Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Wien, Freilag Jüdisches Volksblatt 9. August 1901 Seite 3 Die Jahre 1867/68 wiesen noch keinen so großen Vorrath an Schlagworten wie die Gegenwart auf. Im allgemeinen kannte man in Galizien die Juden als eine tolerierte Nation. Die Juden selbst in ihrer Vierfünftel-Mehrheit hatten keine Ahnung von der Größe des Sprunges, welcher mit ihnen, dank der österreichischen Staatsverfassung, unternommen wurde.- Die Verleihung der Menschen- und Bürgerrechte wirkte bei einem Theile unseres Volkes einschneidend ein. — Aus dem einigen Volke von Brüdern löste sich plötzlich eine kleine Schar ab und organisierte und krystallisierte sich gleichsam aus dem Judenthum heraus. Welches Wunder vollzog diese Wendung?! Die Beantwortung dieser Frage erscheint nicht schwer. Es war zunächst die Vornahme der Beschneidung — wohl nicht die rituelle oder die fleischlich-blutige, sondern die ganz unblutige, die von kundiger Schneiderhand an den Rockschößen oder richtiger Bekescheschößen nach unten — wie die seitens der Haarbeschneider nach oben — vorgenommen wurde. Auf dieses unblutige Opfer an Toilette und Locken sollte den Adepten der Eintritt in den Schoß der alleinseligmachenden Emaneipation — den Eintritt in die seine Herren-, respective arische Gesellschaft folgen. Wie trügerisch! Bleib', Jude, wo Du bist und was Du warst, hübsch von der Ferne -- so und soviele Meter vom Leibe. Indessen baute sich die Intelligenz, vereint mit der Pseudointelligenz jener Sippe, die sich nicht zu derkennen geben möchte, jener Sippe, die überall im gelobten Lande im Schatten ihrer Goldsäcke und duftigen Salons sich befinden, zu einem Conglomerat von Optimisten aus. Unsere Brüder, welche der europäischen Beschneidung als neuem Evangelium sich nicht unterzogen, hatten in ihren großen Massen das brennende Bedürfnis nicht so sehr empfunden, jene Menschenwürdigkeit, welche durch den Schlitz oder Spalt des Rockes hindurchgeschmuggelt werden sollte, zu erlangen. Gar viele gelehrte und denkende polnische Juden verkündeten es laut, nicht der Spaltrock macht den Vornehmen, nicht diesem wurde die Emaneipation zutheil, sondern dem Juden, wie derselbe sich kleidet, das bleibt jedermanns Sache — und so blieben sie ihrem Princpe treu, die Auserwählten der Lemberger Gemeinde, die sich vom übrigen Volke trennen wollten. Andere nach Tausenden zählende Fromme aller Schattierungen haben sich mit ihrem traditionellen Joch der Diaspora unter dem gnadenreichen Regime des apostolischen Thrones ganz ausgesöynt. Weshalb wohl nicht!? Standen ihnen ja alle Annehmlichkeiten eines frommen jüdischen Lebens nneingeschränk und unbeeinflusst zur Verfügung. Was mag dieses Erdenjammerdasein von so kurzer Dauer mit all seinen Herrlichkeiten einem gottergebenen Juden bieten — alles eitel und vergänglich! Unserer frommen Schar genügten ja die echten uneingeschränkten jüdischen Freiheiten, von denen wir einige hervorheben möchten. Zunächst den 24stündigen Fasttag, aller gebotenen und nicht gebotenen Thanetim, hierzu erst jene Magenzucht ex propria diligentia Privatfleiß — in gewissen dies nefastes familiärer Natur, ohne hierbei seitens der Marktbehörde wegen ungesetzlichen Magenboyeots angehalten zu werden. Eine zweite wichtige Begünstigung ist auch das Recht, mitten in stockfinsterer Nacht in gespensterhafter Weise auf der Gasse herumzuspuken, um dann in ein spärlich beleuchtetes Haus einzubrechen, und beim lieben Gott zu klagen wegen Zerstörung unseres Heiligthums und des göttlichen jüdischen Reiches, wohlgemerkt, ohne von den k. k. Polizeisoldaten und Sicherheirswüchtern angehalten und unter Schloss und Riegel gebracht zu werden. Man denke, wie man auch wolle, das eben noch zu citierende alte Privilegium noch unangetastet zu lassen in einem