Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. Juli 1901 Seite 3 ihr Volk, für dessen Ideale leicht dahingaben. Die Schule war es, die jüdische Schule, welche die jüdischen Ideale tief in die Herzen der jüdischen Kinder eingrub, dass sie nachher in den Mannesjahren Wunder von Heldenthaten verrichteten. Und wenn in neuerer Zeit die Schule auch in Europa Wertschätzung gefunden hat, wenn das Wort, „die deutsche Schule habe auch im Jahre 1870 gesiegt" wahr ist, so sehen wir darin wieder ein Stück Judenthum, welches Europa in sich ausgenommen hat, eine Idee, die wir zuerst gepflegt und großgezogen haben . . . Wie muss es uns daher in unseren tiefsten Empfindungen berühren, wenn wir sehen, dass man uns jetzt die Schule nehmen will, sie, die wir mit Aufopferung unseres Lebens und bis hierher erhalten haben. Und wer? Die Juden selbst! Die jüdischen Lehrer! . . . Ein modernes Wort haben sie gefunden, eine von anderen geschmiedete Phrase nahmen sie auf, um mit ihrer Hilfe tödtliche Pfeile gegen die jüdische Schule zu schleudern, weil sic auf einmal entdeckt haben, dass sie „c o n f e s s i o - n e l l" sei, also etwas Schreckliches, das man ausrotten müsse. Wenn die Juden nichts anders als eine Religions-Genossenschaft sind, dann ist ihre Schule eine confessionclle und da sei sie wert, zugrunde zu gehen! Aber die Juden sind ein Volk, meinen wir, und ihre Schulen sind national und als nationale Schule hätten sie ihre Nolle noch lange nicht ausgespielt .... ____ Ein jüdischer Lehrer stellt in einer jüdischen Zeitung*) die Frage auf: „Jüdische Volksschulen oder nicht?" und von den idealen Höhen reiner Menschlichkeit, auf denen dieser Lehrer steht, glaubt er diese Frage verneinen zu müssen. Für ihn ist das Judenthum nur eine Eonfession und er drückt dies in einer etwas verschwommenen Weise so aus: „D a s I u d e n t h u m hat nichts mitderPolitikz uschaffen." Wir aber meinen, die Juden müssen mit der Poltik rechnen, um ihr Volksthum zu erhalten und hiezu benöthigen sie in erster Reihe jüdische Schulen, und mögen sie auch „confessionelle Schulen" heißen, wir schrecken auch vor diesem Ausdruck nicht zurück, wenn sie nur unseren Tendenzen gerecht werden. Wir sehen, wieviel Heil die Schule schwachen Völkern gebracht hat. Die Böhmen, die Polen, die Ruthenen — lvir sprechen von Oestereich — haben alle ihre Kräfte auf die Schulen gewendet und wenden sie noch immer, um ihre nationalen Pflegestätten zu bewahren. Schulvereine wurd"n ins Leben gerufen und von Arm und Reich in der rührendsten Weise mit Mitteln ausgestattet, um den Volksgeist in die junge Brust einzuimpfen. Auch wir Juden haben unsere Großen den jüdischen Schulen zu verdanken, den verlästerten „confessionellen Schulen". Noch in neuerer Zeit ist uns ein Z u n z , ein I o st , ein G r a e tz aus ihnen erstanden, während die allgemeine intercon- I fessionelle Schule wohl große Männer hervorgebracht hat, aber keine Juden mehr, sondern Franzosen, Deutsche und Engländer, auf Kosten unseres armen Volkes . . . Der deutsche Kaiser äußerte einst, als die Rede auf das classische Gymnasiunr kam: „Wir wollen keine Römer erzieheil, wir wollen, dass aus unseren Schulen D e u t - s ch e hervorgehen." Und die allgemeinen Schulen im nationalen Sinne erziehen auch wirklich nationale, gut gesinnte Mitglieder ihres Volksthums. Nur wir Juden verstehen es nicht, in unsere n Schulen unsere Kinder als die u n s e r i g e n zu erziehen . . . Herr Dr. Spanier weiß von den „Verfechtern der confessionellen Schulen" nur die religiöse Seite, den „Sabbath und die Festtage" vorzubringen und dem gegenüber bemerkt er: „Wir behaupten, dass