Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 35 (30.8.1901)
- Date
- 1901-08-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. August 1901 Nr. 35 satz „Deutschüber Jüdisch-politisch?" erschienenen Artikels, der dem „deuisch-politschcn Vereine" gewidmet ist. Als ich diesen, offenbar ans christlich-deutscher Feder stammenden Artikel las, fiel mir mein runter alter Freund Aesop ein, der mir in uu’iner Kindheit d-e b hrreiche Geschichte vom schlauen Fuchse erzählte, der mit tausend süßen Worten den Hahn vom sicheren Baumziveige locken wollte. Dieser gleisnerische Fuchs! Wie fromm er die 'Augen verdrehte, wie salbungsvoll er vo» der Solidarität der Tdiere sprach, von der Freundschaft und Brüderlichkeit, die alle verknüpft. Muh will bedünken, dass auch die Deutschen uns Juden z u m Fressen gern haben; echte Fuchseiilrebe. Aber wir werden so klug sein, wie der Hahn auf feiner luftigen Höhe und uns nicht locken lassen. Mau lese nur aufmerksam, was diese Schäker schreiben. Einst seien die „Deutschen ohne Unterschied der Coufessivn" — warn in nicht gleich auch der Nation? — miteinander Hand in Hand gegangen. Ais vor kurzen! war in der; „Bnkowinaer Nachricht n" immer von „Deutschen und Juden" schlechthin zu lesen: man schied diese zwei Rassen von einander — was elhualogisch ganz richtig ist. — Mir euunimale gibt es wiener „Deutsche christlicher", und „Deutsche jüdischer Couftsft.vlt" — v, diese E-we! „Der Zusammenhang in verloren gegangen, zuerst in politismcr, dom; in gesellschaftlicher Hinsicht." Der Zusammenhang ist verloren gegangen? Wie? haben etwa die Juden den Deutschen die Freundschaft gekündigt? Haben etwa die Herren T : t t i n g e r, Golde nberg. Reiß und die anderen jüdischen Großen einer deutschen Einladung keine Folge geleistet? Wie? haben etwa die jüdischen Principessas einen gesellschaftlichen Verkehr mit christlichdeutschen Damen shoking gefunden? Rennt nicht die jüdische haute volee zu den katholisch-deutschen Volksfesten? Wer hat den politischen Zusammenhang, Hier hat den gesellschaftschaftlichen zerrissen? Wir Juden? Haben wir den christlich-deutschen Verein gegründet? Lag eine Politische oder gesellschaftliche Nothweudigkeit zu seiner Gründung vor? Bei dieser Gelegenheit eine persönliche Bemerkung, die tch, um nicht missverstanden zu werden, nicht genug wiederholen kann. Ich und meine jüdisch-national-zionistijchen Gesinnungsgenossen haben au der „christlich-deutschen Gründung" niemals Anstoß genommen; wir haben uns durch die von deutscher Seite bewirkte Separation nicht im geringsten getroffen gefühlt, im Gegentheile, diese reinliche Scheidung war uns ein Argument gegen die widerliche jüdisch-deutsche Assimilation, die durch den neuen deutsch-politischen Bereiu wieder gezüchtet werden soll. Also, „der Zusammenhang wurde zerrissen und nur knapp vor den Wahlen haben sich christliche Deutsche und Juden wieder gefunden!" Nun kommt der Pferdefuß heraus. Die Wahlen thun es den Deutschen an. Den gesellschaftlichen Zusammenhang brauchen sie nicht, aber den politischen. Vor der Wahlurne zählt Michael Schulze oder Franz Müller oder Peter Z a p f e l genau soviel, als Chaim Steinquetscher, Joffel Zwiebelduft, oder F e i g e l e s, ja es geht sogar die Sage, dass eine jüdische Majorität bei Wahlen mehr ansrichten kann, als eine waschechte deutsch: Minorität. Die Gründung des deutschpolitischen Vereines ist sonach unter dem Gesichtspunkte einer Politischen Action zu