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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Juli 1001 Nr. 27 Vertreter Banrath Stiaßnp erläutert in eingehendem Referate die Nothwendigkeit jener baulichen Arbeiten im israelitischen Spitalc, tvelche einerseits infolge Erweiterung desselben durch Znbau eines chirurgischen und gynäkologischen Pavillons bedingt sind, andererseits erforderlich erscheinen, um die Einrichtungen des alten mit jenen des neuen Spitales gleichwertig zu machen. Hiezu gehören die vom Vorstände bereits im Vorjahre auf Grund des scctionsberichtes eingehend bcrathcne und im Princip beschlossene Herstellung einer Centralheiztmg für sämmtliche Krankenzimmer. Corridore, Stiegcnhäuser, Elosets und Badezimmer und tm Zusammenhänge damit Ergänzungen an den Lüftuugsvorrichtungen, ferner die Umgestaltung der Warmwasseranlage, der Nutzwasserleitung, endlich Ersatz der bisherigen Dampfküche durch eine neuanzulcgende Gasküche; des Weiteren die Herstellung von Personen- und Lastanfzügcn und der Ersatz der Gasbeleuchtung durck eilte solche mit elektrischem Lichte in allen Räumelt. Im Anschlüsse hieran steheit Bauausführungen, welche ohne Rücksicht nuf den Neubau im alten Gebäude alls hpgienischen oder technischen Rücksichten vorgenommen wcrdcit müssen, ivie z. B. die Errichtung je einer Jnfectionsabtheilniig für Männer llitd für Frauen, Ubicationen zur Unterbringung voit Augenkrauken usw. Referent stellt dcit Alttrag, die dringendsten der oben allgeführten Arbeiten zu bewilligen lind für dieselben die Kosten zu votieren. Nach sorgfältig vorgcuolnmcuer Speeialisicrung lvird hiezu der nngefährc Betrag voit 75 000 Krollen erforderlich seilt. Regierungsrath Prof. Dr. Cfcr schließt sich den Ausführungen des Referenten an und begründet vom ärztlichen Standpunkte die Unaufschiebbarkeit der Herstellungeit im Sirtne der gestellten Anträge. Nachdem sich an der Debatte vorwiegcrtd die Herren Baurath R. v. Goldschmidt. Will). Kuffncr und Drspitzer bethciligtei, und der Präsident constalicrt hatte, dass im Siline der Statuteil zur Beschlussfassultg über die gestellten Altträge erforderliche Anzahl von 22 Vorstandsmitgliedern anwesend ist, wurden die Referenten- Anträge einstimmig zum Beschlüsse crhobclt. lieber Referat des Herrn Vicc-Präsidenten Dr. (Kustav Kohn wird dein Tempelvercin für Wieden uitd Margarethen tu A„bedacht besonders rücksichtswürdigcr Umstände für das Jahr 1901 eilte Lubvention im erhöhten Betrage von 2000 K. bewilligt, desgleichen über Referat des Herrn Dr. Berger dem Tcmpelvereinc im 0. Bezrrke ..Beth Hachnethet" außer der normalen Subvention pro 1901 eine rveitcre von 500 K. Nach Erledigung von Persoitalien wird die Sitzung um halb 9 Uhr abends geschlossen. Wien. (Hebräische C o n v c r s a i i o n S s ch u l e.) In, Betlocale des Vereines „Ossch Chessed", 2. B., Schiffamtsgassc, pand am Sonntag, den 90. Juni die Prüfung der Schüler des Prof. Dr. Liebreich iin Beisein eitles sachverstäitdigeit Auditoriluns statt, welches die glänzenden Leisüliigeu und präcisen Antivorten der Kinder tu der hebräischen Natioualsvrache nach Gebür bewunderte. Nur durch die vortreffliche Methode des Lehrenden lies; sich in der kurzen Zeit bei einer so großen Zahl von Zöglingen ein so günstiges Resultat erzielen. Anwesend tvareil die Herren N. A. Brandes, Dr. Grüll, Prediger Grün u. v. a. Obmann S i e d c r e r