das allgenreine Bildungsziel nicht auf starren Confessionalismus, sondern auf wahres Menschenthum sich gründet." Herr Dr. Spanier ist ein Thor, ein seltsamer Thor, der einige Jahrzehnte verschlafen hat. Und wenn er uns nicht glaubt, dann möge er cimnal mit seillem „wahren Menschenthum" zu lnodernen Menschen sprechen und nicht zu „deutschen Staatsbürgern mosaischer Eonfession" und er wird sehen, nlit welchem Hohngelächter er empfangen werden wird. Wir halten es gänzlich zwecklos, Herrn Dr. Spanier ein Privatissimuin über die neuerwachte jüdisch-nationale Bewcgimg zu halten. Wir wollen ihm m:r die eine Versicherung geben, dass wir immer und immer wieder für die jüdische Schule eintreten werden und mögen die „deutschen Staatsbürger mosaischen Glaubens" noch so viele lappischen Phrasen dagegen Zusammentragen. Schließlich werden sie doch eines Tages ertvachen, lind dann werden sie sich in die hintersten Reihen unserer Bewegung verkriechen, damit man sie ja nicht wiedererkennt, diese selb sanien verschlafenen Herren „von dem wehren Menschenthum". Vom Tage. Die * * * Die Freimaurer waren tvieder durch einige Tage Gegenstand der Debatte auf der ganzen Linie. Der „dumme Kerl von Wien" tischte alle Märchen auf, vom Teufel Bitru angefangen bis zum Complot gegen Thron unb Altar. Auf der anderen Seite waren natürlich die „freien Männer von gutem Rufe" bemüht, in den liberalen Zeitungen das gefangene Lämmchen nach Kräften weitzzuwaschen. Einem unabhängigen Blatte, wie dem unseren, geziemt es in diesem Widerstreit der Meinung, ein offenes Wort zu sagen. Die Freimaurer haben ihre gute Seite. Sie betreiben 'Wohlthätigkeit im großen Stile, ohne viel Marktschreierei; es *) Dr. M. Spanier in „Im deutschen Reich". Zeitschrift des Lentralverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. fällt ihnen das allerdings nicht schwer, denn der Begriff des „freien Mannes von gutem Rufe" hat sich bei ihnen zu dem Begriffe des Mannes mit goldgefüllter Casse oder wenigstens mit goldgesticktem Kragen verdichtet. Sie sind eine Musterkarte der Bourgeois par excellence. Ihr Wahlspruch ist : Nur der Reiche ist der freie Mann. Doch deshalb wollen wir hier mit ihnen nicht weiter rechten. Für uns Juden kommt ein anderer, viel schmerzhafterer Umstand inbetracht. Die Wiener Freimaurer bestehen zu neun Zehnteln aus Juden; Grund genug, dass sie ihre Wohlthätigkeit nur auf Christen beschränken. Es war vor einem Jahr; der große Kohlenarbeiterstrike war zu Ende; ich unterhielt mich mit einem Mitglicde der Loge „Humanitas", der mir erzählte, welche große Summen für.die Kohlenarbeiter von Seiten der Freimaurer gespendet wurden. Ich erzählte ihm nun von dem Elend der rumänischen Juden, die sich zur Auswanderung vorbereiten. Da zuckte er die Achseln: „Ich weiß davon, aber wir Freimaurer dürfen für Juden nichts thun; nur für Menschen." Als ich fragte, ob denn die Juden keine Menschen seien, blieb er die Antwort schuldig. Also aus lauter Formalismus, aus blödem Firlefanz lehnen reiche Juden jede jüdische humanitäre Thätigkeit ab. Das ist die Kehrseite des Freimaurerthums für uns Juden. JS* Deutsche Cultnr. (Niedriger hängen!) Der Culturhistoriker, der eine Geschichte der Deutschen zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schreiben wird, darf auch nicht vergessen, dass inmitten der hohen Cultur es möglich war, dass Karten fabriksmäßig in Berlin bei G. A. Dewald zur Verbreitung des Nitualmordmärchens erzeugt wurden. Die Karte stellt ein Grabdenkmal für Ernst Winter in Könitz dar, welches außer dem Namen, Geburts- und Todesjahr Winters das Motto trägt: „Den Mördern zur Warnung, den Christen