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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Date
1901-07-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt * 12. Juli 1901 Nr. 28 ein Verbleiben jüdischer Kranken in einem solchen Tuberculoseheim ganz zwecklos, da ja die Kost bei der Heilung dieser Krankheit eine ganz bedeutende Nolle spielt. Es ist ja nicht anzunehmen, dass der mährische Landtag für jüdische Kranke ein eigenes Heim errichten werde, obschon die Tubercnlose eine große Anzahl non Opfern sich unter unfern Glaubensgenossen aufsncht. Hier und bei jeder Gelegenheit bethätigt sich der Ausspruch Bileams: "svnrv >6 di?,, Ta beißt es nur an Selbsthilfe denken. In Mähren gibt es gottlob eine verhältnismäßig große Anzahl bemittelter Juden, welche, wenn man an dieselben herantreten würde, gewiss ihr Möglichstes dazu beitragen würden, um die Gründung einer jüdischen Heilstätte für Tubereulose zu ermöglichen. Ist es doch gelungen, in Brünn einen Freitisch- Verein zu gründen, woselbst jährlich über 120 jüdische Studenten mit einem Kostenaufwandc Non 20.000 fl. verpflegt werden; warum sollte es also nicht denkbar sein, für Kranke ein Heim zu schaffen, woselbst dieselben ihre Gesundheit und frühere Kraft erlangen können. Die Glaubensgenossen unseres Landes müssen alle ihre Kräfte anspannen, um dieses Unternehmen zustande zu bringen. Der Parteistandpunkt, die verschiedenen Religionsanschauuugen müssen verschwinden, Orthodoxe und Reformer müssen sich die Hand reichen, sie insgcsammt müssen zeigen, dass sie sind; gilt cs doch, Kinder ihren Eltern und umgekehrt zu erhalten, ihnen neue Lebenskraft und Arbeitsfrendigkcit zu verschaffen, und dein langsamen, aber sicher daherschleichenden Tod seine Beute zu entwinden. Eben ist vergangene Bock"' in dem in Amsterdam erscheinenden jüdischen Centralbla lte ein Aufruf, unterzeichnet von sämmtlichen holländischen Nabbinen, erschienen, in welchem gleichfalls um milde Gaben gebeten wird, um die Gründung eines Tuberculose-Heims zn ermöglichen. Wir sind überzeugt, dass lmsere Zeilen nicht auf sterilen Boden fallen und den maßgebenden Kreisen Ansporn zum Jnslebenrufen der erwähnten Anstalt geben werden. Prag. Unter den von S. M. dem Kaiser anlässlich der Prager Reise Ausgezeichneten befinden sich folgende Glaubensgenossen: Es erhielt den Adelstand der Groß-Industrielle Josef Jivvald; das Ritterkreuz des Leopold-Ordens Hofrath Universitäts-Professor Dr. Alfred Pribram; das Officierskreuz des Franz Josef-Ordens der Sanitätsrath Dr. Theodor Altschul und der Fabriksbesitzer und Großhändler Mar Kahler; den Orden der eisernen Krone kaif. Rath und Präses des deutschen Handelsgremiums Otto Forschheimer und Professor Philipp Pick; den Franz Josefs-Orden Fabriksbesitzer Emanuel Grab. M.-Kromau. (P e r s o n a l n a ch r i ch i.) Am Sonntag den 28. Juli findet die Trauung des Fräulein Henriette Blum, Tochter des Herrn Josef Blum, mit Herrn Jacob Bauer aus Königsfeld im israelitischen Tempel zu M.-Kromau statt. Lemberg. lV o l k s z ä h l u n g.) Nach den jetzt bekauntgegebenen Feststellungen der vorjährigen Volkszählung leben in Galizien unter insgesammt 7 317 033 Einwohnern 810 8-16 Juden, d. i. 11 Percent, während es vor zehn Jahren 770 468 unter 6 607 816 — 1 iy2 Perccnt waren. Während unsere Glaubensgenossen sich von 1800—1900 nur um 5*/4 Percent vermehrten, hat die christliche Bevölkerung Galiziens um 10 Percent zngenommen. Der Grund liegt vorwiegend in der Altswanderung, welche auf mindestens 40 000 Köpfe geschätzt werden kann. Zborow. (C u l t u s v o r st a n d s w a h l.