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Jüdisches Volksblatt · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. August 1901 Seite 3 dreißig Jahren erschallen. Allein je mehr die Noth ihr Leichentuch über die 800.000 Juden Galiziens spannt, je hurtiger die labanitischcn Todtengräber mit allen ihren Werkzeugen unter den vor Hunger und Elend zu Skeleten gewordenen Nachkommen unseres gottergebenen, nimmer verzagenden und stets muthig sich zur Wehr setzenden Stammvaters Jakob tvühlen, desto mehr zerfließen die unwürdigen, entmannten Enkel wie Brei in den breiten Niederungen des Lebens. Genügt es uns denn, wenn einige Muster- und Nochjuden geradezu mit Mandaten, mit Anweisungen auf Ehren und Abzeichen überschüttet werden und wenn eben diese Herren wie Bettler vor den Thüren der Labaniten ihre Auflvartung machen und hie und da ein kleines Persoualcoucessiönchcn (wenn auch für andere) erlangen? Man wirft wohl — manchmal mit Unrecht — Steine gegen jene Männer, welche von den Vettern, den Asemitcn, gleichsam an einem goldenen Gängelbande geführt und mit ebensolchem Maulkorbe versehen werden. Wer zählt die Momente, in denen die Schamröthe über die Wangen mancher jüdischen Abgeordneten hcrabfließt, ivcnn sic Augenzeugen sein müssen aller jener gar nicht fein ausgehcckten antisemitischen Gesetze, welche gemacht sind, um die 800.000 Juden Galiziens auf den Aushungcrungs- oder Anslvanderungs-Etat zu setzen — letzteres nicht etwa mit Geldsäcken, wie beim Auszuge aus Aegypten und selbst dem grauenhaften Spanien, sondern wie jüdische Geusen, wie podolische Bettler. Das Geheimnis, weshalb diese Herren sich alles gefallen lassen und Blutzeugenschaft auf sich nehmen, liegt wohl tiefer in der Mcnschenbcust. Man verschwindet nur ungern und hält sich für den besten seiner Art — das ad personam. Aber wichtiger als das erscheint der Umstand, dass Israel an einer schweren Nationalkrankheit leidet: an der Sclbstabstoßung, das berüchtigte TTiaül -INS» das schon Haman in seiner ganzen Verderblichkeit gewürdigt. Uns ist die heilbringende Kraft der Attraction, der Anziehung der einzelnen Kraftelcmente in Verlust gerathen. Wie oft appellierten wir im „Schomcr Israel" an die Bruder- und Glaubensbande, wie oft wiesen wir auf die unfehlbarsten Waffen hin, welche Israel zur Hand nehmen sollte, um als ein geachteter Factor inmitten der menschlichen Gesellschaft sich Geltung zu verschaffen» mit dem man rechnen'muss, dem man seine nationalen, socialen und ökonomischen Lebensbcdingungen nicht streitig machen darf. Sind wir Juden noch Bürgen und Helfer, einer für alle, alle für einen? Wohin hat die unglückselige Assimilation diese große Nationaltugend gebracht, wohin das einzig unfehlbare Heil- und Fettungsmittel verbannt? Wüssten die jüdischen Abgeordneten, dass hinter ihnen 800 000 Menschen stehen, wüssten die Vertreter, dass sic Richter in ihren: und aus ihrem eigenen Volke sind, für ihre Thaten und Verdienste aber mich enthusiastische Schätzer haben — dann würden die kleinen Charaktere zu großen, die großen aber zu erhabenen und erhebenden herangedeihen. Messias erscheint ja und lebt in jeder Generation, lautet der untrügliche Volksglaube; nur muss die Generation hierfür erzogen werden. Das Edle und Große lebt in unserem Volke, es gilt, durch Sammlung und Concentrierung aller Kräfte die resultierende Kraft herauszufindcn. Auf das politische Gebiet übergehend, können wir keinen besseren Rath ertheilen, als den, zunächst die größtmöglichste volk- Nculich haben mich einige Geistliche hier in Philadelphia von der Kanzel herab angegriffen. Sie vergaßen sich und klagten mich als Heiden an; dann sagten sie andere hässliche Dinge, ich sei zwar ins Gesicht hinein freundlich zu Ihnen, in der That aber sei ich tief im Herzen ein Feind der Amerikaner. Ich weiß nicht, wieso sie