Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 26. Juli 1901 Nr. 30 Seite 6 Woche Jlvbcir^cit und will nu sieden Tagen essen. Emedy gebe mal bin in die oben erwähnten Comitare, da wird er sehen, wie der Jude im beißen Sonnenbrand Eteinc zerklopft zu Schlcgelschotter, dabei einen Tag eriva sechzig Heller verdient und von ein Paar Zwiebeln und einem Stück Haferbrot;id) ernährt und glücklich ist, wenn er am Samstag ein Stiickeben Fleisch genießen kann. Enwdy gehe mal hin in jene Coinirate, er gehe in die Waldungen, da ivird er sehen, wie der Kaftaujudc dort Holz fällt, Kohle brennt vom frühen Morgen bi-.' in die späte Nacht und!vie er seine Arbeit mir dann unterbricht, wenn morgens und abenS die Gebetstunde naht. Ta kann er dcit Kaftansuden sehen, wie er, in den Gcbctmantel gehüllt, die Gebetriemen an Hand und Kopf befestigt unter der Lanbkrone eines Baumes steht, andächtig im Gebet versunken, dann eilt Bissen Brot, ein Lehlnek Wasser uitd die schwere Arbeit geht an bis die Zeit des BespergebetS herannaht. Tiefe find noch die Glücklicheren. Weit ärger daran siitd diejenigen, die zur Arbeit unfähig sind, oder keine Arbeit finden und auf die öffentliche.Äcildthätigkeit angewiesen siitd- Und tvährend der eingewanderte „Pirat" schwer arbeitet, geht der rnthenischc Bauer mit 1—2 Ziegen oder Schafen auf die Alm, wenn er eS iticht verzieh: den Tag zuhause zu verschlafcit oder ins Wirtshaus zu gehen. Nun filtd diese „Piraten" wenigstens harmlose Leute, tvährenddein wir jetzt von bedertklichen vanslavistischen llrntriebeit der rnthcitischen Bauern lesen, die gegen öei: Bestaitd uitd gegen die Einheit deS ungarischen Staates coitspirieren, für deit russischen Czarcn Acstgorrec-dienste veranstalten und vor dem Bilde des Ezaren beteit. Derartiges har noch fein Jude, kein „Chazarc", kein „Pirat" gethan, rind derartiges sollte doch in den Augen eines so boffenbeien Patrioten wie Herr Emödy es isr, doch auch ein Verdienst sein, für tvelchcs einem das Verbrechen deS jüdischeit GlaubensbckeniüinsseS bcrziehen werden fönnre und sollte! Wir habeit uns bemüht im Gegensätze zu Herrn Emödy die richtige Tefiitition des ungarischen Agrarismus zn geben uitd zu beweisen, dass die Gentry in diesem Falle nur die Geschäfte der Clericaleit uitd der Feudalen besorgt, von welchen sic auf freundschaftlichem Wege ohnehin nichts zu erwartet: hat, cS sei denn in dem Falle — wie wir cS oben auScinalwerfetzten — wenn die Bewegung dei: Herren über die Köpfe wächst und inan die Masse gebundenen Besitzes frei macht und daraus Bauernuitd Mittclwirtschafren macht, die man jedoch unter staatliche Vormundschaft stelleit müsSle, da bei der Leichtlebigkeit der Gentrh die Gefahr besteht, dass man in ly bis 15 Fahren wieder dorr steht, wo inait heute ist. Emödy sieht jedoch die Landwirtschaft nicht nur in materieller Sclaverei, sondern auch in geistiger Sclaverei und macht er hiefür die „unter der Herrschaft des inreritational organisierten CapitalS stehende Presse" verantwortlich, ivelche die Wahrheit unterdrückt, die Lüge großziehi, die keine anderen Ziele verfolgt, als die Enteignung des Besitzes aus dei: Händen der bisherigen Eigner ohne größeres Aufsehen durchznführen. N. Z, Bücher-Einlaus. 