zur Wahrung ihrer theuersten Güter." — Auf der Rückseite ist zu lesen: „In einen Hinterhalt gelockt, musste dieser Jüngling einer blutgierigen Secte unter den Hebräern sein Leben lassen, indem sie ihm durch einen Schächschnitt sein Blut bis auf den letzten Tropfen entzogen. Seine Gebeine, die man später theilweife an verschiedenen Orten vorfand (der linke Arnr, das rechte Bein vom Knie ab, das ganze linke Bein und die Bauch-Eingeweide fehlen heute noch) konnten erst am 27. Mai 1900 der wohlverdienten Ruhe übergeben werden. Hütet Eure Kinder!" »'' Die Deutschen in Verlegenheit. Die Radicaldeutschen haben aus politischen Gründen eine „Los von Rom"-Vewegung entfesselt. Nun entstand aber die Frage: Wohin? Zum alten Wuotan-Cultus gieng es nicht recht, es gab zwar in ihren Reihen solche sonderbare Schwärmer, die für die Wiederanbctung. der germanischen Götter in den Wäldern eintrafen. Das gieng aber doch nicht, und die Führer entschieden sich für den Protestantismus; es mag da auch manch klingendes Wort mitgespielt haben. Da tauchten aber die bösen Dühringianer auf üud beweisen ihnen, dass der Protestantismus durch Ausmerzung der Lehre von den Heiligen und mancher mystischen Wunder noch jüdischer ist als der Katholicismus; was sie treiben, sei also Juderei, wie das hübsche Wort lautet. Nun. fällt natürlich Wolf über Dühring, den er beinahe früher zum NaLionalheiligen erhoben hatte, her, weiß aber, in Lödtlicher Verlegenheit nicht viel zu sagen. Die Macht des jüdischen Geistes zwingt eben Christen und. Heiden zur Anbetung. Chronik des Judenthums. Wien. Wir erhalten folgendes Schreiben: Ich gestatte mir, für die mir anlässlich meines siebzigsten Geburtstages ausgedrückten freundlichen Wünsche mit der wärmsten Empfindung zu dankeu. Hochachtungsvoll mit bestem Gruße Lector M. Friedmann. Wien. („B e t h - H a m i d r a s ch. T a l m u d -- T h o r a„.) Der Bcthausvorstand Talmud-Thora, Malzgasse 16, hat endlich nach längerer Vaeanz die Cantorenfrage glücklich gelöst, indem er für sein in jeder Hinsicht würdiges Gotteshaus einen tüchtigen gutgeschulten und jugendlchen Cantor Eduard Regner als Obercantor aceeptierte. Herr Regner hat sowohl durch seinen Vortrag als auch mit seiner wohlklingenden hübschen Varitonstünme zwei Samstage hindurch, snmmclichen Tempelbesuchern ein wahres Vergnügen bereitet und wird mm hoffentlich der Gottesdienst in diesem Talmud- Thvra-Tempel, wo der allbekannte und beliebte Herr Rabbiner N. Kramer jeden Samstag einen Vortrag hält, nach jeder Richtung den Besuchern die vollste Befriedigung bieten. Mähr.-Ostrau. (I ü d. - N a t i o n a l e r A b i t u - t ienten - Com m e r s. ) Die jüdisch-nationalen Abituricntcn Mährens und Schlesiens veranstalten am Sonntag den 28. Jllli d. J.,'um 8 Nhr abends, im Festsaale des Deutschen Hailses in M.-Ostrau eilten Festeommers. Mähr.-Ostrau. (N c u m a t) t c it b e r i f raclitis ch e n C u l t u s g e m eind e.) Bei der am 8. ds. tmtou ziemlich zahlreicher Betheiligung imb noch regerer Agitation stattgefnndenen Wahl im dritten Wohlkörper der israelitischen Cultlisgelneiude wurden nachstehende Mitglieder in den Ausschuss gewählt: Marcus Strassmann, Leopold Rufeisen, Witkowitz, Dr. Alois Hilf, Eduard Wechsbcrg und Philipp Förster, Prziwos, Dr. Max Beer, Poln.- Ostrau, Josef Zänker, Oderberg, ferner Jacob Wulkan, Leopold Racher und Berthold Schwarz ans Mähr.