Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4- Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. Juli 1901 Nr. 30 i:mfa!inioe Ohtt 2lottobirt Leßna anyekmisk, um auf bomfcUiL'u eine. VKicrL'aufrtnilc zu evriducu, jucTriu* lU’sioinuärtiz schau 25 Schüler t;änfr. Endlich liat >te tu Tarttoiu, .Üolotnoa, 2tanidlnit, Zaleszczyki tilid?ke»»-2a»»dec sechs Credilgeitassenschasken für den K4ei»»handel und das Klcim»ewerbe »»»»kerstittzt. Davon sind zwei ch e nassen sch af ten tiorl) im Entstehen begriffen, die übcineii vier zählen 1 (50 Mit Glieder und haben bis jetzt an 1778 Darlehensnehmer 272 000 K. verbargt, van denen ettva 118 000 zuriielgezahlt Ivlirden, der Nest aber sich nach in Eireulatiati besiitdet. Unter der Rubrik „Diverses" tvird eine gras;e Aitzahl van Pereinen und Iiistitntioiieii auf geführt, ivelche die Olesellschaft mit Darlehen »interstützk hat. Sa der „Deutsch-Israelitische Gcmcntdebnnd" (zur Olriindung eitles Arbeitshauses!, der Lv»»do»»er „Baard af OEiardiaits" zur Unter stützung jiidischer Flüdjtlinge aus Tratlsvaal, die schule zu Ahle nt bei Hannover, die Nartnalschule in Hannover, salvie größere Beträge zur Unterhaltung der Ackerbauschulen der „Alliance". London. Die Alidieitz englischer Attiiseiniten bei Lord Salisbury, welche tvir Var einiger Zeit avisierten, hat am 7. d. AL. im Auswärtigen Amte wirklich stattgefundeil. Die Herren Delvar mit» Genossen beschwerten sich über den „unlauteren Wettbelverb" der „Fremden", über die van dettselbetl in den Arbeitervierteltl Londans hervargerufene Wohi»ui»gs»»oth, fardertetl gesetzliches Eingreifen und gaben dem Premiermiilister in verblüinteil, aber doch ziemlich unzweideutigen Warten zu verstehen, dass sie die Negierung, falls dieselbe sich ivcigcrn sollte, gegen die fremden Einwailderer die Klinke der Gesetzgebung ztl ergrcifeit, dttrch große „Volks- Temonstratiatlen" zur Nachgiebigkeit ztl ziaingetl lvisseil lvürden. Die Anttvort Lord Salisblirys latttete sehr diplomatisch. Ohne den „Erilst der Lage" verkennen zu »vollen, müsse er doch sagen, dass die Sache lange nicht so schlimin liege, tvie die Deplltatioll es darstclle. Die ganze Fremdensrage sei übrigens eine Angelegenheit, die sich auf gesetzgeberischem Wege nur schlver erledige»» lässt. Im Uebrigen wolle er die Sache nicht ans den Augen lassen. Bezeichnenderlveise wurde während der gaitzen Dauer der Alidiettz voll keinem Antvesenden das Wort „Jude" ertvähnt, vielmehr immer nur von den „fremden Paupers" gesprochen, obgleich Herr Detvar in einer Vcrsammluitg der britischen „Brüder", wo er sich weniger geniert fühlte, ausdrücklich erklärt hatte, dass er weder gegen die Fremden, noch gegen die „Paupers" ettvas hätte, iufofentc diese leine Juden sind. Leider verleitete die Schlauheit, mit der die Judenfeinde in England einsttveilen nicht als Aittisemiten, sondern als harmlose „Antialienisten" auftreten, manche»! kurzsichtigen Juden dazu, sich dieser durch und durch antisemitischen Bewegung anzuschließen. Man braucht daher sich nicht allzu sehr zu wundern, dass unter den Parlamentarier»», welche von Lord Salisbury in Audienz empfangen wurden, neben dem bekarmten Mr. Guthrie sich auch der jüdische Abgeordnete H. S. Sarnucl einfand, der von den Juden East Londons ins Unterhaus gewählt wurde. In einer Unterredung mit einem Vertreter des „Jewish Chronicle" erklärte er, durch sein