— S ch u l s ch l u s sfeier.) Mittwoch am 9. d. M. fand hier die Cnltnsvorstandswahl statt, bei welcher die Wählerschaft sich in zwei sich schroff gegen einander stehende Lager theilte. Nach einem harten und erbitterten Wahlkampfe beiderseits gelang es unserer. Gemeinde 16 biedere, ruhige und friedliebende Bürger in den ersten CultuSrath zu entsenden. Das Bclvusstsein, dass es in unserer Gemeinde keinen Nährboden für Zwietracht und Parterkämpfe gibt, ermuthigt uns zu der berechtigten Hoffnung, dass unsere leider jetzt durchwühlte und z"rklüfrere Geineinde doch zur Einsicht gelangen wird. In einer Zeit, wo wir zur Abwehr des äußeren Feindes genug mrd sogar übergenug zu thuu haben, sollten wir doch im eigenen Lager den so theueren Frieden zu erhalten wissen, damit cs nicht heiße: Deine Zert'lüftcr und Zerstörer gehen ans Deiner eigenen Mitte Herbor. Hoffen wir, dass unsere friedliebenden und besonnenen Bürger, die seit jeher im Frieden ihren Hort mtd Schutz erblickten, auch für die Folge mit „vereinten Kräften" zum Wohle unserer Gemeinde und zur Ehre unseres Stammes Mitarbeiten werden. So walte cs Gott! Sonntag am 7. ds. fand in der hiesigen Baron HirsckstStifiungsschule unter Theilnahme der jüdischen solvohl als auch der nichrjüdischen Bevölkerung unserer Stadtgemcinde die Jahresprüfung starr. Unter den erschienenen Gästen waren auch unser Bürgermeister Herr WladislanS Raciborski, der als Delegat des Zlorzower Bczirksschulrathes bei der Prüfung den Borsitz führte, der k. k. Notar Herr Znbek und viele andere Honoratioren unserer Stadt zn ersehen. Die Prüfling fiel ggläuzend und über alle Erivartung zufriedenstellend ans. Die geprüften Kinder zeigten eine frappante Fertigkeit in allen Gegenständen und antworteten ans alle an sie gerichteten Fragen corrcct und verständnisvoll. Besonders ivareu die hebräischen, polnischen und deutschen Teclamationcn soivie der vom Schulleiter Herrn Isidor Gczelt geleitete Gesang gewählt mib frappierend. Nach der Prämiierung und Elassisication der Schüler sprach der Vorsitzende Herr Bürgermeister Raciborski dcm Schull-'itcr für die vorzügliche uub musterhafte Leitung der Schule, sowie deui gesammten Lehrkörper für seine rastlose und ersprießliche Arbeit aus dem Felde der Jugenderziehung im Namen des t. t. Bezirkssthulrarhes seinen Dank in beredten Worten aus und versicherte das schöne Resultat der Prüfung Höherenorts zur Kenntnis zu bringen. Halirz. (Der Einfall eines k l e i n st ä d t i s ch e n Bürger in eiste r s.) Bei der am 2. Jllli stattgefundcuerr Gemeinderathssitzilng versuchte unser Bürgermeister, ein russisches Jnventarstück, eine Art Koscherfleischtaxe in unsere kleine Gemeinde einzuschmnggeln. Er proponierte nämlich, zum Zwecke der Vermehrung der städtischen Einnahmen, die Errichtung eines städtischen Schlachthauses für rituell geschlachtetes Geflügel und die Enthebung einer Gebür oder richtiger Ungebür, deren Höhe einem späteren Gemeinderathsbeschlnsse vorznbehalten sei. Dank der entschiedenen Opposition der jüdischen Geineinderäthe wurde dieses Vorhaben vereitelt. Diese unbefugte Einmischung unseres Bürgermeisters Herrn Michael Sawicki in. jüdisch-rituellen Angelegenheiten verdient öffentlich