Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. U Wien, Freitag jüdisches Volksblatt 14. Juni 1901 Seite 5 Diese Ausstellung soll eventl. euch die Geschichte der Juden von der Entdeckung Amerikas und die Briefe an die Marannen in Spanien, Washingtons Briefe an die Juden, Porträts, Stiche von amerikanisch-jüdischen Berühmtheiten, Photographien, Karten und Stiche von Synagogen und Institutionen, eine Sannnlung von Büchern und Manuscripten, Autographieu, die sich auf das amerikanische Judenthum beziehen u. s. w. illustrieren. Die Ausstellung von Gegenständen jüdisch-religiöser Kunst und Antiquitäten im allgemeinen, wurde für wünschenswert erkannt, weil sich solche Gegenstände von Wert im Besitz jüdischer Familien befinden und geeignet seien, das Studium der jüdischen Geschichte zu fördern. Die Dienste, welche die Juden seit Entdeckung dieses Welltheils geleistet, sollen in einem großen Bilde vorgesührt werden. Die Zusammensetzung des Comitees bürgt dafür, dass das ganze Unternehmen allen berechtigten Anforderungen genügen wird. Petersburg. (A n t i s e m i t s ch e Theaterr . . >Tr .p - » . . p . .. . st ü ck e.) Seit einiger Zeit machen auf den russischen TheagegenseUig sich anerfcrnd, bald sich gemeinsam bctfjciltßcnb, bctlb sich atuci Dramen Au lieben in welckien die Minden vererrrmiJPiih inhem iehrr »JprSrmh imtimmf- (TifTfur ltUl Ö,ÜU '4'Ul,,lUl <Ul[|UJtIl, Ul lUUUjUl Ult OUUUl Utt ZN lösende Aufgabe ist ins Auge gefasst die Fortsetzung des rumänischen Hilfswerks, das Studium der Schulfrage im Orient nnd die Möglichkeit der wirtschaftlichen Förderung unserer Glaubensgenossen daselbst. Aus der Versammlung wurden warme Dankesworte an das einberufende Comitee gerichtet, und mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass das begonnene Werk im Interesse der Humanität wachsen und gedeihen möge, schloss der Vorsitzende die constituierende Generalversammlung des „Hilfsvereins der deutschen Juden". — Der Verein wendet sich mit folgendem Aufruf an das jüdische Publicum: Glaubensgenossen! Seit dem Jahre 1860 besteht die „Alliance israelite universelle". Seit dem Jahre 1871 haben sich die englischen Juden zur „Anglo Jewish Association" zusammengeschlossen. In Oesterreich gibt es seit dem Jahre 1873 die „Israelitische Allianz". In allen größeren europäischen Staaten mit einer erheblichen jüdischen Bevölkerung haben unsere Glaubensgenossen, sofern ihnen dies durch die Gesetze des Landes möglich war, Vereinigungen gebildet, um an der sittlichen und intellectuellen Vervollkommnung und der socialen Hebung jener zu arbeiten, die mit ihnen durch die Bande der Religion verknüpft sind, und die ein widriges Geschick in geistger Arnrut und in leiblichem Elend zurückgehalteu hat. Alle diese Vereinigungen wirken harmonisch nebeneinander an der Aufgabe edlen Menschenthums, die sie sich gestellt haben, die ihn umgibt, und der seine Mitglieder sich augeschlossen haben, fpottet Werden. Dos eine biefer Dramen heißt: „Die lichtspendend in die Noth der dahinsiechenden Judenheit Osteuropas Contrabandisten oder die Söhne Israels" und dos andere: und der orientalischen Länder hinauszutragcn suchte. „Die Hochzeit des Rabbiners?' Wo eines dieser Dramen Ver diesem segensreichen