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Jüdisches Volksblatt · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Z. August 1901 Nr. 31 reidmngstage für Donnerstag, Freitag und Montag, Eensnrtag für Donnerstag nnd Eassatag für Freitag einer jeden Woche destinnnt. Wien. ((5i n e „s ch In a r z e L i st c" u o n B a d eorten) oder vielmehr eine Liste Non „schlvarzen" Badeorten hat der „B. B.Dt." znfammeltgestellt. Das Berliner Blatt gibt nämlich eine ganze Serie non antisemitischen Bade-, (iur und Erholungsorten bekannt, die non Ellrgästen, Ivelche an dieser schlvarzen Enrvrle Evnlenr keinen Gefallen finden, gemieden werden sollen. In dieser Liste finden wir folgende Rainen: Borkum, Inist. Amrum, Zinnolvilz, Beiligenhafen, Sellin, Lakolk ans Nöm, Eraal bei Nilmib, Bantin, Britters Standhotel in Sivinemünde, Insel Wilna bei Bügen, Angnstnsbad bei N'adeberg, Mürib, Gehlberger Mühle < bei Oberhvf in Thüringen), Grvßtabarz in Thüringen, EnrHans Dberlneiler im Schivarz,- Wald, Hvshans in Schliersee, NstiHpoWig in Sberbagern, Trantheim bei Nieder-Nllunstabt int Odenlvalb, Grendelbrnch im llnterelsass, das Pensionat am Frauenkloster am Ottilieitberg, Luft- und Wasserenrort Einöd bei Friesach in Obersteicrmark, Ettlingerweiler und BrncHHansen (Bad Schlvarzwalb > , Metlisalp (Berner Oberland), St. Johann bei Heiden in Appenzell, Gaisenstein, Inner-Barlholomä und Bandans in Montavon (Vorarlberg), Oberaudorf und Kiefersfelden arn Inn, Gasthof „Zur Gräfin" in Kufstein, HinterrisS (Bayern l, Forsthaus, Walchsee, LanghamPsen, Oberbozen, Mezzolombardo (Restauration Gröbner), Bensch bei Bozen, Easee schgrafser in Bozen, Sermione am Gardasee (Hotel promassi sposil, Kibbühel in Tirols Hotel Schröder, gen. Villa Flora in Neuenahr, Ligau bei Dresden, Mieders im Stnbaithal. Wien. (I i't d i ) ch erVolk s v e r e i u.) Der juristische Beiratb des Voltsvereins, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Karl Lifczis, ist täglich zwischen 1 und 3 Uhr nachm, in Heimatsrechtssachen zu sprechen. Wien, i D e u ö fr e r r c i ch i s ch - u n i] n v i s ch e (Sauf o - r eilt an-) Derselbe fand am 2U. und NN. d. M. bei mäßiger Theilnahme seirenS der anvlvärcigen Entlegen ftatr und nahmen die Berathungen zuweilen einen stürmischen Verlauf — allerdings cm Sturm im Wlafe Nasser.?lm B co n ra g - V o r i n i r r a g toar die Vorbesprechung und Tve’rtfcbir.Ki bei Programmes. Ooereanror Bauer begrüßte mit herzticheit Worten die Erschienenen, namentlich richkeke er sreuudliebe Worte des Dantes au die aus Deutschland herbeigeeilten BernsSgenossen Cautor Frieoinann anS Berlin, Davison aus Gteiwiß und Lepi aus Elberfeld, die sieh solidarisch mit deiHZii fassenden Beschlüssen und bereit er^ klärten,. zur Hebnng des Standes, beziv. des neu zu gründenden allgemeinen (Sanroren-Vereines nach Kräften beizntrageu. klärten. Am Aacmnikrag wurde der Canwreurag durch Herrn Obereautor Linzer vffieiell eröffnet, und namens des Cultusborstaudes begrüßte Herr Laiidessehulrarh Dr. Gustav Kohn die derzeitigen Mitglieder dieses Vereines, lute auch die Gäste und gab seine aufrichtigen 'Wünsche für den ersprießlichen Erfolg der öffentlichen Berathuugen beredten Ausdruck. Tcut Hauptgegenstand der Debatte des erfreu Tages bilderen die derzeit obiralteuden llebelsrände bei Neubesetzung eines Postens und wird dem Präsidium des Vereines besonders nahegelegt, dahin zu wirten, dass fein (Sollege