gebrandmarlt zu werden. Rymanow (Der Antisemitismus in den Curorten Galiziens.) Der allgemein bekannte Antisemitismus der galizischen Schlachzizen prägt gerade deu galizischen Curorten, wohin das Gros der jüdischen Kranken zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit kommt, fein abscheulichstes Merkmal auf. Genug bekannt sind die Judcuhetzercien und die persönlichen Angriffe voir Seiten der Directiouen der Cnrorte, wie Szczawnica,Zegiesto>v u. a. Allein um nur ein Bild der bedauernswürdigen Verhältnisse, in welchen die jüdischen Kranken einerseits und die Kleinhändler andererseits leben, zu geben, würde es genügen, das Bad Rymanow, ein Eigenthum des Reichsrathsabgeordneten Grafen Johann Potocki anzuführen. In dem erwähnten Cnorte, welcher unter dirccter Verwaltung des Grafen Potocki steht, rufen selbst die gemeinsten Judenverfolgungen teure Verwunderung hervor. Das Besuchen der währerrd der Badesaison veranstalteten Feste, Bälle usw. ist selbst der jüdischen Intelligenz verboten. Der Provocationcn durch „Saujnde", „Schweinjude" und dergleichen Nachrufen gibt es aitf den öffentlichen Spazierstraßeir kein Eirde. Nicht einmal geschah es, dass antisemitische Studeirtenscharen, welche in ganz bedeutender Anzahl während der Ferienzeit in Bad Rymanow weilen, angesehene Rabbiner durchprügelten und eine Katzenmusik beranstalteterr. Den armen Kleinhändlern wiederum, welche sich erlarrben, meint auch bloß in beit jüdischen Kreisen, zu hausieren, geht cs noch ärger. Die Wache über diese Armen führt der Graf Potocki in seiner eigcneil Person aus. Dieser Mann, der in seinem Cnrorte ein Wojewoda in den Zeiten des früheren Königreichs Polen zu sein glaubt, scheut nicht, selbst die gemciirstcn Maßregeln gegen diese Armen irr Anwendung zn bringen. Ausland. Berlin. (Jüdische Künstler.) Auch in der diesjährigen „Großen Berliner Kunstausstellung" und in der „Secession" sind unsere Glaubensgenossen in stattlicher Anzahl und mit meisterhaften Darbietungen vertreten. In der lcistcren begegnen wir Bilder des holländischen Meisters Jozef Israels und seines Sohnes Jzaak, Max L i e b e r m a n n s. Jacob N u s s b a u m s, Engen S v i e r o s und andere. In der „großen Kunstausstellung" fesseln ganz besonders die Darbietungen Hermann Strucks, namentlich die geradezu meisterhafte Radierung des Kopfes eines polnischen Rabbiners, welche durch die Feinheit der Ausführung, wie durch die charakteristische Naturtreue jeden Beschauer zur Bewunderung hinreißt. (Eine Neproduction ist kürzlich im „Weltspiegel" erschienen.) Von den sieben ferneren graphischen Werken des jugendlichen Künstlers, der, von Erfolg zu Erfolg fortschreitend, schon heute einen klangvollen Namen sich erworben hat sei das reizende „Garbenfeld" hervorgehoben. Unter den Malern begcnen wir folgenden Glaubensgenossen: Max Fabian, Johanna E n g e l, Nathan Sichel, Max- Ster n. Der Bildhauer Max Klei n ist mit einer Bronze - Statue, des kraftstrotzenden Simson vertreten, welche weitaus zum Besten gehört, was der diesjährige „Salon" bietet. München. (Statistisches.) Das Königl. bayrische statistische Amt veröffentlicht die Ziffern der Bevölkerungs-Betvegnng in Bayern während des Jahres 1899, denen wir nachstehende unsere Glaubensgenossen betreffende Daten entnehmen!: Es wurden geboren lebend tobt 1. Ans rein jüdischen Etzen 916 28 2. Ans Mischehen: Mutter katholisch 18 „ protestantisch 