Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432891--1066-2434783- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Juli 1901 Nr. 27 ger dagegen ist die Beschaffung des Wassers für Menschen und Vieh.j von den Deutschen noch zum Anlasse einer Auseinander- Zu dem Bchufe fängt man bereits an, von den Quellen der Nachfc-tzuna im Vereine selbst werden, und cs wäre zu wünschen, bötotic ^er Sltaffcr bcjicljcit itub bic ©iitcrncn AU füllen. Uniuill^ . huvcbbvintii btifS bl? iV?rt?iiCöIoni? (nin fitrlici) wird man dabei an die Worte Amos' (4, 8) erinnert: .'Es/venu ow ^npa)l oura-ormgr, oafS me ^ruencownie tum zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, dass sie Wasser trinken die Ernchlung einer solchen Jnstltutlott handelt es sich, möchten, und konnten es nicht genug finden.". Die Bewohner des D. R.) n u X von Angehörigen unseres deutschen Volkes er- Dorfes Lifta verkaufen den Ziegenschlauch Wasser (80 bis 40 Liter) Volten llllb benützt lverde. — D i e V c r e i n s l e i t u n g, um 20 Pfennig, ein verhaltnismaizlg geringer Prew. der lich hier < : - 8 t s cki o n Kreisen liin Jerusalem etwas höher stellt. Des Waßermangels wegen hat die , p 11 J 11 ni ö L, " > ch t n itl C 1] 11t | C Y r v e l 1 e 0- " 1 t e n P e r s o n l l ch k e l t e n besteht, wird dann Regieruiig die Sistierung fast sämmtlicher Bauarbeiten angeordnet. Aus demselben Grunde sahen sich die groszcn Dampfmühlen von Bergheiui und Feingold veranlasst, ihren Betrieb einzustellen. Unter dem Eindruck der diesjährigen Erfahrungen hat unsere Stadtbehörde sich wieder eifrig mit dem Plan einer Wasserleitung von den etwa 5 Stunden südwärts gelegenen Quellen des Wadi fllVufi Tii’ivf tniinMif SiM* (^itTfrtrr hif' flrtThtfiP Arub beschäftigt. Wie man Herstellung derselben, uiid habe tretenen Staaten namhafte Beiträge dafür gezeichnet a u ch g e w i s s d e r Z u st i m m u u g aller j ü d is ch e n K r e i s e gewiss fein u n b e s u it s a u ch nicht ü b e l u e h m e il, w e n n lv i r d i e I n t e re s s e u des D e u t s ch t h u nr s vor allem g ehört, wünscht der Sultan die baldige . w a h r t W i s s e N W 0 l l e N." ben er und d,e Eonsuln der hier ver- Jawohl, lvir stimmen diesmal mit der „Deutschen mehr Geld flüssig zu machen, gedenkt man, den Stadtgarten und Wehr" llberem. Auch wir.wünschen Nichts sehnlicher als die Plätze am Gichon-Teich zu verkaufen; aber die zur Ausführung; das Fernbleiben der Judeii von deutscheii Festen, aus dem des Werkes nöthige Summe lvird damit noch^lange nicht beisammen i einfachen Grunde, lveil sie dort nichts zu suchen haben. Jcrn. (Sine^Simuariffmtjmc iioci, m tacn. kommet toare «>"? ™ ®ic wolle» nichts sehnlicher alz die Herbeiführung, die Inte re e der armen Landbevölkerung ehr zu lvunschen, da sie hier- . .. . I J ' ’ .