Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 33 (16.8.1901)
- Date
- 1901-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblalt lf>. August N Nr. 33 sich faft die ganze Stabt. Here David Lösegeld hielt ans dem Friedhofe einen sehr ergreifenden Nachruf, gestützt auf das Thema: .-T spn -csn ."t ixa roba by cm Möge auch schon der Allbnrinherzige in seiner Allgnade sich unser erbarmen und uns fernerhin vor Unglücksfällen bewahren. Prag. hP o m alten j ü d i s ch e n Friedhof e i :: P r a q.) Die israelitische Beerdigungsbrü der schaft hat an das Prager Ltadtoerordneten-Collegimn ein Gesuch gerichtet, in welchem sie behufs ungeschmälerter Erhaltung ■ des denkwürdigen alten indischen Friedhofes der Prager Stadtgemeinde 400—450 Q.-Mtr. non ihrem Fried Hofe unentgeltlich anbietet, falls die Gemeinde von der Expropriierung ablassen und keine Grundabtretung an anderer Stelle fordern sollte. Weiter macht sich die Beerdigungsbrüderschaft erbötig, auf eigene Kosten eilte Stützmauer aufführenchind die Pläne und Voranschläge für den Neuball des czechischen akademischen Gymilasiums auSarbeiteu zu lassen, ferner der Gemeinde Prag für den Fall, als diese durch Schonung des Friedhofes finanziell geschädigt werden sollte, 00 000 Krollen als Ersatz auszuzahlen. — Die Stadtverordneten haben den Vorschlag der Chewra Kadischa bezüglich der Erhaltung des jüdische:: Friedhofes enbgiltig verworfen; so wenig Sinn für Pietät haben wir doch nicht hei den Czechen erwartet. Prag-Pnngratz. (Ein Brief H i l s n e r s.) Liebe theure Mutterl Ich grüße Dich vielmals und bin bei meinen Leiden gesund; liebe rheure Mutter, erst heute ist es mir möglich, an Dich zu schreiben. Mit Thräueu muss ich Dir schreiben, dass die Nichtigkeitsbeschwerde mir verworfen wurde beim Obersten Gericht und Casiarionshof in Wien und bin leider Gott unschuldig verurthcilt auf lebenslängliche Kerkerstrafe. Liebe theure Mutter, das ist für mich und für Euch ein sehr großes llnglück, unschuldig auf so eine Strafe zu kommen. Da sind nur die Zeugen aus Polna schuld, sie haben falsche Anzeigen angegeben vor Gericht, sie haben mich verurthcilt (folgt eine von der Strafhausverwaltung unleserlich gemachte Stelle, die sich, wie ersichtlich, auf den Kronzeugen Peschak bezieht, der Hilsnec auf 900 Schritte Distanz in Gesellschaft zweier Juden gesehen haben will). Liebe theure Mutter, ich hoffe doch zum lieben Gott, dass die Unschuld wird überzeugt werden; es haben sollen sein mehrere Mörder, welche die That gemacht haben, so hoffe ich zum lieben Gott, dass er wird doch entdeckt werden. Es kann in einer kurzen Zeit ans Tageslicht kommen, und dann wird nieine Unschuld überzeugt werden! Kränke Dich nicht, liebe theure Mutter. Du schreibst mir, ob ich brauche etwas Geld? Jetzt kannst mir schon nichts schicken, man nimmt mir daS nicht an, hier in der Anstalt. Ich habe hier etwas mit hergebrachr von Pisek und cs liegt in der Cassa in Verwahrung, denn ich bin schon nicht mehr in Untersuchung, ich bin in Strafanstalt. Hunger habe ich nicht, essen habe ich genug, ich esse eS gar nicht auf. Ich thue etwas arbeiten, so werde ich mir können kaufen Zubesserung (folgen belanglose Mittheiluugen bezüglich seiner Garderobe). Auch muss ich da schreiben, dass ich erlaubt habe von Herrn Qberdirector Briefe zu schreiben an Dir, jede zwei Monate einen Brief und von Dir einen Brief zu empfangen; ich mache dies bekannt, wenn es da wird sein möglich, kannst mich besuchen kommen oder Moritz, mit