mein innerstes Herz kennen. Das ist die Art von Christen, die Sie in Ihrem Lande, haben, und leider sind sie nicht in der Minderheit. Es war ein Christ und ein Priester, und jeden Sonntag predigt er zum Volke, aber ich fürchte, er gibt nicht acht, was er predigt. Er verleumdete mich von der Kanzel herab. Er sagt, ich bin ein Heide. Gut. Er sagt, ich sei ein Heuchler, ich sei Eurem Volke feindlich, wenn es nach China kommt. Ich sei nicht aufrichtig, und das sei nicht meine Meinung, >vas ich offen sage. Woher weiß er das? Ist das nicht Schlechtigkeit? Ist das nicht Verleumdung? Ist das die Handlungsweise eines guten Christen? Würde ein guter Jude jemals so handeln? Nein, sicherlich nicht! Nein, auch ein guter Heide ivürde das nicht thun. Jedoch wenn ich sage, dass ich ein guter Heide sein will, so lvill ich damit dem ehrenlverten Herrn nicht nahetreten. Er mag ja irgendeine Feindschaft gegen mich hegen, aus einem Grunde, den ich nicht kenne; aber ich Iverde nichts Schlechtes gegen ihn unternehmen. Ich sage Ihnen aufrichtig, lvenn ich ihn treffen würde, würde ich mit ihm sprechen, und lvenn er mich in der Gesandtschaft aufsuchcn lvürdc, würde ich ihn höflich empfangen, ja ich lvücde ihm sogar eine Schale The'e anbietcu. Ich kann mitten unter diesen Verleumdern ohne Sorgen leben. Der beste Mensch der Welt hat Feinde, warum sollte da ein guter, armer Heide keine Feinde haben! Was man auch glauben mag und welcher Religion man auch angehört, einige hohe Grundsätze gibt es, die wir alle gut thun, zu beachten. Wem: lvir streben, das zu thun, was lvir nach unserem Gelvissen für gut halten, so lverden lvir stets geachtet tverdcn! Es ist sehr angemessen und praktisch, dass die Chantanqua Assenlblh in verschiedenen Theilen des Landes abgehalten lvird. Sie. thut ein gutes Werk, da sie das Volk mildherziger und verträglicher macht. Das Glück einer Nation lässt sich niemals auf Kosten einer andere:: Nation erwerben, sondern nur durch Arbeit für das innere Wohl des Volles. Die beste Religion ist die goldene Ordnung. Sie besitzen sie hier so lvie wir in China. Lassei: Sie uns barmherzig und meuschenfreundlich sein. Dies sind die besten moralischen Grundsätze. Lassen Sie uns zusammen arbeiten. Trotz der Verschiedenheit in Glauben »nd Grundsätzen wollen lvir für das Wohl aller arbeiten. Wenn lvir alle so thun, lvird es uns nach den Worte«: des großen Confucins ergehen: „Behandelt jeden gut und gerecht, dann werdet Ihr zlvischcn den vier Seen alle als Brüder und Schwestern wicderfinden." Ilebersetzt vo:: D. F. liche Organisation anzustrcben mit vorher zu bcstmmenden Zielen. (Wir wollen darauf noch znrückkommcn.) Wir benöthigen ein Central-Wahlcomitee der Juden Galiziens in weitaus höherem Maße, als jene Volksclcmcntc, welche die Herren des Landes sind. Gelingt die Einsetzung eines solchen wegen der Kürze der Zeit bis zu den Landtagswahlcn nicht, so ivürdcn zur Noth die folgenden Gesichtspunkte für die Specialarbcit der Landtagswahlen hinreichen. Selbstverständlich lassen wir eine Discussion hierüber zu, umsomehr, als lvir ja kein Patent auf Unfehlbarkeit genommen haben. Zunächst müssen wir rn:s von den gegebenen ethnographischen Verhältnissen leiten lassen. Galiziei: wird von zwei slavischen Volksstämmen bewohnt: den Polen und den Ruthcnen. Die crstercn suchen ihre Hegemonie über ganz Galizien auszudehnen, und haben sie es auch schon mit Hilfe aller politischen clericalen und feudalei: Mittel und Mittelchen dazu gebracht. Ihnen steht das gesammte Oesterreich mit seinen Schutz- und Machtmitteln zur Verfügung. In Galizien regiert nebst Daszynski nicht der Statthalter Seiner Majestät des Kaisers, sondern Ihre Majestät die Polonia rcdiviva. Dieser Bcvölkcrungsthcil hält vorzüglich das westliche Galizien in Banden und versenkte seine Todeswaffen kühn in das Herz des galizischcn