Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. Juni 1901 Nr. 25 Seite 4 CSonfcffioit 091 Katholiken, 108 Protestanten ttttb 28 Inden. Die Juden betragen demnach ganz genau zwei Procent der Häftlinge, während der Procentsatz der Inden in Wien über nenn Procent und der Inden in Oesterreich nahezu sechs Procent beträgt, daher den Inden mit Rücksicht ans Wien 80 und mit Rücksicht ans ganz Oesterreich 40 Ziffern zngnte kommen. Prag. (Die Prager Kaiserrreise und unsere daran sich knüpfenden Hoffnungen.) Noch steht die Gesammtbevölkernng Oesterreichs unter dem mächtigen Eindrücke des Monarchenbesnches in der Hauptstadt des Böhmerlandes, und noch hallt das freudige Echo nach in den Herzen aller, die Augenzeugen bei dem großen Landesfeste gewesen oder in der Ferne, im Geiste, lebhaft an demselben theilgeuommen haben. Unter stürmischem Jnbel und frenetischer Begeisterung beider Volksstämme hat der allgeliebte Regent seinen Einzug in der altehrwürdigen Moldaustadt und anderen bedeutungsvollen Provinzstädten gehalten und unter fortwährenden, überwältigenden Ovationen und Loyalitätskundgebungen seitens treu und unentwegt an Thron und Dynastie festhaltender Unterthanen hat der greise Herrscher daselbst mehrthägigen Aufenthalt genommen. Wie immer bei feierlichen Anlässen, empsteug der Landesherr auch bei dieser festlichen Gelegenheit unter den zahlreich erschienenen Abordnungen rmd Deputationen des Landes auch die Repräsentanten und Vorstände mehrerer Cultnsgemeinden und Corporationen in der gewohnten huldvollsten Weise. Wahrlich, wir beneiden die zu dieser hohen und seltsamen Mission erkorenen Vertreter der böhmischen Judenschaft, dass es ihnen vxrgönnt war, in des Gesalbten leuchtendes und leutseliges Antlitz schauen, den heiligen Segenspruch vorschriftsmäßig recitieren und die loyale Gesinnung ihrer Glaubensgenossen vor den Stufen des Thrones niederlegen zu dürfen, denn sie haben damit nicht nur die Gefühle und Empfindungen jener Körperschaften, die sie zu vertreten berufen waren, getreulich verdolmetscht, sondern auch gleichzeitig den Herzensregungen der gesummten Judenschaft der Monarchie vollen, klaren Ausdruck und concrete Formen verliehen. Und als an dem eben verflossenen Sabbath, auf den der Prager Monarchenbesuch fiel, in den Gotteshäusern, Tempeln und Synagogen des Reiches, vor offener Bundeslade, vor dem Allerheiligsten, aus dem Munde der geistigen Gemeinde-Oberhäupter das gottesdienstliche Ceremouiell, das usuelle Gebet für den Kaiser und Landesvater ertönte, das in den Worten gipfelt: „Herr des Weltalls, der Du Fürsten und Könige segnest und sie mit Sieg, Ruhm und Herrlichkeit krönest, verleihe Deinen göttlichen Schutz und Beistand unserem Landesherrn, dem Kaiser Franz Joseph I., erhalte und beschütze ihn und lass uns unter seiner weisen, fürsorglichen Regentschaft Huld und Gnade finden^; da mag die in Andacht versunkene Beterschaar, die von echtem Patriotismus und unwandelbarer Kaisertreue durchdrungene Gemeinschaft mehr denn je der Gedanke beseelt haben, dass ihr Gebet erhört, ihre Hoffnungen verwirklicht und ihre Wünsche in Erfüllung gehen werden. Und so wie die Kaiserreise naH den Gemarkungen des Sudettenlandes allenthalben als Friedensreise aufgefasst, und die hohe Auszeichnung, die diesem Königreiche durch den Monarchenbesuch zutheil geworden, als Friedens- Werk bezeichnet wird, das die dortigen, in einem hartnäckigen, politischen Parteikampfe verwickelten Volksstämme einiger und zu einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenwirken führen soll, so möge der hohe Einfluss der Krone auch auf die in diesem Lande und anderen Gauen des Reiches zutage getretene antijüdische Strömung, unter welcher nicht allein unsere Glaubensgenossen, sondern die