die Erlaubnis des Herrn Oberdirector kannst mit mir sprechen im Sprechzimmer. Eine Frau aus Polna ist hier, hat fünf Jahre, ein Tempel ist auch hier in die Anstalt, der Rabbiner kommt her in die Anstalt und hat mit mir gesprochen im Tempel! Liebe theure Mutter! Kränke Dich nicht, ich werde den Schmerz unschuldig ertragen, es wird schon ans Taglicht kommen, dann wird meine Unschuld überzeugt werden; solltest Du mir nächstesmal schreiben, so schreibe mir, wann es Dir möglich wird sein, zu mir zu kommen, und was wird Moritz machen, wann er wird ausgelernt sein. Ich grüße Dich vielmals, und die Tante lass ich grüßen und Moritz lass ich grüßen und bleibe Dein treuer Sohn bis ins Grab. Leopold Hilsner, k. k. Männerstrafanstalt Prag-Pangratz. Liebe theure Mutter! Ich schreibe Dir noch die paar Zeilen, schreibe dem Herrn Doctor Jurist Aurednicek in Wien; er soll doch trachten, die That ausforschen, schreibe ihm, dass ich ihm bitten thu, und dass ich unschuldig muss die Strafe verbüßen. Lemberg. (Die Landtag swah len.) In Galizien haben die Wahlmännerwahlen in einzelnen Bezirken bereits begonnen. Die Wahl der Landtagsabgeordncten erfolgt in der Landgemeinden-Curie am 5. September. In Brzesko fiub die Wahlmännerwahlen zugunsten des vom polnischen Central-Wahleomitee aufgestellten Candidaten Brauereibefitzers v. Götz ausgefallen. Die Wahlmännerliste der polnischen Volkspartei, welche ihren Führer, den bisherigen Abgeordneten Dr. Bernadzikowski, candidierte, blieb in der Minorität. Aus den Landgemeinden des Brzeskoer Bezirkes ist das Wahlresultat noch ausständig. In Neu-Sandec hat eine Wählerversammlung neuerlich die Candidatur des Abgeordneten Stanislaus Potoczek (polnischer Bauernbund) acceptiert. Die Wähler der deutschen Gemeinden des Neu-Sandecer Bezirkes traten zu einer besonderen Versammlung zusammen und beschlossen, nachdem ein eigenes Wahl-Comitee eingesetzt worden war, diesmal nicht mehr für den polnischen Candidaten zu stimmen, sondern einen Deutschen in den Landtag zu wählen. Als Candidat der Deutschen wurde Conrad ^Alexander, Gemeinderath und Assessor der Stadt Neu-Sandec, ausgestellt. Im Buczaez erstattete der bisherige Landtagsabgcordnete Ritter v. Cielecki den Landgemeindenwählcru seinen Rechenschaftsbericht. Er drückte sein Bedauern darüber aus, dass die Juden rroh der ihnen in den polnischen Landestheilen seit mehr als acht Jahrhunderten erwiesenen Wohlthaten sich so wenig als Polen fühlen, und dass sie in Posen sogar hakatistische Polenfeinde seien. Den Austritt der Ruthenen aus dem Landtage bezeichnete Redner als ein Wahlmanöver. Der Bürgermeister von Buczaez, Stern, ivehrte die Ausfälle Cieleckis gegen die Juden ab, und der Ruthene Teliszewski rechtfertigte die Secession der ruthenischen Landtagsabgeordneten, welche nachdrücklichste manifestieren mussten, wie sehr die Ruthenen von den Polen unterdrückt werden, trotzdem Ruthenen und Polen als Autochthone in Galizien gleiche Rechte genießen sollten. Ritter v. Cielecki erwiderte, dass er ungerechtfertigterweise als Antisemit verschrieen werde. Der von ihm geleitete landwirtschaftliche Gauverband gehe gegen die Juden bloß defensiv und nicht aggressiv vor. Bezugnehmend auf die Ausführungen Teliszewskis gab Redner seiner Freude Ausdruck, dass Teliszewski die Polen sowohl als auch die Ruthenen als Autochthonen dieses Landes ansehe, zumal sich die Polen dieses Recht durch Blut erkauft haben. Angesichts der Anerkennung der polnischen Rechte auf die von den