begrüßte herzlichst die zahlreich Erschieneiten lind drückte ihnen für ihr Interesse ait der nationalen Sache und der natioitalcn Sprache seinen lebhaften Dank aus. _ Herr Liebling dankte Herrn Dr. Liebreich für. seilte erfolgreiche selbstlose Lehrtätigkeit und ersuchte die T'heilnehmer um thunlichste Propaganda für diese Sprachschule. Mit einem von. ciltcm Kinde vor offener Bundeslade — selbstverständlich hebräisch — gesprochenen Gebete und mit der Verthcilung sinniger Prämien, zumeist atis natioltalcn Eniblenten bestehend, schloss dieses höchst altregende und erhebende Examen, dem bald ähnliche in aitderen Bezirken folgen mögen. —n. Wien. (Setzkaste„kobol d.) Um nur ja nicht der Munlficenz der hiesigen Cultusgemeinde-Vorstehung irgendwie — auch nur scheinbar — nahezutreteu, sei hiermit der Wahrheit gemäß ronstaticrt. dass der jährliche Beitrag für den „Verein zur rituellen Verköstigung israelitischer Spitalkranker" nickt 1000, sondern 4000 Kronen beträgt, was ich richtigziistellci, bitte. — Zugleich sei auch des fleißigen Secretärs dieses Vereines. Herrn ALarcus Adler, bezw. feiner „Talmudischen Concordanz" rühmlichst gedacht, eines originellen Werkes, welches in alphabetischer Reihenfolge, nach dem Schlussworte des jeweiligen Satzes geordnet, 6000 Sentenzeit enthält und ivohl geeignet ist. dem Forscher das Suchcit einzelner Stellen wesentlich zu erleichtern. Ter talmudbeflissenc Sammler verdient reichliche Förderung, damit er auch bald den zweiteit Thcil veröffentlichen könnte, seitens der Gelehrten und jüdischer Vereinigungen. —n. Obcrhollabrunn. (F ct m i (i c n f c st.) Samstag den 29. Juni d. fand im hiesigen Gotteshause die Barmizwah-Fcier des Ernst Ritter, Secundaner am k. k- Staatsghmnasiuin zu Obcrhollabrunn, Sohn des Herrn Dr. Emauuel Ritter, t. k. Regiments-Arztes i. P., und dessen Gemalin Hermine, gcb. Skutctzky', statt, aus welchem Anlasse nahezu die ganze Geineinde dem Gottesdienste beiwohnte. Der Confirmaut las die Haftorah in sehr gediegener und schwungvoller Weise selbst, und als er vollendet hatte, richtete dessen Lehrer, Herr Rcligionslehrcr und Cantor S. Jellinek, an denselben eine der Feier entsprechende und erhebet,de Anrede, tvelche auf alle Anwesenden, namentlich aber auf den Coufirmandcu und dessen Elten,, einen tief ergreifenden Eindruck machte. Nach dem Mincha-Gottesdienste fanden sich die Festthcilnehincr in, Hause des Herrn Doctor E. Ritter zum Dejeneur ein, tvobei der Eonfirinand eine forn,Vollendete Festrede mit Citaten aus den Psalmistcn hielt. Brünn. (Das Ferienheim in T i s ch n o lv i tz.) Für Sonntag den 16. d. M. war bekanntlich die vfficicllc und'feierliche Einweihung des vom Wiener Vereine „Ferienheim" „ns Anlass des 50jährigen Regicrungsjubiläums des Kaisers in Tischnotvitz errichteten „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" festgesetzt. Die Erkrankung eines Schützlings der gegentvärtig aus 107, incist reconvalescenten Kindern bestehenden Colonie veranlasste die an Ort nur» Stelle weilenden Vorstandsmitglieder, die offiiclle Feier telegraphisch abzusagen. Es lag die Befürchtung nahe, dass durch das Zusamrncnströmen vieler Gäste der Krankheitsfall — cs handelte sich um eine Schafblatternerkrankung — nicht vereinzelt bleiben werde und so wurde denn aus der officiellei, eine intime, von, Vorstande im Kreise der Schützlinge abgehältene Feier. Es lvar aber ein wcchrbaft