-Ostrau. Die Wahl im zweiten Wahlkörper erfolgte Dienstag vormittags, und ergab dieselbe nachstehendes Resultate Als Ausschussmitglieder wurden gewählt: Franz Groß, Ignatz Reiß, Albert Wcchsberg, Josef Weißlitz, L. Singer, Witkowitz, Adolf Maunaberg, Adolf Haberfeld, Bernhard Pollitzer, Michalkowih, Adolf Jmmerglück und Moritz Wechsler. Bei der Wahl aus dem ersten Wahlkörper, welche Dienstag nachnlittags 3 bis 4 Uhr erfolgte, wurden nachstehende Mitglieder gewählt: Dr. Max Böhm, Siegmund Czuczka, Hermann Fricdländer, Dr. Hermann Fuchs, Moritz Krasny, Dr. Leopold Katzer, Nathan Liechtenstern, Dr. Emil Rcik, Prof. Alois Schwarz und Josef Spitzer. Weiters wurden in jedem Wahlkörper fünf Ersatzmänner gewählt. Der Cultusgemeindc-Ausschuss zeigt nach der Neuwahl fast die gleicheZusammensetzung wie früher, und haben nur wenige Aeudernngen Platz gegriffen. Auffee. (Gründliche D e m ü t h i g u n g e in e s An t is e m i t e n.) Der Mechaniker und Hausbesitzer Adolf Graf in Ausiee, der den dortigen Bildhauer Josef Kohn seit Jahr und Tag mit Beleidigungen verfolgt, hat, trotzdem er bereits einmal deshalb zu einer Icktägigen Arreststrafe verurtheilt worden ist, sein Geschimpfe wieder ausgenommen. Neuerdings sah sich Herr Josef Kohl, genöthigt, die Ehrenbeleidignngsklage zu erheben, über welche am 6. Juli d. I. die Hauptverhandlmig vor dem Bezirksgerichte Anssec stattfand. Angesichts der empfindlichen Strafe, die seiner Harrte, wurde Herr Graf diesmal sehr kleinlaut und erklärte im vorhinein, seine Worte zurückznnehmen. Es wurde ihm aber klar gemacht, dass dies keine genügende Satisfaction sei. Er müsste sich daher bequemen, folgende bon dem klägerischen Vertreter formulierte Erklärung vor Gericht in Gegenwart der Zeugen abzngebcn itnb in die „Alpenpost" einznschalten. Die Erklärung lautet: „Ich habe aus Gehässigkeit wieder Josef Kohn, Bildhauer in Ausiee, ein unwahres Gerücht verbreitet, welches seine Ehre aufs Empfindlichste berührt. Von demselben zur gerichtlichen Verantwortung gezogen, habe ich denselben vor Gericht in Gegenwart von Zeugen um Entschuldigung gebeten und mich auch zur Veröffentlichung der Erklärung in der nächste!: Nummer der „Alpenpost" und zum Kostenersatze verpflichtet. Herr Josef Kohn hat hierauf die Anklage zurückgezogen, und ich spreche ihm für sein Entgegenkommen hiemit öffentlich den Dank ans. Josef Graf." Herr Josef Kohn hat hierauf seine Klage zurückgenommen, und damit wahre Grostmuth gegenüber einem hartnäckigen Judenfeinde ' bewiesen. Allerdings gebt der Judenhass des Herrn Adolf Graf nicht so weit, auf jüdische Miether und aus die Kundschaft jüdischer Radfah- , rer zu verzichten. Lemberg. (A u s d e r Cu l t u s g e m e i n d e.) In der letzten Sitzung des hiesigen Cultusrathes unter Vorsitz des Herrn Dr. . Byk kam es zu einer lebhaften Debatte zwischen dein Herrn Director Lazarus und dem Herrn von und zu Horowitz wegen der Ernennung , zweier Spitalsräthe. Zum besseren Verständnisse der Polemik muss man erwähnen, dass Herr Director Lazarus durch seine Spende überhaupt den Bau des Spitates ermöglicht hat und überall die Cor- ruption und Assimilation rücksichtslos bekämpft. Grund genug, dass Herr von und zu Horowitz ihm opponierte und mit seinen Mameluken den Antrag des Herrn Director Lazarus zu Falle brachte'. Herr Director Lazarus zog die Consequeuzen und legte sein Mandat als Cultnsvorsteher nieder. Wir fragen nun, ob wir in der heurigen. Zeit wirklich solche Männer entbehren können und wie man das Vor- gehen der Horowitzelique eigentlich benennen soll? Kolomea. Wir nehmen gerne davon Kenntnis, dass der Verfasser des Jargon-Liedes über Lsteyfus, Herr Ch. I. Boxenbaum ist. Nerrbidschow. (Eine B r a n d k a t a st r s p h e.) Aus Neubidschow wird uus gemeldet: Gestern nachmittags brach" im hiesigen. Inder öm M ein Feuer aus,' das fünfundzwanzig Häuser sammt den Habseligkeiten der