betrachten. Alle gesellschaftlichen Momente fallen weg. Das beweist die Tbatsache des Fortbestandes des christlich-deutschen Vereines, das beweist die sehr interessante Thatsache der sorgsam gehiiteten, m ö g l i ch st e n I n d e n r e i n h e i t d e s M ä n n erg e s a n g v e r e i n e s, der von der „verjudeten" Göbelshöbe in den Gastgarten des Deutschen Hauses sich geflüchtet hat, wohin sich selbst die „Deutschen mosaischer Confessio»" nicht hineingetrnuen. Wenn es den Deutschen nicht um die jüdische Wählermasse gienge, würden sie ja nicht den deutsch-politischen Verein gegründet haben. Denn eine bessere Organisation als den .christlich-deutschen Verein" brauchen sie nicht. Wäre es ihnen ernst um die verloreu gegangenen jüdischdeutschen Brüder, würde es ihnen wirklich um die Freundschaft der Juden gehen, dann hätten sie ja die Thore des Deutschen Hauses für Juden und Deutsche geöffnet, hätten den „ch r i stl i ch - d e u t s ch e n" Verein in einen „deutschen" Verein umgewaudelt und hätten die „Arminia" zur Aufnahme von Inden commandiert. Aber nein. Wir Deutsche wollen im christlichen Vereine allein unter uns sein, sagen sie. Euch brauchen wir nur zu oen Wahlen. I h r Juden sichert uns die M a n d a t e in d c r K a ni u. e r. d i e H e r r s ch. oft r m G e m e i n d cr a t h e i n C z e r n o w i tz, I h r I u d e n g e b t u n s die Mandate von S e r e r ö, Radautz, Suczaw a u n d Czernowitz für d e >r Landtag und den Reich sr rt t fi, I h r seid das verlässlichste Stimmvieh v v u der W e l t. Darum wollen die Deutschen mit uns Juden zusammenwirken, aber nur — im deutsch-politischen Vereine. Merkt Ihr nicht, Ihr „deutschen Juden", welche klägliche Rolle Ihr spielet? Treibt es Euch nicht die Schamröthe ins Antlitz, dass Ihr zu deutschen Mauerbrechern missbraucht werden sollet? Habt Ihr denn gar kein Ehrgefühl, dass Ihr bei der ersten Lockung an alle die Fußtritte vergesset, die Euch Eure „deutschen Brüder" draußen im Reiche, im Parlamente, im uiederösterreichischen Landtage freigebig austheilen? Wisset Ihr denn nicht, wie es in den Versammlungen des christlich-deutschen Vereines zugeht? Werden nicht die wenigen jndensreundlichen Deutschen mit Osteutation „Judenknechte" gehöhnt? Wenn Ihr Juden das alles wisset, warum seid Ihr so selbstvergessen und drängt Euch in deutsche Kreise? Jahrhundertelang wäret Ihr die Parias der Gesellschaft, die Getretenen, die Zertretenen, jahrhundertelang habet Ihr die Knute demüthig geküsst, die Euch gezüchtigt hat,' fanget doch endlich im L'.chte der Morgensomie des 20. Jahrhunderts an, Männer mit Stolz, Selbst- und Ehrgefühl zu werden! Fanget an, das Gefühl des Wurmes zu empfinden, der, wenn er getreten wird, sich wenigstens zu krümmen versteht! Fanget an, Euch dessen zu besinnen, was Lord Benjamin Disraeli im englischen Unterhause gesagt hat, als man ihm den „Juden" ins Gesicht schleuderte. Gedenket dessen, wie er, dass wir Juden schon ein großes Cülturvolk zu einer Zeit waren, als die Deutschen noch in Bärenfellen Herumgiengen und iu Höhlen wohnten! Kommet doch einmal zum Bewusstsein, dass Ihr auf der weiten Welt nichts anderes sein könnet, als Jude n, Juden und noch einmal Jud'en. Ihr sprechet deutsch? Gut. Wer wird Euch daran hindern, wer wird Euch dafür auf beide Wangen küssen? Haben denn nicht die deutschen Fürsten des 18. Jahrhunderts nur französisch gesprochen und waren sie darum Franzosen, waren sie denn nicht trotzdem Deutsche? War nicht der