Ruthenen bewohnten Theile Galiziens könne unzweifelhaft eine aufrichtige Verständigung zwischen beiden Nationalitäten herbeigeführt werden, was Wohl im Interesse der gemeinsamen Zukunft und des Landeswohles liege. Cielecki erklärte schließlich, dass er in den Buczaczer Landgemeinden nicht mehr kandidiere, da ihm das Präsidium der Bezirksvertretnng versichere, dass er keine Anssicht habe, wiedergewählt zn werden. In den Landgemeinden Sokal, welche bisher der Ruthene Wachnianin vertreten hatte, candidieren die Polen den Gutsbesitzer Grafen Thaddäus Dzieduszycki. In den Samborer Landgemeinden bewirbt sich um das Akandat der Gutsbesitzer Ritter v. Agopsowicz. Eine ruthenische Wählerversammlung in Zhdaczow beschloss, die Caudidatur des Pfarrers Dawhdiak zu unterstützen. Lipto-Szent-Miklos. (C in antisemitischer Badeort.) Zwischen dem königlichen Notär Dr. Nathan Schlesinger imb dein Juristen Oscar Palngyay fand gestern ein Säbelduell statt, bei welchem beide verwundet wurden. Tie Duelllirsache ist ans einen Scaudal zurückzuführen, welcher sich vor einigen Tagen in dem Badeort Lucski abspielte. Hier herrschen seit einiger Zeit unerträgliche Zustände. Eilligc Gentryfamilien augehörige Jünglinge treiben antisemitische Hetzen. Die Folge ist, dass die Gäste, ivelche sich nach Ruhe sehnen, in Scharen den Badeort verlassen. Der jüngste Scaudal, tvelche:: schließlich zu einem Duell führte, ereignete sich vor einigen Tagen. Jrn Park spazierte der königliche Notar Dr. Schlesinger in Gesellschaft mehrerer Damen. Da näherte sich ihnen der Jurist Oscar Palngyay und richtete an ihn in barsche»: Tone, ohne die Danken zn begrüßen, eine Anfrage. Schlesinger verbat sich den Ton, Palngyay wurde aber noch anniaycilder tmd schrie dem Dr. Schlesinger zu: „Wenn ich einen Juden anspreche, so nuiss er Habt Acht! stehen!" Dr. Schlesinger lief;, um einen Scaudal zn vermeiden, Palugyay stehen. Kaum hatte er aber einige Schritte gethan, als er meuchlings von Palngyay mit Stockhieben tractiert wurde. Der Attaquierte setzte sich nun zur Wehre. Die Folge war, wie eingangs erwähnt, ein Säbelduell zwischen Dr. Schlesinger und Palngyay. Die peinliche Scene hatte aber auch noch ein weiteres Resultat, s-ämmtliche jüdischen Badegäste verließen den Badeort LucSki und beschlossen, überhaupt nicht niehr dahin zurückzukehren. Budapest. (P c r so u a l u a ch r i ch t.) Herr Saubot Fletscht, Inhaber der Firma Samuel Fleischt, ist zum dänischen Consul ernannt worden. Herr Fletscht gehört vielen gemeinnützigen Institutionen an; er ist Cultusvorstaud und Mitglied der Chewra Kadischa. Neutra. (B o r t r a g.) Der europabekannte Gelehrte Herr Eleazar Nokeach in Jerusalem, welcher durch seine in hebräischer Sprache über die Verhältnisse in Palästina gehaltenen Vorträge das Interesse für das heilige Land geweckt und durch die meisterhafte Behandlung Aufsehen erregte, hält sich zwei Tage in unserer Stadt auf und wird Sonntag Nachmittag 3 Uhr im Sitzungssaale der israelitischen Gemeinde in hebräischer Sprache einen Vortrag halten, zu welchem Gäste gerne gesehen werden. Ploska. (A n t i s e m i t e u unter Bauer u.) Zu unserem Bedauern nehmen wir wahr, dass die Zahl der Antisemiten in der Bukowina zunimmt. Nicht nur unter den Deutschen und Rumänen, sondern auch unter den Bauern des Gebirges wächst der Antisemitismus. In der eine Stunde von hier entfernten Ortschaft Seleiin baten die Inden den reichen Bauer Kuczan, durch fein Grundstück einen Weg zum jüdischen Friedhof zu