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Jüdisches Volksblatt · 1901-08-23 · 34 (23.8.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. August 1901 Seite 3 Papier bei den Beilagen als der alleinseligmachende Qualificationsbeweis fehlt; den dritten wieder mit einem faulen Witze abtrumpfen, dann stellt sich die Frage ernster, als man es zu halten beliebt. Auch unser Volk besitzt Mägen, und die Magenfrage pflanzt sich vor jeden jüdischen Jndividum von der Wiege bis zum Grabe — welche beantwortet werden muss nicht vom einseitigen Standpunkte des Non pos.sumus, sondern von dem der socialen Gerechtigkeit und Naturnoihwendigkeit. Eine offene Frage an den Abgeordneten P. Schöpfer. Eine der widerlichsten Erscheinungen ist der Priester als Hetzer und Agitator. P. Schöpfer, das neueste Kirchenlicht der christlich-socialen Partei, hält es für nothwendig, in Tirol die Fahne des Rassenhasses zu entfalten. In Tirol sind Wohl viele Juden, aber nur im Sommer, und es ist nicht zu leugnen, dass sie in unverschämter Weise der christlichen Bevölkerung das jüdische Geld aufdrängen. Deshalb warnt der P. Schöpfer die biederen Tiroler vor dem jüdischen Großcapitalismns, unb bei der überzeugenden Macht seiner Worte auf den dummen Wastl fürchten wir, dass in der nächsten Saison der Wastl kein Geld von Juden nehmen wird. Ferner sagt er, dass „jeder gute Christ und Katholik Antisemit sein müsse. Nicht in dein einzelnen Juden sondern in der 3t affe liege die Gefahr". Das entblödet sich ein katholischer Priester zu behaup- ' ten. Vergisst er beim ganz, dass der Stifter des Christenthums, dem die Christen göttliche Ehre erweisen, sich rühmte, „vom Stamme Davids" abzustammen!? Dass er durch die rituelle Beschneidung in den Bund Israels ausgenommen wurde und im dreizehnten Jahre im Tempel zu Jerusalem für einen volljährigen Juden erklärt wurde!? Ist es dem Pater und Religionsproscssor Schöpfer nicht bekannt, dass der Täufer Johannes, die Apostel Paulus und Petrus Juden waren? Verlassen wir diese Vorzeit und sehen wir uns in der Gegenwart um. Weiß denn Pater Schöpfer nicht, dass die Fürsterzbischöfe Dr. Kohn in Olmütz und Dr. Kahn in Kärnten der jüdischen Rasse entstammen? Wagt cs also nach diesen Argumenten noch der P. Schöpfer, zu behaupten, dass in der Rasse die Gefahr liege? Wir erwarten auf diese offene Frage eine offene Antwort. Der Falt Hilsner. Vor uns liegt ein Brief, den Leopold Hilsner aus Prag-Pangratz an seine Mutter geschrieben hat. „Liebe theure Mutter, ich hoffe doch zum lieben Gott, dass die Unschuld wird überzeugt werden", so ruft er in rührender Hilflosigkeit immer und immer, und damit erhebt sich in uns die Erinnerung an Tage, da das Recht der Politik sich beugte und die Schuldigsprechung eines Menschen nach dem Spruche eines Parlamentariers zur Staatsnothwendigkeit geworden war. Hilsner ist lebendig ins Grab gesunken und ungehört verhallt sein Schrei nach 3techt. Doch nicht unbeachtet. Die überzeugende Sprache, welche die Unschuld führt, bringt die antisemitische Meute in arge Noth. „Der vom „Jüd. Volksblatt" gebrachte Brief Hilsners trägt alle Zeichen der Erfindung," so schreibt die „Deutsche Zeitung" zu ihrer und ihrer Leser Beruhigung. Denn wäre der Brief nicht erfunden, so wäre er die mächtige Klage und Anklage eines unschuldig Verdammten, dessen Worte, ohne dass er es wissen konnte, den Weg zu Herz und Gelmssen finden mussten. Und Spuren von beiden mag der Hetzer verspürt haben, als er das Schreiben in seiner ergreifenden Einfalt las. Wir wurden durch dieses nun in unserer Ueberzeugung bestärkt und werden nicht aufhören, daran zu erinnern, dass mm auch