Philosoph von Sanssouci, Friedrich der Große, ein französischer Cultmmensch, welcher deutsche chauvinistische Historiograph würde auf ihn verzichten? Ihr seid Juden, Ihr gehört der jüdischen Nation oder — wenn es Euch weniger schrecklich klingt — dem jüdischen Volke an, trotzdem ihr deutsch redet. Die Sprache ist nur Fort», nicht Inhalt, nur Schale, nicht Kern. Mit tausend Banden seid Ihr an das jüdische Volk geknüpft, und wenn Ihr Euch auch zwanzigmal taufet, wird Euch der Deutsche noch immer zurufen, dass in der Rasse die Schweinerei steckt. Vom Tage. Ein Capitel über journalistische Sitten. Mit Bezug auf die bei uns und iu der „Bukvwinaer Post" erschienenen Artikel „Deutsch oder jüdisch-politisch" schreibt Dr. Mayer-Ebner: Sehr geehrter Herr Redaeteur! Da ich einige Tage nicht in Czernowitz war, sind mir erst gestern die Entgegnungen der hiesigen Blätter auf meine Aufsätze „Deutsch- oder Jüdischpolitisch?" zu Gesichte gekommen. Ich will darauf mit wenigen Worten reagiereu. Die „Bukowiuaer Nachrichten" schrieben, indem sie meinen Namen zu einem Schlagworte für einen Aufsatz missbrauchten, dass meine Ausführungen den Zweck aalten, „den Dentscheit im allgemeinen und den christlichen Deutschen in der Bukowina insbesondere den Garaus zu machen". Diese blödsinnige Bemerkung beweits mir, dass mich der bornierte 'Autor gar nicht verstanden bat. Denn jeder vernünftige Mensch wird aus metuat Aufsätzen entnommen haben, dass mein Kamvf nicht gegen das Deutschthum und den deutsch-christlichen Verein, denen ich alle Gerechtigkeit widerfahren lasse, gerichtet ist, sondern gegen das deutsch-dümmelnde Assimilations-Judenrhum. Ich bekämpfe nicht den „deutschpolitischen Verein," somit auch nicht den Professor Dr. Skedl, dessen Bestrebungen ich vom deutsch-opportunistischen Standpunkte ganz gut verstehe, ich bekämpft vielmehr nur jene Juden, welche ans der jüdischen Geschichte der letzten Jahrzehnte alles vergessen und nichts gelernt haben, ich bekämpfe mit Erbitterung, aber mit aller Offenheit jene Juden, die noch tief iu den rückständigen, assimilatorischen Anschauungen stecken. Ich wiederhole es, es ist kein Kampf gegen das Deutschthum, dessen hohen Cnlturwert ich neidlos anerkenne, es ist ein Kampf gegen die jüdisch-deutsche Assimilation. — Dies zur Klarstellung meines Standpunktes. — Nun einige persönliche Bemerkungen. Die „Bukowinaer Nachrichten" haben in ihrem auf den von mir mit vollem Namen gezeichneten Aufsatz erschienenen Antwortartikel, „Der deutsch-politische Verein" betitelt, die Bemerkung „einfließen" lassen" : „Ein Schuft ist derjenige rc." Da ich a l s M a n n und e h e ma l i ge r j ü d i sch - na t i v n a l e r Student eine derartige Beschimpfung unmöglich auf mir sitzen lassen konnte, forderte ich den anonymen Artikelschreiber öffentlich aus, sein Jueognito abzulegen, die Maske zu lüften und seinen vollen Namen zu nennen, »veil ich mich doch unmöglich an den unschuldigen „Verantwortlichen" halten konnte. Ich glaube, mein Vorgehen war correct und unzweideutig. Ich erwartete, dass, wenn diese Beschimpfung von einem Manne und Cavalier ausgegangen ist, er sich über meine öffentliche Aufforderung melden wird. Das hat auch jedermann erwartet. Statt dessen erschien wieder eine von feiger Gemeinheit strotzende Notiz, die auf die urdumme Bemerkung hiuausläuft, dass man sich mir gegenüber als einem „Gewaltmenschen" (!) wegen einer Beleidigung nicht zu entschuldigen brauche — das ist der neueste