gestatten, was der Bauer stets verweigerte. Als ihn endlich der Bezirkshauptmann selbst darum bat und ihm erklärte, es sei zum heiligen Zwecke, antwortete der Bauer, er habe keine Grundstücke für Juden, und wenn ein Jude stirbt, möge man ihn über einen Zaun hinüberwerfen. Fokschani. (Brand.) Vorige Woche brach ein Brand aus, dem 19 Häuser zum Opfer sielen. Der Schaden ist groß, Hilfe erwünscht.» Arrslrmd. Berlin. (Kaiserin Friedrich über den Antisemitismus.) In den „Blätter:: zur Abwehr des Antiseinitismus" wird an das Urtheil der Kaiserin Friedrich über den Antisemitismus erinnert. Die mit Documenten belegte Erinnerung, die an die bekannte Aeußerung Kaiser Friedrichs: „Die antisemitische Bewegung ist eine Schmach des Jahrhunderts" anknüpst, lautet: Als im Jahre 1893 von der Parlamentstribüne herab die Authenticität jenes denkwürdigen Ausspruches angezweifelt wurde, waren es der ehemalige Chef der Admiralität, General v. Stosch, und Georg v. Bunsen, welche die Echtheit des Wortes bezeugten. G. v. Bunsen schrieb damals (3. April) an den Professor Paul Magnus, der mit seinen Brüdern in einer Eingabe an den Präsidenten des Reichstages gegen die Verunglimpfung seines Vaters, des verstorbenen Stadtrathes Magnus, dem der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg unterstellt hatte, das Wort von der „Schmach des Jahrhunderts" gefälscht und dem Kwnprinzen in den Mund gelegt zu haben, Protest einlegte, Nachstehendes:,, Aus meinen: Briefe vom 20. Juni 1880, der sich im Nachlasse Ihres seligen Herrn Vaters gefunden hat, wissen Sie, dass die damalige Frau Kronprinzess mit Abscheu von der Judenhetze sprach. Einige Worte, die dadamals den Schluss Ihrer Aeußeruugen bildeten, haften noch frisch in meiner Erinnerung. Die hohe Frau erklärte, dass den: Kronprinzen (dem nachmaligen Kaiser Friedrich) wie ihr selbst daran gelegen sei, über ihrer beiden Verurtheilung der unwürdigen Agitation nirgends einen Zweifel aufkoinmen zu lassen. Was die Pietät Sie jetzt gut thun heißt, erachte ich zugleich als zum Wohle des Vaterlandes gethan und lvünsche Ihrem Vorgehen, sehr geehrte Herren, den ausgiebigsten Erfolg." Der in: obigen Schreiben erwähnte ältere Brief aus dem Jahre 1880 lautete: „Verehrter Herr Geheimrath! Gestern Abend nah::: die Frau Kronprinzessin eine Gelegenheit wahr, von der „Judenhetze" und der „schönen Geduld" zu reden, welche die Juden an den Tag gelegt. In: Laufe dieses Gespräches habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht, das Lessing-Denkmal zu errichten, erzählt. Auf meine Aeußerung, dass gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein scheine, wo gar nwncher sich freuen würde, seine Gesinnung zu bekunden und damit einer ebenso frechen, als unerwarteten Agitation entgegenzutreten, gieng sie lebhaft bejahend ein. „Ich hoffe, dass nun: weiß, wie scharf und entschieden der Kronprinz und ich diese Agitation missbilligen. Ganz der Ihrige G. v. Bunsen." London. Die portugiesische Synagoge in London feierte kürzlich das Jubiläum ihres zweihundertjährigen Bestandes. Zweihundert Jahre ist für jede Organisation ein langer Zeitraum, und obivohl das Judenthum uüt Jahrtausenden rechnet, sv sind wegen der vielen Vertreibungen im Mittelalter seine Gemeinden noch zumeist jung. Die portugiesische Gemeinde Sn London ist überdies historisch recht interessant, da ihre Gründung die Epoche der Besserung in den Verhältnissen der Inden markiert. Im Jahre 1290 wurden die Juden aus England vertrieben, mib