in einer Gemeinde competiere, die ihren Angestellreir ohne rriftigen Grund entließ, ebenso dass solche (Semeurse ignoriert werden mögen, in denen dem Proberandiraten keine Neisesveseir-Eurschädigung zugesagt!vird. Ferner ivird der rlnsng gerügt, dass die Altersgrenze von 40 Jahren die Erlangung einer Stelle erfchlvere. An der Discnsnon berheiligren sich die Herren Gntinaun, Schäfer, Scbwarz, Balot, lute auch die E oll egen ans dem deutschen Reiche, die den Umstand hervvrhoben, dass draußen im bleiche durch das Bestehen von Lehrer-Seininaren das BiidniigSnivean der Ean koren ein höheres, deshalb auch ihre Stellung eine mehr geachtete und relativ gesicherte sei. Ain Dienstag-Vormittag vollzog der Verein einen eorpocativen Act der Pietät, indem viele Theilnehmer die Gräber Meister Sulzers und Goldsteins wie auch der s. Cantoren Fischer und Stern besuchten 'Am Dienstag-Nachmittag bildete den Gegenstand lebhafter Discussion der Modus, lvie deni Vereine eine größere Masse von Mitgliedcrn int In- -und binslande zngefübrt werden türmte, um so mit geeigneten Machtmitteln ausgerüstet, achmuggebierend anftreren und Erfolge erzielen zu rönueu. :e diesbezügliche blesolmion wurde vorn Verbaudssecretär Dr. Löivn verlesen und einstimmig angenviumen, und zwar wurde der weschlnsS gefasst, die bisherige Hobe Amnahrnsgebür wesentlich zu redneieren und den jährlichen Mitgliedsbeitrag mit N Kronen zu fixieren. Tie Debatte gestaltete sich zuweilen sehr erregt und vetheiligtei sich an derselben die Herren Ebercantor Gutmauu, Löwit, Schäfer Nürnberg nsw. Das Präsidium wurde von Herrn Obeccantoc Singer recht stramm gehandhabt, so dass die Geschäfte sich allerseits glatt abivickelten und gegen 0 Uhr der Eantorenrag in erhebendster Weife abgeschlossen werden tonnte, nachdem nuai ein ErgänzungS-Evmuee von Vertrauensmännern behufs Aenge-viitnnng von Acitgliedern gewählt wurde, ßpttn cochlnise sei noch ecioö.hnr, dass die Herren Dr. Bloch, Gelbhaus und Prediger Grün als Gäste aiuvesend waren und dass die Theilnehmer das jüdische Museum gemeinschastlich besuchten. Als bedauerlich muss das Nichterscheinen der Eanwceu von Schlesien und Galizien eonstaliert loeroen, und wäre unseres Erachtens eine Organisation sämmaaoec Enltnsbeamren nacli einem neuen Statut das richtigste Mittel gegen Vergewaltigung und 'Ausbeutung seitens einzelner Gemeinden, bei der hohen Regierung die nöthigen Schritte mir 'Aussicht auf Erfolg einznleiteu. •— n. Wien, l'tm jüngsten Sabbath feierte Prof. Simon Hoffmann, der nicht nur als ein gewandter Sprachmeister sich bewährte, sondern auch als Meiner in der Pflege von Gemvilurh Eheßed, den achtzigsten Geburtstag in vollster Frische des Geiske-z und körperlicher Gesundheit, und erhielt er ans diesem Anlasse viele Graittlanonen. Herr Pros. Hossmann machte sich durch langjährige Thätigteit für den Verein „Tonneh Eivjonim" und den jüdischen Krantenhaus- Vereiu sehr verdient. Möge er noch lange ersprießlich lvirten und viele biachsotger sinben! Wien. Wie im Vorjahre, hielt am verflossenen Samstag den 20. Juli der Oberrantor des Beth Israel-Vereines in Wien, Herr M. S ch o r r, im Eurorte Neichenhall, )voselbsl er mehnvörhentlichen Aiifenlhall nahm, auf allgemeines Verlangen einen gottesdienstlichen, wohlthätigen Ziverken gewidmeten Vortrag ab. Die Leistungen dieses auf eantoralem (Gebiete so eminent thäligen Funrlionärs sind zur Genüge bekannt, als dass sie