schönes, würdiges und tief zu Herzen gehendes Fest. Das Gebäude prangte schon im herrlichen Festschinucke. Im Festsaale, der in einen Blmnenhain verwandelt war, versau,Hielten sich sämmtliche Colonisten mit dem Personale und die Mitglieder des Vorstandes. . In einer schwungvollen Ansprache setzte die Präsidentin des Vereines, Frau Sophie Grünfeld, den Kindern den Zweck der Feier und den Anlass der Errichtung dieses Heimes auseinander. Sie appellierte ai, die Kleinen, die hier gleichsam eine Fanülie bilden, dereinst, wenn sie ectvachscn seien, an ihre leidenden Nebeumenschen nicht zu vergessen und auch dereinst bemüht zu sein, überall, wo es in ihren Kräften steht, Gutes zu üben. Tie Präsidentin wies schließlich darauf hin, dass dieses Haus der Gnade des Kaisers, des Schntz- und Schirmherr,, alles Guten und Edlen, den Namen Kaiser Franz Josefs-Ferienheim verdanke. Sie forderte die Anwesenden auf, ,„it einzustimmcn in den Ruf: „Kaiser Franz Josef lebe hoch, hoch, hoch!" Begeistert und wie aus dem Munde brachten die Kleinen ihre Kaiser-Huldigung dar. Eine Eolonistin sprach nun ein Gelegenheitsgedicht, in welchem dem Vereine inniger Dank gesagt tvird. Als nun ein Schützling der Eolonie ein Kaiscrgedicht vorzüc/ich deklamierte und als die kleinen Knaben die Bolishhmne erklingen ließen, da war der Anblick, der sich den, Erwachsenen bot, ein tvahrhaft rührender, ein herzerfreuender. Ein festliches Mahl, das den Colonisten geboten wurde, bildete den Abschluss der Feier. — Das Ferienheim liegt einige Minuten von der Bahnstation Tischnotvitz ’ entfernt. Es besteht aus einem großen, schattigen Park und einem auf einer Anhöhe im rückwärtigen Theile desselben gelegenen stattlichen Hause, von einer hohen Steinmauer murahmt. Der Eingang in den Park, von der Dorfstraße aus, führt durch ein große? schmiedeeisernes Thor. Auf tvohlgepflegten, sanft sich erhebenden Gehwegen, die in Krümmungen bcrlanfcn, passiert man eine Reihe schattiger Plätze, malemisch bertheilter Bau,„gruppen und Wiesenflächen und gelangt in das auf einen, großen Plateau befindliche, stattliche, einen Stock hohe Gebäude, dessen Hauptfront gegen den Markt hin gerichtet ist. Der Hanpteingang erfolgt von der rück- Ivärtigen Seite von einen, umfangreichen Vestibüle aus, von welchem die Eingänge i„ die ebenerdigen Räume und miltelst breiter, beueiner Stufen in den ersten Stock sich befinden. Schlaf-, Speise- und Spielzimnter, Wasch-, Putz- und Baderämne, Küche, Spül- und Speisekammer, Dienerziinmer nslv. finden sich hier vor und bezeugen, dass für alle Anforderungen einer Feriencolonie vorgesorgt ist. Die Zimmer und Säle sind von stattlicher Höhe, mit großen Fenstern, parkctierten Böden, großen Doppelthüren und mächtigen Oefen versehen.. Vom ersten Stock ist eine herrliche Fernsicht in den Park und auf Felder rückwärts auf den nahen Wald, hinter den, Hanfe ein reicher Obstgarten, zwei mächtige Glashäuser und andere Objecte. Außerdem grenzt an den Park ein Gemüsegarten und eine Baumschule von ansehnlicher Ausdehnung und künstlerischer Anlage, alles in tadellosem Zustande. Diese Baumschule und die Bearvettnng der Gemüsebeete dienen zu agronomischen Lchrzwccken für die Schützlinge des Heimes. — Auf schriftlichem Wege find dem Bereuie zahlreiche .Kundgebungen der Shmpathie und Anerkennung zugekommen. Ihr Fernbleiben hatten „. a. entschuldigt: Minister für Cultus und Unterricht