Oesterreich — der Vergleich stimmt, Herr Doctor Wähner — seinen Fall Dreyfus hat. Spanien und die Juden. Ungetheilte Heiterkeit erregte seinerzeit eine Notiz in unserem Blatte, in der wir das „Deutsche Volksblatt" annagelten, das den Ruin Spaniens den Juden, die einige Jahrhunderte vorher gänzlich aus Spanien vertrieben worden waren, in die Schuhe schieben wollte. Jedenfalls scheint mau in Spanien nicht viel auf das Urtheil Ehren-Verganis zu geben, vorausgesetzt, dass man von seiner Existenz überhaupt eine Ahnung hat. Wie nämlich die politischen Tagesblätter melden, hat der spanische Consul in London der englischen Regierung niitgetheilt, dass die spanische .Regierung bereit sei, Juden aufzunehmen, welche aus immer welchem Lande Europas auswnndern. Sie ist bereit, ihnen freie Hinfahrt zu bezahlen und beim Anschaffen von Ackerbaugeräthen behilflich zu sein. Ein später Versuch, das blutige Unrecht Spaniens an den Juden wieder gut zu machen, oiiic späte Rehabilitierung der Inden durch die spanische Ration. Die Juden in Bukarest haben auch an vier Orten, in den Theetrinkhallen in der Calea Moschulor, Calea Duderti und in der Calea Vacaresti Versammlungen abgehalten, um über die künftige Auswanderung nach Spanien imb nach Transvaal zu berathen. Es wurden Comitees gewählt, um von den Behörden Spanien und Transvaals Informationen einzuholen. So ändern sich die Zeiten. Spanien, lvelches die Juden austrieb, wünscht sie wieder zurück, und das katholichste Land der Welt fällt bei Vergani in Ungnade. Brief aus Prag. (Original-Correspondenz des „Jüdischen Volksblait".) Das alte Missgeschick der Juden wiederholt sich allenthalben und tagtäglich. Die schmerzlichsten Wunden werden ihnen von ihren Stammesgenossen beigebracht. So geschah es gestern, als es sich im Rathhause der Stadt Prag um das Sein oder Nichtsein des alten jüdischen Friedhofes, einer einzig dastehenden Reliquie längst vergangener Tage, für welche eine andere Stadt ungezählte Schätze opfern würde, handelte. Da war es der unglückselige Geist des Herrn A. S., des Leiters der ganzen Assanatwn, der das Project eines crassen Vandalismus empfahl. Den Fernstehenden mag darin nichts Wunderbares erscheinen, denn Judenfeinde gibt es überall genug. Wenn er aber erfährt, dass Herr A. S., der langjährige Magistratssecretär, nur deshalb es noch immer bleibt, weil er Jude ist, und dass er trotzdem den Muth hatte, den Vernichtungsplan zu empfehlen, das sichert ihm ein Denkmal wie es jedemVerrüther seinesVolkes gebürt. Die Herren Breznovsky etutti quanti verstehen stehen sich auf ihre Juden ausgezeichnet, der eine empfiehlt eine ausgesprochene Barbarei an seinen eigenen Glaubensgenossen, und der andere, auch ein Führer Israels in Böhmen, nimmt sich, um Jouze zu sein, der Sache an, aber Gott bewahre, nicht aus religiösen Gründen, nein, man könnte annehmen, er fühle noch als Jude — und das mag er nicht — sondern aus Gründen des alterthümlichen Charakters Prags; er wusste wohl, wie auch die Zuhörer, es werden nur Phrasen gedroschen. Sie werden nach den anderen Juden fragen, z. B. dem Herrn von I nw a l d t, denen die Aufgabe obliegt, die Interessen ihrer Stammes- — was sage ich „Stamm", den haben sie noch nicht, denn ihr Adel ist viel zu jung — also Glaubensgenossen zu vertreten? Ja, dazu sind sie nicht da, sie haben höchstens mitzustimmen; solche Juden, die etwa die Kühnheit hätten, die Versammlung umzustimmen, die lässt Ehren-B rezn ovsky der Intimus Ernst Schneider s nicht wählen, solche kann er nicht brauchen, seine Juden sind nur solche, die sich nach Art der deutschen Turnjuden ganz einfach beschimpfen lassen um denn noch