Eintreten für die Erschwerung der Femden-Einwanderung die ureigenen Interessen seiner jüdischen Wähler wahrgenommen zu haben. „Geht es mit der Einwanderung so tveiter, so kann ich mich nicht dafür verbürgen, dass die Bevölkerung Londons sich nicht eines Tages gegen die Juden erhebt." Dainit gab aber Mr. Samuel indirecr selber zu, dass die Deputation, welche in der Audie»»z bei Lord Salisbury nur von den „Fretnden" gesprochen, eigentlich die Juden gemeint hat. Im Uebrigen ist auch Mr. Samuel mit Lord Salisbury der Ansicht, dass hier auf gesetzgeberischem Wege wenig zu »nachen sein wird. Er schlägt daher als das einzige Mittel, England vor der andrängenden aniisernirischen Hochflut zu schützen, vor, alles aufzubieten, um das große Ghetto von London zu evacuieren. — In der gestrigen Sitzung des Board of Guardians gelangte eine Schreiben der New-Uorker United Hebrelv Charities zur Verlesung, in welchem derselbe dringe»»d aufgefordert wird, die Herübersendung jüdischer Emigranten nach den Vereinigten Staaten einzustellen. Wie ernst müssen die Verhältnisse liege»», wenn die vereinigten jüdischen Wohlthätigkeits-Vereine von New- Jork, welche so Bewundernswertes für die Einwanderer leisten, sich zu einem derartigen Schritte entschlossen haben! Der Vorsitzende des Board, Mr. Leonhard Cohen, empfahl die Erfüllung des Wunsches ohne weiteres z»» versprechen. Der Vorschlag wurde jedoch allseitig bekämpft. Das Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel beantragte, die New-Dorker Vereine i»m die Namhaftmachung derjenigen mittellosen Emigranten zu ersuchen, die der Board im letzten Jahre nach Amerika hinübergeschickt habe^ Schließlich wurde die Debatte vertagt, um dem Emigrations-Comitee des Board Gelegenheit zu geben, sich mit der Angelegenheit ei»»gehender zu befassen. London. (Die F r e m d e n s r a g e) will im englischen Parlarnent nicht zur Ruhe kommen. Eine Anzahl sich verschämt conservcrtiv nennender, in der Wirklichkeit antisemitischer Mitglieder des Unterhauses sind fortwährend bemüht, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Frage der „fremden Paupers" aufs Tapet zu bringen. Dabei wechseln sich die Herren turnusmäßig ab, und bald ist es der famose Mr. Howard Vincent, bald der sehr ehrenwerte Mr. Lowrher, bald der von den Juden East Londons i»»s Parlament geschickte nicht so sehr ehrenwerte Mr. Dewar, der, wie auf Verabedung, die Fremdeneinwanderung anschneidet. Am 24.. Juni kam wiederum Mr. Howard Vincent an die Reihe. Er richtete an Mr. Gerald Balfour — als den Präsident des Board of Trades — die Anfrage, ob es ihm bekannt sei, dass im letzten Jahre die fremde Bevölkerung Englands uin 14 000 zugenommen habe, dass in diesem Jahre die Zahl der Ruinänen um 800, der Italiener um 80 und der Russen und Polen »nn 20 Procent gewachsen ist. Ob ihm ferner die Thatsache bekannt sei, dass 19.535 vor» diesen Fremden in einer solchen Verfassu»»g »varen, dass sie vom jüdischen „Board of Guardia»»s" und von den „Vereinigten Comittes für russische Juden", und 2015, darrinter 1100 Russen und Polen, von der Londoner Armencommission unterstützt werden musste»»? Gedenkt die Regierung Sr. Majestät in Anbetracht der unter der eigenen armen Bevölkerung in Süd- und Qstlondon herrschenden Wohnnngsnoth sich mit der Materie zu befasse»»? Mr. Gerald Balfour: Die im ersten Theil der Anfrage angegebene Zahl ist