8. Jahresbericht der isr. theolog. Lehranstalt in Wien. Der hermeneutische Syllogismus in der talmudischen Literatur, ein Beitrag zur Geschichte der Logik, von Rector Prof. Dr. Adolf Schwarz. Jahresbericht des isr. Landeslehrervereins in Böhmen. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben das 42. Heft des 19. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Molochs Wunder. — Parlamentarismus und Miuisterialismus. Von Kurt Eisner. — Zun: französischen Altersversicherungs-Gesetzentwurf. Von H. Molkenbuhr. — Die niederländischen Wahlen. Von W. H. Vlicgen. — Literarische Rundschau: Richard Calwer, Handel und Wandel. — Feuilleton: Die Barmherzigkeit der Gemeinde. Ein Bild aus Hottingen. Von Maria Konopnicka. Deutsch von W. Lopuszcmski. (Schluss.) Briefkasten. Meisels, Tarnopol. Erscheint in nächster Nummer lvegei: Platzmangel. Deutsch, Hernals. Herr Dr. P. W. ist über Sommer verreist, daher nicht in der Lage, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Sie können überzeugt sein, dass er nach seiner Rückkehr die Angelegenheit erledigen wird. Besten Gruß. Ihre Artikel erregen allgemeine Aufmerksamkeit. Eir: Mädchen, 17 Jahre alt, welches den Handelscurs absolviert hat n>:d mit der einfachen und doppelten Buchhaltung, Corrcspondcnz, Handhabung der Schreibmaschine und Stenographie betraut ist, sucht unter bescheidenen Ansprüchen eine Stellung anzunehmen. Gefällige Anfragen übernimmt Herr F. Rindl, Mähr.-Weißkirchen. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Wir zwei waren es, die am meisten hierüber empört waren, und wir haben Ihnen einen Scherra (Schimpfnamen) aufgebracht. Wenn Ihnen damals die Kinder „Gottesplage" nachgerufen haben, ohne zu wissen, wie und warum, so war das unser Werk, wir haben den Namen für Sie erfunden. Damit aber ist's nicht genug. Unser Neid war nicht gestillt, als Sie in die Fremde zogen, und nicht, als Sie wieder zurückkamen, und noch heute standen wir auf der Seite Bärl Lederers und hörten zu, wie er Sie als die Ursache des Unglücks bezeichnet?, welches die ganze Gemeinde getroffen. Wir waren gegen Sie aufgebracht und hatten gegen Sie „Eines chinom" (Hass ohne Ursache); ein Schlag hat das alles verändert. Bärl Lederer hat unseren ehemaligen Lehrer schwer beleidigt, dieser aber hat geschwiegen dazu; das Unglück hat meinen Freund Reb Srohl heimgesucht, und Bärl Lederer bezeichnet das als ein Gotteswunder, da erinnert auch ein Schrei aus dem Munde eines Weibes an die ganze Vergangenheit und an unser Unrecht. „Gott'splag'," rief sie, die Mutter von dem Kind, welches durch sein rasches Herabspringen das ganze Unglück herbeigeführr. „Gott'splag'," tönt es mir seit dem Augenblick fort und fort in die Ohren, und ich kann's nicht los werden, wenn Sie uns nicht verzeihen. Wollen Sie? Wollen Sie wirklich? Und Sie sollen sehen, dass ich ebenso lieben kann, als ich hassen konnte. Wir zwei werden von nun an für Sie wachen." „Ich dank' Euch, gute Leute," sagte der Arzt, „aber dies letztere verstehe ich nicht. Befinde ich mich denn in einer Gefahr?" „Vielleicht in einer größeren als Sie glauben," sagte Reb Schimme. „Und worin sollte diese bestehen?" fragte Felix weiter, indem er ein leises Lächeln zurückzuhalten bemüht wa2, das