Gesammtbevölkernng Oesterreichs sowohl in socialer als wirtschaftlicher Beziehung empfindlich leidet, eine heilsame Wirkung ausüben und eine nachhaltige Wendung zum Besseren herbeiführen. Ist es doch aller Welt bekannt, dass Kaiser Franz Joseph I., Oesterreichs allverehrter Landesregent, an dem Schicksale seines Volkes warmen Antheil nimmt, die Interessen aller Nationalitäten und Confessionen wahrt, und dies stets in geeigneten Augenblicken zum Ausdruck bringt. Und darum blickt die jüdische Einwohnerschaft, die gesammte Judenschaft Oesterreich-Ungarns in tiefster Ehrfurcht voll Zuversicht und Hoffnungen zum Throne Habsburgs empor, und all ihre Wünsche, sie klingen in dem Gedanken aus: „Gott be schütze unfern Kaiser, unser Land!" Daniel Skutezky. Prag. (V o n d e r K a i s e x x e i f c.) Als Vertreter der „Israelitischen Cultnsgemeinde in Prag" wurden der Präses der Cultusgemeinde-Repräsentanz Dr. Arnold Rosenbacher, Dr. Ludwig Bendiener, Präsesstelloertreter und Se.Ehrw. Oberrabbiner Dr.Nathan Ehrenfeld empfangen Vor dem Empfange wurde über Anfrage des Dr. Nosenbacher von dem Hofcommissär erklärt, dass der Oberrabbiner mit den beiden Vertretern der Cultrisgemeinde unbedeckten Hauptes einzutreten haben, aber dann sofort ohne Anfrage das Haupt bedeckeir. Der Oberrabbiner, der im Ornate erschienen war, sprach den hebräischen Segensspruch und fügte den deutschen hinzu: „Des Himmels reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Eurer Majestät, Amen!" Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte, worauf er sich an Dr. Nosenbacher mit der Frage wandte: „Sie sind Vorsteher der Gemeinde?" Dr. Nosenbacher: „Zu Befehl, Majestät, seit 12 Jahren; ich hatte schon vor zehn Jahren das Glück, Eurer Majestät die Huldigung unserer Gemeinde zu unterbreiten." Der Kaiser: «Ja, ich weiß, es ist sehr verdienstlich, dass Sie das Amt so lange führen. Die Gemeinde hat sich Wohl sehr vergrößert?" Dr. Nosenbacher: „Nach der letzten Volkszählung zählte Prag 10.000 und die Vororte 8000 Juden, sämmtlich treue Unterthanen Eurer Mäjestät". Der Kaiser erwiderte huldvollst: „Das weiß ich, ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann." Sodann fragte der Monarch Se. Ehrw. den Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld: „Es sind Wohl mehrere Rabbiner in Prag?" Dr. Ehrenfeld:- „Zu dienen, vier Rabbiner." Der Kaiser: „Wohl auch mehrere Synagogen?" Dr. Ehrenfeld: „Acht große nnb mehrere kleine, in denen allen sowie in jenen des Landes allsabbathlich für Eure Majestät ans tiefstem Herzen gebetet wird." Der Monarch lächelte gnädigst und fragte weiter: „Es nmss sehr viel zu thun sein? Schon das Adnünistrative allein macht sehr viel Arbeit?" Dr. Ehrenfeld: „Es geschieht mit Liebe und Pflichteifer". Dr. Bendiener fragte der Kaiser: „Sie sind auch im Vorstande der Gemeinde?" Dr. Bendiener: „Ich hatte schon bei wiederholten Gelegenheiten das Glück, Eurer Majestät vorgestellt zu werden, da ich Stadtrath und Stadtverordneter war." Der Kaiser: „Es ist sehr verdienstlich, dass Sie so lange amtieren. Ich danke den Herren." Die Audienz währte ungefähr fünf Minuten. Olmütz. (B o l k s z ä h l u n g.) Nach der Volkszählung vom 8!. Tecembcr 1000 ist die Gesammtbevölkernng der Stadt seit 1800 voll 10 050 ans 18 075, d. h. mit 10 Percent gestiegen, während sich die Zahl der Juden allein von 1286 auf 1500, also um 22,5 Percent gehoben hat, so dass diese statt ca. 7,7 Percent wie vor 10 Jahren, jetzt 8.8 Percent der Civilbevölkernng bilden. Es sind eben Juden aus der Umgebung, z. B. aus Prerau, Holleschau in die sichere Garnisonsstadt eingewandert. Budapest. (B i l d h a u e r E it g e l g e st o r b e n.) Nach einem langen, rastloser künstlerischer Arbeit gewidmeten Leben, ist der Nestor der