19 „ sonst christlich Vater katholisch 8 „ protestantisch 8 sonstig 1 2. Uneheliche Kinder 17 4 Zählt man die Hälfte der Geburten aus den Mischehen als jüdische, so ergeben sich 969 Lebend- und 82 Todt-Geburten. Dagegen starben i. I. 1899 im Ganzen 740 Juden, so dass eine rechnungsmäßige Vermehrung von 219 Seelen verbleibt, gleich einer Zunahme von 0,4 Percent, während dieselbe Ziffer bei den .Nichtjuden 1,2 Percent erreicht! Ehen wurden geschlossen 1. Nein jüdische 416 2. Mischehen Mann jüdisch, Frau katholisch 8 „ jüdisch, Frau protestantisch 7 „ katholisch, Frau jüdisch 8 „ protestantisch, Frau jüdisch 10 „ sonst christl., Frau jüdisch 1 Die Ziffer der Eheschließungen ist nicht so ungünstig,!vie die der Geburten; vielleicht dass sich auch die Geburtenziffer dadurch allmählich hebt. Gegewvärtig ist das Verhältnis in Bayern noch ungünstiger als in Preußen und der Bevölkerungs-Zuwachs so gering, dass derselbe durch Auswanderung und Austritt aus dem Judenthum fast ganz aufgehoben wird. Petersburg. Die Austreibung der Juden aus Transbaikalien, welche luit dem 1. April ihren Anfang genommen hat, Ist auf Verwendung von einflussreicher jüdischer Seite vom Minister des Innern, bis die Frage des Aufenthaltes der Juden in Sibiricit gcsrtzlich geregelt sein wird, sistiert worden. Das Eingreifen der Centralregiernng ist übrigens nur derr Juden des Gebietes bou Streetjeusk zugute gekommen, während die Juden aus dein Gebiete von Werchuoudinski bereits vor April ihre. Heimat verlassen haben müssen. Die Herren Tschinowniks haben es da furchtbar eilig gehabt, und so konnte der Schaden nicht wieder gutgemacht werden. Petersburg. (W i ch t i g e S e n a t s - E n t s ch e i d u n g e n.) Irr der letzten Zeit sind eirrige Senatsentscheidungen bekannt geworden, die von großer principieller Tragweite sind. Zwei von ihnen richten sich gegen den berühmten russischen General Dragomirow, der als Generalgonverneur von Kiew sich merkwürdig oft im Gegensatz zum Senat befindet. Eines seiner jüngsten Brabonrstückchen war die Ausweisung der Juden aus den — jüdischen Colonien. Der tapfere General, welcher in Ermangelung eines andcn, gefährlicheren Feindes einstweilen sich die Zeit mit der Bekämpfung der Juden vertreibt, war der Ansicht, dass die jüdischen Colonien ja unbestreitbar. Dörfer sind, in welchen nach denr Wortlaut der Maigesetze den Inden der Aufenthalt verboten ist. Es bedurfte einer Belehrung des Senats, um ihm die Ueberzcngnng beiznbringen, dass die jüdischen Colonien keine Dörfer im Sinne der Maigesetze sind. Ein zweite Zurechtweisung hat sich der Generalgonbernenr von Kiew zugezogen, als er den Städten Kamenetz und Hasjin, im Gouvernement Podolien, verbieten wollte, ihre in großer Entfernung von der Stadt liegenden Ländereien an Juden zu verpachten. Die Behörden begründeten ihr Verbot damit, dass diese Ländereien so weit von der Stadt entfernt liegen, dass sie. weder als Vaunoch als Weideland benutzt werden können und daher als plattes Land betrachtet werden müssen, welches die Juden weder kaufen noch pachten dürfen. Die gegentheilige Entscheidung des Senats ist für die Juden insofern von enormer Wichtigkeit, als zahlreiche Städte des Ansiedlnngsrayons ausgedehnte, aber sehr entfernt von der Stadt liegende Ländereien besitzen, welche die Juden nunmehr pachten können, um Getreide, Gemüse und Tabak ans denselben zu bauen. Kiew. (A u s w e i s