*■ rL / ff . . bei Beschäftigung finden könnte. Das Bauverbot, welches bereits Realisierung dieses froiNNien L-UIifches. Daliiit wollen wir auf den Geschäftsgang solcher Firmen, die im Hausbau zu verwen- > nichts Schlechteres, aber auch nichts Besseres, als dass die dende Artikel führen, stockend wirkt, drückt insbesondere die um-1 J^den auch als solche handeln. Es genügt nicht, in internen liegenden Dörfer, deren Bewohner bisher vielfach als Bauleute. (M.pr^vrMlr dass Mali Jude im H 6 res — wie unser seliger Verh vor drei Jahren auf einem Conimcrse uiiter tosendem Beifalle betonte — t seiii. Weuigsteiis hat mail alles zu untereigenen Bruck oes Wagerteltungshayns eryalren lanii. «llngiuut: gbi Widersprüchen reizt. WeliN schoii keine Actigeht es aber doch da und dort voran. Von der zwischen Jerttsalem' vität, so kömicn lvir von unserer jüdischen Jntelligeilz zu- und Nabulus, dem alten Sichen», geplanten Stratze ist die Bheil- O^odest Passivitätspolitik unbehelligt verlangen, strecke bis el-Bire in einer Lange voii 8 Stundeii fertiggestellt, des^ f{., U, . J c r r r* -cl rc r1 gleicheil führt eine solche vorl den Teichen Emtomos nach llrtas ab. i Ein oft lviederholter und sehr beliebter Entschuldi- In Jericho ist seit kurzem eine türkische Postagentur errichtet, und . gUUgsgrlUld bietet beim Besuche dclltscher Feste das inhaltsso konnten wir bei unserem diesjährigen Frühjahrs-Ausflug in die schwere und existenzbcdingende Wörtchen „g e s ch ä f t s- Ä ÄÄ ÄÄ % SÄ .h°l b.-s. In. fmg-n wir, beschäftigt dns jüdischo Pnblischewa) ist ein Kaimakam (Gouvemeur 8. Ranges, installiert worj cum mcht gerade so gut bte zudgchen Aerzte, Advocaten, den, in der Absicht, die Herrschaft des Sultans weiter auszudehnen, j usw. llsw. wie das christliche? Und darum — abgesehen die Beduinen gefügiger zu machen und befriedigendere Auskünfte Uoin nationalen Standpunkte — Wenigstens gleiches Recht zu erreichen. Es kann nicht verhehlt werden, da,s rn den letzten i-.. nuickiti'u iirfi Jahren unter dem Gouvernement des im Jahre 1808 hierher ge- >m ^aUtniofljtui |1Ü) kommenen Muksarrif Tanfik Pascha manche Fortschritte gemacht worden sind; umsomehr tvird deshalb seine heute bekannt gewordene rasche Abberufung bedauert. Seine Beförderung zum Mali (Statthalterl von Saloniki ist ein Beweis dafür, dass auch in der Türkei und Tüchtigkeit eines Beamten noch ihre Anerkennung Energie finden. Asiimtlantenpolttik. (Original-Correspondenz des „Jüdischen Volksblatt".) Mäh r.-O st r a u, Ende Juni 1901. Es gibt zwei Arten von Kritik und Satirik: die zersetzende und die einigende. Die erstere ist nur für revolu-. , tionäre Geister und Individuen zu brauchen. Die lchtere säubert und läutert, ohne zu demolieren, einzurennen und Breschen zu schlagen. Während die eine Art von Kritik in meist böswilliger Weise von den Angehörigen fremder Na-? tionen gehandhabt wird, ist diese auf Einsicht seines Jchs i und Selbstbesserung gerichtet. _ i Und dem letzteren Atotive entspringt es, weim ich von einem unsanften Rippenstöße, und einer unmäßigen Bloßstellung der hiesigen jüdischen Intelligenz erzählen w i l l. Der Beskiden-Verein gibt ein Sommerfest. Die Juden besuchen es. Warum nicht? Was kümmert es gewisse Doctoren und Banguiers, dass es vor zwei Wochen ein jüdisches Gartenfest gab, wo sie durch ihre Abwesenheit glänzten, um nicht mit der Plebs beisammen zu sein. Warum sollte man den „Beskiden-Verein, Section Mähr.