Ehrencodex aus der borniertesten Redaction von Czernowitz. Die Schreibweise dieser Notiz ließ einen Mittelschüler etwa aus der Tertia, die Dummheit aber irgend einen in voller Gehirnparalyse befindlichen Flachkopf vermuthen. Der Autor dieser Notiz — wer immer er auch sei — hat von nun ab jede Fähigkeit, einen anständigen Menschen zu beleidigen, verloren. Scienti satis. Dr. May er Ebner. gehaltene Kraft in diesem Heros, welcher der Uebermacht des Kleinen und Kleinlichen eine Weile unterlegen ist. Schmerz und düstere Resignation sprechen aus dem leicht gesenkten Antlitz und den kräftigen männlichen Augen. Diese Natur macht einen überwältigenden Eindruck, gleich der Geschichte des von ihr dargestellten Helden in der Bibel. S. Lipinsky hat bei der akademischen Preisbewerbung den Rompreis errungen. Der junge Künstler, ein Meisterschüler Anton von Werners, ist 1873 in Graudenz geboren, besuchte von 1891 bis 1896 die Berliner Akademie und wurde dann in Werners Atelier ausgenommen. Im Jahre 1900 malte er sein erstes großes Bild im Schlosse des Grafen Moltke auf Creisan. Es stellt den Einzug der Franzosen in Lübeck am 6. November 1806 vor und zeigt Moltke als Knaben, wie er der Plünderung der Soldaten zusieht. Das Bild wurde am 100. Geburtstage des Feldmarschalls enthüllt. In den letzten Ausstellungen war Lipinsky mit Portraits vertreten; unter anderen hat er das Bildnis des Jnspectors der Hochschule, des Herrn Croner, gemalt. Das Stipendium der Michael Beer - Stiftung in Berlin im Betrage von 2250 Mark zu einer Studienreise nach Italien ist seitens der königlichen Akademie der Künste dem Bildhauer Jakob P l e s s n e r zuerkannt, worden. Am 1. Juni starb in Paris der bekannte französische (belehrte und Dichter Eugene Manuel im Alter von 78 Jahren. Manuel trieb zuerst philologische Studien und bekleidete längere Zeit verschiedene Lehrerstellen, zuletzt die Professur der Rhetorik am Lycee Henry IV. zu Paris, bis er 1870 die Aufmerksamkeit des damaligen Unterrichtsministers Jules Simon mlf sich lenkte, der ihm dann zum Chef seines Secretariats ernannte. In dieser Stellung bewährte sich Manuel außerordentlich, so dass er nach acht Jahren schon Generalinspector des öffentlichen Unterrichtes wurde. In dieser Stellung, die er bis an sein Lebensende inne hatte, übte der Verstorbene einen hervorragenden Einfluss auf die Gestaltung des geistigen Lebens in Frankreich aus. Nicht minder erfolgreich ist Manuel, der unter anderem auch Commandeur der Ehrenlegion war, als Dichter geivesen. Von seinen Werken sind die wichtigsten Gedichtsammlungen „Pages intimes", die von der Pariser Akademie gekrönt wurden, sowie „Pendant la guerre" und „Poemes populaires", die die Stimmung des französischen Volkes toährend des großen Krieges in seltener Treue wiederspiegeln. Von seinen dramatischen Erzeugnissen sind bekannter geworden „les Ouvriers" und „l'Absent". Besonders das erstere, das einen Preis von 6000 Francs seinerzeit davontrng, : hat eine sehr warme Aufnahme gefunden. Noch heute zählen die i „Ouvriers" zu dem ständigen Repertoire der Comedie Francaise. : Eugene Manuel blieb ein glaubenstreuer Jude bis zum Tode. Im; israelitischen Central-Consistorium vertrat er seit Jahren Lyon. I M. Ein Von Maxim Gorkij. Deutsch von Julie Goldbaum. In einer Stadt an der Wolga trug sich das, was ich erzählen will, vor fünfzehn Jahren zu. Es war ein heißer Junitag, seit dem Morgen arbeitete ich am Ufer des Flusses, mit dem Tbeeren