Zusammenarbeiten fehlten bisher - - - . die Juden Deutschlands als selbständig organisierte Vereinigung. Diese Lücke ist jetzt ausgefüllt worden. Vielfach tverden wir mit den Schwesterorganisationen jen „Die Hochzeit des Rabbiners." aufgeführt wird, drängt sich das Publikum massenhaft ins Theater, das christliche, um das Stück mit seinem Beifall auszuzeichnen, das jüdische, um es auszupfeifen. Natürkvmmen und für ihre intellectuelle Entwicklung das Gebotene ist. antisemitischen Dramen anzukündigen und sie erzielt sofort , r A?icJc Erwägungen waren es, die die WUerzeichneten veran- Nolle Häuser. Aber die vielen Exce'sse, welche schon aus dierufei/,aben' bCU &cc öeut,dKn Juden ins Leben ZU yem Nulasse in den verschiedensten russischen Städten statt- Der Vorstand besteht aus den Herren: General-Consul Eugen j gefunden haben, regten bei der Theatercensur die Frage an, Landau-Berlin, 1. Vorsitzender. Rabbiner Dr. Horowitz-Frank- : ob diese Stücke Ilicht im Interesse der öffentlichem Ruhe verfurt a. M.; Stadtrath Magnus-Königsberg i. Pr.; Dr. Paul Na- Seien werden sollen than-Berlin; James Simon-Berlin (Vorsitzende). Dr. Gins- . ' <v vn,, berg-Berlin, Cassiercr. Dr. Hildesheimer-Berlin, Schriftführer. m r e tojvS?i.uC s Justizrath Cassel - Berlin, Schriftführer. Rabbiner Dr. May- '< Gelegenheit, jüdischen Reichthuin urid jüdisches Elend so eng baum-Berlin; Professor Badt-Breslau; Senator Fischer-Linden-! beieinander: zu s^ien, wie in unserer Stadt, und zwar beides m Hannover; R.-A. Mann-Stettin; Geh. Negierungsrath Mayer-! äußersten Extremen. Wakpcend m den vornehmen Stadt- Karlsruhe; Dr. H. C. Plaut-Hamburg; Rabbiner Dr. Werner-^ Ee ganze Reihe jüdischer Millionäre wohiien, ueht man München; Rabbiner Dr. Winter-Dresden; Albert Simon-Köln B der sogenannten ,,Alt)tadt , einem fast ausschließlich von (Beisitzer). Dem Central-Comitce gehören in Köln an die Her- Juden bewohnten Stadttheile, so großes Elend auf einen verren: Albert Simon, Karl Eltzbacher, Isidor Dülken. - hältnismäßig kleinen Raum zusanm,engedrangt, dass man nur ««.»•Nt. W«r*r2r;,r, s«? > durch persönlichen Einblick ein anschauliches Bild davon gewinnen (-Ä c i j t c n o t q.) ilmafSlicq ber Slitojfctibuiif} bc§ 9Iffprhittfl3 ftnm man beit ftieftcicn SViitcnnciTÖßcn beit S8ovtr.^ m ^üpkdltwttseorps nach China war im vorigen Jahre viel SesZ n» es unterlassen jüdische Woblthätiakeitsdie Rede von einer großen Aerztenoth beim Militär. Ein medicini- " Älten ün terÄwen Dafür aber' aibt^es viele üdi che bauvtmu^^au^ dass 6'!^BerreickO'der^Äss!Fabrikanten, welche in ihren Fabriken jüdische Arbeiter trotz des inenU (Si/inrt! 3 1? Oberarzt-1 oroßen Angebotes nicht aufnehmen, obwohl es für ausgemacht -stellen aus Mangel an Kräften nicht besetzt werden können.: ~;n.f v. 9LuAttv hem iiibifAen an st-leiü und Jüdische Aerzte aber würden nicht angestellt, während sie ohne L'?