Angelegenheit vor die mährische Advocalenkammer mit dem Ersuchen, die Generalprocuralur anzugehen, die Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes einznbringen. Die Advoeatenkammer gab diesem Ansuchen statt, und dcr Caffationshvf erkannte, dass das Urtheil des Bezirksgerichtes Polna, welchem zufolge Dr. Schwarz zur vorerwähnten Geldstrafe verurtheilr worden war, sowie das Erkeni'ttnis der zweiten Instanz vom 21. September auszuh eben seien. Durch die beiden Urtheilssprüche sei das Gesetz thatsächlich verletzt worden und Dr. Schwarz sei z u r G ä n z e f r e iz u spre ch e n. Teplitz. (Wie es gemacht wird.) Die Majorität des Gcmeinderathts von Eger hat in einer ihrer letzten Sitzungen ein nettes Stückchen prakticierr, welches den Anschein gibt, als ob geistige Beschränktheit in dieser „Rathsstube" Aufenthalt geuommoi hätte. Es galt dre Aufnahme einer Anzahl von Bewerbern in den Heiniatsverband. Bekanntlich haben alle österreichischen Staatsbürger nach dem neuen Heimatsgesetze begründeten Anspruch auf Aufnahme iu den Verband derjenigen Gemeinde, in der sie mindestens zehn Jahre ununterbrochen ansässig sind. Sie haben nur ihren Anspruch bei der Gemeinde anzumetden, und diese muss nach dein Gesetze innerhalb sechs Monaten die Aufnahme vornehmen. Diese für so viele Familien anßerordeutlcch wichtige Sache ließ aber den Egerer Gemeinderath fast bis zum letzten Augenblicke kalt mw, mehr der Notb gehorchend als dem eigenen Triebe, wurden nach verstrichener Frist vorerst diejenigen Bewerbungen der vorgeschrieuenen Behandlung unterzogen, welche «gleich im Monate Jänner l. I. eingelanfen waren. Selbstverständlich wäre es gewesen, dass alle diese Bewerber ohne jede Debatte rmd in Bausch itub Bogen in den Heimatsverband ausgenommen worden wären, wie es auch der Stadtrath beantragte, aber was sonst als selbsiverstündlich gilt, ist es nicht bei dieser Gemeinderaths-Majorilät. Diese wollte durch ein Schildbürgerstückchen glänzen, und so beantragte sie und setzte es auch durch, dass allen Bewerbern jüdischer Confessio» vorlaitfig die Aufnahme in den Heimatsverband verweigert wurde. Es ist dies eine ganz nutzlose und öde

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