aud) bei dieser Gelegenheit rühlnend hervorgehoben werden müssten. Erlvähnenswert jedod) ist es, dass der Vortrag des genainiten Tonkünstlers, dem, lvie die Neichenhaller Enrzeitnng berichtet, das gefainmte Enrpublicnm anwohnte, zil enthnsiastifchem Beifalle hinriss nnd an Spenden für die WohltHäligkeitsinsli- Ilite des Ortes eine namhafte Summe ergab. D. Skntezky. Wien. l F ü d i s ch e s I b e a t e v E » s e in b l e.) Unter der belnährten Leitung des einstigen Leinberger Theaterdireelvrs Nlimpel spielt seit Beginn dieses Akonals eine auserlesene Kiinsl lergesellschast allabendlich im Praclitsaale des Bayerischen HvfeS, wobei bistorische Possen nnd Schlvänte zur Aufführung gelangen. Das Singspiel „Bar Kwcliler" von lgoldfaden, ivelches gegenlvärtig am kllevertoire steht, und in welchem die Hauptdarsteller, Herr p.nckerberg in der Titelrolle, Streng als Elcazar, Fresset (hastmg, König Cäsar nnd Frl. Slefanie Steif als „Dinah" aiierkennensivert bescliästigt sind, erregt das lebhafteste Interesse des zahlreichen distinguierten Pnblicnrns. tirvkitmn. (Oi e tt c g a t e n.) In der vorigen Woche fand in der Decanalkirche zu Üiokißan die Taufe deS neugeborenen Söhnchens des dortigen jüdischen Regimentsarztes Dr. Eisens ch i m m e l statt. Wie überdies die Fama berichtet, beabsichtigt genannter Herr demnächst gemeiilscl,afttich mit seiner Frau z u r katholische n K i r ch e ü b e r z u t r e t e n. Erwähnt sei noch, dass die israelitische Enltusgemeinde Rokihan seinerzeit von der zwangsweisen Eintreibung der dem Dr. Eisens ch i m in c l auferlegten Enltnsstener Abstand nahm, um nicht das Odium aus sich zu laden, den Austritt desfetden ans dem Jndenthum veranlasst zu haben. Ära kau. (Eröffnet e r iß reu z v e r k e hr. - Die „ßtetle Freie Presse" meldet: ßcach einer Mittheilnng der N'egiernng an die Krakauer Handelskammer haben die von dem Botschafter Freih. v. Aehrenthat in St. Petersburg unternommenen Sehritte den Erfog gehabt, dass die früher vorhanden gewesenen Erleichtern.igen des Grenzverkehres an der österreidiiseh-rnssisthen Grenze wieder hergestellt nnd der ttebertritt über die Grenze mit Halbpässen auch jüdischen Grenzbewohnern gestattet ivird. sthorviv. iE n l t n s!v a h l.) Der in diesem Blatte bout 1L. Juli an unsere jüdische Bevölkerung gerichtete Appell für die Erhaltung des Friedens in unserer Gemeinde, wurde von unseren glatt* bensgenössischen Mitbürgern beherzigt. Die Wählerschaft, die bcn der Wahl des ersten CnltuSratheS in zlvei feindliche Lager fim theilte, so dass der Friede unserer Gemeinde schwer bedroht war» ge.- langte rechtzeitig zur Einsicht, welches thenere Opfer die givietracht von ihnen fordern könnte; die Parteien lenkten daher bald ein nnd mäßigten sich, so dass die am 4. Juli vollzogene Enltnswapl die Nechtstraft erlangen und zur eonstitniereitden ^ilznng geschritten werden konnte. Henke, am 22. Juli, fand somit die erste sogenannte eonstitnierende Enltnsrathssilznng statt, wobei die tt> (Situ tnsräthe ans ihrer Mitte den Vorstand wählten. Es giengen anS derselben nufer langjähriger Alih-enteindevorstand Herr Jakob Kal; als Cultus-Präsident, Herr Apotheker Adolf Rappaport als Vicepräsident nnd die Herren Aron Mendel Ailolver, Hirsch Pulper und Jacob Perlmutter als Vorstandsmitglieder einstiminig hervor Möge es dem neuen Cnlrnsrathe gegönnt sein, zur 'Ansrechierhaltnng des Friedens tntd der Eintracht in unserer Gemeinde beitragen tute zum Wohle nitd Ruhme derselben lvirten zu könne»! I. L. Jaryczow. Wie erfreulich war es mir, Ihnen mitthcilen zu können, dass in der gegenwärtigen antisemitisch verseuchten Zeit sich ein Neichsrathsab'geordneter gegen den Antisetnitisrnns ausspricht, und denselben von der .Kanzel herab verdamint. Vergangenen Samstag den ll!