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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Date
1901-07-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 12. Juli 1901 Seite 7 „Al tiftech Peh leßoten! (Oeffne den Mund nicht zum Bösen)" sagte Reb Srohl ziemlich barsch zu Reb Bär Lederer; und mit dieser Bemerkung konnte Bär Lederer sich zufrieden geben, denn ein Jüngerer als Reb Bär hätte wahrscheinlich eine andere „schlagendere" Erwiderung erfahren. Berech Krupp aber lachte und wendete sich an Reb Bär: „Ich Hab' gemeint, Reb Bärl, Ihr wollt sagen, dass' unser heilige Schul ist durch einen Fresser eingefallen, j „Ja, das ist auch wahr; aber bei mei' Leben, mehr durch ein' Fresser, der noch lebt, als durch den, der schon todt ist." „Das sollte Jentel hören/ sagte Berech und zeigte mit seiner Antwort, dass er Bärl Lederers feine Wendung verstanden habe, während die übrigen überrascht, erst durch diese Bemerkung Berechs aufmerksam wurden, dass hier, vom Doctor Felix Frank die Rede sei. s Reb Schimme Lasunder und Reb Srohl Hühuerberg j sahen einander mit scharf eindringenden Blicken an. War' es Zufall, dass eine alte Erinnerung aus ihrer Knabenzeit, wo sie mit Felix und Gumpel dasselbe Cheder besucht hatten, gleichzeitig auftauchte? - „Es ist an dem Todten kein' „Broche" (Segen) ge-! wesen, es ist an dem Lebendigen kein' Broche; Schaudere, | Bändere, ein Kapore mit einander!" sagte Reb Srohl; Hühnerberg. „Wie sie beide noch sind klein gewesen, war' der eine schon ein „Mamser Tome" (unreiner Hurensohn) i und der andere ein „Ehamer Emasse" (Esel zum Last-! tragen)/ „Was Essig soll werden, wird bald sauer," schaltete Reb Schimme ein; Reb Srohl aber setzte fort: „Als Kind ist ihm der Chamer durchs Fester nachgesprungen und hat vom Bocher gute Klapp' gekriegt, uud jetzt ist er ihm in Gehenem (Hölle) hinein nachgesprungen/ „Da drinnen bist Du Dich aber doch „toie" (im Jrrthum)," verbesserte Reb Schimme, „der Docter. . „Jemach Schemoi!" (sein Name werde vertilgt!) klang hier Bärl Lederers Stimme dazwischen. „Der Doctor lebt ja noch/ setzte Reb Schimme fort. „Helwaje" (Gott gebe), es wäre schon ein' Schoh (Stunde) darnach," warf Bärl Lederer wieder dazwischen. Reb Srohl aber sagte: „Wenn er noch nicht drinnen ist, wird er hinein kommen. „Schemboruchhu" (Gott gelobt sei er) soll mir so fürwahr das Genedem (Paradies) geben, als wie er ihm das Gehennem geben wird. Er wird brennen und braten!" „So könntest Du höchtens sagen," verbesserte Reb Schimme weiter, „er ist ihm im Gehennem hinein vorgesprungen/ „Ich bedank' mich für so ein Vorsprung," sagte Berech Krupp lachend. „Und," setzte Reb Schimme fort, „sie haben nur ihre Rollen umgetauscht. Im Leben ist der eine der Borspringer gewesen." „Zerspringen soll er." sagte Bärl Lederer. „Und in den Tod," fuhr Reb Schimme fort, „ist der andere der Vorspringer gewesen/ „Lass mich hören, Schwager," wendete sich Salme Glaser plötzlich an Bärl Lederer, „ob Rösele auf den Docter auch so eine „Sinne" (Hass) hat, wie Du?" Dies war gleich wieder für Berech Krupp ein gefundenes Fressen. „Gemeint hat man/ sagte er, „Rösele wird Gumpels Tod nit überleben können; bis jetzt ist sie noch nicht gestorben!" „Erst muss man Dich hinaustragen und muss mit Dir laufen," schalt Bärl Lederer. Berech ließ sich aber dadurch nicht irre machen und fragte: „Habt Ihr sie schon gesehen um Gumpel eine Trähr (Thräne) vergießen." „Die „Makes" (Plagen) sollst Du haben/ sagte Bärl Lederer. „Und weißt