u n g e n.) Seit Erscheinen der unseligen Maigesetze herrscht zwischen dem Tschinownikthum hier und zwischen den hiesigen Inden ein stiller, aber überaus erbitterter Krieg. Mitten im Ansiedelnngsrayon gelegen und weit und breit von einer nach Hunderttansenden zählerrden jüdischen Bevölkerung umgeben, ist die heilige Stadt Kiew durch die Maigesetze dennoch für die Juden zn einen! Pflänzchen Rührmichnichtan gemacht worden, zn einem Platze, der nur von eitrigen wenigen anserwählten Juden betretcrr werden darf. Da jedoch sämmtliche Städte, Städtchen und Dörfer um Kiew, ja selbst die Vororte dieser Stadt selbst voll Jnderr sind, so haben die armen Tschinowniks leider eilten gar zn schweren Stand. Um sich die immer wieder mtd wieder in das Centrnm der heiligen Stadt eindringenden Inden nur einigermaßen vom Halse zn halten, müssen sie schon von Zeit zn Zeit Razzias veranstalten, alle verdächtigen Inden, die sich nicht sofort legitimieren können, einstecken und diejenigen vorr ihnen, welche so tlirvorsichtig warcir, sich irächtlicherweile in gelvisscn Straßeir der Stadt erwischen zu lasscrt ,in ihre häufig nur wenige Kilometer entfernte Heimat abznschieben. Eilte solche „Menschettjagd" wurde am 2l. und 22. Mai veranstaltet. Dieselbe war überaus ergiebig, indem nicht weniger als 366 Juden eingebracht wurden, welche, ohne das mindeste Recht dazu zn haben, heimlicherweise sich im Centrnm von Kiew anfgehalten haben. Die AbgcfasStcn wurden ins Polizcigewahrsam gebracht lind abgeschoben, während ihre jüdischen Quartiergeber wegetr „Begünstigung" strafrechtlich verfolgt werden solletr. Das gläitzende Ergebnis dieser Razzia hat deit Herrn Gouverneur von Kiew ans den Geschmack gebracht mrd ihn veranlasst, den Vorständen der Polizeireviere zu „empfehlen", solche Razzias „möglichst" oft zn veranstalten. Die Herren Pristaws werden sich das nicht zweimal sagen lassen. Solche Jndeitjagdert machett höllischen Spass und bringen auch etwas in die Tasche. Ferner wurden die Nevicrvorstände angewiesen, ein Verzeichnis aller in den Kicwer Chantants beschäftigten Inden und Jüdinnen, vom Kapellmeister bis herab zn den jüdischeir Kellnern, cinznreichen nird dafür zu sorgen, dass diese Personen beileibe nicht in Kiew selbst, sondern nur in dessen Vorstädten wohnen. Die armen, vielgeplagten ReviervorständeI Wir fürchten sehr, dass sie in Kiew vor den znringlichen Inden rricht eher Ruhe haben werden, bis sie die heilige Stadt mit einem Gitter ans Stacheldraht ntnzännt haben werden. Odessa. (I ü d i s ch e P r o d u c t i v - G e n o s se ns ch asten.) Der bekannte Organisator des russischen Genossenschaftswesens, N. B. L e w i t s k i, ein edler Christ, der ohne Unterschied der Religion Inden und Christen die gleichen uneigennützigen, menschenfreundlichen Dienste erweist, hat an den Gewerbe-Jnspeetor des Kreises Cherson einen Bericht erstattet. Darnach sind unter seiner Mitwirkung im Herbste 1900 im Gouvernement Cherson 32 Genossenschaften mit 700, in diesem Jahre 9 Genossenschaften mit 800 Mitgliedern entstanden. Von diesen 41 Genossenschaften sind nicht weniger als 30 rein jüdische. Daneben hat sich in der Colonie Romanowka unter Mitwirkung des rührigen Kronrabbiners Dr. K r e b s eine landwirtschaftliche Genossenschaft gebildet. Es ist das unseres Wissens die einzige derartige jüdische Genossenschaft auf Erden, und verdient sie schon aus diesem Grunde