Dr. Ritter v. Härtel, der Statthalter bon Nicderösterreich Graf Kielmannscgg, der Statthalter in Mähren Graf Zierotin u. v. a. Prag. (Glücklich gelandet.) Ilnscre Leser entsinnei, sich gewiss noch der Enthüllungen über jenen „Rabbiner" Jehnda Tillinger, ivelchcr mehrere Jahre in Berlin sein Unwesen getrieben und, nachdem er sich dort unmöglich gernacht hatte, hierher kam, wo er durch seine eigene Ungeschicklichkeit sehr bald entlarvt wurde. Er tvollre einem Antiscmitcnorgan seine Dienste anbicten, gerieth aber irrthümlich in die Rcdaction des Masaryk'schen Blattes „Czas", wo er sich mit der Mittheilung einführte, dass er schon in Berlin „Ritnalniord-Artikel" für die „Staatsbürger-Ztg." und dc,^ „Deutschen General-Anzeiger" geschrieben, von. Berliner Antisemitenführern Empfehlungen an Ernst Vergani in Wien erhalten habe, dass er in Prag mit Dr. Rohling eine Zusammenkunft hatte, bon dem er wieder nach Wien mit dem Hinweise darauf weiter empfohlen worden sei, dass er (Tillinger) zur katholischen Kirche übertreten »volle und der antisemitischen Sache gute Dienste leisten könne nslv. Während er sich so der antisemitischen Propaganda zur Verfügung stellte, bewarb er sich gleichzeitig in _ hiesigen jüdischen ' Kreisen ,im Empfehlungen für Rabbinerposten und erstrebte u. a. den im benachbarten Smichoiv. Seit den Enthüllungei, im „Czas" war von „Rabbi" Jehnda^ Tillinger in Prag nichts mehr zu vernehmen. Neuestens lvird sein Name lvicder in Erinnerung gebracht und zwar in der bon Pater Kopal und Pater Simon redigierten christlich-socialen Zeitschrift„Obrana". Dieses Blatt bringt in seiner letzten Nummer den Beginn einer Artikelreihe, tvelche den Talmud zum Gegenstände und Stanislaus Tillinger zum Verfasser hat. In einer Fußlwte tvird in der „Obrana" Folgendes bemerkt: „Der Autor dieses Anf»atzes, ein Jude, gewesener Rabbiner, ist jetzt nach dein Ucbertritt in den Schoß der katholischen Kirche Hörer der Theologie in Wien." Also glücklich gelandetI Die katholische Kirche ist zu dem Gewinn des ehrenwerten Herrn aufrichtig zu beglückwünschen. Prossnitz. (P e r s o i, a l c s.), A,n 6. Juli l. I. feierte Frau Nina Singer, die Mutter uusercs verehrten Cultusvorstehers Herrn Josef Singer, ihren 80. Geburtstag. - Dem Wunsche der greisen Jubilarin entsprechend, unterblieben sämmtliche ihr aus diesem Anlässe zugedachten Ovationen, welche sie umsomehr verdiente, als ihrem Wohlthütigkeirssinne und ihren Humanitären Bestrebungen zahlreiche segensbolle Stiftungen die Existenz bcrdankem Aber auch auf dein Gebiete der privaten Wohlthätigkeit wirkt diese edle Frau in der anerkennenswertesten Weise, inden, sie sich speciell der zahlreichen verschämten Armen unserer Gemeinde annimmt und deren Noth lindert. Von einer seltenen, geradezu sprichwörtlich gewordenen Bescheidenheit, lehnt sie jede Ehrung ihrer Person, wie nicht minder die öffentliche Anerkenn,i„g ihrer heilspendenden Thätigkeit conscgucnt ab und begnügt sich, ihren Lohn in dem Danke der vielen Armen und Unglücklichen zu finden, denen sie in ihrer Noth und Verzweiftnng Stütze und Hoffnung ist. Möge diese edle, wackere Frau „och viele Jahre hindurch in körperlicher und geistiger Regsamkeit segensreich wirken, sich zur Ehre, den Armen zum Tröste, uns allen zur Freude — vielen von uns aber auch zur Nachahmung. Czcrnowitz. (Israelitische Cultusgemeind e. ) Am 80. Juni fand die Constituierung