> v. M. besuchte der radicale Iieichsralhsabgeordtieter Herr Ernst Breiter, Redaeteur des „Monitor" ans Lemberg, unsere Stadt, um den Wählern von seiner Arbeit im Reichsrathe Bericht zu erstatten. In seiner tllede, welche er vor vielen katholischen Zuhörern hielt, ermahnte er dieselben, mit den Juden „in Eintracht und Frieden ztr leben". Und dies ist wirklich in dieser Zeit als eine erfreuliche Thatsache zu bezeichnen. Leider aber mischte sich mir in diesen Freudebecher ein bitterer Tropfen. Deri'.t tags darauf, als ich zu Freunden ans einen Besuch gieng, spielte sich in meiner Gegenwart folgende ©eene ab : Im Walde, welcher nicht tveit von der Stadt liegt, spazierte ein Knabe von zehn Fahret!, welcher sich einige (Srbben'on aufgetrieben Hai. Daraus kam der Förster dieses Waldes, P r z y s i e e i i, und ohne irgendeinen Anlass als den, daß der .Analu- Jude ist, überfiel, er ihn, nnd begann ihn mit den Fäusten zu bearbeiten, vis der Knabe niedersank. Selbstverständlich, dass dabei auch die Beschimpfungen und Belcidignu-.en wie : Judasz! Zyd nicht gefehlt haben. Und da haben wir schon die Früchte der „Richlantil'einilischen Polen" — wie manche Assimitatoren sagen — in Galizien. Lubicn. OK u s b e r So m in e v s r i s ch e). Vom hiesigen Eurorte, wo Sllervöse, Gicht- und 'llhenmatismusleidende die hiesigen vorzüglichen «kahlnnd Schwefelhäder nach Aussagen vieler Enrgäsie mit bestem Erfolge genießen, können wir nicht umhin — als Gegeribilo deö gatizischen antisemitischen Badeortes Nymanow des Herrn Grasen Potoeki — der edlen Gesinnung sowohl des Eigenthümers des Baveü Herrn 'Adolf Ritter von Bnuneki, als des D.reetors Herrn Longchamps, sowie deren Zuvorkommonhoit gegen alle Enrgäste ohne Unterschied der Eonfesston zu erwähnen. So hak der Besitzer des hiesigen Enrortes Herr Ritter von Brnnicki im Vereine mit Herrn Lirector Longchamps den hiesigen zahlreichen jüdischen Armen W Percent Nachlass von den Bndetaren bewilligt. Ebenso verdient die htunane Behandlung der Kranken seitens des Eurar,ztes Dr. Kraczinsti und dw jüdische Curmusik unter Leitung des tüchtigen Dirigenten Herrn I. Geiger vom Wiener Eonservatorium Anettennnng. J. H. Lemberg. Die Gründung eines großen Voltsvereincs, bestehend aus den Schichten der Kleiithandeisbranchen, schreitet rasch vorwärts. A.llcmt unsere netten Veceinsuntglteoer können sich nicht, ans dem Urankenunterstütziurgswesen hlnausdeiikon. Diese Sorte uoit Vereinen haben wir geradezu überschüssig. Die Parole, die mir ertbeitten, lautet: Der Indische Vottsverein hat die Aufgabe der moralischen Hebung, »tateriellen Förderung seiner Mitglieder (in Geschnstsnötheu) und des gegenseitigen Nähertrstens derselben. Der Gedanke der Errichtung einer Topttbee-Halle mit Lese- und Vortragsabenden ist fast allgemein srettdig begrüßt ivorden. Dte jüdische Socialbemokratte hat trotz ihrer Phraseologie der Unterstützutig des jüdischen Proletariates leine Gunst in dem Augen der vermeintlichen Lllnhänger gesunden und werden alle 'Anjlrengungen vereitelt, in die noch gesunde jüdische Herde einzttbrecheti. Szegedin. (D a s N i t u a 1 in ä r d) c u i n U n - p a r >l.) Wir man nns ans 2 ze ged in sd)roibt, wird im bllfülD das;)iiiualmardjcit zn WahlinanöverznwdPn eifrist iu Eolporiaste stefetzl ttiib stesten die Inden, stnvie gegen oie aiistedlid) inst ihnen Verbündete, von ihnen bezahlte .Negierung gehebl. Seil Bconaten fchoit Ivird in die Bevölkernitst das Gerüd-t getragen, dass die N'egierilng um ein Bllttgeld von 70.000 b'stllden Den Inden die Erlaubnis ertheili habe, zur Weihe der in S.'