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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seile £ Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt Nr. 27 * ~). Juli 1901 und in den Subctenliinbent Vereine ihrer Tendenz in das "eben zn rufen. Die Angriffe werden sie wie bisher mich in der Ankunft nur zu immer eifrigerer Arbeit ansporncn. Tie änderst gut besuchte Versammlung nahm folgenden Verlauf: Ter Präsident Herr EnltnSvorsteher Hermann Ellbogen begrüßte die Erschienenen und eonstatierte die Vefchlnsssähigkeit ber. Generalversammlung. Er Nües auf die reiche Thätigkeit deS Vereine-:' im abgelanfenen Vereinsjahre hin tmd erinnerte an die Abende der Erholung lind Anregung, die wir in den schönen Räumen des VolkSbercim'v verbracht haben. „Ein jeder fand das, was er suchte und was ihn freute. Wir haben die bemerkenswerten Fortschritte geinacht, obwohl wir sehr angefeindet wurden. Das soll uns nicht behindern. Wir kämpfen nicht, nm llitfricbcit Zu stiften, wir kämpfen für unser Volk, wir vertreten eine große und gerechte Sache, t Lebhafter Beifall.) Ter VereinSseeretär Herr Pilpel erstattete hierauf den Rechenschaftsbericht des Vorstandes: Lehr geehrte Gcncralvcrsnmmlullg! Abermals ist ein Jahr verflossen im Leben nnscres Vereines und abermals tritt die Leitung dieses Vereines an Sic heran, nm von der Thätigkeit desselben Rechenschaft zu geben, um Ihnen zu berichten, wie und was der Verein im abgelanfenen Jahre gearbeitet hat und abermals um IhrVertrauen für dad kommende Vereinsfahr .zu werben. Wir sind in der Lage, Sic heute hier in unserem prächtigen Heim. zu begrüszcn, und ich wünsche nur, dass unserem viele Gönner erstehen möchten, damit wir leichter die schwere Ausgabe, die wir zum Heile der Jndcnschafr auf uns genommen haben, erfüllen tonnen. Werfen wir nun einen Rückblick auf die Thätigkeit unseres Vereines, so können wir sagen, wenn die verflossenen 2 Jahre nichts anderes bedeutet haben, als den Aufbau und die Organisation desselben, gewissermaßen die Vorbereitung, so hat das letzte Jahr gezeigt, dass wir uns auch im Kampfe bewähren'können. Bei 2 Gelegenheiten haben lvir gezeigt, dass Ivir selbst eine gut disciplinierte Truppe sind und dass tvir uns eines großen Anhanges in der jüdischen Bevölkerung zu erfreuen haben. Unsere erste große Versammlung harten wir am 13. März beim „Goldenen Widder" in der jüdischen Lehrerangclegcnhcit. Wie Ihnen bekannt, hat die Leitung Ihres Vereines eine Action eingeleitet, um das crasse Unrecht, das von der antisemitischen Partei an unseren armen jüdischen Untcrlchrern durch ungerechte Prätcrierung bei jeder Beförderung, begangen wird, einigermaßen ,31t paralnsicrcn. Leider war all unser Bemühen erfolglos. Wir fanden bei allen Behörden, an die wir uns wandten, taube Ohren, und haben auch bei dieser Gelegenheit gefunden, dass mir dem Starken sein Recht wird. Wären wir schon heute eine große, stramm organisierte Partei, würde man es gewiss nicht wagen, tins gegenüber sich über Gesetz und Recht in dieser Weise hinwegzusetzen. In dieser großen Versammlung beim „Widder" haben lvir der großen Oeffentlichleit Bericht erstattet über alles, was lvir in dieser Lehrerangclegenhcit unternommen haben, und bei dieser Gelegenheit wurde unserem Vereine von allen Seiten Dank und Anerkennung in reichlichem Maße zutheil. Wir trateri dann in das Stadium der GcmeinderathSivahlen. Den ganzen Monat April hatte Ihre Vereinsleiuuig fast täglich mehrstündige Berathungen, lvir lvaren uns der Traglveite unserer Beschlüsse vollkommen bewusst, und mussten daher jeden Schritt, den wir