annähernd richtig, obgleich es durchaus unbewiesen ist, dass alle die Fremden sich in London niedergelassen haben. Die ztveite Ziffer (19,535) bezeichnet die Zahl aller im Laufe des Jahres unterstützten Personen, fremder sowohl wie einheimischer. Die Zahl der Freinden, welche im Jahre 1900 in ganz England Unterstützung e»npfangen haben, überstieg nicht 4000. In London betrug diese Zahl 2015, die Hälfte von diesen Leuten haben jedoch ärztliche Hilfe erhalten. Dann waren sehr viele unter den Unterstützten, die bereits seit vielen Jahren in England leben. Ich bin in Bezug auf gesetzliche Maßregeln nicht in der Lage, irge»»d »velche Zusagen zu machen. Zn gleicher Zeit, »oie in» Parlanrenr, »vurde ancy in» Londoner Stadtrathe von antisemitischer Seite ein Vorstoß gegen die fremden J»»de>» unternommen. Mr. Williams brachte ein Resolution ein, durch welche der Magistrat und die Armencolninission beauftragt iverde»», »2 er die Fremdeneinwanderung z»i berichten und Maßregeln vorz»?schlagen, »vie ei»»e weitere Zunahme der fremde»» Bevölkerung Londons zu inhibieren sei. Die Resolutio»» fiel jedoch unter den Tisch, da sie nicht einmal so viel Unterstützung fand, dass sie z»»r Abstimm»i»ig gelangen konnte. Kiew. Die mittleren und untere»» Behörden »ntseres Gouvernements finden, dass die Juden immer noch nicht rechtlos genug sind, »ind dass dieselbe»» einen noch weit schwereren Druck, als den, der bereits auf ih»»en lastet, vertragen kö»»nten. Da jedoch in den höheren und höchsten Verwaltungskreisen andere Ansichten vorherrschen und hie und da sogar eine leise Neigung nicht zu verkennen ist, den schweren Dr»ick um ettvas zu rnildern, so s»»che»» die berüchtigten Tschinotvn.its ihr Ziel, das sie auf gesetzlichem Wege nicht erreichen können, auf ttngesetzlichern Wege, oder, wie es he»ttz»»tage nach berühmten Mustern heißt, auf den» „Verwaltungswege" z»» erreichen. Sa wird das Gesetz, »velcktes de»» Inden den dauernden Aufenthalt auf den» platten Lande verbietet, ntit »aachsender Härte auf kranke Inden ai»ge»vendet, welche für einige Wochen de» schwülen und überhitzten Ghettolnft entrii»uen und in Bädern lint» Curarten Erholung suchen »nächten. Die Enrorte in» Kaukasus and in der Krim sind für die Inden schon längst „Tabu", ein nicht zu betretendes Heiligthum gelvordctt. Die Behörden erzielen dadurch nichts »veiter, als dass die tvahlhabeitderen Jude» ihr Geld nach den deutschen und österreichischen Bädern vertrage»». Seit einige»» Jahre»» ist aber die Praxis eingerissei», den Jude»» den zeitiveiligen Aufenthalt selbst in den allergetvöhnlichsten Svi»»>nerfrifchen n»it Waldlnft zu verbietet», »oodiirch der arme jüdische Mittelstand, der sich eii»e Auslandsreise »»ich» leisten kai»»», auf's grausa»>»ste betroffeu tvird. Vor einiget» Tagen jedoch läse»» die Juden des Kreises Kiew mit freudigen» Erstaunen tu den Zeitungen, dass die Behörden für diese Saison ihnen allsi»ahms!veisc gitädigst „gestatten" »volle»», sich int Dorfe Dachnowska nitd Umgebung zur Erholung anszllhaltei». In kurzer Zeit haben die Bauern der besagte»» Dörfer alle freistehenden Wohnungei» an Jude»» berntietet, »velche sich da mit ihren Familien häuslich niederlicßen. Noch bevor sie jedoch auf dein ncitcn Wohnsitze warn» werden fonutcu — aber nicht eher, als bis sie an die Ballern die Miete eittrichtet hatten — wnrden sie bau der Polizei prompt