besonders hervorgehoben zn werden. Der Genossenschaft sind vorerst zehn Colonisten beigetreten. Smyrna. Die im November 189» von der „Jca" in der Nähe von Smyrna errichtete, 2587 Hektar umfassende Mnsterfarm „Or Jehuda" verspricht, nach dem Muster der verwandten Institute der „Alliance, israclite" bei Jaffa und Djedeida eine vorzügliche Anftatt zur Erziehung jüdischer Ackerbauer zn werden. Dieselbe har Raum für 200 Zöglinge, beherbergt gegenwärtig jedoch erst 30. DaS Areal, welches noch vor zwei Jahren eine Wildnis tvar, durch die man sich mit der Axt in der Hand den Weg bahnen ntusste. ist mit Hilfe jüdischer Arbeiter unter Leittmg des Herrtt «saporta in bebautes Land verwandelt worden. Die fleißigen Arbeiter waren russische Inden, die im Jahre 1882 nach Sutyrna kanten, wo sie trotz aller Mühe, welche die Alliance sich mit Ujttcu gab, auf keinen grüiten Zweig kommen kotrnten. Jetzt siitd sie versuchsweise in Qr Jehuda angsiedelt worden, ivo sie sich durchaus als geschickt er^ weisen. Bor einiger Zeit ist die Farin vom Vati von Smyrna, Kiamil Pascha, besucht worden, der sich über die Einrichtungen und die Leistungen derselben auf das Anerkennendste äußerte. Algier. Max R e g i s, der Maire von Algier, erklärt in einer Zuschrift an den Präfecten Lutcmd, er lege sein Amt nieder. Er soll sich plötzlich dazu entschlossen haben, .weil der neue General-Gouverneur R e o v i l ihm nicht nach Wunsch entgegenkam, und weil er hofft, seine Anhänger werden die Gemeindewahlen, die sein Rücktritt nach sich zieht —- der Maire muss nach gesetzlicher Vorschrift von der vollzähligen Gemeindevertretung gewählt werden — benützen; um für ilm zn wählen. Er dürste sich auch frei gemacht haben, um rücksichtsloser gegen den Präfecten Lutand, seinen Feind, Vorgehen zu können. Ferner heißt es, der Ausfall der Generalrathtzwablen vom 30. Juni habe Max R e g i s Verstimmt, weil die Antisemiten in Algier sämmtlich nnterlagen; er halte es daher für geratben, seine Kräfte zu sammeln und einstsveilen sich aller officiellen Bande zu ent? ledigen. Anatolien. Bekanntlich sind in deti letzten Jahren von.bulgarischen und rumänischen Inden in Kleinas'en vier Colonien, Kesten, Bajlik-Ahour, Sazelar mtd Dapken, begründet worden. Die erstgenannte ist wegen der Nähe fiebererzeugender Sümpfe von ihren Begründern bereits wieder berlasseit, mtd die verödeten Häuser der Colonie werden ans Abbruch verkauft. Dagegen wird die Colonie Bajlik-Ahour entgegen den bisherigen Meldungen, erhalten bleibett. Die Jewish Colonizalion Association hat beschlossen, die bereits aufgegebene mtd von dem größten Theit ihrer Einwohner verlassene Ansiedelung aufrecht ztl erhalten mtd unter Leitung eines tüchtigen Oekonomen ans Grund gaitz neuer Prittcipien zu reorganisieren. Zu diesem Beschlüsse dürften die erfreulichen Erfolge eynuthigr haben, welche ein Berlitter Privatinattn (Prof. Marburg) mit zwei anderen Colonien in Kleinasien, mit Sazelar und Dapken. erzielt hat. Diese beiden Colonien mit zusammen -10 rumänischen Familien wurden von jetiem Privatmantte ans eigenen Mitteln mit je 1200 Frattcs pro Familie mtterstützt, und es darf zuversichtlich gehofft werden, dass sie in nicht ferner Zeit völlig selvständig. ja sogar imstande sein werden, die Vorschüsse zurnckzuzahlen. Man rechnet noch ans einen weiteren Aufwand von höchstens 800 Frcs. pro

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