des durch Neuwahlen ergänzten Cultusrathes statt. Nachdem der Vorsitzende kais. Nath Tittinger die Neugelvählten begrüßt und'alle Cultusräthe zll fleißiger Thätigkeit im Interesse des Ganzen ersucht hatte, wlirde zur Wahl des Präses- Stellvertreters geschritten. Von den abgegebenen 23 Stimmen entfielen 10 auf Tr. Benno Straucher, welches Resultat mit tonten Bravorlifen begrüßt wurde. Dr. Straucher sprach für die ihm durch diese Wahl zutheil gewordene Ehre seinen aufrichtigen Tank alw und versprach gleichzeitig, nach wie vor unbeirrt um Gunst oder Ungunst im Interesse der Indcngemeinde seine besten Kräfte einzusetren, damit die Verwaltung gut, zielbewusst lind stark sei. $u den Obmännern der fünf Sectionen wurden folgende Herren gewählt, welche nunmehr mit beiden Präsidenteil den Vorstand bilden:!. Cultnssection: CR. Hersch Trichter, dann in einem späteren Wahlgange als Mitglieder: M. Kampelmacher, Moritz Picker, Lazar Roth. N. M. Weihner. 2. Unterrichtsseetion: Obmann CR'. Dr. Neumann Wender; Mitglieder: Tr. Lnttinger, Moriz Stekel, Moriz Salier, Dr. Kiesler. 8. Wohlthätigkeitssection: Obmann: CR. Wilhclnl Tittinger, Mitglieder: Dawid Bilgcey, Jacob Gold, Jy- Melzer, Leib Herschmann. -l. Finanzsection: Obmailn CR. Lazar Roth: Mitglieder: Isidor Chodrower, I. Leon Kratter, A. M. Brunstein, Samuel Lnttinger jnnA 5. Spitalsverwaltuilgs- und Beerdiglmgssection: Obniann CR. Isak Chargaff; Mitglieder: Solomon Gronich, Dr. Lndtvig Lnttinger, Lazar Chaies, Dr. Ausländer, lieber eingehend motivierten Antrag des CR. Dr. Strallcher wurde ein Specialcomitee zur allseitig als dringlich anerkannten Revision des Statutes, bestehend ans folgenden Cultnsräthen, gewählt: Dr. Straucher, Dr. N. Wender, Redacteur Stekel, Lazar Roth, Trichter und Dr. F-unkenstein. Ueberdies wurde ein Specialcomitee zur Ausarbeituilg einer Geschäftsordnllng gewählt, besteheild ans folgenden Cultnsräthen: Dr. Heinrich Kiesler, I. Leon Kratter, Sam. Lnttinger, A. M. Bnmstein und Moriz Picker. In das Ballcomitee Ivnrden N. M. Weitzner, S. Gronich, Jacob Gold, Moriz Satter und L. Oehlgießer und endlich in das Teinpclconlitee: CR. kais. Rath N. Tittinger, Chargaff, Lazar Noth, Trichter, Dr. Buchbinder, Gold, A. Bayer, Sam. Lnttinger jun. mld Leibnka Rosenzweig ge- Ivählt. Als Ergänzung in die Einschähungsconmiission wurden schließlich Dawid Altmann und Moses Schläfer entsendet. Nadworna. (Todesfall.) Am 24. Juni ist Herr Salomon Knoll im Alter bon 81 Jahren nach längerer Leiden in seltener Frische des Geistes verschieden. Der Verblichene, der der hiesigen israelitischen Gemeinde 56 Jahre als Cultusborstand angehörte, Orts- und Bezirks-Schulrath war, und das Amt eines Vicebürgermeisters bekleidete, hat durch sein stets hilfsbereites, selbstloses, wohlthätiges Wirken, gepaart mit hoher Intelligenz, sich die Achtung und Liebe der ganzen Gemeinde in bolle,,, Maße erworben. Sein Leben und Wirken kann daher als das Muster eines Menschen hingestellt lverden. Friede seiner Asche. D. Nadworna. (Eine antisemitische L e h r e r i n.) Ein Vorfall, der in unserem Städtchen sich ereignete, charakterisiert zur Genüge die Lage der galizischcn Juden. Die Lehrerin Sabina Krzhstalotvicz schlug ein Judenmädchcn namens Rachel Strimber nüt einem Buche derartig, dass dieselbe sofort in Ohnmacht fiel. Man könnte glauben, dass diese humane Jngenderzieherin Wiederbelebnngsmittel