ansgelvicsen, lvobei die Behörden ihnen »»och den höhnischen Rath ertheilt haben, küitstighin nie tvieder ans Zeitultgsnachrichtei» ettvas zu geben. Schlintrner noch, als int Gouvernement Kiew, verfuhren die Behörden in» Gollberi»e»»»ent Bessarabie»». Die Polizei des 2tädtchc»»s Tatar-Biniar »nacht iiäwlich den Jude»» bekannt, dass sie in dein drei Kiloineter von Tatar-Bnnar entferitten Sossigsee >»icht mehr baden dürfe»», da der See außerhalb des Weichbildes des Städtchens, also ans dem flache»» Lande sich befinde. Wer aber dennoch in» Freien baden »nöchte, den» »vird es aiiheitngestellt, sich dazr» eine specielle Erla»»biiis des — Gouverneurs von Bessarabie»» ei»»z»lhole»i. So seltsam diese Bekani»tn»ach»l»»g a»»ch ist, noch seltsamer ist es, dass sich zahlreiche Inden ejefunben haben, »velche demselben nachgekoinmen sind und i»» einer Eingabe ans Stempelpapier und mit Hilfe des obligate»» Bakschisch »virklich versucht haben, diese Badecrlaubnis zu erhalten. Die Inder» hätten auf diese freche Ve»> höh»»m»g hin den Tschinowniks statt ei»»eS Bakschisch die betreffeitde „Senatsverfüguilg" u»»ter die Nase reibe»» solle»», »uonach den Inden der „provisorische" Aufenthalt auf dem flache»» La»»de m»ter alle»» Umständen gestattet ist. Den russischen Inden thnt eii» Rechtsschtltzverein dringend noth. Jekaterinoslaw. (Eine neu c H n »»g e r s n o t h i tt Sicht.) Noch haben die r»»ssische»» Juden die Hnngersnoth iin Siidwestei» von Russland mit allen ihren Schrecke»» nicht überstanden, noch hmtgeri» Tausende von Fanliliei» ii» der» Gonverneinents Cherfon und Bessarabie»» und werden voin Hunger, den» Typhus und der Cinga zu Dlchenden hinweggerasst, »ind schon droht ein neues »veites Nothstandsgebiet »in südöstlichen Rtlssland zu erstehen. Während näinlich die Ernteaussichten in den in diesem Jahre Oon der Missernte heimgesnchtcn Go»»vernements als geradezr» glänzend geschildert werden, tauchen in» Südostci» des lvciten, seit Jahren stets von partielle»» Missernte»» heimgefnchtcii rrissischei» Reiches neue Wolken auf, die einen erheblichen Theil des russische»» Himmels zu überziehen drohen. Schon gegen Mitte Mai wurde aus den südöstlichen, »vie den nordwestliche»» Gouvernements Negen»nai»gel signalisiert, wlcher iin Vereine mit großer Hitze und trockeitcn Winden Winter- »vie Sormnersaaten bedrohte. Einige Woche»» später wnrde officiell mitgetheilt, dass für die genaitnten Gebiete die Gefahr einer Missernte besteht. Von den Länder»» des jüdischen Ansiedclungsrayons werden bedroht: Ein Theil des Weichfelgebietes, die größere Hälfte des Gonver»»ements Tanrien, sowie das ganze Gouvernement Jekateri- »»oslaw. Die russischen Blätter fordern die Regiernng sehr dringend auf, rechtzeitig energische Massregetn zur Abwe»»d»n»g einer großen Katastrophe z»» ergreifen. Wer soll aber für die im »»enen Nothstandsgebiete lebertde Million Inden sorgen, die »»icht minder als die Ba»»ern von der kommenden Hpngersnoth bedroht werden? Odessa. Wie Herr A. S»»ß»na»n», Leiter der landivirtschastlichen Farm der Erziehungs-Anstalt „Trnd", ii» einer der letzten Sitzungen des hiesigen Chowewe Zino-Comitees mittheilte, hat die Jewish Colonization Association »m abgelarifeNen Jahre allein für die jüdischei» Wiitzer in Bessarabie»» nicht weniger als 45000 Rubel (circa 100.000 Mark) bewilligt. Für die jüdischer» Ackerbau-Ansiedelungen in den Gouvernements