ätia Z weitai/s nachstebt So rum^ Beispül M be^ Ird ttlvLen^ r% I bS? SÄiffnT d«« ^schlechtest bezahllen Kmän Än (*?1 Än m?0llch Berufe (3-4 Rubel wöchentlicher Verdienst), welcher aber viel Aufmerksamkeit erfordert, der Unterschied in der Brauchbarkeit so sternke 6»mhn^n » dl?ra$t* | groß, dass viele christliche Firmen nur jüdische Ausnäherinnen Gelde aller Steuerzahler! pxrwenden. Glücklicherweise gibt! es auch Fabrikanten, bei denen minik »s R. uns°« Brüder em i^tS Kontingent. Der tzandwerker- Ministers Mit erfreulicher Offenheit, dass die Regierung nichts nnssAlieüliA iühisA unsere west- £WW ÄÄ’W Al aueroiugs pur vle ^LHatfache angeführt werden, dass in der ^srnllsAen Ar-beiten rweiseln wäre ein Ausllua bierber sebr LKLut'schel ,ühr°n l Vlf4te «» “«.Ä^nÄ i!&dlÄ="»80rt- M d°n . Straßen >ht man überall Üksichts des vorhandenen Mauquements nichts Militärärzte anmuIIvL,, ^°CU stelle. Es war der Abgeordnete Müller-Sagau, der auef); ,CWpeu‘ v ausdrücklich statistische Nachweise darüber wünschte, wie die! Buenos-Ayres. (Judenverfolgung). Die Stellen besetzt würden und wieviel jüdische Reserve-Militärärzte Stadt Cameta in der Republik Brasilien war der „Bres- ÄftSSI; Ä?‘ Äcuebef drang in die von Inden bewohnten Häuser ein, uni , . .. . .. . . . . .nach Herzenslust zu plündern mnd sich an dem in den Läden auch nach derselben — wird man immer und immer wieder die Norgefundenen Brantwein zu berauschen. Die Juden wurdie Kohlen, Mehlsäcke, Ballen Wolle u. s. w vvmv 'vvftuumuny, |UUl|UjC 4&/lUUlUjie UlU>|a)lUpe* « .L Gr theilte ferner mit, dass die Militärverwaltung demnächst eine? verp Statistik der jüdischen Reserve-Sanitälsosficiere vorlegen werde. und Bis zum Erscheinen dieser Statistik aber — und wahrscheinlich ' nrtrfi frage aufwerfen müssen, warum das Manco iu den Militärarzt- Stellen nicht durch jüdische Aspiranten wenigstens zum Theile beseitigt wird. Boryslaw. (Strike.) Aus Boryslaw kommt die Nachricht, dass sämmtliche Arbeiter der dortigen Naphthagruben die Arbeit eingestellt haben. Nun ist man ui der Hage, die Arbeitersreundlichkeit des Herrn Zechner, des Schützers der Länderbank und Schützlings der „Arbeiter den auf dem Marktplatze zufammcngetrieben nnd ohne lveitere Umstände zur Stadthinausexpediert, um einige Meilen außerhalb des Stadtbereiches sich selbst und ihrem lveiteren intgelvissen Schicksale überlassen zu bleiben. In dem Orte selbst wurde dann das Plünderungs- und Zerstörungswerk lustig fortgesetzt und mit dem Eigenthnm der „ausgewiesenen" Juden derartig umgegangen, dass Zeitung", zu ermessen. Die schlechte Entlohnung und das * nicht nur alles, was nur irgendwelchen Wert repräsentierte, Strafsystem, das die Grubendircction im ©tnüeiftanbniffe' verschwand, sondern auch an den betreffenden mit der Verwaltung eingeführt hat, sind die unmittel- Häusern keine Thüre und kein Fenster intact blieb. Drei baren Ursachen des Äusstandes > Wohnstätten von jüdischen Familien wurden in Brand ge- Paris. (E i n R 0 t h s ch i l d a l s A r 5 t.) In der ^.Verschiedene emsichtsvollerErger^jedoch machten Rue de Picpus in Paris steht ein Haus, lvelches schon von '!lä) schnell an das Loschen.. sr1 weitem die Aufmerksamkeit des Vorübergehenden auf sich ^1C, Ö^P.??. a^ clll?rcai^ci )Llarc‘?lt1311 hnrrfi feine he»»»» eiff ein einfscheint vollständig inachtlos oder vielleicht auch Nicht gezwchtöckigcs Gebälidc, s?ud°m'durch die zahlrcichcn Kin^! wiM gcwcjc,, zu ftin. di- AuM,mtungcu zu v-rhiud-n, ber^nen eTfer mnnri<4»en s)r»4 m»s NAv3f»e sii und die jüdischen Faiiulien m Schutz zu iiehiiieii. Was aus d -^S d°u icfetcrcit