-Ostrau" nicht unterstützen? Er hat ja in seinem Titel nicht eimnal das Wörtchen „deutsch"? So klagen in ihrer Naivität unsere Glaubensgenossen. Was kümmert sie. wenn vor dem Eingänge des Festgartens „Deutsches, Haus" zwei mächtige schwarz-roth-goldene Fahnen wehen, zum Zeichen, dass Ostrau in der Majorität czcchisch ist! Was schert sie, lvenn die Verkaufsbuden mit deutsch die „oberen Jehiltausend" merken. Wir lvollen mit der Wiedergabe obiger Thatsachen nichts Neues sagen, als das alte, aber ewig richtige: Nicht . nur im engbegrenzten Turnvcreinsraume das Judenthum; entdecken und es hervorkehren, sondern auch im öffentl liehen Sieben alles provocatorisch Angehauchte unter-! lassen, das dem nationalen und ehrlichen Charakter zuwiderläuft! Mögen diese bona fide geschriebenen Worte — wie eingangs erwähnt — Läuterung und Regeneration zur | Folge haben, auf dass die jüdische Intelligenz der zweit-; größten Gemeinde Mährens, jener Brünns, im falschen Eifer, Assimilanten-Politik zu treiben, nicht folgt. M. Eine „Aktion" für die rumänischen Juden. P a r i s im Juli. Als im vorigen Jahre die große Enligration der Juden aus Rumänien die Aufmerksamkeit Europas auf sich lenkte, erklärten die rumänischen Staatsmänner und die in ihrem Dienste stehenden Organe, dass nicht die in Rumänien übliche Verfolgungssucht dies verursacht hat, nicht die Rechts- und Schutzlosigkeit, in welcher die runiänischen Juden sich befinden, die Bewegung hervorgerufen hat, sondern die nnssliche ökonomische Lage des Landes, die seit zwei Jahren andauernde Missernte, unter welcher die ganze Bevölkerung zu leiden habe. Ja, die antisemitischen Blätter leisteten sich sogar die dreckte Behauptung, dass die Juden keine Patrioten sind, indem sie in einer misslichen Zeit, in welcher die ganze Bevölkerung leide, ihre Heimat im Stich lassen und andere Länder aufsuchen Jene aber, welche wussten, wie es mit der Stellung der Juden im Lande nationalen Draperien geschmückt sind, wenn nur ihr Geld; Rumänien bestellt sei, wie sie der Laune und Willkür des lächelnd-huldvollst angenomnien wird. Nun wäre anzuneh-! kleinsten Beamten ausgesetzt seien, gaben vielmehr ihrer men, dass lvenigstens die Deutschen — von jüdisch-nationaler Seite ist man ja das Nörgeln gewohnt — den stattlichen Besuch jüdischer Notabeln gutheißen, und das Geld der Juden mit Wonnegrunzen einstecken würden. Weit gefehlt! Den Mimen hierzulande flicht nicht einmal die Mit- Verwunderung Ausdruck, dass überhaupt noch Juden in Rumänien bleiben, dass nicht alle vielmehr den Staub Rumäniens von ihren Füßen schütteln. Inzwischen vcrgieng der Winter, unsere „Großen" befürchteten eine zweite große Juden-Emigration aus Rumäwelt irgendwelche Kränze. Die Juden blickten nach dieser! nicn, und so lud die Pariser „Alliance Jsraelite Universelle" mimischen Glanzleistung auf dem Gebiete der Verstellungs kunst erwartlmgsvoll um sich — doch kein „Bravo!" lässt sich vernehmen, kein „da capo". Die Deutschen hielten die Hebräisierung ihres rein deutschen Festes für eine jener Un-. verfrorenheiten, die diesen „Engländern des Ostens" eigen sind. Sie verbaten sich fernerhin die Wagner-Melodien' alle jüdischen Vereine zu einer Hilfsaction für die rumänische Judenheit. Die Londoner „großen" Juden ängstigsten sich vor dieser „Action", denn man könnte, befürchteten sie, die Juden aller Länder für eine einzige Nation halten und den Patriotismus der