ungarischen Bildhauer, der Schöpfer des Szecheniy-Denkmals, Josef Engel, gestorben. Er erreichte das hohe Alter von sechsundachtzig Jahren und erst im letzten Jahrzehnt seines Lebens gönnte er sich Rtihe, weil ihn das Alter hierzu nöthigte. Als Künstler gehörte er der classischen, oder wie die Modernen von hellte sie nennen, der „alten Schule" an; in dem van ihm gepflegten Genre aber hat Engel seinerzeit viel Schönes und Gutes geschaffen. Nach mancherlei künstlerischen Erfolgen, die er im Auslande gefeiert, kehrte Engel in sein Vaterland heim. Er ließ sich itt der Hauptstadt bleibend nieder und hier ist er sanft ins Jenseits hinübergeschluinmert. Budapest. (S ch l u s s p r ü f u n g.) Sonntag am 16. d. M. fand in Neupest die Schlussprüfung der dortigen Talnnid-Tora- Schule statt.1 Es waren zur festgesetzten Stunde erschienen: Herr Rabbiner Dr. Ludwig Venetianer, der bestrebt ivar diese Anstalt zu ihrer heutigen Blüte zu bringen. Herr Moriz Weiß als Gemeindepräses,Herr Dr. Heinrich Lichtmnnn Vicepräses, Herr' Di-, juris Simon Führer als Präses der Schnlcommisiou und die Mitglieder derselben, Herren Dr. Jacob Wolfner und Herr Ludwig Grün bäum, und eine orosts Zahl geladener Gäste. Es war erhebend zu hören, wie geläufig und zufriedenstellend die Zöglinge dieser Anstalt geantwortet haben. Die erste Abtheilung hät die ersten drei Wochenabschnitte durchgclernt. Die zweite Äbtheilung hat schon die Bibel mit Grammatik und Raschi-Commentar gelernt, und die dritte Äbtheilung hat bedeutende Fortschritte gemacht, indem sie zwei Abschnitte des Tractates Besah mit Raschi und Tyscfot gelernt haben. Nach Beendigung der Prüfung, welche als „musterhaft" genannt werden darf, richtete Herr Moriz Weiß Dankesworte an Ebrwürdcn als Leiter und Director dieser Anstalt für sein mühevolles Walten, denn er unterrichtet Talmud und Schulchan Aruch : dann an dre eifrigen Förderer, arr die Lehrer, Herrn Arnold F e l d m a n n und Herrn Jacob S i n g e r. Nuch erhob sich der Präses Herr Dr. S. Führer, richtete an di2 Schüler eine Ansprache, in welcher er feine Zufriedenheit über die Leistungen ihrerseits betonte, und vertheilte Prämien in barem Gelds, 1l>'> Kronen, und zwar von 20—5 Kronen. Er erwähnte des edlen Stifters David Frohnheim, der es ermöglicht alljährlich derartige Prämien zu gewähren, indem er ein Legat für ewige Feiten testierte, dessen Zinsenerträgnis nur fleißigen Talmud Thora Zöglingen zugute kommt. Budapest. (Volkszählung.) Die endgiltig festgestellten Resultate der Volkszählung ergaben für Budapest 703 448 Einwohner. Hiervon sind 100 190 Inden (Zunahme seit 1890 03 821, d. i. 02.8 Percent). Einer im „Egyctertes" veröffentlichten Statistik zufolge sind im Besitze der verschiedenen Confessionen nahezu zwei Millionen Joch Grundstücke; hiervon entfallen auf die jüdische Confession 1060 Joch d. i. 0,054 Percent. — Der verdienstvolle Sprachforscher Dr. Ignaz Halasz ist nach qualvollen Leiden in Budapest gestorben. Bei seinem Leichenbegängnisse waren vertreten: die Budapester und Klausenberger Universität, die ungarische Akademie der Wissenschaften, die Kisfaludy-Gesellschaft, mehrere Mittelschulen usw. Aratsch. (B l ü t h e n d e r V o l k s p a r t e i.) In Aratsch (Bacser Comitat) erstattete ein Serbe gegen den Krämer Emanuel Hauser die Anzeige, dass dieser vom Kopfe seiner Tochter Bln.t entnommen habe. Das Mädchen soll in das Geschäft Hausers gegangen sein, welcher dasselbe bewogen hat, sich am Kopfe einen Fleck Haare abrasieren zu lassen. Bei dicsr Gelegenheit hätte er ihr mit einem Rasiermesser eine kleine Wunde beigebracht, worauf er ihr etwas Blut entnahm. Der Vater gieng mit dem Mädchen zu einem Arzt, welcher bestätigte, dass er am Kopfe eine von einem Rasiermesser beigebrachte Wunde