übrißeitS uach ihrer Austreiduus, n-i-ord-u ist. wSS 3 tf ’ M fiP '"chtaufklurcu^ffeu. D.e R-ai-ruun sckild" die vielen Kinderwi-iaen harren ihrer Insassen die > Hat aber strengste Unter uchung dev r)'allev angeoidnet, znoie viewn Skmoerwagen Harren | Ina( auch in zahlreichen anderen Städten die Juden bedroht hierher gebracht worden sind, und das Automobil gehört dem Baron Henry de Rothschild, jetzigem Haupte der Familie Rothschild in Paris, Besitzer, Leiter und Chef-Arzt des „Hospital de Rothschild"Jhm zur Seite steht eineAnzahl tüchtiger Aerzte, darunter zwei Damen für die Frauenabtheilung. Jeden Morgen 10 Uhr erscheiiit der Baron auf seinm Autoniobil, untersucht, operiert und impft. Es snid die Armen und Aermsten aller Confessionen, die sich hier zusammenfinden, und so manches andere Leiden ist hier schon gelindert worden, welches mit Gestmdheit und Krankenhaus gär nichts geniein hat. New-Zork. (Eine j ü d i s ch - h i st 0 r i s ch e A n s st e l l u it fi.) Im Winter 1901/1902 wird in der City in Nelv-Aork eine große jüdisch-historische Ausstellung unter Mitarbeit verschiedener jüdischerVereine, insbesondere der „Federation American Zionists", veranstaltet werden. Die Abiitttimiuö der §§ 59 und 60 der Gtmrbe-Ordimllg im Parlamente. (AusderSitz u n,g v o m 8. d. M.) Minoritäts-eBrichterstatter Dr. R. b. Placek führt aus, es müsse ein Unterschied gemacht tverden zwischen dem Aufsuchen von Bestellungen ans Waren nnd dem Aufsuchen von Bestellungen auf?lrbeiten. Nach Paragraph 60 hätte aber der Geschäftsmann keinen Schutz beim Aufsuchen von Bestellungen auf Arbeiten und wäre Denunciationen ausgesetzt. Wenn keine derartige Bestimmung in daö Gesetz aufgenonunen tvird, auf die sich die Gewerböleute berufen können, so sind sie der Willkür der Polizei überlassen. Die Correctur der Gesetzgebung könne doch nicht allein mif den Wiener Leisten geschlagen werden, sondern wir! müssen mich die Verhältnisse in den kleinen Städten und auf dem flachen Lande berücksichtigen. Der sogenannte Bezirksgewerbsmann knöne nicht mif die Kundschaft im Städtchen allein rechnen, sondern er muss im geeigneten Momente überall im Bezirke hinkommen können und seine Arbeit offerieren. Dieses Recht des Getverbsmannes ist überaus wichtig. (Zustimmung.) Redner würde wünschen, dass das Gesetz durch seinen Minoritäts-Antrag ergänzt, sonst unberändert angenommen würde. Abg. Dr. Pommer (deutsche Volkspartei) polemisiert gegen den Abg. Dr. Ellenbogen und erklärt, das; die Socialdemokraten den gelvaltsamen Umsturz der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung anstreben. Die von Marx gepredigte zunehmende Massenverclendung ist heute eine Unwahrheit. Es geht heute den Massen nicht mehr so schlecht wie zu den Zeiten der Sclaverei, der Hörigkeit und der Leibeigenschaft. Die Socialdemokraten ivollen aber die Unzufriedenheit der Massen haben, weil diese dadurch aufgestachelt werden, mau sich ihrer dann leichter bemächtigen und mit ihrer Hilfe zur Macht gelangen kann. Ihnen ist es recht, lvenn cs schlechter wird, uns aber ist es recht, wenn es besser tvird I Abg. Dr Ellenbogen (Socialdcmokrat): Haben wir deshalb gegen den Neun-Stundcn-Tag und für den Acht-Stunden-Tag gestimmt? Abg. Dr. Pommer: Sie haben gegen den Neun-Stunden-Tag und für den Acht-Stunden-Tag gestimmt, weil Sie wissen, dass der Acht-tSundcn-Tag nicht erreicht wird, und wenn er gegeben würde, so würden Sie für den Sieben-Stunde-Tag sein. Abg. Dr. Ellenbogen: Das ist eine directe Unwahrheit, WaZ Sie da sagen! Abg. Dr. Pommer: Ich lüge nie! Ich kann irren, aber ich lüge nicht! Abg. Dr Ellenbogen: Sie haben jetzt die Unwahrheit gesagt! Abg. Dr. Pommer: Sie sind ein frecher Jude! Abg. Dr. Ellenbogen: Sie sind ein frecher Kerl! Werter verstehen Sie nichts! Abg. Dr. Pommer: Die Socialdemokraten, die zuweilen versuchen, sich auch der Bauern und Kleingetverbetreibenden zu bemächtigen, waren wieder einmal genöthigt, offen einzubekennen, daß sie eine einseitge Classenpartei der organisierten, insbesondere der industriellen Arbeiterschaft sind. Wir von der deutschen Volkspartei sind aber und wollen ... Abg. Eldersch: Alle retten! Abg. Dr. Pommer: . . . Vertreter des ganzen Volkes sein. Ja, tvir tvollen Alle retten, auch die Arbeiter. Wenn die Socialdcmokratcn unsere Reformen als Rcaction hinstellen, so sei ihnen diese Freude gegönnt. Redner begründet hierauf sein von ihm cingcbrachtes Minoritäts-Votum auf Wiederaufnahme von Strafbcstimmnngen in das Gesetz, wie solche in dem vorjährigen Entlvurfe enthalten tvaren. Er fordert die Regierung auf, zu erklären, ob sie die ganze Reform unmöglich machen wolle für den Fall, als diese Strafbestimmungen in das Gesetz ausgenommen würden. In diesem Falle tvürde Redner sein Minoritäts-Votum zurückzichen. Der Geivcrbestand würde aber dann erkennen, daß es der Regierung mit der ganzen Gewerbe-Reforni nicht ernst ist imd sie nur eine Scheinreforin machen will. (Beifall.) Minoritäts-Berichterstatter Schneider (christlich-social) begründet die Nothtvcndigkeit schärferer Strafbestimmungen. Wenn das Gesetz ohne verschärfte Strafbestimmungen eingeführt wird, so werden die Christen dabei verlieren und die Juden werden doch keinen Schaden haben. Die Strafbestimmungen sind auch nothwendig, damit der Credit der Wiener Waren, der durch die Pofelware der Hausierer, die in alle Kronländer verschleppt wird, vielfach verloren habe, tvieder gehoben werde. Die Brothausierer sind eigentlich Hauptagitatoren der Verhältnisse nnd sind die Spione der Socialdemokraten. Das berühmte Wiener Gebäck wird durch die Brothausierer discreditiert. Diese Hausierer leben oft im Concubiuate mit frechen Dirnen und verschleppen Krankheiten.. Der Abg. Wrabetz hat von den Defraudationen bei Genossenschaften gesprochen. Warum sagte er nichts davon, dass Defraudationen bei den Krankencassen vorgekommen sind? Die Verhältnisse werden deshalb immer schlechter, tveil immer mehr Juden ins Lmid kommen. Redner beantragt die seinerzeit borgeschlagenen Strafbestinimungen bezüglich der Confiscation der Ware, Arreststrafen und Entziehung der Geiverbebefuguisse in das Gesetz anfzunehmen, sowie in Alinea 2 des Paragraphen 60 die Regierungsvorlage wieder herzustellen, da speciell die Wiener kein Interesse daran haben, dass die Blumen für den Hausierhandel freigegeben werden^ Der Erzeuger bekommt nichts und der Gärtner leidet unter einer furchtbaren Concurreuz. Redner fordert sodann die Negierung auf, die Executivorgane