sich auf seine Lippen hinausstahl. „Bärl Lederer möchte Sie, wenn er könnte, in einem Löffel Wasser ertränken." „Ich weiß am besten," sagte Reb Srohl, „was in den Augen von Bärl Lederer alles eine „Mizweh" (göttliches Gebot) heißt." „Also der religiöse Fanatismus," sagte Felix, wehmüthig den Kopf schüttelnd. „Nein," sagte Reb Srohl, „nur Bärl Lederer; denn wir zwei hätten es zwar bis heute auch als eine „Mizweh" angesehen, wenn Ihnen einer zu Leib gegangen wäre, aber das muss ich Ihnen sagen, wir zwei hätten doch nicht Hand an Sie gelegt." „Ihr hättet mich also bloß spießen und braten lassen," versetzte der Arzt lächelnd, „wenn es ein anderer gethan hätte. Verblendete Menschen!" „Aber," sagte Reb Schimme, „es soll Ihnen kein Haar gekrümmt werden, so lange wir zwei leben, wir werden für Sie wachen." „Schön," sagte der Arzt, „ich habe also jetzt neben Michael, Gawriel, Uriel und Raphael noch zwei andere Beschützer; wo wollt Ihr Euch aber zu meinem Schutze aufstellen? Ihr seht, die vier Seiten sind bereits besetzt." „Sie haben recht, zu spotten/ sagte Reb Schimme, „mich aber freut es, dass wir in Ihren Spott mit einstimmen können, denn wir haben keine Furcht und sind jetzt von Bärl Lederer frei." „Wie meinen Sie das?" fragte Reb Srohl. „Nun," erwiderte der Arzt, „ich meine. Sie haben früher Bärl Lederer genannt; wollen Sie den vielleicht für einen Engel halten?" „Wenn Sie es so meinen," sagte Reb Schimme, „dann stehen Sie zwischen Mallach und einem Satan in der Mitte; der Satan ist Bärl Lederer, Sie können errathen, wer der Engel ist, um damit das Sprichwort: „der Apfel fällt nicht weit vom Baum" zu Schanden zu machen." „Getroffen; das Sprichwort lautet auch anders: „Auf einem Dornbaum' wachsen keine Poiwedelkräpplech," aber es ist falsch, es ist falsch, . denn Rösele ist wirklich ein Engel," sagte Reb Schimme. „Wie witzig Sie geworden sind!" warf der Doctor leicht hin. Reb Schimme aber antwortete: „Das macht der Umgang mit Ihnen; ich spüre schon, ich bin angesteckt. Ich muss jetzt trachten, bei Ihnen nachzuholen, was ich als Knabe versäumt habe." „Nicht nur Witzbold, nun auch Schmeichler," sagte der Arzt. Und so unterhielten sich die drei Männer noch eine Weile fort, bis sich der Arzt erinnerte, dass er sich durch längeres Bleiben einer Pflichtverletzung gegen die anderen Patienten schuldig mache. Er besah nochmals den Knaben und gieng tröstend und beruhigend von dannen. Die beiden zurückbleibenden Männer waren von einer inneren Freudigkeit erfüllt, wie sie nur dann empfunden wird, wenn der Mensch sich bewusst ist. etwas Gutes gethan zu haben. Dieser Zustand theilte sich auch der bekümmerten Mutter insofern? mit, als sie keine große Gefahr befürchten zu müssen glaubte, da sie ihren Mann und seinen theilnehmenden Freund so ganz sorglos und heiter sah, und wenn jemand in diesem Augenblicke in die Stube getreten wäre, ohne von dem Vorfälle Kunde zu haben, er hätte nimmer ahnen können, dass die Ruhe des Hauses vor kaum einer Stunde in so erschütternder Weise gestört worden war. Die beiden Männer am Tische und die Mutter am Bette des schlafenden Knaben — es war ein schönes Bild stiller, in sich befriedigter Harmonie. „Ich bin froh, dass es licht geworden ist," sagte