einer Barle beschäftigt; die Zeit näherte sich schon der Mittagsstunde, als ich ans der Vorstadt, weit hinter mir, ein dumpfes, drohendes Geräusch vernahm, welches dem wüthendeu Gebrüll tmngeriger Stiere ähnelte. Ich selbst war auch huugerig, ich wollte meine Arbeit so rasch als möglich beendigen und schenkte deshalb anfänglich diesem entfernten Getöse keine weitere Aufnterksamkeit. Der Lärm aber wurde immer stärker, er wuchs mit jeder Sccunde wie der Qualm einer beginnenden Feuersbrnnst. In der heißen Luft über der Vorstadt stand eine dichte Rauchwolke — ich blickte hin, und mir schien, als sähe ich die Luft erfüllt von den Tönen verschiedener Stimmen, die zugleich mit dem Staube der Ecde entstiegen waren. Der Staub wurde immer dichter, die Töne lauter und greller, die Luft schien zu erzittern, und mit ihr zugleich zitterte das Herz in banger Ahnung von etwas Bösem . . . Ich warf die Arbeit weg, stieg das sandige Ufer hinan, und meinen Angen bot sich folgender Anblick: Ans den Thoren der Häuser sprangen Menschen heraus, sie liefen die Straße hinunter und verschwanden in der Vorstadt, hinter ihnen liefen Hunde und Kinder, erschreckte Tauben wirbelten über ihren Köpfen, und Hühner rannten veriovrren herum. Vom allgemeinen Wirbel erfasst, begann ich anch zu laufen. „Auf der Elisabethstraße ist eine Schlägerei!" ries jemar d. Auf der ungepflasterten Straße raste den Laufenden entgegen ein Lastwagen. Der Mann, welcher auf dem Kutschbocke saß, schlug wüthend mit den Zügeln aus die Pferde los und schrie aus voller Kehle: „Die Unserigen werden geschlagen! . . . " „Die Lastträger schlägt mau! . . ." Ich bog in ein enges Gässchen ein und musste stehen bleiben. Das Gässchen, in welchem Kopf an Kopf dicht gedrängt eine Menge stand, glich einem mit Korn vollgefüllten Sacke. Weit vor mir ertönte ein Heulen und Wimmern von Menschenstimmen, Fensterscheiben klirrten, schwere Schläge dröhnten, irgend etwas krachte und fiel, die Töne deckten einander wie Herbstwolken und durchzogen die Luft wie ein schweres Gewitter. „Inden werden geprügelt!" sagte mit Befriedigung ein alter, anständig gekleideter Mann. Er rieb fest feine kleinen, trockenen Hände nno setzte hinzu: „Geschieht ihnen schon recht!" Angezogeu durch den aufregenden Lärm, bemühte ich mich, vorzudringen. Nicht mich allein lockte dieses fürchtet liehe Getöse, alle zog es an, verschlang es iu sich. w>e ein Morast. Die Gesichter der Menschen vor mir waren erregt und zornentblunni. die Augen blickten gierig. Wie eine einzige schwere Masse bewegte sich die Menge vorwärts, bereit, jedes sich ihr entgegenstellende Hindernis, Zäune und Wände, zu durc'jdringeu und niederznreißen, jeder einzelne bereit, seinen Vordermann umznsivßen, dessen Leib mit Füßen zn treten. Ich stürzte in den Hof eines Hauses, sprang über Zäune in einen zweiten und dritten Hof und — ich befand mich wieder in einem dichten Menschenknänel. Die Menge stand in dem von Gebäuden eingefassten Hofe eines großen Hauses, sie bewegte sich in dem engen Raume so stürmisch hin und her, als würde sie von dem erbebenden Boden in die Höhe gehoben. Wie Besessene schrien die Menschen, die Köpfe in Die Höhe reckend; ihre Gesichter waren roll), sie fletschten die Zähne, warfen drohend die Arme in die Höhe, stießen einander, krochen auf die Dächer der Wirtschaftsgebäude, glitten ans, sielen zu Boden und krochen wieder herauf. Und trotz der Mannigfaltigkeit der Bewegungen hatten sie doch alle etwas