Wilna, Mi»»sk und Grodnv hat die I. C. A. zwei geschulte Agronomen angestellt, welche die Colo»»isten unterweisen sollen, ihre Weiden zu verbesseri» »ind auf ihrern sandigen Boden geeignete Culturen einzuführen. Mai» erkennt daraus, wie rationell die Gesellschaft auch in Russland ihre sege»»sreiche Thätigkeit entfaltet. Tiflis. Der in Tiflis erscheinende „Kawkas" veröffe»»tlicht i»»- tcressante Zahlen über das Sectenwefen »m Kaukasus, welche abermals den starke»» Einfluss erweise»», den das Juderithum auf die religiösen Anschauungen der Bewohner der kaukasischen Berge ausübt. Namentlich die den Sabbath feiernde Secte „Sabotiriki" ist daselbst zahlreich vertreten, tvas seinen Grund dari»» hat, dass alle Anhänger derselben in früheren Jahren von der russische»» Regier»n»g nach dem Kaukasus verbannt wurden. Das Gouverneinent Tiflis zählt insgesamint unter 12.027 Sectierern 169 judasieretide, das Gebiet von Kars 450 unter 11.336; in Eriwan bilden die dem Jndenthnm znncigcndei» mit 1342 den vierten Theil aller Sectierer. Das Goilver- »»e»nent Baku hat unter 19.300 Sectierer»» 3845 jrldaisierende; endlich weist das Gonberneineiit Jelissawetzol 384 Sodotniki unter 7179 Sectierer»» a»»f. Jnsgesailtmt lebe»» in Tra»»ska»lkasien 6002 judaisierclide n»»d sabbathseiernde Sectierer. Buenos Aires. Die kopflose A»lsivai»der»ing russischer Inden nach Argentinien, »velche trotz tviederholter Warinnigen immer noch sortda»»ert, hat in Buenos Aires geradez»» »»»»haltbare Znstäiide gezeitigt, welche das gar»ze argentinische Colo»»isatio»»s>verk zu gefährden drohen. Seit zlvöls Monate»» bergieng fast keine Woche, in welcher »»icht eiilige Dutzend völlig »nittelloser Inden hier landeten, »n»d allein nn März belief sich ihre Zahl sogar auf 800. Die Beamten der Jewish Colonization Associatio»» i»» Arge>»tli»iei» ber- Nlöge»» für diese Unglücklicher» nicht das Gerillgste zu th»m, da a»ls de»» Coloilie»» z»i ihrem Einpsange »lichks vorbereitet ist. Es ist auch m»»>»öglich, sie als Taglöhner z»l beschäftige»», da die Le»»te thörichterweise gleich mit ihre»» Fa»i»iliei» aiikontinei», die sie mit eilten» Tagelohu bo>» etiva l,75 Mk. »»icht er»»ährei» können. Natürlich überlarlsen die Eiirwanderer die Beamte»» der „I. C. A." derart, dass dieselben sich veranlasst sähe»», die Blireany d»»rch die Polizei abznsperre»». Jndesse»», weil»» sie dadurch auch vor der»» Dräilge»» durch die Eiilwanderer selbst geschützt si»»d, so könne»» sie sich doch vor der argentikiischei» Negier»i»»g nicht schützen, »velche täglich ailsragt, ob die „I. C. A." für die vielen Leute »och inliner keilte Beschästig»l»»g habe. Die staatliche»» Behörde»» tviirden den Lrlltci» ger»» Land schenken, alle»»» dazu rilüssei» sie den Nachiveis führen können, dass sie in der Lage sind, sich das zu diese»»» La»»de gehöre»»de todte »ind lebende J»»ve»»tar anzilschafse»». eine Forderung, der die BeklagenSiverten, welche zivar »nit zahlreicher Farnilie, aber ohi»e Pse»»»»ig in der Tasche sich auf die weite Reise begebe»» haben, »tnlnögtich geiliigen können. Die Folge»» beginiie»» bereits sich eiu- Zllstellen. Wie die Tageszeitllnge»» überei»»stim»nei»d »nelde»». hat der Departeniellls-Chef für das Einivar»der»»i»gölvese»l, Dr. Alsi»»a, dern Ackerbarllniilister bocgeschlage»», de»» ankom»ne>»dei» J»»dei» die allen Jniilligranten voin Staate getvährte Begüiistigliilg der freien