Reb Schimme, nachdem der Doctor fort war. Sein Freund schaute ihn fragend an. „Ich meine," setzte Reb Schimme erklärend fort, „wir hätten doch ohne dieses Ereignis noch länger im Finstern gelebt, und ich verstehe jetzt erst einen Possek in Mischleh (Vers in den Sprüchen Salomos): „Der Thor geht im Finstern." Wir waren Thoren bis zu dieser Stund'." „Du hast mir heute die größte „Toiwe" (Wohlthat) erzeigt," entgegnete Reb Srohl, „die ein Mensch dem Menschen erzeigen kann. Ich kann mich nur noch jetzt nicht genug wundern darüber, wo Du die „Krasche" hergenommen hast; aber es war mir grad so, als ob Du mir in der „Neschomeh" (Seele) gelesen hätt'st. Wie Froimel in fein Blut „nebach" (leider) auf der Erd' gelegen ist und Reb Bär das als ein Ness ausgeschrien und sich gefreut hat darüber, was Gott alles in sei' Macht hat — ich sag' Dir, Bruderleben, ich Hab' in dem Augenblick andere Sorg' gehabt, als ihm eine Antwort zu geben, und wenn ich ihm eine „Tschuwoh" (Antwort) gegeben hält', so wär' sie so ausgefallen, dass Berech Krupp sei' „Nekome" (Rache) erlebt hätt', ich hätt'dem „Thillinsoger" (Psalmenleser), „chodche" (obgleich) er ein alter Mensch, die Gedärm' herausgetreten. Aber ich bin merkwürdig weich gewesen in dem Augenblick, das Kind im Bett hat mich so gestimmt. Was hat er denn für eine „Ewereh" (Sünde) begangen, Hab' ich mir gedacht, weil er sich ein bissel gehutscht hat! Siehst Du. Bruder, in mein größten „Kass" (Zorn) Hab' ich mit Reb Bären ein' Blick geworfen, und wie er dagestanden, ist er mir vorgekommen, wie ein „Oiwed awoide soreh" (Götzendiener) und — Du hast recht — es ist plötzlich lustig in mir geworden und ich Hab' mir gedacht, wie hat er den Reb Sawel beleidigt, und der hat ihm nichts darauf gesagt, so mach' Du es auch: loi ßikom weloi ßitor! Ich fühl' bei mir, dass mein Kind für ein unschuldiges Spiel nicht ist von Gott gestraft worden..." „Und ich", ergänzte Reb Schimme, „Hab' Dir alles' das, was Du mir da sagst, vom „Ponim" (Gesicht) heruntergelesen und bin aber bei dem Froimel nicht steh'n geblieben; denn wer ist es denn, der Gumpels Tod als ein „Ness min haschomaim" (Wunder vom Himmel) ausgeschrieen hat, wieder kein anderer, wie Bärl Lederer. Mir ist in dem Augenblick klar geworden, dass Bärl Lederers Weg nicht mehr mein Weg sein kann, und ich bin schon, fest entschlossen gewesen, zu thun, was ich gethan Hab'. Wo ich aber die „Krasche" hergenommen Hab', fragst Du,, das will ich Dir sagen. So lang der Mensch verstockt ist gehört viel dazu, ihm das Herz zu öffnen, wenn aber einmal das Herz geöffnet ist, so öffnet das Herz von selber auch den Mund. Wie Reb Sawel heute von Reb Bär'n verlangt hat, er soll Berech Krupp Mechileh beten,, war ich noch so verstockt, dass ich diese Forderung für Niederträchtigkeit gehalten Hab', und ich Hab' mich gefreut, dass Reb Bär ihn so tüchtig heruntergeputzt hat. Wie aber Reb Sawel geschwiegen hat, und was alles später d'rauf vorgegangen ist, bin ich plötzlich ein ganz anderer Mensch geworden, und ich Hab' gewusst, dass es bei Dir auch so ist. Nur Hab' ich gleich weiter geseh'n als Du, weil Du bei dem Unglück, das Dich getroffen, steh'n geblieben bist, ich aber bin über dasselbe hinausgegangen." Dieser