constatieren könne. Der Serbe hat gegen Hauser die Strafanzeige erstattet, Hauser hingegen hat Klage wegen Verleumdung erhoben. Ausland. Wiesbaden. (Schonung des religiösen Gefühls der c o n f e s s i o n e l l e n Minderheit.) Der Cultusminister hat unter dem 0. Mai eine die Schonung des religiösen Gefühls der confcssionellen Minderheit in paritätischen wie in Confessionsschulen betreffende Verfügung an die Negierung zu Wiesbaden gerichtet und den übrigen Negierungen zur Kenntnis und Nachahmung mitgetheilt. Diese Verfügung lautet: „Mit der Beurtheilung und Behandlung des Vorganges in der Schule zu Ems bin ich einverstanden. Atich ich bedauere, dass dort die confessionelle Minderheit über einen Mangel an Schonung ihres religiösen Gefühls zu klagen Anlass gehabt hat. Legen an und für sich das Gebot der Duldsamkeit und das staatliche Interesse an einem freundlichen und friedlichen Zusammenleben der Angehörigen der verschiedenen Confessionen jeder Schule die Pflicht auf, im Unterrichte altes zu vermeiden, was die Gegensätze erweitert, und alles zu pflegen, was das unbefangene Zusainmenlebeu zu fördern geeignet ist, so muss die Rücksichtuahine auf den Standpunkt anderer Glaubensgenossen besonders da sorgsam beachtet werden, wo Kinder verschiedener Eonfessionen detl Unterricht geuünsain empfangen. Es gilt das nicht nur für paritätische Schulen, sondern ebenso für Confessionsschnlen, in denen sich eine, wenn auch kleine Minderheit von Kindern anderer Eonfessionen befindet. Soweit die Behandlung der Unterscheidnngslehren im Unterricht nothwendig ist, gehört sie in den Religionsunterricht. Aber auch dieser darf die Rücksichtnahme atif das religiöse Bewusstsein der Andersgläubigen niemals außer acht lassen. Darin sind alle Confessionen einig, und die Erziehung in der Schule mtiss diese Erkenniltis wachhalten und fördern, dass es nicht nn weiten Gebieten fehlt, auf denen den Angehörigen verschiedener Confessionen ein gemeinsames Wirken möglich und Pflicht ist, sowie dass viel Gutes und Schönes unentwickelt bleiben mtd das Staatswohl gefährdet werden müsste, wenn die Erziehung der Jugend iticht pflegte, was tms eint, sondern vertiefte, was unser Volk cutf. religiösem Gebiete trennt. Ich vertraue, dass die königliche Negierung den betheiligten Kreisen, wo es etwa erforderlich sein sollte, die sorgfältigste Beobachtung dieser Grundsätze zttr Pflicht ntachen wird. Paris. (Todesfall.) Der bekannte französische Gelehrte und Dichter Eugene Manuel ist im Alter von 78 Jahren hier gestorben. Manuel trieb zuerst philologische Studien und bekleidete längere Zeit verschiedene Lehrerstcllen, zuletzt die Professur der Rhetorik am Lyeee Henry IV. zu Paris, bis er 1870 die Anfmerksamkeit des damaligen Unterrichtsministers, des berühmten Jul. Simon, ans sich lenkte, der ihn daitn zum Chef seines Sekretariats ernannte. In dieser Stellung bctvährte sich Manuel außerordentlich, so dass er nach acht Jahren schon Gencealinsveclor des öffentlichen Unterrichtes ivurde. Jit dieser Stellung, die er bis an sein Lebensende inne hatte, übte der Verstorbene einen hervorragndert Einfluss ans die Gestaltung des geistigen Lebens in Frankreich aus. Nicht minder erfolgreich ist Manuel, der unter anderem auch Eommandcur der Ehrenlegion tvar, als Dichter gewesen. Bon seinen Werten sind die tvichtigsren Gedichtsammlungen „PageS intimes", die von der Pariser 'Akademie gekrönt ivurden, sotvie „Pendant la gnerre" und „Poemes populaires", die die Stimninng des französischen Volles ivährend des großen Krieges in seltener Treue wiedcrspiegeln. Von seinen dramatischen Erzeugnissen sind bekannter geworden „les Onvriers" und „l'Absent". Besonders daS erstere, das einen Preis von 0000 Francs seinerzeit davontrug, hat eine sehr