Du auch," nahm Salme Glaser wieder das Wort, „dass sie um den Todten geweint hat.? „Tommer" (vielleicht) hat sie über den „Lebendigen" geweint!" „Man mög' über ihn weinen, denn er hat die Khille versündt," sagte Bärl Lederer; Chawele Spazierstöckel zupfte verstohlen ihren Mann am Rocke, wie zum Zeichen, dass er davon aufhören sott. Salme Gloser aber sah fein | Weib mit einem niederschmetternden Blicke an und sagte:' „Willst Du mich „lernen", was ich zu thun und zu reden Hab'; ich muss jetzt gleich wissen, was ich von der Sach! zu halten Hab, und ob man dem Schwager Reb Bären sein' „Zidkes" (Frömmigkeit) mit Geld e weg halbieren kann, wie man sich den Bart halbiert." (Fortsetzung folgt.) -— J|ei eioei3 Wi'sAe ==- erhalten gegen massiges Honorar Kinder über die Ferien liebevolle Behandlung. — Auch Nachhilfe durch einen Oberrealschüler (VII.). Gefällige Zuschriften erbeten an Katharine Redlich, Göding, Wassergasse Nr. 6. Demnächst erschein;: Die Wem DWe Me. Gm Kochbuch für das jüdische Sans von Ernestins Wilhelm. Enthaltend über 600 Reeepte der beliebtesten 5peifen unter strengster Beobachtung der jüdisch-rituellen Uiiche. Da ein Modibud} dieser Art noch Nicht existiert, ist das IDerf für jüdische grauen und Uiädchen ülrernUS nützlich. Der ftreis des Buches wird sich auf circa 3 Kronen stellen. (Gebunden in Leinenband 5 Kronen.) Bestellungen auf das Buch werden jetzt schon?ntgegengenommen in der Administration des „Jüdischen Volksdlaktes" und bei Frau Ernestine Wilhelm, Schriftstellerin, Wien, vm., Lrnaugaffe 5. Telephon Nr. 12485. Hotel „BAYRISCHER HOF“, II., Taborstrasse 39. Von Mittwoch den 10. Juli an: Täglich grosse Vorstellungen unter der Direction FRANZ BÖHM. Gastspiel des bertihmton Singspiel-Ensembles QimpeS aus Lemberg. Engagim-to Mitglieder: Damen: Frl. Anna Grlin, Frl. Stefanio Steif, Fr. Karlik, Frl. Mahler, Frl. Streng, Frl. Mayor, Frl. Mandl, Frl. Diller, Frl. Dörfler, Frl. Lax. Herren: Dir. Franz Böhm, Josef Eskreis, Karl Silber, Sem. Zuckerberg, Julius Fessel-Gasting, Max Streng, Liebgold, Karlik, Saldier, Roth, Rawner. Regisseuro: Herren Karl Silber u. Josef Eskreis. Kapellmeister: Herr B. Rudolf!. Impresari!: Herren J. B. Gimpel u. Sigmund Lifczyc. Socrctür: Herr Jul. Fessel-Gasting. Um 7,10 Uhr: Das Meisterwerk Goldfadens - -.—-- BAR-KOCHBA —^ -= Anfang 8 Uhr abends. Cussa-Eröffnung um l/37 Uhr abends. Preise der Pllitze: Balkonlogo (Mittel filr <’> Personen Kr.l 4.— Logensitz (Mitte) Kr. 2.dO, Fremdenloge für (> Personen Kr. I I.—, Logensitz Kr, 2. '0, Seitenlogositz Kr. 1.20, Parterreloge für 6 Personen Kr. 9.—, Logcnsitz Kr. 1.60, Orchestersitz Kr. 2.40, Parkettsitz Kr. 1.00, Parterresitz Kr. 1.20, Seitonparterresitz Kr. 0.00. Tagescassa und Vorverkauf: Cafe „Urauin“, II., Taborsfrasse 21, Telephon 1 '016; 'hei der Tagescassa im Hotel „Bayrischer Hot“, II., Taborstrassse 80, von 9 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags und bei Herrn Josef Czepiczka, Theaterkarten- Bureau, I., Führichgasse 9, Telephon 70:0. Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. T paEiüiifistexeiia In unserem Verlage erschien: v '4 | | f i ff Gesänge?. Börries Freih. y. Münchhausen mit Zeichnungen von E* Hi. Li2i@än; Preis in Original-Einband M. 3.—. Preis der numerierten Ausgabe auf echt Chinapapier M. 25.—. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. F. A. Lattmann Verlag, Goslar. Bucbdruckerei „Industrie Wjey, PWj. Telephon,ä.„s. 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