thun wolltet!, früher sorgfältig erwägen, damit ja unserem jüdischen Volke kein Nachtheil erwächst. Atu 1. Mai hatten lvir die erste öffentliche Wählerversammlung. Herr Dr. Heinrich Schreiber hatte die Güte, als Referent mit einem außerordentlichen Erfolg in dieser Versammlung zu fungieren. Der Erfolg dieser massenhaft besuchten Versammlung war, dass man sich endlich liberalerseits gezwungen sah, uns ernst zu nehmen und unsere Wünsche zu berücksichtigen. Nach der zweiten großen Wählerversammlung am 14. Mai bei „Gurh" waren wir schon in der Lage, unsere Wünsche durchzusetzen. Uns handelte sich's dabei nicht etwa um Mandatshascherei oder tun Befriedigung persönlicher Eitelkeit. Ol nein. Einzig und allein hatten wir nur das Interesse der jüdischen Bevölkerung im Auge. Wir sagten uns, ob in diesem Gemeinderath ein Jude mehr oder weniger sitzt, ist schließlich gleichgiltig, ausrichken kann er ohnehin nichts, viel wichtiger war für uns, dass der Bezirksausschuss nicht in antisemitische Hände fällt, weil dieser über die vitalsten Interessen der Jllden, die im Bezirke lvohnen, zu ent- Obwohl er sich dem Publicum nicht mit der Einzelform eines Buches vorgestellt hat und obwohl sich diese lange Reihe von Aufsätzen dilrch alle Hefte der „Melusine" hindurchzieht, wird Herrn Tuchmanns Arbeit nichtsdestoweniger eine der allergelehrtesten Leistungen der zeitgenössischen französischen Folklore bleiben-, man wird das Werk studieren und sich daraus belehren, wenn einmal ein guter Theil der Erzeugnisse unserer Folkloristen der Vergessenheit anheimgefallen oder nach ihrem winzigen Werte gelvürdigt sein werden. — So wenig wir Herrn Tuchmann gekannt und mit ihm persönlich verkehrt haben (und dies geschah in der letzten Zeit seines Daseins), so genügte es doch zur Wertschätzung der Freundlichkeit seines Verkehrs und insbesondere des Idealismus seines Lebens. Das Studium gieng ihm vor jeder anderen Beschäftigung vor, es stand ihm höher als die Lebenssorge: die Politik und Literatur. Er erinnerte uns — vorzüglich als das Alter bei ihm einige bis dahin wenig auffällige Züge merklicher hervortrcten ließ — an die Rabbiner, seine Vorfahren, die, theilnamslos für das Hasten und Jagen der Außenwelt, ihre Tage und Nächte dein Studium von Thora und Talnmd weihten und sich sonst um nichts bekümmerten." Vor elf Jahren besuchte ich in Paris Herrn Tuchmann. um ihm meine Verehrung zu bezeugen. Er wohnte in einem kleinen, einstöckigen Hinterhause in der Rue Rochechouart. Seine Wohnung, die äußerst bescheiden eingerichtet war, bestand aus einer schmalen Küche und zwei beschränkten Gelassen, die man Zimmer heißen konnte. Die Wirtschaft führte ihm seine Schwester, ein hochrothblondes, älteres Fräulein, das nur französisch verstand. Die Längslvand des zweiten Zimmers füllte eine Etagere aus, die mit lauter Cartons ausgefüllt ivar, und diese Schachteln enthielten theils die Materialien zu dem großen, hier erwähnten Werke, theils eine Bibliographie der Folklore. Damals umfasste sie bereits 10.000 Zettel. Tuchmann hoffte, dass die „Folklore Society" von London die Kosten der Edition dieses Werkes tragen werde. Was wohl aus dieser für die Fokloristik höchst wertvollen Sammlung geworden sein mag? Judaeus. scheiden hat. Wir haben cs daher dnrchzusetzen verstanden, dass zlvei Männer ans unserer Mitte, zn denen ivir das größte Vertrauen haben, dass sie sich immer und mit aller Macht für das Interesse eines jeden einzelnen Inden einsetzen tverden, in den Be- «jh'ksrath gewählt ivnrden. Mit aller Macht setzten lvir uns dann für die Gemcinderathswahl ein und man