schweifwedelnd die Hand zu küssen oder den Mann zu wählen, der den Juden begeifert und für das Blutmärchen Propaganda macht. Was jetzt die Beerdigungsbruderschaft thuu wird, ist eine Frage. Sie hat so manchen Fehler gethan, unter anderen, dass sie der Gefahr nicht in ihren Anfängen entgegengetreten ist, und endlich darin, dass sie der Stadt eine Geldentschädigung anbietet. Der Schreiber dieses, ist der Ansicht, dass sie sich damit ganz einfach selbst ins Unrecht versetzte. Wozu für eine Sache Geld zu bieten, die, unzähligemal schon gekauft und mit rechtlich erworbenen Privilegien ausgestattet den Juden als Eigen th um für ewige Zeiten übergeben wurde?! Und diese schwache Seite der Petition hat Ehren-Bre zn o v sky herausgefunden und sie auch weidlich ausgenützt. Was ist denn das, 60.000 Kr. für eine Stadt, die ihre 84 Mill. Kr. Schulden hat, und die nicht im geringsten ansteh^n wird, sie auch zu verdoppeln. Sollte eine Deputation, ausgerüstet mit allen auf den Besitz des Friedhofes sich beziehenden Urkunden, an höchster Stelle des Staates nicht non Erfolg begleitet sein? Sollte ein Appell an die öffentliche Meinung von g a n z E u r o p a keinerlei Eindruck haben? Das ganze Vorgehen ist ein Schandfleck aus der czechischen. Cnltur Die Franzosen halten mit diesem Urtheil nicht zurück, wie die neuesten Btätler beweisen. Wird das die Czechen zur Vernunft bringen? 'föI3ra Krü'ömÄ. Wien. (D i e I u d eu i u d e r A r nt c c.) Die von dem österreichischen statistischen Amt heransgegebene „Monatsschrift für Statistik"briugt die Ziffern über die einzelnen Coufessiouen in der österreichischen Armee. Danach dienten am 31. December 1900: 3tömisch-Katholische 181 249 — 791,4 per Tausend, Griechisch-Katholische 24 801 — 100,1 per Tausend, A rmenis ch-Ka th o l i sche 24 — 0,1 per Tausend, Altkatholische 09 0,8 per Tausend, Griechisch-Orientalische 1 0,0 per Tausend, Evangelische Augsburger Confession 4857 21,2 per Tausend, Evangelische Helvetischer Confession 2820 — 12,8 per Tausend, Anglikaner 2 — 0,0 per Tausend, Meunoniten 9 ---- 0,0 per Tausend, Unitarier 87 0,2 per Tausend, Lippowianer 4 -= 0,0 per Tausend, Jude n 7571 — 88,1 per Tausend, Mohammedaner 1172 — 5,1 per Tausend, Andere Confessionen 8 — 0,0 per Tausend, Confessionslos 17 — 0,1 per Tausend. Zusammen 229 024. Welchen Percentsatz die Juden in der Bevölkerung bilden, ist zur Zeit nicht genau bekannt, da sie sich seit der Zählung von 1890 vermindert respertive nicht sv sehr vermehrt haben,. wie die anderen Confessionen. Damals betrug die Zahl der Juden in Oesterreich 48 pro Mille der Bevölkerung. Noch zlvei Faktoren sprechen mit, um die Ziffer der jüdischen Soldaten bei Zählungen dieser Art kleiner erscheinen zu lassen: Einmal haben die Inden viel mehr Einjährig-Freiwillige als die anderen Bekenntnisse, und bei solchen Zählungen erscheint natürlich nur ein Jahrgang der Einjährigen, dagegen drei Jahrgänge der Dreijährigen. Zweitens wirkt die Auswanderung sehr stark mit, denn es emigrieren naturgemäß gerade die jungen Leute, also auch die Militärpflichtigen am zahlreichsten, und die Juden stellen dazu ein außerordentlich großes Contiiigent. Sie bildeten im letzten Jahre fast ein Sechstel der Auswanderer, während sie in der Bevölkerung ein Fünfimdzwanztgstel bilden. Zieht mau diese Faktoren mit inbetracht und dazu die elende Lebensweise der Juden in Galizien, so muss man sich wundern, dass sie noch so viele Soldaten stellen können. Wien. (F e st g o t t e s d i e n st.) Wie in den beiden Gemeindetempeln, Synagogen und Bethänsern der Wiener Vereine, fand anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers auch im