anwendete. Aber tvcit gefehlt. Judemnädel können wie Hunde crcpieren. Die Lehrerin ließ durch eine Dienstmagd das in Ohnmacht liegende Mädchen von der Schule ivegschaffen. Die Magd legte das Mädchen auf einer der bclebtestei, Straßei, aufs Trottoir nieder und lief davon. Was für einen Eindruck dieser Vorfall auf die Schülerinnen beider Confcssionen machte, kann sich jeder denken. Zur Eintracht lvird er tvenig beitragen. K. Gurahnmora. (G c ni e i n d e - A n g c l c g e n h e i t e „.) In unserer israelitischen Cnltnsgemcinde kriselt es nach wie vor. Tie unhaltbaren Zustände in dieser Vertretung haben die besten Männer unserer Gemeinde veranlasst, ihre Mandate als Cultnsräthe niederznlegen. Die Vertretung der Gemeinde ruht mm in den Händen einer Clique, die ihrer Aufgabe entweder nicht gewachsen oder die eminente Wichtigkeit derselben nicht erfassen lvill. Beweis hiefür die sonderbaren Beschlüsse, welche das neue Verwaltungsshstem gezeitigt hat. In den letzten Tagen hat z. B. nachstehender Beschlnss die Gemüther in begreifliche Aufregung versetzt: Die Enthebung und Vertheiluiqz öffentlicher Spenden zum Zwecke der Holznnd Osterbrotunterstützung wurde einem engeren Comitee innerhalb des Cultusrathes übertragen. Nach beendeter Thätigkeit vom Cnltnsrathe zur Rechenschaft gezogci,, hat das genannte Comitee mit Hilfe einer fraglichen Majorität den Beschluss zustande gebracht, dass dad Coniitee lveder der Cultnsgeineinde noch der Oeffentlichkeit Rcchlnmg zu legen, verpflichtet sei. Dies soivohl in Rücksicht auf die eingelanfenen Spenden als auch über den Verlvendnngsmodus derselben. Dieser Beschluss präsentiert sich nicht nur als ein Verstoß gegen alte Gepflogenheit und gute Sitte, sondern involviert auch eine unerhörte Rücksichtslosigkeit gegen die Oeffentlichkeit und alle diejenigen, tvelche durch frcitvillige Spendei, den schönen Zweck der eingcleiretei, Sammlungen gefördert haben. Dieser unerhörte Beschluss veranlasste auch den um die Gemeinde hochverdienten Herrn Moritz Mittclmaiin, der^bcreits aus einen, ähnlichen Anlasse auf die von ihn, iimegehabte stelle eines EtiltnsvorstcherS verzichtet hat, mm auch fein Mandat als Cultusrath zurückzulegen. Die Bevölkerung unseres Ortes wird bei dem Umstande, als die Summe und die Verwendung ihrer freiwillig geleistctei, Beiträge für sie Geheimnis bleiben soll, nächstens ihr Geld nicht so vertrauensselig hingeben, tvodurch die öffentliche Wohlthätigkeit eine erhebliche Einbuße erleiden wird. Wie sich aber die Cultusvertretung ohne Herrn Mittelmann tvird behelfen können, dies ist eine Frage, die vielleicht schon sehr bald ihre voraussichtlich trostlose Entscheidung finden wird. Budapest. (Zwei Testamente.) „Eghenlöseg" bringt in seiner dicswöchentlichen Nummer interessante Mittheilungen über die lctzttvilligen Verfügungen zweier jüngst verstorbener Männer, die auch zu Lebzeiten als Wohlthäter bekannt tvaren und eine ausgedehnte humaiütäre Wirksamkeit entfalteten. Weil. Dr. Philipp .Ktinctvalder hat insgesammt 179 000 K. für menschenfreundliche und culturelle Zivecke testiert, und ztvar: 43 600 K. für nichtjüdischc Zwecke (so der Akademie der Wissenschaften 16 000 K., den hiesigen evangelischen Schulen beider Bekenntnisse je 2000 K. usw.), 135 400 Kroilen für jüdisch-eonfcsfionelle Zwecke (der Pcster israelitischen Cultusgemeirtde 39 000 K., dem isr. Taubstnmmeninstiiut, dem Knaben- und