dahin zu instruieren, dass bezüglich des Kohlen- und Petroleumhandels ähnlich wie bezüglich des Brothandels vorgegangen werde und dass andererseits den Kauflenten, Fragnern und Gemischtwaren-Verschleißerir gestattet werde, das Gebäck ihren Kunden zuzutragen. Vice-Präsident Prade: Während der Rede des Abg. Dr. Pommer hat sich ein Zwiegespräch zwischen diesem Abgeordneten und dem Abg. Dr. Ellenbogen entwickelt. Es haben sotvohl der Abg. Dr. Pommer als der Abg. Dr. Ellenbogen persönlich beleidigende Ausdrücke gebraucht. Dieselben sind unparlamentarisch, und ich rufe daher die Abg. Dr. Pommer und Dr. Ellenbogen zur Ordnung. Minoritäts - Berichterstatter Tambosi begründet seinen Antrag, der dahin geht, dass nicht allein die Handelskammer des Productionsortes, sondern sämmtliche betheiligten Handelskammern, also auch jene des Llbsatzgebietes, vernommen werden müssen, wenn das Hmidelsministerium eine Ermächtigung zum Detailrcisen in den betreffenden Artikeln geben soll. Eine große Reihe von Abänderungsnnd Resolutions-Anträgen gelangt zur Unterstützung. Abg. Laurenz Hofer (alldeuscher Verband) bemerkt, derjenige Theil der Agenten, der solide Geschäfte betreibe, werde durch das Gesetz nicht getroffen, nur ungesunde Zustände sollen abgeschaftt ioerdcn. Die Socialdeniokraten erklären, sie seien auch gewerbefreundlich; iu jedem Dorfe aber werde ein socialdemokratischer Consumverein errichtet. Die Hausierer seien zur Hälfte Juden und gehören größtentheils der socialdemokratischen Partei an. Redner polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Ellenbogen nnd fragt, ob die Gewerbetreibenden, die von früh morgens bis spät in die Nacht in ihrer Werkstätte arbeiten, auch schon Mastbürger seien. Die Gclverbetreibenden werden auch noch durch die Strafhausarbeiten geschädigt. Das Justizministerium falle eigentlich selbst unter die Strafbestimmungen der Paragraphen 69 und 60, indem es mit der Strafhausarbeit unbefugte Llgentie treibe. Ein Erlass des böhmischen Oberlandesgerichtes kündigt an, dass das Justizministerium den unterstehenden Gerichten und StaatsaiUvaltschaften sowie deren Functionären die Justizgesetze, die im Manz'schen Verlage erscheinen, mit einem Nachlasse von 25 Percent des Ladenpreises zu liefern in der Lage sei. (Rufe bei den Alldeutschen: Hört! Hört!) Redner stellt die Frage, in welchem Dienswerhältnisse das Justizministerium sich zu dieser Buchhandlung befinde. Redner bespricht sodann insbesondere das Hausieren mit Schnittwaren und beantragt eine Reihe von Strafverschärfungen. Abg. Wilhelm (deutsche Volkspartei) bezeichnet es als richtig« dass die Abänderring der Paragraphen 69 und 60 nicht alle Hoff« nungen des Gcwerbestandes erfülle, aber ein Schritt nach vor-» tvärts müsse gemacht werden, um zu einem Endziele zu kommen« Heute recrutiere sich aber eine große Anzahl von Hausierern mis arbeitsscheuen Elementen, denen trotz ihrer Körper- und Geistes; kraft die leichte Hausierthätigkeit behage. Redner könne sich aber eine nachhaltige Wirkung des Gesetzes nur versprechen, wenn auck, strenge Strafbestimmungen in dasselbe aufqenommen tverden, und ix werde daher für den Antrag Pommer stimmen. Es folgt eine Reihe thatsächlicher Berichtigung«i der?lbge-