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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Date
1901-07-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Wien, Freitag Randglossen;um Jahresberichte der Vsg-Njhelyer jüd. Realschule. Seit 39 Jahre,: leistet die Bagujhelyer jüdische Unter-Nealschule dem Vaterlands und der Nation wichtige Dienste und trotzdem und alledem ist ihr der Weg verschlossen, sich zur Oberrealschulc Zu entwickeln; sie bleibt ein Nudiment. Nach der Letzte Darwinv sind Rudimente Ueberblcibsel von Organen, die in ihrer physiologischen Entwicklung gehemmt wurden. Die Bagujhelyer Realschule, welche ihrer Pflicht stets getreulich nachgekommen ist. müsste sich naturgemäß entwickeln, müsste demnach schon eine Mittelschule sein, wenn sich ihrer Entwicklung nicht äußere Verhältnisse entgegenstellen würden, die diesen widernatürlichen Zustand verursachen. Der Jahresbericht dieser Anstalt gibt uns auch Aufschluss über diese die Entivicklung hemmenden Ursachen. Es sind ihrer tvie zur Kriegführung drei: Geld, Geld und Geld. Eine einzelne jüdische Gemeinde ist nicht vermögend genug, um eine Oberrealschulc zu errichten und zu erhalten. Das ist eine Aufgabe für die Gesammtheit. Leider ist die vaterländische Judenhcit in Parteien zerklüftet. Jede der Parteien sucht sich Bortheile zu sichern: um das Gemeinwohl kümmert sich jedoch niemand. Die Herren Cougressler z. B. verkünden wohl urbi et orbi die Einheit des Judenthums; sobald es sich aber um den schnöden Mammon. ums Geld handelt, da werden die Taschen sorgfältigst zugehalten mit der Begründung: „Su gehörst nicht zu unserer Partei, Dich unterstützen wir nicht". Nicht verkünden, sondern bethätigen solle»» die Herren die Einheit des Judenthums; nicht fragen sollen sie: gehörst du zur orthodoxen, Congress- oder status guo-Partei, sondern helfe:,, wo es nvththut. Wcrkthätige, gegenseitige Unterstützung wird den Frieden im ungarischen Jndenthume eher Herstellen als hohle Phrasen, mögen sie noch so schön klingen. Biele Fehler sind begangen worden und vieles muss gut gemacht werden. So wird der Gerechtigkeitssinn die Erkenntnis iveckeu, dass die Führer der Congress- und orthodoxen Religionsparteien die Status quo-Gemeinden materiell seit mehr als 30 Jahren damit schädigen, indem sie mit den: Gelde des Haynau-Fonds, zu dem sämmtliche ungarische Juden ihren Theil beigetragen haben, bloß ihre eigenen Institutionen unterstützen und die Anstalten der Status quo-Gemeinden ausschlicßen, trotzdem die Status quo-Gemeinden nahezu den fünften Theil der ungarischen Juden bilden. Dieser Mangel an materieller Unterstützung bildet das einzige Hindernis der Bagujhelyer israelitischen Realschule, um sich zur Ober-Realschule zu enrlvickeln. Die Anstalt ist entwicklungsfähig. Die Schülerzahl nimmt von Jahr zu Jahr zu. Dieselben recrutieren sich nicht bloß aus dem Orte und der Nachbarschaft; aus den fernsten Gegenden Ungarns suchen Zöglinge diese Anstalt auf. Kaum die Hälfte stammt aus dem Neuttacr Comitate. Im laufenden Schuljahre besuchten die Anstalt 188 Schüler. Hervorgehoben verdient es zu werden, dass die Schule während des Jahres bloß drei Schüler verlassen haben, und das geschah aus dem Grunde, weil ihre Eltern in der neuen Welt ihr Fortkommen suchten. In anderen Schulen beträgt die Zahl der austretenden Schüler das Zehnfache. Lehrmittel, Bibliotheken, welche das Studium der Zöglinge erleichtern und ergänzen, werden reichlich angeschafft. Auch heuer wurden 100 Kronen hiezu verwendet; ja, die Zeit ist nicht mehr ferne, wo neue Räumlichkeiten für die Unterbringung der Sammlungen aufgeführt werden müssen. Das deutet wohl