Juden anzweifeln. Nur widerwillig, um hinter den französischen Juden nicht zurückzuihrer Concerte durch Mauscheln 31t stören. Hören wir, was! bleiben, fügten sie sich in diese „Action", das in Troppau erscheinende Hauptorgan der hiesigen; Und sieh! Die „Alliance Jsraelite Universelle" kreißt Deutschen, die „Deutsche Wehr", ein Revolverblatt und gebiert — eine lumpige Vettelgabe! Die Versammkrster Güte, in Nummer 62 ihrer ständigen Rubrik lung beschloss Folgendes: Die eingerichteten Volksküchen „Mahr.-Ostrau und Umgebung", schreibt: „Der Untstand,; auch weiter zu erhalten, Verabreichung kleiner Unterstützun- und sagen wir auch die Ungeschicklichkeit des Ausschusses,der gen an die Handwerker in Form von Darlehen. Zu diesem unbedingt auch Jude n zur Mitarbeit herziehen zu müssen . Zwecke solle ein Aufruf an. die j ü d i s ch e G e s a m m t - glaubte, trotzdem diese hier seit langem s e l b st ä n d i g e heit erlassen werden, uni die nothtvendigen Mittel zu ver- 1 u d i s ch e V e r e i n e besitzen, hat die für solche Veran-' schaffen. staltungen nothwendige Begeisterung nicht aufkouum'n! Also, ein Almosen für die Aermsten der Armen! Und lassen, und kann Wohl auch eine spätere Mittvirkung uudas nennt sich „Action für die rumänischen Juden"! Und >C£CE SSctClllC; 6ct Clfynhdjen 33crcinftflltlinfjcn fclju rSvnnp! Sn:Mt Trmf&tn Wta Hsss?^»rrr" mtf rttihrwrtv stellen. Diesmal hat man an dem erwähnten tvcnig Anstand genommen, da, wie es auch vora war, die erschienenen Juden mehr aus Neugierde i?!) am man für hungernde Menschen Herrichten, vor einigen Bettelwesend waren, und die ins Comitee getvählten jüdischen franken, die man ifyncn verabreichen wollte. ^errcn upo Frauen nicht mitgewirkt haben, l!) Jedenfalls i Auch anderswo, nicht nur in Rumänien, gibt cs Anne, können dieje Extravaganzen bei der seit langem bAtchenden \ welche auf Volksküchen angetviesen sind und kleine Dar¬ und durchgeführten gesellschaftlichen Trennung der Juden lehen benöthigcn, aber eine derartige locale Wohlthätigkeit besorgen gewöhnlich die besser situierten Einheimischen und auch in Rumänien gibt es, wie anderswo, einige reiche Iw den, welche Derartiges zustande bringen könnten. Von einer „Action" von Seiten der Allianz, die sich dazu mit den Obmännern der bedeutendsten jüdischen Vereine verstärkt hat, verbunden mit einem „Aufruf an die j ü d i s ch e Gesa m m t h e i t" durfte man mit Recht ettvas mehr erwarten, etwas Getvichtigeres, Ernsteres! . . . Nicht der jüdische Arbeitslose allein, incht nur der jüdische Handwerker leidet, die Leidenden befinden sich überall, in Stadt und Land und in allen Schichten. In Rumänien leidet das Jlidenthum, selbst der Mittelstand (von den Reichen tvollen wir hier nicht sprechen) befindet sich, wo nicht in materieller, jicherlich in moralischer Nothlage. Für die rumänischen Juden muss ettvas in jüdisch-nationalem Sinne gethan werden, etwas Allgemeines, Großes und nur dann würde sich die „jüdische Gesammtheit" betheiligen. Tridiine. (Diese Rubrik sicht unseren P. T. Lesern zu gegenseitigem Memungsnstausch offen, ohne dass sich die Redaction mit den in derselben geäußerten Ansichten solidarisch erklärt.) Die Schädlichkeit der Eonsumvereine für