Zeitalter, wo alles Unjüdische tausendmal betastet und beschnüffelt wird, welches durch die Mautlinie in die Stadt hineingetragen oder hineingeschleppt wird. Ich spreche von dem Rechte eines Erablegens um die Stadt, ohne vom Baumeisteramte und kirchlichen Behörden wegen bedrohlicher Judaisierung oder gar Hinfälligkeit des Erabbaues gehindert zu werden. (Heute erfreut sich Lemberg eines den Ansprüchen der Neuzeit angepassten elektrischen Erabapparates. Das alles frank und frei, wie im Jeruscholajum der Zukunft. Sukkah und Kidusch halwana, die Ihr, allen Ehristlichkeüsbestrebungen einer stockpolnischen Gemeinde zuwider, auf öffentlicher Straße veranstaltet und eingerichtet, werden toleriert. All dieses summiert das jüdische Volk zu dem Genrebild der jüdischen Freiheit — alles anderen, von vorübergehenden profanen lebenslustigenAuchjuden ersonnenen christlichenFreiheiten dürfen keinen strammen Juden aus seiner stoischen Glaubensfeste hervorlocken. Diese idyllisch-platonische Welt der Sorglosigkeit, dieses gottergebene Friedenselement, das sich mit dem Kleinsten begnügte, was Gott zuschickte, — selbst mit einem schlechten Schlachzizen — hat er nur so viel getragen, um auf Sabbath vorzubereithen und einen Orach zu Tische zu laden — hat doch nicht länger andauern können. Unsere polnischen Herren würden den Makler-Moschko fürderhin tolerieren, würde seine Hand daszum Leben und Lustigsein nöthige Geld ausleihen (iusoferne keine christlichen Banken entstanden wären), allein dieses Mäklerthnm musste der Zeit zum Opfer fallen. Dieses — wohl eine äußere Bedingung — erhielt Succurs an dem Zimmergeborenen. Von der einzigen Frau, welche im Beisein ihres Gemahls fast bis zum schmerzgeborenen Jüngelchen, alles empörte sich gegen diese obbezeichnete jüdische Freiheit des Hungerns. Die Frauen legten ihren jüdischen Schmuck ab, das Stirnband und die Halsperlen, welche von Generation zu Generation Erbgut der Familie waren, unr sie gegen den modernen Plunder der französischen Mode einzutauschen. Die Mütter und die Töchter der Ehassidim avancierten in erster Reihe zu Modedamen, und der Mann, der fromme Ehassid, musste Mund und Augen vor dieser Wendung der Dinge schließen und seine Tasche öffnen. Dieser schwache Thoil der menschlichen Rasse, diese Töchter und Nachkommen nuferer frommen Mütter, rannten alles nieder im Herdentritt, was ihnen den Weg zur französischen Eultur verstellte, dieser Eultur, eine Negation des Jenseitsjudenthums. Schon damals mussten die Frömmler ihre Kinder in die Schule schicken, damit diese e t w a s werden. Diese Springflut aus dem Cheder in die confessionell christliche Schule schwemmte unbarmherzig den edelsten Theil unseres Volkes in das große Reservoir der alleinseligmachenden modernen Eultur — die Eultur der Assimilation. Schon setzte das Gelüste nach den jüdischen Dorf- und Kleinstadtmädchen seitens der unfehlbaren Seelenschacherer — ad majorem dei gloriam — ein aus lauter Liebe zum Judenthum. Für die Mädchen, welche dem Schoße ihrer Familien gewaltsam entrissen wurden, haben die Barmherzigen in^väterlicher Weise gesorgt. War ihr Einzug in den Schoß der Alleinseligmacher verflucht, so zogen sie gesegnet und mit Gunstbezeugungen aus demselben,' augepasst dem heiligen Segen der Schöpfung in der Bibel, wo es geschrieben steht: Seid fruchtbar und mehret Euch wie die Vögel im Himmel und die Fische im Wasser. Versuchen wir noch kurz ein Gesammtbild in wenigen Linien zu umschreiben: In den Siebziaerjahren stieg die Freiheitssonne im Westen Oesterreichs auf, im Osten aber verdunkelte bald dichteres, bald lichteres Gewölk den Horizont der 800.000 Juden Galiziens. Unser Volk durchlebte gerade damals die Zeit des Kampfes der Aufklärung gegen den sogenannten Obscurantismus und zersplitterte sich in eine Partei für