muss uns das ehrenvolle Zeugnis ansstellcn, dass cs nur unserer außerordentlichen Arbeitsleistung znznschreiben ist, ivenn der zlveite Wahlkörper der Leopoldstadt dem antisemitischen Ansturm nicht erlegen ist. Am 20. Juni nahmen ivir zum erstenmale die Gelegenheit ivar, nin gegen das von der Wiener isr. Cultnsgeineinde geplante neue Statut Stellung zn nehmen. Wir beriefen eine große Versammlung nach Hernals eilt, besprachen dort die Schattenseiten dieses neuen Statuts, und fanden auch hicfür in der Hernalscr jüdischen Bevölkerung das vollste Verständnis. Dies war der Anfang und die Einleitung zn der großen Action der Cultusivahlcn, die uns dck!, vollsten Erfolg nnb allseitige Anerkennung brachte. Es kamen die Sommermonate, in denen überhaupt keine größere politische Action möglich ist. Diese benutzten ivir zur Ucbersidlnng ans dem alten ins neue Local und zn Vorarbeitnngen für die Herbstcampagne. Auch ivnrde eine engere Agitation zur Aeqniricrung neuer Mitglieder entfaltet, die ebenfalls sehr erfolgreich ivar. Als wir mm am 8. November soweit fertig waren, unser neues Veremslocal emznweihen. da konnten ivir cS deutlich sehen, und mit Stolz können ivir darauf Hinweisen, dass wir in allen Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung es verstanden haben, uns Freunde zn errverben. Einen imposanten Anblick bot unser Vereinslocal Kopf an Kopf tauschte die Menge den beredten Worten unseres Vice- Prandenten H. Dr. Rapvaport und ein frenetischer nicht enden, ivollender Jubel erscholl, als Herr Dr. Nappaport unser Vereinsheim für den Vorboten eines wahren Jndenheims anznsehen anfforderte. Bei dieser Gelegenheit müssen ivir auch dankbar der selbstlosen Mitwirkung des von uns allen hochverehrten Rabbiners Dr. Taglicht erwähnen, der in einer ivnnderbaren feierlichen Eintveihnngsrede die hohe Bedeutung unseres nengcgrnndcten Heims auseinandersetzte, und ich glaube in Ihrem aller Namen zu sprechen, wenn tvir ihm hiefür auch von dieser Stelle ans unseren Dank anssprechen. Gleich nach der Einweihung unseres Vereinsloealcs kamen die Cultnswahlcn.^ Unsere Vcreinsleitung ivar und ist sich stets beivnsst, dass die CnltnSivahlen von außerordentlicher Wichtigkeit für die Gesammtlage des jüdischen Voltes sind. Wenn überhaupt eine Verbesserung der Verhältnisse im Judenthnme ptatzgreifcn soll, so muss diese von der Wiener isr. Cultnsgeineinde ansgehen. Wir haben daher die Ansicht vertreten, dass in dieser Gemeindevertretung auch Männer sitzen sollen, die dem Volke entnommen, für das Volk fühlen und arbeiten tvollen. Von diesem Principe ivar unsere ganze Action geleitet. Wir haben gegen niemanden einen persönlichen Kampf geleitet. Wir haben rein sachlich in richtiger Verfolgung des von uns vertretenen Principcs mit ehrlichen lvhalen Mitteln den Kampf geführt, und der Erfolg ist auch nicht ansgeblicben. Trotz allen Hochdruckes, mit dein von conservanver Seite gearbeitet wurde, ist es uns gelungen, unseren hochgeehrten Präsidenten, Herrn Hermann Eltbogen, als Cultusvorsteher geivählt zu sehen. Wer die Verhältnisse in Wien kennt, speciell die Wahlverhältnisse in der Wiener Cultnsgeineinde, der muss gestehen, dafs das ein colossäler Erfolg ivar. Freilich hätten wir auf dem Wege des Compromisses vielleicht noch inehr erreichen können, aber ivir haben eS vorgezogen, uns das Mandat zu erkämpfen, damit unsere Candidaten nach allen Seiten hin unabhängig in unserem Geiste und in unserem Sinne wirken können. Selbstverständlich konnte der Verein dieses Ziel nur durch Anspannung aller Kräfte und durch Entwicklung einer fieberhaften