Fahrt bis zum Orte der befiuUiüeu Niederlassung zu entziehen. Der Millister erklärte, keiner Maßregel seine Z»lstilll,»l»l>»g zn ertheilen, die darauf hii»a»»Slä»!st, auf dem Verwaltungswege das Gesetz zu verletzen, ivelchcs i» Bezug aus die Eiulvailderer weder »»ach Religio»,, ,toäi ltadi Rasse oder Nation srägt. Dr. Alsiila ist derselbe Beamte, ivelcher vor 5 Jahre,» den 'Gouveriieur von E»»tre Rios vor de» Jude» gelvarut ha», da dieselbe» „sich mit der Bevölkerung »liehk vermischen »vollen nud dlirch ihre rapide Bernleb niiig sich in Eutre RioS z», einer »mabhäugigeu Macht auSzuwacb seit drohen". A'e»v-Uork. Juiuttteu der »»»tcrei» New-Borkcr Oftfeite, i» de» yiäiiuien der „Edlirativnal Alliance" au East Broadivay u»»d Jes strsou c^tr., »ahn» eine ^luSsiellliiig oder, lvei»»» man sagen »vill, ein Fest seilten Anfang, das in mehr als einer Beziehung bezeichnend ist sitr die Ziele dieses großartigen Lehrinstitnts »n»d für das, lvas es scliou erreicht hat. Die Ausstellung umfasst im obersten Stocklverk eine Bildergallerie von künstleristhei» Erzenguissei» der Ostseite, die ebensoviel Eigenart verräth, »vie^das speeifische Ghettodraina und seine Literatur, und in» zlveiten Stocklvert die Resultate der Schiilerelassen in» Freihandzeichnen, Kreide und Kohle, Photographieren und einen kleine»» botanisd)en Garten, Ivelcher die Liebe zur ^atur in den Herzen der Belvohner jener Gegend zu ertvecken bestimmt ist. Das Ervssuuilgssest, von dem die Rede »var, dauerte von 3—6 Uhr nachmittags u»»d von 8—11 Uhr abetlds. Es bestand hauptsächlich aus »llllsikalischeil u»»d declantatorischeu Vorträgen der Zöglinge. Man ist vielleicht geneigt, zn fragen, ivas ist Großes dabei, aber die Aittlvort »vird delujenigen »»icht schlver »verden, lvelcher die Vcr häUnisse unter be»t Israeliten der untere»» Ostseite kennt. Jeder i>lc>v-Uorker Iveis;, in »velchec Versassiing die Eiitlvanderer ans Po len, Galizien »ind Russland hier landen, tvas für Ideen m»d Gewohliheiten jic lllitbringen, »venn sie zuerst hier anlangen. ltub wie sclyvec es ist, sie amerltanisdjeil itnb überhaupt cipilisierte»» Ideen zugänglich z»» mache»». Diese Aendernng »venigstcits bei der j»n»gen Generation herbeizliführen, sie in Wissenschaft und Kunst, aber auch in praktische Thätigkeit eiiiztlsührei», ist die Ausgabe der Alliance. Ob sie dieses RieseMverk durchsetzt? Die Ausstellung be- »veist es »ind jeder, der »vill, kann sich davon im Lause dieser Woche koste»»los überzeuge»». Zahlen rede»»: Der durchschnittlidie Besuch ist 5000, die Bibliothek leiht täglich 550 Bücher a»»s und der Dachgarten imtrbe letzten Sommer von amiäherltd 300 000 Perso»»eii besucht. Innerhalb des Gesarnnitverbandes existieren etwa 50 einzelne Clubs, deren Ziele so verschieden sind, wie nur die Betheiliglntg des menschlichen Lebeits. Sic sttldicren Musik, Makerei, iteue »lud alte Sprache»», sie turnen, photographiere»», spielen Fußball, Baseball nstv. I»»» Wi»»ter gibt es »vöchentlid» zivci Co»»cerrabende »ind in» Sommer geht es sogar hinaus ii»s Camp, letzteres allerdiitgs »»icht ganz umsonst, »vie alle übrigen Veneficic»». Der Hallptgründcr der Anstalt »var der bekannte jüdische Philanthrop Baroi» Hirsch, doch ist sie durchaus »»icht nur für Israeliten bestimrnt, >ve»»»»gleich i»» Anbetracht der Lage des Gebärides inmitten der betressendcn Gegeitd fast »mr Israeliten von ihren