auf Fortschrirt und nicht auf Stagnation oder Verfall. Auch in Bezug ihrer Leistungen auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichtes kann diese Schule kein Tadel treffen. Der Percentsatz der Schüler mit ungenügeitder Fortgangsnote ist, trotz strenger Classification, im Verhältnisse zu anderen Mittelschulen, ein miitimaler. Dieser Vortheil wird dem Schüler durch die hingebendc und gewissenhafte Thätigkeit des Professorcn-Korpers zutheil. Der Fleißige wird überwacht, der Saumselige ermuntert und nur diejenigen, tvelche bar aller Fähigkeiten sind, bleiben zurück. Der religiösen Erziehung wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist der Schule gelungen, mich das Vertrauen orthodoxer Eltern zu erwerben, die selbst aus den entferntesten Gegenden unseres Vaterlandes dcrSchulc Zuströmen. UnstreitigeVerdienste erwarb sich diesbezüglich Dr. Schweiger, Religionsprofessor. Nicht geringe sind die Wohlthaten, welche nlittcllosen Schülern ertheilt werde»:. Es gibt kaum eine Familie, die nicht an mehreren Tagen in der Woche eilten Schüler bei Tische zu Gaste hätte. Zur Errichtung eiitcs Alumneinns lvurdelt schon die cinleitendeit Schritte geinacht. Der „Hilfsverein" unserer Realschule hat heuer 36 Schüler mit Schulbüchern und Zeichnen-Requisiten versehen und ermöglichte armen Schülern in jeder Weise das Studium. Eine Schule, die derartige Fortschritte z»l verzeichne»» hat, verdieitt Wohlwollen Ultd vollste Unterstützung. Wir geben der Hoffnung Raum, dass es dieser einzigen jüdischen Realschule unseres Vaterlaltdes nach zurückgelegtcm vierzigsten Jahre ihres Bestandes gegönnt sein wird, die erste Classe der Ober- Realschule zu eröffiten. Von Jahr zu Jahr lässt der verdienstvolle Director der Vagujhelyer israelitischeit Realschule sich die Mühe nicht verdrießci», im Interesse der durch ihi» vorzüglich geleiteten Anstalt, das Wort z»l richten an seine Glaubensgenossen, damit sie sich aufraffen aus ihrer Theili»ahmslosigkeit, die unstreitig ein culturellcs, nationales und confessionelles Bedürfnis ersten Ranges ist. Alles vergebend; — es ergeht ihn» »vie dem Rufer in der Wüste, und trotz alledem ist er nicht entnmthigt, greift er wieder zur Feder, um sein Ideal — die Weiterentwicklung der Unter-Realschrlle zu einer Ober-Realschule — zu verwirklichen. Das Verhalten der ungarischen Judenheit dieser Anstalt gegenüber ist ein beschämendes; der Particularisnms, welcher die ungarischen Juden gefangen hält, ist eine ilicht lvegzuleugnende Krankheit. Wäre jeder wohlhabende Jude deni dortigeil Mittelschulvereine mit jährlichen vier Kronen und jede Gemeinde »nit jährlichen zehn Kronen beigetreten, so hätte die Frage schon längst gelöst sein können. Vielleicht gelingt es diescil Zeilen, um in weiteren Kreisen warmes Interesse für diese Anstalt zu erwecke»» und rege zu halten. „N. Z." Jüdisches Volksblatt Biicher-Einlanf. D r. I. Tag licht: „Die vier Evangelien. Festpredigt, gehalten am ersten Peßachtage 8661." Ei»»ei» originelle»» Gesichtspui»kt gewinnt der gefeierte Kauzclredner den vor» Prediger»» so vielfach behandelter» vier Causos ab. An den Peßach-Abeiiden, ivo uns so viele Symbole an unsere ganze nationale Vergangenheit erinnern, an die Zeiten frühester Kindheit, beim ersten Eintritt in die Geschichte und an die spätere ucrtionalc Enttvickluug, sollen uns a»»ch die vier Kelche des Kindes-, Jünglings-, Mannes- und Greisenalters versinnbildlichen. Mit Geschick und Geschlnack versieht der Redner diesen seine»» Gedanken die betreffende!» Partien aus der Hagadah zugruirde zit legen. Besonders verdieirt hervorgehoben zi» »verden die eigeire schlvrnrgvolle, dabei aber einfache Diction. Jüdisches Gcfiitzl. Zeitschrift für die Jugend. Nr. 21. Erscheint alle l-t Tage. Bezugspreise: mit Postzusendung 1 Kjährlich, 2 K. halbjährlich. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. —■ Russland 2 Rbl. jährlich. Balkanstaaten 8 Frcs. jährlich. — Einzelnummern 18 H. Nedaction: Srneckagasse 7, 1. St. — Administration : Mvslikgasse 14 n. Mnnuscripte lvcrdei» nicht zurückgestcllt. Jithalt: Roth. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Die heilige Rolle. — Moderner Geisterspuk. — Perlen aus den» Talmud. — Dies und Das. — Räthscl. — Räthsel-Auflösungen. — Briefkasten. Bon der „Neue»: Zeit" (Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben das 40. Heft des 19. Jahrga»»geS erschienen. A»is den» Inhalte hebe»» Ivir hervor: Zlvei Betera»»ei». — Erkenntnis-theoretische Marx-Kritik. Boi» Heinrich Cunow. 1. — Gesetzentwurf zur Alters- und Jnvaliditätsversichernng der Arbeiter in Fra»»krcich. — Die Socialdemokratie in Australien. Nach einem Bericht des internationalen Secrctariats in Brüssel. — Literarische Rundschau: C. Frhr. v. d. Goltz, „Gesetz und Recht". — Feuilleton: Die Bariuherzigkeit der Geineinde. Eii» Bild aus Hottingen. Bon Marin Konopnicka. Deutsch von W. Lopiiszansli. Documente der Frauen. (S ch u l ä r z t i »in e »».) Dieses Capitel, das die Mütter so sehr angeht, deren ba»»ge»»de Sorge sich oft kann» beschwichtigen lässt, ive»»i» sie ihre hilflosen, kleinen Lieblinge in die Frelnde, denn das ist die Schule vorerst für sic, c»»tsei»den, dieses Capitel »vird von Sophia voi» Khucnburg i>» den: »»eueste»» Heft Nr. 7 des dritten Jahrga»»gcs der „Doc»»n»c»»te der Frauei»", hernusgegcben vou M- La»»g, ei»»gchei»d behandelt. Dr. I. Göldsteii», Docc»»t au der Züricher Universität, veröffentlicht barin „Neueres über die Bevölkerungsfrage in Frankreich". Anna Schmeidler fragt: „Wie geivinnt mai» Anhänger?" »n»d setzt vortrefflich ausei»»andcr, in »velcher Weise die Franenführerini»en dies thui» sollten, lieber daS abgehetzte,ruhelose Leben der Tabaktrafikantinnen berichtet eine Tabaktrafika»»tin selbst, und es dürfte die Herren der Schöpfung merk- »vürdig ai»n»uthe>», ivei»l» sie davoi» höre»», lvie aufgerieben und enerviert diese Mädchen si»»d, die ihnen stets mit heiterem Lächeli» ihre Cigarren hinreichen, als ob es bloß eine Liebenswürdigkeit wäre. Die von Francis Maro so vortrefflich übersetzte Erzählung voi» Jdströrn ist in diesem Hefte beendet. — Die „Docmnente der Fraue»»" sind zinn Preise von 3 Kronei» vieieljährlich, die einzelne N»»mmcr für 60 Heller in allen Buchhandlungen und in der Administration, Wiei», 6. Bezirk, Magdalei»e»»straße 12, zu habe»». SLimmerr ans dsm Nnbirrnm. Derunächst tritt i»n Hotel „Bayrischer Hof" die berühn»te Singspiel-Gesellschaft „Gimpel" auf. Diese Gesellschaft besteht aus nur erste»» Kräfte»», und ivir »nachei» alle Musik- und K»»»»stfreundc darauf aufmerksam. Bei der a»n 9.., Juli stattgcfundenen Generalprobe haben sich Herr Karlig, Frl. Mahler, Herr Stre»»g, Frl. Steif, Herr Zuckerberg, Frl. Silber und Herr Fessel besoi»ders ausgezeichnet. Das Hauptvcrdie»»st, dass wir diese ausgezeichnete Gesellschaft i»» Wien sehen werden, gebürt dem Cafetier Herrn Adolf Buchberg. lub-ji l| H || |M ■ IIIIII ■ ■ Ml IMII ■llllll II>»>> , l I! I» I III TI II | III II I ■ HIITITri ■ ■ Ml | ■ MH Krreflrasten. Dr. Sp., Esseg: Wir werden in der nächsten Numiner auf Ihre Berichtigung zurückkommen. Bis dahin bitten wir um Geduld. Leopold Schlnnger: Wende»» Sie sich au die Leitung 1. Bezirk, Schwarze»»bergplatz 4. irnaiMi »«» «>, , ■ ■ ■ ■i»rm~irnrw«rnrwrJTnrw>iiF iiipi ■ « «>> Jüdischem Arzt, zur Praxis in Ungarn berechtigt, wird Gelegenhcit zur Etablierung geböte»». — Auskünfte ertheilt aus Gefälligkeit Herr Leo Fuchs, 8. Bezirk, Langegasse 30. Jüdischer Eürstenbindermeister wird in dem israelitischen Blindeninstitute Hohe Warte zinn Unterrichte der Blinden a»>fgei»on»mei». — Auskünfte bei der Direction der A»»stalt. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) „Wozu dos?" erwiderte Neb Sawel; „aber es ist doch cusieren ist todtschad! Gebt mir die Hand darauf, dass meschuge Feiwele Tischebow nicht gegessen hat!" „Wo zu das?" erwiderte Reb Sawel; „aber es ist doch ein Unterschied. Ihr werdet ihn doch nicht mit Gumpel vergleichen, der, es soll ihm kein „Gnai" (Schande) sein, ein großer „Amhorez" (unwissend) gewesen ist." „Vergleichen," entgegnete Bärl Lederer, „meinetwegen soll Feiwele ein „Lamden" (Gelehrter) sein. „Die Lamdonim" (Gelehrten) werden noch herausbringen, man darf Jomkipper auch essen. Wer weiß, was sie für sich alles wissen und wollen es uns nicht anssagen." „Jetzt," sagte Neb Sawel, „haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. „Es ist ein Unterschied zwischen dem, was einer weiß, und dem, was er sagt. Uebrigens aber war die Schul' baufällig, und die ganze Khille kann für diesmal von Glück sagen; es ist wirklich ein „Netz" (Wunder) geschehen, und wir dürfen, einer wie der andere, „Goimel" benschen" (ein Dankgebet verrichten)." „He, he," lachte Bärl Lederer, „und Sie meinen, wenn nian zu derselben Feit in Schul „Wajechal" geleint hätte, sie war' ebenso gut eingefallen, weil sie baufällig kvar; als wenn unser Herr Gott sich auf die Baukunst nicht besser verstehn macht' als wie unsereiner; er ist ein besserer Baumeister." „Neb Bär," sagte darauf Neb Sawel mit fürchterlichem Ernste und blieb stehen, so dass sich ein ganzer Kreis der Heimwärtsgehenden um ihn versammelte, „hört mich an, hört mich aber gut an, was ach Euch jetzt sageir werde. Ihr haltet Euch für einen frommen Menschen. Ihr seid es auch. Aber gegen Feiwele, lvie Ihr ihn 12. Juli 1901 Nr. 28 beständig heißt, Itteil Ihr meint, die Zung fallt Euch heraus, wenn Ihr Felix oder Doctor Frank sagen möchtet, seid Ihr der „Pofche Jisrol" (Sünder), und er ist der „Zadik" (Gerechte)." Hierüber waren alle Umstehenden, am meisten aber Bärl Lederer selbst so betroffen, dass niemand ein Wort zu erwidern lvagte; es war, als ob ein „Batz kol", eine Stimme vom Himmel,vernommen worden wäre und spreche gar nicht Reb Salvel Kornmehl. Sie blickten ihn alle fragend an, aber er fuhr fort: „Wenn Ihr wissen möchtet, was ich weiß, so möchtet Ihr nachhause gehen und Euch aufs Ponim legen und bittere Thränen vergießen, denn an allem Unglücke habt Ihr die Schuld." Schlveigend gieng man nachhause. Gumpels Eltern setzten sich auf die Erde. (Ende des ersten Bandes.) * Zweiter Theil. I. Gottesplage. Reb Schimme Lasunder und Reb Srohl Hühnerberg kamen eben die Gasse herunter, als ein großer Haufe von Müßiggängern — Männer, Weiber und Kinder — dastand und den Schutthaufen, die Trümmer der eingeftürzten Synagoge, neugierig begaffte. Einige Knaben, die von dem Unglücke, welches die Gemeinde betroffen, nicht berührte, machten sich, muthwillig genug, dasselbe sogar zunutze. Ueber einen daliegenden Holzblock hatten sie einen Ouerbalken gelegt und, ohne mit den Gesetzen der Mechanik' vertraut zu sein, zwei ungleich lange Hebelarme construiert, welche zu Aren» eigenen Körpergewichte im umgekehrten Verhältnisse standen; instinctio setzte sich stärkere Knabe rittlings an das Ende des längeren, und auf der so improvisierten Schaukel flogen sie wechselweise auf und nieder, dass es eine Lust war. „Soll ich leben, ein groß Masel (Glück), dass