Vereine „Beth-Jsrael", II., Leopoldsgasse 20, ein feierlicher Festgottesdienst statt. Schon vor der festgesetzten Stunde hatten sich in der Vereinssynagoge, die von außen und innen festlich decoriert war, in Abwesenheit des fern von Wien weilenden Präses und der anderen, dem Vorstande ungehörigen Herren, folgende Vorstandsmitglieder eingefunden: Director Jg. I o lles, A. M. O p p e r, I. M. Bels und I. W e i ch s e l b a u m, und als der Gottesdienst seinen Anfang nahm, zählte das Gotteshaus ein zahlreiches, distinguiertes Publicum zu seinen Besuchern. Den Beginn der Ceremonien bildete das vom Obercantor M. Scharr in Begleitung seines Chorpersonales vor offener Bundeslade in stimmungsvoller Weise recitierto Matauwu-Gebet. Hierauf bestieg Ehrwürden Vereins- und Gemeinderabbiner M. M ayersohn die Kanzel, um in wohlgewählter Sprachform die Bedeutung des Tages zu erörtern. Mit dem Absingen der Volkshymne schloss der weihevolle Festgottesdienst, und sichtlich ergriffen und erbaut verließen die Anwesenden, die den ganzen Act stehend angehört, das Gotteshaus. D. S. Wien. Sonntag, den 25. August l. I., 7.3 Uhr nachmittags, findet im Tenwel 9. Bezirk, Grüilethorgasse-Müllnergasse die Trauung des Fräulein Sidouie Dawidowicz, Tochter des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Adolf Dawidoioicz, mit Herrn Isidor Zucker' statt. Wien. („I ü o i s ch e B o l k s - L e s e h a l l e.") Dieselbe erfreut sich eines sehr regen Besuches und wurde seit April d. I. von circa 20.000 Personen besucht. Es liegen in ihr Journale in deutscher, hebräischer, englischer, ungarischer und französischer Sprache auf. Wien. („I üdische Volks-Bibliothe k.") Für die im Laufe des Monats September d. I. zu eröffnende .Bibliothek sind uns neuerdings folgende Werke von Wohlthätern des Vereines zugekommen: Pyrker J.L., Werke, L Bano; Frankl Lud. Aug. „Tragische Könige"; Platen August Gottlieb, „Ausgcwählte Gedichte"; Gutzkow Carl, „UrielAeosta"; Grillparzer Franz, „Sappho"; Schiller, „Braut von Messina"; Goethe, „Egmont"; Hugo Victor, „Cromwell"; Mühlbach Louise, „Kaiser Ferdinand und seine Zeit"; Heyse Paul, „Neudeutscher Novellenschatz, l. Band, „Novellenschatz des Auslandes"; Malot Hecwr, „Lieutenant Bonnet"; Badenstedt Friedrich, „Aus deutschen Gauen"; Franzos Carl Emil, „Der Präsident"; Hämmerling Robert, „Aspasia"; Horn Moritz, „Der Freischütz"; Düringsseld Laver,„Die Literaten"; Benkendorf I., „Haman"; Grüuseld Dr. Max, „Die Leute des Ghetto"; Ben Avigdor, „Die Geschwister"; Samuely Nathan, „Culturbilder"; Schott Clara, „Ernstes und Heiteres"; Paulsen John „Die Jüdin". Wir erlauben uns, in 'Anbetracht des humanitären Zweckes, an alle Freunde unserer neuen Gründung das Er. suchen zu stellen, unsere Bibliothek durch Spenden zu erweitern. Wien. (Revision der Gewerbe-Ordnung.) Der vom Handelsminister Freiherrn von Call bereits im Abgeordnetenhaufe angekündigte Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung und Ergänzung der Gewerbe-Ordnung, ist, nachdem das Einvernehmen über denselben zwischen den Ministerien des Handels und des Innern erzielt wurde, nunmehr im Wege der politischen Landesbehörden an die Handels- und Gewerbekammern geleitete worden,. welche sich über denselben nach Anhörung der berufenenen gewerblichen Jnteressen-Bertretungen zu äußern haben. Der Entwurf, welcher zum Theile an den Inhalt der im Wesen unerledigt gebliebenen Regierungsvorlage vom Jahre 1895 anknüpft und die betreffenden Bestimmungen auf Grund der seither gewonnenen Erfahrungen näher entwickelt und ansbant, zum Theile aber weitergehende neue Vorschriften enthält, bezieht sich hauptsächlich auf die