Vergünstigurrgen Gcbratlch »nachen. Angetlblicklicl) steht Isidor Stratlß als Präsidem au der Spitze, Samuel Greeubauru ist erster. Albert F. Hochstädtec ziveiter Viee-Präsidei»t, Felix M. Marburg Secretär und Albert Friedländer Schatzmeister. <41 Ii Skizze von R. A. Brande s. Kein schärferer Kontrast zlvischen Leben und Tod bietet sich nns dar, als der Anblick lebender duftiger Blumen und Pflanzen über Gräbern. Tod und Leben berühren skch hier. Gestorbenes und Morsches mit lebensfreudiger Blüte, Vergangenes und Zukünftiges treffen hier zusammen. Unten rnodernde Leiber und Herzen, oben saftiges Gesträuch, frische, blühende Blumen. Unten Trauer, Verwesung und Tod, oben Lust, Hoffnung und Leben . . . Und dieser Kontrast tvird noch verdoppelt durch die zwei Lebenden, welche Arni in Arm ztvischen den Gräbern tvandeln: Großvater und Enkel. Eie warm beide in der Synagoge. Heute nt der 9. Ab, „Tifcheh b'Ab", der Tag tiefster Trailer für uns Juden, „der Jahrzeit" der Nation und des Tempels. Der Alte hat sich eben aus iiefjtem Herzen ausgeweint über die „Vertvüstung Jerusalerns" und die „Zerstörung des Beth- Hamikdasch", gelveint wie ein ohnniächtiges Kind, welches nicht an Hilfe denkt, sondern den inneren Schmerz ausdrücken will. Der Jüngere dagegen denkt an die Zukunft, an die Auferstehung der jüdischen Nation, an das Wiederaufleben des jüdischen Gedankens. Der Alte blickt auf ihn herab, durch die Thränen komnit tvie ein Blitz aus Wolken ein scharfer Blick hervor und ein schwerer Seufzer tvie Donnerrollen begleitet ihn. „Ich sitze, Du aber stehst," murmelte es ans der Brust des Alten, „setze Dich gleichfalls, da neben nur." ' „Nein, Großvater, ich tvill meine „Kinoth" stehend sagen." Der Alte nickt. Sein Blick tvendet sich nach unten, zu dem Buche, der „Klagelieder", das er auf dem Schoß halt. Er will in dieser ernsten Stunde ungestört bleiben. Es ist nicht lange her, dass dieser kleine Enkel nicht einmal die Synagoge betreten wollte. In früher Knabenzeit lauschte er gerne den Worten des Großvaters, der von der jüdischen Geschichte erzählte; als Schüler pflegte er noch manchmal in Begleitung der Eltern die Synagoge aufzusuchen; dann aber, als er inzwischen Sttldent wurde und zmn Doctor promovierte, gieng alles in Vergessenheit. In den letzten Jahren, da die jüdisch-nationale Bewegung erstand, trat der junge Doetor seinem Volke etwas näher, besuchte des öftern seinen Großvater, der für ihir zum Symbol des alten Judenthnms ward, und gieng mit ihm gerne am „Tischeh b'Ab" in die Synagoge. Das düstere, feierliche Bild, das die Synagoge an dieseni Tage darbietet, erlveckt in dem jungen Manne Schauer und Mitleid zugleich. Alle sitzen sie am Boden, die Füße von den Schuhen entblößt, tiefe, düstere Trauer in den Mimen, zuweilen von Schluchzen und Seufzern unterbrochen und das alles, weshalb? Wegen eines nationalen Unglückes, das vor 2000 Jahren geschah . . . Als der Gottesdienst zu Ende war, verließen Groß Vater und Enkel die Synagoge und begaben sich ans den Friedhof. Der Alte, um eine religiöse Vorschrift zu erfüllen, der Junge, um nach der drückenden Stille der Synagoge ein wenig frische Luft zu athmen. Also gimgen sie zwischen Gräbern und jungem, blühendem Gesträuche. Der Alte erinnert sich aller Bekannten und Jugendgmossen, die hier zur elvigen Ruhe gebettet sind, der Junge, sich erfreuend an dem Hellen Sommertage