den Fortschritt, und in mehrere für den Conseroativismus bis zum Zelotismus. Dem inneren Zerwürfnisse kam der Feind außerhalb des jüdischen Lagers, der polnische Judenhass, die Judophobie, mit dem Bestreben, die erlangten Bürgerrechte der Juden rückgängig zu machen, znhilfe. Der ökonomische Niedergang der Juden in Galizien wird von den Polensührern akadcunsch vorbereitet. (Fortsetzung folgt.) Wien. (M i s s st ä n d c auf b c nt jüdische n Friedhof e.) Wir erfüllen ene öffentliche Pflicht, indem wir gewisse unglaubliche Missstände aufdecken, die auf dem jüdischen Friedhöfe herrschen. Als nämlich ein Angehöriger einen letzten Blick auf die Leiche des verstorbenen Bürgers und Jitweliers M. werfen wollte, und sich zu diesem Zwecke in die Leichenkammer begab, bemerkte er zu seinem Entsetzen, dass der betreffende Leichnam gar nicht die Züge des Verstorbenen trage, sondern offenbar eine andere Person sei. Man suchte nun nach dem richtigen; aber unter allen in der Leichenkammer liegenden Leichnamen war er nicht zu finden. Es mussten daherid r e i frische Gräber geöffn e t werden, bis man endlichi-fand> dass Herr M. als Herr B. begraben wurde. Nun musste man, die beiden L eich e n a u s w e ch s e l n. Wir haben absichtlich den trockenen Thatbestand erzählt. Denn dieser ist so grauenhaft und nach Abhilfe schreiend, dass man ihm nichts hinzuzufügen braucht. Denn abgesehen davon, dass der. eine Fall eine einzig ' dastehende Misswirtschaft auf dem Friedhose beweist, drängt sich natürlich die Frage auf, wie oft schon derartige Verwechslungen vorkamen, ohne bemerkt zu werden. Die verantwortlichen Beamten weilen fern vom Schüsse in Baden oder Ischl; so machen wir die Cultusgemeinde selbst dafür verantwortlich, dass ein solcher Vorgang, der jedes menschliche Gcinüth tief verletzen muss, stattfinden konnte. Herr M. war langjähriges Mitglied der Innung der Goldschmiede und Juweliere; es wohnten daher seiner Bestattung viele C h r i st e n bei, die mit Entrüstung und Verachtung den Zwischenfall beobachteten. Glaubt der Cultusvorstand, dass dies der richtige Weg ist, um dem Judenthnm die gebürende Achtung zu verschaffen? Ein Betheiligter. Wien. Aus mehrere Anfragen theilen wir mit, dass nicht unser geschätzter Gesinnungsgenosse Herr Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Jakob K o h n, I., Bäckerstraße 4, seinen Namen geändert hat, sondern ein politisch indifferenter, unserer Partei ganz fernstehender Advocat dieses Namens es gethan hat. Damit richten sich auch die von gewisser Seite ausgestreuten böswilligen Gerüchte. Wien. (Neugründung.) Am jüngsten Sonntag constitnierte sich der Vorstand des neugegründeten Vereines „ThorathChesed". Dieser Verein hat zum Zwecke, unbemittelte junge Leute aus Wien, die den Studien ans den ungarischen Jeschiboth obliegen, zu unterstützen. Wer den Fleiß und die kümmerliche Existenz dieser zukünftigen Träger der Bibel- und Talmudtzelehrsamkeit kennt, muss diesem Vereine beitreten, dessen Wirken ein segensreiches sein wird. Den Vorstand des Vereines bilden: Salomon Schreiber, II. Obere Donaustraße 77, Obmann; Emil Kritzler, Obmann-Stellvertreter; M. A. Für st. Cassier; Theodor P a p p e n h e i m, Schriftführer; Götz H v f b a u e r, Cvutrolor : Abraham F e u c v r i u g. Leopold Rosenbaum, Berthold Stroh, Ausschüsse. Prag. (I s r a c I i t i s ch e r L a n d e S - L e h r e r v e r e i n in Böhmen.) Die General-Versammlung findet Heuer am 25. und 20. August statt. Programm: Am 26. August abends im Hotel „Bristol", Prag Lagegasse: Geselliges Zusammensein. Aui 20. August im selben Local um 8 Uhr vormittags: Hauptversammluug. 1. Verlesen uub Genehmigung des letzten Protokolles. 2. Vortrag. 8. Geschäftsbericht für das 28. Vereinsjahr. (Rabbiner M. Freund, Bodenbach.) 