sogenannten gewerblichen und genossenschaftlichen Fragen, wogegen die Arbeiterschutz-Bestimmungen durch diesen Entwurf unberührt bleiben, da diese im Hinblicke auf ihren wesentlich verschiedenen Charakter und die bei der Vorberathung, sowie bei der parlamentarischen Behandlung sich ergebenden Unterschiede den Gegenstand abgesonderter Novellierung bilden müssen. Der Entwurf enthält hauptsächlich Bestimmungen über den Antritt von handwerksmäßigen Gewerben, insbesondere auch durch offene Handelsgesellschaften, über die Berechtigung der Handeltreibenden zum Matznehmen, sowie zur Uebernahme von Abänderungen und Reparaturen, über die bezirksweise Abgrenzung für das Rauchfangkehrer-Gewerbe, über das sogenannte Witloeurecht, über das Lehrliugswesen, insbesondere die Anordnung der schriftlichen Form der Lchrlingsberträge und die Regelung der Lehrlingsprüfung bei handwerksmäßigen Gewerben. Die ans die Genossenschaften bezüglichen Normen bezwecken vor allem, die Umbildung dieser voriviegend auf der Territoialprincip aufgebanten Corporationen in Fachgenossenschaften zu erleichtern, da diese im Interesse einer geeigneten Organisation des Gewerbes wünschenswerte Umgestaltung in den bisherigen gesetzlichen Vorschriften und ihrer Handhabung auf Schwierigkeiten gestoßen ist. Eine eingehende Regelung wird ferner den Meister-, Kranken- und Unterstützungscassen der Genossenschaften als Zwangscassen auf dein Boden der Gewerbe-Ordnung zutheil, da das Hilfcassengesetz, welechs derzeit als Basis für diese Cassen dient, nach seiner ganzen Anlage nicht die geeignete Grundlage für die Errichtung der erwähnten obligatorischen Cassen zu bilden vermag. Die Bestimmungen über die genossenschaftliche Arbeitsvermittlung wurden ebenso wie die oben erwähnten Vorschrifteil über die gewerbsmäßige Dienst- und Stellenvermittlung aus dem vom Arbeitsbeirathe bereits begutachteteli Gesetzentwürfe, betreffend die ArbeitsbermittUmg, mit einigen Modificationeil yerübergeuominen. Im llebrigen soll das aus die Genossenschaften bezügliche Hauptstück der Gewerbe-Ordnuilg durch Bestimmungen über die Festsetzung von genossenschaftlicheil Usancen hinsichtlich der Arbeitszeit, der Eiltlohilling uild der Kündigungsfrist der Arbeiter, ferner über das Recnrsrecht der Genossenschaften, über das genossenschaftliche Hilfspersonal, über die genossenschaftlichen Vertraneiisnläliner, über die GenosseilschaftS-Jnstrnetoren und die Genossenschnftsverbnilde bereichert werden, Ivobei Zligleich eniige Aeilderlingen an deil bestehendeil Vorschriften über die Genossenschafts- und Gehilsenbersalnttlllliigen in Aussicht genommen sind. Schließlich schieil es deil betheiligteil Ministern auch geboten, einzelne Bestimmungen des achten itnb nennten Hauptstückes, betreffend Uebertretnilgeil lind Strafen, im Sinne einer Verschärfung der letztereil unter principiell paritätischer Behandlung der Arbeitgeber lind Arbeitnehmer, darnl über die Behörden uild das Vei> fahren einer zeitgemäßen Revisioil zu unterziehen. Es ist beabsichtigt, den Gesetzentwurf nach Einholung Ulld Verwertung der verlangten Aeußernngen dem Abgeordneteilhause iin bevorstehenden Sessiollsabschllitte vorzulegeu. Prag. ( Z u denLaudt a g s w a h l e it. ) Die Rationalfocialt* cz ethische Partei tzat folgende zlvei Beschlüsse gefasst, die für die antisemitischen 'Allüren bezeichnend sind. Der eine derselben geht dahin, dass dein Dr. Ba.ra (!), falls derselbe in den Städten Kolin-Podebrad wieder candidiereu sollte, von der nationatsocialen Partei keine Gegencandidatnr entgegeiigestellt werden soll. Der zweite Beschluss tun

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