die Schulz eingefallen ist," sagte Chawele Spazierstöckel, „für die Kinder ist es die größte „Chjune" (Vergnügen), wenn sie da so herum „regieren" können." „Bewoineßene rabbim" (durchs unsere großen Sünden), sagte Bärl Lederer darauf in weinerlichem Tone und schien zu erwarten, dass derselbe Gott, der auf so offenkundige Weise einen Frevler gestraft, auch den Muthwillen dieser Knaben, welche mit den heiligen Trümmern der Synagoge ein so empörendes Spiel trieben, zu züchtigen nicht versäumen werde. „Werft sie herunter urrd brecht ihnen das Genack." rieth Berech Krupp, durch den Stoßseufzer Bärl Lederers angespornt, aber nicht muthig genug, den kühnen Angriff' in eigener Person zu besorgen. „Nun ja, weiter fehlt einem nichts," ließ sich darauf eine Stimme vernehmen, sie gehörte der langen Jittel als ihr rechtmäßiges Eigenthum an, „fangts eppws an mit dem Putthahn. Dort kommt er grad herunter mit Reb Schimmen; wenn ihm einer das Jüngel anrührt, ist er bei mei' Leben, das Leben nicht sicher." „Und justament weil er kommt, soll man sich grad am wenigsten aus ihm machen," sagte Berech Krupp, in der Meinung, durch seine kühne Rede einen anderen zu einer kühnen That zu entflammen. Da er aber sah, dass seine Mahnung in den Wind gesprochen war, rief er so laut, dass der Schall seiner Worte von dem herankommenden Reb Srohl Hühnerberg gehört werden musste: „Maschierts herunter, Gassenjunge»». Man hutscht sich nix da herum, wo man früher geda»vent (gebetet) hat. Geht lieber heiru und schwankt Euch die Näs (Nase«) aus." „Fürchts Euch nix, Kinder," schrie der mit Reb Schimme mittlenveile herangekommene Reb Srohl Hühnerberg, „fürchts Euch nix, und reitet nur zu. Wenn der Krupp die Hand aufhebt und Euch anrührt, kriegt er ein Frass (Ohrfeige), dass er nicht mehr erlebt aufzustehen/ Berech Krupp fuhr sich mit der Hand nach der Wange, gleich als ob er sich hätte überzeugen wollen, dass er die in Aussicht gestellte Ohrfeige noch nicht bekvrnmen habe, und in der Freude über die Entdeckung, dass es sein; eigene Hand und nicht die Reb Srohl Hühnerbergs sei, deren Berührung er auf seinem Gesichte fühlte, wendete er sich lächelnd an den Mann, der ganz das Aussehen hatte, was er versprochen, nöthigenfalls auch zu halten, und sagte: „Und Sie, Reb Srohl, meinen in Emmes (Wahrheit), dass »nich das verdrießt? Verstehen Sie denn keinen Spass? Froimel ist bei mei' Gesund' ein Reiter, »vie ein englischer Komödiant. Ich Hab ja gar niästs gesagt, Reb Bär da meint, es ist en Ewere (Sünde). Reb Bär Lederer schwieg. Berech Krupp aber, der seine Schadenfreude an den Kindern nicht auslassen konnte, suchte sich nun Bärl Lederer aus, u»n sie auf diesen zu entladen; deshalb setzte er, da seine Bemerkung unberücksichtigt blieb, fort: „Meinetwegen können die Jüngel reiten bis Paris, oder so lang, bis die Pferd hungrig werden. Was sie Heu urrd Haber fressen, zahl ich, aber — Reb Bär will's nicht leiden." „Deistumirr und deistick," sagte Reb Salme Gloser zu Berech Krupp, „was willst Du alles von mei' Schrooger Reb Büren? Hat er denn efscher (vielleicht) nit recht'? Und soll man denn da ruhig zusehen?" Berech Krupp jubelte innerlich, währed Reb Bär, durch den Succurs seines tapferen Schwagers ermuthigt, nur» wieder das Wort ergriff: „Ja, ja, Kinderleben, durch eiu’ Deichsel von ein’ Wagen und durch das Krähen von ein' Hahn ist (?) zerstört »worden." „Das heißt Neuigkeiten! Was wollt Ihr damit sagen, Neb Bärl?" fragte Neb Srohl. „Was soll ich damit sagen wollen? Damit will ich sagen, dass man noch nit wissen kann, durch was die zrvei Jüngel können chorew werden.

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