4. Eassabericht und Feststellung der Jahresbeiträge pro 1002. (Rel.-L. D. Löwh, Prag), ferner Rebisionsbericht. 5. Unsere „Mittheilungen". (Rnbb. M. Freund, Bodenbach.) 6. Unsere „Jugendzeitung". 7. Anträge des Vorstandes. 8. Anträge der Mitglieder. 9. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Prag. (A l l e s schon d a g c w e s e n.) In der Nähe von Prag sind vor einigen Tagen in drei Gelneinden vierzig Personen mehr oder ivenigcr schwer erkrankt voll dem Genüsse mit Arsenik vermcllgiell Brotes, welches ein dortiger Bäcker in Verkehr gesetzt. s)as Vorhände Mehl und Brot wurde coilfisciert und ein der That verdächtiger Bäckergeselle namens Johailn Balas wurde verhaftet. Diese Geschichte vom vergifteten Brote dürfte der Prager Bevölkcrnng und besonders der dortigen Judcnschaft folgeilde Rcmillisceilzcn, die sich in dem Prager Mcmorbuche verzeichnet findet, in Erinnerung vringcn. Es tvar zur Zeit als der berühmte Rabbi Bezallel Löb Oberrabbiner der Prager Jndcilgemeillde war, und zur tjeit des Passahfestcs, au welchem bekanntlich bcn Juden der Genuss und der Besitz ungcsäucrteil Brotes verboten ist. Es Ivar am letzten Tage des Festes; die Leute konilten den Ausgang des Festes kaum crlvartcll, um ctiblidj wieder Brot essen zu biicfcu, und so versammelte man sich zum Nachtgottesdicilstc, um das achttägige Fest zu verabschieden und den anbrechelideil Werktag zu begrüßen. Der Vorbeter hatte schon den Scgeil gesprochen über den Weili, alles eilte hinans, um recht bald Brot holen zu lasseil — dies konnte natürlich mir von nichtjüdischcn Bäckern beschafft werden, als plötzlich der Rabbi die zur heiligeil Lade führendeil Stufell cmporfticg. . Allgemeines Aufsehen, groste Erregung ob dieses ungewöhnlichen Ereignisses, welche Erregung sich noch dadurch steigerte, als der Rabbi mit hoch erhobener Stimme vcrkürldcte: „Ich verbiete Euch bis morgen mittags Brot zu offen." Allgemeines Erstaunen, jedoch war die Autorität des berühmtcil Rabbi eilte viel zu große, als dass es jemand gewagt hätte, nach den Gründen dieses Verbotes ettvas zu fragen. Die Gemeinde zerstreute sich, der Rabbi jedoch gieng von der Synagoge aus direct zum Bürgermeister, bei dein er Klage führte, dass mehrere Bäcker sich verbündet haben, um die Judeil, die an diesem Abende Brot taufen, zu vergiften, zu welchem Zwecke sie dem Brot Arsenik beigemengt haben. Der Bürgermeister gieug sofort mit einigen Rathshcrrcn in die bezeichnetcn Backstuben, wo die Meister aufgefordert wurden, von dem Brote, welches sie zum Verkauf bereit hiclrcn, zu essen, was dieselben jedoch cntfcijicbcn verweigerten. Mail gab einigen Hunden von dem Brot zu essen, die bald darauf verendeten. Was die Behörde in jenem Falle that, ist Nebensache. Thatsache ist's, dass die Prager Judca zur Erinlierung an die Errettung ans jener Gefahr das Verbot des Brotgennsscs bis auf den heutigen Tag auf den dem Festtage fofgenben Werktag ansdehnten. Polna. (NachklängezumHilsner-Processe.) In Polna wurde die Brücke, welche nach Klein-Veznitz führt, Agnes-Brücke, nach der ermordeten Agnes Hruza, benannt. Brünn. (Aus Schilda.) Da war vor kurzem ein bedenkliches Stuijtcnt und Krachen in dem Gebälke der Schildaer Gemeinde zu verspüren. Dunkle Gerüchte stiegen auf, arge Kunde gieng von Mund zu Mulld: „er".resigniert. Darob allüberall verzweislungsvolle Gesichter, traurige Mieilen, schwermüthiges Köpfchängeulassen. Aus war's mit der Seelenruhe, mit der man sonst sein „Schwechater" trinken konnte, imb der Kalbsbraten im „Deutschen Hause", er lvurde einem vergällt durch trübe Ahnungen, wegen des bevorstehenden, schmerzvollen Verlustes, Ueücrallhin verfolgte einen der schwer bedrückende Gedanke: „Wer wird nun die Lämmlein hüten?" — Null, zur Freude aller mitfühlenden Herzen sei'S verkündet: „er" bleibt. Abgewendct ist btc drohende