Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 2o. Juli 1001 Seite 7 Nr. 00 II. Kohl sitzt. Wenn man in der Khille hört: „Kohl sitzt" — so braucht man nicht erst einen Kalender in die Hand zu nehmen, um sich zu überzeugen, dass „Choge" (christlicher Feiertag) ist. An welch' anderem Tage, als am „Choge" sollte auch Kohl sitzen? Besteht Kohl denn aus Beamten, welche von der Gemeinde angestellt und besoldet werden, um sich unausgesetzt mit den Gemeindeangelegenheiten befassen zu können? Ist Kohl nicht vielmehr die Gemeinde selbst? und haben diese Leute, die die ganze Woche hindurch ihren Geschäften nachzugehen gezwungen sind, auch Zeit, sich an beliebigen Tagen niederzusetzen, um über .gemeinsame Angelegenheiten zn berathen? Nur am „Choge", wo es ohnedies wenig oder gar keine Geschäfte gibt, kann Kohl sitzen. Das ist eine so ausgemachte Sache, wie . . . wie? — nun, wie dass man eine neue Schul bauen muss, wenn die alte eingestnrtzt ist. Eine neue Schul bauen! Das ist auch leichter gesagt als gethan; denn üuäre dies leicht gethan, so würden sie sich auf Kohls- .haus nicht so sehr die Köpfe zerbrechen. (Fortsetzung folgt.) Aufruf! Montag, 16. Juli, brach in der Judengasse der Gemeinde Neubidschow ein Brand aus. In wenigen Minuten stand die ganze Gasse in Flammen, die nur von den armen Juden, die sich Zirm größten Theile mit Hausierhandel erhalten, bewohnt war. Bei den: herrschenden Sturme verbreitete sich das Feuer so schnell, dass die Menschen kaum ihr nacktes Leben retten konnten und all ihr Hab mrd Gllt von den Flammen verschlungen wurde. Innerhalb weniger Stunden waren 28 Häuser bis auf den Grund abgebrannt, nur der Tempel wurde mit großer Mühe gerettet. 60 jüdische Familien, darunter zahlreiche Kinder und Greise, sind obdachlos, die Noth und das Elend entsetzlich. Jüdische Glaubensgenossen, nehinet Euch der Unglücklichen an und lindert die bittere Noth Euerer hartgeprüften Brüder! Selbst die kleinste Gabe trägt bei, das furchtbare Elend zu vermindern. Rasche Hilfe ist doppelte Hilfe. Gütige Spenden sind zu richten an die R e d a c t i o n d e s B l a t t e s und an Friedrich Herr m a n n , Neubidschow, Böhmen. m Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gefammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwevdig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Bolksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im . Vereinslocal II., Leopoldsgasse 4K entgegengenommen. rn D>ie schönsten und billigsten Grabsteine (ras») von 15 fl. aufwärts bekommt man bei J. Fmsiiio Steinmetz- und SteingraYeur-jVteister II., Rothensterngasse 23. Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. T rauungsiaxen. I. Classe. . . . Kronen 200.— II. w * ' » 130.— III. » ' » 80.— IV. 99 * * H 40.— Anmeldungen bei dem Vereins-Obmanne Herrn Horman Eltbogen, XX., Rafaelgasse 12. Grosser Saal 400 Personen fassend, im Gentrum der Leopoldstadt gelegen, sehr elegant ausgestattet, ist noch für einen Tag der Woche zu vergeben. Anfragen: II., Leopoldsgasse Nr. 49. 09* Schönste und billigste Grabsteine u. Marmorplatten in grosser Auswahl bei Josef Stojan, Steinmetz, Wien, V|n Sonnenhofg. 8 bei der Margarethenkirche. Stadtbahnstation: Pilgramgasse. 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