Gedankenaustausch wurde mehr geflüstert als gesprochen, so dass die Mutter des verwundeten Froimel, welche mit ängstlicher Zärtlichkeit auf jeden Athemzug des Kindes lauschte, nichts davon vernommen hatte; aber ein anderer, der nicht in der Stube anwesend war, musste von der Veränderung, die mit den beiden Männern vorgegangen, merkwürdig rasch in Kenntnis gesetzt worden sein; denn noch saßen sie im Gespräche beisammen, als sich die Thüre leise öffnete und Reb Sawel Kornmehl noch leiser eintrat. Unter dem Vorwände, sich nach dem Befinden Froimels zu erkundigen, schlich er sich zuerst zum Bette, wo er Gelegenheit nahm, die Mutter zugtrösten und die Geschicklichkeit des Arztes über alle Möglichkeit zu erheben; dann aber stahl er sich vom Bette weg bis an den Tisch, und mit dem Ausdrucke innerer Seligkeit sagte er zu den beiden Männern: „Maseltow!" Die Frau musste es vernommen haben, und trotz der zärtlichen Krankenpflege, der sie ganz hingegeben imirr erstritt sich die weibliche Neugierde doch ihr gutes, angestammtes Recht; denn sie wendete sich um mit der Frage: „Was ist denn vorgegangen?" Ein Wink Reb Schimmes belehrte den Gast, dass' er seiner Phantasie freien Spielraum geben müsse, und er sagte mit der größten Unbefangenheit, als ob er's eben auch gehört hätte: „Röse Bärls ist eine Kalle (Braut) geworden." „Mit wem?" fragte die Frau. „Mit wem? Das ist noch ein „Sod" (Geheimnis)," sagte Reb Sawel. „Das Hab' ich noch nit gehört, so lang die Welt steht," entgegnete die Frau, „wenn ein „Schiduch" (eine Partie) noch ein „Sod" ist, wie kann man da schon „Maseltow" sagen (gratulieren.)? „Wenn ich's zu früh gesagt Hab', sei'n Sie mir's „moichel" (verzeihen Sie)" entgegnete Reb Sawel wieder hierauf. Die beiden Männer lächelten einander zu, indem sie die Verlegenheit wahrnahmen, welche Reb Sawel sich durch seine Erfindung zugezogen; denn sie begriffen sehr wohl, was dieser mit seinem Maseltow eigentlich gemeint habe; sie wussten wohl, dass er, als ein aufrichtiger Freund des Doctors, Kunde von dem neuen Bunde erhalten habe und auf diese Weise seine Freude darüber ausdrücke; deshalb sagte Reb Sawel, um dem ehemaligen Lehrer aus der Verlegenheit zu helfen, zu seinem Weibe: „Und was ist Dir gelegen, man wird die Neuigkeit noch erfahren. Ein „Sod" gehört unter den Rauchfang; und Näsele ist das Untern-Rauchfang-Stehen gewöhnt." Hiermit war die Frau zufrieden und schenkte wieder dem weiteren Gespräche keine Aufmerksamkeit, denn wenn sie zugehört hätte, so würde ihr die Neugierde sicherlich auch die Frage eingegeben haben, was es mit der „Gott'splag'" für ein Bewandtnis habe, wovon die Männer eben sprachen. Wir brauchen unsere Leser, um fu das Gespräch belauschen und verstehen zu lassen, bloß an jene Zeit zu erinnern, wo wir zwei der Anwesenden noch im Cheder bei dem dritten gesehen haben. Reb Schimme erinnerte eben den ehemaligen Lehrer daran, wie er damals ausgerufen: Jeder Mensch hat eine Gottesplag', uud wie sie diesen Namen für Felix ausgebeutet. „Ein reuiger Sünder ist mehr wert als tausend Gerechte," sagte Reb Sawel und drückte ihnen zum Abschied mit solcher Verständigung die Hand, dass sie daran die Freude ermessen konnten, welche er über den geschlossenen Bund empfinde.