Israel. Bei der Wahl der Landtags-Abgeordneten bleibt uns nichts ] anderes übrig, als 1. so viele jüdische Abgeordnete zu wählen, als wir erlangen können; 2. für nur liberale demokratische Elemente, event. edelgesinnte Polen unsere Stimmen abzugeben, welchen Standes und Berufes in:mer sie sein mögen; 8. im Kampfe der Judenfeinde gegen die socialistischen Abgeordneten unbedingt inuner die bekannten menschenfreundlichen gegen die gräflichen Candidatcn zu wählen, mögen sie nun Daszynski, Breiter oder sonstwie heißen. In Ostgalizien aber muss unsere Wahltaktik eine andere sein. Gerade in Ostgalizien kann jene Hilfsaction in Angriff genommen lverden, welche Israel die Wege ebnet zum Auszuge aus der so vernichtenden politisch-socialökonomischen Sclaverei. Gelingt es uns, die richtige, politisch gebotene Bahn zu betreten, dann muss die Zeit kommen, in welcher Sr. Excellcnz dem Herrn Landmarschall die Escamotage der galizischen Jüdlein beim besten Willen nicht mehr möglich sein wird. Israel wird dann eben als ein besonderer 'Stamm behandelt und bewertet werden müssen. Wir erinnern daran, dass der „Schomcr Israel" diesen Standpunkt schon vor mehr als zwanzig Jahren ins Auge gefasst hat. Die politische Vereinigung der Juden und Ruthcnen ist leider zu spät und unzulänglich durchgeführt. Doch fällt dies bei einer so eminent lvichtigen Sache nicht ins Gewicht. Keine Großthat hat das Privilegium des Gelingens beim ersten Angriff. Vcrgegenlvärtigei: wir uns die Momente, welche zugunsten dieser Vereinigung sprechen. Zunächst sind die Ruthenen jener Volksstamur, welchem die brüderliche Umarmung seines slavischen Bruders den Todesschweiß auf die Stirne und die Luft aus den Lungen presst — freilich in weniger vehementer Weise, wie die Polaey mojzyszcnvego wyznama, die er sowohl als fremde Rasse, als auch ivegen ihrer Religion in hereditärer Multiplicität hasst. Die drei Millionen Ruthenen sind unsere Leidensgenossen, mit welchen uns ein gemeinsames Band, die Leidensbruderschaft, vereint. Die Ruthenen waren nicht die Urerzeuger jener Kolka rolniczy, sie sind nicht die Salzmonopolisten, nicht die Banquiers, welche den Juden kein Gelddarlehen gewähren, wie sie auch nicht durch diese und tausend andere Sachen mitgewirkt haben an der Vernichtung und Proletarisicrung unseres Volkes, wenn sie auch in zweiter Reihe hinter den Großmeistern der zünftiger Vervehmung der Juden standen. Unser Volk lebt immer noch mit dem ruthenischcn Bauer einträchtig zusammen, der ruthenische Bauer lebt mit den: Juden und zum Thcile auch v on ihm. Die Juden Ostgaliziens haben daher gar keine Veranlassung, ein solches autochthoncs, urwüchsiges und nicht aufgeblähtes Volk zu drangsalieren und ihm in den Arm zu fallen im Kampfe gegen , seine Feinde. Unsere Annäherung beziv. unsere Waffenbrüderschaft mit den Ruthcnen hätte sich freilich viel gcivinnreicher gestaltet, wenn sie vor einem Jahre, vor den Reichsrathswahlen, stattgefunden hätte. Jedoch: Besser spät als nie! sagt der Franzose — und wir glauben ihm aufs Wort. Das Zusammengehen der Juden mit den Ruthcnen in Ostgalizien wird uns manchen jiidischci: Abgeordneten in den Landtag bringen helfen, welcher sicher verstehen lvird, lvozu er entsendet wurde. Aber auch die aus den: Compromiss hervorgegangenen ruthenische:: Landboten — als unsere natürlichen Verbündeten — lverden für Israel und gegen die gräfliche Escamotage eintretcn. Jakobs Stimme dürfte dann nicht ungehört in der Landftnbe verhallen. Man kanr: diesen: politischen Gedaitken den Vorlvurf maaien, dass er die Zimmerfarben an sich trägt und den thatsächlichen Verhältnissen rncht entspricht. Man lvird ferner das Gespeilst der furchtbaren Rache, tvelche die polnischen Hegemonen nehlnen lverden, aufmarschieren lasse«: und uns für die daraus entstehenden verhängnisvollen Folgen verantlvortlich