Thätigkeit erreichen. So hatten wir am 10. November eine große Versammlung in Hernals, am 20: eine noch viel größere in unserem Vercinslocäl, am 22. eine Monstre - Versammlung beim Ronacher und mehrere kleine Versammlungen in Cultnswahl-Angelegenheiten abgehaltcn. Am Wahltage selbst, nm 24. November, da hieß es erst, alle Mann an Bord bringen, und Sie können sich denken, dass ein jeder von uns seine Pflicht voll und ganz gethan hat. Hier an dieser Stelle fcf)en_ wir uns veranlasst, allen jenen Herren, die ihre Stimme für unseren Candidaten abgegeben haben, unseren innigsten Dank auszusprechen. Gleichzeitig sprechen wir allen jenen Herren, die in den verschiedenen Bezirken für unsere Sache thätig waren, unseren herzlichsten Dank ans. Die Herren mögen die Versicherung entgegennehmen, dass sie, indem sie mitgeholfen haben zu zeigen, dass das jüdische Volk nicht mehr ruhig sich wie eine willige Herde leiten lässt, sondern dass es auch imstande ist, seinem Willen Nachdruck zu verleihen, damit dem jüdischen Volke einen Dienst von unermesslicher Tragweite geleistet haben. Diese Wahlen lvaren gewissermaßen die Kraftprobe unseres Vereines, und jeder unbefangen Urtheilende muss zngeben, dass ivir dieselbe ehrenvoll bestanden haben. Zu den darauffolgenden Reichsrathswahlen hat unser Verein in officieller Weise keine Stellung genommen, iveil ivir uns sagten, es habe wohl jeder Jude am Wahltage die Pflicht,, gegen den antisemitischen Candidaten zn stimmen, der Verein als'solcher habe aber gar nicht die Pflicht, sich für Herrn Dr. Vogler einzusetzen, nachdem cs allgemein bekannt ivar, dass Herr Hofrath Kareis blos deshalb nicht candidirt wurde, weil er ein Jude ist. Dicsnial wollten ivir keine Spaltung in die Wählerschaft bringen, die doch nur dem antisemilischcn Candidaten zugute gekommen iväre, aber in Zukunft sind wir durchaus nicht gewillt, uns dem Dictate eines in den Wolken thronenden Central-Wahlcomites zn fügen, und wir tvollen hoffen, dass mich dicseHerren sich es merken iverdeu. — Auch nach wirtschaftlicher Richtung haben tvir heuer einen gewaltigen Schritt nach Vorivärts gethan. Der rastlosen Thätigkeit und der agitatorischen Geschicklichkeit ihres Vereinsvorstandes ist eS endlich gelungen, ein Creditinstitnt für jüdische Geiverbetreibende und Beamte ins Leben zn rufen, von tvelchem wir hoffen, dass es dem jüdischen Volke zum Segen, uns allen aber zur Ehre gereichen wird. Das neue Heimatgesetz fand ebenfalls unseren Verein auf der Höhe der Situation. Tie Wichtigkeit dieses Gesetzes für uns Inden ivard uns sofort klar, ivir stellten uns auch sofort in den Dienst der Oeffentlichkeit, übernahmen unentgeltlich von jedem Inden, der kam, die Docnmente, und thaten alles, nm ihm zu seinem Rechte zu verhelfen. Ans diese Weise ist cs uns gelungen, einer stattlichen Anzahl unserer Volksgenossen das Heimatsrccht hier zn erwerben und hoffen ivir, dass eS uns ferner gelingen ivird, allen unseren Connationalen trotz Lueger und Consorten, dieses Recht zu verschaffen. Speciell in diesem Falle hat sich unser Vorstandsmitglied, Herr Dr. Lifezis, durch seine unermüdliche, aufopfernde Thätigkeit außerordentliche Verdienste erworben und ergreifen wir hier die Gelegenheit, ihm im Namen des Vereines, lute im Namen aller jener Inden, denen er zu ihren! Rechte verhalf, den innigsten Dank nnd die höchste Anerkennung auszndcücken. Neben diesen größeren Actionen ivnrde auch die Kleinarbeit nicht vernachlässigt. Wir haben im abgelanfenen Jahre 20 DiScnssions-Abende gehabt, die alle sehr gut besucht waren, nnd die den Beiveis erbracht haben, dass