.egedin im Bau begriffenen Synagoge das Blut uni sechzehn reinen christlichen Jungfrauen Zii benühen. Der Wahnsinn findet leider Gläubige, lind da nnd dort regelt sich schon bis nun voll Den Be Hörden rasch nnd mit unglaublichem Erfolge unterdrückte Iiidenberfolgnngen. In dein Dorfe Dorozsma ist kürzlich ein Hausierer fast erschlagen ivordeil. Buch in Felegyhaza iilld Szabadka (Maria Theresiopel) wurden schon Versuche gemacht, die jüdischen Kalifiäden zn plündernt. Ausiimtd. Berlin. (I ü d i s ch e K i> n st 1 e r.) Man schreibt mis: Seil Prof. Oppenheim in Frankfurt a. M. seine in zahlreichen Neprodiiclionen oerbreilelen „L'ilder ans denr jüdischen Ftnnilienleöen" schuf, ist ein halbes Jahrhundert verflossen. Soeildent haben selten Künstler dieses interessante Mileil auch nur vorübergehend gestreift. Erst seit .16 Jahren hat ein Sehiiler Germnes in Paris sich Diefen Sloffeit mit grosiem Eifer und Debeutenbem Köitnen in seinen Lithographien ziigelvandt, es ist der in Maiiresinünsler bei ^trasidiirg geborene Mater Bl Phons Levy, der gegenlvärtig im Kilnstsalon bei Keller lind N'einer in Berlin eine intern essanie Ansstelliing seiner „Scenen ans dein Leben der elfässisihen Inden" veranstaltet. Ursprünglich .zeichnest'! A. Leby zumeist mit Andre Iill znsannnen in Paris Carieatiiren nnd politische Federzeiehiinngen für „La Lnne" und auch für das bekannte „Journal ainiisanl". Als seine 'jeichniingen für das mit einer Vorrede des Grohrabbiners Zadoc Kahn ersdjienene Werk „La Die fuiDe" und für. die gemeinsam mit Sacher-Masodj heraiisgegebenen jüdischeil Erzählungen Aiissehen erregten, stellte Levy sein großes tünstlerist'hes Können, verbunden mit einet: bedeutenden Schärfe der Eharat'teristik, ganz in den Dienst der Llilfgabe, Sceneil alis deni ländlidf-iiaiben Leben der elsässischen Juden darznstellen, lvie er sie in seiner Kindheit gesehen. Levy, der hellte lvohl ein Sechziger ist und sid) mannigsadjer Auszeichnungen erfreut (er ist u. a. Offieier de l'Instillist), schrieb der Pariser Zeitschrift „La Pttnlle", die im August 1806 seine Haliptbilder „Die Schaalvh", „Jom Kippur", „Parschah" (die hebräische Lehrstunde), „Schechita", „Sukkoth", „Keivonoh" (Andacht), in guten Oieprvdltl'tivneii wiedergab, über sein Lebenswerk Folgendes: „Ich lvähle meine Modelle unter den armeil Dorfbelvohnern des Eisass lind Lothringens, die noch naiv fromm sind; es sind die Großväter derjenigen, die Drn-! mont bellte so heftig allgreift. Aber ich fürchte, dass cntch diese Ahlten mit ihren Enkeln nicht zufrieden sein werden." Ter geniale Zeichner hebt dann ausdrücklich Herbor, dass er den Cliltils, dem er angehöre, pietätvoll habe künstlerisch verherrlichen Nwllen, während ilnn die modernen Inden flicht „pittoresk" genug erscheinen. Denn oft genug hat man den Maler, der nns in seinem hervorragenden Cabiiletsstück eilt altes Btännchen vorfüh'tt, das beim Haltelgebet mit dem Lnlalv die vorgeschriebenen ^Sehlvingungen vollführt, allsgefordert, doch lieber für den „^alon" nnd die Ausstellung der Ehamps-Elysees „sihöne Jüdinnen der stillen Gesellschaft" zn malen. Levy ist etu Ebarakter itub man kann die Empfehlung des Grostrabbiilers Zadoc Kahn, durch lvelche die hiesige Ausstellung zn stau de gekoinnren ist, lvohl verstehen. Mail ist ailch in Paris nilhi so eillpfiudlich, lvie bei uns, wo knanche in der. Zeichnung des Alten, der die Größe des Sabbathtifches abtariert, oder in der Darstellung der dampfenden Knödel bei der hä'uslicheu lsibendfeier des Passahfestes etlvas Satirisches finden wollen. Die ineisten von Leby dargestellten Seenen sind imgemein erujt. Aber jeder, der unser gemnthvolles, jüdisches Leben leimt, wird es richtig finden, dass der Maler deil Humor niclit aanz vergaß. Eiil Meisterwerk von dlirchatls strengem Charakter ist die 188(5 zuerst im Pariser Salon ausgestellte Zeidinrn'g „Der G)ebetriemen-Fabrikaut", die heilte HerrnPeriovies vom „Figaro" gehört. Et- Ivas in N'eilibrandt'sihem Helldunkel gehalten ist das Bild „Schilvoh Iomiiii". Der alte, ans einem niedrigen Schemel sibende Mann vlit dem .Köppchen, „lernl", neben ihm sibt die Frau in stimliner Trailer. .Nührend ist and) der Greis auf dein Bilde „Jahrzeit". Der von Jugend stets im orlhodor-jüdischetif Leben stehende Ki'nfstst'r brauchte keine bivecten Synagogenstndien :’,it mac.hen, nnd doch wird Hunt ihm keinen Schnitzer ifachlveisen in seinen Bildern „Die Mesiisa", „Mitzrach" lein ganz u\ den Talis entgehn! Ilten Beter sieht am Orann hakandeich nnd betet vor), „Lehadlik ner schel Ehainika" nsw. Wie köstlich sind die beiden Ivürdigen Greise, die sich in einer Panse loährend des Gottesdienstes mit einer Prise erquicken. Ehrlvürdige lsireise in Gebetkitteln - das erscheint Levy mit Recht als ein erhebenderer, ivürdigerer Vorlvnrs der .Kunst, als die Pikanterien unserer modernen Ansstellnngen. - Vieles inliss dem Richtjnden natürlich in diesen Bildern unverständlich sein, so die Zeichnnng „Kapporvh" oder der Greis, der nathsieht, ob der ihm angebotene Eßrog koscher ist. Echt religose Stimmung athmet auch die von Levy in einem n gnrenreichen 'Bilde gebotene Darstellung einer Panse im sicachmiltagsgottesdienste des Jom Kippur. 'Ans bem Schulhof erkundigen sich loürdige (streife in Iveißen Kitteln bei einander nach ihrem 'Befinden, von drastischem Hninor getragen ist die Seene an der Seite, wo junge Leute einander wegen des Fastens befragen, ein Knabe zeigt die Zunge, zum Zeichen, dass er noch nicht gegessen hat. A. Levy hat unser jüdisches Leben mit der Kunst eines Teniers nnd van Ostade dargestellt. Berlin. (S t a l i st i s ch e s. j Seil lnr.zein wird tvieder in jüdisclien, tuie nichijü di scheu Zeitungen die schon häufig erörterte Frage besprochen, ob Juden „prodnrtip" thäiig sind oder nicht. Unter „prodnriiper Thätigteit" ivird hierbei .- freilich unwissenschaftlich genug —- nur die dev Bauern nnd des HandioerkerS perstanden, icährend es docl> teinein p-lveifel unterliegen kann, dass, poltswirtschaftlich gesprochen, Gelehrte, Künstler, Kanfleule in gleicher Weise prodnetibe 'Arbeit leisten. Aber selbst wenn hierunter nur Handarbeit im Gegensatz zur Kopfarbeit perstanden tverdeu soll, trifft der Vortvnrf, Inden seien in Berufen, die »nt körperlicher Auftrengnng berbunden sind, nicht vertreten, diese in keiner Weise.

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