noch im Jahre 1055 wollte sich das Parlament nicht zn ihrer Zurückberiifung verstehen. Sie kamen doch, da hervorragende Juristen auf Cromwells Anfrage erklärten, die AnStreibiing der Inden fei nur durch königliches Edict erfolgt und habe deshalb keine gesetzliche Kraft. Die ersten Ansiedler waren spanische und portugiesische Flüchtlinge, Männer von Bildung und Vermögen, die geeignet waren, eine günstigere Meinung von den Juden zn verbreiten. Begreiflicherweise'sahen sic auf die später angekommencn Aschkenazim von oben herab. Inzwischen ist die Führung im Gemcindeleben auf die letzteren übergegange». Der Kampf um die Erlangung politischer Rechte ist das Verdienst der Aschkenazim; auch in der Organisation des Gemeiudctvesens haben die Aschkenazim das Bedeutendste geleistet. Ihre Führer haben sich überdies dem Judenthum treuer beiviesen als die Sefardim, ans deren Mitte die Disraelis, der National-Oekonoru David Riccardo, die Abudieutcs lind Aguilars hervorgegangen sind, die alle dem Judenthum den Rücken kehrten. Die drei Lords sind deutscher Abkunft; ebenso sind der Musiker Salaman, der Mathematiker Sylvester, der Richter Zaugwill, der Literarhistoriker Gollanrz» der Jurist Jesscl und viele andere Männer des öffentlichen Lebens aus den Aschkenazim hervorgegaugeu. Es scheint daher, dass sich die Nacbkonnnen der alten Hidalgos ihrer frübercn Engherzigkeit schämen, und der Hahain Dr. Güster, der selbst ein Aschkenazi ans Rumänien» also vermuthlich polnischer Abstammung ist, hat die Mohrenwäsche übernommen, die Nachweisen soll, dass Vle Gesetze der alten portugiesischen Gemeinde, tvelche verboten, dass ein Aschkenazi zur Thora gerufen werde oder auch nur die Synagoge betrete, und Ivelche die Ehe zwischen Deutschen und Portugiesen für strafbar erklärten, gar nicht so böse gemeint waren. Die Hauptsache bleibt, dass die Nachkommen der alten Sefardim sich dieser Engherzigkeit scväiiien. London. (D iH c tz e g'tz g e:: d i e E i u w a t: - bc r e r.) An: 20. Jul: fand bic CSonStituieritng des „Parlamentär:) Pauper Alien Immigration Conüttee" statt. Sie soll 52 Mitglieder zählen, darunter de:: Juden H. S. Samuel. Die liberale Parte: ist bisher nur durch H. Noruiauu Vertretei:, doch heißt es, dass noch zahlreiche Zustimmungs-Erklärungen von anderen Mitgliedern dieser Parte: vorliegen. Sänuntliche Vertreter von Call London, welche zumeist jüdischen Wählern ihr Mandat danken, habe:: sich der Fractiou angeschlossen mit alleiniger Ausnahme des Abgeordneten Stuart M. Samuel. Natürlich wird vorsorglich verschwiegen, dass die ganze Actio:: gegen die jüdischen Einwanderer gerichtet ist. Die gefassten Beschlüsse erwähnen die Juden nicht mit einer Silbe. Dieselben gipfelten darin, dass die Regierung aufgefordert werden soll, die z. Zt. von den Lords Handwieck und Salisbury beantragte Anti-EinwanderungS-Bill wieder einznbringen und durch Hinznfngung zlveier Paragraphen zu verschärfen, welche den Jnspectoren des Board of Trabes das Recht zuerkennt, jeden: geistesschwachen, kranken oder ar:nen Einwanderer die Landung zu verbiete:: und ihn auf Kosten des Schiffs-EigenthnlnerS zurückzuschicken. Der Vorsitzende der Versamin'lung apostrophierte beit Berichterstat-, etr des „Jewish Ehronicle" :::it der Versicherung, dass die von ihm geleitete Bewegung keine antiseuritische sei. „In: Gegentheil, wir achten die Inden," betheuerte er, „und belvundem die Rolle, welche sie in dem gegenwärtigen Kriege spielen. Unser Vorgehen liegt ebenso im Interesse