tvarmc Aufnahme gefunden. Roch hetlte zählen „Onvriers" zu dem ständigen Repertoire der „Coniedie Francaise". Im israelitischen Central-Eonsisrorium vertrat der Verstorbene seit Jahren Lyon. Paris. (I ü d i sch e A n t i s e m 11 c n.) Zu den eigenthümlichstcn Früchten der politischen Ereignisse der letzten Jahre gehört lvohl ohne Zlveifel das Auftauchcn jüdischer Antisemiten. Ihre Zahl ist in Frankreich viel größer als in Deutschland oder Oesterreich. AlS geistiges Oberhaupt dieser Herren ist Arthur Meyer zu bczeichtten, der getaufter Jude und Director des rvyalistisch-antisemitischen Blattes „Ganlois" ist. Wie bedauernstvcrt müssen solche Männer sein, die, um sich Eintritt in geivisse Kreise zu verschaffen, alles verleugnen, was ciiieni Menschen heilig und theuer sein innss, und ihre eigene Mutter mit Schmutz beiverfen. Eine tiefere moralische und geistige Verkommenheit kann man sich wohl kaum vorstellen. Uebrigcns tverden diese Leute innerhalb der reaclionären Parteien, in die sic nach langen Kriechereien eingetreten sind, begreiflicherweise sehr misstrauisch behandelt, man duldet sie tutr, weil sie oft nützliche Handlangerdienste zu leisten vermögen. So hat vor einiger Zeit der Herzog von Orleans, der jetzige französische Kronprätendent, dessen reactionäre Pläne im „Ganlois" stets einen warmen Vertheidiger und Beschützer gefunden haben, Arthur- Meyer, den Leiter dieses Blattes, als sale juif bezeichnet. Das ist der Dank, den sie ernten. Was Wunder, dass im Herzen dieser Männer alte Erinnerungen tvach werden — on revient toujours a ses premiOres ainours — und sie sich oft an ihre jüdischen Glaubensgenossen wenden, die sie selbst mehrmals beschimpft und verleunrdct 'haben. So hat Arthur Meyer vor einigen Tagen in seinem Blatte einen Aufsatz veröffentlicht, von dem man mit vollem Recht sagen kann: clificilo est satiram non scribere. Arthur Meyer ist nicht nur ein getaufter Jude irnd guter Antisemit, er ist auch eine feste Stütze von „Thron, Ordiumg und Altar". Er wendet sich daher an die französischen Juden, die eine große finanzielle Kraft darstellen; diese Kraft tvill Meyer ztir Bekämpfung der radicalen, ökonomischen und politischen Strömungen verwenden. Zum Schltlss fügt dieser Renegat noch hinzu, dass, falls die reichen französischen Inden diesem Naihe folgen, sie dadurch einen deutlichen Beweis ihres Patriotismus liefern und dadurch den Dank Frankreichs verdienen tvürden. Abgesehen von dem bodenlosen Unsinn des Planes, ist es überhaupt ftlrchtbar drollig, dass Meyer die Unverfrorenheit besitzt, sich an Inden zu tuenden und ihnen sogar die Anerkennung Frankreichs in Aussicht stellt. Er lässt also mit sich „schachern"; ist dies denn iticht, mit int antisemitischen Jargon ztt sprechet!, eine „jüdische" Eigenart? Daratif hat Bernhard Lazare in der„Aurore" einen vorzüglichen Aufsatz veröffentlicht, tvorin er Arthur Meyer die gebürende Antwort nicht schuldig bleibt. Selbstverständlich muss und wird ja der französqche Jude, sei er reich oder artn, mtd gatiz abgesehett von seinen politischen tmd religiösen Ueberzengttngen, es energisch ablehnen, mir einent Arthur Meyer in irgendwelche Unterhandlnngen eiitztitreten, selbst wenn er auch die schönsten Versprechtlngen macht. Verlorene Liebesmühe, Ontel MeyerI Wir bleiben in unserem Lager, bleiben Sie gefälligst bei den Ihrigen, das ist dao Einzige, iuormit wir Sie ganz ergebenst bitten, 't'imoo DnituoH et tlomm fercntes! Be NI. (II o b e r H a tt b e l s nt o u a l.) Int „Politischen Jahrbuch der schweizerischen Eidgenossenschaft" schreibt Professor Hilty in einer Abhandlung über die Handelsmoral Folgendes: „Da man heute den Juden die Verschlechterung der Handelsmoral zuschreibt, so wird es nur gerecht sein, zu erwähnen, dass der