den Detailhandel. Als einst ein hervorragender Abgeordneter in einer Versammlung von Kauflentcn befragt wurde, ob es denn kein gesetzliches Mttel gäbe, die Consnmvereine für den Detailhändler unschädlich zu machen, gab er folgende Antwort: „Was wollen Sie denn thun, meine Herren, wenn vier oder fünf Personen hergehen, sich zusammen ein Schwein kaufen, weil es für einen zu viel ist, wenn sie dann dieses Schtvein untereinander auftheilen, gemeinsam bezahlen und die Spesen unter sich verrechnen, das ist doch ein Vorgang, der vom volkswirtschaftlichen Standpunkte nur zu begrüßen ist und niemand schädigen kann. Ein anderes Beispiel: Wenn in einem abgelegenen Dorfe einige Bauern, und wenn sogar das ganze Dorf zusammengeht, sich von einem Fabrikanten in Mähren, Schlesien, Böhmen oder sonstwo in der Welt eine Kiste Leinwand, Bettzeug oder sonst etlvas, was sie alle im Haushalte benöthigen, und im Dorfe entweder gar nicht oder nicht in entsprechender Qualität und Preislage bekommen können, lvenn diese Leute hergehen, sich für gemeinsame Rechnung und Gefahr diese Waren anschaffen, nach Einlangen zum Anschaffungswerte unter sich vertheilen und die Spesen nach einerfrüher getroffenen Vereinbarung auf die Mitglieder repartieren, so kann auch an diesem Vorgänge wieder nichts ansgesctzt werden; cs ist dasselbe, Ivie mit dem Schwein, nur etwas complicierter; aber vom Volkslvirtschastkicheu Standpunkte kann gegen derartige, unter Umständen durchaus nothivendigc, oft sogar wirtlich gemeinnützige D i st r i b n t i v - Genossenschaften nichts eingelvendet werden; sie nützen ihren Mitgliedern und schädigen auch nicht den ansässigen Handeltreibenden, der das Geschäft ja ohnehin nicht hätte machen Können, von einer nnbefngten Conenrrenz kann demnach in solchen Fällen niemals die Rede sein. Sehen Sie, meine Herren, so und n u r so haben sich die Gesetzgeber die Wirksnnikcir der Consnmvereine und dergleichen Genossenschaften gedacht. Dass aber, lvie dies heute der Fall ist, die Consnmvereine hergchen lverden, öffentliche, jedermann (die Legitimation kann nicht verhindern, dass auch Nichünitglieder mit ansgeliehenen Legitimationen in Consumvereinen einkaufen gehen, oder sich ihre Einkäufe von Mitgliedern dort besorgen lassen, wir könnten unzählige solche Fälle anführen) zugängliche Verkaufsgewölbe zu errichten, die an Pracht der Ausstattung mit den größten und höchftvesteuerten Warenhäusern förmlich wetteifern, dass sie Waren aufhäufen, und Abschlüsse auf Lieferung machen werden, auf Artikel, für eine Zeit und für eine Mitgliederzahl, von der sie zur Zeit des Abschlusses ja gar nicht wissen konnten, ob sie jemals gebraucht, und die zukünftige Mitgliederzahl die bestellten Waren in diesem Quantum auch tvürde consumieren können, mit einem Worte, dass sie Handelsgeschäfte betreiben und sich in Speculalionen von so bedeutendem Umfange einlassen würden (wir kennen Fälle, wo auch Consnmvereine wegen verfehlter Speculationen bedeutende Mengen Waren auf den Markt werfen mussten), die den ganzen Detailhandel lahmzulegen drohen, ja das hat kein Mensch voraussehen können; da muss und wird auch eine Remedur geschaffen lverden. Diese Bäume, Consnmvereine genannt, werden aucki nicht