unsere DiScnssivns-Abende sich in der gesnmiilten jüdischen Bevölkerung allgemeiner Beliebtheit erfreuen. In höchst uneigennütziger, selbstloser Weise haben sich uns die Herren Dr. Kohn, Dr. Kadisch, Dr. Ascher, Dr. Chajes, Regiernngsrath Sieger, Dr. Sofer, Kaminka, Gelber, Weisengrün, Dr. Wagner als Referenten zur Verfügung gestellt, nnd können wir denselben nur in der Weise unsere Anerkennung ansdrücken, indem ivir Sie alle ersuchen, sich zum Zeichen unseres Dankes von ihren Sitzen zu erheben. Wenn Sie noch bedenken, dass zur Durchberathnng all dieser Thätigkeit der Ausschuss ca. 30^ Sitzungen im abgelanfenen Jahre abhalten musste, so können Sie wahrhaftig , versichert sein, dass wohl kmtin noch ein politischer Verein in Wien eine solch unermüdliche Thätigkeit entwickelt hat als Ihr Verein im abgelanfenen Jahre. Eine fernere, sehr wichtige Ivirtschaftlichc Einführung hat die Vereinsleitnng im abgelanfenen Jahre getroffen. Wir sind nämlich an jüdische Firmen herangetreten, damit sie den Mitgliedern des „Jüdischen Volksbercincs" bei ihren Einkäufen Preisermäßigungen gewähren. Thatsächlich ist cs uns auch gelungen, viele jüdische Geschäftsleute geivissermatzen als Lieferanten für die Mitglieder des „Jüdischen Volksvereines" zu acgnirieren. Das Verzeichnis aller dieser Firmen ist Ihnen bereits zugegangen, nnd stellen ivir die Bitte an Sie, Ihre Einkäufe bei den Ihnen vom Vereine empfohlenen Geschäftsleuten zn besorgen, da Sie hier eine namhafte Preisermäßigung auf alle Bedarfsartikel erzielen. Der Verein thut das nur, nm zn verhüten, dass jüdisches Geld unter christliche, antisemitische Geschäftsleute kommt. In der jetzigen schweren Zeit, ivo der jüdische Geschäftsmann öffentlich von den Christen boycottiert ivird, ist cs doppelte Pflicht jedes Inden, wo cs nur möglich ist, seine Einkäufe bei Juden zn machen. Unserem eigentlichen Hauptziele, nämlich der Schaffung einer großen, Ivenn möglich alle Inden umfassende Organisation, sind ivir auch im abgelanfenen Jahre um ein bedeutendes näher gerückt. Von mehreren Probinzstädten ivnrden tvir angegangen, unsere Statuten nnd sonstige Behelfe einzusenden, damit die Juden auch dort einen derartigen Verein gründen. Jede derartige Aeußcrung des jüdischen Volkslebens haben wir selbstverständlich mit Freuden begrüßt und nach Kräften gefördert, nnd so haben sich bereits solche Vereine gebildet, von denen die letzten in Proßnitz nnd Czernotvitz fiitt). Auch hier in Wien, im nennten Bezirke, ist es uns gelungen, einen jüdischen Bolksverein zu schaffen, der ganz in unserem Geiste thätig ist. Und so hoffen Ivir, das große Ziel, das uns vor Angen schwebt, nämlich die Organisation des Judenthums, auf einheitlicher Basis langsam aber sicher zu erreichen. Einem ethischen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung Rechnung tragend, hat der Verein eine Freilesehalle errichtet, und der zahlreiche Besuch, dessen sich diese erfreut, beweist, lute nothwendig eine solche ivar. Hier ist auch der Ort, allen denjenigen Journalen nnd Wochenschriften, die uns Frei-Exemplare für unsere Lesehalle schicken, unseren besten Dank anszusprechcn. Auch an die Errichtung einer Volksbibliothek ist Ihr Vorstand geschritten nnd hofft, in kürzester Zeit eine recht stattliche Anzahl von Büchern beisammen zu haben, nm diese Bibliothek dem jüdischen Volke zugänglich zn machen. Möge jeder von Ihnen, meine Herren, in seinen! Bekanntenkreise dahin ivirken, dass dein Vereine zu diesen! Zwecke Bücher zngewendet iverdeu. Der Vorstand selbst hat mehr als seine Schuldigkeit gethan, an Ihnen ist cs, denselben