Bewohner vernichtete. Die E'tstehungsnriache ist noch unbekannt. Ungefähr fünfzig ' Arbeiterfainilieu sind obdachlos und wurden in Schulen Und Gasthäusern untergebrachr. Ems Hilfsaction würhe eingeleitet. Budapest. (S ch l u s s p r ü f u n g.) Am 8.. unkst 9. Juli fand an der jüdisch-theologischen Hochschule die öffentliche .SchlusSprüsung statt, an welcher als einer der. Prüfungscommissäre auch der hiesige Oberrabbiner Herr Moses. Katz theilnahm. Die Prüfungscommission äußerte ‘ sich über die Ausbildung der Hörer sehr zufriedenstellend. | Abstand. Berlin. Fürst Hohenlohe, der dritte Kanzler des deutschen Rei- ■ chcs, ist am 13. d. M. bestattet worden. In allen deutschen Landen: hat, wie der „Reichsanzeiger" meldet, die Nachricht aufrichtigste^ Trauer erioeckt, denn mit dem Fürsten Hohenlohe ist ein M<um mit ausgezeichneten Verdiensten um Reich und Staat da-, hingcgangen. In allen Stellungen, oft unter den schwierigsten' Verhältnissen, als bayerischer Ministerpräsident, als deutscher Botschafter in Paris, als Statthalter von Elsast-Lothringen und. endlich als Kanzler des deutschen Reiches bewährte er jene hohen Eigenschaften, mifopfernde Hingebung und unernrüdliche Pflichttreue, die der Kaiser in seinem Handschreiben beim Abschluss seiner, langen und ehrenvollen Dienstlaufbahn vor noch nicht drc.ivicrtel^ Jahren dankbar herborhob. Wie seine staatsmänische Wirksamkeit die warme Anerkennung aller patriotischen Kreise fand, so schätzte Jeder, dem es vergönnt war, ihm persönlich näher zu treten, seinen ■ hohen Sinn, sein einfaches, klares und freies Wesen und seine immer gleiche, vornehme Liebenswürdigkeit. Besonderen Dank haben wir Juden ihm zu zollen; denn stets ist er mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit für uns eingetrctcn. Schon bei Antritt seines. Anckeö als Reichskanzler bot er Gelegenheit, charan zu^ erinnern, wie sehr der Fürst, bei dem Berliner Congresse im Jahre 1878 für die Emancipaiion der Juden eingctreteir und welche segensreiche Wirksamkeit er in Bezug auf das Geschick unserer Glaubensgenossen in Bayern und im Elsas; entfaltet hat, mild wenn er als Reichskanzler schon zu sehr unter der Gebrechlich-, keit des Greisenthmns zu seufzen hatte, so war doch an dem Jubeln^ und Aufathnicn der Antisemiten bei seinem Abgänge zu merken, wieviel er uns auch in dieser Stellung wert gewesen. So wird die^ danware Tierehrung für ihn, den klugen StqatSmann, den tapferen Deutschen und edlen Menschen, die Trauer an seinem Grabe.überdauern. Berlin. Der hiesige „Club der Landwirt e" hat sich in einer stattgefundenen Sitzung mit der Schächffrage beschäftigt. Die seht angeregte Discrlssiou, welche sich zu einer lebhaften Befürworf tuug uuscl.es rituellen Schlachiverfahreus gestaltete, knüpfte au einen Vortrag des Herrn Oekonomierathes Plehn über „Die Thierguälerei beim Schlachten" an. Dieser Vortrag ist in einer der jüngsten Nummern der „Nachrichten aus dem Club der Landlvirte zu Berlin" zum Abdruck gelangt. Der auf das Schächten bezügliche Theil lautest. „Ich kormne nun Zur zweiten Form des Schlachiciis, tvelche sich lveniger Zuneigung im Publicum zu erlnerüen gcivusst hat, das Schächten der Juden. Ich habe mich oft gefreilt, Ivohcr tvohl die Abneigcrng des Pnblicums gegen das Schächten kommen möge, und berumthe, es wird einmal jenrand, der kein Judenfreund war, sich haben er-, klären lassen, dass der jüdische Ritus den Leuten verbietet, Blut zu geniesten, und dasZ deshalb, um das Thier stark ausbluten zu lassen,, die Aderu. geöffnet werden, damit das Thier möglichst ausbluten kann. Er hat das gehört, ohne rräher orientiert zu seiri, und hat ge-