Gefahr von unseren Häuptern, denn Habemus papam. Wir haben „ihn" wieder, und Gott erhalte ihn noch lange zum Wohle der Gemciilde und zum Wohle und Heile der ganzen Mellschheit. In der kurzen, schrecklichen, oberrabbinerlosen Zeit, ach l wie gieng da alles drunter und drüber! Was hat man da alles nicht von entsetzlichen Umstürzen nmnkcln gehört! Da wollten sie einen neuen Tempel bauen lassen, ein neues Gemeindehaus errichten, die Koscherflcischfrage regeln, und dies mit einer tyrannischen Strenge und unmenschlicher Rücksichtslosigkeit, wie es eben nur fanatische Frömmigkeit zu thun vermag. Nun, Gott sei Dank, die Gefahr wurde jetzt glücklich beseitigt, alles athmct erleichtert wieder auf, und es wird dafür gesorgt werden, dass die Ruhestörer, um zukünftigen Umsturzgelüsten vorzubcugcn, der verdienten Strafe nicht entgehen. Lieb' Judenthum magst ruhig sein!" . ~ ■ Veritc. Budapest. (Em il Makai.) Nach wocherllangem schwerem Leiden ist heute abends halb 8 Uhr Emil Makai, eines der bedeutendsten Talente des literarischen Jung-Ungarn, gestorben. Bor etwa acht Wochen erkrankte Makai. Es zeigten sich bei ihm Anzeichen eines Herzleidens, das sich alsbald zu einer Herzbeutelentzündung entwickelte, dazu kam ein Darmleiden, so dass die Aerzte den Kranken schon vor Wachenfrist aufgaben. Seither lag er förmlich in Agonie, bis ihn heute der Tod von seinen Leiden erlöste. Er starb in den Armen seiner Schwester, bei der er in der Voresmartygasse Nr. 11 a wohnte. Emil Makai war am 17. November 1870 in Mako geboren. Makai war der Sohn des Maloer Rabbiners Fischer und ursprünglich selbst für die priesterliche Laufbahn bestimmr. Doch gab er später seine Studien am Landes-Rabbiner-Seminar auf und widmete sich der Journalistik, um die Lebensbedürfnisse zu decken, setzte aber dabei die schon früher begonnene Uebertragung der spanisch-jüdischen Dichter des XI.—XIV. Jahrhunderts fort. Seine Umdichtungen des J e h u d a den Halevi, Gabiro l, Moses I b n E s r n, Charisi und Manuello sind mustergiltig. Doch seine eigenen Gedichte, die in verschiedenen Banden erschienen („Val- Uisos enekek“, „Margit“, „Ujabb költomiinyek“, „Poetasors“), dann seine dramatischen Werke: das zweractige Versdrama „Kaland“, das einacrige Lustspiel „Robinzonok“, das dreiactige Lustspiel in Versen „Tudös professzor Hatvani“ rc. sind alle beredle Zeugen für des Dichters hohe Bedeutung. Neun Zehntel der in den letzten zehn Jahren in Ungarn ausgesührten neueren Operelten sind von Makai übersetzt, bearbeitet oder geschrieben worden. Auch zahlreiche Monologe, kleine Soloscenen und Scherze hat er verfasst. Vor etwa anderthalb Jahren gab er die Journalistik aus und widmete sich seinem neuert, Amte — er war zum Schriftführer der Dramenjury des Nationaltheaters ernannt worden — außerdem begann« er mehrere Originals ichlungen, die unvollendet geblieben sind. Budapest. Der römisch-katholische Priester und Seminardirector in Vcßprim Dr. Kolomanu Kozma, der auch als Redaeteur des antisemitischen Hetzblattes „Vestpremi Hirado" schon seit Jahren wüthete, ist am 15. v. M. verschwunden und hat sich mit- Reisespesen in der Höhe von 2000 Kronen ans der von ihm verwalteten (Lasse des katholischen Gcsellenvercins versehen. Ausland. Berlin. „Sie treiben mit Entsetzen Scherz". Bor . einer Reihe von Monaten hat die „Staatsvürger-Ztg." fanfaroniercnd angckündigt, dass die Lösung des jahrhundertealren Räthsels bevorstehe, und dass sich dieses „Verdienst" der über die Canbentikel seiner Zugehörigen hinaus völlig unbekannte „(Germanische Volksbund Berlin" durch eine Umfrage über den „Rnualmord" erworben habe. Man kannte also die Antworten bereits lange, bevor sie eingegangen waren, und das isl vollkommen begreiflich, da selbstverständlich nur waschechte Gesinnungsgenossen oder solche, die da-