in den Himmel wachsen; dafür gebe ich Ihnen mein Wort." So der genannte Abgeordnete. Die „Arbeiter-Zeitung" bringt in der Nr. 160 vom 18. Juni unter dem Titel „Ein Beispiel" den Bericht des Arbcitcr-Consumvereines in Leipzig-Plagwitz, welcher voriges Jahr einen Jahrescousum von 10 Millionen stark erreicht hat; wir brauchen da nicht erst zu unseren Brüdern im Reiche hinzugehen, wir haben ja solche Cousumvereine auch hier in Oesterreich. Aus dem Geschäftsberichte des ersten Wiener Cousumvereiues, der uns vorliegr, ist unter anderem zu ersehen, dass sich dieser Verein fortwährend in aufsteigender Richtung belvegt; der Warenumsatz im abgelaufenen Verwaltungsjahre betrug K. 8 746274, gegen das Vorjahr um K. 1 274356 mehr; die Besteuerung für diesen Riese,nimsatz ist gleich Null; einem Wiener Kaufmanne, der allerdings den Fehler begangen hat, als Jude auf die Welt zu kommen, lvurde bei einem Jahresumsätze von K. 50 000 eine Steuer von rund K. 000 vorgeschrieben; tven nimmt cs daun Wunder, dass die Consnmvereine, lvie dies beim erstei, Wiener und beim Nicdcrösterr. Arbeirer-Consumverein der Fall ist, auf Kosten der übrigen Kaufleute eine Rückvergütung bis zu 6,5 Procent für bezogene Waren an ihre Mitglieder zur Vcrtheilung bringen konnten. Ilnd das soll sich der anlässige Kailftnann gefallen lassen, der ohnehin heute nicht mehr auf Rosen gebettet ist, ec soll sich gar nicht zur Wehre setzen, lvenn es ihm au den Kragen geht. Die „Arbeiter-Zeitung" erlaubt sich in der angezogcnen Nummer gegenüber den Greisleru noch folgende Sprache: „Das lvüste Geschrei der Grcisler, die die organisierten Arbeiter anslvuchern (darüber werden wir ja noch reden, wer die Consmncnten mehr auslvuchert, die Grcisler oder die Consumvereilie) und zugleich politisch in der gehässigsten Weise bekämpfen, und sich dann darüber wundern, dass die Arbeiter zur Selbsthilfe greifen — d. h. jedem jüdischen Kaufmann gegenüber einen Consumverein gründen, der zlvar den Arbeitern tvcnig nützt, dafür aber die jüdischen Kauf- Iciite und 11 u r die jüdischen Kaufleute schädigt, mitunter sogar zugrilnde richtet -— das Geschrei dieser Leute ist in einflussreichen Kreisen nicht ohne Wirkung geblieben." Mit Verlaub, liebe „Arbeiter-Zeitung", wollen wir »licht lieber den Spieß eirunal ulnkehren? Unseres Wissens haben nicht die Grcisler die organisierten Arbeiter beschiillpft, sonder,» das Umgekehrte kann man tagtäglich in der „Arbciter-Zeitur»g" finden; eö ist nur selbstverstäirdlich, dass auch den Greisleru diese ewige Schir»»pferei zu bunt wird. wem»'s die Gerrossen gar zu dick treiben; sie verwechseln da wieder ci»»mal, wie so oft, llrsnche und Wirkung, aber nur in der Praxis, in der Theorie da sprechen sie ja ga»»z vernür»ftig. In» 15. Hefte, Seite 403, Ali»»ea 3 und 4 des „Volksthümlicher» Handbuches des österr. Rechtes" von Dr. Jngtver und Rosner (das wird doch den Genossen bekannt sein) ist Folgendes zu lesen: Der Har»del gehört zu den wi cht i g st e n Zlveigen der V 0 l k s w i ri sch a f t, ui»d ist ein w e s e »»t l i ch e r Beftandtheil der g a »» z e n n a t i 0 n a l - v k 0 n 0 »n i s ch e n Organisation. Er ve»5nlittelt heute den Verkehr zwischen der» Prodricenten und C:-ns»um'N-