machen. Dem gegenüber sei bemerkt, dass Galizien denn doch in: Kaiserur:d Rechrsstnate Oesterreich liegt, dass ferner die polnische Omnipvtenz ihren Höhep:n:kt bereits überschritten haben dürfte n>:d somit an jci:em Puickte angelangt ist, an dem Jude,: und Ruthenen ihre Rechte eindringlicher geltend machen können. Es tväre noch die Möglichkeit der Zufügung einer noch größeren Unbill als gelegentlich des Abschlusses der so gerühmten polnischjüdischen Gelueinbürgschaft ins Auge zu fassen. Wohl wahr! Es gilt, einen Verzweislungskampf zu kämpfe::, cs gilt, die Sclavenkette, Ivelchc unsere galizischcn Brüder unter dem jetzigen Regime zu schleppen haben, zu zerbrechen. Da heißt cs: Einsatz über Einsatz! Nicht lvägcn, sondern wagen! Indes lvollen wir doch noch ein bischen kaltes Blut bei diesen: Calcul bclvahrcn. Wägen wir Nutzen und Schaden. Nutzen für den einen wohlverdiente:: Agitator — den bene merenti — kann man kann: mehr erwarten, da jeder cffectivc Nutzen dazu verwendet wird, um ihn den Polen von Geblüt und Religion für ihre Heeresfolge zur Verfügung zu stellen. Die jüdische Intelligenz findet seit einem Vicrtcljahrhundert — der Zeit des polnischen Sajusz mit den Juden — kaum mehr Platz in der Landesbeamtcnschaft, und lvenn schon, dann in einer Sporadicitüt, welche mehr Laune als ehrlichen Willen voraussetzt. Die minder intelligenten Juden, die mit den polnischen subalternen Amtsdicneru inbezug auf Bildung auf gleicher Stufe stehen, haben noch nie die Schwelle eines Amtes betreten, während hundcrttausende andere in solchen: Amte ihren Lebensunterhalt finden. Boycott und nichts als Boycott des Einzelindividuums' ist die Parole der Machthaber in allen Zweigen der Staats- und Landesvcrlvaltung. Den Bettelstab und den Bettelsack, den uns unser polnisches Frcundschaftsjoch eingetragen, den nehmen sie nicht von uns — trotz aller politische Wandlungen. Was uns also als zu riskant vorgehaltcn wird, ist und bleibt fictiv. Die politische Gleichberechtigung und eine bessere sociale und ökonomische Stellung zu erringen, ist des Schweißes und des Risicos unserer Besten wert. Aergercs, als auf den Vernichtungsctat gestellt zu sein, gibt cs nicht. Die höchste Noth zeitigt oft die besten Entschlüsse und lässt die edelsten Patrioten erstehen. Dieses Moment mag auch unserem gegenwärtigen Streben zugute kommen. Wer das Joch des modernen Ghetto in Galizien nicht länger ertragen kann und will, der trete dem Verein „Schomcr Israel" bei. Jeder jüdische Landtagswählcr möge diese Wort zu den seinigen machen. Schmarotzer, zurück! Jeder, der das unsägliche Elend unserer Brüder in Galizien mitfühlt, möge die Emanicipation an sich selbst vollziehen und sich einer gesunden jüdischen Nationalpolitik anschließen. Ruthenen! Juden! Heran an das Werk der politischen Erlösung — dann wird die Escamotage eines ganzen Stammes nicht j mehr möglich sein! | Schließlich, um nicht als Düpierte zu erscheinen, erklären wir: Wir wissen wohl, dass der galizische Landtag, so feierlich er! auch sein Sterben eingerichtet, ja doch nur eine Komödie aufführte j für naive Gemüther, um sie an die Einberufungsscene eines neuen freigctvählten Landtages glauben zu machen. Die herrschende Par- ' tci hat dafür gesorgt, dass alle ihre artigen Mt-Macher wieder von ihren curulischen Stühlen Besitz nehmen. Nur der Tod hat eine ernstliche Ablösung verschiedener alter Parteimänner vorgenommen ‘ — sonst dürfte alles hübsch bei der alten Schablone Polonia reg? nante bleiben. Indessen müssen wir jüdische Bürger unsere Pflicht thun, da-; mit man nichts gegen uns thun kann.; Lasst den schnöden Handel mit E::ren Stimmen, als unwürdig und beschämend, fallen und vertretet Eure politische Anschauung auch am Wahltische — am Entscheidungstagc! Wien. Das Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, G. m. b. H., 