hier ivie in allen anderen Dingen zu unterstützen. Und so schreiten wir rüstig in unser viertes Vcreinsjahr mit dem Bewusstsein redlich erfüllter Pflicht nnd mit der Hoffnung, Nass Ivir auf dem rechten Wege sind, der dem Judenthnme und den Inden unseres gesummten Vaterlandes zum Heile gereichen ivird. Unsere Devise lautet: „Vorivärts für Gott nnd unser jüdisches Volk!" lieber Antrag des Dr. «ofer wurde dem Vorstande einstimmig das Absolutorinm ertheilt. Hof- und Gcrichtsadvocat Dr. Karl LiferiS dankte hierauf dem Vorftandsmitgliede Herrn Mar Pappenheim für seine dem Vereine so ersprießliche Thätigkeit, Herr Richard Rapaport gedenkt dankbar „unseres" PublieumS welches alle Darbietungen deS Vereines mit Interesse begleitete. Bei den hierauf stattgehabten NeMvahlen wurde Herr Hermann Eltbogen zum Präsidenten und die Herren Dr. Richard Rappa'port, Hermann FlaschkeS, Heinrich Kormnehl, Max Pappenheim, Dr. Leo Drublowicz, Dr. Carl LifcziS, Dr. Jacob Kohn, Markus Herrnfeld in den Vorstand gewählt. ' Ein jüdischer Bolksverein in Czernowitz. (Original-Correspondenz des „Jüdischen Volksblatt".) C z e r n 0 w i tz im Juli. Am 29. Juni fand unter ^em Vorsitze des Reichsrathsabgeordneten Dr. Benno straucher die constir.uiereude Generalversammlung des neugegründeten jüdichen Volksvereines in Czcrnowitz statt. Dieser Verein ist den b e r e i t S i u W i e n b e - >t c h c u d e n n a ch g c b i ld e t. Der jüdische Bolksverein bezweckt die Hebung des jüdischen Stammes- und Selbstbewusstseins, die Wahrung der bürgerlichen und Politischen Rechte der Juden sowie die Wahrnehmung aller culturellen und lvirtschaftlicheu Interessen deS jüdischen Volkes. Gleich bei der constituierenden Versammlung sind dem Vereine 200 jüdische Bürger als Mitglieder beigetreten. Die Versammlung wurde voir Dr. Straucher eröffnest der in kurzen Worten die Entstehungsgeschichte des jüdischen Volksvereines in Czcrnowitz erzählte, die wesentlichsten Bestimmungen der von der Negierung bestätigten Statuten vorlas und daran eine Jnterprataion dieser Bestimmungen knüpfte. Die Ausführungen des Dr. Straucher wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Die Versammlung begrüßte die Gründling des neuer! Vereines mit ungeheuchelter Freude. In der hierauf entstandenen Debatte sprach vorerst Herr David Gerbet, sodann Herr Redacteur Moritz Stecket, der die Gründung des „Jüdischell Volksvereines" in Czcrnowitz als einem dringenden Bedürfnisse entsprungen bezeichnete lmd in eindringlicher Weise ans die nationalen Bestrebungen der Rumänen, Nuthenen, sowie insbesondere der Christlich-Deutschen in der Bukowina Hinweis. Hierauf ergriff Dr. M a y e r E b n e r das Wort, nm in längerer Rede ans Geschichte lind Bedeutung der jüdischnationalen Idee einzugehen. Die jüdisch-nationale Idee, sagte Redner, unter anderem, Ivar daS Primäre, aus dem sich der Zionismus entwickelt hat. Er (Redner) sei überzeugter Zionist, nnd eben deswegen auch überzeugter Jüdisch-Nationaler. In der Erkenntnis, dass die Juden in den europäischen Ländern weder Franzosen, weder Deutsche noch Polen, Czechen oder Rumänen sind, fußt auch die Ueberzengung von der Existenz einer besonderen jüdischen Nation, die als solche unveräußerliche Volksrechte hat. Während der Zionismus dazll berufen ist, denjenigen Juden, welche im Osten Europas keinen wirtschaftlichen Halt mehr haben und haben können, eine äffentlich-reck)tlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu verschaffen, muss es Aufgabe der Jüdisch-Nationalen sein, für die lvirtschaft-

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