dem Mädchenlvaisenhause je 12 000 K., dem isr. Sttpcndienberein 8000 K., den, isr. Handtverks- und Ackerbanberein 16 000 K., der ung. isr. literarischen Gesellschaft 8000 K. nslv.) Sänimtliche Legate sind binnen einen, Jahre gebürenfrei ihrer Bestimmung znznführen. An einzelne Legate sind bemcrkenslverre Bedingungen geknüpft. So soll ans den, Legat für die Akademie jedes zweite Jahr abwechselnd auf eil, Lustspiel und Volksstück ein Preis ausgeschrieben werden; „in den Eoltcnrreiizarbeiten soll der Jude als festen Charakters und cdeldcnkend gezeichiu't werden". Wird der Preis nicht ansgegeben oder nimmt die Akademie das Legat nichr an, so fallen die Zinsen, beziehungsweise das Capital der hiesigen ebangelischen Schule H. K., der Pester isr. Knabenschule und den, isr. Stipendicnberein zu Sripeiidienzwecken zu. Ans den, Legat für die Pester isr. Cultnsgemeinde sind 12 000 KV als HeirathsanSstattnngsfonds, 12 000 K. als drei Bcttstiftnngen in, isr. Spiral und 10 000 K. als Fonds für unverzinsliche Darlehen au Kleinhändler. Hausierer und Oebstlcriiilien zu verweitdei,. Zn Testanleiitopollstreckeri, sind die Herren Sigmund Kvhner, Jakob Deutsch, Dr. Franz Chorin, Dr. Dkoriz Mezei und Berthold Herzmann designiert, als Vertranensmänner bei den akademischen Preiöansschreib,lügen Agai, Alexander, Keßler, Rado, Marczali, Banoczi, sowie als Beiräthe Dr. Philipp Weinmann und Dr. Franz Chorin. — Der gewesene Präsident der Chetvra Kadischa, weiland Moses Ehrlich, hck: sein ganzes, circa eine Millioi, Kronen betragendes Verinögcn für hntnailitäre und culturelle Ztvecke bestimmt, doch tritt diese Verfügung erst „ach dem Ableben der Witwe ,n,d der sonstigen Erben in Kraft. Jetzt gelangel, Legate in der Höhe von 48 000 K. zur Anszablung, und zwar 10 000 K. an den israelitischen Händtverks- „nd Ackerbanberein, 4000 K. an das' israelitische Tallbstunnnen- Jnstitnt, 4000 K. an den Schriftsteller-Unterstützungsverein usw. Das vornehmlich ans Grundbesitz bestehende Vermögen soll von der Wittve und der Pester isr. Geineinde verwaltet werden. Ans den Einküitftci, desselben erhält die Witwe 16 000 K., einzeliie Geschwister und Schwäger 5000 K. jährlich. Ter Rest ist für eine von der Pester isr. Cultnsgemeinde zu errichtende Stiftung bestuumt. Nach dein Ableben der Nutznießer ist das Vermögen zu capitalisieren; 300 000 K. sollen als Familienstiftung bestimmt werden, 200 000 K. als Stipendienfonds, 40 000 K. als Stiftung für das Knabenwaiscnhans; über den Rest — circa 300 000 St. — kam, die Pester isr. Gemeinde nach eigenem Gutdünken verfügen. Budapest. (Ein z n r ü ck g e w i e s e n e s Legat.) Der bekannte Menschen freund Philip Slunewalder in Budapest hat der Ungarischen Akademie 16 000 .Kronen mit der Bedingung vernracht, dass die Zinsen dieses Betrages zu Preisausschreibuugeu für solche Schauspiele zu verwenden seien, in welchen Inden als charakte-r stark und edeldenkend dargestellt erscheinen. Die Akademie lehnte nun dieses Legat ab, da sie „es nicht unternehme, die besonderen Interessen einzelner Classen oder einzelner Confessionen zu unter'- stützen." Neutra. (Ein Wohlthäter.) Herr Sam. Wollner, Fabriksbesitzer aus Peoria (Amerika), der gegenwärtig zum Curgebrauche in Carlsbad weilt, gedachte abennalS, wie schon deS öfteren seiner Heimatsgemeinde, indem er der Cultnsgemeinde für

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