2. Bez., Leopoldsgasse 49, im Vereinslocale des Jüdischen Volksvereines, aus dessen Inserat Seite 7 wir aufmerksam machen, hat seine Thätigkeit begonnen, gewährt Credite unter den coulantesten Bedingungeil nnd ninnnt Spareinlagen gegen 4—-5% Verzinsung entgegen. i Wien. (D r. Alfred Stern.) Am 29. d. M. feiert der { ehemalige Gemeindcrath und Advocat Dr. Alfred Stern, der Vice- ■' Präses der Wiener Cultusgemeindc, seinen siebzigsten Geburtstag. Wir sind politische Gegner dieses Mannes und haben ihn anlässlich der Wahlcampagne in der Cultusgemeindc als Typus der jetzigen Wirtschaft in der Cultusgemeindc bekämpft. Dies hindert uns nicht, seine Arbeitslust, seine Arbeitskraft und seine persönliche Integrität anzuerkcnnen und ihm zu seinem 70. Geburtstage zu gratulieren; wie bedauern nur, dass er zu lange den alten Weisen gehorcht hat, um die neue, die Weise der Zukunft, zu verstehen. Dr. Stern führt ein selten schönes Familienleben und an Ovationen wird es zu seinem Geburtstage nicht fehlen. Wien. (A d v o c a t e n - S t a t i st i k.) Das Verordnungsblatt des Justiznlinistertums enthält in seiner letzten Nummer sehr interessante Zusammenstellungen über ■ die Zahl der Advocaten und die Personalbewegtmg in der - Advocatur für das Jahr. 1900. Auf 26 Millionen Einj wohner kamen am Schltlsse des Jahres 1900 4297 Advo-! caten, das heißt je ein Anwalt auf 6283 Seelen. Davon j entfallen auf den Sprengel der Wiener Advocaten-Kammer Amt mehr als 3 Millionen Einwohnern 1110 Advocaten! (Wien selbst hat deren am Schlüsse des Jahres 1900 992) und auf dein Prager Sprengel mit 6.3 Millionen Seelen 1124 (in Prag selbst 326 ) Anwälte. Prossnitz. (Todesfälle.) In einem Zeitraum von nur! wenigen Tagen sind hier drei sehr achtbare Frauen verschieden, deren j Heimgang allgemeine Trauer erweckte. Zu Beginn dieses Monates verschied hier die verwitwete Frau Rosa Spitzer, die einzige! Schwester des Spitalarzrcs Herrn Dr. Leopold Schneider. Am 0. , dieses Monats verschied in Wien nach langen: schweren Leiden die l Frau des verdieustvollen Bürgermeisters der hiesigen israelitischen Gemeinde Herrn Dr. Albert Trieschet, gewesener: Landtagsabgeordnete::. Sie wurde hieher überführt und Mittwoch in der Familiengruft zur ewigen Ruhe bestattet. Die Betheiligung beim Leichenbegängnisse war eine sehr große, nebst fast der ganzen israelitischen Gemeinde mit ihrem Vorstände, sah man sämmtliche hiesige Advocaten und alle Beamten des Bezirksgerichtes und der Bezirkshanptmannschaft, der jetzige slavische Gcmeindernth mit dem Reichsrathsabgeordnetcn Herrn Eduard Skala und eine unabsehbare Zahl von Herren und Damen bildeten den Leichencouduct. Nachdem der Sarg in der Leichenhalle auf dem Friedhofe aufgebahrt worden ist, bestieg der jetzige neugewählte israelitische Bürgermeister Herr Dr. Gustav Zweig die Kanzel nnd hielt eine sehr ergreifende Leichenrede. Hierauf hielt in Vertrewng des in Bad Neichenhall zur Cur weilenden Rabbiners Herrn Dr. Goldschmied Herr David Lösegeld als Nabbinats-Substitut einen sehr warmen Nachruf, dass alles zu Thränen gerührt worden ist. Hierbei ereignete sich ein sehr erschütternder Trauerfall. Als nämlich der Leichencouduct bei der böhmischen Realschule vorbeizog, da verspürte die Frau des obgenannte:: Dr. Leopold Schneider heftige Ueblichkeiten und musste aus den: Zug austreten und begab sich in Begleituug ihres Gatten und ihrer vier Töchter in den Corridor der Realschule; kaum dort angelangt, neigte, sie den Kopf zur Seite und verschied. Ein Herzschlag enrriss die in der Vollkraft der Jahre stehende Frau dieser Welt. Die Trauer und der Jammer ::::: diese wohltyätige und dabei so einfache bescheidene Frau ist unbeschreiblich. Beim Leichenbegängnisse, welches Freitag nachmittags stattgcfundcn batte, betheiligte

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