der Juden wie in den: der übrigen Bevölkerung Englands." Mit der gleichen Verwahrung begann auch der Berichterstatter Major Evans Gordon, welcher erklärte: „Würde es sich um die Einwanderung armer Christen handeln, wurden wir diesen gegenüber genau dieselbe Stellung einnchnwn." Mr. Gordon musste zugeben, dass die z. Zt. vom Board of Trades veröffentlichten Zahlen über die jüdische Ewvanderung in England auf Zuverlässigkeit keinen Anspruch machen können, und dass weder die Ziffer der alljährlich ankommenden Juden, noch weniger die der Paupers unter ihnen eine irgendwie nenenswerthe Höhe erreicht. Leider kann man sich nicht verhehlen, dass die Bewegung immer weitere »Kreise nach sich zieht. So hat sich vor einigen Wochen ein „Bund der Londoner" gebildet, un: „unter anderen: Nachrichten zn samineln und die Oeffentlichkeit zu organisiere::". Der Bund soll bereits 17 Comitees n::t 1 600 000 Mitgliedern zähle::, doch dürfte diese Ziffer ebenso zuverlässig sein, wie die von der Liga gesannneltei: und dem Staatssecretär deS Innern Ritschte zugestellte:: Daten über die Ziffern der jüdischen Einwanderer. Amsterdam. Bei der Wahl für die zweite Kainmer der Generalstaatei: zeigten sich bedenkliche antisemitische Symptome. Es candidierte nämlich in Amsterdam, auch ein Jude nmnens Jakob Dcen als liberaler Carwidat. Eine Anzahl von antisenntischen Lehrern forderte nun in den Zeitungen ans, nicht für den Inden zu stimmen. New-Nork. Eine Reihe bemerkenswerter Beschlüsse ist bon der C o n f e r e n z amerikanischer Rabbiner, welche vo>n 2.—6. d. M. in Philadelphia ihre Jahres-Bcrsammlung abhielt, gefasst worden. Dieselben lauten: „1. Es ist eine bekannte Thatsache, dass der Unterricht des Hebräischc'll iir zahlreichen Schulen ans ein Minimmn herabgesimken ist, in anderen völlig aufgehört hat. Bedauerlicherweise droht diese Veniachlässigung auch der elementarsten Kenntnisse zum Verfall zu führen. Deshalb sollte das Studium des Hebräischen neu belebt werden, vielleicht unter Verbesserung der Unterrichtsmethode, welche selten eine wissenschaftliche und dadurch geeignet ist, bei der Jugend Abneigung gegen jenes Studium hervorzurusen. Es muss versucht werden, mit Hilfe der lltabbiner und der Gemeinden, das Interesse für die Kenntnis des Hebräischen neu zn wecken, und, wo es noth thut, für eine Aenderung der Methode zu sorgen." (Dieser Beschluss ist sicherlich anerkennenswert, aber es erscheint ein nahezu aussichtsloses Bemühen, die Liebe für die heilige Sprache zu beleben, nachdem man dieselbe aus dem Gotteshause verdrängt und das Englische als Gevetsprache an seine Stelle gesetzt hat). „2. In Uebereinstimmung mit dem Vorschläge unseres Präsidenten, der Angelegenheit der Colonisation, wie sie von den Zionisten und anderen Gesellschaften, der „Alliance israelite", der „Anglo Jewish Association", dem „Hilfsverein der deutschen Juden" usw. propagiert wird, unser Augenmerk zuznwenden, beschließen wir. dass ein Comitee eingesetzt werden soll, welches die Frage in allen ihren Einzelheiten zu prüfen und der nächstjährigen Versammlung zn berichten hat." „3. Die Stellung des Judenthunis zu dem Stifter des Christenthums ist in dogmatischer Hinsicht eine durchaus negative, indem das;elbe seine Göttlichkeit unbedingt verneint. Der Glaube an Christus, auf welcher das Christenthum beruht, hat innerhalb der jüdischen Religion keinen Raum. Die Auffassung seiner historischen Stellung und seiner Bodeutrmg für die Religions-Entwicklung ist Sache der